Mediale Brandmauer?, Satire als News-Ersatz, Web-Archivierung

1. Wo ist sie denn, die angebliche mediale Brandmauer?
(fr.de, Tanjev Schultz)
Eine mediale Brandmauer zur AfD existiere laut Kommunikationswissenschaftler Tanjev Schultz aktuell nicht und habe auch nie bestanden. Zwar würden einige Leitmedien auf Interviews mit den Parteispitzen Alice Weidel und Tino Chrupalla verzichten, doch bestimme die AfD längst die gesamtmediale Themenagenda. Schultz warnt in seiner Kolumne vor einem vorauseilenden Gehorsam bei ARD und ZDF. Wenn Talkmaster wie Markus Lanz die Partei verharmlosend normalisieren, passe sich das öffentlich-rechtliche System womöglich von selbst an einen rechtsextremen Machtzuwachs an.

2. Christian Ehring: “Ich will nicht auf Teufel komm raus provozieren”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Zum 50-jährigen Bestehen von “Extra 3” bilanziert Moderator Christian Ehring im Interview mit “DWDL” die Entwicklung der ältesten deutschen Satiresendung. Das Alleinstellungsmerkmal des Formats liege in einem vergleichsweise versöhnlicheren Ton, der den Alltags- und Bürokratieirrsinn jenseits des tagespolitischen Betriebs aufgreife. Ehring beobachtet, dass Satire für jüngere Zielgruppen zunehmend als Wochenzusammenfassung und Nachrichten-Ersatz fungiere. Zudem habe sich die Relevanz durch Soziale Medien massiv verstärkt.

3. Bei der Web-Archivierung fehlt die Strategie
(netzpolitik.org, Leonhard Pitz)
Digitalhistoriker Jens Crueger mahne laut netzpolitik.org, dass Web-Archive als kritische Infrastruktur verstanden werden müssen. Das Internet sei entgegen landläufiger Meinungen extrem vergänglich, und bereits rund 38 Prozent der Webseiten aus 2013 seien verschwunden. In Deutschland fehle es an einer nationalen Strategie der Web-Archivierung und ausreichenden Ressourcen. Die Deutsche Nationalbibliothek erfülle ihren gesetzlichen Auftrag nur minimal, habe seit über zehn Jahren keinen vollständigen .de-Domain-Crawl mehr durchgeführt und schränke den Zugang durch eine gesetzliche “Terminalschranke” auf Vor-Ort-Lesesäle ein.

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4. No-SLAPP: Wehrhaft gegen Antifeminismus
(verdi.de, Vivian Kube)
Das sechste Kapitel des No-SLAPP-Handbuchs beschäftigt sich mit antifeministischen Klagen als gezielte juristische Einschüchterungsstrategie: “Antifeministische SLAPPs unterscheiden sich in ihrer Dynamik und Wirkung in einigen Aspekten von anderen missbräuchlichen rechtlichen Vorgehensweisen. Sie sind nicht nur rechtliche Angriffe auf die Meinungsfreiheit, sondern zugleich Teil einer größeren Strategie, feministische Stimmen, queere Perspektiven und Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt zum Schweigen zu bringen.”

5. Verklagen, bedrohen, überfahren
(taz.de, Katharina Wojczenko)
Seit dem Amtsantritt von Präsident Abelardo Gabriel de la Espriella Otero habe sich die Lage für unabhängige Medien in Kolumbien drastisch verschärft. Geleakte und inzwischen offizielle Richtlinien würden Ministerien eigenständige Pressekonferenzen und Interviews untersagen. Regierungsnahe Medien würden hingegen bevorzugt. Laut der Stiftung für Pressefreiheit FLIP nehme die Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten massiv zu. Außerdem würden die Drohungen und juristischen Einschüchterungen zu verstärkter Selbstzensur führen.

6. 10 Jahre funk – Daten, Werte und eine Zukunft mit KI
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 32:04 Minuten)
Kurz vor dem zehnjährigen Bestehen des jungen Angebots “Funk” von ARD und ZDF zieht die Programmgeschäftsführung um Philipp Schild und Christine Blum im Podcast “Läuft” Bilanz. Durch das stetige Herauswachsen des Publikums und eine stark datengetriebene Steuerung stehe man unter dem Zwang, Formate bei Zielgruppenverfehlungen radikal zu beenden oder an öffentlich-rechtliche Hauptsender abzugeben. Wachsende Sorge bereite zudem die Abhängigkeit von US-Konzernen. Plattformen wie die des Social-Media-Konzerns Meta würden zunehmend die Ausspielung politischer Inhalte drosseln, weshalb man vermehrt auf dezentrale Netzwerke wie das Fediverse setze.