Informationsroulette, Wahlkampf im TV, Ehrenpreis für Peter Kloeppel

1. Der Wahlkampf im Fernsehen
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Die TV-Wahlberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stecke vor den anstehenden Landtagswahlen in einem Dilemma: Sender wie der MDR würden in eigener Sache vor den Folgen einer AfD-geführten Medienpolitik warnen, die Spitzenkandidaten der Partei jedoch nach wie vor zu TV-Duellen einladen. Rechtliche Grundlage dafür sei das Prinzip der abgestuften Chancengleichheit aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1957. Lars Lubienetzki stellt zur Diskussion, ob die rund 70 Jahre alten juristischen Vorgaben zur Sendezeitverteilung in der heutigen, stark fragmentierten Medienlandschaft noch zeitgemäß sind.

2. Informationsroulette bei den Landtagswahlen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Eine Untersuchung der Organisation AlgorithmWatch zeige, dass Googles KI-Übersichten bei Suchanfragen zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin intransparent und willkürlich seien. Zwar blende der Konzern bei wahlbezogenen Fragen seltener automatisierte Zusammenfassungen ein als bei Alltagsthemen, die Kriterien für das Erscheinen würden jedoch völlig unklar bleiben. Zudem kritisiere die Studie eine geringe Quellenvielfalt sowie die Neigung der Künstlichen Intelligenz zu wohlwollenden, wenig neutralen Formulierungen über Kandidierende.

3. Petition bündelt Forderungen an die Bundesregierung für Pressefreiheit und Medienvielfalt
(correctiv.org)
Mit der Initiative “Meine Nachrichten schützen” richtet sich “Correctiv” gemeinsam mit Organisationen wie dem Deutschen Journalisten-Verband und der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, Wikimedia und HateAid mit einer Petition an die Bundesregierung. Drei zentrale medienpolitische Maßnahmen werden gefordert: die Einstufung von Medienschaffenden als besonders schutzbedürftige Gruppe im geplanten Gesetz gegen digitale Gewalt, die Wahrung des Quellenschutzes bei der Reform des Nachrichtendienstrechts sowie die im Koalitionsvertrag versprochene rechtliche Anerkennung und Sicherheit für gemeinnützigen Journalismus.

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4. “Wir brauchen ein grünes Schrumpfen, kein grünes Wachstum”
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Im Interview mit dem “journalist” fordert die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann eine radikale Abkehr vom Wachstumsdogma. Dem klassischen Wirtschaftsjournalismus wirft sie vor, durch neoliberale Ausbildungsmuster die realen ökonomischen und ökologischen Dynamiken systematisch falsch einzuordnen: “Viele Wirtschaftsjournalist:innen sind neoliberal ausgebildet. Wenn sie Volkswirtschaft studiert haben, haben sie meist die vorherrschende Lehre gelernt, die sogenannte Neoklassik, die unser System aber nicht richtig beschreibt. Sie gehen von einer Marktwirtschaft aus, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Das klingt naheliegend, ignoriert aber, dass dieses Modell sich nur auf bereits produzierte Gegenstände bezieht, die schon auf dem Markt sind.”

5. Journalistische Medien starten gemeinsame bundesweite Aktion
(medien.epd.de)
Mit der bundesweiten Initiative “Demokratie braucht viele Stimmen” setzen Verlage und Verbände (darunter BDZV, MVFP, Vaunet) sowie private und öffentlich-rechtliche Sender (ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1) vom 14. bis 19. September ein gemeinsames Zeichen für den Wert des professionellen Journalismus. Das breite Bündnis wolle das Bewusstsein für journalistische Qualitätsstandards, Quellentransparenz und verlässliche Einordnung schärfen. Während der Aktionswoche seien redaktionelle Beiträge über alle Mediengattungen hinweg sowie offene Dialog- und Publikumsformate geplant.

6. Peter Kloeppel erhält Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der langjährige Chefmoderator von “RTL aktuell”, Peter Kloeppel, werde mit dem Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehpreises 2026 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Kloeppel, der die Nachrichtensendung über Jahrzehnte moderiert sowie als RTL-Chefredakteur und Gründungsdirektor der RTL-Journalistenschule gewirkt habe, werde für seine unprätentiöse Vermittlung des Zeitgeschehens gewürdigt. Insbesondere sein souveräner, mehrstündiger Live-Einsatz am 11. September 2001 gelte bis heute als Meilenstein des deutschen TV-Journalismus.
Weiterer Lesetipp: Der Preisträger im Interview mit “DWDL”: Peter Kloeppel warnt vor AfD-Plänen: “Wehret den Anfängen!” (dwdl.de, Thomas Lückerath & Uwe Mantel)