Demütigungs-Business, Bezirksamt vs. Livestream, Gedächtnis weg

1. Das Geschäft mit der Demütigung hat eine lange Tradition
(tagesspiegel.de, Inga Barthels)
Dass Frauen in der Öffentlichkeit immer wieder mit Hass, Häme und Misogynie überschüttet und öffentlich gedemütigt werden, habe seit der Antike Tradition, schreibt Inga Barthels beim “Tagesspiegel”. Mit dem Aufkommen des Internets habe das Problem jedoch eine neue Dimension angenommen. Barthels nennt einige prominente Beispiele wie Kasia Lenhardt, Monica Lewinsky und Britney Spears.
Weiterer Hinweis: Auf Twitter wirft Jasmina Kuhnke (Twitter-Name: @ebonyplusirony) dem “Tagesspiegel” vor, mit ihr ähnlich umgegangen zu sein: “Lieber Tagesspiegel, ihr seid Teil des Problems, denn ihr hattet auch keinerlei Bedenken, u.a. mich, eine ‘twitternde Vierfachmutter’, zu diffamieren und öffentlich zu demütigen!” Kuhnke bezieht sich damit auf einen Artikel von Fatina Keilani aus dem Januar, der mehrfachen Widerspruch (1, 2, 3) ausgelöst hatte.

2. Bezirksamt untersagt Live-Berichterstattung
(tagesschau.de, Andrej Reisin)
Gestern haben das Robert-Koch-Institut und das Bezirksamt Berlin-Mitte auf einer Pressekonferenz über eine Corona-Studie berichtet. Die “Tagesschau” wollte, wie übliche Praxis, die Pressekonferenz per Livestream übertragen. Dies wurde jedoch vom Bezirksamt untersagt. Dazu hätte man vorher eine Einverständniserklärung aller Teilnehmenden einholen müssen. Die ARD-Verantwortliche Juliane Leopold zeigt sich besorgt: “Wir finden einen Präzedenzfall gefährlich, Livestreaming einer Pressekonferenz zur Corona-Lage zu verhindern.”
Auf Twitter zieht Hendrik Wieduwilt einen Vergleich: “Man muss sich das mal reinzimmern: Die live-Information der Öffentlichkeit soll davon abhängen, dass *jeder* Beteiligte vorher einwilligt. Hoffentlich bricht in Berlin kein Krieg aus, da verliert man immer DSGVO-mäßig den Überblick und es kommt wieder nichts in der Tagesschau!”
Weiterer Gucktipp: Bei “Zapp” geht der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar der Frage nach: Corona – Hat der Journalismus versagt? (ndr.de, Video: 10:30 Minuten)

3. Verbannung dank halbnacktem Jesus
(sueddeutsche.de, Christiane Lutz)
Google hat die App des Satiremagazins “Titanic” aus dem hauseigenen Appstore (“Google Play Store”) geschmissen. Stein des Anstoßes ist unter anderem eine Jesus-Karikatur auf dem Cover der Dezemberausgabe der “Titanic”. Dabei handele es sich um eine Darstellung, die laut Google “nicht mit unseren Sexualitäts- und Obszönitätenrichtlinien vereinbar” sei. Das Angebot der “Titanic”, einen Balken über die heikle Stelle zu legen, habe Google abgelehnt und auf der kompletten Löschung des Covers bestanden. “Titanic”-Chefredakteur Moritz Hürtgen zeigt sich eher amüsiert als schockiert: “Wenn Google bei seiner Haltung bleibt, finden wir eben nicht im Playstore statt.”

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4. Weg mit dem Gedächtnis
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Das Stuttgarter Pressehaus, Teil der Südwestdeutschen Medien-Holding (SWMH), will im Zuge von Einsparmaßnahmen sein Archiv schließen. Sparen an der falschen Stelle, wie Josef-Otto Freudenreich findet: “Ökonomisch bewertet ist der Posten Archiv höchstens Portokasse für die SWMH. Der größte deutsche Tageszeitungskonzern weist einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro und eine Beschäftigtenzahl von mehr als 5.000 aus. Zum Vergleich: Im Möhringer Keller sind von ursprünglich elf MitarbeiterInnen noch vier übriggeblieben, die ihre Kosten zudem in Teilen wieder einspielen.” Freudenreichs Urteil: “Publizistisch gesehen ist die Schleifung des Archivs ein Kulturbruch, ein weiterer Offenbarungseid.”

5. Podcasts, öffentlich-rechtliches Radio und die Plattformen
(kuechenstud.io, Philip Banse & Sandro Schroeder, Audio: 2:03:27 Stunden)
Der Journalist Philip Banse podcastet bereits seit dem Jahr 2005 und ist einer der Köpfe des tagespolitischen Podcasts “Lage der Nation”. Sandro Schroeder ist beim Deutschlandradio für Konzeption und Präsentation von Podcasts zuständig und versendet regelmäßig einen Fach-Newsletter. In ihrem Podcastgespräch über Podcasts sprechen die beiden Experten unter anderem über die Schwierigkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit dem neuen Medium und die drohende Dominanz der Audio-Plattformen.

6. Clubhouse in Real Life
(youtube.com, Late Night Berlin, Video: 4:33 Minuten)
Keine Einladung für die Audio-Chat-App Clubhouse bekommen oder nicht im Besitz eines iPhones? Macht nichts, Klaas Heufer-Umlauf und sein Sidekick Jakob Lundt nehmen Euch mit ins analoge Clubhouse.