Posts Tagged ‘Anonymität’

Oben ohne

Rücksichtsvoll von der Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung, dass Uschi Glas‘ Tochter, die sich mit drei Freundinnen eine „Marihuana-Zigarette“ geteilt haben soll, dort mit einem schwarzen Balken über den Augen mehr oder minder unkenntlich gemacht wurde.

Wer allerdings das dringende Bedürfnis verspürt, sich die Fotos der 17-Jährigen ohne schwarzen Balken über den Augen anzuschauen, braucht nur am Kiosk einen Blick auf die Titelseite der gedruckten „Bild“ zu werfen.

Nachtrag: Mittlerweile sind Artikel und Foto in der Online-Ausgabe der „Bild“ nicht mehr „verfügbar“. Der Ausriss zeigt, wie die Geschichte bis zum Nachmittag präsentiert wurde.

Heute anonym

Bei Bild.de gibt es einen Artikel, in dem ein mutmaßlicher Betrüger nur gepixelt abgebildet ist. Klickt man auf den Link unter dem gepixelten Foto kommt man auf einen Artikel vom Vortag — und dasselbe Foto, ungepixelt.

Und jetzt fragen Sie uns nicht, ob die Anonymisierung von Menschen für Bild.de nur ein Witz oder ein Glücksspiel ist, ob sie von der Tagesform des zuständigen Redakteurs abhängt oder die Pixel bei Bild.de rationiert sind — und ob niemand bei Bild.de mal auf den eigenen Link klickt, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Wir wissen es nicht, und Antworten auf Fragen bekommen wir von „Bild“ seit einiger Zeit nicht.

Danke für die vielen Hinweise!

Nachtrag, 15. Februar. Bei Bild.de liest man anscheinend nicht Bild.de, aber BILDblog: Auch im älteren Artikel ist das Gesicht nun unkenntlich gemacht.

Heute anonym II

Die „Bild“-Zeitung hat sich dazu entschieden, den Namen der Psychologin nicht mehr zu nennen, die sie unter anderem unter der Überschrift „Stephanies Vergewaltiger – Diese Gutachterin ließ ihn laufen“ zeigte. Stattdessen hieß die Frau in „Bild“ gestern nur noch „Dr. Michaela H. (58)“.

Bei Bild.de musste man in diesem Artikel allerdings nur auf einen Link unter dem Foto der Frau klicken, um ihren wahren Namen zu erfahren (siehe Ausriss; schwarze Balken von uns). Auf unsere Frage an Bild.de, ob das Absicht ist, erhielten wir keine Antwort. Der entsprechende Archiv-Artikel wurde allerdings ersatzlos entfernt.

Danke an Nikolai S. für den Hinweis!

Heute anonym III

Offenbar wurde bei „Bild“ mal wieder ausgelost, auf welchen Abbildungen Personen unkenntlich gemacht werden sollen und auf welchen nicht. Und die Auslosung hatte ergeben, dass die Prostituierten, die in einem Bordell arbeiten, das mit Einstiegsgeld von der Arbeitsagentur gefördert wurde, nur in der Druckausgabe und in der Fotogalerie auf Bild.de anonymisiert werden sollen. Auf den Teasern der Einstiegsseiten von Bild.de jedoch lächelten dieselben Frauen seit vergangener Nacht völlig unverpixelt in die Kamera:

Nachdem wir Bild.de auf die Inkonsequenz im Umgang mit dem Persönlichkeitsschutz der abgebildeten Frauen hinwiesen, bekamen wir zwar keine Antwort. Wenig später wurde das Foto jedoch entsprechend bearbeitet und sieht jetzt ungefähr so aus wie auf unserem Ausriss.

Allgemein  

Heute anonym IV

Wie schon so oft, war es Bild.de auch heute wieder nicht gelungen, die Unkenntlichmachung von Personen zum Schutz ihrer Persönlichkeit konsequent durchzuhalten. Seit gestern abend zeigte Bild.de auf ihrer „News“-Seite einen Teaser („Inzest-Mutter (21) – 5. Baby! Zum 1. Mal war es nicht der Bruder, sondern ER“), auf dem u.a. die „Inzest-Mutter“ und ihr viertes Baby zu sehen sind. Doch während das Gesicht des Kindes im eigentlichen Artikel von Bild.de durch Verpixelung unkenntlich gemacht worden war, fehlte die Unkenntlichmachung im Teaser.

Nachdem wir Bild.de auf die abermalige Inkonsequenz beim Schutz der Persönlichkeit aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir abermals keine Antwort. Abermals aber wurde die unterlassene Unkenntlichmachung anschließend nachgeholt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber — auch für die Screenshots.

Heute anonym V

„Bei der Berichterstattung über Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Jugendliche (…) soll die Presse mit Rücksicht auf die Zukunft der Betroffenen besondere Zurückhaltung üben.“ (Pressekodex, Richtlinie 13.2)

Es gibt ein Foto, das den 16-jährigen, der am vergangenen Freitag bei einem Amoklauf in Berlin mehrere Dutzend Menschen verletzt hat, mit einem süßen Hund im Arm zeigt. Die „Bild“-Zeitung mag dieses Foto sehr. „Bild“ und „Bild am Sonntag“ haben es nun an vier Tagen in Folge groß im Blatt gezeigt.

Gestern und heute war dies die Augenpartie:

Am Sonntag und Montag sah dieselbe Stelle auf dem demselben Foto noch so aus:

Wir wissen nicht, was „Bild“ dazu bewogen hat, seit gestern keine unverpixelten Fotos des Jugendlichen mehr zu zeigen. Wir wissen nur: Wenn die „Bild“-Zeitung den 16-jährigen heute nicht erkennbar zeigen darf, hätte sie es vorgestern auch nicht tun dürfen.

Aber für den Zeitungsverkauf ist das womöglich am besten: Erst mal einfach alle Gesichter unverfremdet zeigen, und dann im Nachhinein in Ruhe überlegen, welche eigentlich doch verpixelt werden müssen. Als könne man jemanden nachträglich anonymisieren.

PS: Dass es noch andere gute Gründe gibt als das Persönlichkeitsrecht, Kinder und Jugendliche, die einer Straftat verdächtigt werden, nicht groß und erkennbar abzubilden, zeigt der Fall des zwölfjährigen Jungen aus Berlin, der seine Lehrerin angegriffen haben soll. Ein Beitrag in den Nachrichten von RTL, die ein Interview mit dem Jungen gezeigt hatten, hatte erhebliche Proteste zur Folge — unter anderem von der Familie des Opfers. Die RTL-Chefredaktion versprach daraufhin, den Jugendlichen nur noch verpixelt zu zeigen, „um ihm kein unnötiges Forum zur Selbstdarstellung zu geben“.

Bei „Bild“ guckte der Zwölfjährige am Dienstag cool aus der Schlagzeile auf Seite 1 — und war auch heute wieder unverfremdet im Blatt.

Heute anonym VI

„Bild“ berichtet über eine Mutter, die ihrer inzwischen vierjährigen Tochter über einen längeren Zeitraum hinweg mehrmals Kalkreiniger eingeflößt haben soll. Wegen Misshandlung Schutzbefohlener wurde die Mutter jetzt angeklagt. Der Vater des Kindes wurde ebenfalls angeklagt, wegen Beihilfe. „Bild“ illustriert die Geschichte mit Fotos aller Beteiligten.

Und wer weiß schon, was man sich bei „Bild“ gedacht hat, als es um die Frage ging, welche der Beteiligten man anonymisieren solle. Der Gedanke, dass die Tochter mit ihren vier Jahren und als Opfer der ganzen Geschichte besonders schutzbedürftig sein könnte, scheint jedenfalls niemandem gekommen zu sein. „Bild“ zeigt sie gleich zweimal unverfremdet:

P.S.: Bei Bild.de entschied man sich übrigens für eine, zwar seltsam anmutende, insgesamt aber nachvollziehbarere Anonymisierungspraxis.

Mit Dank an Frederik B. für den sachdienlichen Hinweis.

W.

„Bild“ berichtete gestern über eine Tote, die für 65 Tage ins Gefängnis sollte, weil sie eine Geldbuße nicht bezahlt hatte. „Bild“ nennt die Tote im Text Annilie W. und den Witwer Hans-Jürgen W. Auf dem Holzkreuz, vor dem „Bild“ den Witwer zeigt, wurde der Nachname der Frau verpixelt. Auf der Ladung zum Strafantritt, die „Bild“ abdruckt, sind alle Namen geschwärzt.

Es sieht also so aus, als habe „Bild“ sich mal wieder bemüht, den Nachnamen der Toten nicht zu nennen. Dass bloßes Bemühen bei „Bild“ aber nicht ausreicht, scheint man immer noch nicht begriffen zu haben. Die Sterbeurkunde, die „Bild“ abdruckt, wurde nämlich nicht geschwärzt, Nachname und Geburtsname der Toten sind darauf klar erkennbar.

Mit Dank an Alexander H. für den sachdienlichen Hinweis.

Heute anonym VII

Puh, zum Glück nennt „Bild“ nicht den echten Namen des 15-Jährigen Jungen, der auf die „Oppenheim-Oberschule in Berlin-Charlottenburg“ geht, „aus dem Libanon“ stammt und angeblich „das schlechteste Zeugnis aller 340 000 Schüler in der Hauptstadt“ hat. Fragt sich nur, warum man sich bei Bild.de die Mühe gemacht hat, das Gesicht des Jungen zu verpixeln. Macht „Bild“ doch auch nicht:

Mit Dank an Christopher R. auch für den Scan.

Heute anonym VIII

Wie schon so oft, war es Bild.de auch heute wieder nicht gelungen, die Unkenntlichmachung von Personen zum Schutz ihrer Persönlichkeit konsequent durchzuhalten. Seit heute mittag zeigte Bild.de auf ihrer „News“-Seite einen Teaser („Arbeitstag eines Strandhändlers – ‚Sonnebrille? Gutt Preiss“), auf dem „der Senegalese Latif (25, Name geändert)“ zu sehen ist. Doch während das Gesicht des Mannes im eigentlichen Artikel von Bild.de durch Verpixelung unkenntlich gemacht worden war, fehlte die Unkenntlichmachung im Teaser.

Nachdem wir Bild.de auf die abermalige Inkonsequenz beim Schutz der Persönlichkeit aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir abermals keine Antwort. Abermals aber wurde die unterlassene Unkenntlichmachung anschließend nachgeholt.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

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