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Rezos Medienkritik, Schüsse auf Presse in USA, Datteln IV

1. Die Zerstörung der Presse
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
“Die Zerstörung der Presse” nennt Rezo sein neues Video, in dem er sich fast eine Stunde nicht nur mit den Auswüchsen des Boulevardjournalismus und den Methoden der Regenbogenpresse, sondern auch mit den Unzulänglichkeiten der seriösen Medien beschäftigt. Markus Reuter hat das Video gesehen und zieht folgendes Fazit: “Regelmäßigen Leser:innen von Bildblog oder Übermedien wird Rezos Video nicht allzuviel Neues bringen. Aber das ist egal: Es ist eine unterhaltsame, solide und vor allem konstruktive Medienkritik, die Rezo da auf seine Weise für ein großes Publikum produziert. Und das kann nun wirklich kein Fehler sein.” Dieser Einschätzung schließt sich der “6 vor 9”-Kurator an, empfiehlt das Video jedoch ausdrücklich auch den BILDblog-Leserinnen und -Lesern.
Weiterer Lesehinweis: Youtuber Rezo übt schonungslose Medienkritik (rbb24.de, Daniel Bouhs).

2. Brutale Gewalt gegen Journalisten bei Protesten
(reporter-ohne-grenzen.de)
In den USA kam es im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd durch Polizeigewalt zu zahlreichen Protesten. Dabei habe es mindestens 68 Übergriffe auf Medienschaffende gegeben. Journalistinnen und Journalisten seien mit Gummigeschossen, Pfefferspray und Tränengas angegriffen und vertrieben worden. “Es war vorauszusehen, dass die Art von Präsident Trump, die Medien zu dämonisieren und ein klares Feindbild aufzubauen, tatsächlich zu Gewalt führen würde. Die beispiellose Brutalität, mit der sowohl die Polizei als auch Protestierende in den vergangenen Tagen auf Reporterinnen und Reporter losgegangen sind, ist das Ergebnis dieser feindseligen Rhetorik”, so Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.
Weiterer Gucktipp: Auf Twitter kann man sehen, wie ein Reporter und ein Team der Deutschen Welle wiederholt von der Polizei beschossen und bedroht werden: Video 1 und Video 2.
Weiterer Lesehinweis: Police targeted journalists covering the George Floyd protests (vox.com, Katelyn Burns, in englischer Sprache).

3. Corona und wir – Die Tagesthemen-Moderatorin
(spotify.com, Imre Grimm, Audio: 36:31 Minuten)
Imre Grimm leitet beim “Redaktionsnetzwerk Deutschland” das Gesellschaftsressort und veröffentlicht regelmäßig den Podcast “Corona und wir”. In der aktuellen Folge spricht er mit der “Tagesthemen”-Moderatorin Caren Miosga über die Berichterstattung zur Corona-Pandemie, die Abläufe im Sender sowie die Vor- und Anwürfe von verschwörungsgläubigen Zuschauern und Zuschauerinnen.
Wer Spotify nicht nutzen will oder kann, kann den Podcast bei radio.de anhören (allerdings können wir dort nicht direkt zur aktuellen Folge verlinken).

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4. Das letzte “Hoff zum Sonntag”: The Last Time – Der Abgesang
(dwdl.de, Hans Hoff)
Der Medienkolumnist Hans Hoff verabschiedet sich in den Ruhestand und packt in seiner letzten Kolumne nochmal die schönsten Anekdoten seiner Karriere aus. Dabei sind einige herrliche Begegnungen mit Promis und Fehleinschätzungen zu internationalen Popstars. Hoff hat es sogar mal zu einer Erwähnung im BILDblog gebracht, die wir jedoch für längst verjährt erachten. Viel öfter haben wir ihn hier in den “6 vor 9” zur Lektüre empfohlen. Lieber Hans Hoff, falls Sie hier mitlesen: Wir werden Sie vermissen und wünschen Ihnen alles Gute für den neuen Lebensabschnitt!
Weiterer Lesehinweis: WDR-Intendant Tom Buhrow wünscht Hoff in einem Gastbeitrag zum Abschied in den Ruhestand alles Gute: “Ich war oft Zielscheibe seiner Kritik. Dennoch: Die Artikel von Hans Hoff werden mir fehlen, wenn er demnächst in den Ruhestand geht.” (dwdl.de).

5. Polizeiwillkür muss Folgen haben
(taz.de, Malte Kreutzfeldt)
Ein bedenklicher Angriff auf die Pressefreiheit sei derzeit in Nordrhein-Westfalen zu beobachten, so Malte Kreutzfeldt in der “taz”. Die Polizei Recklinghausen habe mehreren Journalisten und Journalistinnen Aufenthaltsverbote für die Straßen rund um das Gelände des Kohlekraftwerks Datteln IV erteilt. In einem Schreiben habe die Polizei mitgeteilt, dass die betroffenen Reporter und Reporterinnen sich ihre Informationen bei der Pressestelle der Polizei einholen könnten. Damit gäbe es keinen Grund, sich dem Kraftwerk zu nähern.

6. Was wurde aus… Sex-Werbung im Videotext?
(spiegel.de, Markus Böhm)
Videotext wird 40 Jahre alt. Ein Großteil der Infotafeln war von Anbeginn an mit Kurznachrichten, Klatsch, Wetterbericht, Fernsehprogramm und Aktienkursen gefüllt. Es gab aber auch die Schmuddelecke, in der teure 0190-Hotlines mit “scharfen Hausfrauen” und “gierigen Schülerinnen” beworben wurden, versehen mit Nacktbildern in Klötzchengrafik. Zum Videotext-Jubiläum hat sich Markus Böhm noch einmal durch die Teletext-Erotikwelten von Sendern wie RTL II, Sat.1 und Sport1 geklickt beziehungsweise geschaltet.

“Bild”s Nachtreten bis zum Umfallen, Geschlechterverteilung, Opferschutz

1. Nachtreten bis zum Umfallen
(faz.net, Michael Hanfeld)
“FAZ”-Medienredakteur Michael Hanfeld kritisiert die kampagnenartige Berichterstattung der “Bild”-Medien über beziehungsweise gegen den Virologen Christian Drosten. Hanfeld kritisiert aber auch den “Tagesspiegel”-Beitrag des Biochemikers Alexander Kekulé, der “nicht einmal mit den grundlegenden Gepflogenheiten des Wissenschaftsdiskurses vertraut sei”. Hanfelds Fazit: “So nimmt die Debatte einen Verlauf, wie ihn sich die ‘Bild’ mit ihrer zerstörerischen Macht wünscht. Sie steckt andere mit ihrem Antiaufklärungsvirus an, von dessen Symptomen wir uns bei dieser Gelegenheit abermals überzeugen können. Sie verdreht Fakten und Zusammenhänge, und sie verdreht den Kopf. Dass das Boulevardblatt davon je genesen werde, damit rechnen wir nicht.”
Weiterer Lesehinweis: Friede Springer beklagt sich über Bild-Chefredakteur Julian Reichelt (berliner-zeitung.de, Kai-Hinrich Renner).

2. Frankfurter Buchmesse 2020
(3sat.de, Nil Varol, Video: 3:26 Minuten)
Lange wurde mit einer Absage gerechnet, doch die Frankfurter Buchmesse soll auch in diesem Jahr stattfinden, wenn auch in abgespeckter Form. Dies verkündeten gestern die Verantwortlichen via Videokonferenz. 3sat hat einige kleine Verlage nach ihren Reaktionen und Erwartungen gefragt. Von den großen Publikumsverlagen hätten bereits einige abgesagt, darunter Branchenriesen wie Random House (u.a. Goldmann, Heyne, Blanvalet, Penguin, Luchterhand, DVA, Der Hörverlag), Holtzbrinck (Rowohlt, S. Fischer, Droemer Knaur, Kiepenheuer & Witsch und Argon) und Bonnier (Carlsen, Piper, Ullstein, ArsEdition, Münchner Verlagsgruppe, Thienemann und Hörbuch Hamburg).

3. Zu Gast: Der Virologe
(sueddeutsche.de, Theresa Hein)
Eine neue Studie hat sich mit der Geschlechterverteilung in der aktuellen Corona-Berichterstattung beschäftigt und bestätigt das, was man bereits ahnte: Als Experten rund um die Corona-Thematik kommen meist Männer zu Wort. Eine weitere Studie sei zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Der Schwede Max Berggren habe die Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung in Online-Auftritten deutscher Printmedien untersucht und auch dort meist Männer identifiziert.
Weiterer Lesehinweis: Aus dem Jahr 2019, aber dennoch interessant, weil es das Analysetool Prognosis vorstellt, mit dem der Datenjournalist Berggren Online-Auftritte von Zeitungen scannt: “Zeitungen funktionieren als Spiegel der Gesellschaft” (sueddeutsche.de, Anna Steinbauer).

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4. Twitter, Google und Facebook wehren sich gegen Trumps Dekret
(spiegel.de)
That escalated quickly: Nachdem Twitter einen Trump-Tweet mit einem Faktenchecker-Hinweis versehen hat, erließ der US-Präsident in Windeseile ein Dekret, mit dem er Soziale Medien stärker in die Haftung und damit dominieren will.
Weiterer Lesehinweis: Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, sei Tomas Rudls Einordnung des Vorgangs bei netzpolitik.org empfohlen: Der mächtigste Mann der Welt, das ewige Opfer.

5. Amazon: will good take care of you?
(youtube.com, Friedrich Küppersbusch, Video: 5:16 Minuten)
Friedrich Küppersbusch ist sauer: “F*ck°ng relentless: Wie die weltweit größte Niedriglohnkeimschleuder amazon zum Müttergenesungswerk mit Bücherregal avanciert.” Hintergrund sind die übereinstimmenden und wortgleichen PR-Lobhudeleien auf das Unternehmen Amazon, die in diversen amerikanischen Nachrichtensendungen als Pseudo-Nachricht verlesen wurden.

6. Presserat: “Bild” hält sich nicht an den Opferschutz
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Presserat hat sechs Rügen an Medien für Verstöße gegen den Pressekodex ausgesprochen — fünf davon gingen an “Bild” beziehungsweise Bild.de. Wie schon so oft wurde vor allem der ungenügende Opferschutz gerügt.
Weitere Guckempfehlung: Die Autorin und Satirikerin Sarah Bosetti hat “Post für die Bild-Zeitung”: “Liebe Bild, ich möchte Euch beglückwünschen. Ihr habt geschafft, was noch kaum jemandem gelungen ist. Ihr könnt die Welt zu einem besseren Ort machen. Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist: nicht mehr arbeiten.” (facebook.com, radioeins, Video, 2:00 Minuten).

“Bild” vs. Drosten, Polizeigewalt, Erlösmodelle für Journalismus

1. Warum Drosten die “Bild”-Zeitung so scharf angeht
(tagesspiegel.de, Tilman Schröter & Gloria Geyer)
Der Chefvirologe der Berliner Charité Christian Drosten ärgert sich über eine Anfrage der “Bild”-Zeitung, die er als tendenziös und unfair empfand. Noch dazu hatte man ihm zur Beantwortung der komplexen Fragestellung lediglich eine Antwortzeit von einer Stunde eingeräumt. In der Anfrage, die eher einer Konfrontation glich, hatte sich “Bild” auf verschiedene Wissenschaftler bezogen, von denen sich mehrere sofort von dieser Art der Berichterstattung distanzierten.
Weiterer Lesehinweis: Wissenschaftler distanzieren sich im Streit um Drosten-Studie von “Bild” (turi2.de, Benjamin Horbelt). Lesenswert ist auch das Interview von Alexander Kühn mit dem vermeintlichen “Bild”-Kronzeugen, dem deutschen Ökonomen Jörg Stoye, der an der Cornell-Universität in Ithaca, USA, Statistik lehrt: “Drosten ist ein Gigant der Virologie. Ich habe von seiner Disziplin keine Ahnung, ich bin Statistiker. Als ich heute von dem ‘Bild’-Artikel erfahren habe, habe ich ihm gleich eine E-Mail geschrieben, wie unangenehm mir das ist.” (spiegel.de)
Und selbst altgedienten “Bild”-Recken wie Georg Streiter ist das Vorgehen seiner ehemaligen Kollegen unangenehm, wie auf Facebook zu lesen ist: “Selbst wenn man die nur als niederträchtig zu bezeichnenden ‘Recherche’-Methoden von Herrn Piatov ignoriert (darüber ist schon ausreichend geschrieben worden), bleibt festzustellen: Diese Schlagzeile ist durch NICHTS belegt.”
Außerdem aus unserem Archiv: Wie die “Bild”-Redaktion mit schmutzigen Tricks versucht, Christian Drosten zu zerlegen.

2. Ein Spotify für Journalismus?
(message-online.com, Pauline Tillmann)
Medien erleben die Corona-Krise als eine höchst paradoxe Zeit: Einerseits sind sie als Informationslieferanten wertvoll wie noch nie und verzeichnen explodierende Online-Abrufe. Andererseits brechen die Anzeigeneinnahmen in dramatischer und existenzbedrohender Weise ein. Wie können Gegenstrategien aussehen? Könnten Spotify, Netflix und andere Streamingdienste Beispiele für neue Geschäftsmodelle sein? Was ist nötig, um die Zahlungsbereitschaft für digitalen Journalismus zu verbessern. Anhaltspunkte dafür können laut Pauline Tillmann Modelle wie die “Krautreporter”, das Schweizer Digitalmagazin “Republik” und der Abo-Abwickler Steady liefern (Offenlegung: Wir nutzen Steady als einen Weg, über den man uns unterstützen kann).

3. Jung & Live mit Bernhard Pörksen
(youtube.com, Tilo Jung & Hans Jessen, Video: 2:04:00 Stunden)
Zwei kurzweilige Stunden ohne überfrachtetes Medien-Blabla, sondern mit dem spürbaren Wunsch, den Dingen auf den Grund zu gehen: Bei “Jung & live” war der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zu Besuch. In dem Gespräch mit Tilo Jung und Hans Jessen geht es um die mediale Wahrnehmung der Corona-Pandemie, die Kunst des Miteinander-Redens, Filter-Bubbles und Filter-Clashs sowie die große Gereiztheit in unserer Gesellschaft. Schön ist auch die Anekdote, wie Pörksen bei einer Talkshow-Teilnahme von einem anderen Talkshow-Gast “bestohlen” wurde.

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4. Netflix: Wer nicht glotzt, fliegt raus
(wuv.de)
Normalerweise freuen sich Unternehmen darüber, wenn zahlende Kundinnen und Kunden die Dienste nicht in Anspruch nehmen (bei Fitnessstudios scheint dies gar zum Geschäftsprinzip zu gehören). Nicht so beim Video-Streaming-Dienst Netflix: Dort wolle man inaktiven Nutzerinnen und Nutzern (oder genauer: Nicht-Nutzerinnen und -Nutzern) das Konto künftig automatisch kündigen. Dies betreffe jene, die ihr Konto seit zwei Jahren nicht mehr genutzt haben oder die ein Jahr nach ihrer Anmeldung nicht in Erscheinung getreten sind. Die Zahl dieser Fälle sei höher als man erwartet: Die Rede ist von mehr als 900.000 Konten.

5. Böse Überraschungen
(taz.de, Lotta Laoire)
Die Kamera-Assistentin Lea R. ist nach eigenen Angaben ein Opfer von Polizeigewalt geworden. Ein Polizist habe ihr am 1. Mai in Berlin mit voller Absicht ins Gesicht geschlagen, während ihr Team eine Festnahme aufgenommen habe. Die medizinischen Folgen für die 22-Jährige seien gravierend. Derzeit sei unklar, ob ihre abgebrochenen Schneidezähne überhaupt repariert werden können. Die Ermittlung des Täters in den Polizeireihen gestalte sich, wie oft bei derartigen Fällen, als schwierig bis unmöglich. Laut einer Studie komme es nur in rund zwei Prozent der Fälle von Polizeigewalt zu Gerichtsverfahren.

6. Pixel-Nacktbilder und SMS-Chats: Der Teletext wird 40
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Man mag es kaum glauben, aber Teletext wird auch 40 Jahre nach seiner Erstausstrahlung immer noch fleißig aufgerufen. Die Rede ist von mehr als zehn Millionen täglichen Nutzerinnen und Nutzern. Matthias Schwarzer lässt die vergangenen 40 Jahre Revue passieren und versucht die Frage zu beantworten, warum der Dienst bei vielen Menschen immer noch so beliebt ist — jenseits des nostalgischen Retrocharmes.

Fragwürdiger “Bild”-“Faktencheck” zu Karl Lauterbachs Aussagen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben es nicht leicht in diesen Tagen. Laien behaupten, es besser zu wissen, oder kokettieren sogar damit, keine Ahnung zu haben, und lassen sich als Querköpfe feiern. Und dann schaltet sich, wenn’s ganz schlecht läuft, auch noch die “Bild”-Redaktion ein.

So erging es auch Karl Lauterbach, SPD-Politiker, Arzt und studierter Epidemiologe, nachdem er mal wieder in der Sendung von Markus Lanz zu Gast war:

Screenshot Bild.de - Faktencheck - Karl Lauterbach und seine fragwürdigen Aussagen

Der “Faktencheck” der beiden “Bild”-Redakteure Timo Lokoschat und Filipp Piatov ist bereits rund zwei Wochen alt. Aber ein genauerer Blick lohnt sich noch immer, denn der Beitrag zeigt, mit welch unsauberen Methoden die “Bild”-Medien arbeiten, wenn sie eine Person, in diesem Fall Karl Lauterbach, abschießen wollen: Sie zitieren falsch, sie reißen Studien aus dem Zusammenhang, sie überbetonen bestimmte Aspekte, lassen andere komplett weg.

Ein Check zum “Faktencheck”.

1. “Lockdown”

“Die Zahlen sind runtergegangen, weil der Lockdown kam”, behauptete Lauterbach im Talk bei Markus Lanz am Dienstag. Die Forscher der ETH Zürich widersprechen: In einer viel beachteten Studie schreiben sie, dass Ausgangssperren zu den “am wenigsten effektiven Maßnahmen” gehören. Auch den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge sanken die Infektionszahlen bereits VOR dem Lockdown.

… schreibt “Bild”. Bereits in einem früheren Artikel (der auch aus anderen Gründen Unfug war) hat sich die Redaktion auf die Schweizer Studie berufen und sie, wie auch hier, falsch angewendet. In der Untersuchung der ETH Zürich (PDF) haben die Forscherinnen und Forscher genau definiert, was sie mit “Lockdown” meinen — nämlich nicht das, was in den meisten deutschen Bundesländern bis vor Kurzem galt. Die Definition der ETH:

Lockdown: Prohibition of movement without valid reason (e.g., restricting mobility except to/from work, local supermarkets, and pharmacies)

Nach dieser Definition gab es in Deutschland keinen flächendeckenden “Lockdown”. Klar, Karl Lauterbach nutzte den eigentlich unpassenden Begriff selbst, Lokoschat und Piatov griffen ihn letztlich nur auf. Aber die zwei “Bild”-Redakteure sind es, die ihn in den falschen Zusammenhang mit der Schweizer Studie bringen. Das, was dort unter “Lockdown” verstanden wird, die strikte Mobilitätseinschränkung, traf nur auf eine Handvoll Bundesländer zu, und das nicht mal die ganze Zeit. Die Maßnahmen, die hingegen tatsächlich bundesweit galten, unter anderem das Versammlungsverbot, Grenzschließungen, die Schließung von Kinos, Theatern und Konzertsälen sowie die Schließung von nicht systemrelevanten Betrieben, zählt die Studie zu den “effektivsten Maßnahmen”. Diese Maßnahmen dürfte Lauterbach auch mit “Lockdown” gemeint haben.

Die Behauptung von Lokoschat und Piatov, die Infektionszahlen seien laut RKI schon vor dem “Lockdown” gesunken, ist rein statistisch durchaus zutreffend. Aber erstens ist das kein Beweis dafür, dass die Maßnahmen nichts gebracht hätten. Und zweitens verkennen die “Bild”-Autoren einen wichtigen Punkt: Mit “Lockdown” müssten sie die am 22. März beschlossenen bundesweiten Kontaktbeschränkungen meinen, die am 23. März in Kraft traten. In den Zahlen des RKI erkennt man tatsächlich nach einem Höhepunkt am 16. März einen Rückgang der Erkrankungsfälle (allerdings nur einen leichten auf hohem Niveau), also eine Woche vor der Einführung der Kontaktbeschränkungen. Bloß: Auch schon vor dem 23. März gab es Maßnahmen, die später zum “Lockdown” gezählt wurden — etwa die Absage von Großveranstaltungen (9. März) oder das Schließen der meisten Schulen und Kitas (16. März). Auch die Mobilität der Menschen verringerte sich bereits vor den Kontaktbeschränkungen erheblich. All das hatte schon vor dem 23. März eine Wirkung, wie Ranga Yogeshwar in einem Video anschaulich erklärt.

2. Italienische Zustände

“80% unseres Erfolgs waren die Horrorbilder aus Italien!”, lobt Lauterbach die Vollalarm-Stimmung, die Deutschland im März in den Stillstand versetzte. Damit ist er nicht allein: Auch RKI-Chef Lothar Wieler (59) mahnte mehrmals, dass Deutschland “einfach nur 1–2 Wochen vor Italien” sei. Doch von italienischen Zuständen war in Deutschland glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt etwas zu sehen.

… schreibt “Bild”. Erstmal: Lokoschat und Piatov zitieren hier unsauber. Lauterbach sprach nicht von “Horrorbildern”, sondern von “bestürzenden Bildern”. Und er lobte damit auch nicht die “Vollalarm-Stimmung” in Deutschland, sondern versuchte, mit diesem Beispiel zu erklären, warum es aus seiner Sicht hier nicht so schlimm gekommen ist wie in anderen Ländern:

Wir haben diese Hotspots in Deutschland nicht gesehen. Haben wir ja nicht gesehen. Wir hatten Gangelt. Und wir hatten also Webasto in München. Aber wir haben zum Beispiel diese Hotspots in den Restaurants (…) nicht gesehen, haben bei uns keine Rolle gespielt. (…) Und zwar deshalb, weil wir zu dem Zeitpunkt, wo wir noch nicht viele Infektionen hatten, die Bilder aus Italien hatten. 80 Prozent unseres Erfolgs sind die Bilder, die bestürzenden Bilder aus Italien gewesen. Und dann haben wir sozusagen schon alles dicht gemacht, bevor viele infiziert waren.

Karl Lauterbach nennt als Grund dafür, dass die Situation in Deutschland nicht so dramatisch wurde wie in anderen Ländern, etwa in Italien, dass “wir” als Warnung “die Bilder aus Italien hatten.” Lokoschat und Piatov machen daraus: Was redet der Lauterbach denn von “Horrorbildern aus Italien”? Das war hier doch alles gar nicht so schlimm wie in Italien! Eigentlich stützen sie damit unfreiwillig Karl Lauterbachs These — sie liefern ein Beispiel für das Präventionsparadoxon: Greifen Maßnahmen und bleiben dadurch schlimme Folgen aus, entwickelt sich schnell eine Stimmung: Waren diese Maßnahmen, dieser “Vollalarm”, dieser “Stillstand” jetzt wirklich nötig? War doch alles gar nicht so schlimm!

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Lauterbach beschreibt etwas später in der Lanz-Sendung genau das, was “Bild” mit seinem Zitat anstellt (inklusive dem oben bereits zitierten “Lockdown”-Zitat):

Das höre ich oft und das sage ich jetzt, weil Sie es gesagt haben, das höre ich aber auch bei anderen oft: “Das, was ihr gesagt habt, ist doch alles nicht eingetreten.” Die Epidemiologen, die Wissenschaftler werden da so ein bisschen diffamiert, so nach dem Motto: “Ihr hattet Unrecht, es ist doch gar nicht so dick gekommen.” (…) Wir haben nie gesagt, dass die Katastrophe kommt, wenn wir den Lockdown machen. Wir haben gesagt, die Katastrophe kommt nicht, wenn wir den Lockdown machen. Genau das ist passiert. Wir haben sozusagen das erreicht, was wir wollten. Die Zahlen sind runtergegangen, weil der Lockdown kam. (…)

Daher darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Wissenschaftler etwas hier in Deutschland vorhergesagt hätten, was dann nicht gekommen ist. Es diffamiert die Arbeit, die wir gemacht haben. Das ist der Erfolg unserer Arbeit, dass das nicht gekommen ist. Es gibt diesen Spruch: Die Epidemiologie hat keine Helden. Weil ich den vermiedenen Tod nachher gratis nehme und nicht sehe, was sonst passiert wäre.

3. Schweden

“Völlig verantwortungslos”, urteilt Lauterbach über Schweden und wähnt sich damit in der Gesellschaft “aller Epidemiologen”. Hintergrund: Das Königreich verzichtete auf Ausgangsbeschränkungen, setzte auf Vernunft und Freiwilligkeit seiner Bürger. Ein Krankenhaus-Kollaps blieb in Schweden aus. Über die Bewertung der schwedischen Zahlen sind sich keineswegs “alle Epidemiologen” einig. Weltweit und mit unterschiedlichen Ergebnissen wird der Sonderweg des Landes auch von der Fachwelt debattiert.

… schreibt “Bild”. Und lässt hier mehrere Aspekte weg. Allen voran die hohen Todeszahlen in Schweden. So berichtete der “Tagesspiegel” am selben Tag, an dem auch der “Bild”-Artikel erschien:

Das Land [Schweden] verzeichnet pro eine Million Einwohner mit fast 289 Todesfällen deutlich mehr als beispielsweise die Nachbarländer Norwegen, Dänemark oder Finnland. Auch im Vergleich mit Deutschland (87,7) liegt die Sterberate mehr als dreimal so hoch.

Inzwischen liegt dieser Wert für Schweden bei über 360 Toten pro eine Million Einwohner (in Belgien, Spanien, Italien, Großbritannien und Frankreich ist er noch höher – für Deutschland liegt er aktuell bei ungefähr 96). Würde man den schwedischen Wert auf Deutschlands Einwohnerzahl übertragen, hätten wir hier nicht, wie aktuell, etwa 8000 Tote, sondern fast 30.000.

Dass in Schweden die Zahl der Verstorbenen pro eine Million Einwohner um ein Vielfaches höher ist als in Deutschland, argumentiert auch Karl Lauterbach bei Markus Lanz, wenn er von “völlig verantwortungslos” spricht. Timo Lokoschat und Filipp Piatov lassen das aber einfach unter den Tisch fallen.

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Auch das Scheitern des schwedischen Vorhabens, die Alten zu schützen, bleibt bei “Bild” unerwähnt: In Schweden starben besonders viele Menschen in Alten- und Pflegeheimen, wie die “Süddeutsche Zeitung” vergangene Woche konstatierte.

Die Schweden-Affinität der “Bild”-Redaktion in der Corona-Krise ist auch drüben bei “Übermedien” Thema.

4. Aerosole

Teil von Lauterbachs bedrohlichen Szenarien in der Lanz-Sendung sind “Aerosole” — Corona-Wölkchen, die bis zu sieben Stunden in der Luft schweben und Infektionen auslösen würden, wie der SPD-Politiker erläutert. Das steht zumindest im Widerspruch zu dem, was das Robert-Koch-Institut schreibt: Eine Übertragung über Aerosole sei im normalen gesellschaftlichen Umgang “nicht wahrscheinlich”, urteilen die RKI-Experten Ende April mit Verweis auf bisherige wissenschaftliche Untersuchungen.

… schreibt “Bild”. So sicher, wie Lokoschat und Piatov hier tun, war sich das Robert-Koch-Institut zu dem Zeitpunkt aber gar nicht:

Auch wenn eine abschließende Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich erscheint, weisen die bisherigen Untersuchungen insgesamt darauf hin, dass eine Übertragung von SARS-CoV-2 über Aerosole im normalen gesellschaftlichen Umgang nicht wahrscheinlich ist.

“Eine abschließende Bewertung” erscheine “zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich”. So eine Nuancierung ins Ungewisse mag unerheblich wirken, gerade in diesem Fall stellt sie sich im Nachhinein aber als relevant heraus. Denn das RKI änderte seine Einschätzung inzwischen gewissermaßen ins Gegenteil, auch wenn “eine abschließende Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt” immer noch “schwierig” sei. Mittlerweile heißt es:

Auch wenn eine abschließende Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, weisen die bisherigen Untersuchungen insgesamt darauf hin, dass SARS-CoV-2-Viren über Aerosole auch im gesellschaftlichen Umgang in besonderen Situationen (s. o.) übertragen werden können.

Diese Neubewertung veröffentlichte das RKI am 7. Mai. Also genau an dem Tag, an dem der “Bild”-Artikel über Karl Lauterbach erschien (bei Bild.de wurde er am Abend vorher veröffentlicht). Lokoschat und Piatov konnten beim Schreiben ihres Textes davon freilich nichts wissen. Aber schon da war das RKI beim Thema Aerosole nur eine unter mehreren Quellen: Der Virologe Christian Drosten nahm in seinem Podcast bei NDR Info bereits am 6. April Bezug auf eine Studie, auf die sich unter anderem auch die erste Einschätzung des RKI stützte. Drosten war hier eher unschlüssig (PDF):

Genau. Wir wissen nicht, wie das speziell bei diesem Virus ist. Also es gibt eine Studie zum Beispiel im “New England Journal”, die ist vor ungefähr drei Wochen schon erschienen. Die sagt, im Aerosol ist dieses SARS-2-Virus ungefähr drei Stunden lang noch infektiös. Dazu muss man aber dann auch sagen, dass die Autoren, die das publiziert haben, ein künstliches Virusaerosol mit einer ganz hohen infektiösen Viruskonzentration hergestellt haben. Da kann sich niemand sicher sein, ob das wirklich dem entspricht, was ein infizierter Patient wirklich von sich gibt.

Karl Lauterbach erwähnt bei Markus Lanz eine weitere Studie, nach der in einem Restaurant im chinesischen Guangzhou eine Person Menschen angesteckt habe, die gar nicht mit ihr an einem Tisch saßen. Das sei durch die Luftverteilung durch eine Klimaanlage begünstigt worden. Beide Studien werden in dem “Bild”-Artikel nicht erwähnt. Auch ein Beitrag der “Washington Post” von Ende April thematisierte die unsichere Faktenlage in Bezug auf Aerosole. Es ist also nicht so, als hätten Timo Lokoschat und Filipp Piatov beim Schreiben ihres Artikels nicht genügend Informationen für eine differenziertere Darstellung der Sachlage zur Verfügung gehabt.

Virologe Drosten ist in seiner Einschätzung zur Bedeutung von Aerosolen im Übrigen mittlerweile deutlicher, auch weil es einen neuen Report der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften zum Thema gibt. In der Podcast-Folge vom 12. Mai sagte er, dass er die Ansicht Lauterbachs, was die Aerosol-Infektionen angeht, teile (PDF):

Und die Infektiosität kann tatsächlich für mehrere Stunden bleiben. Da hat also Herr Lauterbach vollkommen Recht.

Auch das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt — neue Studien können neue Erkenntnisse bringen.

5. Restaurants

Für Lauterbach ist in der Sendung von Markus Lanz klar: Restaurants wären “Brandbeschleuniger der Pandemie”, würden die Ausbreitung des Corona-Virus stark vorantreiben. Zweifel an den eigenen Aussagen? Keine.

Dabei hatte Hendrik Streeck (42), Professor für Virologie und Direktor des Instituts für Virologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, vor vier Wochen bei Lanz erklärt: “Wir sehen, wie die Infektionen stattgefunden haben. Das war nicht im Supermarkt oder im Restaurant oder beim Fleischer. Das war auf den Partys beim Aprés (sic) Ski in Ischgl, im Berliner Club ‘Trompete’, beim Karneval in Gangelt und bei den ausgelassenen Fußballspielen in Bergamo.”

… schreibt “Bild”. Während Timo Lokoschaft und Filipp Piatov es so wirken lassen, als wäre Lauterbach generell gegen die Öffnung von Restaurants (was auch wunderbar zu ihrem Einleitungssatz passt: “Wenn es nach Karl Lauterbach (57, SPD) geht, haben alle Fragen eine einzige Antwort: Lockdown.”), sagt dieser in der Sendung von Markus Lanz, dass er es bei Beachtung von Hygieneregeln “schon für denkbar” halte, “dass die Gastronomie wieder öffnen kann.” Das verschweigen die “Bild”-Autoren allerdings.

Genauso wie sie in ihrem Artikel übrigens kein einziges Mal erwähnen, dass Karl Lauterbach Epidemiologe ist, dazu noch einer, der in Harvard studiert hat. Dieses Detail würde aber auch nicht so gut in ihre irreführende, als “Faktencheck” gelabelte Meinungsmache passen.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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“Hygiene-Demos”, Steingarts Pathos, Sch­lech­ter­dings Juris­ten­deutsch

1. “Das erinnert mich an die Anfänge von Pegida”
(deutschlandfunkkultur.de, Katja Bigalke & Martin Böttcher, Audio: 17:11 Minuten)
Derzeit wird an vielen Orten gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Die Teilnehmenden sind äußerst heterogen und schwer einzuordnen, die sogenannten “Hygiene-Demos” ein Magnet für Rechtsextreme, Linksextreme, Verschwörungserzähler und Esoteriker. Die Berichterstattung darüber sei ebenso “verständlich wie problematisch”, so Simone Rafael von der Amadeu Antonio Stiftung. Es fehle an kritischer Einordnung. Außerdem müsse man nicht “jedem Zweiten das Mikro unter die Nase” halten.

2. 25 Jahre WELT im Internet. Eine Zeitreise
(welt.de, Oliver Michalsky)
Vor 25 Jahren wagte die “Welt” den Sprung ins Internet und setzte ihre erste Webseite auf. Digital-Chef Oliver Michalsky lässt das vergangene Vierteljahrhundert Revue passieren. Alleine die nostalgisch anmutenden Screenshots von damals lohnen einen Blick auf den Beitrag.

3. Chebli wehrt sich erfolgreich gegen kommerzielle Nutzung ihres Namens
(tagesspiegel.de)
Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) sieht sich auf Twitter immer wieder Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt. Ganz übel mitgespielt hatte ihr ein Ex-Polizist und Youtuber aus dem rechten Spektrum, der von einem Gericht jedoch freigesprochen worden war. Eben diese Person hat nun Gegenstände mit Cheblis Konterfei verkauft. Dagegen wehrte sich Chebli erfolgreich via Unterlassungserklärung.

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4. Herr Steingart, das Pathos ist schon wieder leer!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat. Man kann es sich nicht einmal vorstellen, wenn man es gesehen hat.” Die Rede ist von Gabor Steingarts neuem Imagefilmchen zum Launch von “The Pioneer”, einer Mischung aus verschiedenen Polit-Newslettern und Podcasts. Stefan Niggemeier mit einem Erklärungsversuch des Medien-Phänomens Steingart: “Ich male mir das so aus, dass Gabor Steingart irgendwann zu Springer-Chef Mathias Döpfner gegangen ist und ihn überzeugt hat, Millionen in das neue Unternehmen zu stecken statt in sowas wie, sagen wir, die ‘Welt’, indem er es nicht als Schnäppchen, sondern absurd teure Sache verkauft hat. Je mehr es kostete, je absurder es wurde (und dann lassen wir ein eigenes Schiff bauen und fahren damit auf der Spree zwischen Friedrichstraße und Hauptbahnhof hin und her!), desto attraktiver schien die Investition.”

5. Das Bild des Politclowns bleibt
(taz.de, Ralf Leonhard)
Als vor einem Jahr das sogenannte “Ibiza-Video” auftauchte, gingen viele davon aus, dass es mit der politischen Karriere von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache endgültig vorbei ist. Doch weit gefehlt: Der Politiker schart schon wieder Anhänger und Anhängerinnen um sich und bastelt an einer zweiten Karriere. Sein größter Verbündeter: die österreichische Boulevardpresse.

6. Sch­lech­ter­dings Juris­ten­deutsch
(lto.de, Hendrik Wieduwilt)
Die sperrige Formulierung “Schlechterdings nicht nachvollziehbar” ist für Hendrik Wieduwilt willkommener Anlass, über das aufgeblähte Juristendeutsch nachzudenken. Sein (etwas ironisches) Fazit: “Wer beim Schreiben wirklich an die Leser und die Rechtsunterworfenen denkt, greift nicht zu Passiv-Konstruktionen, doppelten Verneinungen und Ausdrücken aus dem vorigen Jahrhundert. Wer es aber dennoch tut, denkt womöglich nicht so sehr an den Leser, sondern schlechterdings einfach an sich selbst.”

Facebook-Trauma, Heißes Pflaster “Hygienedemos”, BZgA-Hinweis

1. “Spiegel-Soli”: 50 Spitzenverdiener sollen auf Teile ihres Gehalts verzichten
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Auch beim “Spiegel” machen sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bemerkbar. Wie bei allen anderen Medien ist von einem erheblichen Anzeigenrückgang die Rede. Nun wird anscheinend darüber nachgedacht, 50 Spitzenverdiener und -verdienerinnen des Hauses mit einem “Spiegel-Soli” zu belegen. Verschiedene Abteilungen hätten bereits Kurzarbeit angemeldet, doch es drohe die Ausweitung auf die Redaktionen, die Dokumentation und “Spiegel TV”.

2. Die Leiden der Internet-Traumatisierten
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf & Michael Borgers, Audio: 7:40 Minuten)
Wer als Inhalteprüferin oder -prüfer für Facebook arbeitet, hat es oft mit Darstellungen von Gewalt, Missbrauch und sonstigen verstörenden Szenen zu tun. Das kann zu schwerwiegenden Traumatisierungen führen, die eine ärztliche beziehungsweise therapeutische Behandlung erfordern. Nun haben einige Inhalteprüfende das Unternehmen erfolgreich auf Erstattung ihrer Behandlungskosten verklagt. Für die insgesamt mehr als 11.000 Moderatorinnen und Moderatoren sei eine Gesamtsumme von rund 48 Millionen Euro vorgesehen. Der Deutschlandfunk hat sich mit dem Digitaljournalisten und Autor Simon Hurtz (der unter anderem auch am BILDblog mitarbeitet) über das Thema unterhalten. In dem Gespräch geht es auch um die Frage, was von der Einmalzahlung für die einzelne Person übrig bleibt.

3. Kleiner Hinweis, unklare Wirkung
(spiegel.de, Markus Böhm)
Egal, ob aus seriöser oder unseriöser Quelle: Youtube blendet unter allen Videos mit Corona-Bezug seit einiger Zeit einen Verweis auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein. Was zunächst für ein neues Problem sorgte, denn fragwürdige Inhalte seien durch die seriöse Nachbarschaft quasi geadelt worden: “Nicht nur YouTubes fehlende Absprache direkt mit der BZgA sorgte im März für Konfusion, sondern auch die Art, wie der Hinweis zunächst formuliert war. Denn offenbar verstanden manche YouTube-Nutzer den Text falsch und machten die BZgA fortan für Videoinhalte Dritter verantwortlich. Immerhin stand ja ihr Name darunter, neben ihrem Logo. Bei Corona-Videos mit fragwürdigem Inhalt sei dies als ‘problematisch benannt’ worden, heißt es dazu aus der BZgA, die von entsprechenden Nutzer-Rückmeldungen berichtet.”

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4. Wie berichten über Verschwörungserzählungen?
(mediendienst-integration.de, Jennifer Pross & Sarah Gräf & Andrea Pürckhauer)
Woran erkennt man Verschwörungserzählungen, und wie können Redaktionen über sie berichten? Der “Mediendienst Integration” hat bei einigen Expertinnen und Experten nachgefragt. Es gehe darum, die Verschwörungserzählung nicht zu wiederholen, auf die richtige Verwendung der Begriffe zu achten und auf Gefahren hinzuweisen. Außerdem sollten eventuelle Widersprüche nicht unterdrückt, sondern offen benannt werden.

5. NDR streicht “Bücherjournal”
(abendblatt.de, Thomas Andre)
Der NDR muss in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro einsparen. Den Sparmaßnahmen zum Opfer falle auch die älteste Literatursendung im deutschen Fernsehen, das “Bücherjournal”. Bei NDR-Intendant Joachim Knuth seien deshalb mehrere Protestschreiben eingegangen, unter anderem vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Hamburger Literaturhaus.

6. “Hygienedemos”: Heißes Pflaster für Journalisten
(ndr.de, Nils Altland & Inga Mathwig, Video: 6:44 Minuten)
Bei den sogenannten “Hygienedemos” von Gegnern der Corona-Maßnahmen herrscht eine aggressive Grundstimmung. Ein heißes Pflaster auch für anwesende Journalistinnen und Journalisten, die dort oft beschimpft und gelegentlich sogar körperlich attackiert werden. Das Medienmagazin “Zapp” hat mit Betroffenen und Experten über das Problem gesprochen.

Klöckners Blockadepolitik, Kinofilm retten!, Irrlichternde Bischöfe

1. Kommentar: Julia Klöckner hat Social Media nicht verstanden
(meedia.de, Andreas Marx)
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sorgt immer wieder für umstrittene Medienauftritte — vom gemeinsamen Video mit dem Nestlé-Chef bis zum jüngsten PR-Auftritt mit TV-Koch Johann Lafer bei “Bild”. Bei der gemeinsamen Kochsession, mit der Supermarktkette Kaufland als Sponsor, verarbeiteten Klöckner und Lafer Billigfleisch der Haltungsstufe 1. Schlechter geht es nicht, was die Tierhaltung anbetrifft. Nachdem zwei Influencer aus der veganen Szene auf Instagram die Aktion kritisiert hatten, seien sie (neben vielen weiteren) von der Ministerin blockiert worden. Andreas Marx kommentiert: “Dass Julia Klöckner Social Media als Einbahnstraße versteht und Kritiker auch gern mal vor den Kopf stößt, ist nichts Neues. Nach dem Shitstorm, den sie mit ihrem Auftritt mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch verursacht hatte, bezeichnete sie die kritischen Kommentatoren pauschal als ‘Hatespeaker’.”

2. Große Verschwörung zum Coronavirus? Wie Ken Jebsen mit irreführenden Behauptungen Stimmung macht
(correctiv.org, Till Eckert & Alice Echtermann)
“Correctiv” hat sich das millionenfach geklickte Video des Youtubers Ken Jebsen (“Gates kapert Deutschland”) angeschaut und einige der darin erhobenen Tatsachenbehauptungen überprüft. Das Ergebnis: “Ken Jebsen führt seine Zuschauer in die Irre.”
Weiterer Lesehinweis: Sophie Passmann hat in einem Video kritisch auf Ken Jebsens Äußerungen reagiert und dafür viel Resonanz erhalten. In einem Interview mit “jetzt” fasst sie ihre Sicht auf die Medienfigur Jebsen zusammen: “Ken Jebsen ist sehr gut darin, komplexes Denken zu imitieren. Doch je mehr man sich davon anschaut, sieht man: Er ist arrogant und wirr. Entweder, er nimmt sich wirklich ab, dass er als einer der Ersten verstanden hat, was alle andere nicht verstanden haben. Oder er ist böswillig und weiß, dass, wenn man beim rbb rausfliegt, weil man als Journalist nicht ordentlich gearbeitet hat, man mit so einem Gelaber aber trotzdem noch irgendwelchen Jürgens und Monikas, die einen Faible für Verschwörungstheorien haben, PayPal-Geld aus der Tasche ziehen kann. Er ist entweder verrückt oder bösartig oder beides. Und das merkt man seiner Argumentation an. Er arbeitet unjournalistisch, macht irgendwelche unlogischen Schleifen, vermischt Kommentar, Analyse und Bericht. Hauptsache es klickt ordentlich.”

3. Kinofilm retten!
(faz.net, Michael Hanfeld)
Mehr als 100 Kinomacherinnen und Kinomacher haben sich mit einem dramatischen Appell an die Bundesregierung gewandt. In ihrem Offenen Brief an Monika Grütters, die Kulturbeauftragte der Bundesregierung, und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier schlagen sie Alarm: “Zuvorderst benötigen wir eine Lösung für den fehlenden Versicherungsschutz, um das Risiko zukünftiger Dreharbeiten abzusichern. Die Filmbranche braucht Ihre Unterstützung. Die klassischen Versicherungen und Rückversicherungen haben keine Lösungsvorschläge für die Filmbranche — und damit ist jeder Kinofilmdreh eine tickende Zeitbombe.”

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4. “Wir verbrennen kein Geld”: Der neue NDR-Chef muss 300 Millionen Euro sparen – und diese Sendungen will er streichen
(rnd.de, Imre Grimm)
Stolze 300 Millionen Euro müsse der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bis zum Jahr 2024 sparen. Wie kann das gelingen, ohne allzu negative Auswirkungen auf Programm und Personal? Imre Grimm hat sich darüber mit dem neuen NDR-Intendanten Joachim Knuth unterhalten. Ein interessantes Gespräch, bei dem es nicht nur um die geplanten Kürzungen und Streichungen, sondern auch um die großen Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geht. Dazu zählen unter anderem das veränderte Nutzerverhalten und die Corona-Krise.

5. Georg Uecker über Häme in der Community und eine bizarre Medienjagd
(queerkram.podigee.io, Johannes Kram, Audio: 65 Minuten)
“Stell dir vor, du stehst mit deinem Auto an der roten Ampel, als sich plötzlich ein Fotograf auf die Kühlerhaube wirft und dich durch die Windschutzscheibe knipst, um endlich ein Bild von dir und deinem eingefallenen Gesicht in einem Boulevardmedium veröffentlichen zu können.” Der Schauspieler Georg Uecker erzählt im “Queerkram”-Podcast von der Medienjagd, die er vor über zehn Jahren aufgrund seiner HIV-Infektion erlebte. Und auch der Rest der Podcastfolge ist voll mit Medienthemen: Das Ende der “Lindenstraße”, Coming-out von Schauspielern, queere Rollen in deutschen TV-Serien.

6. Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien
(tagesschau.de)
Mehrere katholische Bischöfe kritisieren die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und greifen dabei auf den Mythos einer großen Weltverschwörung zurück. In einem öffentlichen Aufruf würden sie vor dem “Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht”, warnen und “Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr” äußern. Die Deutsche Bischofskonferenz habe sich von dem Schreiben distanziert.

Gates noch, Ken?, RKI beendet Pressekonferenzen, Overblocking

1. Das ist dran an Ken Jebsens großer Gates-Verschwörung
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Ken Jebsen hat auf seinem Youtube-Kanal “KenFM” einen halbstündigen Monolog veröffentlicht, der innerhalb von wenigen Tagen rund drei Millionen Mal angeklickt wurde. Das Opus heißt “Gates kapert Deutschland” und gibt damit bereits die Marschrichtung vor. Jonas Mueller-Töwe hat sich die Mühe gemacht, das Video einem Faktencheck zu unterziehen. Sein Fazit, nachdem er viele der im Video erhobenen Behauptungen als falsch entlarvt hat: “Jebsen ist — anders als er behauptet — kein Journalist. Er ist ein politischer Aktivist mit einer radikalen Agenda, die Links- und Rechtsradikale vereinen soll.”

2. Gegen das Virus der Falschinformation
(tagesschau.de, Marcel Kolvenbach)
Internationale Ärzte, Virologen und Wissenschaftlerinnen wehren sich mit einem Offenen Brief gegen “das Virus der Falschinformation”. Das Thema sei auch in Deutschland evident: Dem SWR liege eine “NewsGuard”-Studie vor, die sich mit den “Superspreadern” in Deutschland beschäftige. Dort habe man elf Facebook-Seiten identifiziert, die Falschinformationen zur Corona-Pandemie an eine besonders große Gefolgschaft verbreiten würden. Konkret erwähnt: RT Deutsch, “Der Wächter”, “Frieden Rockt”, Dr. Ruediger Dahlke, “Compact”, “Anonymous Deutschland”, “Augen Auf”, “Freidenkerkollektiv”, “Medizin Heute”, “Anonymous Offiziell” und “Russische Nachrichten”.

3. Brief des ARD-Freienrats wegen der Corona-Krise
(ard-freie.de, Christoph Reinhard)
Der sogenannte ARD-Freienrat versteht sich als Interessenvertretung für freie Journalistinnen und Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er mache sich derzeit große Sorgen um die nach seinen Angaben rund 18.000 Freien, denen aufgrund der Corona-Krise die Einnahmen wegbrächen. Nun hat sich die Organisation mit einem Offenen Brief an die Verantwortlichen gewandt: “Wenn sich die Situation nicht bald ändert, gehören auch wir als Journalist*innen zu den Verlierern in der Corona-Krise. Das Programm in Hörfunk und Fernsehen sowie online und auf Social Media-Kanälen wird weitgehend von Freien gestemmt. Indirekt laufen die Sender damit also auch Gefahr, ihrem Informations- und Bildungsauftrag nicht mehr gerecht werden zu können.”

4. Overblocking: YouTube muss entsperren
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
Medienanwalt Markus Kompa berichtet von Löschvorgängen bei Youtube im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Davon betroffen sei auch ein Video eines seiner Mandanten gewesen, das eine Aufforderung zum Widerstand enthalten habe. Dagegen habe sich dieser erfolgreich juristisch zur Wehr gesetzt: “Zwar hat ein privater Konzern grundsätzlich Hausrecht und kann sich aussuchen, wen er reinlässt. Nun ist YouTube/Google aber marktbeherrschend. Daher strahlen die Grundrechte auch auf einen Konzern aus, sogenannte mittelbare Drittwirkung. Ein Eingriff in die Meinungsfreiheit ist daher nur gerechtfertigt, wenn dieser nicht willkürlich geschieht. Sofern die Hausregeln und die Gesetze beachtet wurden, muss YouTube daher den Nutzer gewähren lassen.”

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5. Links zugespitzt
(sueddeutsche.de, Tobias Obermeier)
In den USA sei das Magazin “Jacobin” eines der einflussreichsten Meinungsmedien der demokratischen Sozialisten. Nun erscheint es auch in deutscher Sprache. Tobias Obermeier über die erste Ausgabe: “Die Texte scheuen sich nicht vor Zuspitzungen. Besonders schön sind Illustrationen und grafische Aufarbeitungen wie zu den ‘sozialdemokratischen Verbrechen’ oder eine Übersicht deutscher Milliardäre, die zusammen locker ein Klimaschutzprogramm der Vereinten Nationen finanzieren könnten und immer noch Milliardäre wären.”

6. Ein völlig verkehrtes Signal
(taz.de, Malte Kreutzfeldt)
Als “völlig verkehrtes Signal” bezeichnet Malte Kreutzfeldt die Entscheidung des Robert-Koch-Instituts, seine regelmäßigen Pressekonferenzen bis auf Weiteres einzustellen: “Das Robert-Koch-Institut sollte seine Entscheidung (…) schnell revidieren. Gerade jetzt, wo die Beschränkungen weiter gelockert werden und der Bund die Verantwortung weitgehend an die Länder überträgt, ist eine qualifizierte Bewertung des aktuellen Geschehens besonders wichtig.”

Journalismus als Videokonferenz, “Welt”-Experten, Corona-Talkshows

1. Kommentar: Die Kritik an Rezo und dem Nannen-Preis zeigt ein Grundproblem des alten Journalismus
(meedia.de, Tobias Singer)
Als der Youtuber Rezo mit dem Nannen-Preis ausgezeichnet wurde, gab es nicht nur Glückwünsche, sondern auch Kritik. An manchen Stellen hieß es, die Wahl der Jury sei ein Fehler gewesen. Der Hauptvorwurf: Rezo sei kein Journalist und arbeite auch nicht wie einer. Deshalb käme er für die Verleihung eines Journalistenpreises nicht in Frage. Tobias Singer ist anderer Meinung und nennt dafür einige gute Gründe.

2. Von “Welt”-Experten und wirklichen Fachleuten
(uebermedien.de, Rüdiger Bachmann)
Der Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann kritisierte auf Twitter die “Welt” dafür, dass sie zwei Ökonomen eine Stimme gebe, die er für “brandgefährlich” und “Scharlatane” halte. “Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt bot ihm daraufhin einen Gastbeitrag an: “Schreiben Sie für uns doch mal auf, wie Sie Wissenschaft in Massenmedien sehen wollen.” Bachmann setzte sich an den Rechner, verfasste einen Beitrag und schickte ihn an die “Welt”. Dort habe man jedoch überraschend die Veröffentlichung abgelehnt. Nun ist “Übermedien” für die “Welt” eingesprungen und veröffentlicht Bachmanns Beitrag.

3. Warum so viele Menschen an Corona-Verschwörungstheorien glauben
(socialmediawatchblog.de, Simon Hurtz & Martin Fehrensen)
Warum glauben so viele Menschen an Corona-Verschwörungstheorien? Was wird auf Social Media geteilt, wie wird geteilt und wer steckt dahinter? Um diese und viele weitere spannende Fragen geht es im heutigen Social Media Briefing, das ausnahmsweise auch für Nicht-Abonnenten frei zugänglich ist.

4. Nichts mit Quatschen auf dem Flur – funktioniert Journalismus als Videokonferenz, Jochen Wegner?
(horizont.net, Volker Schütz, Video/Audio: 16:55 Minuten)
“Horizont”-Chefredakteur Volker Schütz und “Zeit Online”-Chefredakteur Jochen Wegner haben sich zum Video-Talk getroffen (auch als Audiomitschnitt abrufbar). In ihrem Gespräch geht um die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Journalismus, um Digitalisierung und Datenjournalismus und um die Frage, wie die Redaktion ihre organisatorischen Abläufe neu gestaltet. Derzeit befänden sich 200 Redakteurinnen und Redakteure im Home Office. In Zoom-Meetings schlössen sich wöchentlich 80 von ihnen zur Videokonferenz zusammen.

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5. Analyse von Talkshows zu Corona in Das Erste und ZDF
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat die Corona-bezogenen TV-Talkshows der vergangenen zwei Monate ausgewertet (“Markus Lanz”, “Maybrit Illner”, “Hart aber fair”, “Anne Will” und “Maischberger”). Er wollte vor allem wissen, welche Parteien in den Sendungen vorkommen, und wie häufig ostdeutsche Gesprächspartnerinnen und -partner eingeladen werden. Eine der Erkenntnisse: “Karl Lauterbach (SPD) ist mit 12 Auftritten genauso häufig zu sehen wie alle ostdeutschen Politiker zusammen.”

6. Warum Ausgangsbeschränkungen kein Lockdown sind
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 1:56 Minuten)
Lockdown, Shutdown, Ausgangsbeschränkungen, Ausgangssperre, Kontaktsperre … In der Berichterstattung zum Coronavirus gehen derzeit viele Begriffe durcheinander und werden oft falsch verwendet. Im rund zweiminütigen Sprachcheck erklärt Stefan Fries die korrekte Verwendung des Corona-Vokabulars.

Weiterer Hörtipp: Warum die Autoprämie gar keine Prämie ist (deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:22 Minuten).

Wie die “Bild”-Redaktion mit schmutzigen Tricks versucht, Christian Drosten zu zerlegen

Am vergangenen Donnerstag schoben sie sogar die Kanzlerin vor:

Screenshot Bild.de - Weil er ständig seine Meinung ändert! Merkel motzt über Drosten

Seit Wochen schon versucht die “Bild”-Redaktion, den Virologen der Berliner Charité Christian Drosten schlecht dastehen zu lassen. Sie bemüht sich, Drostens Autorität als Wissenschaftler zu untergraben, arbeitet genüsslich frühere Fehleinschätzungen heraus, stellt ihn als Einflüsterer dar, macht ihn zum Kollegenschwein. Damit dieses negative Bild irgendwie passt, reißt die Redaktion auch schon mal Aussagen aus dem Zusammenhang, verfälscht zeitliche Abläufe und erfindet Behauptungen. “Bild”-Methoden eben.

So auch am vergangenen Donnerstag bei der oben bereits erwähnten Merkel-motzt-Geschichte. Bild.de schreibt:

Heute so, morgen so.

Im kleinen Kreis der Ministerpräsidenten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (65, CDU) nach BILD-Informationen erstmals deutliche Kritik an Deutschlands Virologen geäußert.

Vor allem auf den Top-Virologen Christian Drosten (Berliner Charité) bezog sich ihr Unmut in der Video-Schaltkonferenz.

Und:

Merkel kritisierte Drosten wegen seiner jüngsten Aussagen zur Ansteckungsgefahr der Kinder in der Pandemie. Drosten warnte zuletzt, Kinder seien vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichten Drosten und sein Forscher-Team in einer vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie.

Folge: Die Forscher warnen aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland. Dabei hatte Drosten zuvor im NDR unter Berufung auf eine “Science”-Studie davon gesprochen, dass Kinder offenbar ein kleineres Ansteckungsrisiko als Erwachsene hätten (“ein Drittel”).

Diese Anekdote aus der Schaltkonferenz ist etwas überraschend, weil sich Angela Merkel bei der anschließenden Pressekonferenz recht dankbar für die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigte und Verständnis für sich ändernde Einschätzungen äußerte (sowieso: Der Virologe änder nicht “ständig seine Meinung”, wie Bild.de in der Dachzeile schreibt, er ändert seine Erkenntnisse). Doch die “Bild”-Redaktion blieb bei ihrer Darstellung der verärgerten Kanzlerin. Am Samstag schrieb sie in der “Bild”-Zeitung:

Nach Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert sei die Darstellung “falsch”, Merkel habe sich in der Konferenz mit den Ministerpräsidenten nicht anders geäußert als auf der anschließenden Pressekonferenz.

BILD wurde die Kritik der Kanzlerin aus mehreren Quellen unabhängig voneinander geschildert.

Ob Merkel nun wirklich über Drosten “gemotzt” hat oder nicht, ist letztlich gar nicht entscheidend. Interessanter ist, wie falsch die “Bild”-Redaktion den angeblichen Grund für das angebliche Gemotze darstellt.

Erstmal ist der zeitliche Ablauf, den die Redaktion herstellt, falsch. Bei Bild.de klingt es so, als hätte Christian Drosten erst über eine im Magazin “Science” erschienene Studie gesprochen (“zuvor im NDR unter Berufung auf eine ‘Science’-Studie”) und erst später (“Drosten warnte zuletzt”) die Studie seines Teams präsentiert (PDF). Daraus ergibt sich der Eindruck, dass er bereits gewusst hätte, “dass Kinder offenbar ein kleineres Ansteckungsrisiko als Erwachsene hätten”, bevor er und sein Team mit etwas vermeintlich Gegenteiligem rauskommen. Tatsächlich war es aber andersrum: Am vergangenen Mittwoch twitterte Drosten über die Studie seines Teams, erst einen Tag später, am Donnerstag, sprach er beim NDR über die in “Science” publizierte Studie (und twitterte auch über sie).

Noch gravierender ist, dass der Widerspruch von Drostens Darstellung der Studien, den Bild.de insinuiert, gar keiner ist. Die Ergebnisse beider Untersuchungen schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil, sie ergänzen sich sogar. Denn sie untersuchen unterschiedliche Phasen in Bezug auf Infektionen bei Kindern: Christian Drosten und dessen Team haben geschaut, wie viele Viren sich im Rachen infizierter Menschen (und damit auch im Rachen von infizierten Kindern) befinden. Sie haben bei Kindern eine Viruskonzentration gefunden, die sie statistisch nicht von der bei Erwachsenen unterscheiden konnten. Daraus schließen sie:

Children may be as infectious as adults.

Es könnte also gut sein, dass Kinder bei der Weitergabe des Virus genauso infektiös sind wie Erwachsene. Wichtig dabei: die Einschränkung “may be”.

Die Studie aus “Science” untersuchte hingegen nicht, wie gut Kinder das Virus abgeben, sondern wie empfängliche sie selbst für das Virus sind: Wie hoch ist das Risiko von Kindern, dass sie sich selbst anstecken? Laut der Studie soll es, stark vereinfacht, wie Christian Drosten sagt, nur bei einem Drittel des Risikos liegen, das Erwachsene haben.

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Miteinander kombiniert sagen die beiden Studien, dass Kinder ein geringeres Risiko als Erwachsene haben könnten, sich anzustecken; aber wenn sie sich angesteckt haben, dann könnten sie genauso infektiös sein wie Erwachsene. Die “Bild”-Redaktion kreiert daraus einen Widerspruch, den es nicht gibt, über den die Bundeskanzlerin aber dennoch “gemotzt” haben soll.

Nur drei Tage vorher gab es einen ähnlich unsauberen Artikel der “Bild”-Medien:

Screenshot Bild.de - Drei Experten, drei Meinungen - Alexander Kekule, Hendrik Streeck, Christian Drosten - Wie sehr kann man sich auf unsere Virologen verlassen?

Die “Bild”-Redakteure Filipp Piatov, Nikolaus Harbusch und Willi Haentjes schreiben über “das Hin und Her der deutschen Virologie”, als wäre es völlig unverständlich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer so dynamischen Situation wie der aktuellen ihre Sichtweisen anpassen, wenn durch Studien neue Erkenntnisse vorliegen. Kein Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten.

Dafür aber ein Gespür für eine Übermacht der Virologen. Das “Bild”-Trio schreibt:

Ihr Wort war Gesetz: Seit Beginn der Corona-Krise gaben Virologen der Politik den Takt vor. Wenn sie warnten, horchten die Regierungen von Bund und Ländern auf. Was sie forderten, galt kurz darauf in der gesamten Republik.

… was ein merkwürdiger Widerspruch zur Dachzeile “DREI EXPERTEN, DREI MEINUNGEN” darstellt, denn es galten ja nicht “kurz darauf in der gesamten Republik” drei verschiedene Gesetze.

Aber eigentlich geht es in dem Artikel auch gar nicht so sehr um die angebliche Macht der “DREI EXPERTEN”, sondern um die von Christian Drosten. Der sei nämlich der “Corona-Flüsterer der Kanzlerin”. Der Journalist Yassin Musharbash kommentiert treffend, dass “Bild” Drosten damit “subtil in eine Rasputin-Ecke” schiebe.

Im selben Artikel wird Christian Drosten auch noch zum Kollegenschwein gemacht, der einem anderen Virologen die “gute wissenschaftliche Praxis” abspreche:

Nun hat sich Drosten auf [Armin] Laschets Berater eingeschossen, den Virologen Hendrik Streeck (42). Dessen Agieren habe “mit guter wissenschaftlicher Praxis nichts mehr zu tun”.

Dieses Zitat haben Piatov, Harbusch und Haentjes kräftig aus dem Kontext gerissen. Es ist in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” gefallen. In dem Gespräch geht es auch um die “Heinsberg-Studie”, bei der der Virologe Hendrik Streeck federführend ist und die ordentlich Kritik abbekommen hat. Einer von mehreren Kritikpunkten: Die PR-Agentur “Storymachine”, gegründet von Ex-“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, Ex-Stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen und Eventmanager Michael Mronz, hatte die Vermarktung der Studie übernommen. Das Magazin “Capital” enthüllte dazu Details. Darüber sprach auch Christian Drosten im “SZ”-Interview:

Die Heinsberg-Studie kommt zu einem anderen Ergebnis. Sie wurde zudem schon im Vorfeld als richtungsweisend für die Politik gehandelt, es war sogar eine Social-Media-Agentur des ehemaligen Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann involviert.

Ich finde das alles total unglücklich — und ich finde es noch schlimmer, wenn ich dann den Bericht im Wirtschaftsmagazin Capital darüber lese, dass diese PR-Firma Geld bei Industriepartnern eingesammelt hat, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Da geht es auch um ein internes Dokument, demzufolge Tweets und Aussagen des Studienleiters Hendrik Streeck in Talkshows schon wörtlich vorgefasst waren. Da weiß ich einfach nicht mehr, was ich noch denken soll. Das hat mit guter wissenschaftlicher Praxis nichts mehr zu tun. Und es zerstört viel von dem ursprünglichen Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft.

In Drostens Aussage geht es also vornehmlich um das Agieren der PR-Agentur des ehemaligen “Bild”-Chefs (was im “Bild”-Text, wenig überraschend, komplett wegfällt) und nicht so sehr um Streecks Agieren. Im selben Interview äußerst sich Christian Drosten eigentlich recht positiv über die Arbeit von Hendrik Streeck. Er sagt, er unterscheide bei der “Heinsberg-Studie” zwischen Wissenschaft und Kommunikation (“Diese Geschichte ist für mich zweilagig. Das eine ist die Kommunikation, und das andere ist die Wissenschaft.”). Auf die Frage, ob die Studie durch das Verhalten von “Storymachine” hinfällig ist, antwortet er:

Die Wissenschaft an sich ist erst mal nicht zu kritisieren auf der momentanen Basis.

Danach gefragt, ob Hendrik Streeck ihm “inzwischen Details über die Studie zukommen lassen” hat, sagt Drosten:

Wir haben telefoniert, und ich habe Auszüge der Daten bekommen — und die lassen erkennen, dass die Studie an sich seriös ist und gut werden könnte.

Daraus fabrizieren die “Bild”-Autoren einen stutenbissigen Christian Drosten. Es passt aber auch zu schön zum von den “Bild”-Medien bereits zuvor ausgerufenen “Virologen-Clinch”:

Screenshot Bild.de - Streeck und Drosten - Virologen-Clinch um Corona-Studie
Screenshot Bild.de - Zweite Runde im Virologen-Clinch - Streeck verteidigt seine Corona-Studie

Eigentlich brauchen sie bei “Bild” aber gar nicht mal sowas wie eine real existierende Behauptung, die sie verzerren können, um sich jemanden vorzuknöpfen — sie denken sich die Behauptungen auch gern einfach aus. “Bild”- und “B.Z.”-Kolumnist Gunnar Schupelius schrieb vor zwei Wochen über Christian Drosten:

Screenshot Bild.de - Kritik am Drosten-Preis - In der Krise gibt es viele unbekannte Helden

Am Montag wurde der Chef des Instituts für Virologie der Charité, Christian Drosten, zum Helden erklärt. Er bekam einen “Sonderpreis für herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid19-Pandemie.” Der Preis wurde extra für diesen Zweck von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gestiftet, die der Bundesregierung gehört, und ist mit 50 000 Euro dotiert.

Schupelius wolle Drosten zugestehen, “dass er den Job nach bestem Wissen und Gewissen machen wollte und machte”, aber:

Aber weshalb bekommt er dafür einen Preis? Die Aufgabe kam ihm seines Amtes wegen zu und er hat sie zu erfüllen, denn er arbeitet im öffentlichen Dienst. Auch wenn er seine Aufgabe besonders gut erfüllt hat, ist er deshalb noch kein Held.

Nun ist es bloß so, dass niemand Christian Drosten mit diesem Preis zu einem Helden erklärt hat. Die DFG erwähnt das Wort “Held” in ihrer Pressemitteilung kein einziges Mal. Nur einer behauptet, dass Drosten jetzt ein Held sei: Gunnar Schupelius. Und das auch nur, um dann sagen zu können: Sag mal, spinnt ihr alle?! Der Typ ist doch kein Held!

Krankenschwestern, Pfleger, Supermarktmitarbeiter und Ärztinnen seien übrigens auch keine Heldinnen und Helden, so Schupelius. Sie tun schließlich nur das, “was man von ihnen erwartet und wofür sie bezahlt werden.”

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Wenn es darum geht, Virologen schlecht zu machen, ist natürlich auch der “Bild”-Chef mit von der Partie. Nicht konkret über Christian Drosten, sondern über “nahezu alle Experten”, schreibt Julian Reichelt in einem Kommentar:

Zweitens, nahezu alle Experten, denen wir uns in dieser Krise anvertrauen (müssen), lagen mit nahezu jeder Einschätzung so falsch, dass unser Glauben an sie sich nur noch mit Verzweiflung erklären lässt.

Was für ein sagenhafter Populismus. Und was für ein unglaublich gefährlicher Unsinn. Meint Julian Reichelt wirklich, dass “nahezu alle Experte (…) mit nahezu jeder Einschätzung” falsch lagen?

Diese These hält nicht mal stand, wenn man Reichelts Kommentar einen Absatz weiterliest. Er schreibt davon, dass “auf Krankenhausfluren gespenstische Ruhe” herrsche und es hier “weiterhin kaum Corona-Tote” gebe. Woran liegt es, dass Deutschland bisher so glimpflich davongekommen ist? Doch nicht etwa an den Experten, deren Wort laut “Bild”, siehe oben, stets Gesetz war und deren Forderungen “kurz darauf in der gesamten Republik” galten? Bei dem (Zwischen-)Ergebnis mit leeren Krankenhausfluren und “kaum Corona-Toten” dürften die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren Einschätzungen ja nicht so sehr danebengelegen haben.

Reichelts Kommentar — der noch an vielen anderen Stellen sehr schrecklich ist — ist ein Paradebeispiel für das Präventionsparadoxon: Greifen Maßnahmen und bleiben dadurch schlimme Folgen aus, entwickelt sich schnell eine Stimmung: Waren diese Maßnahmen jetzt wirklich nötig? War doch alles gar nicht so schlimm! Wenn Reichelt schreibt: Die Experten “haben trotz aller Maßnahmen immer wieder vor dem unmittelbar bevorstehenden Kollaps unseres Gesundheitssystems gewarnt. Nun herrschen auf Krankenhausfluren gespenstische Ruhe und Angst vor Arbeitslosigkeit”, dann erkennt er offenbar nicht, dass er damit einen sehr erfolgreichen epidemiologisch Vorgang beschreibt (gegen die Angst vor Arbeitslosigkeit muss natürlich etwas getan werden). Der “Bild”-Chef hat in letzter Zeit offenbar nicht sehr intensiv Nachrichten aus Italien, Spanien oder den USA verfolgt.

Seine Aussage über die Experten, die angeblich so oft falsch lagen, passt auch zur sonstigen “Bild”-Berichterstattung. In einer Art Virologen-Quartett, in dem auch Christian Drosten vorkommt, geht es neben dem “Spezialgebiet” und dem Privatleben auch um den jeweils “größten Irrtum”. Um die größte Entdeckung oder die größte Leistung geht es nicht.

Am 15. April kramte die “Bild”-Redaktion auch noch eine gut elf Jahre alte Geschichte aus, um Christian Drostens Expertise in Zweifel zu ziehen:

Ausriss Bild-Zeitung - Auch ein Prof. Drosten kann sich irren - Sein Rat zur Schweinegrippe 2009 erscheint heute in einem neuen Licht

Drosten sei:

Ein Profi seines Fachs, der ein ganzes Land durch die Krise führt, obwohl er mit seiner Einschätzung zur Schweinegrippe im Jahr 2009 daneben lag.

Ende Oktober 2009 steigt die Zahl der registrierten Schweinegrippe-Fälle auf 3000 pro Woche und insgesamt 30 000 registrierte Patienten in ganz Deutschland. Prof. Drosten, damals noch Leiter der Virologie am Uniklinikum Bonn, warnte vor dem Virus. (…)

Heute ist klar: Die Panik vor dem Ausbruch war unbegründet.

Mitte März klang der Blick der “Bild”-Redaktion auf Christian Drosten noch ganz anders. “Der Mann mit den dunklen Locken” sei einer der wichtigsten Experten der Bundesrepublik.” Auch international sei er gefragt.

Der Grund: Drosten hat als einer der Wenigen den Corona-Durchblick.

Der Virologe, der auf einem Bauernhof im Emsland aufwuchs, kennt viele Viren wie seine Westentasche. Er hat Erfahrung und Expertise!

Und noch etwas:

Und noch etwas macht Drosten besonders: Er ist nahbar!

Obwohl Drosten den Medienrummel nicht gewohnt sein dürfte, teilt er all seine Erkenntnisse permanent mit der Öffentlichkeit. In Interviews bleibt er besonnen und – wie man es von einem Forscher erwartet — sachlich.

Für den Virologen ist die Corona-Lage mehr als ein Fulltime-Job. Doch er bleibt gefasst und reflektiert.

Man muss ja nicht gleich in derartige Schwärmereien verfallen, wenn es um Christian Drosten geht. Auch er sollte das Recht haben, kritisch hinterfragt zu werden. Wenn man aber, wie die “Bild”-Redaktion, zeigen will, dass der Virologe eigentlich nur ein unsteter Nicht-Held ist, der reihenweise Fehler macht und Kollegen in die Pfanne haut, dann sollte wenigstens etwas sauberer arbeiten als die Fantasiefigur, die man da zu erschaffen versucht.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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