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KW 09/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Alle links?! Wie Journalisten politisch ticken
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 43:17 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer besprechen die häufig geäußerte These, dass der deutsche Journalismus von einer starken linken Schlagseite geprägt sei. Empirische Studien würden im Branchendurchschnitt zwar tatsächlich eine leichte politische Linkstendenz belegen, diese nehme jedoch auf den einflussreichen redaktionellen Führungsebenen wieder spürbar ab. Das pauschale Narrativ einer rein linken Medienlandschaft sei falsch, zumal der Diskurs maßgeblich von starken konservativ-liberalen Verlagen geprägt werde.

2. Was macht man, wenn der eigene Reporter in der Türkei verhaftet wird?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:15 Minuten)
Vergangene Woche wurde der Deutsche-Welle-Journalist Alican Uludağ in der Türkei festgenommen. Holger Klein hat mit Erkan Arıkan, dem Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle, über die aktuelle Situation in der Türkei gesprochen: “Wie hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verändert? Was bedeutet das für die Arbeit von Medien? Und gibt es Hoffnung, dass sich irgendwann etwas ändert?”

3. Der Fall Michel Friedman: Die Wahrheit hinter dem Skandal von Klütz
(ardmediathek.de, Daniel Batel, Video: 20:26 Minuten)
Der jüdische Publizist Michel Friedman hätte auf einer Kulturveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern auftreten sollen, sei jedoch wieder ausgeladen worden: “Zapp-Reporter Daniel Batel fährt nach Klütz und geht den Fragen nach, welche Gründe wirklich hinter der Ausladung stecken, wie eine Kleinstadt mit medialer Entrüstung umgeht und wie sie versucht, ihren Ruf zwischen echter Neonazi-Präsenz und ungerechtfertigter Stigmatisierung zurückzugewinnen.”

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4. Das dunkle Imperium von MrBeast
(youtube.com, Klengan, Video: 25:37 Minuten)
YouTuber “Klengan” analysiert das gigantische Firmenimperium von “MrBeast”, dem größten und erfolgreichsten YouTuber der Welt. Dessen extrem teure YouTube-Videos würden eigentlich massive Verluste einfahren, sollen jedoch als gigantische Marketingmaschine dienen. Mit seiner enormen Reichweite verkaufe “MrBeast” im Hintergrund äußerst profitabel eigene Konsumgüter wie Schokolade und Fertig-Snacks. Der neueste und lukrativste Coup könnte eine Finanz-App werden. Über diese könne der YouTuber seine überwiegend junge Zielgruppe künftig mit Krediten, Versicherungen und spekulativen Krypto-Produkten versorgen.

5. 80. Geburtstag der Zeit: Die Erfolgsstrategie der Wochenzeitung mit Podcasts und Politik
(omr.com, Philipp Westermeyer, Audio: 1:43:55 Stunden)
Anlässlich des 80. Geburtstags der “Zeit” erklärt Chefredakteur Jochen Wegner im Podcast-Gespräch mit Philipp Westermeyer, wie die “Zeit” trotz der allgemeinen Branchenkrise durch digitale Abos, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und reichweitenstarke TikTok-Formate kontinuierlich wachse. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei die traditionelle Meinungsvielfalt des Blattes, das bewusst diametral unterschiedliche politische Standpunkte abbilde. Außerdem diskutieren die beiden über die bedenkliche Entwicklung des Tech-Milliardärs Elon Musk und die grundsätzliche Unvorhersehbarkeit der medialen Zukunft.

6. Studio Babelsberg: Europas ältestes Filmstudio von innen
(youtube.com, Clara Böhm, Video: 13:46 Minuten)
Studioleiter Eike Wolf führt durch das traditionsreiche Studio Babelsberg und präsentiert die enormen Dimensionen des ältesten Filmstudios der Welt. Das eröffnet exklusive Einblicke in Europas größten Requisiten- und Kostümfundus sowie in das kreative Art Department, in dem täuschend echte Kulissen für internationale Blockbuster wie “Matrix” oder “Grand Budapest Hotel” gebaut werden.

KI-Desinformation auf TikTok, Social-Media-Verbot, Sparpaket bei DW

1. “Wir verstehen uns als Chronisten”
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Die Journalisten Peter Schwarz und Alexander Roth berichten schon seit langer Zeit über den Wandel der rechtsextremen Szene im Rems-Murr-Kreis, die sich von festen Treffpunkten zunehmend ins Internet verlagert habe. Dabei fungiere die AfD als Sprachrohr, das rechtsextreme Positionen normalisiere. Beide Reporter seien massiven Anfeindungen und Morddrohungen ausgesetzt, was insbesondere bei Roth strenge Sicherheitsvorkehrungen im Alltag erfordere. Im Interview mit der “Kontext:Wochenzeitung” sprechen sie über ihre Arbeit und die Aufgaben von Journalismus.

2. KI-Desinformation auf TikTok: Angriffe zielen auf die Bundesregierung
(cemas.io, Julia Smirnova)
Laut einer Analyse des CeMAS würden die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz auf TikTok massiv mit KI-generierten Inhalten angegriffen. Diese KI-Slop-Videos würden Falschmeldungen über absurde Verbote sowie pro-russische und AfD-freundliche Narrative verbreiten. Hinter den untersuchten Accounts stecke vermutlich ein koordiniertes Netzwerk, das bereits Millionenreichweiten erzielt habe. Sprachliche Fehler und thematische Schwerpunkte würden auf ausländische Akteure oder kommerzielle “Content Farmen” hindeuten.

3. Was bringt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche?
(correctiv.org, Samira Joy Frauwallner & Pamela Kaethner & Alexandra Ringendahl)
Seit einigen Tagen wird über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche in Deutschland diskutiert. Unlängst hatte die SPD-Bundestagsfraktion zum Schutz der psychischen Gesundheit ein generelles Social-Media-Verbot für Personen unter 14 Jahren sowie eine algorithmusfreie Version für Jugendliche bis 16 Jahren gefordert. Dieser Vorstoß erhalte breite politische Unterstützung, unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz. Die “Correctiv”-Redaktion hat dazu Experten und Expertinnen aus der Sucht-, Medien- und Jugendforschung befragt. Deren Fazit: “Der Schutz junger Menschen ist wichtig, in der Verantwortung sind aber nicht allein junge Menschen.”

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4. Als deutsche Reporterin im Iran
(verdi.de, Till Schmidt)
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa beschreibt im Interview die Lage im Iran nach den massiven Protesten und dem “Zwölftagekrieg” von 2025 als äußerst volatil. Die journalistische Arbeit vor Ort unterliege strengen Restriktionen. Während der staatlichen Internetblockade sei Gaa auf direkte Gespräche vor Ort angewiesen gewesen, um Informationen zu verifizieren. Die deutsche Wahrnehmung neige aus ihrer Sicht oft dazu, den Widerstand zu romantisieren und die Brutalität des Sicherheitsapparates zu unterschätzen.

5. Sparpaket beschlossen: Wie die DW 21 Millionen sparen will
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Nach der Etatkürzung durch den Bundestag müsse die Deutsche Welle ein Sparpaket von insgesamt 21 Millionen Euro umsetzen. Dies habe unter anderem die komplette Schließung der Griechisch-Redaktion zur Folge. Auch Angebote in Portugiesisch, Dari/Paschtu und Spanisch sowie Formate wie das russische Satiremagazin “Zapovednik” würden reduziert oder eingestellt. Rechnerisch seien 160 Vollzeitstellen betroffen, wobei betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.

6. X muss Böh­m­er­mann-“Parodie”-Account löschen
(lto.de, Pauline Dietrich & Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Köln habe die Plattform X per einstweiliger Verfügung verpflichtet, einen verifizierten Fake-Account des Satirikers Jan Böhmermann zu löschen. Trotz des Namenszusatzes “Parody” sei für die Nutzerinnen und Nutzer nicht zweifelsfrei erkennbar gewesen, dass es sich um eine Parodie handle. Böhmermann habe argumentiert, dass der Account unter seinem Namen gezielt rechte Inhalte und Hass verbreite. Das Gericht habe bestätigt, dass der Account Persönlichkeitsrechte verletze und zudem gegen die eigenen Richtlinien von X verstoße.
Weiterer Gucktipp: Rechtsanwalt Chan-jo Jun vertritt Böhmermann in dem Fall und hat mit seiner Kollegin Jessica Flint ein interessantes Erklärvideo dazu veröffentlicht, in dem auch der frühere Bundesjustizminister Marco Buschmann eine Rolle spielt: Wenn Musk meint, über dem Recht zu stehen, braucht es Böhmermann (youtube.com, Video: 14:58 Minuten).

7. Ist Donald Trump ein “Dealmaker”?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:30 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins spricht der “6-vor-9”-Kurator über das Wort “Dealmaker”, das gern in der Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump verwendet wird: “Es stammt aus Trumps eigenem Branding. ‘The Art of the Deal’ heißt sein bekanntestes Buch. Geschrieben hat er es bereits 1987 und seitdem geistert das Wort durch die Medien. Trump hat den Begriff ‘Dealmaker’ zu so einer Art politischem Markenkern gemacht. Und jetzt benutzt ihn der deutsche Bundeskanzler. Das klingt nach Vernunft und nach Verhandlungstisch. Oder täuscht das?” (radioeins.de, Audio: 4:30 Minuten)

Im freien Fall, Raus aus der Manege, Vorteile des Bibliotheksausweises

1. Im freien Fall
(taz.de, Nicholas Potter)
Amazon-Gründer Jeff Bezos habe die “Washington Post” einst als Retter übernommen und ihr eine “goldene Ära” versprochen. Doch nun stecke die traditionsreiche Zeitung in einer tiefen Krise, die sich durch den massenhaften Verlust von Abonnentinnen und Abonnenten, den Abgang namhafter Journalistinnen und Journalisten sowie die Entlassung von hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeige. Kritiker würfen Bezos vor, strategisch versagt zu haben und die journalistischen Werte der “Washington Post” politischen Interessen zu opfern. Das Management unter ihm beharre jedoch weiterhin auf seinem rigiden Sparkurs.

2. Raus aus der Manege – Warum öffentliches Reden mit Rechten ein Problem ist
(54books.de, Simon Sahner)
Simon Sahner argumentiert, dass die Strategie des öffentlichen Redens mit Rechten gescheitert sei, da die AfD trotz ständiger medialer Aufmerksamkeit heute stärker dastehe als je zuvor. Er kritisiert, dass Talkshows und Influencer rechtsextremen Akteuren oft nur aus Quotengründen eine Bühne böten. Dadurch würden deren radikale Ansichten fälschlicherweise als normale, diskutierbare Meinungen legitimiert. Statt inszenierter “Schaukämpfe” vor der Kamera fordert Sahner, sich wieder den konkreten Alltagsproblemen der Menschen zu widmen.

3. Epstein Files: Medien, Schwefelsäure und die Wahrheit
(youtube.com, Raja Khadour & Fritz Lüders, Video: 8:44 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” hat sich mit dem Recherche-Hype um die veröffentlichten Epstein-Akten beschäftigt. Dieser sei durch den freien Zugang für Privatpersonen ausgelöst worden und habe eine Flut an ungeprüften, teils vermeintlichen, teils tatsächlichen Enthüllungen und KI-Fälschungen in den Sozialen Netzwerken ausgelöst. Klassische Medienhäuser stünden vor dem Dilemma, dass sie mit der Geschwindigkeit der Online-Gerüchteküche nicht mithalten können, ohne ihre journalistische Sorgfaltspflicht zu verletzen.

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4. Australien: “Viele Jugendliche machen sich über die Altersgrenze lustig”
(deutsches-schulportal.de, Alexander Brand)
Der australische Lehrer Chris Bush berichtet, dass das Social-Media-Verbot in seinem Land für Personen unter 16 Jahren das Nutzungsverhalten bisher kaum verändert habe. Die Jugendlichen würden die Sperren oft durch falsche Altersangaben oder das Nutzen von VPNs mühelos umgehen. Dennoch hält er das Gesetz langfristig für richtig und vergleicht es mit dem Rauchverbot, dessen positive Effekte auf die psychische Gesundheit erst bei der nachfolgenden Generation sichtbar werden dürften. Unmittelbar wirksamer seien derzeit die konsequenten Handyverbote an Schulen, die bereits jetzt dazu führen würden, dass Schülerinnen und Schüler in den Pausen wieder miteinander spielen und direkt miteinander kommunizieren.

5. Medienanstalten sehen Staatsferne bei KI-Kontrolle gewahrt
(faz.net)
Nachdem die “FAZ” das neue KI-Durchführungsgesetz wegen mangelnder Staatsferne kritisiert habe, widersprächen nun das Digitalministerium sowie die Landesmedienanstalten dieser Darstellung. Sie würden auf die gesetzliche Regelung verweisen, laut der die Kontrolle von Medienanbietern weiterhin explizit in der Zuständigkeit der Länderbehörden verbleibe, womit die journalistische Unabhängigkeit gewahrt sei.

6. Das bekommen Sie alles kostenlos, wenn Sie einen Bibliotheksausweis haben
(spiegel.de)
Viele Bibliotheken hätten ihr Angebot längst über das Ausleihen von Büchern hinaus erweitert und böten nun auch “Makerspaces” mit 3D-Druckern oder eine “Bibliothek der Dinge” für den Verleih von Alltagsgegenständen wie Bohrmaschinen. In Städten wie Frankfurt und München stünden Nutzerinnen und Nutzern zudem Musikinstrumente zum Ausleihen oder Tonstudios für eigene Aufnahmen zur Verfügung. Ergänzend dazu ermögliche der Bibliotheksausweis oft den digitalen Zugriff auf Streamingdienste, Sprachlernprogramme sowie umfangreiche Pressearchive.

KW 07/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Social-Media-Verbot für Jugendliche?
(youtube.com, Markus Feldenkirchen, Video: 1:00:10 Stunden)
In der Diskussionsrunde des „Spiegel“, in der es um ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche geht, erkennen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Risiken wie Sucht, Cybermobbing und problematische Inhalte an, favorisieren jedoch unterschiedliche Lösungsansätze. So plädiert die ehemalige Schulleiterin Silke Müller für eine klare Altersgrenze und mehr analoge Kindheit. Sascha Lobo warnt, dass ein Verbot lediglich einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt schaffe und fordert stattdessen kindgerechte Plattform-Versionen.
Weiterer Gucktipp: Wie Social Media, Gaming und Algorithmen Jugendliche verändern: “Prof. Dr. Ruth Wendt, Professorin an der LMU München und Expertin für digitale Lebenswelten, erklärt, warum Bildschirmzeit allein wenig aussagt, welche Rolle Algorithmen, soziale Vergleichsprozesse, Gaming und psychische Gesundheit spielen und was Eltern sowie Fachkräfte wirklich über riskante Nutzung, Resilienz und Medienkompetenz wissen müssen.” (youtube.com, Aktiv gegen Mediensucht e.V., Video: 1:01:26 Stunden)

2. Gefrustet, arm und angefeindet? – Ausstieg aus dem Journalismus
(ardaudiothek.de, Michael Meyer & Katrin Aue, Audio: 16:14 Minuten)
Michael Meyer und Katrin Aue sprechen bei „Medien – Cross und Quer“ mit der Medienwissenschaftlerin Jana Rick darüber, dass immer mehr Journalistinnen und Journalisten aufgrund von Arbeitsverdichtung, sinkenden Einkünften und Anfeindungen in Berufe wie PR oder Handwerk wechseln. Experten würden diesen „Ausstieg“ mit Sorge betrachten, da der Verlust qualifizierten Personals den wichtigen gesellschaftlichen Auftrag von Medien gefährde.

3. Epstein-Files: Wann wird aus Recherche Sensationslust?
(ardaudiothek.de, Linus Lüring, Audio: 23:14 Minuten)
Linus Lüring zieht bei „BR24 Medien“ gemeinsam mit der NDR-Investigativjournalistin Anna Klühspies eine Zwischenbilanz zur Veröffentlichung der Epstein-Files. Sie erörtern die journalistische Herausforderung, in Millionen, teils geschwärzten Dokumenten relevante Inhalte zu identifizieren. Außerdem sprechen sie über die Gefahr, dass in der Flut der Daten Kontext und Einordnung verloren gehen: “Irgendwann ist das auch eine Fülle an Informationen, wo man sich dann auch nicht mehr zurechtfindet oder sich auch ein bisschen abstumpft und sagt – ach ja, auch der Name und der Name. Und dann gehen da vielleicht Geschichten verloren, die tatsächlich wichtig sind oder mehr Substanz haben.”

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4. Kontroverser Fame – warum Canceln sich auszahlt
(youtube.com, Sashka, 18:12 Minuten)
YouTuberin Sashka kritisiert am Beispiel von Gil Ofarims Dschungelcamp-Teilnahme, dass dieser trotz seines Geständnisses vor Gericht nun im TV falsche Behauptungen über einen “Freispruch” verbreite und dafür statt Ausgrenzung sogar Sympathie und hohe Gagen erhalte. Das Prinzip des “Cancelns” scheitere heutzutage oft, da Medien und Algorithmen Empörung mit Reichweite belohnen würden. Skandale würden eher als Karrierebeschleuniger denn als Bestrafung wirken.

5. Medienmarken zwischen Bierzelt, Content-Flut und kleinen Lagerfeuern
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 50:00 Minuten)
Lukas Schöne und Diana Dotzauer (BR) stellen bei „This is Media Now“ fest, dass junge Menschen trotz hoher Social-Media-Nutzung den Plattformen kaum vertrauen und eine Rückkehr zu echten Begegnungen an traditionellen Orten suchen würden. Als Konsequenz verzichte der Bayerische Rundfunk auf Großevents wie das “Puls Open Air” und fokussiere sich stattdessen auf kleinere, regionale Formate. Dotzauer betont, dass authentische menschliche Persönlichkeiten und ein intensives Community-Management der Schlüssel für Glaubwürdigkeit und Markenbindung seien.

6. Darf TITANIC das? Satire zwischen Empörungskultur und Kreativchaos
(undercover-printisnotdead.podigee.io, Marc-Oliver Bender & Karsten Reißner, Audio: 1:03:21 Stunden)
Beim “Undercover”-Podcast ist Torsten Gaitzsch zu Gast, der aktuelle Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“. Gaitzsch erzählt von seinem Aufstieg vom Praktikanten bis in die Führungsspitze und schildert die internen Abläufe der Redaktion. Er erklärt den dreiwöchigen Produktionszyklus, die Hintergründe zum aktuellen Titelthema und spricht über die Bedeutung von Humor-Legenden wie Otto Waalkes oder Fips Asmussen. Außerdem geht es in dem Gespräch um legendäre „Titanic“-Aktionen wie den WM-Skandal 2006.

Social-Media-Verbot?, Burkard rudert zurück, Christliche Influencer

1. “Ein Social-Media-Verbot macht den Jugendschutz schlechter”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Der Medienrechtler Stephan Dreyer kritisiert im Interview mit netzpolitik.org, dass die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild weitgehend von der komplexen Forschungslage entkoppelt sei. Zudem würde ein derartiges Verbot gegen geltendes EU-Recht wie den Digital Services Act verstoßen. Dreyer warnt davor, dass nationale Alleingänge rechtlich kaum durchsetzbar seien und ein pauschales Verbot den Jugendschutz sogar verschlechtern könne. Außerdem verlören Jugendliche wichtige Teilhabe- sowie Kommunikationsräume.

2. Wir werden zu Wölfen gemacht
(taz.de, Annekathrin Kohout)
Die unkommentierte Veröffentlichung der Epstein-Files diene lediglich als Rohmaterial für die “Reaktionsmaschinerie” der Sozialen Medien, stellt die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout in ihrer “taz”-Kolumne fest. Statt zur Aufklärung beizutragen, würden die Akten von Content Creatorn und True-Crime-Formaten zu Unterhaltung verarbeitet. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen authentischem Material, Fiktion und gezielter Desinformation bis zur Unkenntlichkeit.

3. Merz in den Epstein-Files: Erwähnung ist kein Hinweis auf Straftaten
(correctiv.org, Gabriele Scherndl)
Gabriele Scherndl stellt klar, dass Behauptungen über eine Verwicklung von Bundeskanzler Friedrich Merz in den Epstein-Skandal haltlos seien, da sein Name lediglich in einem den Akten beigefügten Blogpost über die Trilaterale Kommission auftauche. Die bloße Erwähnung belege keinerlei Kontakt zu dem Sexualstraftäter, werde jedoch in Sozialen Medien gezielt aus dem Kontext gerissen, ähnlich wie bei Falschmeldungen über Stephanie von Bismarck oder KI-generierten Bildern von Politikern. Die Unübersichtlichkeit der riesigen Datenmenge des US-Justizministeriums biete einen idealen Nährboden für Verschwörungsmythen.

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4. Notfalleinsätze bei RTL nach Entlassungen? Burkard rudert zurück
(dwdl.de, Timo Niemeier)
RTL-Moderatorin Katja Burkard habe ihre Aussagen aus dem Podcast “Zwischen den Zeilen” revidiert, wonach es im Zuge der Bekanntgabe des Stellenabbaus beim TV-Sender zu Zusammenbrüchen und Krankenwageneinsätzen gekommen sei. In einem Instagram-Video habe sie eingeräumt, ungeprüftes Hörensagen weiterverbreitet zu haben. Sie habe nun klargestellt, dass die dramatischen Schilderungen über medizinische Notfälle nicht der Wahrheit entsprächen.

5. Wie christliche Influencer mit dem rechten Rand flirten
(youtube.com, Angela Giese & Felix Wolf, Video: 28:31 Minuten)
“Hat der christliche Glauben ein Comeback in der GenZ? Wenn man sich die Social-Media-Accounts von Christfluencern ansieht, hat man den Eindruck, die Antwort lautet: ja. Sie propagieren den ‘Jesus Glow’ und versprechen jungen Menschen, dass der Glaube ihnen in Krisenzeiten Halt und Orientierung bietet.” Angela Giese und Felix Wolf haben sich auf die Spur der sogenannten Christfluencer gemacht, die am rechten Rand fischen würden: “Wir zeigen, wie mit dieser schwarz-weißen Weltanschauung die politischen Linien zu Rechtspopulisten und der AfD verschwimmen. Dabei sprechen wir mit Theologen, Aussteigern und folgen der Spur in die USA bis zu Donald Trump.”

6. Instagram-Chef bestreitet Suchtpotenzial der App
(spiegel.de)
Instagram-Chef Adam Mosseri habe in einem richtungsweisenden Prozess in Los Angeles bestritten, dass die App “klinisch süchtig” macht, und den Konsum lediglich mit der Begeisterung für Fernsehserien verglichen. Die Klägerin werfe den Plattformen vor, durch Funktionen wie das endlose Scrollen gezielt psychische Probleme verursacht zu haben. Der hinter Instagram stehende Social-Media-Konzern Meta argumentiere, dass die Ursachen in den vorbestehenden schwierigen Familienverhältnissen der Frau zu suchen seien. Snapchat und TikTok hätten sich bereits vor Prozessbeginn mit der Frau auf einen Vergleich geeinigt.

7. Ein Reality-Format jagt das nächste
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert anlässlich des fast nahtlosen Übergangs vom “Dschungelcamp” zu “Germany’s Next Topmodel”, dass seriöse Medien diese Reality-Formate oft wie echte Dokumentationen besprächen, obwohl es sich um konstruierte Inszenierungen handele: “Man muss sich mal vorstellen, ein Journalist würde über einen Spielfilm schreiben: ‘Brad Pitt hat gestern mutig gegen die Zombie-Invasion gekämpft.’ Das wäre doch absurd, oder?”

Metas Werbeverbot, Problematische Reise-Influencer, Zu schlau für TV

1. “Das Wort Demokratie kann problematisch sein”
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ingo Dachwitz beschreibt in seinem Artikel, wie Metas pauschales Verbot politischer Werbung in der EU zu willkürlichen Sperrungen bei NGOs, Museen und Unternehmen führe. Selbst harmlose Aufklärungskampagnen oder Spendenaufrufe würden darunter fallen. Offiziell begründe der Social-Media-Konzern diesen Schritt mit der Komplexität neuer EU-Transparenzregeln. Kritiker würden dahinter jedoch den Versuch vermuten, sich jeglicher Regulierung zu entziehen und Strafzahlungen zu vermeiden.

2. Epstein taucht in Epstein-Akten auf!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die mediale Aufarbeitung der neu veröffentlichten Epstein-Akten sei oft von Sensationsgier und mangelnder Sorgfalt geprägt, findet Boris Rosenkranz bei “Übermedien” (jetzt frei lesbar). Er bemängelt, dass viele Redaktionen statt auf tiefergehende Analysen lediglich auf schnelles “Namedropping” und Clickbait setzen würden. Dadurch würden selbst harmlose Erwähnungen in den Dokumenten zu Skandalen aufgebauscht.

3. Wie rechte Influencer*innen Reisen für Propaganda-Zwecke instrumentalisieren
(belltower.news, Kiran Bowry)
Kiran Bowry analysiert in seinem Text, wie rechte Influencer das vermeintlich unpolitische Genre der Reise-Vlogs instrumentalisieren. Insbesondere der YouTuber Kurt Caz verbreite durch inszenierte “Gefahrensituationen” rassistische und nativistische Narrative. Bowrys Botschaft an die Medien: “Faktenchecks genügen nicht. Ohne Einordnung bleiben Reise-Influencer*innen wirksame Akteure bei der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Weltbilder.”

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4. Gezielte Angriffe auf Medienschaffende
(verdi.de)
Aus einer Antwort der Bundesregierung gehe hervor, dass zwischen April 2024 und November 2025 mehr als 800 politisch motivierte Straftaten gegen Medienschaffende registriert worden seien. Angesichts dieser Bedrohungslage fordert die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der anstehenden Strafgesetzbuch-Novelle (§ 116 StGB-E, PDF) ausdrücklich als schutzwürdige Berufsgruppe gesetzlich zu verankern.

5. Sieben Forderungen gegen Desinformation
(neuemedienmacher.de)
Die Neuen deutschen Medienmacher*innen haben einen Sieben-Punkte-Katalog vorgelegt (PDF), um die “Leerstelle bei der Mehrsprachigkeit” zu schließen. Hiesige Medienangebote hätten der Vielsprachigkeit von Falschmeldungen bisher kaum etwas entgegengesetzt. Zu den zentralen Forderungen zählen der massive Ausbau mehrsprachiger Angebote im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie eine stärkere Diversität in Redaktionen. Das Ziel sei es, manipulative Narrative frühzeitig zu identifizieren und Faktenchecks in mehreren Sprachen anzubieten.

6. Zu schlau fürs Fernsehen: Der Publizist Roger Willemsen
(wdr.de, Anke Rebbert, Audio: 13:23 Minuten)
Anlässlich seines zehnten Todestages erinnert das WDR-“Zeitzeichen” an den Publizisten Roger Willemsen, der als “boulevardtauglicher Intellektueller” das Fernsehen der 90er-Jahre geprägt habe. Autorin Anke Rebbert beschreibt, wie der promovierte Musik-Experte durch seinen einzigartigen, zugewandten Moderationsstil zum Publikumsliebling avanciert sei, bevor er sich Ende der 90er-Jahre bewusst aus dem Talkshow-Geschäft zurückgezogen habe.

Hartes Urteil, Analyse statt Anarchie, Synchronsprecher vs. Netflix

1. Hartes Urteil gegen Jimmy Lai sorgt weltweit für Empörung
(spiegel.de)
Der 78-jährige Verleger und Demokratieaktivist Jimmy Lai sei in Hongkong auf Basis des umstrittenen Sicherheitsgesetzes wegen angeblicher Kollaboration mit dem Ausland und Aufruhrs zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die EU-Kommission sowie Regierungsvertreter aus Großbritannien und Japan hätten das Urteil scharf kritisiert und Lais sofortige Freilassung gefordert. Die Organisation Human Rights Watch habe den Richterspruch als “grausamen und zutiefst ungerechten” Schlag gegen die Meinungsfreiheit bezeichnet.

2. Holger Friedrichs Jungpionier
(taz.de, Matthias Meisner)
Florian Warweg, der früher für “Alternativmedien” wie “RT Deutsch” und die “Nachdenkseiten” gearbeitet habe, wechsele als parlamentarischer Berichterstatter zur neugegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” (“OAZ”) des Verlegers Holger Friedrich. “OAZ”-Chefredakteur Dorian Baganz habe erklärt, dass man ohne den angeblichen “Bias” westdeutsch geprägter Medien über die negativen Folgen von Aufrüstung und Ukrainehilfe berichten wolle.

3. Giordanis Reset: Analyse statt Anarchie bei ProSiebenSat.1
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der neue ProSiebenSat.1-CEO Marco Giordani habe bei seinem öffentlichen Debüt eine Abkehr von der bisherigen “Joyn”-Strategie signalisiert und betont, dass die linearen Sender wieder die klare Priorität hätten. Thomas Lückerath wertet Giordanis Auftritt als nüchternen und analytischen “Reset”, der zwar keine radikale Revolution, aber eine spürbare Evolution darstelle. Es bleibe jedoch offen, ob angesichts des angespannten Werbemarktes weitere Sparmaßnahmen notwendig würden.

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4. Netflix: Deutsche Synchronsprecher verweigern die Zusammenarbeit
(youtube.com, Jessica Zahedi, Video: 9:00 Minuten)
“ZDFheute”-Moderatorin Jessica Zahedi unterhält sich mit Patrick Winczewski, der deutschen Synchronstimme von Tom Cruise, über den Konflikt der deutschen Synchronsprecher und -sprecherinnen mit dem Streaming-Giganten Netflix: “Worum geht es in dem Konflikt genau? Welche Rechte haben Sprecher an ihrer Stimme? Und was sagt der Streit über den Umgang mit KI in kreativen Berufen?”

5. Der wichtige Scheiß
(journalist.de, Timur Vermes)
Timur Vermes kritisiert, dass der Journalismus seit Jahrzehnten an Qualität verliere, indem er verzweifelt versuche, Soziale Medien zu imitieren, und sich durch Sparmaßnahmen und Datenhörigkeit selbst entwerte. Vermes stellt fest, dass das Publikum in der digitalen Content-Flut ertrinke und das “Schnellhörensehen” ein Hilferuf sei. Deshalb müsse der Journalismus nicht noch mehr Feeds, sondern Relevanz und harte Auswahl, also den “wichtigen Scheiß”, bieten.

6. Glaskugelige Kaffeesatzlesereien 2026: Sehnsucht nach Echtheit
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer prognostiziert in seinem jährlichen Ausblick einen massiven “GenAI-Crash” im Jahr 2026. Die immensen Investitionen in Infrastruktur und Rechenzentren seien aus seiner Sicht aufgrund fehlender profitabler Geschäftsmodelle nicht refinanzierbar, was zu einer makroökonomischen Krise führen werde. Als Gegenbewegung erwarte er eine “New Realness”, bei der der Einsatz generativer KI zunehmend als Zeichen von Faulheit und sozialem Abstieg gewertet werde. Zudem sieht Knüwer klassische Medienhäuser in einer Zange zwischen KI-Suchmaschinen und Influencern.

KW 06/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Tatort Schlagzeile: Die Debatte um Herkunft
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 40:44 Minuten)
Bei “Die Medienversteher” diskutieren der Medienwissenschaftler Tanjev Schultz und der Journalist Markus Wolsiffer über das ethische Dilemma, ob und wann die Herkunft von Straftätern in der Berichterstattung genannt werden sollte. Die Kölner Silvesternacht 2015/16 markiere eine Zäsur, die zu einer Aufweichung des Pressekodex geführt habe. Daraufhin sei die Nennung der Nationalität in vielen Redaktionen und auch in Polizeimeldungen zur unhinterfragten Routine geworden.

2. Warum ist der Sportjournalismus immer noch fest in Männerhand?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:18 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast fragt Holger Klein die Sportjournalistin Nora Hespers, warum das Sportressort trotz einer gestiegenen Sichtbarkeit von Frauen im TV weiterhin eine Männerdomäne bleibe. Der Frauenanteil in der Branche liege lediglich bei zehn bis 15 Prozent, und weibliche Führungskräfte sowie Kommentatorinnen würden nach wie vor die Ausnahme bilden. “Obwohl mehr Frauen in den Sportjournalismus kommen, bleibt noch viel zu tun”, so Hespers Fazit.

3. Kommt ein neues “Spotify für Verlage”?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 24:08 Minuten)
Christian Jakubetz unterhält sich mit Swantje Dake, ehemalige Digital-Chefredakteurin der “Stuttgarter Zeitung” und der “Stuttgarter Nachrichten”, über deren neues Start-up namens “Unlock”. Dabei handele es sich um eine Plattform nach dem “Spotify-Prinzip”, die Nutzerinnen und Nutzern gegen eine monatliche Gebühr (geplant seien circa 15 Euro) den Zugriff auf Bezahlartikel verschiedener Verlage ermöglichen soll. Dake ist zuversichtlich, dass dieses Modell jetzt funktioniert, da Paid-Content mittlerweile etabliert sei und Verlage unter höherem Digitalisierungsdruck stünden.

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4. Die Krise des Musikjournalismus
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 27:37 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die prekären Arbeitsbedingungen im Popjournalismus. Deutschlandfunk-Hörerin Luise Herzog diskutiert darüber mit Ruben Jonas Schnell vom Internetradiosender ByteFM und Thomas Venker von “Kaput”, dem “Magazin für Insolvenz & Pop”.

5. Wenn’s beim Buschmann zweimal klingelt (mit ⁨@AnwaltJun⁩)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:05:25 Stunden)
Gavin Karlmeier und Anwalt Chan-jo Jun diskutieren über Elon Musks mutmaßliche Strategie, durch kontroverse KI-Inhalte von “Grok” Aufmerksamkeit zu generieren. Zudem erörtern sie das juristische Schwinden des sogenannten Providerprivilegs, wodurch Plattformen künftig schneller und direkter für Datenschutzverstöße und KI-Risiken haften müssten. Abschließend berichtet Jun von einer erfolgreich zugestellten einstweiligen Verfügung an X (ehemals Twitter), nachdem vorherige Zustellversuche gescheitert seien.

6. Marietta Slomka – 2 + 2 = 4
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:12:33 Stunden)
Bei “Freiheit Deluxe” unterhält sich Jagoda Marinić mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka über die Entwicklung der Medienwelt in den vergangenen Jahrzehnten. Die Nachrichtenproduktion sei heute komplexer, Faktenchecks würden zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Zudem erklärt Slomka, wie sie sich professionell von der Flut schlechter Nachrichten abgrenzt, um ihre persönliche Zuversicht für das herausfordernde Jahr 2026 zu bewahren.

Massenentlassungen, Bei Lanz kein Ministerpräsident, Exilmedien

1. Der Letzte macht das Licht aus
(taz.de, Nicholas Potter)
Die “Washington Post” habe in einem radikalen Kahlschlag rund 30 Prozent ihrer Redaktion entlassen, “mehr als 300 der insgesamt rund 800 Journalisten sollen ihren Job verloren haben.” Besonders betroffen sei die Auslandsberichterstattung in Krisenregionen wie der Ukraine oder dem Nahen Osten. Ursache sei vor allem das politische Kalkül von Eigentümer Jeff Bezos, kommentiert Nicholas Potter. Kritiker wie Ex-Chefredakteur Marty Baron hätten diesen Schritt als “selbstverschuldete Zerstörung” bezeichnet.

2. Daniel Gün­ther war bei Lanz kein Minis­ter­prä­si­dent
(lto.de, Markus Sehl)
Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe einen Antrag des Portals “Nius” gegen das Land abgewiesen, mit dem untersagt werden sollte, dass Daniel Günther das Medium als “Feinde der Demokratie” oder “faktenfrei” bezeichnet. Zur Begründung habe die Kammer ausgeführt, dass Günther in der Talkshow “Markus Lanz” nicht als Ministerpräsident, sondern als Parteipolitiker aufgetreten sei. Somit habe er keine amtliche Neutralitätspflicht verletzt. Der Beschluss sei noch nicht rechtskräftig. “Nius” könne noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.

3. Russische Medien im Exil: “Diese Redaktionen sind zur Innovation verdammt”
(geo.de, Diana Laarz)
Russische Exilmedien fänden trotz massiver Repressionen weiterhin Wege, um ihre Zielgruppen in der Heimat zu erreichen und so das staatliche Informationsmonopol aufzubrechen. Die rund 63 russischen Redaktionen im Exil seien nicht nur Nischenphänomene; sie würden mit Millionenreichweiten auch ländliche Gebiete erreichen. Dennoch sei die Finanzierungslage prekär.

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4. Paramount-Chef Ellison wirbt um Unterstützung der Branche
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In einem offenen Brief an die deutsche Kreativbranche werbe Paramount-Chef David Ellison um Unterstützung für die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery, um so das konkurrierende Angebot von Netflix doch noch auszustechen. Ellison verspreche unter anderem, die Produktion beider Studios auf jährlich mindestens 30 Kinofilme zu erhöhen und strikte exklusive Kinofenster von bis zu 90 Tagen einzuhalten, bevor Filme im Streaming landen.

5. Die Medienhölle – Episode 004
(youtube.com, Jörg Wagner, 1:54:17 Stunden)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Medienhölle” widmet sich Jörg Wagner unter anderem dem 38. dju-Journalismustag, auf dem er mit der ehemaligen TikTok-Mitarbeiterin Sara Tegge über Künstliche Intelligenz und mit der Forscherin Anna von Garmissen über die Grenzen zwischen Influencern und Journalisten gesprochen hat. Des Weiteren diskutiert Wagner mit dem Medienunternehmer Sebastian Jabbusch über Insolvenzszenarien und unterhält sich mit dem ehemaligen “Business-Insider”-Chef Kayhan Özgenç.

6. Wer einen Instagram- oder Facebook-Account hat, kann Schadenersatz kassieren
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Das Oberlandesgericht Dresden habe vier Klägern jeweils 1.500 Euro Schadenersatz zugesprochen, weil der Meta-Konzern über sogenannte “Business Tools” das Nutzerverhalten auf Drittwebseiten ohne Einwilligung illegal aufgezeichnet habe. Für den Anspruch sei es laut Gericht nicht notwendig, eine konkrete Überwachung im Einzelfall nachzuweisen. Angesichts der umfassenden Datensammelpraxis sei bereits der bloße Besitz eines Facebook- oder Instagram-Accounts ausreichend.

Zunehmende Feindseligkeit, Polizei setzt auf Copaganda, Cybersicherheit

1. »Reporter ohne Grenzen« berichtet über zunehmende »Feindseligkeit« gegenüber Journalisten
(spiegel.de)
Einem Bericht von “Reporter ohne Grenzen” (PDF) zufolge werde die Stimmung gegenüber Journalistinnen und Journalisten in Ostdeutschland zunehmend feindseliger. Allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten 15 der bundesweit 55 dokumentierten Angriffe stattgefunden. Lokaljournalistinnen und -journalisten bei Recherchen im rechtsextremen Milieu seien besonderer Feindseligkeit ausgesetzt. Die Berichterstattung über rechte Proteste sei mittlerweile so risikoreich, dass sie kaum noch ohne den Schutz durch Polizei oder private Sicherheitsdienste möglich sei.
Weiterer Lesetipp: Demo-Recherchen nur im Team: “Der Deutsche Journalisten-Verband rät Medienschaffenden dazu, Vorort-Recherchen über Demonstrationen und Veranstaltungen extremistischer Gruppierungen nur im Team durchzuführen.” (djv.de)

2. Wie steht es um die Cybersicherheit der Medien?
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Cyberangriffe seien für Medienhäuser längst keine Fiktion mehr, sondern eine reale Gefahr, die neben dem Sendebetrieb vor allem die journalistische Glaubwürdigkeit bedrohe. Wie Vorfälle bei Radio Arabella oder diversen Zeitungsverlagen gezeigt hätten, sei IT-Sicherheit heute eine strategische Vertrauensfrage. Das MedienNetzwerk Bayern betone deshalb, dass echte Cyber-Resilienz nicht nur technische Schutzmaßnahmen erfordere, sondern auch geschultes Personal und einen transparenten Umgang mit Störungen.

3. Büros in Frankreich durchsucht
(taz.de)
Die Pariser Staatsanwaltschaft habe die französischen Büros der Plattform X (vormals Twitter) durchsuchen lassen. Gegen das Unternehmen werde wegen Beihilfe zu schweren Straftaten ermittelt. Auslöser der Untersuchung seien unter anderem antisemitische Äußerungen des KI-Chatbots Grok gewesen. Im Zuge des Verfahrens seien auch Eigentümer Elon Musk und die ehemalige Geschäftsführerin Linda Yaccarino für April zu einer Anhörung vorgeladen worden.
Weiterer Lesetipp: Medienbericht: Sexualisierte Deepfakes von Grok möglicherweise aus Kalkül: “Die Erstellung sexueller KI-Bilder mit Grok könnte Methode haben, um die Popularität der Plattform X zu steigern. Die Washington Post liefert Anhaltspunkte.” (heise.de, Andreas Knobloch)
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube fragen sich Anwalt Chan-jo Jun und Juristin Jessica Flint: Musk im Knast? Razzia gegen X in Paris. Ginge das in Deutschland? (youtube.de, 13:54 Minuten)

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4. Soziale Medien: Spanien plant Social-Media-Verbot für Jugendliche
(zeit.de)
Nach dem Vorbild Australiens plane nun auch die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez, den Zugang zu Sozialen Medien für Jugendliche unter 16 Jahren gesetzlich zu verbieten. Sánchez habe diesen Schritt damit begründet, dass man Minderjährige vor dem “digitalen Wilden Westen” schützen müsse. Der angekündigte Gesetzentwurf sehe zudem eine Haftung der Plattformbetreiber für manipulative Algorithmen vor.

5. FDP in Baden-Württemberg kündigt Klage gegen SWR-Triell an
(medien.epd.de)
Die FDP in Baden-Württemberg habe eine Klage gegen den öffentlich-rechtlichen SWR angekündigt. Die Partei sehe sich durch das geplante TV-Triell, zu dem nur CDU, Grüne und AfD eingeladen seien, benachteiligt. Nach Ansicht der Liberalen verstoße das Format kurz vor der Wahl gegen die Chancengleichheit, weshalb sie entweder die Teilnahme von FDP und SPD oder eine Absage der Sendung fordern würden. Der MDR weise die Kritik jedoch zurück und betone, dass man mit dem Prinzip der “abgestuften Chancengleichheit” und weiteren Formaten allen Parteien gerecht werde.

6. Wie die Polizei Soziale Netzwerke mit Copaganda flutet
(netzpolitik.org, Timur Vorkul)
Deutsche Polizeibehörden würden ihre Präsenz in Sozialen Medien massiv ausbauen und dabei gezielt auf Humor sowie eigene Influencer setzen. Das mögliche Ziel: Nachwuchs gewinnen und das Image aufpolieren. Kritiker warnen jedoch, dass diese unterhaltsame Selbstdarstellung oft den gesetzlichen Auftrag zur Neutralität verletze und strukturelle Probleme innerhalb der Behörden verharmlose. Durch die direkte Kommunikation an der Presse vorbei versuche die Polizei zudem, journalistische Kontrollinstanzen zu umgehen und sich die alleinige Deutungshoheit über ihre Arbeit zu sichern.

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