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Aus fürs Medienhaus, EU spricht mit Musk, Tranzparenzregister dicht

1. RBB gibt Pläne für “Digitales Medienhaus” in Berlin auf
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der RBB hat seine ehrgeizigen und vor allem kostspieligen Pläne für das “Digitale Medienhaus” in Berlin aufgegeben. Als Gründe seien die fehlende Akzeptanz in der Belegschaft und die unklare Kostenentwicklung genannt worden. Die nunmehr nicht zur Umsetzung anstehenden Pläne hätten die Beitragszahlerinnen und -zahler bereits 32 Millionen Euro gekostet (14 Millionen Euro davon seien nach Senderangaben nachhaltig investiert, 18 Millionen seien als Verlust abzuschreiben). Eine Umsetzung wäre jedoch weit teurer gekommen, wie der Sender mitteilt: “Bei der nun erstmals vorgenommenen Vollkostenbetrachtung summierten sich die zu erwartenden Kosten auf insgesamt 311 Millionen Euro.”

2. Nach EuGH-Urteil: Zugang zu Transparenzregistern wiederherstellen!
(netzwerkrecherche.org)
Als Folge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs verwehren immer mehr Staaten den Zugang zu Transparenzregistern. Dies beträfe auch Deutschland. Daniel Drepper, Vorsitzender von Netzwerk Recherche, protestiert: “Der Zugang zu Transparenzregistern ist ein wichtiges Werkzeug des investigativen Journalismus. Gerade bei Recherchen zu Geldwäsche und Korruption sind diese Register oft die einzige rechtssichere Möglichkeit zu belegen, wer hinter einem bestimmten Unternehmen steckt. Wir fordern deshalb von der Bundesregierung, dass Journalist*innen auch in Zukunft Zugriff auf diese Daten erhalten.”

3. Es gibt Zweifel an der Geschichte der toten Maria, aber keine am skandalösen Verhalten Griechenlands
(uebermedien.de, Michalis Pantelouris)
Der “Spiegel” hat vier Artikel über den mutmaßlichen Tod eines fünfjährigen syrischen Mädchens auf der Flucht von der Türkei nach Griechenland vorläufig gelöscht. Beim Aufruf der Beiträge erscheint der redaktionelle Hinweis, dass es “mittlerweile Zweifel an der bisherigen Schilderung der damaligen Geschehnisse” gebe. Michalis Pantelouris hat sich den Fall näher angeschaut und die dazu bekannten Fakten sortiert. Er sieht vor allem die griechische Regierung in der Verantwortung: “Wenn sie wollte, dass man die Wahrheit über sie schreibt, könnte sie das sehr unterstützen, indem sie mal die Wahrheit sagt.”

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4. EU mahnt Elon Musk zur Einhaltung von Desinformations-Regeln
(zeit.de)
EU-Kommissar Thierry Breton hat den neuen Twitter-Eigentümer Elon Musk in einem Video-Telefonat dazu aufgefordert, entschlossener gegen Desinformation vorzugehen und die Inhalte bei Twitter stärker moderieren zu lassen. In einer anschließenden Mitteilung habe Breton betont, es gebe “noch gewaltig viel Arbeit”, um die Plattform an das EU-Recht anzupassen. Eine direkte Reaktion von Musk darauf habe es nicht gegeben.

5. Das hat die Deutschen dieses Jahr auf YouTube interessiert
(spiegel.de)
Youtube hat die deutschen Top 10 der erfolgreichsten Videos der Plattform veröffentlicht. Zum “Top Trending Video 2022” wurde die zweite Folge der Survival-Show “7 vs. Wild: Panama” gekürt, die es binnen weniger Wochen und trotz einer Laufzeit von anderthalb Stunden auf stolze elf Millionen Aufrufe geschafft hat. Auf dem zweiten Platz steht ein ursprünglich live gestreamtes Box-Event, die “Universum Boxing Night #1”, mit Auftritten von Webstars. Den dritten Platz sicherte sich der Videomacher, Streamer und Podcaster Julien Bam mit seiner Produktion“Der letzte Song aus der Bohne”.

6. Kramer und Mertesacker: Endlich haben Delling und Netzer ihre Nachfolger
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm hat sich die Performance der Fußball-Berichterstatter und -Berichterstatterinnen im deutschen Fernsehen angeschaut und ist besonders vom Duo Christoph Kramer und Per Mertesacker angetan: “Zuschauer wollen bitte nicht hören, was sie ohnehin selbst sehen oder wissen. Sie haben Augen. Sie können lesen und sehen. Sie wollen Mehrwert. Alles andere ist Spielverzögerung und gehört mit Gelb geahndet. Tacheles ist Mangelware im Expertengeschäft. Umso besser, das mit Kramer und Merte wieder ein stabiles Team willens und in der Lage ist, unterhaltsamen Klartext zu liefern.”

KW 47/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Investigativ-Journalist Jens Weinreich über die FIFA & WM in Katar
(youtube.com, Jung & Naiv, Tilo Jung, Video: 3:49:56 Stunden)
Wer sich für die Abgründe des Sports interessiert, kommt nicht an Investigativ- und Sportpolitik-Journalist Jens Weinreich vorbei. Weinreich hat unter anderem von 13 Olympischen Spielen und drei Fußball-Weltmeisterschaften berichtet und recherchiert seit 20 Jahren auch zur Sportpolitik Katars. Mit Tilo Jung spricht er mehr als drei Stunden über das “mafiöse System FIFA” und den “Sportschurkenstaat” Katar.

2. Der Professor und der Wolf: Politik und Medien
(youtube.com, Peter Filzmaier & Armin Wolf, Video: 37:49 Minuten)
In der letzten Folge von “Der Professor und der Wolf” diskutieren ORF-Anchorman Armin Wolf und Politikprofessor Peter Filzmaier über das oft schwierige Verhältnis von Politik und Medien in Österreich: “Wer ist von wem abhängig – die Politik von den Medien, oder umgekehrt? Sind Politik und Medien in Österreich zu verhabert? Und warum ist die Medienlandschaft in Österreich so speziell?”

3. Cancel Culture: Mediengemachter Mythos?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 32:37 Minuten)
In der aktuellen Folge von “quoted” unterhalten sich Nadia Zaboura und Nils Minkmar mit Literaturprofessor Adrian Daub über “Cancel Culture”: Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Und welche Rolle spielen Medien in diesem Zusammenhang?

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4. Influencer: Ihr Erfolg bei jungen Menschen
(podcast.leibniz-hbi.de, Johanna Sebauer, Audio: 37:44 Minuten)
Im “Bredowcast”, dem Podcast des Leibniz-Instituts für Medienforschung, geht es um Influencerinnen und Influencer und die Frage, warum sie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen so gut ankommen. Leonie Wunderlich hat dazu eine Studie durchgeführt (PDF) und berichtet im Podcast von ihren Erkenntnissen. “Die Perspektive von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat einfach gefehlt im wissenschaftlichen Diskurs über diese Personengruppe”, so ihr Beweggrund für ihre Forschung.

5. Was brauchen gute Podcasts?
(deutschlandfunkkultur.de, Massimo Maio, Audio: 36:04 Minuten)
Die wachsende Popularität von Hör-Dokus beziehungsweise Doku-Podcasts ist das Thema im “Kompressor” von Deutschlandfunk Kultur: Was zeichnet eine gute Produktion aus? Darüber sprechen der SWR-Feature-Redakteur Michael Lissek, der erfolgreiche Podcast-Produzent Khesrau Behroz (“Cui bono”, “Noise”, “Legion”, “Drachenlord”) und der freie Feature-Autor und Podcast-Produzent Johannes Nichelmann.

6. Ferngespräche: Pakistan
(ardaudiothek.de, Holger Klein, Audio: 1:03:28 Stunden)
In den radioeins-“Ferngesprächen” lässt Holger Klein Korrespondentinnen und Korrespondenten zu ihrer jeweiligen Region zu Wort kommen. Diesmal hat er sich mit Peter Hornung zusammengeschaltet, dem Südasien-Korrespondenten der ARD und Leiter des ARD-Hörfunkstudios Neu-Delhi. Es geht um Pakistan mitsamt seiner “modernen Städte, unmodernen Provinzen und chaotischen Politik”.

Springer meidet Prozess, Thema Queer, Versprechen mit Bundesadler

1. Axel Springer kann US-Prozess um Julian Reichelt vermeiden
(spiegel.de)
Eine ehemalige “Bild”-Mitarbeiterin hatte an einem kalifornischen Gericht Klage gegen “Bild” sowie gegen eine Tochterfirma des Axel-Springer-Verlags eingereicht. Unter anderem sei es darin um den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegangen (siehe die Berichterstattung des “Spiegel” aus dem Oktober 2021). Anscheinend wollte es der Konzern nicht auf einen Prozess ankommen lassen. Man habe sich für eine “einvernehmliche Lösung” entschieden, so ein Konzernsprecher.

2. Was (israelische) Journalisten bei der WM in Katar erleben
(stern.de, Christine Leitner)
Dass ausländische Journalisten und Journalistinnen in Katar nicht wirklich willkommen sind, sei keine Überraschung. Besonders gelte dies jedoch für Medienschaffende aus Israel, wie Christine Leitner im “Stern” schreibt und mit einigen Beispielen unterfüttert.
Weiterer Lesehinweis: Paradiesische Bedingungen für Sportjournalisten: “Vier Spiele pro Tag und beste Bedingungen für Sportjournalisten mit kurzen Wegen zu allen WM-Stadien. Die FIFA versucht, ihr Kernprodukt perfekt zu vermarkten, um politischen Themen den Raum zu nehmen.” (freitag.de, Günter Klein)
Und noch ein Hörtipp: Beim RBB geht es um die Frage: “Wie reden wir über diese kontroverse Fußball-WM?” Besprochen wird sie mit dem Investigativjournalisten Jens Weinreich (rbb-online.de, Audio: 7:01 Minuten).

3. Wann Medien über queere Themen berichten – und wann nicht
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Anlässlich des Gerangels um das Tragen einer Armbinde bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist das Thema Queerfeindlichkeit in den medialen Fokus gerückt. Etwas, was sich Johannes Kram auch außerhalb von Sportevents wünschen würde: Es gebe auch in Deutschland dauernd Übergriffe auf LGBTQIA+-Personen, aber darüber werde nicht berichtet. “Wir haben ein Sicherheitsproblem, wir haben ein Problem am Arbeitsplatz. Es wird so getan, als ob wir in Deutschland schon alles erreicht hätten. Die Medien hätten die Aufgabe dort genauer hinzuschauen”, so Kram.

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4. Versprechen mit Bundesadler
(taz.de, Christian Rath)
Das für seine subversive Aktionskunst bekannte “Peng! Kollektiv” hat 2018 ein vermeintliches Video des Bundesinnenministeriums produziert und veröffentlicht (hier auf Facebook zu sehen), in dem die Aufnahme von Geflüchteten garantiert wird. Dagegen ging das Innenministerium vor und verlangte vom Plattformbetreiber Youtube die Löschung. Christian Rath erklärt die Argumentationslinien der beteiligten Parteien und die möglichen juristischen Aspekte.

5. Cem und die Tiere
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Ist Cem Özdemir, Bundeslandwirtschaftsminister von den Grünen, vielleicht auch deshalb einer der beliebtesten Politiker des Landes, weil er Polizeipferde streichelt und Tierheime besucht? Anna Hunger hat ihren Text mit einigen Aufnahmen des Ministers unterlegt, für den Tierliebe anscheinend auch Teil seiner Medienarbeit ist.

6. Die reichsten Verleger 2022
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Medienportal “kress” hat nachgeschaut, welche Medienunternehmer und -unternehmerinnen es in die Liste der 500 reichsten Deutschen des “Manager Magazins” (nur mit Abo lesbar) geschafft haben. Eine Sonderrolle spielt dabei der Koblenzer Medizinsoftware-Unternehmer Frank Gotthardt, der Medien als Nebengeschäft betreibe und als Finanzier von Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt gehandelt werde.

KW 46/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Chez Krömer – Zu Gast: Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt
(youtube.com, Kurt Krömer, Video: 29:51 Minuten)
Der Komiker Kurt Krömer begrüßt in der aktuellen Ausgabe von “Chez Krömer” Julian Reichelt. Passend zum Setting des kargen Verhörraums geht Krömer den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur mit konfrontativer Schärfe an.
Lesetipp: Bei kress.de hat Marc Bartl einige Pressereaktionen des viel diskutierten Schlagabtauschs zusammengestellt: “Verbal-blutiger Gladiatorenkampf”: Was Medienprofis zum Krömer-Reichelt-Rededuell sagen. Außerdem hat “journalist”-Chefredakteur Matthias Daniel auf Twitter eine lesenswerte Einordnung veröffentlicht.

2. Iran-Proteste; Medienarbeit der Mullahs
(ndr.de, Zapp, Video: 30:53 Minuten)
Im Medienmagazin “Zapp” spricht Shahrzad Eden Osterer, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk, über die Nachrichtenlage in Iran und die Rolle der Exil-Medien. Außerdem geht es in der Sendung um die “Medienarbeit der Mullahs”, die Social Media für Propagandazwecke nutzen.

3. Al Jazeera – katarisches Machtinstrument oder wichtige Stimme der arabischen Welt?
(br.de, Linus Lüring, Audio: 25:14 Minuten)
Al Jazeera ist ein Nachrichtensender mit Sitz in Doha, der Hauptstadt Katars, der bei vielen die Hoffnung auf einen neuen arabischen Journalismus auslöste. Manche sprachen in den Anfangsjahren von einer “journalistischen Revolution”. Doch wofür steht der Sender heute? Darüber spricht Linus Lüring mit Anne Allmeling (ARD-Korrespondentin Naher Osten), Carola Richter (Professorin für internationale Kommunikation an der FU Berlin) und Stephanie Doetzer (ehemalige Journalistin bei Al Jazeera).

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4. Melanie Amann, Leiterin des SPIEGEL Hauptstadtbüros
(ndr.de, Norbert Grundei, Audio: 59:27 Minuten)
Der Journalist und Medienmanager Norbert Grundei hat sich mit Melanie Amann unterhalten, die das “Spiegel”-Hauptstadtbüro leitet: “Wie lange hält die Koalition? Wie gut gehen Regierung und Opposition mit den vielen aktuellen Herausforderungen um? Wer kann gut mit wem in Berlin? Wie authentisch kann und sollte ein ein Politiker sein? Wie hat es sich angefühlt, mit Richard David Precht und Harald Welzer bei Markus Lanz über ihr Buch zum Thema Journalismus zu diskutieren?”

5. Elon Musks Twitterübernahme: Folgen für die Wissenschaft
(podcast.hans-bredow-institut.de, Johanna Sebauer, Audio: 43:27 Minuten)
Im “Bredowcast”, dem Podcast des Leibniz-Instituts für Medienforschung, geht es um Elon Musks Twitterübernahme und die daraus resultierenden Folgen für Wissenschaft und Medienforschung. Johanna Sebauer hat sich dazu den Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt eingeladen. Twitter biete der Wissenschaft bislang großflächigen Zugang zu seinem bis ins Jahr 2006 zurückreichenden Archiv. Schmidt hofft, dass dies unter Musk weiterhin der Fall bleibt, wenn auch zu anderen Konditionen: “Plausibel erscheint mir, dass er die Wissenschaft zur Kasse bittet und den Zugang zum Archiv nur gegen Bezahlung gewährt.”

6. Ein Urteil des LG Frankfurt am Donnerstag könnte Twitter zwingen Recht zu beachten oder zu schließen
(youtube.com, Anwalt Jun, Video: 13:12 Minuten)
“Twitter ist kaum noch handlungsfähig. Ein Urteil des LG Frankfurt könnte die Betriebseinstellung bedeuten, wenn Programmierer die nötigen Auflagen nicht rechtzeitig umsetzen könnten.” Chan-jo Jun erklärt, warum eine Betriebseinstellung von Twitter nicht ausgeschlossen sei, egal, ob durch eine Verfügung eines deutschen Gerichts (“Ja, das ist nicht so sehr wahrscheinlich, das wäre eine Sensation. Aber gleichwohl juristisch ist das nicht völlig ausgeschlossen”) oder durch eine Verbraucherschutzbehörde in den USA initiiert.

Biometrische Überwachung, Becker – Pocher 0:1, Erfolg von “7 vs. Wild”

1. RSF fordert Verbot biometrischer Überwachung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (RSF) hat sich zusammen mit 23 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen in einem offenen Brief (PDF) an die Bundesregierung gewandt. Diese solle sich für ein Verbot biometrischer Identifizierungsverfahren einsetzen. Ein Verbot wirke der “Normalisierung von Überwachungspraktiken im öffentlichen Raum entgegen”, so die zuständige RSF-Referentin für Internetfreiheit: “Zudem entspricht es dem Verbot biometrischer Überwachung, das die Ampelparteien im Koalitionsvertrag vereinbart haben.”

2. Boris Becker mit Klage gegen Oliver Pocher geschei­tert
(lto.de)
Der frühere Tennisstar Boris Becker, der derzeit in einem englischen Gefängnis einsitzt, ist mit seiner Unterlassungsklage gegen den TV-Komiker Oliver Pocher vor Gericht gescheitert. Das Landgericht Offenburg habe am gestrigen Dienstag entschieden, dass Becker durch einen Fernsehbeitrag des Comedians nicht in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt wurde. Das Urteil sei jedoch noch nicht rechtskräftig.

3. Anforderungen an Medienschaffende
(journalistik.blogs.uni-hamburg.de, Jonathan Deupmann, Audio: 44:08 Minuten)
“Durch die Digitalisierung entwickeln sich die Produktion, Vermarktung und Auswertung von Medieninhalten weiter – wie verändert das die Anforderungen an Medienschaffende von morgen?” In der aktuellen Folge des “JKW”-Podcasts (“Journalistik und Kommunikationswissenschaft” der Universität Hamburg) erzählt Berater Matthias Rieger von seinen Erfahrungen bei einer Unternehmens- und Personalberatung und gibt dabei Einblicke in typische Projekte.

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4. Gegen Desinformation und für Demokratie
(de.ejo-online.eu, Paula Hammerschmidt)
Paula Hammerschmidt hat sich mit Hendrik Sittig unterhalten, dem Leiter des Medienprogramms Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung. Welche Rolle erfüllt das Medienprogramm auf dem Balkan? Und mit welchen konkreten Themen beschäftigt es sich inhaltlich? Was sind derzeit die wichtigsten Herausforderungen für die Pressefreiheit in Südosteuropa? Und welche Mechanismen braucht es, um demokratische Stabilität und freie Medien in der Region zu stärken?

5. Grow-Stipendien 2022: Das sind die Gewinner:innen
(netzwerkrecherche.org)
Erneut haben das Netzwerk Recherche und die Schöpflin Stiftung verschiedene Projekte aus dem Bereich des gemeinwohlorientierten Journalismus ausgezeichnet. Die Förderungen in Höhe von jeweils 3.000 Euro gehen in diesem Jahr an das Lokalmagazin “bloq” aus der Rhein-Neckar-Region, an das “Reporterslam”-Team, das gemeinnützigen Live-Journalismus auf die Bühne bringen möchte, sowie an die inklusive Redaktion des Online-Magazins “andererseits” aus Österreich.

6. 7 Gründe, warum #7vsWild so erfolgreich ist
(youtube.com, Jannis Schakarian, Video: 5:48 Minuten)
Der Outdoor-Wettbewerb “7 vs. Wild” war die Youtube-Überraschung des vergangenen Jahres. Nun schickt sich Youtuber Fritz Meinecke an, mit einer neuen Staffel die Rekorde des Vorjahres zu knacken. Jannis Schakarian, selbst erfahrener Formatentwickler, wollte das Erfolgsgeheimnis der Youtube-Serie ergründen und hat, wie könnte es anders sein, sieben Erfolgsfaktoren identifiziert.

7. Eine (fast wahre) Begegnung mit Giovanni di Lorenzo
(uebermedien.de, Lorenz Meyer)
Zusätzlicher Bonus-Link, weil den “6-vor-9”-Kurator betreffend: Bei “Übermedien” gibt es einen exklusiven Auszug aus dem Bericht über eine (fast wahre) Begegnung mit “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Der Text stammt aus der gestern erschienenen satirischen “Kreuzfahrt durch die Republik”.

ARD korrigiert, Katars Komplizen?, Schuler jetzt bei Reichelt

0. In eigener Sache (schamlose Eigenwerbung)
(rowohlt.de)

Mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität fiebert der “6-vor-9”-Kurator der heutigen Veröffentlichung seiner Satire “Kreuzfahrt durch die Republik” (Rowohlt) entgegen. In dem Buch führt er fiktive Gespräche mit Prominenten aus Politik, Unterhaltung und Journalismus: “Mit Angela Merkel auf dem Golfplatz, mit Rezo auf Youtube, mit Markus Lanz im Fernsehstudio – das ist gleichermaßen komisch und entlarvend, denn Meyer versteht es wie kein Zweiter, den Zungenschlag der deutschen Prominenz zu imitieren.” Meyer könne das Buch nur allen empfehlen. Es handele sich nach Aussage eines berühmten Kritikers, Baron von Münchhausen, um eine “vergnügliche Gesellschaftskritik, die in ihrer Härte und Komik allenfalls von der Wirklichkeit übertroffen wird”.

1. ARD bittet um Entschuldigung und korrigiert Beitrag
(spiegel.de)
Die Redaktion der ARD-Sendung “Bericht aus Berlin” musste einen Fehler einräumen: “Im Bericht aus Berlin vom 13.11.2022 wurde im Beitrag über den Streit um das Bürgergeld ein falsches Bild eingesetzt. Wir bitten dafür um Entschuldigung und werden das Bild im Beitrag korrigieren und ihn neu in der Mediathek hochladen.” Der “Spiegel” erklärt, worum es dabei genau geht, und was das Flugzeug des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz damit zu tun beziehungsweise nicht zu tun hat.

2. Haben ARD und ZDF eine Zukunft?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge, sprächen sich 35 Prozent der Befragten für eine Fusion von ARD und ZDF aus. Weitere 35 Prozent seien gar für eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Joachim Huber fasst die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage zusammen und geht dabei auch auf die Altersverteilung ein.

3. Komplizen von Katars “Sportwashing”?
(verdi.de, Günther Herkel)
In wenigen Tagen startet die Fußball-WM in Katar. Unzählige journalistische Beiträge dokumentierten die vielen Schattenseiten des Megaevents. Günther Herkel fragt sich: “Wie kann in dieser Situation eine Medienberichterstattung gelingen, die die Balance zwischen Sportjournalismus und den Erwartungen einer kritischen Öffentlichkeit schafft?”

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4. Ehemaliger “Bild”-Mann Schuler schließt sich Julian Reichelt an
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Medienbeobachter hatten es schon einige Zeit vermutet, nun ist es Gewissheit: Ralf Schuler, langjähriger Leiter des “Bild”-Parlamentsbüros, folgt nach “DWDL”-Informationen seinem ehemaligen Chefredakteur Julian Reichelt zu dessen neuem Unternehmen Rome Medien und werde dort neuer Politik-Chef.

5. Hinweise auf (investigative) Recherchen in Text, Podcast oder Doku
(sachbuchliebe.substack.com, Daniel Drepper)
Der Journalist Daniel Drepper verweist auf seinen neuen Newsletter, in dem es Hinweise auf investigative Recherchen in Text, Podcast und Doku geben soll: “Jetzt, wo Twitter zusammenbricht – findet Ihr meine Tipps ab sofort auch in ‘Daniels Recherchebrief’. Für alle, die sich für gute Recherchen interessieren.”

6. Warum die DFB Nationalmannschaft keine Emotionen auslöst? Ganz einfach …
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer hat sich den medialen Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf der offiziellen Website und in den Sozialen Medien angeschaut. Die medialen Bemühungen würden eine große “Scheißegaligkeit” ausstrahlen. Es sei “kein Wunder, dass bei Heimspielen der deutschen Nationalmannschaft eine Atmosphäre herrscht wie in einem Kühlschrank nachts um halb drei. Es gibt schlicht keinen Grund, sich für das Produkt DFB Nationalmannschaft emotional zu erwärmen.”

Das “System Reichelt”, “Kulturpass”, Nachruf auf Wolf Schneider

1. Politologe über “Achtung, Reichelt!”: “Reichelt hat nur sich als Person zu bieten”
(fr.de, Moritz Serif)
Im Interview mit der “Frankfurter Rundschau” analysiert der Politikwissenschaftler Markus Linden den Youtube-Kanal von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt: “Reichelt arbeitet mit einem Konzept, das in die Nähe von Halbwahrheiten geht. Er übersteigert das Vorliegende und deutet alles in eine Richtung. Aus Klima-Aktivisten werden Klima-Terroristen und eine Öko-Diktatur. Cancel Culture macht er an kleinsten Fällen aus und jazzt sie zum Massen-Phänomen hoch. Das ist das System Reichelt. Dinge anhand weniger Fälle hochstilisieren und diese als großes Ganzes, Lug und Trug der angeblich herrschenden grünen Klasse gegen die Bevölkerung ausspielen.”

2. In der ARD-Doku “Thomas Hitzlsperger – Katar, warum nur?” …
(twitter.com, Jens Weinreich)
Jens Weinreich kritisiert in einem Twitter-Thread die ARD-Doku “Thomas Hitzlsperger – Katar, warum nur?”. Dort werde “absurd falsch” behauptet, es sei “Job von Bonita Mersiades gewesen, Stimmen für die WM-Bewerbung Australiens zu kaufen, das gegen Katar verlor.” Richtig sei vielmehr, dass Mersiades eine verdienstvolle Whistleblowerin sei, die sich gegen das System stellte, so Weinreich: “Bonita Mersiades hat sich gegen unsaubere Geschäfte und dubiose Berater (Hargitay, Radmann & Co) in der WM-Bewerbung gewehrt und verlor ihren Job. Sie wurde angefeindet und ausgestoßen. Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche Medien ihr derartiges antun bzw es zulassen.”
Update: Die ARD hat anscheinend reagiert. Unter der Dokus steht nun: “In einer früheren Version war folgender Satz enthalten ‘Ihr Job – Stimmenkauf’. Damit keine Missverständnisse über die Rolle von Bonita Mersiades entstehen, wurde dieser Satz entfernt. Als Kommunikationschefin der australischen WM-Bewerbung für 2022 hat sie dubiose Machenschaften und versuchten Stimmenkauf beobachtet und aufgedeckt. Als Whistleblowerin und Erzfeindin der FIFA, wie sie im Film ja auch eindeutig vorgestellt wird, hat sie Enormes auf sich genommen und gegen mächtige Gegner gekämpft.”

3. Twitter pausiert neue Blue-Bestellungen
(spiegel.de)
Twitter hat Nutzerinnen und Nutzern in verschiedenen Ländern angeboten, sich einen blauen Verifizierungshaken zu kaufen. Das Problem dabei: Durch das neue “Twitter-Blue”-Abo wurden viele Fake-Accounts verifiziert, was für große Verwirrung sorgte. So schnell es eingeführt wurde, ist das neue Abosystem wieder abgeschafft worden, aber Sicherheit und Vertrauen in das Unternehmen wollen – auch bei der Bundesregierung – nicht aufkommen.

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4. So schwer ist es nun auch nicht
(netzpolitik.org, Constanze Kurz & Emilia Ferrarese)
Die beunruhigenden Entwicklungen beim Kurznachrichtendienst Twitter veranlassen viele, sich nach Alternativen umzuschauen. Dabei fällt immer wieder der Name “Mastodon”. Weil sich Neulinge damit zuweilen etwas schwer tun, gibt es bei netzpolitik.org ein paar Tipps für den Umzug beziehungsweise den Einstieg.

5. Kulturpass für 18-Jährige: Ampel-Koalition will 200 Euro verteilen
(ndr.de, Georg Schwarte)
Nach dem Vorbild Frankreichs wolle die Koalition allen Menschen in Deutschland, die im kommenden Jahr 18 Jahre alt werden, einen Kulturgutschein (“Kulturpass”) über 200 Euro zukommen lassen: “Mit dem Geld, das die Nutznießer über eine App verwalten sollen, könnten sie dann Museumstickets, Konzertbesuche und Bücher- oder Plattenkäufe finanzieren.” Der deutsche Kulturrat habe dies als eine grundsätzlich gute Idee bezeichnet, habe jedoch darauf hingewiesen, dass es möglicherweise Probleme bei der Definition der enthaltenen Kulturleistungen geben könne.

6. Chapeau, Wolf Schneider!
(taz.de, Philipp Gessler)
Der berühmte Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Philipp Gessler hat Schneider zu verdanken, dass er bei der Hamburger Journalistenschule angenommen wurde und seinen Berufswunsch umsetzen konnte. Dennoch enthält Gesslers Nachruf auch kritische Passagen: “Etwa, dass er im Auftrag des Axel-Springer-Verlags als Redakteur ‘zur besonderen Verwendung’ hartnäckig unter anderem Günter Wallraffs Lesungen besuchte, um dort die Ansichten seines Verlages zu vertreten – als bezahlter Antipode Wallraffs, der 1977 mit seinem Buch ‘Der Aufmacher’ undercover die üblen Methoden des Springer-Blatts Bild von innen aufgedeckt hatte. Das war schon mies.”

Musks acht Dollar, Gabriel klagt, Neues Karikaturen-Konzept

1. Verifizierte Twitter-Accounts kosten künftig acht Dollar pro Monat
(zeit.de)
Elon Musk will verifizierte Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer künftig mit acht Dollar zur Kasse bitten. Darin enthalten seien weitere Vorteile, wie etwa weniger Werbeeinblendungen, die Möglichkeit, längere Videos und Audioinhalte zu posten, und mehr Sichtbarkeit. Nachdem sich kritische Stimmen zu Wort meldeten, reagierte Musk mit einem knappen Tweet: “An alle Nörgler, beschwert euch bitte weiter, aber es kostet acht Dollar.” (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Nun denn, wir werden sehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Tech-Milliardär seine Meinung ändert. So hatte er zunächst von 20 Dollar gesprochen, war dann aber in einem Tweet-Wechsel mit dem Autor Stephen King umgeschwenkt.)

2. SZ will’s mal mit moderneren Karikaturen versuchen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Man kann als Freund der ‘Süddeutschen Zeitung’ an ihren Karikaturen verzweifeln”, schickt Stefan Niggemeier seinem Text voraus, und in dieser Aussage werden sich sicher viele Leser und Leserinnen wiederfinden. Doch nach einer langen Phase mit teils “altbackenen, humorlosen und schlechten” Karikaturen, besteht nun Anlass zur Hoffnung: Die “SZ”-Redaktion wolle ein neues Karikaturen-Konzept ausprobieren.

3. “Gazprom-Lobby”-Recherche: Gabriel zieht gegen CORRECTIV vor Gericht
(correctiv.org, Justus von Daniels & Annika Joeres & Frederik Richter)
Im September schrieb “Correctiv” über “Die Gazprom-Lobby” in Deutschland und thematisierte dabei auch die Rolle des früheren Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel sowie dessen Forderungen nach dem Abbau von Russland-Sanktionen 2016. Nach Angaben von “Correctiv” sehe sich Gabriel in dem Artikel in ein falsches Licht gerückt. Der frühere SPD-Politiker, der 2015 dem Verkauf von Gasspeichern an Gazprom zustimmte, ziehe nun wegen einer bestimmten Formulierung vor Gericht – gegen “Correctiv”.

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4. “Besorgniserregende Berichte”
(taz.de, Lisa Schneider)
Sherif Mansour gehört der Presserechts-NGO Committee to Protect Journalists an, die sich unter anderem für Journalistinnen und Journalsiten im Iran einsetzt. Sein Appell an die westlichen Staaten: “Das Wichtigste ist, dass Möglichkeiten geschaffen werden, mit denen Ira­ne­r:in­nen die Unterbrechung des Internets umgehen können, etwa indem sie sich über Satellit mit dem Netz verbinden, zum Beispiel über Technologie des US-Unternehmens Starlink. Es muss zudem Möglichkeiten für Journalist:in­nen geben, zu fliehen oder ins Exil zu gehen, wir müssen Ira­ne­r:in­nen einen sicheren Hafen gewähren.”

5. Scholz muss Freilassung von Zhang Zhan fordern
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hält die China-Reise von Olaf Scholz prinzipiell für “unangemessen”, bittet den Bundeskanzler jedoch darum, sich für die Freilassung von inhaftierten Medienschaffenden wie Zhang Zhan einzusetzen: “Aufgrund der katastrophalen Haftbedingungen und des Hungerstreiks, den die Journalistin dagegen geführt hat, ist ihr medizinischer Zustand besorgniserregend. Wird Zhang Zhan nicht bald freigelassen, droht ihr für ihre Berichterstattung über die Covid-19-Pandemie der Tod hinter chinesischen Gittern.”

6. FKK-Partys und Selbstversuche: Der neue Journalismus?
(ndr.de, Zapp, Lia Gavi, Video: 19:29 Minuten)
Auf Youtube gibt es unzählige Filme, in denen Reporter und Reporterinnen nicht nur über ein Thema berichten, sondern sich mittels Selbstversuch quasi selbst zum Thema machen. “Zapp”-Reporterin Lia Gavi fragt sich: Geht es dabei um Selbstdarstellung, um Unterhaltung, oder sind solche Reportagen auch journalistisch sinnvoll?

NSU-Akten, Grenzen der Emotionalität, “Quatschjura”

1. Kanzler kritisiert Böhmermann für Veröffentlichung von NSU-Akten
(spiegel.de)
Die NSU-Akten des hessischen Verfassungsschutzes sollten nach dem Willen der Behörde noch Jahrzehnte lang geheim bleiben, doch die Transparenzinitiative “FragDenStaat” und Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale” haben sie vergangene Woche frei zugänglich gemacht (“Wir veröffentlichen, was der Verfassungsschutz 120 Jahre geheim halten wollte”). Dies wurde nun von Bundeskanzler Olaf Scholz kritisiert. Einen Schritt weiter ging der hessische Verfassungsschutz, dem von Kritikern ein “Komplettversagen” in der Behandlung des Falls vorgeworfen worden war, und stellte Strafanzeige gegen Unbekannt – wegen Weitergabe geheimer Informationen, nicht wegen der Veröffentlichung. Bei “Legal Tribune Online” kommentiert Felix W. Zimmermann die Erfolgsaussichten der Anzeige.

2. Eine Long-Covid-Doku und die Frage nach den Grenzen der Emotionalität
(uebermedien.de, Martin Rücker)
Die ARD veröffentlichte im Juni die Doku Hirschhausen und Long Covid – Die Pandemie der Unbehandelten, die Mitte Oktober aktualisiert wurde. Der Film löste einige, teils sehr deutliche Kritik aus. Martin Rücker hat sich die Sendung angeschaut und die Vorwürfe sortiert. Sein Fazit: “Die Fehler, die der Film gemacht hat, sind ärgerlich, auch deshalb, weil sie von seinem Anliegen ablenken. Sie sprechen aber nicht grundsätzlich gegen die Herangehensweise. Wenn die ARD die Haltung zeigt, solche Themen auch in Zukunft emotional und aus der Betroffenenperspektive zu zeigen, wäre das ein Gewinn.”

3. Seriosität zu verkaufen
(taz.de, Svenja Bergt)
Angeblich will Elon Musk den Trägern und Trägerinnen der blauen Twitter-Verifizierungshäkchen dafür monatlich etwa 20 US-Dollar berechnen, doch offiziell bestätigt ist dies noch nicht. Für Svenja Bergt stellen sich in diesem Zusammenhang einige Fragen: “Könnten sich denn alle Zahlungswilligen einen Haken kaufen? Oder nur die, die gleichzeitig wichtig genug sind? Gut möglich, dass die meisten die Kosten einfach hinnehmen würden – schließlich ist der Haken vor allem für Prominente und Unternehmen, Po­li­ti­ke­r:in­nen und Mul­ti­pli­ka­to­r:in­nen interessant. Möglich aber auch, dass es für Nor­mal­nut­ze­r:in­nen schwieriger wird, die Seriosität von Accounts einzuschätzen, wenn deren In­ha­be­r:in­nen aus finanziellen Gründen auf die Verifikation verzichten.”
Lesetipp: Bei “Übermedien” ordnet Frederik von Castell die komplexe Sachlage ein: Die Sache hat einen blauen Haken, Elon Musk.

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4. RSF reicht UN-Beschwerde gegen Teheran ein
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (RSF) hat beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen Beschwerde gegen den Iran eingelegt: “Die Vereinten Nationen müssen sich für die Freilassung iranischer Journalistinnen und Journalisten einsetzen”, fordert Vorstandssprecher Michael Rediske: “Die Schikanen gegen Medienschaffende müssen aufhören.” Darüber hinaus verurteilte die Organisation Teherans jüngste Repression gegen internationale Medien.

5. Neuer Lokaljournalismus mit Rums
(journalistik.blogs.uni-hamburg.de, Jonathan Deupmann, Audio: 40:59 Minuten)
Im Podcast der Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Uni Hamburg erzählt Journalist Ralf Heimann, wie er in Münster ein digitales, unabhängiges und konstruktives Alternativangebot mit aufgebaut hat. “RUMS” steht für “Rund um Münster” und ist ein zweimal wöchentlich erscheinender Newsletter über lokale Themen.
Transparenzhinweis: Ralf Heimann ist auch BILDblog-Autor und hat bei uns beispielsweise die Serie “Kleine Wissenschaft des Fehlers” über die Fehlerkultur in Medien veröffentlicht.

6. Ein Preis für Aufklärung über “Quatschjura”
(lto.de, Paula Binder)
Am Wochenende wurde erstmals der “Facts Heroes Award” durch die Berliner Initiative “Der goldene Aluhut” verliehen. Einer der Gewinner ist Rechtsanwalt Chan-jo Jun, der für seine “anwaltliche Zivilcourage und seine stete Aufklärung über Quatschjura” ausgezeichnet wurde. Gegenüber dem RBB erklärte Jun: “Quatschjura sieht aus wie Jura, fühlt sich auch an wie Jura, ist in Wirklichkeit aber Quatsch. Das ist eine neue Erfindung, die wir in den letzten zwei Jahren in der Pandemie erlebt haben – dass man nämlich versucht, mit juristisch klingenden Argumenten zum Beispiel Leute einzuschüchtern”.

KW 43/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Kriegen “Suppen-Attacken” mehr Aufmerksamkeit als die Botschaft dahinter?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:40 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast ist der Wissenschaftler Simon Teune zu Gast. Der politische Soziologe beschäftigt sich unter anderem mit der Medienwirkung von Protesten. Gastgeber Holger Klein unterhält sich mit ihm über die Gemälde-Attacken der jüngsten Vergangenheit (Tomatensuppe auf Van Gogh, Kartoffelbrei auf Monet): Sind die Aktionen aus Teunes Sicht effektiv? Was unterscheidet die Klimaproteste von anderen Protesten? Und wie schaffen es Medien, mehr über die Inhalte und die Klimakrise an sich zu berichten, anstatt nur über die Aktionen?

2. WM in Katar – erst der Fußball, dann die Moral?
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 16:16 Minuten)
In der Sendung “Medien – Cross und Quer” des Saarländischen Rundfunks sprechen Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer mit dem Kommunikationswissenschaftler Michael Schaffrath von der TU München über dessen Fernsehboykott zur Fußball-WM in Katar sowie über die Probleme der Berichterstattung bei dem umstrittenen Großereignis.

3. Medien und ihre Berichterstattung über Flucht und Migration
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 22:33 Minuten)
Wie vielfältig sind Zeitungen, Sender und Onlinemedien aufgestellt? Und wie berichten sie über die Einwanderungsgesellschaft? Über diese Fragen sprechen Nadia Zaboura und Nils Minkmar mit Reem Alabali-Radovan, Bundestagsabgeordnete, Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Die SPD-Politikerin drängt auf Veränderungen: “Wir brauchen einfach diese Diversität, es ist kein nice to have mehr, sondern es geht darum, sowohl in der Politik als auch in den Medien unsere Gesellschaft widerzuspiegeln.”

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4. Bildungsfern und faul – Medienklischees über “Hartz IV”-Empfänger
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 37:30 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Hörergespräch geht es um die Berichterstattung über “Hartz-IV”-Empfängerinnen und -Empfänger und die damit verbundenen Klischees. Es diskutieren Dlf-Hörer Andreas Meyer, der langjährige Leiter des Wirtschaftsressorts der “Süddeutschen Zeitung” Marc Beise, Politikjournalist Okan Bellikli und Annika Schneider aus der Dlf-Medienredaktion.

5. Christiane Ruff, Geschäftsführerin ITV Studios Germany
(medienmacherin.podigee.io, Freddie Schürheck, Audio: 55:28 Minuten)
Christiane Ruff ist Geschäftsführerin von ITV Studios Germany und verantwortet erfolgreiche TV-Formate wie “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” (oft auch “Dschungelcamp” genannt), “Love Island” und “Gefragt – Gejagt”. Im Gespräch mit Freddie Schürheck geht es um Ruffs spannende Karriere mit Stationen bei RTL, Sony und dem jetzigen Posten. Es geht aber auch um die spezifischen Herausforderungen als Frau in der Medienbranche, die die “gläserne Decke” und die Frage, wie wichtig es für Frauen ist, sich gegenseitig zu supporten.

6. Mexiko: Todesrisiko Journalismus
(youtube.com, “taz”/Bernd Pickert, Video: 1:06:30 Stunden)
Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder für Medienschaffende. Wer steckt hinter den Angriffen auf Journalisten und Journalistinnen? Wie schützen diese sich? Und ist journalistisches Arbeiten in Mexiko überhaupt möglich? Darüber diskutieren die mexikanische Journalistin Vania Pigeonutt, “taz”-Korrespondent Wolf-Dieter Vogel und “taz”-Redakteur Bernd Pickert.

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