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KW 35/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was hat Döpfner mit Springer vor? Eine riskante Wette auf KI und Techbosse
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg & Nils Altland, Audio: 27:40 Minuten)
Bei “BR24 Medien” geht es um den eingeschlagenen KI-Kurs von Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Verlags, und die Frage, wie Springer Vorreiter beim KI-basierten Journalismus werden könnte. “Zapp”-Reporter Nils Altland ist skeptisch: “Anders als Mathias Döpfner glaube ich nicht, dass KI die Qualität der journalistischen Produkte verbessern wird. Vielleicht sehen das bei Axel Springer intern auch einige so. Aber Mathias Döpfner ist bei Springer so mächtig, dass er nicht mit viel Widerspruch rechnen muss.”

2. Lesen als Klassenfrage
(wdr.de, Audio: 8:17 Minuten)
Die Literaturwissenschaftlerin und Soziologin Caroline Amlinger spricht über neue Studien zum Leseverhalten in Deutschland und den USA. Demnach läsen besonders junge Männer, Menschen mit niedriger Bildung und Bewohner ländlicher Regionen kaum noch Bücher, während sich eine bildungsnahe “Reading Class” herausbilde, die Lesen als kulturelles Kapital nutze. Amlinger analysiert, warum Lesen für viele nicht mehr zum Alltag gehört, weshalb Hörbücher boomen, und welche Rolle finanzielle Anreize spielen könnten.

3. Wie Journalismus Vertrauen zurückgewinnen kann
(deutschlandfunkkultur.de, Christian Rabhansl, Audio: 21:22 Minuten)
In der Sendung “Lesart” spricht Christian Rabhansl mit zwei der drei Autorinnen beziehungsweise Autoren des Buches “Medien zwischen Macht und Ohnmacht” über die Ursachen des Vertrauensverlusts in den Journalismus. Nadia Zaboura und Rainer Nübel betonen, dass das Misstrauen nicht nur von der jungen Generation ausgehe, sondern auch mit dem Medienverhalten, der gesellschaftlichen Entfremdung und journalistischen Versäumnissen zusammenhänge. Sie fordern mehr Aufklärung über journalistische Arbeitsweisen, eine breitere Themen- und Gästeauswahl in Talkshows sowie einen Journalismus, der nicht nur Probleme benennt, sondern auch Lösungen diskutiert.

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4. Entpört euch! Politische Wut auf Social Media (und im Real Life) effizienter kanalisieren
(youtube.com, Hanna Klimpe, Video: 1:06:58 Stunden)
Die Kommunikationswissenschaftlerin Hanna Klimpe erklärt in ihrem Vortrag an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wie demokratische Empörung in den Sozialen Medien schnell zur ungewollten Verstärkung rechter Narrative führen kann. Anhand zahlreicher Beispiele und Studien zeigt sie, warum emotional geteilte Inhalte zwar für Sichtbarkeit sorgen, aber selten zu politischer Veränderung führen. Plattformlogiken, algorithmische Verstärkungen und performative Empörung untergrüben laut Klimpe die reale Handlungskraft. Sie plädiert für einen bewussteren Umgang mit digitalen Öffentlichkeiten und fordert mehr echte politische Beteiligung.

5. Warum rechte Podcasts so erfolgreich sind – Wolfgang M. Schmitt im Gespräch
(youtube.com, Matthias A. Narr, Video: 1:34:44 Stunden)
Im Gespräch mit Matthias A. Narr analysiert Film- und Medienkritiker Wolfgang M. Schmitt, warum rechte Podcasts derzeit besonders viel Resonanz erfahren. Es geht um apokalyptisches Denken, rhetorische Verführung und die Attraktivität vermeintlich ungeschminkter Meinungen. Schmitt erläutert, wie rechte Formate Gemeinschaft, Glaube und Identität inszenieren. Beide kritisieren eine zunehmende gesellschaftliche Entzweiung.

6. Warum Cutter am längeren Hebel gegen Content Creator sitzen
(youtube.com, Chan-jo Jun, Video: 28:24 Minuten)
Die Juristen Chan-jo Jun und Falk Reuter analysieren den öffentlich ausgetragenen Konflikt zwischen dem Streamer “Papaplatte” und dessen langjährigem Cutter. Themen, die dabei angesprochen werden, sind unter anderem ungeklärte Gewinnbeteiligungen, fehlende Verträge, das Urheberrecht und die Frage, ob mündliche Absprachen über Jahre hinweg bindend sind. Jun und Reuter erklären anschaulich, welche rechtlichen Aspekte bei gemeinsamer Contentproduktion zu beachten sind und warum es klug ist, kreative Kooperationen frühzeitig klar zu regeln, statt auf gut Glück zu improvisieren.

Skrupellose “Bild”-Chefin, Medialer Umgang mit CDU/CSU, Tod im Stream

1. So skrupellos ist die neue BILD-Chefin
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:42 Minuten)
In diesem Video beschäftigt sich Mats Schönauer mit Marion Horn, derzeit Vorsitzende der Chefredaktionen der “Bild”-Gruppe und damit verantwortlich für die publizistische und redaktionelle Leitung der größten Boulevardzeitung Deutschlands: “Marion Horn ist eine der mächtigsten Frauen Deutschlands – und eine der gefährlichsten. Denn unter ihrer Leitung als Chefredakteurin der BILD-Zeitung werden katastrophale Falschmeldungen verbreitet, Angst und Hass geschürt und der Ruf von unschuldigen Menschen zerstört.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Der Umgang der Medien mit CDU und CSU
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 43:51 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Bedenken des DLF-Hörers Matthias, Medien würden nicht kritisch genug über die CDU und die CSU berichten. Mit dem Hörer diskutieren Katharina Hamberger aus dem DLF-Hauptstadtstudio, Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin Paula Diehl und Michael Borgers aus der DLF-Medienredaktion “mediasres”.

3. Rekordzahl an Angriffen auf Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) macht auf die besorgniserregende Situation für Medienschaffende in Serbien aufmerksam: “Wenn Journalistinnen und Reporter in Serbien im Schnitt alle zwei Tage Opfer körperlicher Gewalt werden, ist das ein Alarmsignal für ganz Europa. Deutschland trägt hier eine besondere Verantwortung: Als gewichtiges EU-Mitglied muss die Bundesregierung klarstellen, dass Serbiens Weg in die EU nur mit einem wirksamen Schutz der Pressefreiheit und anderer Grund- und Menschenrechte vereinbar ist”, so RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

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4. KI-Firma Anthropic beendet Streit mit Autoren über Urheberrecht
(handelsblatt.com)
In den USA sei erstmals ein Urheberrechtsstreit gegen ein KI-Unternehmen mit einem Vergleich beendet worden. Die Firma Anthropic (unter anderem mit dem Sprachmodell “Claude”) habe sich mit einer Autorengruppe geeinigt, die ihr vorgeworfen habe, Millionen raubkopierter Bücher zum Training ihres KI-Modells verwendet zu haben. Der Vergleich könne als Signal für ähnliche Verfahren gegen Firmen wie OpenAI, Microsoft oder Meta gewertet werden.

5. KI & Fake News: Wie künstliche Intelligenz gleichzeitig zur Gefahr und Lösung wird
(media-lab.de)
Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht die schnelle und täuschend echte Produktion von “Fake News”, was Desinformation glaubwürdiger und schwerer erkennbar macht. Gleichzeitig lassen sich KI-Technologien zur Aufdeckung und Bekämpfung dieser Falschinformationen einsetzen etwa durch automatisierte Analysewerkzeuge, Deepfake-Erkennung oder Faktenchecks. Für einen wirksamen Umgang brauche es laut “Media Lab Bayern” eine Kombination aus technischer Innovation, klarer Regulierung, journalistischer Verantwortung und gesellschaftlicher Medienkompetenz.

6. Tod im Stream
(taz.de, Rudolf Balmer)
Der französische Streamer Jean Pormanove (“JP”) sei nach einem zwölftägigen Livestream auf der Plattform Kick gestorben, in dem ihn zwei Begleiter vor laufender Kamera wiederholt gedemütigt, am Schlaf gehindert und geschlagen hätten. Eine erste Autopsie habe keine eindeutige Fremdeinwirkung ergeben, dennoch komme eine Untersuchung wegen Tötung ohne Vorsatz in Betracht. Die Behörden würden nun Sanktionen gegen den Streamingdienst prüfen.

Barschel-Foto, Jagd auf Fischer, Hörbuchsprecher in Gefahr

1. Israelische Armee tötet sechs weitere Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, wurden bei einem Angriff der israelischen Armee auf eine Klinik im Gazastreifen mehrere Journalistinnen und Journalisten getötet. Nun meldet sich die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zu Wort. Insgesamt seien in Gaza seit 2023 mehr als 200 Medienschaffende getötet worden. RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus fragt: “Sechs getötete Medienschaffende in zwei Tagen: Was muss noch passieren, damit die Bundesregierung sich endlich klar und deutlich von der Kriegsführung der israelischen Regierung distanziert?”

2. Warum Barschel-Fotograf Knauer mit einer Anzeige gegen PI-News erfolglos blieb
(kress.de, Henning Kornfeld)
Der ehemalige “Stern”-Reporter Sebastian Knauer habe das rechtspopulistische Blog “PI News” angezeigt, weil es sein berühmtes Foto von Uwe Barschel ohne Zustimmung genutzt habe. Die Staatsanwaltschaft Köln habe das Verfahren jedoch eingestellt, da die Verantwortlichen nicht zu ermitteln seien. Dies werde von Knauer angezweifelt. Der von “kress” dazu befragte Medienanwalt Sven Krüger hat eine Vermutung für das offenbar geringe Engagement der Staatsanwaltschaft: “Das scheint mir ein Beispiel dafür zu sein, dass die mangelnde Ausstattung der Justiz zumindest bei niedrigschwelligen Delikten zu inkonsequenter Strafverfolgung führt.”

3. Die völlig ungenierte Jagd auf die schwangere Helene Fischer, Teil 2
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz prangert bei “Übermedien” die erneute Jagd der Boulevardredaktionen auf Helene Fischer an, allen voran durch “Bild”-Vizechefin Tanja May, die Fischers Schwangerschaft ohne deren Einverständnis öffentlich gemacht habe. Er zeigt, wie Klatschblätter und Paparazzi mit heimlich gemachten oder manipulierten Fotos arbeiten, spekulative und angstschürende Storys konstruieren und den Stars sogar an ihren privaten Wohnsitzen nachstellen.

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4. Wer schützt alle hinter der Kamera vor dem Bildschirm?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Social Media könne oft in die Abhängigkeit führen. Auf vielen Plattformen werde das Problem als “Dopaminsucht” verhandelt und mit einfachen Tipps wie festen Handyzeiten, grauen Bildschirmfarben oder “Single Tasking” adressiert, wofür es allerdings wenig belastbare wissenschaftliche Grundlagen gebe. Simon Pycha fordert mit Blick auf Personen, die auch beruflich mit Sozialen Medien zu tun haben: “Für das inhaltlich getriebene Medium braucht es klare Grenzen. Private und berufliche Einflüsse müssen durch interne Richtlinien individuell in Einklang gebracht werden. Dafür sind eine gesunde Arbeitsumgebung und offene Kommunikation nötig. Schulungsangebote für Betroffene sind gut, zielgruppengerechte und attraktive Prävention für alle jedoch noch besser.”

5. Sport-Streaming: Zwischen Allianzen und Rechte-Offensiven
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Wie Petra Schwegler berichtet, befindet sich der Markt für Sportstreaming in starker Bewegung: “Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Die Phase der wilden Expansion neigt sich dem Ende zu. Jetzt beginnt die strategische Konsolidierung – und die wird für Anbieter wie Zuschauer:innen gleichermaßen interessant. Ökonomisch treiben die Konkurrenz um Premiumrechte und die zunehmende Fragmentierung die Rechtepreise.”

6. Die Maschine übernimmt unsere Stimme
(taz.de, Jürgen Kalwa)
Hörbuchsprecher Jürgen Kalwa, schildert, wie rasant KI-Stimmen vorankommen und die Arbeit menschlicher Sprecherinnen und Sprecher bedrohen. Mittlerweile könnten echte Stimmen geklont und täuschend echt nachgebildet werden. Kalwa warnt vor ungeklärten Rechtsfragen, kritisiert Plattformen und Tools wie Audible, YouTube und ElevenLabs und lehnt Verträge ab, die weitreichende Nutzungsrechte an seiner Stimme verlangen. Obwohl der Hörbuchmarkt wachse, fürchtet er eine Flut seelenloser Massenware.

KW 34/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Springer-Chef Döpfner: Heikle Nähe zu Musk, Zuckerberg & Co
(youtube.com, Nils Altland & Nadia Kailouli & Paul Schwenn, Video: 22:18 Minuten)
Das “Zapp”-Gespräch mit Mathias Döpfner zeigt, wie der Springer-Chef den radikalen digitalen Umbau seines Verlags vorantreibt. Er arbeitet fast nur noch mit KI-Tools und dem Smartphone und sieht im digitalen Wandel große Chancen. Zugleich wird deutlich, dass er seit Jahren enge Kontakte zu Big-Tech-Größen wie Elon Musk und Mark Zuckerberg pflegt, obwohl deren Plattformen Springers Geschäftsmodell massiv unter Druck setzen. Kritisch bleibt die Frage, ob und wie Döpfner zwischen Innovation, Abhängigkeit und politischer Nähe zu Big Tech laviert, ohne Glaubwürdigkeit und demokratische Prinzipien zu gefährden.

2. Sensation! Die Macht des Boulevard
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 44:08 Minuten)
In der aktuellen Folge der “Medienversteher” sprechen Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer über den Boulevard-Journalismus. Es geht dabei um die Frage, warum schnelle Schlagzeilen und Geschichten über Stars so viele Menschen faszinieren, aber auch darum, wie Sensationslust, Übertreibungen und Verletzungen von Persönlichkeitsrechten das Vertrauen in Medien schwächen.

3. Sind Medien so divers wie die Gesellschaft?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 22:56 Minuten)
In der neuesten Ausgabe von “BR24 Medien” erörtert Nina Landhofer mit dem Aktivisten Raúl Krauthausen und der Medienwissenschaftlerin Christine Horz-Ishak, warum in Medienanstalten und Verlagen noch immer mehr Männer als Frauen arbeiten, Kolleginnen mit Migrationsgeschichte selten und Menschen mit Behinderung fast gar nicht zu finden sind.

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4. Der Fußball, die Medien und der Overload
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 37:35 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Christian Jakubetz mit Fußballkommentator Thomas Wagner über die Langeweile der Bundesliga, den “medialen Overload” und die Schattenseiten des Kommerz im Fußballgeschäft. Wagner berichtet, warum aus seiner Sicht viele Fans fußballmüde werden, welche Herausforderungen Reporter im Umgang mit Spielern haben und streut persönliche Anekdoten ein.

5. Spielerisch aktiv? Politisches Engagement und Gaming
(ardaudiothek.de, Michael Meyer & Kai Schmieding, Audio: 17:10 Minuten)
Gamer gelten oft als unpolitisch. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeichne jedoch ein anderes Bild: Auch Vielspieler würden sich für Politik interessieren, sich in Bürgerinitiativen engagieren und ein hohes Vertrauen in die Demokratie zeigen. Ob damit das Klischee widerlegt ist, diskutieren Michael Meyer und Kai Schmieding mit Studienautor Joachim Rother.

6. Nastassja Kinski – Geschichte einer Befreiung
(arte.tv, Marie-Gabrielle Fabre, Video: 53:29 Minuten)
Die Arte-Doku zeichnet den Lebensweg der Schauspielerin Nastassja Kinski nach, die schon als Jugendliche von Wim Wenders entdeckt wurde und mit Roman Polańskis “Tess” sowie Wenders’ “Paris, Texas” Weltruhm erlangte. Es ist die “Geschichte einer Befreiung”: Immer wieder zog sich Kinski überraschend aus dem Filmgeschäft zurück, um sich von ihrer Herkunft und später ihren Rollenbildern zu lösen.

Klöckners taz-Nius-Vergleich, Posting von Täterbildern, Mainstream-Kanu

1. Wertschätzung für Nius-Finanzier Gotthardt?
(tagesschau.de, Juri Sonnenholzner)
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner steht wegen eines Auftritts beim Sommerempfang der CDU Koblenz in die Kritik, der auf dem Firmengelände des Unternehmers Frank Gotthardt stattfand. Gotthardt ist auch Finanzier des rechtsaußen stehenden Portals “Nius”. Wie tagesschau.de weiter meldet, habe sich Klöckner bei dem Empfang nicht zu der Kritik am Engagement des Koblenzer Unternehmers bei dem umstrittenen Medienportal, das von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geleitet wird, geäußert. Sie habe aber andere bemerkenswerte Äußerungen getätigt, wie Eric Beres (SWR) und Lars Wienand (t-online.de) auf Bluesky berichten. So würden sich “taz” und “Nius” laut Klöckner “in Methodik nicht so sehr” unterscheiden, man müsse beide “ertragen”. Der “6-vor-9”-Kurator kommentiert ebenfalls auf Bluesky: “Wenn Julia Klöckner tatsächlich gesagt haben sollte, taz und das rechtsaußen stehende Hetzportal Nius unterschieden sich ‘in Methodik’ nicht so, ist das nicht nur faktisch falsch, sondern von atemberaubender Schamlosigkeit und beschmutzt in seinem Trumpismus Würde und Amt einer Bundestagspräsidentin.”
Dazu noch ein Hörtipp: Anke Petermann berichtet im Deutschlandfunk ausführlich von Klöckners Auftritt bei dem CDU-Sommerempfang (deutschlandfunk.de, Audio: 7:04 Minuten).

2. RSF: In Russland unerwünscht
(verdi.de)
Russland habe die NGO Reporter ohne Grenzen (RSF) zur “unerwünschten Organisation” erklärt. Die Zusammenarbeit mit RSF könne in Russland nun strafrechtliche Konsequenzen haben, obwohl die Organisation dort gar nicht präsent sei. Reporter ohne Grenzen habe angekündigt, sich trotz des Verbots weiter für die Pressefreiheit einzusetzen und gefährdete russische Journalistinnen und Journalisten, insbesondere im Exil, zu unterstützen.

3. Protest gegen Übernahme der britischen Zeitung “Telegraph”
(taz.de, Nicholas Potter)
Die geplante Übernahme der britischen Zeitung “The Telegraph” durch RedBird Capital stoße auf Kritik. Dem Investmentunternehmen werde eine Nähe zu chinesischen Staatsinteressen vorgeworfen. Organisationen, die sich für Menschenrechte und Pressefreiheit einsetzen, befürchten eine Gefährdung des Medienpluralismus und fordern eine unabhängige Prüfung der Einflussverhältnisse. RedBird bestreite jegliche chinesische Einflussnahme und wolle den “Telegraph” international ausbauen.

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4. Wann das Pos­ting von Täter­bil­dern strafbar ist
(lto.de, Anja Schmorl & Mustafa Enes Özcan)
Die Sängerin Liän habe einen mutmaßlichen sexuellen Übergriff in einem Parkhaus gefilmt und das Video später bei TikTok und Instagram veröffentlicht. Rechtlich problematisch sei dabei vor allem die nachträgliche Veröffentlichung. Zwar sei das Filmen selbst nicht strafbar, doch das spätere Posten könnte gegen § 201a Abs. 2 StGB und § 33 KunstUrhG verstoßen.

5. Böhmermann vs. Britt: Der große Streit um “Schwer verliebt”
(dwdl.de, Christian Richter)
In der neuesten Ausgabe der “Telegeschichte(n)” erinnert Christian Richter an einen denkwürdigen TV-Moment: Als Jan Böhmermann 2012 in seiner Talkshow “Roche & Böhmermann” die Sat.1-Kuppelshow “Schwer verliebt” und deren Moderatorin Britt Hagedorn scharf kritisierte, seien seine Argumente unscharf, die Vorwürfe aber berechtigt gewesen. “Schwer verliebt” habe übergewichtige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in klischeehaften, teils entwürdigenden Szenen gezeigt. Trotz gegenteiliger Aussagen des Senders sprächen viele Hinweise für eine bewusste Inszenierung zulasten der Kandidatinnen und Kandidaten.

6. Feiger Kulturkampf: DAS KANU DES MANITU – Kritik & Analyse
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 14:07 Minuten)
Michael “Bully” Herbigs “Der Schuh des Manitu” gilt mit 11,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern als der erfolgreichste deutsche Filme nach dem Zweiten Weltkrieg und lockte sogar mehr Personen in die Kinos als die ursprüngliche Karl-May-Verfilmung. Nun ist mit “Das Kanu des Manitu” Jahrzehnte später der Nachfolger in die Kinos gekommen. Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat ihn sich angeschaut. Sein Fazit: “Bully strebt mit diesem Film erneut den Mainstream des Mainstreams an, tut aber mitunter so, als sei dies ein widerständiger Akt.”

KW 33/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Florian Foos zu Interviews in Medien mit rechtsextremen Akteuren
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 7:58 Minuten)
Das “British Journal of Political Science” hat eine Studie veröffentlicht, die zeige, dass britische Medien eindeutig zur Zustimmung zu rechten Aussagen beitrügen, vor allem wenn diese Aussagen in der Berichterstattung nicht hinterfragt würden. Sebastian Wellendorf spricht mit Florian Foos, Co-Autor der Studie. Es geht dabei um falsche Tatsachenbehauptungen in Interviews, aber auch um extremistische und demokratiefeindliche Aussagen – und dem Umgang von Journalistinnen und Journalisten damit, etwa durch kritisches Nachfragen oder Faktenchecks.

2. Gehen oder bleiben: Mein Leben nach Assads Sturz
(youtube.com, Sulaiman Tadmory, Video: 45:29 Minuten)
Der Reporter Sulaiman Tadmory floh vor über zehn Jahren aus Syrien und lebt heute als deutscher Staatsbürger in Hamburg. Nach dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 kehrt Tadmory erstmals in seine Heimat zurück. Die “STRG_F”-Reportage begleitet seine Reise und greift die Debatte auf, ob und für wen eine Rückkehr nach Syrien nun möglich oder sogar verpflichtend sein könnte.

3. Einstieg in den freien Journalismus? Zehn Fragen, die man sich vorher stellen sollte
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Françoise Hauser, Audio: 28:05 Minuten)
Der “Freien-Podcast” von Geraldine Friedrich und Françoise Hauser gibt Orientierung für alle, die in den freien Journalismus einsteigen wollen. In der aktuellen Folge geht es um zehn zentrale Fragen, die man sich vor dem Schritt in die Selbstständigkeit als Freier beziehungsweise Freie stellen sollte. Dazu gehören Überlegungen zur persönlichen Motivation, zur Auftragsakquise, zum Umgang mit Finanzen und zur Altersvorsorge.

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4. You Tube Kids und Co – wie kindgerecht ist Social Media?
(ardaudiothek.de, Katrin Aue & Michael Meyer, Audio: 16:50 Minuten)
In der aktuellen Folge von “Medien – Cross und Quer” unterhalten sich Katrin Aue und Michael Meyer mit Laura Erbe, Social-Media-Redakteurin beim Saarländischen Rundfunk, über die Frage, wie kindgerecht Soziale Medien tatsächlich sind. Am Beispiel der App “YouTube Kids” und anderen Plattformen schauen sie auf Chancen sowie auf Risiken und diskutieren darüber, welche Angebote sich für Kinder eignen und welche eher nicht.

5. Social Media-Verbot für Jugendliche und 100 Tage Digitalminister
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 42:11 Minuten)
Das WDR5-Magazin “Töne, Texte, Bilder” bietet wieder einen vielfältigen Blick auf Medienthemen: Moderatorin Anja Backhaus spricht mit ihren Gästen über den Schutz Jugendlicher vor Sozialen Medien, die Tötung von Reportern in Gaza und die Digitalpolitik nach den ersten 100 Tagen der neuen Bundesregierung. Außerdem geht es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Alltag und im Fernsehen sowie um Alltagsbeobachtungen im Korrespondenten-Tagebuch aus Prag.

6. Hollywoodgeflüster Podcast mit Detlef Bierstedt (u. a. George Clooney, Jonathan Frakes)
(youtube.com, Hollywoodgeflüster, Charles Rettinghaus, Video: 58:33 Minuten)
In der neuen Folge des Synchron-Podcasts “Hollywoodgeflüster” hat Charles Rettinghaus die deutsche Stimme von George Clooney und Jonathan Frakes zu Gast: Detlef Bierstedt. Das Gespräch der beiden behandelt den Alltag im Synchronstudio, den Wandel der Synchronbranche und die technischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Bierstedt erzählt von persönlichen Höhepunkten seiner Karriere, erklärt, warum er heute nicht mehr aktiv synchronisiert, und gibt einen Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen.

Social-Media-Verbot für Kinder?, Kulturkämpfer, Klöckner zu Gast

1. Leopoldina empfiehlt Verbot von Social-Media-Accounts für Kinder unter 13 Jahren
(spiegel.de)
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfehle in einem Diskussionspapier ein vollständiges Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren sowie eine durch die Eltern streng überwachte Nutzung für 13- bis 15-Jährige. Für Jugendliche bis 17 Jahre befürworte sie unter anderem ein Verbot personalisierter Werbung, automatische Pausen nach 45 Minuten Nutzung und Smartphone-Verbote in Schulen bis zur zehnten Klasse. Ziel sei es, Kinder und Jugendliche vor den psychischen und entwicklungsbezogenen Risiken Sozialer Medien zu schützen und sie zu einem verantwortungsvollen Umgang anzuleiten.
Weiterer Lesetipp: Düstere Aussichten für deutsches Social-Media-Verbot: “Einige deutsche Spitzenpolitiker*innen fordern ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Realistisch ist das aber nicht. Das zeigt eine nüchterne Analyse der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags.” (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)

2. Weimer, ein konservativer Kulturkämpfer
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel beschreibt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer als “konservativen Kulturkämpfer”, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit das Gendern in seiner Behörde verbot und auch öffentlich geförderte Institutionen zum Verzicht auffordere. Darüber hinaus verfolge Weimer ehrgeizige kultur- und medienpolitische Projekte, darunter eine Digitalabgabe für große Online-Plattformen, stärkere Investitionen von Streamingdiensten in deutsche Produktionen sowie eine Aufstockung des Kulturetats, mit teils umstrittenen Verknüpfungen und Bedingungen.
Weiterer Lesetipp: Bei “DWDL” zieht Uwe Mantel ein Resümee zu Weimers ersten 100 Tagen im Amt. Sein Fazit mit Blick auf die deutsche Produktions-, Kino- und TV-Landschaft: “Die nächsten 100 Tage der Amtszeit von Wolfram Weimer werden für die Branche daher noch weit bedeutender als die ersten, denn jetzt muss er wirklich liefern. Bleibt zu hoffen, dass er sich nun vorrangig um diese Themen kümmert – und weniger um Gender-Verbote.” (dwdl.de, Uwe Mantel)

3. Kritik an Bundestagspräsidentin: Klöckner kommt zu umstrittener CDU-Veranstaltung in Koblenz
(swr.de)
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wolle am Sommerempfang der Koblenzer CDU teilnehmen, der im Unternehmen von Frank Gotthardt stattfinden soll. Gotthardt ist der Finanzier hinter dem Krawall-Portal “Nius”, das von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geleitet wird. Kritiker sähen in Klöckners Teilnahme einen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot und ein fatales Signal, da “Nius” als rechtspopulistisch und desinformierend gelte. Die CDU Koblenz verteidige den Veranstaltungsort als Anerkennung für Gotthardts Firma, äußere sich aber nicht zu dessen Engagement bei “Nius”.



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4. “Einige wenige weiße Männer in den USA und China bestimmen, wer wann was sieht auf der Welt”
(npj.news)
Björn Staschen kritisiert, dass wenige Big-Tech-Oligarchen in den USA und China mit intransparenten Algorithmen bestimmen, welche Inhalte weltweit für Milliarden Menschen sichtbar sind. Er fordert offene, vernetzte Plattformen, gemeinschaftlich festgelegte Regeln und volle Datensouveränität. Damit solche Systeme eine echte Chance gegen Big Tech haben, müsse die Politik Wettbewerbsprivilegien der Plattformkonzerne abbauen und massiv in die Attraktivität offener Netzwerke investieren.

5. Diese Fotos könnten vor Gericht landen
(t-online.de, Nicole Diekmann)
Nicole Diekmann schreibt in ihrer Kolumne, dass viele Eltern auch 20 Jahre nach der Einführung von Social Media noch immer bedenkenlos Fotos ihrer Kinder ins Internet stellen. Sie sieht darin einen Mangel an grundlegender Medienkompetenz, obwohl es aus dem gesunden Menschenverstand heraus klar sein sollte, solche Bilder privat zu halten. Dies sei besonders enttäuschend, da es in anderen gesellschaftlichen Bereichen – wie beim Verbot körperlicher Gewalt gegen Kinder – durchaus positive Lernkurven gebe.

6. “Sogar meine Frau sagte: Das kannst du nicht machen, das gucken doch nur Kinder”
(stern.de, David Holzapfel)
Der “Stern” hat mit dem Rechtsanwalt Christian Solmecke gesprochen, der sich in den vergangenen 15 Jahren einen YouTube-Kanal mit über einer Million Abonnentinnen und Abonnenten aufgebaut hat: “Mit Youtube begann ich im Jahr 2010. Zu dieser Zeit war ich der einzige Anwalt auf der Plattform. Bei meinem ersten Video saß ich im Pullover vor der Webcam und sprach über die Frage: Was droht mir, wenn ich mir ein gefälschtes Kleidungsstück aus dem Sommerurlaub mitbringe? Das Video ging online und hatte 30 Zuschauer. Ich fand das stark.”

7. Der “Bratwurst-Influencer”: Wenn Medien zur Bühne von Politikern werden
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)
Zusätzlicher Hörtipp, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass der “Spiegel” mit seiner Titelgeschichte “Der Socialist” Markus Söders Social-Media-Inszenierung eher verstärke als kritisch hinterfrage und damit selbst Teil der politischen Verflachung werde: “Und während wir uns über Söders Bratwürste amüsieren, will er ukrainischen Geflüchteten das Bürgergeld streichen. Während wir über seine Ostereier lachen, hetzt er gegen Klimaschutz, blockiert Windräder und spaltet die Gesellschaft. Während Söder seine Bratwürste posted, steigt die Kinderarmut in Bayern, können sich Menschen die Miete nicht mehr leisten.”

KW 32/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Alle reden vom Wetter? Streitfall Klimaberichterstattung
(sr.de, Katja Hackmann & Thomas Bimesdörfer, Audio: 18:35 Minuten)
In der Sendung “Medien – Cross und Quer” wird der Streit um die Klimaberichterstattung thematisiert, bei dem Vorwürfe der Panikmache auf Kritik an zu harmloser Darstellung treffen. Im Gespräch mit Imke Hoppe, Professorin für Wissenschaftskommunikation, wird erörtert, wie Klimajournalismus verständlich und ausgewogen gestaltet werden kann. Dabei werden der aktuelle Stand, Forschungsergebnisse und Wege zu einer Berichterstattung diskutiert, die im Idealfall alle erreicht.

2. Dark Agent – Im Netz der Geheimdienste
(deutschlandfunk.de, Shahrzad Golab, Audio: sechsteilige Serie, 23 bis 40 Minuten)
In der sechsteiligen Serie “Dark Agent – Im Netz der Geheimdienste” geht es um das heimliche Wettrüsten von Staaten, Geheimdiensten und Firmen bei Spionage-Werkzeugen und um den Angriff auf eine Cybersicherheitsfirma. Der Podcast-Experte, Journalist und selbst an der Reihe beteiligte Sandro Schroeder empfiehlt: “Für Medienmenschen dürften Folge 3 und Folge 6 der Serie besonders interessant sein: In Folge 3 geht es um einen Journalisten in Berlin und eine Journalistin in El Salvador, die von Spyware bedroht und betroffen sind. Und in Folge 6 geht’s am Beispiel Ungarn darum, wie Spyware und Hacks als politisches Machtinstrument gegen Demokratien und Medien genutzt werden.”

3. Mehr als schöne Bilder – Reisejournalismus zwischen Kreuzfahrt und Klischees
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 26:28 Minuten)
In seinem Podcast “Satzzeichen” spricht Christian Jakubetz mit dem Reisejournalisten Franz Neumeier über die Unterschiede zwischen Reisejournalismus und Social-Media-Content. Neumeier erläutert, wie man trotz Einladungsreisen journalistisch unabhängig bleibt und welche ethischen Fragen sich in der Branche stellen. Wer das Gespräch lieber sehen möchte, kann sich eine Videoaufzeichnung (youtube.com) anschauen.

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4. Wie barrierefrei sind Medien?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 27:40 Minuten)
Bei “BR24 Medien” geht es um die Frage, wie barrierefrei Medien in Deutschland derzeit sind, und warum der Fortschritt auf dem Gebiet stockt. Experten und Medienvertreter sprechen über gesetzliche Vorgaben, gesellschaftliche Akzeptanz und praktische Hürden. Dabei werden sowohl wissenschaftliche Einschätzungen als auch konkrete Beispiele des Bayerischen Rundfunks vorgestellt.

5. Politische Debatte um “Palantir” und “Pilot Radio” aus Aachen
(wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 41:04 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des WDR5-Medienmagazins “Töne, Texte, Bilder” werden neue journalistische Initiativen vorgestellt, darunter Nachwuchsmedien in Syrien und das Communityprojekt “Pilot Radio” in Aachen. Außerdem geht es um Themen wie den Streik von TikTok-Content-Moderatoren und die politische Debatte um den Einsatz der Analyse-Software Palantir, um katholische Social-Media-Influencer sowie um persönliche Einblicke aus dem Korrespondentenalltag in Südamerika.

6. Fluch und Segen des Sommerlochs
(oe1.orf.at, Rosanna Atzara & Stefan Kappacher & Viktoria Waldegger, Audio: 30:04 Minuten)
Das Ö1-Medienmagazin “doublecheck” untersucht, wie sich das sogenannte Sommerloch in der heutigen Nachrichtenlandschaft verändert hat und welche Rolle es für Medien und Politik spielt. Es geht um die ORF-Sommergespräche, neue Talk-Formate und deren Bedeutung in einer nachrichtenarmen Zeit.

Brosius-Gersdorfs Medienkritik, “ein bisschen dumm”, Sommergespräche

1. So erklärt Frauke Brosius-Gersdorf ihren Verzicht auf die Kandidatur fürs Verfassungsrichteramt
(tagesspiegel.de, Frauke Brosius-Gersdorf)
Nach einem langen und unwürdigen Ringen um die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin, hat diese nun ihre Kandidatur zurückgezogen. Über ihre Rechtsanwälte hat Brosius-Gersdorf dazu eine Stellungnahme verbreiten lassen, in der sie auch die Berichterstattung von Medien kritisiert: “Medien, insbesondere Leitmedien, sind Eckpfeiler unserer demokratischen Ordnung. Zum professionellen Journalismus gehören sachlich fundierte, auch in zugespitzter Form geführte Kampagnen; Desinformation und Diffamierung hingegen nicht. Erstaunlich ist, dass im Politik-Teil (nicht: im Feuilleton) eines Qualitäts- und Leitmediums einzelne Journalisten (nicht: Journalistinnen) zunächst ‘Speerspitze’ eines ehrabschneidenden Journalismus waren. So wurde im Blatt das Narrativ einer ‘ultralinken’ ‘Aktivistin’ geprägt, obwohl die Verantwortlichen wissen mussten, dass hiermit ein wirklichkeitsfremdes Zerrbild gezeichnet wird.” (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Gemeint ist damit augenscheinlich die “FAZ”.)

2. Rechte Gratiszeitungen machen Meinung
(verdi.de, Louisa Theresa Braun)
Der Hauke-Verlag verteile in Ostdeutschland kostenlose Anzeigenblätter, die regelmäßig Desinformation, Verschwörungserzählungen und rechte Narrative enthalten würden. Laut Experten würden derartige Blätter Lücken des geschwächten Lokaljournalismus füllen und so Politikverdrossenheit sowie den Einfluss der AfD fördern, die in Berichten häufig direkt zu Wort komme. Laut Kritikern brauche es mehr unabhängigen Lokaljournalismus, bessere Medienkompetenz und sichtbaren Widerspruch, um dieser Form der getarnten Parteipropaganda entgegenzuwirken.

3. Das sagt Jean-Remy von Matt zu seinem Auftritt bei Nius
(horizont.net, Tim Theobald)
Der gerne als “Werbe-Ikone” gefeierte Jean-Remy von Matt habe im Podcast “Hungry” auch über seinen Buch-Promo-Besuch beim rechtspopulistischen Sender “Nius” gesprochen, der nicht nur in der Werbebranche für Stirnrunzeln gesorgt habe. Von Matt habe erklärt, er habe vorab nicht gewusst, um welches Medium es sich handelt, sei “da reingerasselt”, habe sich unwohl gefühlt und den Auftritt im Nachhinein als naiv und “ein bisschen dumm” bezeichnet. (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Als naiv und ein bisschen dumm betrachtet Jean-Remy von Matt wohl vor allem die Zuhörerinnen und Zuhörer, denen er den Bären aufbinden will, er habe nicht gewusst, wen und was er da besucht hat.)

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4. Bad News Alert!
(verbraucherzentrale.de, Patrick Lohmeier, Audio: 42:44 Minuten)
Bei “dürfen die das?”, einem Podcast der Verbraucherzentrale, spricht Moderator Patrick Lohmeier mit Martin Schwarzbeck von netzpolitik.org, Kristina Klein von der Universität Bremen, Susanne Punsmann von der Verbraucherzentrale NRW und Andre Wolf von “Mimikama” über die problematische Nähe zwischen seriösen Online-Nachrichten und getarnten Werbeinhalten. Außerdem geht es um die Fragen, warum immer mehr Unternehmen auf Influencer setzen und wie sich deren Werbung von früheren TV- und Print-Promi-Kampagnen unterscheidet.

5. Der Sturm ist bereits eingetroffen: Warum Redaktionen neue Regeln für die KI-Ära brauchen
(journalist.de, Tor Kielland)
Künstliche Intelligenz (KI) habe den Journalismus bereits tiefgreifend verändert, indem sie Nachrichten blitzschnell verarbeite, Fakten prüfe und Inhalte personalisiere. Der norwegische KI-Unternehmer Tor Kielland warnt in seinem Beitrag, dass wirtschaftlicher Druck, Personalisierungsalgorithmen und der Einfluss von Tech-Firmen die redaktionelle Unabhängigkeit gefährden könnten. Um das Vertrauen in Nachrichten zu bewahren, brauche es schnell gemeinsame, verbindliche KI-Regeln und -Standards.

6. Pingpong, Pool & Politik
(arminwolf.at)
Armin Wolf erzählt die Entstehungsgeschichte der ORF-“Sommergespräche” die damals mit ungewöhnlichen, sommerlich-lockeren Inszenierungen wie Pool-Interviews und Pingpong begannen. Er blickt auf prägende Momente, prominente Gäste, Quotenrekorde und statistische Besonderheiten der Gesprächsreihe zurück. Zum Schluss kündigt er die aktuelle Saison an, die im Studio stattfinde und ohne die spektakulären Einlagen der Anfangsjahre auskomme: “Es wird keinen Pool geben, kein Pingpong, aber viel Politik.”

Schwächen bei SLAPP-Gesetz, Trauriger Clown, Richtig Streiten

1. RSF sieht Schwächen im SLAPP-Gesetzentwurf
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert den Gesetzentwurf gegen missbräuchliche Klagen, sogenannte SLAPPs, bei denen es vor allem darum geht, Medienschaffende oder Aktivisten einzuschüchtern: “SLAPPs entfalten schon lange, bevor es zu einem Gerichtsverfahren kommt, eine abschreckende Wirkung – durch Abmahnungen, Drohbriefe und andere Einschüchterungen”, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus: “Ein Gesetz, das den außergerichtlichen Bereich völlig ausblendet, geht an der Lebensrealität der Betroffenen vorbei. Wenn wir den öffentlichen Diskurs und unsere Demokratie ernsthaft schützen wollen, muss hier und an anderen Stellen dringend nachgebessert werden.”

2. So arbeitet Clownswelt wirklich
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 39:36 Minuten)
In seinem neuesten Video analysiert Mats Schönauer, wie der rechte YouTuber “Clownswelt” arbeitet, und kritisiert dessen Einseitigkeit, manipulative Methoden und falsche Behauptungen. “Clownswelt” handele, anders als andere rechte Influencer, nicht nur aus finanziellen Motiven, sondern aus tatsächlicher Überzeugung. Dies mache ihn für ein jüngeres Publikum besonders glaubwürdig. Abschließend zeigt Schönauer auf, wie die Arbeit von “Clownswelt” zu enormer Radikalisierung, zu Hass und zu Gewaltfantasien in dessen Community beiträgt.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Richtig Streiten
(journalist.de, Sarah Neu & Mia Pankoke)
Der Beitrag von Sarah Neu und Mia Pankoke behandelt die Frage, wie verschiedene journalistische Formate kontroverse Themen aufgreifen können, ohne gesellschaftliche Spaltungen weiter zu verschärfen. Dabei werden drei Formate vorgestellt: Die “Streit”-Seite der “Zeit”, die auf kompetente Gesprächspartner und schlüssige Argumente setze. Das Format “Klar” von NDR und BR, das bewusst emotional und persönlich arbeite, jedoch stark polarisiere. Und das ZDF-YouTube-Format “13 Fragen”, das junge Menschen durch interaktive Diskussionen zu Kompromissen bringe.

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4. NGOs im Krone-Dauerfeuer: Ein Lehrstück in Kampagnenjournalismus
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi schreibt bei “Kobuk” darüber, wie die österreichische “Kronen Zeitung” mit einer Artikelserie Stimmung gegen NGOs mache. Das Boulevardblatt werfe den Organisationen vor, EU-Gelder unkontrolliert und für fragwürdige Zwecke zu erhalten. Die Berichterstattung sei jedoch einseitig, nutze selektiv Quellen und diskreditiere die Nichtregierungsorganisationen pauschal. Gutschi zeigt außerdem die enge Verbindung zwischen der “Krone” und der FPÖ auf, die sich bei der Verbreitung entsprechender Botschaften gegenseitig unterstützen würden.

5. Entpolitisierung der Kommunikationswissenschaft? Journalismusforschung in Zeiten des geopolitischen Umbruchs
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Susanne Fengler berichtet von der IAMCR-Konferenz in Singapur, einem Forum für Kommunikationswissenschaft und Journalismusforschung. Die Veranstaltung sei stark von chinesischen Forschern und Institutionen dominiert worden, was sich auch in einer gewissen Zurückhaltung bei kritischen politischen Themen gezeigt habe. Fengler bemängelt, dass viele der präsentierten Studien sehr unpolitisch seien oder geopolitische Spannungen, wie etwa Russlands Krieg in der Ukraine, nicht kritisch genug behandeln würden.

6. News-Charts: TikTok und die neue Hashtag-Sperre
(dwdl.de, Simon Smycha)
Die monatliche TikTok-Analyse von Simon Pycha zeigt, dass Publisher zunehmend Einschränkungen wie eine mögliche Begrenzung auf maximal fünf Hashtags erleben, um die Relevanz der Inhalte zu erhöhen. Zudem sei das Technikportal Chip.de wegen manipulierter Reichweite von den Juli-Charts ausgeschlossen worden. Erfolgreiche TikTok-Videos im zurückliegenden Monat reichten inhaltlich von emotionalen Nachrichten und Sportberichten bis hin zu ungewöhnlichen Themen: Mit einem Beitrag über Schadstoffe in Mineralwasser habe ntv den ersten Platz belegt.

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