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Kurz korrigiert (509)

Es gibt einiges zu korrigieren seit der vergangenen Ausgabe. Fangen wir also am besten direkt an …

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… und zwar mit “Björn Böhning”, der gar nicht Björn Böhning ist. Heute in der Berlin/Brandenburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung:

Ausriss Bild-Zeitung - Björn Böhning (39), Chef der Senatskanzlei, steht am Kofferband und wartet

Die Person, die “am Kofferband” steht und “wartet”, ist nicht Böhning, sondern “Tagesspiegel”-Redakteur Sidney Gennies. Beide hatten Berlins Bürgermeister Michael Müller in die Partnerstadt Los Angeles begleitet — Böhning in seiner Rolle als Chef der Berliner Senatskanzlei, Gennies als Journalist.

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Auch mit USA-Bezug, allerdings ein etwas anderes Metier:

Screenshot Bild.de - Vor den Augen seiner Kinder - Wrestling-Irrer springt wieder vom Zehn-Meter-Käfig

Über den Ausdruck “Wrestling-Irrer” lässt sich sicher streiten, schließlich handelt es sich um Shane McMahon, der nicht nur professioneller Wrestler ist, sondern auch der Sohn des “WWE”-Eigentümers Vince McMahon, und dem einigermaßen klar sein dürfte, was er da so macht. Eindeutiger ist die Sache beim angeblichen “10-Meter-Käfig”, der beim sogenannten “Hell in a Cell”-Match traditionell 20 Fuß hoch ist, was umgerechnet etwas mehr als sechs Meter sind. Deswegen sprechen die meisten Redaktionen auch von “20 feet” beziehungsweise einer “Sechs-Meter-Bruchlandung”. Nur bei Bild.de kommen noch mal vier Meter obendrauf.

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Zehn Jahre obendrauf gab’s für France Gall, von der “WAZ”:

Ausriss WAZ - Heute vor 80 Jahren (1947) wurde France Gall geboren.

Wir haben mehrmals nachgerechnet und kommen zu dem Schluss: Entweder handelt es sich um eine Meldung vom 9. Oktober 2027, oder die “WAZ”-Redaktion hat Schwierigkeiten mit Zahlen. Die französische Sängerin France Gall wurde gestern jedenfalls 70 Jahre alt.

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Apropos “WAZ”: Die heißt laut sportbild.de nicht mehr “Westdeutsche Allgemeine Zeitung”, sondern “Westfälische Allgemeine Zeit”:

Screenshot sportbild.de - Wer wird neuer Trainer bei den Bayern? Seit dem Rauswurf von Carlo Ancelotti brodelt die Gerüchteküche. Jetzt kommt ein neuer Name ins Spiel: Laut der WAZ (Westfälische Allgemeine Zeit) wird auch Louis van Gaal (66) als neuer Coach im Umfeld des Rekordmeisters diskutiert.

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Aber zurück zum Jahreszahlen-Durcheinander. So eines hat auch Bild.de hinbekommen — bei dieser Geschichte:

Screenshot Bild.de - Nur null zu null gegen Peru - Messi und Argentinien vor WM-Aus

Heute Nacht entscheidet sich, ob die argentinische Nationalmannschaft und Lionel Messi bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland dabei sind. Bild.de schreibt dazu:

Dennoch ist die Quali aus argentinischer Sicht bisher eine einzige Enttäuschung!

Und es droht ein doppeltes Drama: Argentinien wäre zum ersten Mal seit 47 Jahren nicht bei einer WM-Endrunde dabei.

Da die Fußball-WM nicht alle 3,917 Jahre stattfindet, sondern alle vier Jahre, wäre Argentinien zum ersten Mal seit 48 Jahren “nicht bei einer WM-Endrunde dabei.”

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Ebenfalls Fußball, ebenfalls ein einfacher Rechenvorgang, den Bild.de nicht hinbekommt. Nachdem FC-Bayern-Stürmer Thomas Müller gegen den FSV Mainz 05 getroffen hatte, schrieb die Redaktion:

Überragend: Es ist der 200. Scorer-Punkt in Müllers Bundesliga-Karriere (87 Tore, 103 Vorlagen) — und das in nur 261 Spielen!

Tatsächlich hat Müller bisher 97 Bundesliga-Tore geschossen. Die 200 Scorer-Punkte stimmen also — vorausgesetzt die 103 Vorlagen, die Bild.de nennt, sind korrekt. Andere Statistiken sagen allerdings, dass Müller seltener Vorlagengeber in der Bundesliga war.

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Und zum Abschluss noch eine falsche Bild.de-Rechnung. Zu den Gehältern in der ARD schreibt das Portal:

Angeführt wird die Liste von WDR-Intendant Tom Buhrow. Sein Verdienst: 399 000 Euro im 2016 — umgerechnet auf 12 Monate wären das 33 333 Euro!

Nein.

Mit Dank an Peter H., Peter S., Daniel P., Marco F., Lothar Z., Pippo, @BoehningB und @JuergenKuehner, für die Hinweise!

Bitte nicht weiter klauen!

In der “Bild”-Zeitung gibt es seit einigen Wochen eine neue Klatsch-Kategorie mit dem Namen “GEHEIM — Bitte nicht weitersagen!”, und man erfährt dort Dinge, die man auf keinen Fall weitersagen will, nicht im Freundeskreis, nicht bei der Arbeit, nirgends, weil man sonst direkt als deppert gilt. Der Titel der neuen Klatsch-Spalte soll wohl lustig sein. Und der Inhalt ist noch dünner als bei anderen “Bild”-Texten auf der letzten Seite. Da steht dann zum Beispiel, dass das Gepäck von Veronica Ferres bei einem Flug verloren gegangen ist. Oder dass Sandra Maischberger bei einer TV-Premiere zu Marietta Slomka gesagt haben soll, dass es keinen Wein mehr gebe. Oder dass ein “Bild”-Mitarbeiter neulich Didi Hallervorden auf der Toilette getroff …

Pardon, wir sind kurz eingenickt.

In der heutigen Ausgabe geht es gewohnt ungesprächsstoffig weiter (bei Bild.de sind all diese Knaller-Geschichten übrigens nur mit einem “Bild plus”-Abo lesbar). Meldung Nummer eins lautet beispielsweise, dass “Bild”-Promi-Experte Norbert Körzdörfer irgendwann mal 17 Biere in einer Bar bezahlt hat. Schau an.

Und dann wird es auf einmal doch etwas interessanter, dank dieser Meldung:

Ausriss Bild-Zeitung - Zur Seite, Justin Trudeau! Der neue Polit-Star Kanadas ist Jagmeet Singh, der Chef der New Democratic Party, ein Sikh. Als ihn neulich ein Schreihals beschuldigte, er wolle die Scharia einführen, hätte er ihn von der Security abführen lassen oder ihn (er ist Star-Anwalt) mit Wortwitz über den Unterschied zwischen den aus Indien stammenden Sikhs und Muslimen belehren können. Stattdessen versicherte er dem Störer, auch er sei liebenswert, worauf der verblüfft den Saal verließ. Premierminister Trudeau boxt in seiner Freizeit, aber auch da liegt Trudeau auf der Coolness-Skala hinter Hipster und Social-Media-Darling Singh, der brasilianisches Jiu-Jitsu betreibt.

In der Tat spannender als “Körzis” Bier-Rechnung. Nur: An diesem Text ist so gut wie alles geklaut. Die Formulierungen. Die Pointen. Selbst die Klammer mit der Anwalt-Info. Alles. Es ist fast eine wortwörtliche Übersetzung eines “Economist”-Artikels, der vor zwei Tagen erschienen ist.

Nur eine Sache hat die “Bild”-Redaktion selbst hinbekommen: Beim Übersetzen ihrer Beute hat sie die weibliche Zwischenruferin in einen männlichen Schreihals vermurkst.

Beim “Economist” heißt es:

JAGMEET SINGH could have done many things when a heckler accused him at a rally last month of plotting to subject Canada to sharia law. The turbaned politician could have pointed out that he is a Sikh, not a Muslim. He could have skewered her with lawyerly wit (he is a criminal lawyer) or asked security guards to remove her. Instead he told the heckler that everyone loved her and led a chant of “Love and courage”. She eventually walked out. (…)

A “hipster Sikh”, with a penchant for striking turbans, Mr Singh embodies the diversity that Mr Trudeau constantly celebrates. Like the prime minister, he is adept at social media and single-combat sports. (He practises Brazilian ju-jitsu; Mr Trudeau is a boxer.)

Während die “heckler”-Anekdote bei der britischen Wochenzeitschrift Teil eines kurzen Portraits über Jagmeet Singh ist, ist sie bei “Bild” die Nachricht. Allerdings spielte sich die Szene nicht “neulich” ab, wie das Boulevardblatt schreibt, sondern vor über einem Monat. Bei “Bild” kann man heute das falsch lesen, was vor Wochen bei anderen richtig stand.

LKA-Löschkommando, Tödlicher Kommentar, Sallys Millionenwelt

1. Das große Löschen
(tagesschau.de, Arnd Henze)
Die Affäre um den Entzug von Presse-Akkreditierungen beim G20-Gipfel weitet sich aus: Nachdem viele der Betroffenen Aufklärung gefordert und geklagt haben, hat das LKA Berlin anscheinend einen Löschtrupp losgeschickt und Beweismittel vernichtet. Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar: “Wenn Daten gelöscht werden, um zu verhindern, dass die Rechtmäßigkeit ihrer Speicherung überprüft wird, handelt es sich um die Unterdrückung von Beweismitteln”. Kritikwürdig ist auch das System als solches, das die Speicherung von fehlerhaften und illegalen Daten erlaubt. Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, wirf der Bundesregierung vor, einen permanenten Rechtsbruch zu akzeptieren: “Es kann nicht angehen, dass die Polizeibehörden genau darüber Bescheid wissen, wie fehleranfällig das System ist, aber keinerlei Schritte unternehmen, um diesen rechtswidrigen Zustand endlich abzustellen.”

2. Alte Schule
(taz.de, Ambros Waibel)
Vor wenigen Tagen ist der investigative Journalist und bekannte Buchator Jürgen Roth im Alter von 71 Jahren verstorben. Roth war für seine zahlreichen Bücher und Fernsehdokumentationen über die organisierte Kriminalität und die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik bekannt. Mit scharfen Worten hatte er zum Beispiel Gerhard Schröders Putin-Connection kritisiert. Ambros Waibel erinnert in seinem Nachruf an den Kollegen, dessen politische Stimme er auch vermisst: “Jürgen hätte seinen Teil beitragen können, zu dem, was man spätestens seit dem Wahlsonntag nicht mehr Erneuerung der Sozialdemokratie nennen kann, sondern fällige Neubegründung nennen muss.”

3. Millionen Nutzer sahen russische Propaganda
(zeit.de)
Im Rahmen des US-Präsidentschaftswahlkampfs wurden anscheinend rund 3.000 Anzeigen mit politischen Botschaften aus Russland auf Facebook geschaltet. Hinter den Werbeanzeigen steckt offenbar eine russische Werbeagentur, die sich die Aktion etwa 100.000 Dollar hat kosten lassen und dafür 470 Facebook-Konten verwendete. Bei Twitter passierte Ähnliches. Dort soll eine russische Mediengruppe knapp 2.000 Anzeigen oder promotete Tweets gekauft haben.

4. Ein tödlicher Kommentar
(wdr.de, Markus Bark & Robert Kempe, Video, 9:29)
Der Journalist und Menschenrechtsaktivist Rasim Aliyev aus Aserbaidschan hatte es gewagt, einen prominenten Fußballer zu kritisieren. Ein tödlicher Fehler: Er wurde in eine Falle gelockt, krankenhausreif geschlagen und verstarb im Krankenhaus unter nicht geklärten Umständen. Der Fußballer, der für den Tod des Journalisten mitverantwortlich ist, soll demnächst wieder in einem Spiel gegen Deutschland auf dem Platz stehen. Markus Bark und Robert Kempe sind dem Fall in ihrer Filmreportage nochmal nachgegangen. Ein Film, der auch das planvolle Vorgehen einer Autokratie thematisiert, die sich die mediale Zuneigung durch allerlei Investitionen in Sportevents erkauft.

5. Mogelpackung
(faz.net, Michael Hanfeld)
Was die einen “Zukunftsplan” nennen, ist für Michael Hanfeld von der “FAZ” eine “Mogelpackung”. Es geht um die Absicht von ARD und ZDF, zwei Milliarden Euro einzusparen. Das klinge zunächst nach einer großen Summe, schrumpfe aber nach näherer Betrachtung ziemlich zusammen, wie Hanfeld findet.

6. Sallys Welt: Diese Back-Youtuberin verzeichnet in ihrem Shop über 1.000 Sales täglich
(omr.com, Torben Lux)
Im Jahr 2012 stellt Saliha Özcan, genannt “Sally”, ihr erstes Backvideo auf Youtube ein, eine Backanleitung für einen Nusszopf. Fünf Jahre später ist daraus ein Youtube-Kanal mit angeschlossenem Onlineshop geworden. “Sallys Welt” hat sich zu einem Backimperium entwickelt: 30 Mitarbeiter werkeln hinter den Kulissen und kümmern sich um die 1.000 bis 1.500 täglich eingehenden Bestellungen. Für ein Wohnhaus inklusive Studioküche und ein “Innovationszentrum” will Sally sechs Millionen Euro ausgeben.

Bild  

“Bild” verwickelt Olympiasieger in erfundenen “Suff-Unfall”

Wir müssen nochmal auf die Sache mit Christoph Harting zurückkommen.

Als der Diskus-Olympiasieger vor gut zwei Monaten mit seiner Frau spätabends im Auto unterwegs war, hatte er auf dem Weg nach Hause einen Unfall. Dabei kam es, wie er später in einem Interview erzählte, “zu einer leichten seitlichen Berührung von einem anderen Fahrzeug und meinem”:

Hierbei handelt es sich aber lediglich um einen Bagatellschaden. Danach habe ich angehalten und die Polizei gerufen, um den Sachverhalt aufnehmen zu lassen. Anschließend bin ich in mein Auto gestiegen und nach Hause gefahren.

Kein großes Drama also. Blechschaden, Polizei hinzugezogen, nach Hause gefahren, alles gut.

Bis die “Bild”-Zeitung kam.

OLYMPIA-HELD CHRISTOPH HARTING - SUFF! CRASH! AUSRASTER!

So stand es eineinhalb Wochen später riesengroß im Blatt. Auch auf der Titelseite verkündete “Bild”:

Olympia-Held Christoph Harting - SUFF-UNFALL - Ärger für Olympia-Held Christoph Harting (27). Der Diskus-Star - im Hauptberuf Bundespolizist - verlor nach einem Suff-Unfall seinen Führerschein.

“Nach BILD-Recherchen”, hieß es im Artikel, “hat der Olympia-Held unter offenbar erheblichem Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht”.

“Völlig aufgebracht” sei er danach auf den Fahrer des anderen Autos losgegangen, schrieb “Bild” unter Berufung auf “Zeugenaussagen”. Selbst die hinzugerufenen Polizisten hätten ihn “nur schwer bändigen können”.

Weil Harting — im Hauptberuf Bundespolizist — sich außerdem gegenüber den Polizeibeamten aggressiv verhalten haben soll, brachten ihn seine Kollegen auf die Wache. Dort wurde eine Blutentnahme angeordnet und der Führerschein erst einmal einbehalten.

Verfasst wurde der Artikel von Chefreporter Peter Rossberg und Guido Brandenburg, dem Leiter des “Bild”-Ressorts für Investigative Recherche.

Und obwohl Christoph Harting die Geschichte noch am selben Tag gegenüber einer Nachrichtenagentur als “erlogene Falschdarstellung” zurückwies, wurde sie auch von vielen anderen Medien verbreitet. Zwar meist mit dem Zusatz, dass Harting die Vorwürfe dementiert habe, aber hey, könnte ja auch sein, dass er lügt und die “Bild”-Zeitung doch recht hat.

Hatte sie nicht.

Nachdem Harting juristisch gegen die Berichterstattung vorgegangen war, musste “Bild” eine Gegendarstellung abdrucken und zugeben, dass die Geschichte falsch war.

Da war sie allerdings schon fast zwei Monate in der Welt. Und Christoph Harting permanent unter Rechtfertigungszwang. “Man muss sich das einfach mal vorstellen”, sagte er Ende August in einem Fernsehinterview:

Da veröffentlicht ein Medium (…) erlogene Tatsachen, und das zieht so einen elenden Rattenschwanz mit sich: Man rechtfertigt sich an Stellen, die einen einfach nur unterstützen sollten, das heißt, sei es die Bundespolizei als mein Arbeitgeber, seien es meine Sponsoren oder der Deutsche Leichtathletikverband – man erklärt sich, erklärt die Situation, erklärt, dass an dieser ganzen Story nichts dran ist, dass man rechtliche Schritte ergriffen hat, und trotz allem: Das Vertrauen, das dabei verloren geht, das kann man einfach nicht wieder gutmachen.

Damit aber noch nicht genug, es gibt auch im privaten Bereich — ich bin Familienvater, habe eine zehnjährige Tochter, und das Letzte, was ich machen würde, wäre das, was man mir da vorgehalten hat, das muss man einfach mal ganz klar sagen — und man wird dann auch im privaten Bereich in eine Rechtfertigungsschiene gedrückt, die einfach nur unangenehm ist.

Unklar bleibt, wie es zu der falschen Darstellung kommen konnte. Nach Ansicht von Christoph Harting handelt es sich um eine absichtliche Lüge, eine “bewusste Diffamierung”.

Und was sagt die “Bild”-Zeitung?

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu redaktionellen Abläufen grundsätzlich nicht äußern.

Desinformations-Champions, Verleger im Jammertal, Realfake Jasmin

1. Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook?
(motherboard.vice.com, Theresa Locker)
Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook? “Vice” hat über einen Zeitraum von sechs aufeinanderfolgenden Tagen die Facebook-Seiten von acht verschiedenen deutschsprachigen Online-Nachrichtenmedien mit großer Reichweite untersucht. Gewinner der Stichprobe ist der “Spiegel”, Verlierer sind “Sputnik DE”, “Huffington Post DE” und “RT Deutsch”. Tiefer gehende Infos zu den “Postingstrategien” der untersuchten Medien sind in einem separaten Artikel aufbereitet. Außerdem hat man ein FAQ zum Untersuchungs-Setup der Recherche zusammengestellt. Und zum Schluss noch der Hinweis auf Stefan Niggemeiers Kommentar ‘Fake News’-Debatte: Warum wir die Wahrheit nicht relativieren dürfen

2. Der rechtsextreme Flügel hat sich durchgesetzt
(nwzonline.de, Andreas Herholz)
Die “Nordwest Zeitung” (NWZ Online) hat sich mit dem Politikwissenschaftler Hans-Joachim Funke über die Chancen der AfD bei der anstehenden Bundestagswahl unterhalten. Funke spricht von einer drohenden Zäsur in der Geschichte des Bundestages und appelliert die Medien, ihrer Aufklärungsfunktion gerecht zu werden: “Viele Talkshows, die wie etwa Maybrit Illner im ZDF oder Plasberg in der ARD, AfD-Politiker geradezu hofieren, werden ihrem öffentlichen Auftrag nicht mehr gerecht.”

3. Ganz schön sportlich – für eine Frau
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Wissenschaftlerinnen aus Kalifornien haben analysiert, wie sich die Darstellung von Sportlerinnen in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Das Resümee: Wenn Frauen-Sport im Fernsehen übertragen wird, gibt es immer noch unangemessenen Kommentaren über Äußerlichkeiten und Nebensächliches. Der Sexismus komme jedoch verkleidet daher: “Es geht um die vermeintlichen Schwächen der weiblichen Leistungsfähigkeit. Damit wird den Zuschauern subtil vermittelt, dass Frauensport weniger aufregend und interessant ist.”

4. AfD wirft Google Sabotage vor
(spiegel.de, Melanie Amann & Marcel Rosenbach)
Die AfD fühlt sich von Google diskriminiert. Der Suchmaschinenriese würde sich nach “Spiegel”-Informationen seit mehr als einer Woche weigern, bestimmte Anzeigen für eine Anti-Merkel-Seite der AfD zu schalten. AfD-Kampagnenchef Kunkel spricht von Sabotage und will den fünfstelligen Etat für die Bewerbung der Anti-Merkel-Inhalte nun bei Facebook investieren.

5. Schuld sind die anderen
(taz.de, Benno Stieber)
Beim Jahreskongress der deutschen Zeitungsverleger ging es laut “taz”-Korrespondent Benno Stieber recht einseitig zu: Die Verleger hätten sich ausführlich ihren erklärten Gegnern gewidmet und tüchtig auf die großen Internetmultis wie Facebook und Google sowie die öffentlich-rechtlichen Sender geschimpft. Die eigenen Fehler seien dabei nicht zur Sprache gekommen.

6. Mein Fake Jasmin Nicoletta Goldmann
(fritschis-welt.de, Denise Fritsch)
Online einen Menschen kennenlernen, den man schätzt und in den man sich irgendwann vielleicht sogar verliebt, um nach Monaten der Kommunikation festzustellen, dass es diesen Menschen gar nicht gibt… Genau das ist Bloggerin “Fritschi” passiert, als sie Opfer des Realfakes “Jasmin Goldmann” wurde. Nachdem sich das Lügengebäude nicht mehr halten ließ, fingierte die falsche “Jasmin” ihren angeblichen Tod. Denise Fritsch hat die verstörende Geschichte dokumentiert.

“Bild” soll Rauswurf-Zitat erfunden haben

Erst hat der 1. FC Kaiserslautern kein Glück, und dann kommt auch noch “Bild” dazu. Der Verein ist derzeit Letzter in der 2. Fußball-Bundesliga, gerade mal zwei Punkte aus sechs Spielen haben die Pfälzer, am vergangenen Samstag verlor das Team gegen den SV Sandhausen. Und jetzt müssen sich die Verantwortlichen aus Kaiserslautern auch noch gegen die “Bild”-Zeitung wehren.

Grund ist dieser Artikel von gestern, der gedruckt in der Mainz-Wiesbaden-Ausgabe und online bei Bild.de erschienen ist:

Screenshot Bild.de - Nur ein Sieg gegen Aue rettet den Trainer - Lautern Letzter! Meier wackelt

“Bild”-Redakteur Ulli Schauberger zitiert in seinem Text mehrmals Boris Notzon, den Sportdirektor des 1. FC Kaiserslautern. In einer Aussage soll Notzon auch etwas zur beruflichen Zukunft von Trainer Norbert Meier andeuten:

Und wenn das [eine Steigerung im heutigen Spiel gegen Erzgebirge Aue] nicht klappt? Notzon: “Dann weiß auch Norbert, dass das Team einen neuen Impuls braucht.” Dann muss der Trainer für seine Schlaffis büßen.

Der Satz “Dann weiß auch Norbert, dass das Team einen neuen Impuls braucht.” soll im Gespräch zwischen Notzon und Schauberger aber nie gefallen sein. Der 1. FC Kaiserslautern hat auf der vereinseigenen Website heute eine Stellungnahme veröffentlicht:

Der 1. FC Kaiserslautern nimmt hiermit Stellung zum inhaltlich fehlerhaften Bericht der Bild-Zeitung vom 18. September 2017 mit dem Titel “Lautern Letzter! Meier wackelt”.

Das diesem Beitrag zugrunde liegende Gespräch zwischen FCK-Sportdirektor Boris Notzon und dem Redakteur der Bild-Zeitung wurde am 17. September 2017 zum Thema “Legt der FCK Einspruch gegen die Schiedsrichter-Entscheidung in Sandhausen ein?” geführt. Der am 18. September 2017 in der Bild-Zeitung veröffentlichte Artikel gab jedoch nicht die Inhalte des Gesprächsverlaufes wieder. Insbesondere die Aussage “dann weiß auch Norbert, dass das Team einen neuen Impuls braucht” wurde im Rahmen dieses Gespräches niemals getätigt.

“Gerne hätten wir über die Veröffentlichung dieser nicht getroffenen Aussage locker hinweggesehen, die darauf folgende Berichterstattung, die sich inhaltlich größtenteils auf diese Aussage bezieht, lässt uns jedoch keine andere Wahl, als den Sachverhalt deutlich klarzustellen. Die Aussage ‘dann weiß auch Norbert, dass das Team einen neuen Impuls braucht’ wurde niemals getätigt. Dies wurde vom zuständigen Bild-Redakteur bereits bestätigt. Eine zugesagte Klarstellung ist bis dato ausgeblieben”, erklärt FCK-Sportdirektor Boris Notzon.

Statt einer “Klarstellung” veröffentlichte die Mainz-Wiesbaden-Ausgabe der “Bild”-Zeitung heute noch einmal das vermeintliche Notzon-Zitat:

Ausriss Bild-Zeitung - Job-Endspiel für Lautern-Coach Meier - Für Lautern-Trainer Norbert Meier geht es heute gegen Aue um den Job. Eine weitere Pleite - und er ist weg! Sport-Direktor Boris Notzon zu Bild: Dann weiß auch der Trainer, dass das Team einen neuen Impuls braucht.

Mit Dank an Rouven und @modellversuch für die Hinweise!

Landesverrat, Meuthen-Mythen, Streaming-Emmys

1. Zwei Jahre später
(taz.de, Christian Rath)
Nach dem Landesverrats-Vorwurf gegen die “Netzpolitik”-Blogger wollte Bundesjustizminister Maas das entsprechende Gesetz reformieren. Christian Rath fragt sich, was daraus geworden ist. Die Antwort fällt nüchtern aus: „Die von Justizminister Heiko Maas (SPD) angekündigte Prüfung des Landesverratsparagrafen führte zu keinerlei Änderung.“

2. Fotojournalisten sofort freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die “Reporter ohne Grenzen” sind besorgt über die Festnahme eines myanmarischen Fotojournalisten und seines Assistenten in Bangladesch: „Minzayar Oo und Hkun Lat wollten die dramatische Situation der Rohingya dokumentieren. Es kann nicht sein, dass sie der Spionage beschuldigt werden, nur weil sie ihren Job gemacht haben.“

3. Faktencheck: Meuthen, Merkel, Mythen
(correctiv.org, Inga Wonnemann)
AfD-Bundesvorstand Jörg Meuthen hat ein kurzes Video gepostet, das eine Szene aus einem Merkel-Interview vom Oktober 2015 zeigt: In dramatischer Aufmachung wird Angela Merkel eine Aussage in Sachen Flüchtlingspolitik in den Mund gelegt, die sie so nicht gemeint hat. Der Ausschnitt sei aus dem Zusammenhang herausgerissen, so die Faktenchecker von “Correctiv”. Es sei eine “gezielte Desinformation”.

4. Immer mehr live und weniger kritisch
(deutschlandfunk.de, Matthis Jungblut)
Wenn es in den Medien um Sport geht, dann im ganz überwiegendem Fall um (Männer-)Fußball. Weniger populäre und massenkompatible Sportarten fallen meist durch das Raster. Doch durch das Internet wird es immer einfacher, auch anderen Sportarten eine Bühne zu geben. Und so geht der Trend zu immer mehr Livesport bei immer mehr Anbietern. Dabei bleibe jedoch oft der kritische Sportjournalismus auf der Strecke.

5. Hausverbot für Tagesspiegel bei Auftritt von Petry und Lengsfeld
(tagesspiegel.de)
Die Veranstalter des geplanten gemeinsamen Auftritts von AfD-Chefin Frauke Petry und der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin und Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Vera Lengsfeld haben ein Hausverbot gegen den “Tagesspiegel” verhängt. Dieser hatte zuvor über Verbindungen zur rechtsradikalen “Ein-Prozent-Bewegung” um den umstrittenen Publizisten Götz Kubitschek berichtet.

6. Die Emmys führen das traditionelle Fernsehen vor
(sueddeutsche.de, Kathrin Werner)
In Los Angeles wurden zum 69. Mal die Emmy-Awards verliehen, die als weltweit wichtigster Fernsehpreis gelten. Unter den Gewinnern waren in diesem Jahr zahlreiche Produktionen von Internetstreaming-Diensten wie “Netflix” und “Amazon Prime”. Entsprechend habe es einiges an Witzen auf Kosten der alten Fernsehsender gegeben, so “SZ”-Korrespondentin Kathrin Werner. Der große Vorteil der Streamingdienste: Sie seien nicht von Einschaltquoten abhängig, müssten nicht auf Werbekunden schielen und könnten sich daher auch Serien außerhalb von Massengeschmack und Mainstream erlauben.

Moderatoren-Pachtverträge, TV ist out, Ungeliebte Landliebe

1. Hushpuppie-Pathos und Dauergeplärre im Wahlkampf
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester ist genervt vom Wahlkampf-Fernsehen mit immer denselben Politikmoderatoren der Riege Maischberger, Klöppel, Illner, Will und Plasberg: „Geht mit einem Moderationsposten für eine relevante politische Sendung ein 100-jähriger Pachtvertrag einher? Wie kommen Fernsehverantwortliche darauf, dass sich 30-jährige Vertriebsangestellte und 19-jährige Deutsch-Türken, die gerade ihr Abitur gemacht haben, durch ein homogenes Team bestens verdienender, sich in den Zirkeln der Elite bewegender Menschen Anfang/Mitte 50 vertreten fühlen könnten?“

2. Richtige Zahlen, voreilige Schlüsse
(correctiv.org, Inga Wonnemann)
In den vergangenen Tagen machten einige alarmistische Artikel zu Vergewaltigungen in Bayern die Runde. Inga Wonnemann hat sich die Zahlen näher angeschaut. Die Zahl der registrierten Sexualdelikte sei tatsächlich gestiegen. Man müsse die Daten allerdings einordnen und dürfe keine falschen Zusammenhänge herstellen.

3. Mit dem Zweiten sieht man rechter
(kreuzer-leipzig.de, Tobias Prüwer)
Im Leipziger Magazin „Kreuzer“ kritisiert Tobias Prüwer die ZDF-Doku „Radikale von Links“, bei der einiges durcheinander geraten sei. In der Leipzig-Berichterstattung seien ganze Stadtviertel verlegt und Straßenschlachten erfunden worden. Und als Stichwortgeber und Experte sei ausgerechnet ein AfD-Politiker aufgetreten, der im Film schlicht als „Politologe“ bezeichnet worden sei.

4. Die Qual vor der Wahl
(de.ejo-online.eu, Gerret von Nordheim)
In letzter Zeit gab es einige Fälle, in denen Meinungsforscher deutlich danebenlagen, ob beim Brexit, der Trump-Wahl oder einigen AfD-Landtagserfolgen. Die Meinungsforschungsinstitute verweisen auf die Unsicherheiten und Fehlertoleranzen, die von den Journalisten beim Weitertransport der Zahlen nicht angegeben worden seien. Nun haben Studierende der TU Dortmund untersucht, wie deutsche Printmedien mit Wahlumfragen umgehen. Wird Unsicherheit dort kommuniziert? Und wenn ja, wie? Und wird überhaupt die Quelle der Umfrage genannt?

5. „Fernsehen ist out. Die Schüler informieren sich über das Smartphone“
(journalist-magazin.de, Yvonne Zwirnmann)
Im neunten Teil der „journalist“-Interviewreihe zum Thema Fake News erzählt ein Gymnasiallehrer, welchen Einfluss Falschmeldungen im Klassenzimmer haben. Seine Resümee zum Thema Medienkonsum: „Fernsehen ist out. Die gesamte Informationsbeschaffung läuft über das Smartphone. Auch gedruckte Tageszeitungen werden immer weniger gelesen, das geht alles über Apps. Einige Schüler haben die Apps von Spiegel Online, „Tagesschau“ oder Süddeutscher Zeitung. Ganz gruselig wird es natürlich, wenn sie ihre Nachrichten nur auf Facebook beziehen, also nur das lesen, was andere Leute posten.“

6. kontertext: Ein bisschen Friede, ein bisschen sein
(infosperber.ch, Felix Schneider)
Nachdem das Magazin „Landlust“ in Deutschland ein großer Erfolg wurde, wollte man in der Schweiz nachziehen und warf die „Landliebe“ auf den Markt. Felix Schneider hat sich die aktuelle Ausgabe angeschaut und einige Sätze herausgepickt und kommentiert. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Es ist keine Liebesgeschichte geworden.

Polizeilicher Datenskandal, Linksunten-Klagen, Strunz auf Viagra

1a. BILDblog braucht Deine Hilfe — unterstütze uns bei Steady
(bildblog.de)
Hier beim BILDblog sieht es finanziell nicht gut inzwischen etwas besser aus. Das ist großartig, aber immer noch knapp kalkuliert. Um BILDblog eine solidere Basis zu geben, brauchen wir Deine Unterstützung. Es fehlen nur wenige hundert Euro, und das nächste Ziel ist erreicht. Zur Belohnung erhält jeder Unterstützer exklusiv einmal in der Woche einen Newsletter mit Hintergrundinfos, Werkstattberichten und den schönsten Anfeindungen von “Bild”-Oberchef Julian Reichelt. Unterstütze uns bei Steady (monatlich oder jährlich per Lastschrift, Paypal oder Kreditkarte), und wir erreichen gemeinsam das nächste Ziel!
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1b. Datenskandal bei der Polizei: Offenbar zehntausende Unschuldige gespeichert
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Es ist ein Datenskandal größeren Ausmaßes: Im Rahmen der Aufarbeitung der 32 nachträglich entzogenen G20-Akkreditierungen stellt sich nun heraus, dass offenbar zehntausende Unschuldige ungerechtfertigt in polizeilichen Datenbanken gespeichert werden. Die Tagesschau spricht gar von Millionen möglicherweise rechtswidriger Daten. Das allgemeine Entsetzen ist groß. Zunächst einmal bei Medien und Journalistenverbänden: Der Deutsche Journalisten-Verband fordert vom Bundeskriminalamt Aufklärung darüber, welche Daten von Journalistinnen und Journalisten aus welchen Gründen gespeichert sind. Und auch die „Reporter ohne Grenzen“ fordern eine Klärung und Beendigung der bisherigen Speicherpraxis: BKA-Datensammlung aufklären und abstellen
Doch es geht längst nicht nur um Journalisten. In den Datenbanken seien zehntausende von Menschen gespeichert, oft wegen Fehlern oder aus nichtigen Gründen. Einige Beispiele unter vielen: Allein unter „Gewalttäter Sport“ seien ca.11.000 Menschen erfasst, von denen viele niemals für eine Straftat verurteilt wurden. Und offenbar befänden sich zehntausende Gelegenheitskiffer ungerechtfertigt in den stigmatisierenden Datenbanken. „Netzpolitik“-Autor Reuter rät am Ende seines Beitrags, im Bedarfsfall eine Selbstauskunft beim BKA oder dem jeweiligen Wohnort-LKA einzuholen und verweist auf entsprechende Musterschreiben.

2. “Wir werden noch lange Zeitungen auf Papier lesen”
(horizont.net, Volker Schütz)
Die „FAZ“ hat ihre Webseite überarbeitet oder neudeutsch ausgedrückt: „relauncht“. „FAZ“-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron spricht im Interview über die weitere Digitalstrategie des Frankfurter Verlagshauses: Man setze auf Personalisierung und wolle dem Leser vermehrt Nachrichten anzeigen, die seine Interessen treffen. Dazu analysiere man das Surfverhalten der sich hierfür angemeldeten Leser. (Richtigerweise fasst der Interviewer hier nach und spricht mögliche Bedenken an.) Und ab Herbst wolle man die Anzahl der kostenpflichtigen Geschichten erhöhen. Von Blumencron redet außerdem über die Erfahrungen der „FAZ“ mit Paid Content, das Verhältnis zwischen Print- und Online-Redaktion und gibt eine Einschätzung zum Thema „Roboterjournalismus“ ab.

3. Eine Dampfwalze hat Terry Pratchetts unveröffentlichte Werke zerstört
(wired.de)
Der letzte Wille des Schriftstellers Terry Pratchett, bekannt für seine „Scheibenwelten“-Romane, sah es so vor: Eine Dampfwalze überrollte die Festplatte des berühmten Fantasy-Autoren und zerstörte damit all die zehn Romane, an denen er bis zu seinem Tod gearbeitet haben soll. Randnotiz: Für Pratchetts Nachlassverwalter sei es erstaunlich schwer gewesen, einen Dampfwalzenfahrer zu finden, der zu der Aktion bereit war.

4. Klagen gegen „linksunten“-Verbot
(taz.de, Christian Rath)
Vor wenigen Tagen hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das Verbot der Webseite „Indymedia linksunten“ verkündet. Dagegen und gegen die damit verbundenen Hausdurchsuchungen der angeblichen Betreiber, klagen nun mehrere Anwälte. Die Klagen haben jedoch keine aufschiebende Wirkung, das Verbot von „linksunten“ bleibt damit zunächst bestehen. Der rechtspolitische Korrespondent der „taz“ Christian Rath fasst zusammen, worum es bei der rechtlichen Auseinandersetzung zunächst geht.

Weiterer Lesetipp: Rechtsanwalt Heinrich Schmitz hat sich für seine Kolumne bei „Tagesspiegel“-Causa die Rechtmäßigkeit der Aktion angeschaut und befindet: Ein Vereinsverbot aus politischen Gründen

5. Die erfundenen Plünderer von Houston“
(faktenfinder.tagesschau.de, Kristin Becker)
Der Tropensturm Harvey hat in Texas nach tagelangem Regen zu einer Hochwasserkatastrophe geführt. Die mediale Aufmerksamkeit auf der Wetterkatastrophe rief einige Rassisten auf den Plan: Über Fake-Profile verbreiteten sie Nachrichten und Bilder, die Schwarze auf Diebestour in Houston zeigen sollen. Kristin Becker vom „Faktenfinder“ erklärt die infame Methode der Hetzer und Nachrichtenfälscher.

6. Voll auf Viagra
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Man kann von Claus Strunz zurückhaltend von einem meinungsstarken Journalisten sprechen, der nicht nur das „Sat1-Frühstücksfernsehen“ produziert, sondern dort auch regelmäßig als Kommentator aktueller Ereignisse zu sehen ist. Man kann ihn aber auch, wie Boris Rosenkranz dies auf „Übermedien“ tut, als „eine Mischung aus AfD, CSU und einem besserwissenden Mittelstufenschüler und Klassensprecher aller Populisten“ bezeichnen. Ein von Rosenkranz geschnittenes zweiminütiges Best-of-Video zeigt den TV-Populisten Strunz bei der Arbeit.

Reddit-User erfindet Jürgen-Klopp-Zitat – und alle glauben es

Jürgen Klopp wird von vielen Leuten ja so sehr gemocht, weil er immer mal einen lockeren Spruch draufhat. So einen zu Beispiel:

Teammanager Jürgen Klopp vom FC Liverpool hat mit Humor auf die Gerüchte um einen Wechsel seines Mittelfeld-Stars Philippe Coutinho zum FC Barcelona reagiert.

“Morgen bietet Barcelona uns dann bestimmt ein Happy Meal an. Und wir bekommen auch ein Spielzeug dazu”, sagte Klopp nach dem 1:0-Sieg gegen Crystal Palace zu Journalisten, die sich nach dem aktuellen Stand im Transfer-Theater erkundigt hatten.

Doch, doch, das soll Klopp tatsächlich so salopp gesagt haben. Und deswegen hat sport1.de gestern daraus auch einen eigenen Artikel gemacht:

Screenshot von sport1.de - FC Liverpool Jürgen Klopp witzelt über Barca-Interesse an Coutinho - Klopp Happy Meal für Coutinho

Und auch die Sport-Nachrichtenseite des Pay-TV-Senders “Sky”, skysport.de, hat den Klopp’schen Witz in ihrem Transfer-Ticker aufgegriffen:

Screenshot skysport.de - Klopp Happy Meal mit Spielzeug - Jürgen Klopp nimmt die tagtäglichen Wechsel-Gerüchte um Philippe Coutinho mit Humor. Morgen bietet Barcelona uns dann bestimmt ein Happy Meal an. Und wir bekommen auch ein Spielzeug dazu, sagte der Coach des FC Liverpool nach dem Sieg gegen Crystal Palace. Englische Medienberichte über ein abgelehntes 130-Millionen-Angebot konnte der 50-Jährige aber nicht bestätigen.

Und nicht nur die zwei Portale berichteten. Die ganze Welt berichtete. In Großbritannien, in Portugal, in Spanien, in Brasilien, in Frankreich, in Polen, so gut wie überall.

Ist ja auch zu witzig, diese Sache mit dem “Happy Meal”. Stammt aber gar nicht von Jürgen Klopp, sondern von Reddit-Nutzer sarkie. Der fasste ein kurzes Interview von Jürgen Klopp mit einer brasilianischen Journalistin sehr, sehr frei zusammen, nachdem ein anderer Reddit-User geschrieben hatte “Video not available, can someone summarize it?”:

She says

“With the rumours of Barca paying £130m for Coutinho, will he leave?”

Klopp says

“They didn’t offer that, we said no, yet they offered, I think tomorrow they will offer a McDonald’s Happy Meal and we get the toy as well!?”

Big Grin

Turns to reporter

Fades to black

Eine derartige Passage kommt nicht ansatzweise in dem kurzen Video (nur aus Brasilien abrufbar) vor. Sie ist reine Fantasie.

Nachdem unter anderem das Team des “Liverpool Echo” sich nicht mal die Mühe gemacht hat, kurz das Interview anzuschauen, und seinen Lesern das falsche Klopp-Zitat als echtes verkauft hat, twitterte sarkie:

Mit Dank an Dennis M. für den Hinweis!

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