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Kimmels Traumquoten, Kriege und Konflikte, Presserat rügt “PNP”

1. Jimmy Kimmel holt bei Comeback Traumquoten
(spiegel.de)
Jimmy Kimmels Comeback nach seiner kurzfristigen Absetzung durch den Sender ABC und auf Druck der US-Regierung habe mit über sechs Millionen Fernsehzuschauern und 26 Millionen Onlineviews Rekordwerte erzielt. In seiner emotionalen Eröffnungsrede habe Kimmel das Eingreifen der Trump-nahen Medienaufsicht FCC scharf kritisiert und Präsident Donald Trump vorgeworfen, politische Gegner mundtot machen zu wollen.
Weiterer Hörtipp, in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Der Kapitalismus hat die Meinungsfreiheit gerettet. Aber das ist keine gute Nachricht. Das ist eine Katastrophe! Disney hat nicht eingelenkt, weil sie plötzlich ihr demokratisches Gewissen entdeckt haben. Die haben nachgerechnet: Ein paar Prozent Kursverlust, das sind mal eben ein paar Milliarden Dollar Marktwert durch die Toilettenspülung.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:38 Minuten)

2. Ein Fall für die Aufsicht
(epd.de, René Martens)
René Martens hat sich den Vorgang um die Moderationsumbesetzung beim NDR/BR-Format “Klar” und die Rolle der einzelnen Akteure angeschaut: Politiker wie Carsten Linnemann und Markus Söder hätten mit unangemessenen Eingriffen in Programmfragen die Rundfunkfreiheit unterlaufen. Der NDR habe durch seine “schwierige Kommunikation” aber auch selbst zur Eskalation beigetragen. Nun inszeniere sich die betroffene Moderatorin Julia Ruhs als Kämpferin gegen angebliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

3. “Niemand, der über Kriege und Konflikte berichtet, kommt ganz unversehrt zurück”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Der Journalist und Dokumentarfilmer Carsten Stormer berichtet seit Jahren aus Krisengebieten. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht er offen über seine Erfahrungen mit posttraumatischem Stress sowie über die Herausforderungen des freiberuflichen Auslandsjournalismus. Stormer betont, wie wichtig sorgfältige Vorbereitung, lokale Kontakte und persönliche Resilienz für gefährliche Einsätze seien. Heute produziere er eigenständig Langzeitdokumentationen und sehe im Journalismus eine erfüllende, aber zunehmend schwierige Nische.

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4. Warum hat das nie­mand geprüft?
(lto.de, Tanja Podolski)
Der “Wetten, dass..?”-Wettkandidat Samuel Koch kämpfe vor Gericht darum, seinen schweren Unfall in der Sendung als Arbeitsunfall anerkennen zu lassen, sei damit aber bisher erfolglos geblieben. Das Bundessozialgericht habe den Fall nun an das Landessozialgericht (LSG) zurückverwiesen, weil eine bislang unbeachtete Norm möglicherweise doch einen Versicherungsschutz eröffnen könnte. Das LSG müsse nun klären, wie Kochs TV-Auftritt rechtlich genau einzuordnen ist und welche Rollen die Beteiligten im Wettteam hatten.

5. Rüge für die “Passauer Neue Presse”
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der Deutsche Presserat habe die “Passauer Neue Presse” in einem zweiten Anlauf nun doch wegen eines Artikels über die Vermisstensuche nach Alexandra Föderl-Schmid gerügt. Die Zeitung habe die “SZ”-Journalistin mit Namen und Foto identifiziert und dabei spekuliert, sie könnte sich das Leben genommen haben. Dies sei zu einem Zeitpunkt erfolgt, als über Föderl-Schmids Zustand noch nichts bekannt gewesen sei.

6. Verbände fordern rasche Umsetzung der Investitionsverpflichtung
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein breites Bündnis aus Filmschaffenden und Branchenverbänden fordere Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf, die geplante Investitionsverpflichtung für Streamingdienste rasch gesetzlich umzusetzen. Es drohe der Abzug von Produktionen ins Ausland, die Verzögerung sei gefährlich für den Filmstandort Deutschland. Weimer spreche weiterhin von einer freiwilligen Selbstverpflichtung und dämpfe zugleich Hoffnungen auf umfassendere Produzentenrechte.

Sprachrohr der Konservativen?, Kimmel, Friedmann ausgeladen

1. Das Sprachrohr der Konservativen
(taz.de, Gilda Sahebi)
Die Entscheidung des NDR, die konservative Moderatorin Julia Ruhs aus dem Format “Klar” zu nehmen, ist auf massive Kritik von CDU-Politikern gestoßen. Dies werfe laut der Autorin Gilda Sahebi grundsätzliche Fragen zur Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf: “Der politische Wind weht konservativ. Spahn, Günther und Linnemann erklären, was sie erwarten. Und die öffentlich-rechtlichen Strukturen scheinen zu gehorchen.”

2. US-Sender ABC schickt Jimmy Kimmel wieder auf Sendung
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach massiver Kritik und einem Kurssturz an der Börse lasse der Medienkonzern Disney die zuvor abgesetzte Late-Night-Show “Jimmy Kimmel Live” ab dem heutigen Dienstag wieder laufen, wie “DWDL” unter Berufung auf den US-Sender ABC berichtet. Die kurzfristige Absetzung folgte auf Kimmels kritische Aussagen zum Mord am ultrarechten Aktivisten Charlie Kirk und sorgte für politischen Druck sowie Boykottaufrufe durch konservative Mediengruppen.

3. Michel Friedman offenbar aus Sorge vor rechten Protesten ausgeladen
(zeit.de)
Der jüdische Publizist Michel Friedman sei auf Weisung des Bürgermeisters von Klütz von einer geplanten Veranstaltung im Literaturhaus “Uwe Johnson” wieder ausgeladen worden. Hintergrund seien laut dem neuen Leiter des Hauses in Mecklenburg-Vorpommern Sorgen vor Protesten rechter Gruppen. Friedman selbst sei weiterhin an Auftritten in Ostdeutschland interessiert: “Ich bin bereit, aufdringlich zu sein”.

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4. Akteursvielfalt und Selbstreflexion in der Berichterstattung über den Gazakrieg – eine Inhaltsanalyse dreier deutscher Tageszeitungen
(de.ejo-online.eu)
Eine Inhaltsanalyse von 346 Artikeln der “Süddeutschen Zeitung”, “Welt” und “taz” zeige, dass israelische Akteure und Kriegsbetroffene in der Berichterstattung über den Gazakrieg deutlich häufiger zitiert worden seien als palästinensische. Besonders kritisch falle ins Gewicht, dass die Zivilbevölkerung aus dem Gazastreifen trotz deutlich höherer Opferzahlen medial stark unterrepräsentiert gewesen sei. Gleichzeitig fehle es weitgehend an journalistischer Selbstreflexion über eingeschränkte Arbeitsbedingungen oder eigene Perspektiven.

5. “Journalismus muss unbedingt selbstbewusster werden”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview mit dem “journlist” betont Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann, dass Journalismus beim Thema Klimawandel klar, faktenbasiert und selbstbewusst kommunizieren müsse. Er plädiert für einen transformativen Journalismus, der nicht nur informiert, sondern gesellschaftlichen Wandel unterstützt und auf Missstände aufmerksam macht. Um Menschen wirksam zu erreichen, solle Journalismus außerdem verständlich bleiben und Desinformation aktiv entgegentreten.

6. Niederländische Disney-Parodie wird Internethit
(spiegel.de)
Der “Spiegel” macht auf ein Satirevideo des niederländischen Komikers Arjen Lubach aufmerksam, das nach der Absetzung von Jimmy Kimmels Late-Night-Show viral gegangen ist. In der Parodie zeigt Lubach bekannte Disney-Figuren in einer Welt, wie sie US-Präsident Donald Trump gefallen könnte: Zum Beispiel Aladdin, der von der Einwanderungsbehörde abgeführt wird, oder Bambi, dessen Mutter für transfreundliche Aussagen am Spieß landet.

Klöckners seltsames Spiel, Charlie Kirk, Mediale Gleichschaltung der USA

1. Zitat oder nicht? Klöckners seltsames Spiel mit Nius und taz
(kress.de, Markus Wiegand)
In seiner Kolumne geht Markus Wiegand der Frage nach, ob Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wirklich “Nius” und “taz” verglichen hat. Klöckners Büro verweise nämlich auf Nachfrage auf deren Redemanuskript und erkläre, ein solcher Vergleich sei weder wörtlich gefallen noch gemeint gewesen. Doch t-online.de-Redakteur Lars Wienand halte an seiner Mitschrift von Klöckners Rede fest und biete sogar eine Audioaufnahme als Beleg an. Markus Wiegands Fazit: “Klöckner, immerhin mal Journalistin, behauptet einfach stinkfrech, dass das Zitat so gar nicht gefallen ist. Das ist ziemlich postfaktisch und für eine Bundestagspräsidentin unangemessen.”

2. Dunja Hayali hat Recht: So rechtsextrem & menschenfeindlich war Charlie Kirk
(volksverpetzer.de, Annika Brockschmidt)
In einem Gastbeitrag für den “Volksverpetzer” analysiert Annika Brockschmidt die Radikalisierung und Inszenierung des ermordeten TPUSA-Gründers Charlie Kirk. Dieser habe systematisch rassistische, sexistische und verschwörungsideologische Inhalte verbreitet und damit ein lukratives Empörungsmodell betrieben. Nach seiner Ermordung werde Kirk nun von Donald Trumps Umfeld und rechten Medien zum Märtyrer verklärt. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die Kirk zutreffend als rechtsextrem eingeordnet habe, sehe sich unterdessen massiven Drohungen ausgesetzt.

3. Schokolade gegen den Backlash
(journalist.de, Leonie Sontheimer)
Leonie Sontheimer, freie Journalistin und Mitgründerin des “Netzwerk Klimajournalismus”, schildert ihre Erfahrungen im TikTok-Talentprogramm von Funk. Sie erzählt, wie schwer es sei, Klimathemen auf der Videoplattform durchzubringen, warum der Begriff “Klimawandel” Zuschauer koste und wieso sie trotzdem weitermache: “Klima auf TikTok zu vermitteln, ist schwer. Mit einer Einordnung von Merz’ Klimapolitik 2 Millionen Views zu erreichen, vielleicht unmöglich. Aufgeben ist aber keine Option.”

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4. TikTok-Übernahme vollendet die mediale Gleichschaltung der USA
(digitalpolitik.ghost.io, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl sieht in der nun bestätigten Übernahme des US-TikTok-Geschäfts durch ein Konsortium um Larry Ellison und Marc Andreessen eine gefährliche Entwicklung: “Das ist das Beste aus Pest und Cholera: Tech-Oligarchen bekommen die Daten und Kontrolle, aus China kommen die Algorithmen.” Für Beckedahl ist der Deal ein weiterer Schritt zur “medialen Gleichschaltung” in den USA.

5. Elon Musk steuerte sein Sprachmodell nach rechts
(infosperber.ch, Pascal Sigg)
Laut einer Recherche der “New York Times” (nur mit Account lesbar) entwickle Elon Musks Sprachmodell Grok zunehmend eine politische Schlagseite. Ein standardisierter Fragenkatalog habe gezeigt, dass sich Groks Antworten seit Mai 2025 deutlich nach rechts verschoben hätten, insbesondere bei wirtschafts- und staatspolitischen Themen. KI-Experte Oren Etzioni warne, Sprachmodelle seien “Marionetten”, deren Fäden im Verborgenen gezogen würden.

6. Trump will »New York Times« auf 15 Milliarden Dollar verklagen
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump habe angekündigt, die “New York Times” wegen “Verleumdung und übler Nachrede” auf 15 Milliarden US-Dollar zu verklagen. Die Zeitung sei, so Trump auf seiner Plattform Truth Social, zu einem “regelrechten Sprachrohr der radikalen linken Demokratischen Partei” geworden und habe angeblich über ihn, seine Unternehmen sowie seine Familie gelogen. Kritiker sähen in Trumps Klagen gegen Medien einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Rückzug, Rechte Meme-Subkulturen, Deutsche Angst vor Berlusconi

1. Dunja Hayali zieht sich vorerst aus Öffentlichkeit zurück
(taz.de)
ZDF-Moderatorin Dunja Hayali habe sich nach massiven Anfeindungen, Hassnachrichten und Todesdrohungen, ausgehend von rechten Onlinekreisen, vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Auslöser sei ihre Moderation im “heute journal” zur Ermordung des rechten US-Aktivisten Charlie Kirk gewesen. Diese sei in rechten Medien und auf Social Media bewusst aus dem Zusammenhang gerissen und skandalisiert worden.

2. Kein Visumsentzug gegen Kritiker
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband hat sich an Alan Meltzer gewandt, den derzeitigen Interimsbotschafter der USA in Berlin. Auslöser ist die Forderung des ehemaligen US-Botschafters Richard Grenell, den ZDF-Korrespondenten in Washington, Elmar Theveßen, wegen dessen angeblicher Linksradikalität aus den USA auszuweisen: “Solange sich Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit bewegen, gehören staatliche Zwangsmaßnahmen wie der Entzug des Visums nicht in das Arsenal freiheitlicher Demokratien. Bisher kennen wir solche Druckmittel nur von Autokratien und solchen Staaten, die in Deutschland gemeinhin als Bananenrepubliken bezeichnet werden”.
Weiterer Lesetipp: ZDF verteidigt Büroleiter Theveßen gegen US-Kritik: “Donald Trumps MAGA-Bewegung kritisiert den Washingtoner ZDF-Studioleiter Elmar Theveßen vehement. Er hatte dem extrem rechten Vize-Stabschef Trumps Nähe zur NS-Ideologie attestiert. Nun schaltet sich das ZDF ein.” (spiegel.de)

3. Groyper-Wars: Wenn rechte Meme-Subkulturen tödlich werden
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Nach dem Mord an Charlie Kirk würden sich die Hinweise verdichten, dass der mutmaßliche Täter selbst aus rechten Online-Subkulturen stammt. Gravuren auf Patronenhülsen wie “OwO what’s this” würden auf eine toxische Mischung aus Gaming-Memes, Furry-Witzen und rechter Troll-Ästhetik deuten. Der Fall zeige laut “Belltower News”, wie sehr sich rechtsextreme Gewalt mit ironisch-codierter Internetkultur und Gamifizierung verbindet.
Weiterer Lesetipp: Hold my Kampfjet: “Krieg? Das geht auch in lustig! Denkt offenbar die Nato. Die hat das Jet2-Holiday-Meme genutzt, um auf Social-Media mit Kampffliegern anzugeben.” (taz.de, Anastasia Zejneli)

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4. Mythos Berlusconi: Die deutsche Angst vor Media for Europe
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Bei “DWDL” ordnet Timo Niemeier die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den italienischen Berlusconi-Konzern ein. Demnach sei MediaForEurope, unter Leitung von Pier Silvio Berlusconi, zwar in Deutschland mit Misstrauen empfangen worden, bislang aber nicht durch politische Einflussnahme aufgefallen. Anders als sein Vater, der frühere Ministerpräsident Italiens Silvio Berlusconi, habe Berlusconi junior keine politischen Ambitionen gezeigt und betreibe das Mediengeschäft in erster Linie als unternehmerisches Projekt.

5. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern mehr Aufmerksamkeit für den Globalen Süden
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
Ladislaus Ludescher zeigt, dass Länder des Globalen Südens trotz ihres weltweiten Gewichts in deutschsprachigen Leitmedien kaum vorkommen. Oft liege ihr Anteil an der Berichterstattung unter zehn Prozent. Selbst schwerwiegende humanitäre Krisen wie in der Region Tigray oder im Sudan fänden kaum Beachtung. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 150 Organisationen würden daher in einem Appell mehr mediale Sichtbarkeit für den Globalen Süden fordern.

6. US-Regierung verkündet TikTok-Einigung mit China, nennt aber keine Details
(spiegel.de)
Es soll eine Einigung der USA mit China im Streit um die Videoplattform TikTok geben. Nach Angaben von US-Finanzminister Scott Bessent sei ein Rahmenplan erarbeitet worden, der den Übergang des US-Geschäfts von TikTok an ein US-amerikanisches Unternehmen ermöglichen soll. Details würden allerdings nicht genannt. Auch ein möglicher Käufer bleibe bislang unklar. US-Präsident Donald Trump habe den Deal auf seiner Plattform Truth Social angedeutet und ein Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping für Freitag angekündigt.

Abgrund überwinden, Kirk-Videos, Sollte Bundesregierung auf X bleiben?

1. Brainrot Morde oder wie man einen Abgrund überwindet
(beritmiriam.substack.com, Berit Glanz)
Berit Glanz analysiert die mediale Reaktion auf das Attentat an Charlie Kirk und kritisiert die oberflächliche Verklärung des rechtsradikalen Influencers als Märtyrer. Statt Kirks Rolle in der digitalen Radikalisierung einzuordnen, hätten viele etablierte Medien dessen Internetkarriere verharmlost und zentrale Codes der Internetkultur übersehen. Glanz fordert mehr digitale Kompetenz in Redaktionen, um die gesellschaftliche Wirkung von Memes, Online-Subkulturen und Radikalisierungsdynamiken kritisch zu verstehen.

2. So gehen die Plattformen mit expliziten Aufnahmen des Kirk-Attentats um
(spiegel.de)
(Triggerwarnung: In dem verlinkten Text “wird das Attentat auf Charlie Kirk aus mehreren Perspektiven beschrieben.”) Der “Spiegel” berichtet über eine Recherche des US-Techmagazins “The Verge” zur Verbreitung expliziter Videos nach dem Attentat auf Charlie Kirk. Die Analyse zeige, dass Plattformen wie X, TikTok, Instagram und YouTube trotz Richtlinien und Warnsystemen nur eingeschränkt in der Lage gewesen seien, gewaltvolle Inhalte zu stoppen. Der Fall mache deutlich, wie schwer es Sozialen Netzwerken falle, bei Breaking-News-Ereignissen eine wirksame Moderation sicherzustellen.

3. Früherer US-Botschafter fordert Visaentzug für ZDF-Journalist Theveßen
(zeit.de)
Richard Grenell, einst US-Botschafter in Deutschland, habe gefordert, dem ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen das US-Visum zu entziehen, da dieser laut Grenell zur Gewalt aufrufe und sich als “linksradikal” gebe. Anlass sei ein Podcast-Zitat, in dem Theveßen den Trump-Vertrauten Stephen Miller in eine ideologische Nähe zum Dritten Reich rücke. Die Attacke sei Teil einer breiteren Online-Kampagne, mit der Anhänger des getöteten Charlie Kirk derzeit gegen dessen Kritiker vorgehen.

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4. Nach Musks Aufruf zur Gewalt muss die Bundesregierung X verlassen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Bei netzpolitik.org fordert Markus Reuter den sofortigen Rückzug der Bundesregierung und großer Medienhäuser von der Plattform X. Anlass ist ein öffentlicher Aufruf zur Gewalt durch Elon Musk, der auf einer Demonstration, organisiert von dem britischen Rechtsextremen Tommy Robinson, als zugeschalteter Redner auftrat und X zur Bühne für rechte Radikale mache. Reuter kritisiert das Festhalten an der Plattform als moralisch untragbar und warnt vor einer weiteren Normalisierung von Hass, Antisemitismus und Desinformation.

5. “Rolling Stone”-Verleger verklagt Google
(taz.de)
Der US-Verlag Penske Media, Herausgeber von “Rolling Stone” und “Variety”, habe Google wegen der Nutzung seiner Artikel in KI-Zusammenfassungen verklagt. Die sogenannte AI-Overviews-Funktion leite Nutzerinnen und Nutzer an den Originalseiten vorbei und schade so dem Anzeigengeschäft, heiße es in der Klage. Es sei der erste Fall, in dem ein großer US-Verlag rechtlich gegen Googles Umgang mit journalistischen Inhalten im KI-Zeitalter vorgeht.

6. Bundestag hebt Immunität von AfD-Abgeordnetem Stephan Brandner auf
(mdr.de)
Der Bundestag habe die Immunität des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner aufgehoben, um Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Gera wegen Beleidigung zu ermöglichen. Brandner hatte die “Spiegel”-Journalistin Ann-Katrin Müller wiederholt als Faschistin bezeichnet und trotz gerichtlichem Verbot nicht damit aufgehört. Gegen ihn seien bereits Ordnungsgelder in Höhe von 50.000 Euro verhängt worden.

Grimme-Nominierung, Zweifelhafter Ordensträger, US-Visavergabe

1. Ich habe das #GrimmeInstitut gebeten, meine Nominierung für den #GrimmeOnlineAward zurückzunehmen.
(facebook.con, Fabian Goldmann, Video: 9:40 Minuten)
Fabian Goldmann lehnt seine Nominierung für den Grimme Online Award ab. In einem sehenswerten Videostatement kritisiert er den Umgang mit der Aktivistin Judith Scheytt, der nach fragwürdigen Antisemitismusvorwürfen der Donnepp Media Award, verliehen von den “Freunden des Adolf-Grimme-Preises”, aberkannt wurde. Dies sei offenbar unter dem Druck eines Vereins und mit Hilfe eines unseriösen, KI-gestützten Gutachtens geschehen. Da das Grimme-Institut sich trotz vielfacher Verbindungen zu den Entscheidern nicht klar davon distanziere, wolle Goldmann nicht als Alibi für ein System dienen, das kritische Stimmen diffamiere statt schütze.

2. Pölzers “Bunte”: Wie wenig von den vielen Artikeln über Bastian Schweinsteiger noch übrig ist
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz kritisiert, dass die Zeitschrift “Bunte” unter Chefredakteur Robert Pölzer wiederholt unzulässige und teils erfundene Geschichten über die Trennung von Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanović veröffentlicht habe. Mehrere Geschichten mussten nachträglich geschwärzt oder mit einer Gegendarstellung versehen werden, da sie die Persönlichkeitsrechte der beiden Prominenten verletzten. Rosenkranz fragt, ob Pölzers publizistisches Verhalten mit der jüngst vorgenommenen Würdigung durch den Bayerischen Verdienstorden vereinbar ist.

3. Visavergabe als Druckmittel gegen Medien
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) warnt, dass die US-Regierung die Gültigkeit der Visa für ausländische Journalistinnen und Journalisten künftig stark verkürzen wolle. Diese Hürde könnte gezielt gegen kritische Medien eingesetzt werden. RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus appelliert “an alle deutschen Medienhäuser, sich von solchen Plänen nicht einschüchtern zu lassen. Wir brauchen objektive und faktenbasierte Berichterstattung über das, was in den USA passiert!”

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4. Wird es den Medien zu heiß?
(journalist.de, Anna Scheld)
Um den Klimajournalismus in Deutschland stehe es schlecht, findet Anna Scheld. Obwohl die Klimakrise eskaliere, fänden entsprechende Themen in vielen Redaktionen kaum noch statt. Fachleute wie Jürgen Döschner und Gesa Steeger würden dafür plädieren, Klima nicht als isoliertes Ressortthema zu behandeln, sondern ressortübergreifend mitzudenken. Das Netzwerk Klimajournalismus wolle künftig nicht nur gute Beispiele auszeichnen, sondern auch gezielte Desinformationskampagnen sichtbar machen.

5. Diese Gamechanger prägen gerade die Medienbranche
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt den aktuellen, grundlegenden Wandel in der deutschen Medienbranche: Verlage würden verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen, Streamingdienste wie RTL+ und Joyn könnten durch Allianzen ihre Marktposition stärken, und neue Formate verbänden Technik mit gesellschaftlicher Verantwortung: “Hyperpersonalisierte Medien passen Texte, Videos und Podcasts in Echtzeit daran an, was sich die jeweiligen Nutzer:innen wünschen. AR-gestützte Kurzreportagen bringen Nachrichten direkt ins Wohnzimmer und schaffen beim Publikum völlig neue Erfahrungen.”

6. Verbraucherzentrale warnt vor Fakeprofilen Prominenter und Politiker
(spiegel.de)
Die Verbraucherzentrale Hessen warne vor einer Zunahme von Fake-Profilen auf Social Media, mit denen Betrüger vorgeben, bekannte Persönlichkeiten zu sein, um in Chats zu angeblichen Geldanlagen einzuladen. Sie würden dafür zunehmend auch die Namen von weniger prominente Personen wie die von Lokalpolitikern verwenden. Die Verbraucherzentrale empfehle, auf Warnsignale wie seltsame Profilnamen, unrealistische Versprechen und ungewöhnlich schnelle Antworten zu achten.

Umgang mit KI, Heilsversprechen von Promis, Kriegsberichterstattung

1. Wir Überflüssigen?
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Johannes Drosdowski beschreibt in seinem Kommentar, wie der Springer-Konzern Künstliche Intelligenz (KI) künftig in seinen Redaktionen systematisch einsetzen wolle. Er warnt davor, dass KI zwar kurzfristig Zeit und Geld sparen, auf Dauer aber journalistische Vielfalt, Kreativität und gesellschaftliche Verantwortung gefährden könne. Statt Inhalte bloß zu reproduzieren, müsse Journalismus weiterhin Menschen verstehen, Lebenswirklichkeit abbilden und echte Kommunikation ermöglichen.

2. Empfehlungen für den verantwortungsvollen Umgang mit KI in der Recherche
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche hat auf seiner SciCAR-Konferenz ein Positionspapier vorgestellt, das Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz im Journalismus aufzeigt. Sechs Empfehlungen sollen Journalistinnen und Journalisten helfen, KI verantwortungsvoll in der Recherche einzusetzen, ohne starre Regeln vorzugeben. Ziel sei es, gemeinsam Standards zu entwickeln, die Qualität sichern und den kritischen Umgang mit KI fördern.

3. KI-Firma Anthropic will Autoren 1,5 Milliarden Dollar zahlen
(spiegel.de)
Das KI-Unternehmen Anthropic wolle sich mit einer Zahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar außergerichtlich mit klagenden Autorinnen und Autoren einigen. Diese würfen dem Konzern vor, ihre Bücher unerlaubt für das Training des Chatbots Claude verwendet zu haben. Sollte der Vergleich vom Gericht genehmigt werden, wäre dies laut Klägerseite die höchste bekannte Entschädigung in einem Urheberrechtsfall in den USA.

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4. Berichten ARD und ZDF konfliktsensibel über den Ukrainekrieg? Ein Blick auf die Berichterstattung in deutschen Nachrichtensendungen
(de.ejo-online.eu, Henrike Utsch)
Henrike Utsch hat sich in einer umfassenden Analyse mit der Konflikt- und Kriegsberichterstattung von ARD und ZDF zum Ukrainekrieg befasst: “Wie wird in deutschen Nachrichtensendungen über den Ukrainekrieg berichtet? Wer kommt zu Wort, wer gilt als Expert:in? Wird ausgewogen oder einer Kriegspartei gegenüber besonders wohlgesonnen berichtet? Werden Waffenlieferungen, Diplomatie oder doch Sanktionen gegen Russland vorrangig besprochen? Und wie viel Raum wird dem Frieden, wird der Zukunft und dem jahrzehntelangen Konfliktkontext eingeräumt?”

5. Plastik, Parasiten und Paranoia
(netzpolitik.org, Vincent Först)
Vincent Först kritisiert in seiner Kolumne die Heilsversprechen von Prominenten wie Heidi Klum und Bryan Johnson. Sie würden mit den Ängsten der Menschen vor Parasiten, Mikroplastik und dem Altern Geld verdienen, aber durch ihren Konsum- und Werbestil selbst zur Verschmutzung und Vergiftung der Welt beitragen. Die vermeintliche Selbstreinigung sei weniger Aufklärung als Geschäft und berge die tiefere Angst vor Vergänglichkeit, Schuld und Kontrollverlust.

6. Was Sat.1 aus seinem selbstgemachten Sommermärchen lernen muss
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader lobt den Fernsehsender Sat.1 zwar für dessen erfolgreiche Sommerwochen, warnt jedoch davor, sich darauf auszuruhen. Dieser Erfolg dürfe kein Einzelfall bleiben: “Sat.1 hat ganz offensichtlich doch noch den Power of Success. Die kniffelige Aufgabe der Verantwortlichen besteht nun darin, diesen nicht auf die paar Wochen im Jahr zu beschränken, in denen es sich am leichtesten gewinnen lässt, weil die anderen bereit sind, auch mal zu verlieren.”

Berlusconi in Berlin, Medaille für Döpfner, Stammtisch-Feuilleton

1. Kulturstaatsminister Weimer empfängt Berlusconi in Berlin
(t-online.de)
Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 stehe vor der Übernahme durch die italienische Medienholding MediaForEurope (MFE) der Berlusconi-Familie. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe deshalb den MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi zu einem Gespräch ins Kanzleramt eingeladen, um über die Zukunft von ProSiebenSat.1 zu sprechen. “Meine Besorgnis kreist um die Frage, ob die journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit auch nach einem Eigentümerwechsel gewahrt bleibt”, habe Weimer bereits im Juli gegenüber dem “Spiegel” gesagt. Die bayerische Landesregierung und die zuständige Landesmedienanstalt ständen der Übernahme jedoch wohlwollend gegenüber.

2. Bild dir deinen Freund
(taz.de, Pauline Jäckels)
Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, soll von Israel mit der höchsten Ehrenmedaille ausgezeichnet werden – nicht für journalistische Leistungen, sondern wegen seiner öffentlichen Unterstützung Israels nach dem Hamas-Angriff. Kritiker würfen Döpfner vor, dabei die journalistische Distanz aufgegeben und stattdessen die israelische Regierungslinie einseitig verbreitet zu haben. Zudem stehe der Springer-Verlag in wirtschaftlicher Verbindung zu umstrittenen Siedlungsprojekten im Westjordanland.

3. Neubesetzungen im RBB verzögern sich
(verdi.de, Volker Nünning)
Volker Nünning hat sich mit den Personalien beim krisengeschüttelten RBB beschäftigt. Demnach könnten wichtige Führungspositionen länger unbesetzt bleiben, da der öffentlich-rechtliche Sender die Neubesetzungen mit dem laufenden Umbauprozess abstimmen wolle. Katrin Günther werde ihren Posten als kommissarische Programmdirektorin zwar Ende September abgeben, dem RBB aber voraussichtlich in anderer Funktion erhalten bleiben. Die Wahl ihrer Nachfolge könnte am 1. Oktober im Rundfunkrat erfolgen. Weitere Führungspositionen würden offenbar erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeschrieben.

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4. Das Stammtisch-Feuilleton der “Zeit”
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Lisa Kräher kritisiert, dass ein Autor der “Zeit” in einem Essay versucht habe, den Aufstieg der Neuen Rechten zu erklären, indem er rechte Narrative über eine angeblich übergriffige linke Identitätspolitik weitgehend übernommen habe. Der Text von Jens Jessen operiere mit populistischen Klischees über Veganismus, Gendern und Diversity-Trainings. Besonders problematisch sei, dass Jessen linke Anliegen mit autoritären Umerziehungspraktiken verglichen habe, ohne zu differenzieren, was die politische Linke eigentlich sei.

5. Der nordische Medien-Sozialstaat – vorsichtiger Optimismus
(de.ejo-online.eu, Johann Roppen)
In den nordischen Ländern genössen öffentlich-rechtliche und vertrauenswürdige Medien weiterhin große Reichweiten und Unterstützung. Im Vergleich zu anderen Ländern führe das zu weniger Polarisierung und einem stabileren Medienkonsum. Trotz wachsendem Druck durch globale Internetkonzerne sei der Medien-Sozialstaat dort noch nicht verschwunden, was vorsichtigen Optimismus für eine gemeinsame, nachhaltige Zukunft ermögliche.

6. Bulo’s Beobachtungen: Was Verleger von Kolumnisten lernen können.
(turi2.de, Peter Böhling)
“turi2”-Kolumnist Peter “Bulo” Böhling macht sich Gedanken über die Zukunft der Verlage. Seine Prognose: “Die großen werden immer mehr mit den GAFAs ins Bett steigen und sich so im Ranking nach oben schlafen, das es schon wegen der Content-Anzeigen weiter geben wird, auf die Google & Co. vorerst sicher nicht verzichten wollen. Das wird den Markt immer stärker polarisieren und letztlich amerikanische Verhältnisse einleiten, wo schon jetzt ein Kampf der Gesinnungsgiganten tobt.” (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: “GAFA” ist die Abkürzung für die vier großen Internetkonzerne Google, Apple, Facebook und Amazon.)

Aktion für Gaza, “Nius” muss zahlen, Reparierte Maus zurück

1. Weltweite Aktion für Gaza am 1. September
(reporter-ohne-grenzen.de)
Am heutigen 1. September wollen über 150 Medien aus mehr als 50 Ländern ein Zeichen gegen die gezielte Tötung von Journalistinnen und Journalisten im Gazastreifen setzen. Die von Reporter ohne Grenzen (RSF) und der Kampagnenbewegung Avaaz koordinierte Aktion fordert Schutz, Evakuierungen und ungehinderten Zugang für Medienschaffende. RSF verweist auf über 210 getötete Journalistinnen und Journalisten seit Oktober 2023 und habe beim Internationalen Strafgerichtshof Strafanzeige wegen Kriegsverbrechen gestellt.

2. “Mit-Glied-Schaft” im Fitnessstudio: Reichelt-Portal NiuS muss Transfrau 6.000 Euro zahlen
(beck.de, Jannina Schäffer)
Das Landgericht Frankfurt am Main habe entschieden, dass das rechte Onlineportal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt einer Transfrau 6.000 Euro zahlen muss. In mehreren Artikeln habe “Nius” die Frau trotz ihres rechtlich geänderten Geschlechts weiterhin als “Herrn” bezeichnet, mit Namen und Foto über sie berichtet und die Ablehnung ihrer Mitgliedschaft in einem Frauen-Fitnessstudio öffentlich ausgeschlachtet. Das Gericht habe argumentiert, die geschlechtliche Identität sei Teil des durch das Grundgesetz geschützten Persönlichkeitsrechts und wiege in diesem Fall stärker als die Pressefreiheit.

3. dju warnt vor Medienkonzentration
(verdi.de)
Anlässlich der möglichen Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den italienischen Medienkonzern MediaForEurope warnt die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) vor wachsender Medienkonzentration. Internationale Finanzinvestoren würden vor allem Renditeinteressen verfolgen und könnten stärker als deutsche Verleger politische Agenden medial verbreiten wollen, so der dju-Co-Vorsitzende Lars Hansen.

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4. Staatsanwälte ermitteln gegen X-Bosse
(t-online.de, Lars Wienand)
Laut Recherchen von t-online.de ermittele die Staatsanwaltschaft Göttingen gegen drei leitende Manager von Elon Musks Plattform X (ehemals Twitter) wegen des Verdachts der Strafvereitelung. Die Plattform verweigere demnach zunehmend die Herausgabe von Nutzerdaten bei Ermittlungen zu Volksverhetzung, Bedrohung oder Beleidigung. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre dies ein in Deutschland bislang beispielloser Vorgang mit Signalwirkung für den Umgang mit international agierenden Plattformen.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 248
(netzwerkrecherche.org, Anna Behrend & Greta Linde)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Anna Behrend über die bevorstehende SciCAR, eine Konferenz, die “datenaffine” Journalistinnen und Journalisten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenbringe. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Maus ist nach Brandanschlag zurück
(spiegel.de)
Knapp sechs Wochen nach einem Brandanschlag wurde die bekannte Mausfigur vor dem WDR-Gebäude in Köln wieder aufgestellt. Fans hatten die beschädigte Figur nach dem Anschlag mit Pflastern versehen. Dies habe sich im Nachhinein als Segen erwiesen: “So konnte kein Regenwasser in die Maus eindringen, und deshalb ließ sie sich noch reparieren.”

Getötete Journalisten, Lizenzentzug für US-Sender?, Gegen Handyverbote

1. Mehrere Journalisten bei Angriff auf Klinik getötet
(tagesschau.de)
19 Menschen seien laut palästinensischen Angaben bei zwei aufeinanderfolgenden Angriffen der israelischen Armee im Süden des Gazastreifens getötet worden, unter ihnen fünf Journalistinnen und Journalisten. “Drei der getöteten Medienschaffenden waren für die Nachrichtenagenturen Reuters und AP sowie den katarischen Sender Al Jazeera tätig, wie deren Auftraggeber bestätigten. Ein weiterer war nach Angaben aus Gaza freier Mitarbeiter mehrerer arabischer Medien. Für welches Medium der fünfte getötete Journalist arbeitete, ist derzeit unklar”, berichtete tagesschau.de. Der Auslandspresseverband in Israel spreche von einem gezielten Angriff auf Journalisten, die deutsche Bundesregierung fordere von Israel, für Transparenz in der Kriegsführung zu sorgen. Für Medienschaffende müsse der Zugang zu Gaza und eine Berichterstattung von dort möglich sein.

2. Trump sympathisiert mit Lizenzentzug für ABC und NBC
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
US-Präsident Donald Trump habe auf seinem Sozialen Netzwerk Truth Social offenbar nach einem vom Sender ABC ausgestrahlten Interview Sympathie dafür geäußert, den großen US-Networks ABC und NBC die Sendelizenzen zu entziehen. Mehrere deutsche Medien hätten dies irreführend als Drohung gegen “Nachrichtensender” wie “ABC News” und “NBC News” dargestellt – “allerdings gibt es diese Nachrichtensender nicht”, schreibt Thomas Lückerath bei “DWDL”. Die falsche Information sei offenbar auf Basis fehlerhafter Meldungen der Nachrichtenagentur dpa und des “Redaktionsnetzwerk Deutschland” entstanden.

3. Streeck ist für Altersvorgaben, aber gegen Handyverbote
(spiegel.de)
Der neue Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, plädiere für strikt abgestufte Altersvorgaben und wirksame Altersprüfungen bei Sozialen Netzwerken. Pauschale Handyverbote, etwa für Grundschüler, lehne er jedoch ab und betone, dass Kinder mit Medien aufwachsen sollten. Der Sozialverband Deutschland fordere ergänzend ein verpflichtendes Schulfach Medienkompetenz, um Kinder besser vor Desinformation und Hetze zu schützen.

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4. Klinikchef verbietet Zeitungsverkauf – ein skandalöses Vorgehen
(on-online.de, Stephan Schmidt)
Stephan Schmidt, Chefredakteur der “Ostfriesischen Nachrichten”, kritisiert in seinem Kommentar das von Klinikchef Dirk Balster verhängte Verkaufsverbot ostfriesischer Tageszeitungen in den Krankenhauskiosken in Aurich, Emden und Norden. Die Trägergesellschaft habe das Verbot mit dem Schutz verunsicherter Patienten begründet. Vorausgegangen war eine kritische Presseanfrage zur Klinik in Emden. Schmidt wertet das Vorgehen als Bevormundung und Angriff auf die Pressefreiheit. Das Verbot sei empörend, aber wenig wirksam, weil die Inhalte online für Patienten weiterhin leicht zugänglich bleiben. Inzwischen sei das Verkaufsverbot “nach einem Machtwort der Verwaltungschefs zurückgenommen” worden (nur mit Abo lesbar).

5. Mediale Präsenz ist kein Wunschkonzert
(verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt fragt am Beispiel von Alice Weidels ARD-Sommerinterview, ob öffentlich-rechtliche Sender extrem rechten Parteien überhaupt noch eine Bühne geben sollten. In Deutschland sei ein genereller Ausschluss der AfD derzeit jedoch schwer zu legitimieren. Erst eine gerichtsfeste Einstufung als “gesichert rechtsextremistisch” durch den Bundesverfassungsschutz und ein Parteiverbotsverfahren könnten das ändern.

6. Streit um Facebook-Seiten der Bundesregierung geht weiter
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Die Bundesdatenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider wolle Berufung gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln einlegen, das der Bundesregierung den Betrieb ihrer Facebook-Seite erlaube. Sie wolle grundsätzlich klären lassen, ob und unter welchen Bedingungen Behörden Social-Media-Profile betreiben dürfen. Hintergrund sei ein seit Jahren schwelender Streit über Metas Datensammlungen und die Mitverantwortung von Seitenbetreibern, der trotz Hinweisen des Europäischen Gerichtshofs bislang kaum praktische Konsequenzen gehabt habe.

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