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Nebengeschäfte, TV-Ausfallfonds, Oder soll man es lassen?

1. Mitgeliefert
(sueddeutsche.de, Anika Blatz)
Die Corona-Krise und die daraus resultierende wirtschaftliche Notlage befeuert in vielen deutschen Medienhäusern die Kreativität. Mit welchen “Nebengeschäften” lassen sich Auflagenschwund und Anzeigenverluste ausgleichen? Anika Blatz hat sich in der Branche umgehört und einige einfallsreiche Modelle entdeckt: von der Brötchen-Zustellung bis hin zur Einrichtung von mietbaren Online-Shops, der Kooperation mit Apotheken oder Hofläden und der “Same Day Delivery” für eine Vielzahl unterschiedlichster Partnerprodukte.

2. Vergrößern ist nicht spiegeln
(taz.de, Eliyah Havemann)
In einem Gastkommentar äußert sich Eliyah Havemann zum Streit über die Kabarettistin Lisa Eckhart: “[I]hr Publikum goutiert diese billigen Pointen, die sie auf Kosten der Juden, PoC, Homosexuellen und trans* Menschen sowie anderer Marginalisierter macht. Manche ihrer Fans behaupten, sie würde das tun, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, etwa wie Sasha Baron Cohen mit seiner Figur Borat. Aber das ist Schönrederei. Denn ihrer Show fehlt die Distanz zur Figur. Der Spiegel wird zum Vergrößerungsglas.”

3. Oder soll man es lassen? Ja.
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Müssen öffentlich-rechtliche Medien “jeden zu Wort kommen lassen”? Oder sollte man gewissen Menschen und Positionen “keine Bühne bieten”? Das sind Fragen, die sich immer wieder stellen, zuletzt bei einem Interview des Deutschlandfunks mit Anselm Lenz, einem der Organisatoren der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Jürn Kruse hat das Gespräch auf “Übermedien” analysiert. Er halte es für richtig, sich mit Verschwörungsideologen und ihren Erzählungen auseinandersetzen: “Das Interview ist als Darstellungsform dafür aber gänzlich ungeeignet, es ist das falsche Werkzeug. Es ist das Sieb, das man mit an den Strand nimmt, um Wasser zu schöpfen.”
Weiterer Lesehinweis: Auf “Planet Interview” reagiert Jakob Buhre mit einer Replik. Er halte Kruses Schlussfolgerung in ihrer Pauschalität für falsch. “Und zum Fall von Lenz: Man hätte mit ihm noch viel länger sprechen müssen.”

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4. Twitter kennzeichnet russische und chinesische Staatsmedien
(netzpolitik.org, Marie Bröckling)
Seit vergangener Woche versieht Twitter zahlreiche russische und chinesische Nachrichtenseiten mit einem Hinweis für “staatsnahe Medien”. Doch damit nicht genug: Die Tweets von Redaktionen wie “Russia Today” und “China Daily” würden ab sofort auch nicht mehr vom Algorithmus empfohlen, was ihre Reichweite erheblich drosseln dürfte. Eine Twitter-Sprecherin habe keine Angaben dazu machen wollen, wie viele und welche Accounts markiert wurden.

5. Gemeinsamer Appell für Ausfallfonds: “Handeln Sie jetzt!”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Für Kinofilme und “hochwertige Serien” hat die Bundesregierung bereits einen mit 50 Millionen Euro ausgestatteten Corona-Ausfallfonds beschlossen. Seit geraumer Zeit werde ein ähnlicher, jedoch von den Bundesländern finanzierter, Fonds für Fernsehproduktionen diskutiert. Nun haben 39 Verbände und Organisationen einen eindringlichen Appell veröffentlicht: “Wir brauchen den Ausfallfonds für TV-Produktionen. Jetzt!”

6. Wo laufen sie denn?
(untergeschoss.wordpress.com, Harald Keller)
Eine Serie wie “House of Cards” wird von vielen Medien gerne als “Netflix-Serie” bezeichnet, wahrscheinlich, weil man sie dort gucken kann. Doch sie läuft auch auf anderen Plattformen wie Amazon, Chili, Google Play, iTunes, Joyn, Maxdome, Microsoft, Rakuten TV, Sky Ticket, Sky Go, Sony und Videoload. Ist es also gerechtfertigt, Netflix derart herauszustellen? In diesem Fall aus guten Gründen ja, so Harald Keller, aber das Prinzip müsse durchgehalten werden.

Whistleblower-Schutz, Verleger verhaftet, Social Media Nicht lustig

1. Bundesregierung muss beim Schutz von Whistleblowern nachbessern
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund ein Gutachten zur “Umsetzung der Whistleblower-Richtlinie in deutsches Recht” anfertigen lassen (PDF). Das 200 Seiten starke Papier wurde von der ehemaligen Richterin am Europäischen Gerichtshof, Ninon Colneric, und dem Juristen Simon Gerdemann verfasst, der zum Thema Whistleblowing promoviert hat. Die beiden Fachleute sehen erheblichen Handlungsbedarf. Bei der anstehenden Umsetzung in deutsches Recht müsse die Bundesregierung dringend nachbessern und Lücken schließen.

2. Verleger verhaftet
(taz.de)
In Hongkong wurde eine der prominentesten Figuren der Demokratiebewegung festgenommen, der Medienunternehmer und Aktivist Jimmy Lai. Polizisten hätten die Redaktionsräume von Lais Zeitung “Apple Daily” durchsucht und neben Lai sechs weitere Mitarbeiter festgenommen. Die Festnahme sei aufgrund des jüngst verschärften “Sicherheitsgesetzes” erfolgt. Als Tatvorwurf seien eine angebliche “Verschwörung mit ausländischen Kräften” und Betrug genannt worden.

3. “Wir hatten eine Mission, und wir konnten sie nicht erfüllen”
(deutschlandfunk.de)
Der Deutschlandfunk erinnert in einer neuen Reihe an vergessene Journalistinnen und Journalisten der Weimarer Zeit. Die ersten beiden Folgen beschäftigen sich mit “Fritz Gerlich – Journalist und Hitler-Gegenspieler” sowie der Reporterin “Gabriele Tergit – Berichte vom Hakenkreuz am Richtertisch”. “Ihre Namen stehen stellvertretend für viele andere. Ihre Geschichten zeigen, wie schmal die Linie zwischen Zivilisation und Barbarei ist und dass die Freiheit der Presse nicht selbstverständlich ist.”

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4. Freundinnen am Berg
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Vier outdoorbegeisterte Leipzigerinnen planen ein Reise- und Outdoormagazin für Frauen: “The Female Explorer” soll etwa 100 Seiten umfassen und sich an die weibliche Outdoor- und Travel-Community richten. Per Crowdfunding sollen bis Anfang September 50.000 Euro zusammenkommen, knapp die Hälfte davon sei bereits geschafft. Aurelie von Blazekovic stellt das Projekt vor und berichtet außerdem vom Podcast “Bergfreundinnen” des BR, der aus einer Online-Community entstanden sei.

5. RTL.de legt deutlich zu, zweistellige Verluste für “Welt”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Bei “DWDL” hat sich Uwe Mantel die Monatszahlen der Online-Nachrichtenportale angeschaut. Im Vergleich zum Vormonat hätte besonders RTL.de zugelegt, starke Rückgänge mussten Merkur.de und Welt.de verzeichnen. Zur weiteren Bewertung und Einordnung sind auch die Vorjahreszahlen angegeben.
Weiterer Lesehinweis: Die Mediengruppe RTL hat verschiedene Führungspositionen neu besetzt. Prominentester Neuzugang: Der ehemalige “Bild”-Vize und “Spiegel”-Journalist Nikolaus Blome (beta.blickpunktfilm.de).

6. Meine Probleme mit Social Media
(facebook.com, Joscha Sauer)
Es ist die persönliche, wenn auch etwas traurige Abrechnung eines Kreativen mit Social Media: Joscha Sauer hat seine Facebook-Präsenz bislang als eine Art Geschäft auf Gegenseitigkeit betrachtet, bei dem er die Inhalte lieferte und Facebook die Distribution übernahm. Mittlerweile sei die Situation gekippt – Sauer fühlt sich seiner Sichtbarkeit beraubt: “Plötzlich bekamen einige Fans nicht mehr alle Cartoons auf Facebook zu sehen. Einige sogar gar keine mehr. Meine geliebten Dopamin-Likes wurden weniger und gleichzeitig begann Facebook, mir vorzuschlagen, dass ich mehr Leute erreichen könnte, wenn ich nur ein bisschen Geld investieren würde. Facebook hatte beschlossen, dass ich kein Partner mehr war, sondern ein Kunde.”

Gespenster-Debatte um Lisa Eckhart, Schmutziges Geld, QAnon-Gruppe

1. Wie einmal die Cancel Culture nach Hamburg kam
(zeit.de, Dirk Peitz)
Eine “Gespenster-Debatte” nennt Dirk Peitz die Diskussion um einen abgesagten Auftritt der Komikerin Lisa Eckhart: “Die sogenannte Cancel Culture ist ein Gespenst heutiger Tage. Es besteht im Wesentlichen aus dem Gerücht, dass Menschen mit missliebigen politischen Ansichten heutzutage ausgegrenzt würden bis hin zur Vernichtung ihrer beruflichen Existenz. Wer wen warum angeblich cancelt, ist eine komplizierte Sache, ebenso wie der Nachweis, dass Cancel Culture wirklich am Werk war oder ist.”
Weiterer Lesehinweis: Antisemitismus auf der Bühne als Geschäftsmodell? (diekolumnisten.de, Henning Hirsch).

2. “Das ist eigentlich nicht wiedergutzumachen”
(sueddeutsche.de, Theresa Hein)
Das Online-Reportageformat “STRG_F” (NDR) veröffentlichte jüngst Teile des Vernehmungsvideos des im Mordfall Walter Lübcke angeklagten Stephan E. In der Folge wurde an verschiedenen Stellen über die rechtliche und moralische Bewertung dieser Veröffentlichung diskutiert (“Spiegel”, “Übermedien”, Deutschlandfunk). Es lohnt sich jedoch unbedingt, auch nochmal der Philosophin und Medienethik-Professorin Larissa Krainer zuzuhören, die einige interessante Aspekte in die Debatte einbringt.

3. “Eine Runde Berlin” mit Deniz Yücel
(tagesspiegel.de, Ann-Kathrin Hipp)
27 Stationen, 60 Minuten, ein Gast: Im “Tagesspiegel”-Podcast “Eine Runde Berlin” fährt Ann-Kathrin Hipp mit ihren Interviewgästen einmal im Monat um den Berliner S-Bahn-Ring. Diesmal hat der Journalist Deniz Yücel in der Ringbahn Platz genommen und spricht über seine Haft in der Türkei, die Rückkehr in den Alltag und Berliner AKP-Wähler. Weil es so viel zu erzählen gab, seien es ausnahmsweise etwa 1,3 Runden geworden.

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4. Das schmutzige Geld vom Staat
(taz.de, Alexander Graf)
Mit einem Unterstützungspaket von 220 Millionen Euro will die Bundesregierung den Digitaljournalismus fördern, doch die als Geldempfänger in Frage kommenden Verlagshäuser würden bislang eher verhalten reagieren: Sie würden sich Sorgen um ihre journalistische Glaubwürdigkeit machen und seien zudem in den etablierten Printstrukturen verhaftet. Alexander Graf kommentiert: “Offenbar ist der Druck für einen radikalen digitalen Umbruch noch nicht groß genug – zwei bis drei Jahre seien die meisten Häuser von diesem Ziel noch entfernt. Heißt: Trotz all der Klagen geht es vielen Verlegern mit ihrem Printgeschäft wohl einfach noch zu gut.”

5. Facebook entfernt große Gruppe von Verschwörungstheoretikern
(spiegel.de)
Facebook hat eine circa 200.000 Mitglieder umfassende Verschwörungsgruppe aus dem QAnon-Kosmos gesperrt. Anhängerinnen und Anhänger der teilweise rechtsradikalen und antisemitischen QAnon-Bewegung glauben unter anderem, dass es einen internationalen Kinderhändlerring gebe, der sich aus Hollywoodstars, Politikerinnen und Politikern sowie hochrangigen Beamten zusammensetze. Facebook habe die Sperrung damit begründet, dass in einzelnen Postings die Grenzen zu Mobbing und Belästigung, Hassrede und falschen Informationen überschritten worden seien. Andere QAnon-Gruppen seien auf Facebook aber anscheinend weiterhin online, würden jedoch “überwacht”.
Weiterer Lesehinweis: Verschwörungs-Ideologie zum Mitmachen (spiegel.de, Sascha Lobo).

6. Archivschätze: What we (not actually) lost in the fire…
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
“Manchmal, wenn ich mein beträchtliches digitales Archiv sortiere und auf einen alten Scan stoße, dann denke ich wehmütig an das GONG-Archiv zurück und seine in Fotos festgehaltene Chronik der deutschen Unterhaltungsgeschichte. Mag sein, dass das für die neuen Medienmacher ‘oller Kram und Ballast’ war – ich hab’s geliebt. Und ich vermisse es.” Torsten Dewi trauert dem Medien-Archiv der Fernsehzeitschrift “Gong” nach, das bei einem Umzug verschütt gegangen sei.

Red Bull kappt Flügel, Fachwörter vermeiden, Junger Journalismus

1. Red-Bull-Boss hat keine Lust mehr auf “Addendum”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz startete vor drei Jahren das Medium “Addendum”. Nun hat der österreichische Milliardär anscheinend die Lust an dem Projekt verloren und stellt die Aktivitäten der Plattform ein. In einer offiziellen Mitteilung heißt es dazu: “Der Grund dafür ist, dass es trotz erheblichen Mitteleinsatzes und einer Reihe erfolgreicher und relevanter Rechercheprojekte insgesamt nicht gelungen ist, die Zielsetzungen der Stiftung in ausreichendem Maß zu erfüllen und Dietrich Mateschitz beabsichtigt, die von ihm unterstützen journalistischen Aktivitäten stärker auf lösungsorientierte Projekte jenseits der politischen Alltagsauseinandersetzungen zu konzentrieren.” Von der Stilllegung seien 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.

2. Radikaler als das Mutterschiff
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
“Spiegel” und “Zeit Online” haben lange Zeit versucht, die Generation der sogenannten Millenials über spezielle Medienangebote zu erreichen. Der “Spiegel” mit seinem Portal “Bento”, “Zeit Online” mit dem Online-Magazin “Ze.tt”. Beide Medienhäuser stellten ihre Aktivitäten inzwischen ein und auch andere Mitbewerber gaben auf. Aurelie von Blazekovic fragt sich, ob und wie der junge Journalismus überleben kann.

3. Wissenschaftlicher Jargon: Fachwörter vermeiden – oder besser ganz drauf verzichten?
(klimafakten.de, Claudia Wiggenbröker)
Forschungspublikationen wie die Berichte des Weltklimarats IPCC seien für Laien oft nur schwer verständlich. Man bräuchte fast eine Promotion im jeweiligen Fachgebiet, um die Texte wirklich verstehen zu können, so das vernichtende Ergebnis einer Untersuchung zur Lesbarkeit von IPCC-Texten. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben sich mit der Frage beschäftigt, wie sich komplexe Themen besser vermitteln lassen. Vereinfachung dürfe jedoch nicht zu Vergröberung führen.

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4. Branchenüblicher Vergütungssatz nicht identisch mit vertraglich angebotener Lizenz
(urheberrecht.org)
Der Bundesgerichtshof hat zur sogenannten Lizenzanalogie beim Schadensersatz geurteilt. Hintergrund: Ein Unternehmen hatte auf seiner Website einen Stadtplanausschnitt verwendet, ohne im Besitz der Rechte dafür zu sein, und war dafür vom Rechteinhaber abgemahnt worden. Dieser habe als Schadensersatz eine Jahreslizenz in Höhe von 820 Euro angesetzt, doch konnte sich mit dieser Forderung nicht durchsetzen. Im Rahmen der Lizenzanalogie dürfe nicht einfach der Betrag verlangt werden, welchen der Urheber für eine Lizenz vertraglich verlange. Der Urheber müsse beweisen, dass sich dieser Preis am Markt durchgesetzt habe.

5. Messengerdienst führt Tool zur Bekämpfung von Fake News ein
(zeit.de)
Laut “Guardian” testet WhatsApp ein neues Tool zur Bekämpfung von “Fake News”. Nachrichten, die zuvor mehr als fünfmal weitergeleitet worden seien, würden mit einem Symbol gekennzeichnet, das eine Suchanfrage bei Google auslöse. Dahinter stecke die Absicht, die Weiterleitung von viralen Falschnachrichten einzudämmen.

6. Streaming mit höherem Risiko
(faz.net, Thomas Herrig)
Mit Sooner ist ein neuer Streamingdienst gestartet, der sich, im Gegensatz zu den Platzhirschen Netflix, Amazon Prime und Disney, auf europäische Produktionen fokussieren will, darunter auch Kurzfilme und Dokumentationen aus der Arthouse- und Independent-Szene. Aktuell enthalte das Angebot rund vierzig Serien und zweitausend Filmtitel.

Kontroverse um Verhörvideos, Wohlfeile Selfies, “Rick and Morty”

1. “Wollen wir hinschauen, oder wollen wir nicht hinschauen?”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Wie bereits gestern in den “6 vor 9” berichtet, ist das öffentlich-rechtliche Online-Format “Strg_F” in den Besitz der Vernehmungsvideos des Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke gekommen und hat Teile daraus bei Youtube veröffentlicht. Die Rechtmäßigkeit der Aktion und mögliche Auswirkungen auf den laufenden Prozess werden weiterhin kontrovers diskutiert. Stefan Niggemeier hat mit Dietmar Schiffermüller, dem Redaktionsleiter von “Strg_F”, über die Veröffentlichung gesprochen.
Weitere Lesehinweise: Im Interview mit dem “Spiegel” erklärt der Anwalt des Angeklagten, welche Folgen die Veröffentlichung der Vernehmungsvideos für seinen Mandanten habe: “An den Pranger gestellt” (spiegel.de, Julia Jüttner). Im Deutschlandfunk äußert sich Medienethik-Professor Christian Schicha zu der Thematik: “Ich bin der Auffassung, dass man diese 25 Minuten auch ohne dieses Verhörvideo hätte gut füllen können und die notwendigen Informationen vermitteln können.”

2. Sieht gut aus
(faz.net, Ursula Scheer)
Geht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Instagram-Viralaktionen wie #ChallengeAccepted tatsächlich um das Thema Frauensolidarität, oder dienen die Aktionen eher der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung? “FAZ”-Redakteurin Ursula Scheer hat sich auf Instagram umgesehen. Ihr Fazit: “Solche Aktionen mögen vielleicht gut gemeint sein, lassen aber vor allen Dingen diejenigen gut aussehen, die mitmachen. Für sie ist das Ganze, zumindest in freiheitlichen Gesellschaften, oft nicht nur wohlfeil, da kostenlos, sondern kann sich als Publicity richtig auszahlen. Eine schwarze Bildkachel, und man hat sich als ostentativer Antirassist auf der Seite der Guten positioniert; einmal sich selbst schwarz-weiß abgelichtet, schon ist das Selfie nicht mehr Ausweis des Narzissmus, sondern ein feministisches Statement.”

3. “Agrarjournalisten sind wirklich gesucht”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Als Diplom-Agraringenieurin ist Gesa Harms für ihre journalistische Arbeit bei einer Landwirtschaftszeitschrift besonders qualifiziert. Im Interview mit dem “Fachjournalist” geht es unter anderem um ihren Alltag als Agrarjournalistin, ihre besonderen Kenntnisse auf dem Gebiet der Stromtrassen und ein ehrliches Eingeständnis zum Thema Online-Meldungen.

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4. Vom “Zigeunerschnitzel” bis zur “Mohrenstraße”: Rassismus ist eine Tradition, mit der gebrochen werden muss
(fr.de, Stephan Anpalagan)
Stephan Anpalagan schreibt sich die Wut von der Seele: “Wie hirnverbrannt muss eine gesamte Gesellschaft sein, wenn man Überlebenden und Angehörigen der in Auschwitz Ermordeten sagt, dass man den rassistisch-faschistischen Begriff des ‘Zigeuners’ nicht von der Speisekarte tilgen könne, weil das gottverdammte Paprikaschnitzel eine lange und nicht mehr zu ändernde Tradition darstelle.” Das “Zigeunerschnitzel” stehe für einen Kulturkampf. In Deutschland seien rassistische Feindbilder im kollektiven Bewusstsein verwurzelt.

5. Twitter for journalists: 10 #ProTips for using Twitter
(media.twitter.com)
Ausnahmsweise der Hinweis auf einen englischsprachigen Artikel: Twitters Presseabteilung verrät Journalisten und Journalistinnen zehn Tipps, wie sie mehr aus dem Kurznachrichtendienst herausholen können. Leicht zu lesen und vor allem auch für Nicht-Medienschaffende höchst interessant.

6. Serienboom: Gute Auftragslage für Synchronstudios
(blmplus.de, Lisa Priller Gebhardt)
Der Erfolg von Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime Video und der damit einhergehende Serienboom bescheren den Synchronstudios volle Auftragsbücher. Da viele Studios coronabedingt pausieren mussten, habe sich ein Überhang gebildet, der nun abgearbeitet werden müsse. Lisa Priller Gebhardt hat sich mit dem Inhaber eines Synchronstudios unterhalten. In dem Gespräch wird deutlich, wie sehr manche Serien-Verantwortlichen darauf bedacht sind, dass keine Informationen über den Fortgang der Geschichte nach außen dringen. Bei der Synchronisierung der US-amerikanischen Zeichentrickserie “Rick and Morty” sitze beispielsweise jeder Synchrontext-Schreiber in einem eigenen Raum und müsse vorher sein Handy abgeben. “Verwendet werden ausschließlich PCs, die keine USB-Schnittstelle haben. Alle am Projekt beteiligten müssen eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Sicher ist sicher.”

Vernehmungsvideo, Femizide, Paardiologie der Obamas

1. NDR-Format veröffentlicht Video von polizeilicher Vernehmung
(spiegel.de, Dietmar Hipp & Julia Jüttner & Jean-Pierre Ziegler)
Das öffentlich-rechtliche Online-Format “Strg_F” ist auf ungeklärte Weise in den Besitz der Vernehmungsvideos des Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke gekommen und hat Teile daraus bei Youtube veröffentlicht. Nun entbrennt eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Aktion und über mögliche Auswirkungen auf den laufenden Prozess.

2. 92 Prozent der gezählten Artikel verharmlosen Femizide
(genderequalitymedia.org)
“Gender Equality Media” hat untersucht, wie in deutschen Medien über Gewalt gegen Frauen berichtet wird. Aus Sicht der Initiative sei in 92 Prozent der ausgewählten Artikel diese sprachlich verharmlost worden: “Überraschenderweise war dieses Mal nicht die Bild-Zeitung Anführerin unter den Medien, die am häufigsten (sexualisierte) Gewalt verharmlosen. Mit 27 Treffern, war dies das regionale Newsportal Tag24, dicht gefolgt von Bild, Express und Karlsruhe Insider. Hier lässt sich gut erkennen, dass vor allem regionale Medien Gebrauch von Gewalt verharmlosenden Begriffen machen.”

3. Zwei D-Mark pro Zeile – Wie ich einmal ein professioneller Literaturkritiker wurde
(54books.de, Jan Kutter)
Jan Kutter erinnert sich in seinem anekdotischen Beitrag an seine ersten Zeiten als nebenberuflicher Literaturkritiker. Und er denkt darüber nach, wie es dazu kommen konnte, dass Literaturkritik in den Printmedien derart an Bedeutung verlor: “Wenn jemand die professionelle Literaturkritik mit ihrem methodischen Handwerkszeug tatsächlich kaputtgemacht haben sollte, dann waren es nicht die Blogs oder die Meute auf Twitter, sondern die vielen Zeitungen selbst, die ihre Kulturteile kosteneffizient ausbluten ließen, als kein Geld mehr aus dem Anzeigengeschäft nachfloss, und die ihrer schrumpfenden Leser*innenschaft seither oft bloße Inhaltsangaben mit Meinungsanteil als Besprechungen verkaufen.”

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4. Kindesmissbrauch: Treffender Begriff?
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:17 Minuten)
Einige Deutschlandfunk-Hörerinnen und -Hörer fänden den Begriff “Kindesmissbrauch” unglücklich bis falsch, schreibt Stefan Fries, weil dieser insinuiere, dass man Kinder auch “gebrauchen” könne. Im Sprachcheck hat Fries verschiedene Fachleute gefragt, wie sie mit der Thematik sprachlich umgehen.

5. News & Sport: Die großen Gewinner und Verlierer der Saison
(dwdl.de, Uwe Mantel)
“DWDL”-Zahlenexperte Uwe Mantel berichtet, wie sich der Corona-Effekt auf das Sehverhalten von TV-Zuschauerinnen und -Zuschauern ausgewirkt hat. Gewinner seien, wie oft bei Krisen, tendenziell die Nachrichtenmedien. Verlierer hingegen die Sportsender, denen nahezu das gesamte Kern-Programm weggebrochen sei.

6. Die Paardiologie der Obamas
(zeit.de, Carla Baum)
Die ehemalige First Lady der USA, Michelle Obama, hat einen eigenen Podcast bei Spotify. Für die erste Folge der Gesprächsreihe hat sie sich ihren Ehemann, den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, eingeladen. “Zeit Online”-Redakteurin Carla Baum kann sich in ihrer Besprechung nur mäßig für das Format erwärmen: “Es ist insgesamt die unpersönlichste persönliche Podcastfolge, die man sich nur vorstellen kann. Michelle und Barack Obama wirken wie gut gelaunte Geschäftsleute, die sich in der Mittagspause treffen und danach beide das Gefühl mitnehmen wollen, etwas Sinnvolles besprochen zu haben, ohne dass es gleich wieder anstrengend werden musste.”

Im Wald mit Hildmann, Rüder Kanzler, Deutschrap auf dem Prüfstand

1. “Spiegel” sieht Hildmann vor lauter Bäumen nicht
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der “Spiegel” hat sich mit dem vormaligen Kochbuchautor und jetzigen Verschwörungs-Extremisten Attila Hildmann zum “Waldspaziergang” getroffen und die Inhalte des Gesprächs in einem zweiseitigen Beitrag aufbereitet. Medienkritiker Stefan Niggemeier kann dem Treffen wenig bis gar nichts abgewinnen: “Vermutlich soll die Geschichte Hildmann klein wirken lassen. Klein wirkt stattdessen der ‘Spiegel’.”
Weiterer Lesetipp: Auf Facebook fragt der “6 vor 9”-Kurator: “Sollte man einem verwirrten Schreihals und Gernegroß mit rechtsextremen Allmachtsträumen und sadistischen Gewaltfantasien seinen Wunsch nach Berühmtheit erfüllen und ihn berühmt(er) machen?”

2. “Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn”
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta & Bastian Obermayer)
“Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn” … auf diese äußerst rüde Weise ging Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem Fernsehinterview die Puls-24-Journalistin Alexandra Wachter an. Bei Ausstrahlung des Gesprächs fehlte jedoch genau diese Szene (hier die gekürzte Version). Oliver Das Gupta und Bastian Obermayer ordnen den Fall ein, bei dem es auch um den Faktor Geld geht: “So erhielt Puls 24, das zu Pro Sieben Sat 1 Puls 4 gehört, für das laufende Jahr mehr als 1,4 Millionen Euro [aus Österreichs staatlicher Presseförderung], und aus der Corona-Förderung nochmals 1,2 Millionen Euro extra. Ein weiterer Anreiz, es sich mit der Regierung nicht zu verscherzen.”
Weiterer Lesehinweis: Auf Twitter zerlegt Natascha Strobl in gekonnt kunstvoller Weise das Interview.

3. Wir sind wie U-Boote
(gutjahr.biz)
“Eine Gruppierung konservativer Wahlkampf-Veteranen hat sich zusammengetan, um Donald Trump aus dem Weißen Haus zu jagen. Dabei greifen die Strategen des ‘Lincoln Projects’ tief in die Trickkiste des Online-Trollens und versuchen Trump mit den eigenen Waffen zu schlagen.” Richard Gutjahr berichtet über die Republikaner-Allianz, die mit “Negative Campaigning” in Form von zugespitzten Videos (Beispiel 1 , 2 und 3) eine Wiederwahl von Donald Trump verhindern will.

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4. #Bundeswehr/Bohnert: Schräge Vorwürfe gegen Panorama
(daserste.ndr.de)
Vergangene Woche kritisierte die ARD-Sendung “Panorama” den Social-Media-Leiter der Bundeswehr. Dieser sympathisiere mit Rechtsradikalen, like Beiträge mit Bezug zu den “Identitären” und habe Vorträge in rechten Zirkeln gehalten. In den einschlägigen Kreisen tauchten sofort Gegenvorwürfe auf, die den Vorgang herunterspielen sollen. “Panorama” stellt die drei wichtigsten Falschbehauptungen in diesem Zusammenhang klar. Man habe den Oberstleutnant beispielsweise vor Ausstrahlung des Beitrags durchaus um eine Stellungnahme gebeten.

5. Der steinige Weg zu den eigenen Daten
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Seit zwei Jahren gilt in der EU die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und das darin verankerte Auskunftsrecht: Nutzer und Nutzerinnen können bei Anbietern Auskunft darüber verlangen, ob Daten von ihnen gespeichert werden, wie diese verwendet werden und ob sie weitergegeben wurden. Ein aktueller Fall zeigt eindrucksvoll, dass das beste Recht nichts nutzt, wenn es nicht umgesetzt werden kann. So habe ein Nutzer im März beim Videokonferenzanbieter Zoom seine Daten angefordert, läuft jedoch mit seiner Anfrage trotz Unterstützung durch die Datenschutzbehörden ins Leere.

6. F****! Sch*****! B****!
(spiegel.de, Björn Rohwer)
Das Ergebnis der Untersuchung mag nicht ganz überraschend kommen, aber laut einer vom “Spiegel” in Auftrag gegebenen Datenanalyse spielt Sexismus im Deutschrap eine große Rolle. Dies belege eine Auswertung von immerhin 30.000 Liedtexten. Dass es dabei auch auf die Auslegung ankommt, beweist nach Ansicht des “6 vor 9”-Kurators eine kritisierte Textstelle des Rappers Cro aus dem Song “Easy”. Diese liest sich ohne Kontext und Aussprache schlimmer als sie ist: “Und wenn sie heiraten will und nach drei Tagen chillen schon dein ganzes Haus und deinen Leihwagen will – erschieß sie.” Cro zieht die Worte “erschieß sie” zu einem “err-cheesy” zusammen, so dass sie sich auf “easy” reimen. Es ist einer der albernen und bewusst bemühten Wort- und Sprachwitze, die sich durch das ganze Lied ziehen – also keineswegs eine ernst oder auch nur unterschwellig ernst gemeinte Gewaltandrohung oder gar Aufforderung zum Mord (abgesehen davon geht der Song wie folgt weiter: “Yeah! Doch das würd’ ich mich nicht trauen, Mann, das weiß ich genau. Denn davor hau’ ich ab”). Natürlich kann man das Lied trotzdem kritisieren, aber es als “nicht weniger schlimm” zu bezeichnen als die tatsächlich existierenden üblen Fälle, scheint zumindest dem “6 vor 9”-Kurator überzogen.

Social-Media-Fiasko der Bundeswehr, Angreifbare Umfragen, Grande Dame

1. Bundeswehr: Social-Media-Leiter sympathisiert mit Rechtsradikalem
(daserste.ndr.de, Katrin Kampling & Caroline Walter, Video: 3:13 Minuten)
Der Leiter der Social-Media-Abteilung der Bundeswehr ist für deren Bild in den Sozialen Medien verantwortlich. Ausgerechnet dieser Mann habe laut “Panorama” mit einem Anhänger einer rechtsextremen Bewegung sympathisiert, die vom Verfassungsschutzpräsident als “Superspreader von Hass, Radikalisierung und Gewalt” bezeichnet werde. Was die Angelegenheit zusätzlich pikant mache: “Oberstleutnant Marcel B. war auch zuständig für die ‘Social Media Guides’ der Bundeswehr.”

2. EU fordert Mitgliedstaaten auf, journalistische Vielfalt zu schützen
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie zeichnet ein düsteres Bild des Journalismus in Europa. Pressefreiheit und Pluralismus seien gefährdet, die ökonomische Lage des Nachrichtengeschäfts sei in allen europäischen Mitgliedstaaten schlecht. Lediglich bei der Vermarktung von Online-Nachrichten zeige sich, dass traditionelle Medien dem Digitalisierungsdruck standhalten könnten.

3. Lieber @hr1 @hrinfo richtig nice, ihr wart gestern DIE Sensation in den Verschwörungsgruppen
(twitter.com, Philip Kreißel)
Philip Kreißels Fachgebiet sind digitale Meinungsmanipulation und Hasskampagnen. Auf Twitter zeigt er anhand eines Beispiels, wie einfach es sei, bei Umfragen mehrfach abzustimmen. Es geht dabei um eine Umfrage des Hessischen Rundfunks über die Bereitschaft, sich bei Vorliegen eines Impfstoffes gegen das Coronavirus impfen zu lassen: “Lieber @hr1 @hrinfo richtig nice, ihr wart gestern DIE Sensation in den Verschwörungsgruppen. Die haben alle koordiniert bei eurer Umfrage abgestimmt. Gestern hat dann mein Bot auch mitgemacht. (…) Das war mit Abstand die am einfachsten zu manipulierende Umfrage, die ich jemals manipuliert habe. Man musste einfach nur einen request nach dem anderen da hinschicken.”

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4. “Ich kann nur so objektiv sein, wie es meine Subjektivität zulässt.”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Gisela Friedrichsen wird gerne als die Grande Dame der Gerichtsberichterstattung bezeichnet. Kein Wunder, denn Friedrichsen arbeitet seit fast einem halben Jahrhundert als Journalistin. Mehr als 25 Jahre davon war sie als Gerichtsreporterin für den “Spiegel” tätig. Im Interview mit dem “Fachjournalist” erzählt sie vom Gerichtsjournalismus – von der Faszination und den Herausforderungen, aber auch dem Wandel: “Mittlerweile geht es nur um Effizienz. Wenn man irgendwohin geschickt wird, muss man auch auf Teufel komm raus etwas liefern – selbst wenn nichts passiert ist, was berichtenswert ist. Da werden dann Dinge hochgejazzt, hochgepusht, die keine Relevanz haben und mit der eigentlichen Sache nichts zu tun.”

5. Twitters Umsatz bricht ein
(spiegel.de)
Der Kurznachrichtendienst Twitter berichtet von einer paradoxen Entwicklung: Die Zahl der täglichen Nutzerinnen und Nutzer habe laut Vorstandschef Jack Dorsey um mehr als ein Drittel auf 186 Millionen zugenommen. Damit habe das Unternehmen seine bislang stärkste jährliche Wachstumsrate erreicht. Gleichzeitig habe man im vergangenen Quartal 19 Prozent weniger eingenommen als im Jahr zuvor. Grund dafür seien die coronabedingt eingebrochenen Werbeerlöse.

6. Attila Hildmann: Buchhandlung Hugendubel schickt Bücher an Verlag zurück
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
In der Vergangenheit haben bereits zahlreiche Handelspartner die Zusammenarbeit mit Attila Hildmann eingestellt und den Vertrieb seiner Produkte beendet. Nun habe die Buchhandelskette Hugendubel (circa 150 Filialen in Deutschland) angekündigt, Hildmanns Bücher aus dem Sortiment zu nehmen und eventuelle Restbestände an den Verlag zurückzusenden. Die Buchhandelskette Thalia (280 Filialen) wolle Hildmanns Kochbücher jedoch weiter vertreiben.

Twitter vs. QAnon, Bayern-Razzia, Falsches Mallorca-Bild

1. Twitter dreht Pro-Trump-Verschwörungskult den Saft ab
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Twitter will den rechtsradikalen Verschwörungsideologen rund um QAnon den Nährboden entziehen und hat in den vergangenen Wochen bereits 7.000 Accounts gesperrt. Weitere 150.000 seien von einer Art Reichweitenbegrenzung betroffen. Markus Reuter kommentiert: “Dem US-Präsidenten Trump könnte durch die Maßnahmen auf Twitter eine äußerst aktive User-Basis im Wahlkampf wegbrechen, da es Überschneidungen zwischen seiner Kern- und der Verschwörungsanhängerschaft gibt.”

2. Science Slams: Kampf dem Fachchinesisch
(ndr.de, Jürgen Deppe)
Bei sogenannten Science Slams kämpfen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit kurzweiligen und unterhaltsamen Vorträgen um die Gunst des Publikums. Julia Offe organisiert und veranstaltet seit 2009 die verschiedensten wissenschaftlichen Wettstreite in Deutschland. Im Interview mit NDR Kultur spricht sie über Wissenschaftskommunikation und erklärt, warum der Charité-Virologe Christian Drosten ein ausgezeichnetes Beispiel für Wissenschaft auf Augenhöhe ist.

3. Bayernweite Razzia wegen Hasskommentaren im Netz
(spiegel.de)
Wie das bayerische Landeskriminalamt mitteilt, habe es bayernweite Durchsuchungen im Rahmen der Initiative “Justiz und Medien – Konsequent gegen Hass” gegeben. Ein lokaler Radiosender habe auf Facebook per Livestream Bilder einer Flüchtlingsdemonstration gezeigt. Daraufhin hätten mehrere bayerische Nutzer und Nutzerinnen strafbare Kommentare geschrieben, welche die Ermittlungen gegen sie ausgelöst hätten.

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4. Georg Löwisch: Es ist nicht unsere Aufgabe, Bischofsringe zu küssen
(katholisch.de, Steffen Zimmermann)
“Christ & Welt” war ursprünglich eine evangelisch-konservative und lange Zeit sehr erfolgreiche “Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft”. Nach mehreren Eigentümerwechseln wird sie seit einiger Zeit als Sonderbeilage der “Zeit” fortgeführt. Heute erscheint die erste Ausgabe unter der Leitung des neuen Chefredakteurs Georg Löwisch, der über 20 Jahre bei der “taz” beschäftigt war, zuletzt als Chefredakteur. Im Interview spricht Löwisch unter anderem über seine publizistischen Ziele und seine Haltung: “Unsere Aufgabe ist es, gegenüber der Institution und den Mächtigen in der Kirche streng zu sein. Es wäre, glaube ich, niemandem geholfen, wenn wir den Exzellenzen nur ehrfürchtig ihre Bischofsringe küssen würden.”

5. Wie wir die Welt sehen
(journalist.de, Ronja von Wurmb-Seibel)
Die Autorin, Filmemacherin und Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel hat für die “Zeit” geschrieben und ist unter anderem Autorin eines Buchs über Afghanistan, wo sie auch für eine gewisse Zeit gelebt hat (“Ausgerechnet Kabul: 13 Geschichten vom Leben im Krieg”). In ihrem “Blick auf den Journalismus” erzählt sie von ihrem beruflichen Werdegang und ihrer persönlichen Entwicklung: “Je mehr ich mich mit Angst und ihren Folgen beschäftigte, desto besser verstand ich, warum sich meine Art, Geschichten zu erzählen, so grundlegend verändert hatte: Ich sah keinen Grund dafür, die Welt noch negativer darzustellen, als sie ohnehin schon ist. Noch negativer, als wir sie ohnehin schon sehen.”

6. Mallorca: Einige Medien nutzten ein nicht gekennzeichnetes Archivbild für aktuelle Berichterstattung
(correctiv.org, Kathrin Wesolowski)
“Focus Online” und Welt.de haben laut “Correctiv” in der aktuellen Berichterstattung ein altes und irreführendes Bild eines überfüllten Mallorca-Strands verwendet. Bei Welt.de illustrierte es die Schlagzeile “Hunderte Deutsche feiern am Ballermann – und missachten alle Corona-Regeln”. Aktuelle Live-Bilder einer Webcam würden jedoch einen weitgehend menschenleeren Strand ohne Strandliegen und Sonnenschirme zeigen.

Völkermord, Verteidigung des Gender Gap, Knossis “Angelcamp”

1. Das Mindeste
(taz.de, Melina Borčak)
Melina Borčak kritisiert die deutsche Berichterstattung über den Völkermord an den Bosniaken: “Der Genozid gegen Bosniaken wird von der EU, den USA und zahlreichen Parlamenten weltweit anerkannt, ist mehrfach gerichtlich festgestellt worden, ist auf Hunderttausenden Seiten dokumentiert und mit dem größten DNA-Identifikationsprojekt der Weltgeschichte belegt. Und doch müssen Überlebende immer wieder Leugnung und Widerrede ertragen, auch in deutschen Medien.”

2. Gendern, bis die Gleichheit kommt
(meedia.de, Tobias Singer)
“Horizont”-Chef Uwe Vorkötter beklagte sich letztens (Bezahlartikel) über das als Pause mitgesprochene Gender Gap (beispielsweise “Arbeitnehmer *kurze Pause* innen”) beim Deutschlandfunk. “Meedia”-Redakteur Tobias Singer sieht die Sache anders. Der Mut zur Lücke sei eine Chance auf Veränderung: “Sprache ist keine Reliquie, die in einem Schrein eingesperrt und aufbewahrt gehört. Sind Veränderungen dann gleich Neusprech à la Orwell, wie Vorkötter attestiert? Wohl eher nicht. Sonst wären wir jetzt noch bei der ‘teutschen’ Sprache.”

3. Über 300.000 Zuschauer verfolgen Livestream von Knossi und Sido
(rnd.de)
Am Wochenende verfolgten bis zu 300.000 Zuschauerinnen und Zuschauer den 72-stündigen Livestream von Influencer Jens “Knossi” Knossalla auf der Streaming-Plattform Twitch. Knossi, Sido und weitere Mitstreiter wie der Sänger Pietro Lombardi hatten sich an einem See nahe Brandenburg an der Havel zum “Angelcamp” zusammengefunden. Die zunächst unbedeutend klingende Meldung macht deutlich, wie sehr sich das Mediennutzungsverhalten bei jungen Leuten verändert hat.

Bildblog unterstuetzen

4. “Wenn das ❤️ plötzlich fehlt, stimmt etwas nicht”
(zeit.de, Eike Kühl)
“Zeit Online” hat sich mit dem Sprachwissenschaftler Florian Busch über Emojis unterhalten. Was ist deren Funktion? Gibt es kulturelle Unterschiede in der Verwendung der Bildschriftzeichen? Außerdem geht es um die Frage, ob Emojis unsere Sprache verrohen und unserem Sprachvermögen schaden, was von Busch verneint wird: “Emojis verursachen kein weniger an Sprache, sondern sie ergänzen die Sprache und sorgen für mehr sprachliche Variabilität und Schreibstile.”

5. Österreichischer Verleger wirft RTL “Wortbruch” vor
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische Verleger Christian W. Mucha beschwert sich über einen Beitrag des RTL-Boulevardmagazins “Exclusiv” und wirft dem Sender Wortbruch vor. Seine Frau hatte zunächst bei einer Folge von “Promi Shopping Queen” teilgenommen. Danach hatte das Paar das RTL-Team für eine Homestory zu sich nach Hause eingeladen. Für den sechsminütigen Beitrag sei sieben Stunden gedreht worden, eine “unentgeltlich harte Arbeit”, so der Verleger. Er sei mit dem Endergebnis nicht zufrieden und habe juristische Schritte eingeleitet. Man ist geneigt, den Vorgang mit “Tja, nun” zu kommentieren.

6. Die Amigos haben in Deutschland jetzt mehr Nummer-eins-Alben als die Beatles
(spiegel.de)
Wir sind alle verloren.

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