Suchergebnisse für ‘spiegel online’

RT Deutsch hat Expansionspläne, Extremismusforscher, Teurer Tweet

1. RT DE will Online-Sender zum Fernsehkanal ausbauen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:59 Minuten)
Der vom russischen Staat bezahlte Auslandssender RT Deutsch produziert in Berlin-Adlershof deutsche Inhalte fürs Internet. Doch nun soll aus dem Youtube-Sender, der regelmäßig durch einseitige Berichterstattung oder Desinformation auffällt, ein echter Fernsehkanal werden. Das wirft Fragen auf, denn die dafür notwendige Sendelizenz dürfe laut Medienstaatsvertrag nicht an staatlich finanzierte Betreiber vergeben werden.

2. “Auf Facebook wird wenigstens gestritten”
(zeit.de, Tanya Falenczyk)
Jakob Guhl ist Extremismusforscher und untersucht in London am Institute for Strategic Dialogue, wie Hass und Radikalisierung im Internet entstehen. “Zeit Online” hat ihn im Interview unter anderem gefragt, ob es etwas bringt, radikale Stimmen von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zu verbannen. Guhl ist hin- und hergerissen: “Ich glaube, Deplatforming ist nur ein Werkzeug in einem ganzen Werkzeugkasten. Dass Plattformen ihr Hausrecht nutzen und radikale Accounts sperren, finde ich richtig, wenn es eben transparenter wird. Aber wir brauchen online auch Gegenrede, im Kommentarbereich und im direkten Austausch.”

3. Doch, PCR-Tests weisen Infektionen nach – und Christian Drostens Doktorarbeit gibt es
(correctiv.org, Till Eckert)
In Corona-Leugner- und “Querdenker”-Kreisen wird oft der Vorwurf erhoben, PCR-Tests würden keine Infektionen nachweisen, und der Virologe Christian Drosten sei eigentlich “gar kein Doktor”. Dank Social Media schwappen die Meldungen auch in andere Kreise und sorgen dort für Verunsicherung. “Correctiv” hat in einem Faktencheck beide Behauptungen geprüft: Sie sind, wenig überraschend, falsch.

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4. US-Forscher*innen verlangen Anpassung des Urheberrechts während der Pandemie-Notlage
(irights.info, Georg Fischer)
Mehr als 100 Organisationen sowie knapp 150 Einzelpersonen fordern in einer gemeinsamen Erklärung an die Welthandelsorganisation einen flexibleren Umgang mit Urheberrechten während der Pandemie. “Der Zugang zu wissenschaftlichem Wissen sei essentiell, um die Pandemie auf globaler Ebene zu bekämpfen, so die Erklärung. Die Regelungen geistigen Eigentums in vielen Ländern, darunter vor allem Urheber- und Patentrechte, würden diesen Zugang jedoch erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.”

5. RSF klagt gegen Facebook
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert Facebooks Umgang mit Hassrede und Desinformation und hat bei der Pariser Staatsanwaltschaft Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Klagegrund: “Betrügerische Geschäftspraktiken”. Die in den Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards getroffenen Zusagen zum Verbraucherschutz würden größtenteils nicht eingehalten. Facebook habe beispielsweise zugelassen, dass sich Falschinformationen im Kontext der Covid-19-Pandemie sowie Hasskommentare und Drohungen gegen Medienschaffende ungehindert verbreiteten.

6. Erster Tweet der Welt bringt bei Auktion fast drei Millionen Dollar
(spiegel.de)
Der Twitter-Mitgründer und heutige Firmenchef Jack Dorsey hat seinen ersten Tweet – genauer: die digitale Originalkopie davon – für gut 2,9 Millionen US-Dollar versteigern lassen. Dorsey hatte am 21. März 2006 geschrieben: “just setting up my twttr”. Der Auktionserlös kommt einer Organisation zugute, die arme Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unterstützt.

Uneinige Union, Elefant im Raum, Wikipedia-Gärtner

1. Die Feigheit der Männer
(taz.de, Waltraud Schwab)
Für Waltraud Schwab sind die Vorgänge an der Berliner Volksbühne und bei “Bild” ein Anlass, über Sexismus gegenüber Frauen zu sprechen: “Solange integre, gendersensible Männer bei Sexismus schweigen, machen sie sich zu Komplizen der Täter.”
Weiterer Lesehinweis: #MeToo in der Schweiz: Gegen die Machomedia (taz.de, Çiğdem Akyol).

2. Gewalt gegen Presse und uralte Hetze gegen Juden auf rechtsextremer Kundgebung in Berlin, 20.03.2021
(jfda.de)
Auf Demonstrationen von Corona-Leugnern und Corona-Maßnahmen-Verweigerern kommt es immer wieder zu Angriffen auf Pressevertreter:innen, Relativierungen der Shoah und antisemitischen Bekundungen. Die Versammlung am 20. März im Zentrum Berlins scheint in dieser Hinsicht keine Ausnahme gewesen zu sein. Im Beitrag wird beschrieben, mit welchen Tricks Neonazis und Rechtsradikale arbeiten, um ihre rassistischen und antisemitischen Hassbotschaften zu verbreiten.
Weiterer Lesehinweis: Wie Pressefreiheit im Lockdown leidet (verdi.de, Susanne Strack-Neumann).

3. Uneinige Union
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 5:30 Minuten)
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU und CSU hat Vorschläge zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgelegt, die jedoch auch in den eigenen Parteien umstritten seien. Der Eine-Anstalt-Vorschlag sei der weitreichendste in dem Dokument. Für ein Interview habe die MIT mit Verweis auf Termingründe nicht zur Verfügung gestanden.

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4. Immerhin mal den Elefant im Raum beschrieben, ohne noch mehr Porzellan zu zerstören
(uebermedien.de, Samira El Ouassil)
Als Samira El Ouassil sich auf den Rassismus-Themenabend im WDR einließ, war sie sich nicht sicher: “Kann der Sender, dessen redaktionelle Strukturen die Z-Ausgabe der ‘Letzten Instanz’ über den Äther gehen ließ, einen mehrstündigen Diskussionsabend stemmen, bei dem nicht nur viele Informationen vermittelt, sondern die Themenkomplexe auch mit einer großen Sensibilität verhandelt werden?” In ihrem Beitrag versucht sie, eine Antwort auf ihre Fragen zu finden.

5. “Wir brauchen dringend mehr Menschen, die sich engagieren”
(zeit.de, Jens Tönnesmann)
Der Jurist Lukas Mezger ist nicht nur leidenschaftlicher Wikipedia-Autor, sondern seit 2018 auch ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins Wikimedia Deutschland. Im Interview mit “Zeit Online” erzählt er unter anderem, wie erfüllend das Verfassen von Beiträgen sein kann: “Einen Artikel auf Wikipedia zu veröffentlichen, fühlt sich an, als würde man im Garten ein neues Beet anlegen: Yippie-yeah! Mit einem Unterschied: Was ich auf Wikipedia erschaffe, ist nicht nur für mich da, sondern auch für andere. Und das gibt mir persönlich viel, auch weil ich fest daran glaube: Je mehr Wissen frei verfügbar ist, umso besser für die Welt.”

6. 140 Zeichen sollt ihr sein
(spiegel.de, Andrej Sokolow & Christoph Dernbach, dpa)
Twitter feierte am gestrigen Sonntag sein 15-jähriges Bestehen. Der “Spiegel” blickt zurück auf die vergangenen anderthalb Dekaden – von erstem Tweet des Gründers Jack Dorsey (“just setting up my twttr”) bis zu dem Punkt, an dem Dorsey diesen Tweet für einen Millionenbetrag versteigern lässt.
Weiterer Lesehinweis: Twitter fragt seine Nutzerinnen, ob seine Regeln auch für Staatslenkerinnen gelten sollen (turi2.de, Andreas Grieß).

Umfragen-Politik der “WamS”, Zerrwelt der Frauenhasser, Maiwald

1. Die Umfragen-Politik der “Welt am Sonntag”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier interessierte sich, auf was für einer Umfrage eine Schlagzeile der “Welt am Sonntag” beruht, und fragte einfach mal nach. Das gestaltete sich jedoch als gar nicht so leicht. Irgendwann bekam er immerhin die Antwort, dass man ihm nicht antworten wolle. Daraufhin hat sich Niggemeier auf die Suche nach dem Ursprung der Zahlen gemacht. Nun kann man auf gewisse Weise nachvollziehen, warum die “WamS” so schweigsam war.

2. Zerrwelt der Frauenhasser
(story.ndr.de)
“Incel” (Kunstwort aus “involuntary” für “unfreiwillig” und “celibate” für “Zölibat”) ist laut Wikipedia “die Selbstbezeichnung einer in den USA entstandenen Internet-Subkultur von heterosexuellen Männern, die nach Eigenaussage unfreiwillig keinen Geschlechtsverkehr haben und der Ideologie einer hegemonialen Männlichkeit anhängen”. Der NDR hat sich in die Welt dieser Frauenhasser begeben und ist der Frage nachgegangen, wie gefährlich die “Incel”-Szene ist. Die Reportage ist etwas länger, aber gut aufbereitet und lohnend.

3. Die Grenzen des Journalismus
(klimajournalismus.substack.com, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat startet einen Newsletter zum Klimajournalismus. In seinem Einführungsbeitrag schreibt er: “Will Journalismus als Akteur seinem eigenen Anspruch gerecht werden – der gesamten Gesellschaft zu dienen -, muss er endlich einen neuen Blickwinkel in sein Bezugssystem integrieren: Die Perspektive des Klimawandels wird fester Bestandteil nahezu aller journalistischer Beschreibungen und Analysen gesellschaftlicher Vorgänge.”

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4. Altmaiers fragwürdiges 220-Millionen-Euro-Geschenk
(t-online.de, Wolfgang Büchner)
Der ehemalige “Spiegel”- und dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner spricht sich in einem Gastbeitrag gegen die 220 Millionen Euro schwere Presseförderung der Bundesregierung aus: “Aus ordnungspolitischer Sicht verfehlen Subventionen meist ihre Wirkung. Sie lähmen oft die Innovationsbereitschaft der Zahlungsempfänger. Im schlimmsten Fall schwächen sie nachhaltig die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen, die es sich auf dem Subventionskissen gemütlich machen. Sie können nicht verhindern, dass ein überkommenes Geschäftsmodell irgendwann nicht mehr funktioniert. Und sie behindern die Chancen neuer Marktteilnehmer, die sich im Wettbewerb mit subventionierten Traditionsunternehmen schwer tun.”

5. Der KiKa müsste neue Formate entwickeln
(verdi.de, Tilmann P. Gangloff)
Armin Maiwald gilt als einer der Väter der “Sendung mit der Maus” und hat für den kleinen TV-Nager unzählige Sachgeschichten produziert. Auch im Alter von 81 Jahren ist er noch dabei: “Bevor ich zuhause sitze und meiner Frau auf die Nerven gehe, drehe ich doch lieber noch zehn oder zwölf Filme pro Jahr, solange Körper und Geist mitmachen.”

Gratisbilder, Gewagter Entwurf, Chamäleon der Freundlichkeit

1. “Wenn alle Bilder gleich aussehen, ist das sehr bedauerlich für die Medien”
(de.ejo-online.eu, Felix Koltermann)
Viele journalistische Medien wollen für professionelle Fotos nichts zahlen und greifen zur Bebilderung ihrer Beiträge lieber auf kostenlose Aufnahmen zurück. Die Hamburger Fotografin Christina Czybik erklärt im Interview, wie sich die Gratismentalität auf die Bildsprache der Medien auswirkt, wie wichtig professionelle Pressefotografie ist, und was sie über das Thema Gendergerechtigkeit in der Fotografie denkt.

2. Gewagter Entwurf
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Wenn es nach Patricia Schlesinger, der Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), geht, könnte öffentlich-rechtlicher Hörfunk künftig verstärkt im Internet stattfinden. Hintergrund für derlei Überlegungen ist die bevorstehende Änderung des Staatsvertrags, in dem die Aufgaben des RBB geregelt sind.

3. Warum ARD und ZDF das beste Programm für die Gen Z haben
(meedia.de, Luca Schallenberger)
Sind ARD und ZDF vor allem Sender für alte Leute, wie oft behauptet wird? “Meedia”-Praktikant Luca Schallenberger sieht die Sache differenziert: Einerseits würden im linearen Fernsehen tatsächlich Inhalte für ein junges Publikum fehlen. Andererseits seien die Öffentlich-Rechtlichen dank der “Funk”-Formate durchaus zukunftsorientiert.

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4. “Es fällt nix vom Himmel, und es gibt keine Tricks”
(fachjournalist.de, Katrin Müller-Hohenstein)
Die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und der Fernsehmacher Jan Westphal haben für ein Buchprojekt Menschen nach deren Erfolgsgeheimnissen beziehungsweise dem Weg zum Erfolg gefragt. In einem Auszug beim “Fachjournalist” erzählt Sportjournalistin Müller-Hohenstein von ihrem Werdegang, plaudert aus ihrer Jugend und gibt dem Medien-Nachwuchs Karrieretipps.

5. “Die können das gerne als Drohung nehmen”
(zdf.de, Thomas Münten & Heiko Rahms & Christian Rohde)
Thalia-Chef Michael Busch hatte zur virtuellen Mitarbeiterkonferenz geladen, und mehr als 660 Angestellte des Buchhändlers konnten hören, wie ihr Chef gegen die politischen Akteure wütete: “Dieses Mal nehmen wir euch mit in die Verantwortung, und zwar so, dass es richtig, richtig weh tut.” Eine Mitarbeiterin habe gefragt, ob so eine Kampagne nicht zum Erstarken von Populisten führe und sogar eine politische Krise wie in Thüringen heraufbeschwören könne. Busch habe entgegnet, es gebe immer Trittbrettfahrer, und man könne nicht vermeiden, dass “die AfD versucht, sich da vorne auf die Lok draufzusetzen”.

6. Chamäleon der Freundlichkeit
(spiegel.de, Volker Weidermann)
Der Moderator Matthias Opdenhövel verlässt nach zehn Jahren die ARD-“Sportschau”. In einer “persönlichen Würdigung” verabschiedet sich Volker Weidermann: “Ich dachte, er sei ein unverrückbares Möbel. Einmal aufgestellt, um für immer zu bleiben. Ich hatte mich getäuscht.”

Steilvorlage für Rechtsaußen, Spahns Privates, Männliche Regionalzeitungen

1. Die dpa liefert Steilvorlage für rechte Verschwörungshetzer – die “Welt” nimmt dankend an
(volksverpetzer.de, Tobias Wilke)
Die FDP-Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg fragte beim Bundesinnenministerium nach dem Anteil der Asylerstantragstellenden, die bei der Antragstellung keine gültigen Identitätspapiere vorweisen konnten. Der Anteil habe bei mehr als der Hälfte gelegen, so das Ministerium. Über eine dpa-Meldung gelangte die Zahl zu allerlei rechten Postillen und der NPD, die sie in ihre Erzählung einpflegten. Aber auch die “Welt” stürzte sich auf die Meldung. Tobias Wilke erklärt, wie die Zahl zustande komme und warum der Skandal an ganz anderer Stelle liege. Lesenswert, weil es eine Falschargumentation dekonstruiert, auf die viele aus Unkenntnis hereinfallen.

2. Das Private ist politisch
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die Immobiliengeschäfte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn werfen Fragen auf. Fragen, mit denen sich Redaktionen beispielsweise ans Grundbuchamt gewandt haben. Spahn scheint dies sehr zu missfallen: Laut “Tagesspiegel” hätten seine Anwälte erfahren wollen, wer denn da von welchen Medien was genau wissen wollte. Steffen Grimberg kommentiert: “Alles Private ist immer noch politisch. Und was Spahn verbergen wollte, interessiert plötzlich alle Welt. Er sollte sich schleunigst bessere Be­ra­te­r*in­nen besorgen, sonst geht’s am Ende noch auf die Gesundheit.”

3. Tipp: So klappt es mit der Filmförderung
(fachjournalist.de, Ralf Falbe)
Was nicht alle wissen: Die Filmförderung springt nicht nur bei aufwändigen Kinoproduktionen, sondern auch bei Kurzfilmen, Dokus und Multimedia-Projekten ein. Ralf Falbe gibt Tipps für die Antragstellung und Kostenzusammenstellung. Nicht nur für Produzenten und Filmemacherinnen lesenswert, weil der Text einen ganz anderen Blick hinter die Kulissen liefert.

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4. Männerdomäne Regionalzeitungen: ProQuote Medien stellt neue Studie vor
(pro-quote.de)
Der Verein ProQuote hat eine “qualitative Studie zu Machtbeteiligung und Aufstiegschancen von Journalistinnen bei Lokal- und Regionalzeitungen” angestoßen (PDF). In der Untersuchung geht es auch um die Fragen, warum in deutschen Regional- und Lokalzeitungen so wenige Frauen in Führungspositionen kommen und wie man dem entgegenwirken kann: “Der Frauenmachtanteil in den Chefredaktionen liegt bei rund zehn Prozent – und damit niedriger als in jeder anderen Mediengattung.”

5. Lie­bes­grüße von der Medi­en­auf­sicht
(lto.de, Frederik Ferreau)
Unlängst verschickten Landesmedienanstalten “Hinweisschreiben” an verschiedene Onlineportale, in denen sie auf Ungenauigkeiten in der Berichterstattung aufmerksam machten. Medienrechtler Frederik Ferreau wirft einen juristischen Blick auf die neue Praxis und kommentiert: “Das ist in der Anfangsphase ein begrüßenswertes, weil grundrechtsschonenderes Vorgehen. Bedenklich werden solche Schreiben aber, sollten darin geringfügige Mängel der Online-Portale thematisiert werden, die gar nicht das Potential einer Tatbestandserfüllung besitzen: Dann überdehnte die Aufsicht ihre Befugnisse und könnte schlimmstenfalls ‘chilling effects’ in Form einer Einschüchterung der Anbieter hervorrufen. Im sensiblen Spannungsfeld zwischen Medien und Medienaufsicht gilt es, solche Effekte unbedingt zu vermeiden.”

6. ServusTVs Corona-Quartett gleicht einem Verschwörungskabinett
(kobuk.at, Lena Wechselberger)
Lena Wechselberger analysiert die Sendereihe “Corona-Quartett” des österreichischen Privatsenders ServusTV, die zum Stelldichein von “alternativen Experten” wurde. Ihr Fazit: “Diskussionen über COVID-19 und die Regierungsmaßnahmen dürfen natürlich durchaus kritisch und kontrovers sein, das ist keine Frage. Polarisierung zum Selbstzweck einer gesamten Sendreihe zu machen, ist jedoch höflich ausgedrückt: Mehr als fraglich. Das Ergebnis ist die Konstruktion einer Parallelrealität fernab jeglicher wissenschaftlichen Fakten. Das Corona-Quartett wurde so zur österreichischen Speerspitze verharmlosender (Falsch-)Information während einer weltweiten Pandemie.”

Beschwerderekord, Haftbefehl gegen Hildmann?, Behäbige Fernseh-Zeiten

1. 2020: Beschwerderekord beim Presserat
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat stellt seinen Jahresbericht 2020 (PDF) vor, der eine traurige Rekordmarke bereithält: Noch nie habe es so viele Beschwerden wie im vergangenen Jahr gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich fast doppelt so viele Personen an die freiwillige Selbstkontrolle der Print- und Onlinemedien gewandt.

2. Attila Hildmann wird offenbar per Haftbefehl gesucht
(tagesspiegel.de, Alexander Fröhlich & Julius Geiler)
Kochbuchautor und Verschwörungsideologe Attila Hildmann ist für seine wüsten Tiraden und Hetzereien bekannt. Nachdem die großen Social-Media-Plattformen ihm den Zugang gesperrt haben, hat er sich auf den Messengerdienst Telegram zurückgezogen. Wo er sich jedoch gerade örtlich aufhält, sei nicht bekannt. Möglicherweise habe er sich ins Ausland abgesetzt, um einem drohenden Haftbefehl zu entgehen. Derweil seien die Berliner Ermittler mit einer wahren Sisyphos-Aufgabe beschäftigt: Sie würden mehr als 1000 Hildmann-Aussagen auf strafrechtliche Relevanz hin überprüfen.

3. Boulevard-Medien gehen unfair mit Frauen um
(jetzt.de, Nhi Le)
Manche Medien würden die immer gleichen toxischen und misogynen Bilder bedienen, wenn es um die Berichterstattung über prominente Frauen geht, so die Journalistin Nhi Le: “Rabenmutter, Heilige oder Hure, Zicke, Goldgräberin, Homewrecker. All diese und weitere Narrative beruhen auf sexistischen Vorwürfen und Ansprüchen, denen Frauen nie gerecht werden können und nie gerecht werden sollten. Denn sie sind rückschrittlich, heuchlerisch und teilweise einfach bösartig.”

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4. “Geschäftsmodell von Google und Facebook in den Blick nehmen”
(deutschlandfunk.de, Magdalena Neubig, Audio: 5:01 Minuten)
Der Softwarehersteller Microsoft will gemeinsam mit europäischen Presseverlagen ein Bezahlsystem für Verlagsinhalte im Internet entwickeln. Dahinter steckt der Wunsch der Verlage, die großen Tech-Firmen für die direkte und indirekte Nutzung ihrer Inhalte zur Kasse zu bitten. Alexander Fanta, Brüssel-Korrespondent von netzpolitik.org, erklärt im Interview mit dem Deutschlandfunk die verschiedenen Interessenlagen und überlegt, wie eine europäische Haltung aussehen könnte.

5. Bis unter die Dusche
(taz.de, Wilfried Urbe)
Bei den großen Streaming-Plattformen trenden seit einiger Zeit unterhaltsame Sport-Dokus. Die Filme bieten den Zuschauenden Spannung und Emotionalität und verschaffen den Protagonisten und Vereinen Aufmerksamkeit. Wilfried Urbe stellt einige Beispiele aus dem Portfolio von Amazon und Netflix vor, denen das Ganze teilweise viel wert ist. So soll der englische Fußballklub Manchester City laut Branchenexperten für den Blick hinter die Kulissen 10 Millionen Pfund erhalten haben.
Und passend zum Thema “Sport in den Medien”: Mehr als 6500 Gastarbeiter starben seit der WM-Vergabe nach Katar (spiegel.de).

6. Im Fernsehen der Vergangenheit
(sueddeutsche.de, Fabian Dombrowski)
Fabian Dombrowski hat sich auf einen Bummel durch das Retro-Angebot der ARD gemacht, geleitet von Neugier, Zufall und Algorithmus. Anscheinend kann der Ausflug in das Filmangebot der 50er- und 60er-Jahre therapeutisch wirken, wenn man sich denn darauf einlässt: “Sich durch die Video-Exponate zu klicken, wirkt nach einer Weile entschleunigend bis ermüdend, man ist diese Behäbigkeit in der Berichterstattung ja gar nicht mehr gewohnt. Teils vergeht mehr als eine halbe Minute, bis überhaupt mal jemand zu sprechen beginnt, und wenn es dann jemand tut, macht er Pausen zwischendrin, die irrwitzig lang wirken.”

“Familien in der Krise”, Blackfacing beim WDR, Relotius-Verfilmung

1. Wer und was steckt hinter der Initiative “Familien in der Krise”?
(uebermedien.de, Annette Bulut)
Die relativ kleine Initiative “Familien in der Krise” (“FidK”) findet mit ihren Forderungen nach Öffnung von Kitas und Schulen relativ oft Gehör in Medien sowie bei Politikern und Politikerinnen. Wie gelingt es der Gruppe, Zugang zu Talkshows und Polit-Promis zu bekommen? Möglicherweise durch tätige Mithilfe von außen: Es gäbe Gerüchte, dass “FidK” eine wirtschaftsnahe Astroturfing– oder Grassroots-Lobbying-Kampagne sei. Annette Bulut ist der Sache nachgegangen und auf interessante Indizien gestoßen.

2. Medien-Aufseher gehen gegen rechte Online-Medien vor
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 7:01 Minuten)
Youtube hat unlängst den Kanal von Ken Jebsen gesperrt. Nun geht nach Informationen des Deutschlandfunks auch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg gegen Jebsen vor. Es werde überprüft, ob er journalistische Grundsätze nicht eingehalten und gegen journalistische Sorgfaltspflichten verstoßen habe.

3. Schon wieder, WDR?
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der WDR hat wieder einmal Ärger wegen einer alten Unterhaltungssendung. In einem Karnevals-Zusammenschnitt tauchte eine elf Jahre alte Szene auf mit Désirée Nick als Nofretete und zwei Männern an ihrer Seite, die viel dunkle Schminke im Gesicht haben. Der WDR reagierte auf die Kritik, ersetzte die Blackfacing-Szenen durch eine Hinweistafel und gestand den Fehler auf Twitter ein.

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4. Parler ist wieder online
(spiegel.de)
Nach dem Sturm auf das Kapitol hatte Amazon dem rechten Onlinenetzwerk Parler den Cloud-Service gekündigt, der zum Betreiben der Plattform notwendig ist. Nach einer rund einmonatigen Zwangspause ist der Dienst wieder online. Wer der neue technische Dienstleister ist, sei noch unklar.

5. Liebe Boomer, muss es in der Journalist*innen Bubble wirklich so laut sein?
(meedia.de, Lena Wrba)
“Bevor ich an die Journalistenschule gekommen bin, hatte ich keine Ahnung, wie wichtig Selbstdarstellung in diesem Beruf ist – und wie sehr das nervt“, schreibt Lena Wrba in ihrem Brief an die “Boomer”. Wrba weiter: “Die Lauten sind nicht schlechter, aber eben auch nicht toller als die Leisen. Vielfalt ist wichtig – auch hier. Leise und Laute könnten gegenseitig so viel besser voneinander profitieren, wenn sie das verstünden.”

6. M’Barek und Nay spielen Hauptrollen in Relotius-Mediensatire
(dwdl.de, Alexander Krei)
Michael “Bully” Herbig will Juan Morenos Buch “Tausend Zeilen Lüge” verfilmen, die Geschichte rund um die Aufdeckung des Relotius-Skandals beim “Spiegel”. In der Mediensatire schlüpfen die Schauspieler Elyas M’Barek und Jonas Nay in die Rollen von “Juan Romero” und “Lars Bogenius”. Regisseur Herbig kommentiert: “Ähnlichkeiten mit unwahren Ereignissen könnten zufällig zutreffen. Die Fakten werden aber mit Sicherheit verdreht, damit’s am Ende stimmt.”

Amanis beste Instanz, Gegenrede zum Coming-Out-Verriss, Reddit

1. »Wir müssen ran, sonst machen es andere für uns«
(spiegel.de, Arno Frank)
Was der WDR nach seiner vielfach kritisierten Ausgabe von “Die letzte Instanz” hätte machen sollen, hat nun die Unterhaltungskünstlerin Enissa Amani auf eigene Initiative und Rechnung übernommen: Einen Talk mit von Rassismus betroffenen Menschen. Arno Frank kommentiert: “Sollte ein so gigantischer Apparat wie der WDR wirklich nicht in der Lage gewesen sein, kurzfristig ein vergleichbares Format auf die Beine zu stellen? Schlimm wäre, fehlte ihm dazu die Fähigkeit. Schlimmer wäre, fehlte ihm dazu der Willen. Und wenn die öffentlich-rechtlichen Räume verschlossen oder zu eng sind, weicht die gesellschaftsrelevante Zielgruppe eben in »safe spaces« aus.”

2. Coming-out-Verriss in der “FAZ”: Gegenrede auf Sandra Kegel
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” berichtete am Freitag (nur mit Abo lesbar) über ein gesammeltes Coming-out von Schauspielern und Schauspielerinnen, die in einem Manifest mehr Sichtbarkeit und Repräsentanz queerer Darstellerinnen und Darsteller sowie queerer Themen und Geschichten in Film, Fernsehen und Theatern fordern. Die Feuilleton-Chefin der “FAZ” hat für die Aktion nicht viel übrig und spricht vom “Kalkül im Ringen um Aufmerksamkeit bei Verkennung der Verhältnisse”. Der Artikel habe in und außerhalb der Community für Entsetzen gesorgt, schreibt Johannes Kram und antwortet mit einer “Gegenrede”.

3. Experten (IV)
(noemix.wordpress.com, Michael Nöhrig)
In der auflagenstärksten Wochenzeitschrift Österreichs “Die Woche” (280.000 verkaufte Exemplare) wird in einem Beitrag die “Sinnhaftigkeit” von FFP2-Masken bezweifelt. Dabei stützt man sich auf das Urteil vermeintlicher Experten. Michael Nöhrig hat sich angeschaut, von wem das vernichtende Expertenurteil stammt.

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4. Streik bei Euronews
(sueddeutsche.de)
Beim europäischen Nachrichtensender Euronews haben nach Angaben des Senders 50 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Der Streik richte sich nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbands gegen “miserable Arbeitsbedingungen und ständig wachsende Anforderungen der Geschäftsleitung an die Beschäftigten ohne zusätzliche Bezahlung”. Außerdem würden die Streikenden unzureichende Corona-Schutzmaßnahmen in der Redaktion beklagen.

5. Twitter erzielt Rekordumsatz dank Werbeboom
(meedia.de, Nils Jakobsen)
Twitter ist im letzten Quartal des Jahres 2020 deutlich gewachsen. Der Kurznachrichtendienst hat insgesamt ein Unmsatz-Plus von 28 Prozent eingefahren, die Werbeerlöse stiegen um 31 Prozent. Auch beim Gewinn habe man zugelegt: “In den letzten 92 Tagen 2020 verdiente Twitter netto nunmehr 222 Millionen Dollar – ein Plus von knapp 12 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr, als noch 199 Millionen Dollar eingefahren wurden.”

6. Das kann nur Reddit: Wenn der Internet-Stammtisch einen Börsen-Coup organisiert
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Die Online-Plattform Reddit wird oft als letzter großer Stammtisch des Internets bezeichnet. Sie war jüngst Ausgangspunkt eine der kuriosesten Finanzentwicklungen der vergangenen Jahre: User hatten sich verabredet, massenhaft in Aktien des angeschlagenen Videospiele-Händlers Gamestop zu investieren, worauf der Kurs explodierte.

Müder Kompromiss, Rassistische Begriffe, Raus aus dem Kaiserreich

1. Nur ein müder Kompromiss
(taz.de, Erica Zingher)
Der Streamingdienst Disney+ hat einige seiner Filmklassiker wie “Das Dschungelbuch”, “Aristocats”, “Peter Pan” oder “Dumbo” mit Warnhinweisen zu rassistischen Stereotypen versehen (weiterführende Erklärungen liefert der Konzern auf seiner auf englischsprachigen Website.) “taz”-Redakteurin Erica Zingher reicht das nicht: “Man kann diesen Weg als müden Kompromiss werten. Als einen Kompromiss zwischen der Fraktion, die ‘Cancel Culture’ schreit und der, die zurecht rassistische Inhalte verurteilt. Müde ist das alles, weil es sich Disney damit zu einfach macht. Die Zielgruppe der Cartoons, also Kinder, wird mit Hinweisen sicher nicht erreicht. Die Verantwortung aufzuklären, überträgt Disney damit auf die Eltern – und ist selbst fein raus.”

2. Sprachforscher erklärt: Darum fällt es manchen Menschen so schwer, nicht mehr “Zigeunersoße” zu sagen
(rnd.de, Geraldine Oetken)
In dem WDR-Talk “Die letzte Instanz” konnte man erleben, wie hochemotional um die Verwendung von diskriminierenden Worten gerungen wird. Woran liegt das? Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch vermutet zwei Gründe: “Zum einen setzen Debatten in den Medien wie auch bei ‘Die letzte Instanz’ stark auf Konfrontation und auf ein Für und Wider. Andererseits fühlen sich viele schnell durch die Diskussion angegriffen. Das merkt man daran, dass die dann gleich verteidigend sagen: ‘Ich bin kein Rassist.’ Aber darum geht es ja gar nicht. Man kann rassistisch handeln, ohne ein Rassist zu sein.”
Weiterer Lesehinweis in eigener Sache: Der “6 vor 9”-Kurator kommentiert auf Twitter das Statement von Moderator Steffen Hallaschka: “In der Politik und der Öffentlichkeitsarbeit kommt es immer wieder zum Phänomen der ‘Nonpology’. Darunter versteht man eine Entschuldigung ohne echte Reue. Das Ziel: Vergebung ohne Schuldanerkenntnis. Dieses Statement zu #DieletzteInstanz ist ein schönes Beispiel dafür.”

3. Clubhouse mag dein Telefonbuch wirklich gern
(zerforschung.org)
Das Team von “Zerforschung” hat sich auf Reverse Engineering spezialisiert: das Auseinandernehmen von bereits bestehenden Systemen, um deren Funktionsweise zu untersuchen. Neuestes Produkt des Interesses: Die Audio-Chat-App Clubhouse, die auch wegen ihres mangelnden Datenschutzes ins Gerede gekommen ist. Nach einem Blick in den Quellcode der Anwendung stehe fest: “Jedes mal, wenn man das Invite-Tab öffnet, werden alle Telefonnummern aus dem Adressbuch hochgeladen.”
Zu den Datenschutzproblemen der App zwei Links aus dem Archiv: “Der Verbraucherzentrale Bundesverband wirft der neuen Social-Media-App gravierende rechtliche Mängel vor. In einer Abmahnung geht es auch um Datenschutz.” – Verbraucherschützer mahnen Clubhouse ab (zeit.de).
“Ein Hamburger Sicherheitsexperte hat dem SPIEGEL eine Reihe von Schwachstellen in der App Clubhouse demonstriert. Sie erlauben es, Nutzer gezielt auszusperren, massenhaft Daten abzufragen und zufällige Konten zu kapern.” – Clubhouse bietet Hackern zahlreiche Angriffsmöglichkeiten (spiegel.de, Patrick Beuth).

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4. RUMS, das Online-Magazin für Münster
(wdr.de, Hilka Sinning, Video: 3:35 Minuten)
In Münster sorgt ein junges Digital-Angebot für mehr journalistische Vielfalt in der Region. Das Online-Magazin “Rums” (für das auch BILDblog-Autor Ralf Heimann arbeitet) startete mitten im ersten Lockdown und konnte sich trotz der erschwerten Bedingungen behaupten. “Westart” hat das ambitionierte Projekt besucht, das bereits als Vorbild für neue Formen von Lokaljournalismus gehandelt wird.

5. Gemeinsam gegen Netflix
(faz.net, Conrad Heberling)
Der Erfolg der Streaming-Plattformen hat dazu beigetragen, die Dominanz der US-amerikanischen Filmwirtschaft zu verstärken: “Es scheint uns gleichgültig zu sein, dass wir mit unseren monatlichen Abogebühren dazu beitragen, dass diese Multis unsere deutsch-europäische Mediengesetzordnung unterlaufen und gigantische Umsätze und Gewinne machen, die sie nicht einmal in Deutschland, geschweige denn in Europa versteuern.” Conrad Heberling hat die Situation analysiert und überlegt, wie eine Lösung aussehen könnte.

6. Raus aus dem Kaiserreich
(sueddeutsche.de, Wolfgang Görl)
Die Bezeichnung der kunstgeschichtlichen Epoche Jugendstil geht zurück auf die von Georg Hirth 1895 in München gegründete illustrierte Kulturzeitschrift “Jugend”. Wolfgang Görl erinnert schwelgerisch an die für damalige Zeiten revolutionäre Kunst- und Literaturzeitschrift: “Von Anfang an begeistert die Jugend ihr Lesepublikum mit anspruchsvollen Layouts, man legt Wert auf preziös illustrierte Seiten und plakative Titelblätter, auf denen oft junge und schicke Menschen zu sehen sind, gestaltet in spielerisch verschnörkelten Linien und umflort von Blütendekor, mal in leichtstoffigen, dem Spiel des Windes folgenden Wallegewändern, mal nackt auf langmähnigen Pferden reitend, und es wimmelt nur so von Seejungfrauen und Sartyrn [sic], deren dekorative Körper sich räkeln und winden, während im verträumten Blick etwas pikant Frivoles aufblitzt.”

Der Unfall, der keiner war, Idiotische Zeiten, Urheberrechts-Gezerre

1. Das war kein Unfall
(taz.de, Anne Fromm)
Vor einigen Tagen strahlte der WDR (erneut) seinen misslungenen Talk “Die letzte Instanz” über Rassismus und Sprache aus, der im Netz für viel Kritik sorgte. Anne Fromm fasst die Reaktionen der Betroffenen zusammen: “Großes Bedauern beim WDR, bei Micky Beisenherz und Janine Kunze. Man habe gelernt und werde es künftig besser machen. Das Problem ist nur: Die Sendung war kein Unfall. Sie hat einmal wieder gezeigt, wie sich mit billigen Klischees und dümmlichen Witzen Quote machen lässt. Aber ist es Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen, das abzubilden?”
Weitere Lesehinweise: Bei “Zeit Online” kommentiert Matthias Dell: “Sollte es dem WDR mit dem Lernen ernst sein: Ich bin mir gar nicht sicher, ob es nur darum geht, dass hier Menschen mitreden dürfen, die durch rassistische Fremdzuschreibungen diskriminiert werden. Auch weil ich mir schwer vorstellen kann, wer Bock haben sollte, in so einer Runde, in der es überhaupt nicht darum geht, etwas zu verstehen, und in der Leute sitzen, die offenbar mit dem Nachdenken Probleme haben, noch einmal zu klären, wie Rassismus funktioniert und warum Rassismus nichts Gutes ist.”
Bei Stern.de schreibt Michel Abdollahi: “Vielleicht sollten wir Migrant*innen uns als Paprikasoße verkleiden, da würden mehr Menschen für uns in die Bresche springen.”
Und bei “Übermedien” empfiehlt Samira El Ouassil: “Eigentlich ist es ganz leicht: Nicht über Menschen sprechen, sondern mit ihnen”.

2. “Von jungen Influencern geht eine Gefahr für Kinder und Jugendliche aus”
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Die Landesmedienanstalten haben mehr als 700 relevante Websites, Youtube-Kanäle und Social-Media-Angebote auf gefährliche Inhalte untersuchen lassen. Der Titel ihrer Analyse: “Alternative Medien und Influencer als Multiplikatoren von Hass, Desinformation und Verschwörungstheorien”. Bei mehr als einem Drittel der Fälle habe man einen Anfangsverdacht auf strafbare, jugendgefährdende oder entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte festgestellt. Dies beträfe vor allem Inhalte beim Netzwerk VK und beim Messenger Telegram. Medienpolitik.net hat mit dem Vorsitzenden der Kommission für Jugendmedienschutz, Marc Jan Eumann, über die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus der Untersuchung gesprochen.

3. “Alles, was Erfolg hat, reden sie klein”
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 6:55 Minuten)
Mit deutlichen Worten kritisiert die Autorin Elke Heidenreich die öffentlich-rechtliche Literaturkritik. Die Sender würden das Thema von Grund auf falsch handhaben und die Beiträge zu “idiotischen Zeiten” wie 6:45 Uhr ausstrahlen, statt sie über den ganzen Tag zu verteilen. Sie wünsche sich Berichte über “viele Bücher, auf viele Sendungen über den Tag verteilt, in einfacher Sprache”.

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4. Facebook plant bildschirmfüllende Datenschutz-Hinweise
(spiegel.de)
Apple will Nutzerinnen und Nutzern seiner iPhones und iPads neue Möglichkeiten zur Kontrolle über ihre Privatsphäre geben. Sie sollen künftig selbst bestimmen können, ob Apps ihre Daten weitergeben dürfen. Facebook sieht darin eine Bedrohung seines Geschäftsmodells und plane großflächige Datenschutz-Hinweise, in denen man um Unterstützung für Werbeunternehmen bitten wolle.

5. Edit Policy: Lobbyismus und Kampagnen – neues Gezerre um die Urheberrechtsreform
(heise.de, Julia Reda)
Die Verabschiedung der Urheberrechtsreform durch das Bundeskabinett schien sicher, doch kurz zuvor kam es zu einem überraschenden Rückzieher. Die Digital-Expertin und ehemalige Europaabgeordnete Julia Reda erklärt die Hintergründe, die mit Wirtschaftsinteressen und Lobbyarbeit zu tun hätten.

6. Prinz Harry gewinnt
(sueddeutsche.de)
Ein Londoner Gericht hat einer Klage von Prinz Harry stattgegeben und verfügt, dass die Boulevardzeitung “Mail on Sunday” eine erneute Entschuldigung veröffentlichen muss. Darin müsse deutlich werden, dass die Aussage in einem beanstandeten Artikel falsch war.

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