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Schuld und Bühne, Problematische “Heldenküche”, Übersetzungspanne

1. Schuld und Bühne
(sueddeutsche.de, Georg Mascolo)
Nachdem die deutsche Medienaufsicht dem russischen Staatssender RT DE den Live-Sendebetrieb untersagte, hat die russische Regierung das Büro der Deutschen Welle in Moskau schließen lassen. Wie konnte es zu dieser Eskalation kommen? Georg Mascolo hat den Streit rekonstruiert.

2. Ein Nein zur Aufklärung
(taz.de, Anina Ritscher)
In einer Volksabstimmung hat sich eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer gegen eine ausgebaute staatliche Subvention für Medien ausgesprochen. Anina Ritscher führt dies auch auf die Stimmungsmache bei Demos gegen die Corona-Maßnahmen zurück: “Dort warben Transparente schon Monate vor der Abstimmung mit dem Slogan ‘Nein zu Staatsmedien’. Die über zwei Jahre hinweg hartnäckig verbreitete Rhetorik von ‘Lügenpresse’ und ‘Systemmedien’ scheint zu fruchten.”

3. Felix Neureuther lässt sich auch als TV-Experte nicht den Mund verbieten
(tagesspiegel.de, Senta Krasser)
Als ehemaliger Skirennfahrer und mehrfacher Olympiateilnehmer ist der ARD-Wintersport-Experte Felix Neureuther begeisterungsfähig und kritisch zugleich. In der sehenswerten Doku “Spiel mit dem Feuer – Wer braucht noch solche Spiele?” stellte er den Verantwortlichen mutig kritische Fragen. Dennoch ist er in gewisser Weise Teil des Systems, wie Senta Krasser kommentiert: “Von den lukrativen Potenzialen der Fernsehvermarktung und des Sponsorings im Wintersport, die er in ihrer Gigantomanie so vehement anprangert, profitiert Felix Neureuther natürlich ebenso, wenn nicht noch mehr wie seinerzeit die Werbefiguren Mittermaier-Neureuther.”

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4. Sammler, kein Jäger: Wie “bissig” ist der Presserat?
(de.ejo-online.eu, Erik Benger)
Seit Beginn der Corona-Pandemie nimmt die Zahl der Beschwerden, die beim Deutschen Presserat eintreffen, zu – allein 2020 seien mehr als 4.000 eingegangen. Im “EJO”-Interview gibt Manfred Protze, langjähriges Mitglied des Presserats, eine Einschätzung zur aktuellen Lage und Bedeutung der Organisation. Es geht dabei auch um den oft vorgebrachten Vorwurf, beim Presserat handele es sich um einen zahnlosen Tiger.

5. Die problematische Bilanz von “Rosins Heldenküche”
(dwdl.de, Peer Schader)
Für Peer Schader bleibt nach Abschluss des TV-Projekts “Rosins Heldenküche” (Kabel Eins) gleich in mehrfacher Hinsicht ein fader Beigeschmack. Das betrifft zum einen die Kandidaten, bei denen es sich teilweise um Laiendarsteller handelte, und zum anderen den wenig überzeugenden und unsouveränen Umgang des namengebenden Sterne-Kochs Frank Rosin mit seinen Schützlingen. Die Sendung sei zudem “ein Paradebeispiel dafür, wie sehr Reality-Fernsehen mit seinem behauptetem Anspruch absaufen kann, wenn die Verantwortlichen kein Vertrauen darin haben, ihre Geschichte für ein wiederkehrendes Publikum zu erzählen”.

6. Twitter sperrt Nutzer nach peinlicher Übersetzungspanne
(spiegel.de, Jörg Breithut)
In der deutschen Grammatik ist “die” ein bestimmter Artikel, in einem englischen Kontext kann “die” als Aufforderung zum Sterben aufgefasst werden. Dieser Umstand ist einem Twitterer zum Verhängnis geworden: Eine Mischung von deutschen und englischen Worten in einem Tweet hat den automatischen Hassfilter anspringen lassen und führte zur (mittlerweile aufgehobenen) Sperrung des Accounts.

Polizeimitteilungen, “Rosins Heldenküche”, “Gegen-Ermittlung”

1. Der Fall Dilan S. und die Medien: Übernahme der Polizeimeldung “grob fahrlässig”
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf & Mike Herbstreuth, Audio: 7:07 Minuten)
Viele Medien berichteten kürzlich von einer Attacke auf eine 17-Jährige, die angeblich keine Maske getragen habe, und beriefen sich dabei auf Polizeiinformationen. Nun stellt sich heraus, dass die Sache ganz anders gewesen ist, und es sich vielmehr um einen rassistischen Angriff gehandelt haben könnte. Olaf Sundermeyer kritisiert die betroffenen Medien – wegen deutlicher Warnzeichen hätten sie die ursprüngliche Polizeimitteilung prüfen müssen.
Weiterer Lesetipp: Von wegen Maskenstreit: Polizei und Medien stellen rassistischen Angriff falsch dar (uebermedien.de, Andrej Reisin).

2. “FT” benennt Zielpersonen der Springer “Gegen-Ermittlung”
(meedia.de)
Im jüngst erschienenen Artikel der “Financial Times” zu den Hintergründen der Reichelt-Affäre bei Axel Springer wurde von einer geplanten “Gegen-Untersuchung” des Konzerns berichtet, mit der mehrere missliebige Personen ausgeforscht werden sollten. Nun ist bei zumindest drei Personen bekannt, um wen es sich dabei handelt: um den Ex-“Bild”-Chef Kai Diekmann, den ZDF-Komiker Jan Böhmermann und den TV-Produzenten Friedrich Küppersbuch.

3. Laiendarsteller bei Rosin: Wie echt ist die “Heldenküche”?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
In “Rosins Heldenküche” bei Kabel Eins geht es um Menschen, die sich in einem zweimonatigen Gastro-Bootcamp in “Disziplin, Willensstärke und Kompetenz” behaupten sollen, um sich den “Ausbildungstraum zum Koch oder Köchin” zu erfüllen. Nun haben “DWDL”-Recherchen ergeben, dass mindestens drei Kandidaten Laiendarsteller sein sollen, die zuvor auch schon in vielen anderen Formaten zu sehen waren, darunter Scripted-Reality-Formate wie “Auf Streife”, “Verdachtsfälle”, “Gerichtsreport Deutschland”, Ruhrpottwache”, “Klinik am Südring” unter “Köln 50667”.

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4. Oder es knallt
(sueddeutsche.de, Anna Ernst & Verena Mayer)
Seit die “Zeit” kritisch über die “Berliner Zeitung” des Unternehmers Holger Friedrich berichtet hat, ist dieser nicht sonderlich gut auf die Wochenzeitung zu sprechen, was juristische Schritte mit einbezieht. Nun hat die “Berliner Zeitung” eine Recherche über den Holtzbrinck-Konzern veröffentlicht, zu dem sowohl die “Zeit” als auch der lokale Mitbewerber “Tagesspiegel” gehören. Holger Friedrich wolle das jedoch nicht als Retourkutsche verstanden wissen.

5. Wie ist es, wenn die Medienschaffenden nach einem tragischen Vorfall anrücken? Eine Anwohnerin aus Niederwangen erzählt
(fairmedia.ch, Laura Bachofner)
Die Schweizer Initiative “Fairmedia” wacht über “die Einhaltung der journalistischen Grundregeln und unterstützt Betroffene bei Persönlichkeitsverletzungen oder bei Fragen der journalistischen Fairness”. In einem Gastbeitrag schildert eine Frau ihre Erlebnisse, als sich Medien plötzlich für ihren Wohnort interessierten, in dem ein zuvor tot aufgefundenes Kind lebte: “Die Klicks der Online-Artikel standen im Zentrum, die Sensationsgier wurde bedient – ohne groß Rücksicht auf die vielen kleinen und großen trauernden Menschen zu nehmen. Die Reporter fuhren mit Fahrrädern durch die Quartiere und begaben sich auf Spielplätze, um die Anwohner zu befragen.”

6. TikTok hat das Wort “Umerziehungslager” zensiert
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Das chinesische Videoclip-Portal TikTok behauptet, in seinen Moderationsentscheidungen unabhängig zu sein. Man werde von keiner Regierung beeinflusst, auch nicht von der chinesischen. Trotzdem sollen politisch brisante, den chinesischen Staat betreffende Worte zensiert worden sein. Darüber hinaus würden Nutzerinnen und Nutzer davon berichten, wie sie Worte wie “Sex”, “Gewalt”, “Drogen” und “Depression” umschreiben müssen, um nicht eingeschränkt zu werden. netzpolitik.org ist der Sache nachgegangen und hat auch bei TikTok selbst nachgefragt.

Deutsche Welle in Russland, Olympia 2022, Facebook muss Urteil posten

1. Auswärtiges Amt sieht deutsch-russische Beziehungen erneut belastet
(zeit.de)
Erst kürzlich wurde dem russischen Staatssender RT DE (früher: Russia Today) das Senden in Deutschland untersagt, weil keine entsprechende Lizenz vorliege. Nun hat die russische Regierung ein Sendeverbot für die Deutsche Welle in Russland erteilt und lässt das Moskauer Büro des deutschen Auslandssenders schließen. Eine Sprecherin des deutschen Auswärtigen Amts sagte zu dem Vorgang: “Die Maßnahmen, die die russische Regierung heute gegen die Deutsche Welle angekündigt hat, entbehren jeglicher Grundlage und stellen eine erneute Belastung für die deutsch-russischen Beziehungen dar”.
Weiterer Lesehinweis: Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), kritisiert die Drohungen des russischen Außenministeriums gegen deutsche Medien und bezieht sich dabei auch explizit auf das verwendete “Kriegsvokabular”. Die Entscheidung gegen RT DE sei zudem nicht von deutschen Behörden, sondern von der unabhängigen Medienaufsicht getroffen worden. “Hier gibt es nichts zu vergelten”, so der DJV-Chef. (djv.de, Hendrik Zörner)

2. Olympia 2022: Wie Pandemie und Polizei die Medien behindern
(ndr.de, Zapp, Fritz Lüders & Mandy Mülling, Video: 12:33 Minuten)
Totale Überwachung, totale Kontrolle: Die chinesische Staatsführung tut alles, um eine unabhängige Berichterstattung über Land und Leute zu erschweren. Dies gilt auch und besonders für die anstehenden Olympischen Spiele in Peking. “Zapp” hat sich mit Athleten und Funktionären über die erschwerten Bedingungen unterhalten.

3. Facebook muss Gerichtsurteil auf seiner Startseite veröffentlichen
(spiegel.de)
Ein Wiener Gericht hat Facebook angewiesen, beleidigende Inhalte gegen eine ehemalige österreichische Grünen-Politikerin weltweit zu löschen. Bemerkenswert: Facebook muss über dieses Urteil mit einem Banner informieren und diese Information sechs Monate auf seiner Homepage stehen lassen. Das Unternehmen sei der Anweisung nachgekommen, das Banner sei jedoch nur für diejenigen sichtbar, die Facebooks aus Österreich aufrufen, ohne bei dem Sozialen Netzwerk eingeloggt zu sein. Der Streit zwischen der ehemaligen Politikerin und Facebook habe sich über fünf Jahre hingezogen.

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4. Sport-Streaming: Für die Verbraucher wird es immer teurer
(deutschlandfunk.de, Timur Gökce & Sören Brinkmann, Audio: 6:57 Minuten)
Der Sportstreamingdienst DAZN verdoppelt seine Preise für Neukunden und Rückkehrer – von 14,99 Euro auf 29,99 Euro pro Monat. Kritiker sähen die Preiserhöhungen skeptisch. Es bestehe die Gefahr, dass Kunden abspringen, zumal diese jetzt schon viel Geld zahlen müssen, um beispielsweise bei verschiedenen Anbietern alle Spiele der Fußball-Bundesliga und der Fußball-Champions-League sehen zu können.

5. Elternabende zu Fake News: neues Angebot des Referentennetzwerks zum Safer Internet Day
(blmplus.de, Bettina Pregel)
Anlässlich des Safer Internet Day 2022 am 8. Februar bietet die Stiftung Medienpädagogik Bayern den neuen Elternabend “Fake News – Moderne Lügen und Desinformation” an. Außerdem werde es in der Aktionswoche rund 20 Online-Elternabende zu Digitalthemen geben, die durch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien mitfinanziert werden.

6. CNN-Chef Jeff Zucker tritt zurück
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Eigentlich wollte CNN-Chef Jeff Zucker zum Jahresende ohnehin aufhören, doch nun tritt er sofort zurück. Der Grund: Zucker hatte eine Beziehung zu einer hochrangigen Mitarbeiterin nicht öffentlich gemacht.

Medialer Eiertanz in Peking, Cookie-Sorgen, Wikipedias Serienrufmörder

1. Zwischen Jubelberichten und ungehemmter Kritik
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Die Olympischen Spiele in Peking stehen unmittelbar bevor, und mit ihnen taucht die Frage auf, wie angesichts der politischen Verhältnisse in China eine angemessene und kritische Berichterstattung aussehen kann. In seinem Kommentar prognostiziert Markus Ehrenberg: “Das wird ein medialer Eiertanz, mindestens ein Spagat, ähnlich wie er auch bei der Fußball-WM im Dezember in Katar zu erwarten ist.”
Weitere Lesehinweise: In seinem Blog erklärt der Journalist Jens Weinreich: Warum ich nicht zu den Propagandaspielen nach Peking fliege. Und “FAZ”-Korrespondentin Friederike Böge berichtet über die Offene Feindseligkeit gegenüber westlichen Medien.

2. Die Wiederentdeckung des Lokaljournalismus
(journalist.de, Marc Rath)
“Als 2020 ab Mitte März die erste Welle der COVID-19-Pandemie das Leben lahmlegte, entdeckten die Lokalredaktionen in Deutschland den echten Lokaljournalismus wieder.” Marc Rath, langjähriger Chefredakteur der “Landeszeitung für die Lüneburger Heide”, schreibt darüber, wie sich der Lokaljournalismus während der Pandemie entwickelt hat.

3. Neue Zahlen von ProQuote Medien: Chefetagen der Leitmedien werden etwas weiblicher
(pro-quote.de)
ProQuote Medien hat erneut die weibliche Führungsbeteiligung in neun deutschen Leitmedien ausgewertet. Es sei etwas aufwärts gegangen, zufrieden könne man mit der bisherigen Situation jedoch nicht sein, so Edith Heitkämper, Vorsitzende der Initiative: “Von einer selbstverständlichen Gleichberechtigung und gelebten Vielfalt allerdings sind wir in den meisten Medienunternehmen noch weit entfernt.”
Weiterer Lesehinweis: ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann: “Die Frauenquote tut nicht weh” (rnd.de).

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4. OLG München: Wikipedia-Serienrufmörder “Feliks” durfte mit Klarnamen genannt werden
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
“Bereits das Landgericht München, das Landgericht Hamburg und das Oberlandesgericht Hamburg hatten entschieden, dass man den politisch extrem einseitigen, selektiven und fälschenden Wikipedia-Autor Feliks beim Klarnamen nennen darf. Dem hat sich jetzt auch das Oberlandesgericht München in einem ausführlich begründeten Hinweisbeschluss angeschlossen.” Der Jurist Markus Kompa berichtet von einem medienrechtlich und gesellschaftspolitisch besonders interessanten Rechtsfall.
Update 17:30 Uhr: Der “Spiegel” berichtet (Wer sich so äußert, darf Verschwörungstheoretiker genannt werden) über ein weiteres Urteil (eines anderen Gerichts): “‘Feliks’ hat recht bekommen: Der Wikipedia-Autor sollte Tausende Euro an einen Komponisten zahlen, über den er in dem Lexikon geschrieben hatte. Das Oberlandesgericht Koblenz sieht das anders.” (spiegel.de, Torsten Kleinz)

5. Cookie-Aus bei Google: Verleger beschweren sich bei EU-Kommission
(deutschlandfunk.de, Carolin Born)
Google hat angekündigt, sogenannte Drittanbieter-Cookies in seinem Browser Chrome zukünftig verbieten zu wollen. Was die Anwenderinnen und Anwender in puncto Datenschutz freut, ruft die Verleger auf den Plan, die einen massiven Umsatzrückgang befürchten und sich deshalb bei der EU-Kommission beschwert haben.

6. “New York Times” kauft Wörterratespiel “Wordle”
(zeit.de)
Der Ingenieur Josh Wardle hat sich ein Onlinespiel ausgedacht, bei dem man jeden Tag ein Wort mit fünf Buchstaben in höchstens sechs Versuchen erraten muss. Innerhalb weniger Monate hat es sich zum viralen Hit entwickelt und wurde nun für einen Millionenbetrag von der “New York Times” übernommen.

Der Fall Assange, Neue Meldepflicht, Harald Schmidts Kalkül

1. Der Fall Assange betrifft uns alle
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen, der Deutsche Journalisten-Verband, die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di und das Netzwerk Recherche haben in einer Pressekonferenz an die deutsche Bundesregierung appelliert, dass diese sich dafür einsetzen soll, dass Julian Assange unverzüglich freikommt: “Das Verhalten Großbritanniens im Fall Assange ist eines Rechtsstaats nicht würdig. Über zwei Jahre konnten wir immer wieder im Gericht beobachten, dass das Verfahren nichts als eine politisch motivierte Farce ist. Die einzige Hoffnung auf eine Freilassung in absehbarer Zeit ist, dass die USA das Verfahren einstellen. Deshalb muss Bundeskanzler Scholz nächste Woche bei US-Präsident Biden darauf dringen, dass die Anklage fallengelassen wird”, so Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.

2. Zum Umgang der Experten des Boulevards mit COVID-19
(blog.kulturwissenschaften.de, Maren Lickhardt)
Maren Lickhardt, Assistenzprofessorin für Neuere deutsche Literatur und Medien an der Uni Innsbruck, hat sich angeschaut, wie Boulevardmagazine mit dem Thema Covid-19 umgehen. Ihr Fazit: “Sobald die Zeitschriften ihren ersten Reflex, Laienmeinungen Prominenter zu thematisieren, überwunden haben, steht in diesen in keiner Weise in Frage, dass Mediziner:innen, Naturwissenschaftler:innen und Jurist:innen auf ihren jeweiligen Gebieten als maßgebliche Instanz anzuerkennen sind.”

3. Richterbund fordert mehr Staatsanwälte und Richter für Kampf gegen Hass im Netz
(rnd.de, Tobias Peter)
Ab heute müssen Soziale Netzwerke Verdachtsfälle von Straftaten an das Bundeskriminalamt (BKA) melden. Die Justiz sieht eine Lawine an Arbeit auf sich zukommen: Der Deutsche Richterbund erwartet aufgrund der neuen Meldepflicht rund 150.000 zusätzliche Strafverfahren pro Jahr. Für den damit verbundenen Mehraufwand brauche es Hunderte zusätzliche Staatsanwälte und Richter.
Weiterer Lesehinweis: Twitter klagt gegen BKA-Zentralstelle: “Das soziale Netzwerk will keine Daten von Onlinehetzern an das Bundeskriminalamt weitergeben müssen: Nach ‘Spiegel’-Informationen hat Twitter kurz vor einem wichtigen Stichtag Klage eingereicht.” (spiegel.de)

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4. “Es ist gar nicht so einfach, die Stimmungsbremse zu sein”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Ulf Röller leitet das ZDF-Studio in Peking. Im Interview mit “DWDL” spricht er über die bevorstehenden Olympischen Spiele, die Arbeitsbedingungen in China und erzählt, wie es sich als deutscher Journalist im fernen Asien lebt.

5. Spotify will Hörer besser informieren
(faz.net)
Dem umstrittenen US-Comedian Joe Rogan wird vorgeworfen, in seinem Spotify-Podcast Falschinformationen über das Coronavirus und Impfungen zu verbreiten. Der kanadische Musiker Neil Young hatte als Reaktion seine gesamte Musik von der Streaming-Plattform entfernen lassen. Spotify hält an Rogan, den man zuvor für viele Millionen US-Dollar verpflichtet hatte, fest, arbeite nach eigener Aussage jedoch an einem “Hinweis”: “Wir arbeiten daran, jeder Podcast-Episode, die eine Diskussion über Covid-19 enthält, einen Inhaltshinweis hinzuzufügen”.

6. Harald Schmidt kann selbst nicht glauben, dass seine alten Spielchen noch funktionieren
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Harald Schmidt hat dem “Spiegel” ein Interview gegeben, bei dem man, wie so oft bei ihm, nicht weiß, was Ernst gemeint und was Schmidtsche Performance ist. Stefan Niggemeier kommentiert: “Immer wieder betont Schmidt im ‘Spiegel’-Interview, dass man keine seiner Aussagen für bare Münze nehmen kann. ‘Ich sage Sätze und gucke, was passiert.’ Für mich reduziert das erheblich den Reiz, seine Sätze zu lesen – und noch mehr, ihm Fragen zu stellen. Aber die ‘Spiegel’-Leute sind da schmerzfrei.” Niggemeiers Fazit: “Es ist bloße kalkulierte Aufmerksamkeitsökonomie, und dass dieses Kalkül aufgegangen ist, beweist die Existenz des Artikels.”

Ist “Bild” toxisch?, Verrat am Journalismus, Ungeimpft-Inserate

1. Wie gefährlich ist Bild?
(journalist.de, Michael Kraske)
Ist “Bild” toxisch? Michael Kraske beschäftigt sich in einer ausführlichen Analyse mit der Entwicklung der “Bild”-Medien in den vergangenen Jahren. Er hat dazu bei Medienwissenschaftler Volker Lilienthal und dem aktuellen “Bild”-Chef Johannes Boie nachgefragt. Der ebenfalls um eine Stellungnahme gebetene Springer-Chef Mathias Döpfner wollte nicht antworten, was Kraske wie folgt kommentiert: “Döpfners Wort hat Gewicht. Er hat eine doppelte Vorbildfunktion, weil er eben nicht nur der Kopf des Springer-Verlags, sondern auch der journalistischen Medienhäuser im Land ist. Döpfner lässt über einen Sprecher mitteilen, dass er es vorzieht, die journalist-Anfrage nicht zu beantworten. Das sagt dann auch einiges.”

2. Erst Dummheit, dann Mutwillen
(taz.de, Silke Burmester)
Das Verlagshaus Gruner + Jahr geht in den Medienkonzern RTL auf. Für Silke Burmester Anlass für eine ganz persönliche Schlussbetrachtung: “Ich habe mich über die Jahre an Gruner + Jahr abgearbeitet. In meiner taz-Kolumne ‘Die Kriegsreporterin’ verging kaum eine Woche, in der ich nicht etwas aufgespießt habe, das für die leise Verabschiedung vom hehren Journalismus stand. Es sind nicht einmal die Hitler-Tagebücher, die ich dem Verlag ankreide. Das hätte wohl jedem der Häuser passieren können. Nein, was ich dem Verlag bzw. seinen Verantwortlichen übel nehme, ist der Verrat am Journalismus, den das Haus begangen hat. Zunächst durch Dummheit, dann durch Mutwillen.”

3. Stellengesuche ungeimpfter Pflegekräfte führen ins Leere
(rbb24.de, Andreas Rausch)
“Ich dachte, das ist ja krass …” Als Andreas Rausch ein Bautzener Anzeigenblatt in die Hände nahm, entdeckte er darin mehr als einhundert angebliche Stellengesuche von impfunwilligen Angehörigen der Gesundheitsberufe. Er beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und versucht in mehreren Fällen, die Männer und Frauen, die die Inserate geschaltet haben sollen, anzurufen. Doch die angegebenen Nummern sind entweder nicht vergeben oder es ist dauerbesetzt oder es folgen anonyme Mailbox-Ansagen.
Weiterer Lesetipp: Laut Lars Wienand tritt dieses Phänomen auch in anderen Städten auf: Ungeimpfte: Der große Schwindel mit Stellengesuchen (t-online.de).

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4. Wenn Internetwerbung Demokratie gefährdet
(verdi.de, Bärbel Röben)
Der Werbeexperte Thomas Koch ist auf der digitalen “Konferenz zur Medienzukunft” mit der Werbebranche ins Gericht gegangen. Fünf Prozent aller Werbegelder deutscher Unternehmen würden auf Websites wie dem rechtsextremistischen “Breitbart”-Portal landen. Damit würden die Firmen sowohl den guten Ruf der Marke als auch die Demokratie gefährden. Bärbel Röben fasst die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Kochs zusammen, der Mitgründer der Kampagne “StopFundingHateNow” ist.

5. Sie sind so frei
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Jürgen Schmieder berichtet über die Übernahme der “Chicago Sun-Times” durch die Non-Profit-Organisation Chicago Public Media. Der Vorgang zeige, dass US-amerikanischen Medien eine Chance haben können, ohne Milliardär-Mäzen oder Hedgefonds zu überleben: “Der Deal, dessen Einzelheiten wie zum Beispiel Kaufpreis noch nicht bekannt sind, dürfte nicht nur die Medienlandschaft in Chicago verändern, sondern auch höchste Aufmerksamkeitswellen durch die komplette Branche senden.”

6. US-Behörden ermitteln nach Flugzeugabsturz von YouTuber
(spiegel.de, Jörg Breithut)
Es deutet vieles darauf hin, dass ein US-amerikanischer Youtuber Ende November absichtlich einen Flugzeugabsturz herbeigeführt hat, den er wie einen Unfall aussehen lassen wollte. Experten im Netz haben dafür jedenfalls einige Hinweise gefunden. “Spiegel”-Autor Jörg Breithut hat sowohl das Absturzvideo als auch ein skeptisches Reaktionsvideo in seinen Artikel eingebettet.

Telegram verbannen, “Katapult”-Gespräch, Ein “Querfront-Magazin”?

1. Faeser will Telegram aus den App-Stores werfen lassen
(spiegel.de)
Bundesinnenministerin Nancy Faeser will Apple und Google auffordern, die umstrittene Messenger-App Telegram wegen nicht gelöschter Gewaltaufrufe und Hetze aus den jeweiligen App-Stores zu verbannen. Sie wolle die dominierenden Anbieter an ihre “gesellschaftliche Verantwortung” erinnern. Der “Spiegel” kommentiert: “Ein Rauswurf aus den App-Stores wäre keineswegs das Ende für die App: Bestehende Nutzerinnen und Nutzer könnten die App weiterhin nutzen, allenfalls an Updates zu kommen, könnte für sie schwierig werden.” Dennoch könne eine Sperrung das Wachstum der App bremsen.

2. “Wir müssen immer die Guten sein!”
(journalist.de, Jan Freitag)
“Katapult” ist in vielfacher Hinsicht ein Phänomen: Das Magazin hat sich mit seinen Karten und Datenvisualisierungen mehr oder weniger aus dem Nichts eine große Fangemeinde aufgebaut, hat mittlerweile fast 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und will nach dem Einstieg in den Lokaljournalismus eine Journalistenschule gründen. Jan Freitag hat sich mit dem umtriebigen Firmenchef unterhalten. Dabei geht es auch um die Frage, was das Unternehmen anders als die Mitbewerber macht.

3. Ein Querfront-Magazin?
(belltower.news, Vinzenz Waldmüller)
Das Onlinemagazin “Rubikon News” wurde von politisch eher links stehenden Personen gegründet, wird aber wegen der Vermischung linker und rechter Positionen oft als “Querfront-Magazin” bezeichnet. Ist diese Zuschreibung zutreffend? Vinzenz Waldmüller hat sich “Rubikon News” näher angeschaut und kommt zu lesenswerten Erkenntnissen.

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4. Unter den Opfern waren Deutsche
(kontextwochenzeitung.de, Minh Schredle)
Der Historiker und Germanist Ladislaus Ludescher hat sich im Rahmen einer Langzeitstudie mehr als 5.000 Folgen “Tagesschau” angeguckt und ausgewertet (PDF). Die Ergebnisse würden deutlich zeigen, “dass sich die Berichterstattung stark auf den sogenannten Westen konzentriert, während die Länder des Globalen Südens (die sogenannte Dritte Welt beziehungsweise die sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländer) in der Berichterstattung massiv und konstant vernachlässigt werden”. Minh Schredle hat mit Ludescher über die Ergebnisse der Studie gesprochen, über “vergessene Welten und doppelte Standards”.

5. Lkw-Unfall auf der A 2: Die Klarstellung
(eurotransport.de, Jan Bergrath)
“Dies ist die Geschichte eines furchtbaren falschen Verdachts, den deutsche Medien gegenüber einem Lkw-Fahrer Ende Juni 2021 veröffentlichen. ‘Zwei Tote bei Horror-Unfall auf der A2. Handy beschlagnahmt! War der Lkw-Fahrer abgelenkt?’ So titelte etwa die BILD-Zeitung.” Jan Bergrath klamüsert in seinem Blogbeitrag detailliert auseinander, was in dem Fall medial alles schiefgelaufen ist, und zeigt, wie wichtig gründliche Recherche und verantwortungsvolle Berichterstattung sind.

6. #trending Weekly: The Beginning
(meedia.de, Jens Schröder)
Nachdem sich Jens Schröder Mitte Dezember nach mehr als 1.000 Ausgaben von seinem verdienstvollen, täglichen #trending-Newsletter verabschiedet hat, kommt er nun mit einem wöchentlichen Format zurück. In den Augen des “6-vor-9”-Kurators eine ausgesprochen gute Nachricht, denn die gänzliche Einstellung hätte eine große Lücke hinterlassen. Die aktuelle Ausgabe bietet direkt jede Menge interessanten Lesestoff.

Appell der Faktenprüfer, Unwort “Pushback”, Ausgeschlagene Zähne

1. Offener Brief an die CEO von YouTube von Faktenprüfern aus der ganzen Welt
(correctiv.org)
Mehr als 80 professionelle Faktencheck-Organisationen aus über 40 Ländern wenden sich in einem offenen Brief an Youtube: “Als internationales Netzwerk von Faktencheck-Organisationen beobachten wir, wie sich Lügen im Internet verbreiten – und wir sehen jeden Tag, dass YouTube einer der wichtigsten Kanäle für Online-Desinformation und Fehlinformationen weltweit ist.” Sie belassen es jedoch nicht bei ihren Vorwürfen, sondern machen konkrete Vorschläge zur Beseitigung des Missstands und bieten Youtube ihre Mitarbeit an.

2. “Pushback” ist Unwort des Jahres 2021
(tagesschau.de)
Die Jury der “Sprachkritischen Aktion” kürt jedes Jahr das “Unwort des Jahres”. Dieses Jahr hat sie sich für den Ausdruck “Pushback” entschieden. Der Begriff beschönige einen Prozess der Abschiebung, der Menschen die Möglichkeit verwehre, das Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen: “Den Flüchtenden wird somit ein faires Asylverfahren vorenthalten. Der Einsatz des Fremdwortes trägt zur Verschleierung des Verstoßes gegen die Menschenrechte und das Grundrecht auf Asyl bei. Mit dem Gebrauch des Ausdrucks werden zudem die Gewalt und Folgen wie Tod, die mit dem Akt des Zurückdrängens von Migrant:innen verbunden sein können, verschwiegen.”
Weiterer Lesehinweis: Bei Twitter erklärt Europaparlamentarier Erik Marquardt, warum er die Wahl “sehr gut” finde, die Begründung der Jury aus seiner Sicht jedoch den Kern des Problems verfehle.

3. Warum Gegenrede nicht immer funktioniert
(netzpolitik.org, Olaf Pallaske)
Ein Forscherteam einer Schweizer Hochschule habe nachgewiesen, dass Hassrede durch Gegenrede reduziert werden kann. Dies gelte jedoch nicht uneingeschränkt und es bleibe offen, ob Gegenrede auch zu einer tatsächlichen Meinungsänderung führen kann. Zudem drohe der sogenannte Backfire-Effekt, eine emotionale Abwehrreaktion, die selbst dann auftrete, wenn die Informationen auf anerkannten Fakten basieren.

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4. Zusammenführung: RTL und Gruner + Jahr starten gemeinsam mit 7500 Mitarbeitenden
(rnd.de)
Nachdem im Sommer 2021 bekannt wurde, dass RTL weite Teile des Medienkonzerns Gruner + Jahr erworben hatte, ist nun die Zusammenführung der zwei Unternehmen erfolgt. Bei dem erweiterten Unternehmen RTL Deutschland würden nun in Köln, Hamburg, Berlin und an 14 weiteren deutschen Standorten 7.500 Personen arbeiten.
Weiterer Lesehinweis: Bei “DWDL” analysiert Chefredakteur Thomas Lückerath den Zusammenschluss: Gewinner und Verliererinnen der großen RTL-Rochade.

5. Voraussetzung für Rundfunk-Demokratie
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
“Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird 2022 ein wegweisendes Jahr. Erst soll die Senderverfassung, sprich Auftrag und Struktur, überarbeitet werden, im zweiten Schritt steht die Reform der Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio an.” Joachim Huber erklärt, was da im Einzelnen auf die Verantwortlichen zukommt.

6. Alle Kosten selbst tragen
(taz.de, David Muschenich)
Als Teil eines Filmteams wollte die Journalistin Lea Remmert 2020 die Demonstrationen zum 1. Mai begleiten, als sie von einem Polizeitrupp überrannt und verletzt wurde. Das Resultat: zwei ausgeschlagene Zähne und eine hohe Zahnarztrechnung. Verantwortung dafür wolle jedoch niemand übernehmen, auf den Kosten werde sie wohl sitzen bleiben.

Vielfaltsgerede, Superspreader der Desinformation, “Goldener Günter”

1. Because it’s 2021!
(journalist.de, Stephan Anpalagan)
“Es gibt nur wenig, was mich so anödet, wie das Gerede von Vielfalt.” Stephan Anpalagan hat sich seinen Frust über die wortreich verkündete, aber unzureichend umgesetzte Vielfalt von der Seele geschrieben, und der ist angesichts der von ihm geschilderten Beispiele verständlich: “Auch wenn die Bevölkerung in Deutschland vielfältig ist, ihre öffentliche Darstellung ist es nicht. Im Gegenteil. Es passiert selten genug, dass nichtweiße, nichtheterosexuelle und nichtchristliche Menschen als Models, Bundestagskandidaten oder Karnevalsprinzenpaare auf Werbeplakaten oder Titelblättern abgebildet werden. Wann immer dies aber geschieht, fühlen sich Teile dieses Landes bemüßigt, aller Welt zu zeigen, wie es um ihre Kinderstube bestellt ist.”

2. Keine Angst vor der Angst
(message-online.com, Matthias Kalle)
Der freie Journalist und Autor Matthias Kalle kann auf eine bewegte Medien-Karriere zurückblicken, mit Stationen bei “jetzt”, beim “Tagesspiegel”, bei “Neon”, “Zitty”, bei der “Vanity Fair” und dem “ZEITmagazin”. In einem Impulsvortrag vor Journalistik-Studierenden der Universität Hamburg hat Kalle über seinen Lebensweg und seine Ängste gesprochen, die ihn manchmal gelähmt und manchmal angetrieben haben. Unbedingt lesenswert und eines der Highlights des Jahres, weil sehr persönlich und von seltener Offenheit.

3. Superspreader der Desinformation
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
Die “World Doctors Alliance” (“WDA”) beziehungsweise Mitglieder der “WDA” würden immer wieder durch irreführende Behauptungen zu Covid-19 auffallen. Nun hat sich das Institut für strategischen Dialog mit dem umstrittenen Mediziner-Zusammenschluss beschäftigt: “Die deutsche ISD-Analyse liegt tagesschau.de vorab vor; der Bericht dokumentiert, wie sich die Mitglieder der ‘World Doctors Alliance’ zu Superspreadern der Desinformation entwickeln konnten. Konkret zeigen Datenauswertungen, welche immense Reichweite die WDA auf Facebook erreichen konnte – und wie Facebook es nicht schaffte, die Inhalte maßgeblich einzuschränken.”

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4. Journalismus kaum noch möglich
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 7:06 Minuten)
Nach der Machtübernahme der Taliban ist es in Afghanisten leider zu dem gekommen, was viele befürchtet und vorhergesagt haben: Innerhalb weniger Monate ist fast jedes zweite Medienangebot verschwunden. Außerdem hat die große Mehrheit der Frauen, die im Medienbereich tätig waren, ihre Jobs verloren. Besonders schlimm ist die Lage in den Provinzen.

5. Die Peinlichkeiten des Jahres: Der Goldene Günter 2021 ist da
(dwdl.de, Thomas Lückerath & Alexander Krei & Timo Niemeier & Manuel Weis)
Die Redaktion des Medienmagazins “DWDL” kürt regelmäßig die Peinlichkeiten des vergangenen Medienjahres mit einem Negativpreis: dem “Goldenen Günter”. Hintergrund der seit 2008 vergebenen Auszeichnung sei eine Aussage des ehemaligen ARD-Programmdirektors Günter Struve. Dieser habe eine Sendung mit der Künstlerin Lady Bitch Ray als “ziemlich ui-jui-jui” bezeichnet. Bis zum 26. Dezember kann man seine Stimme abgeben. Die Auswahl an Peinlichkeiten ist dieses Jahr besonders groß und reicht von Medienfiguren wie Mathias Döpfner und Dirk Ippen bis zu wegretuschierten Personen und Logos und gefakten Dokumentationen.

6. 2021 war ein TikTok-Jahr
(spiegel.de)
Der Internet-Dienstleister Cloudflare habe analysiert, welches Internetangebot dieses Jahr den meisten Datenverkehr verursachte. Auf Platz 1 im Ranking liege die Kurzvideoplattform TikTok. Die Zahlen seien jedoch mit Vorsicht zu genießen, so der “Spiegel”, zumal pornografische Angebote von der Analyse ausgeschlossen gewesen seien.

Falsche Fitz, Klicks mit Neonazi, Viel zu tun bei Deutscher Welle

1. “Die Aussage von Lisa Fitz ist nachweislich falsch”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
In der ARD-Sendung “Spätschicht” von SWR und 3sat kritisierte die Kabarettistin Lisa Fitz die Corona-Politik und behauptete fälschlicherweise, es gäbe EU-weit 5.000 Corona-Impftote. Darauf folgte verständlicher Protest. Nach anfänglichem Widerstand hat nun der SWR die Sendung aus der ARD-Mediathek genommen und auch beim SWR depubliziert. Selbstkritisch räumt SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler ein: “Meinungsfreiheit ist für uns ein hohes Gut. Dennoch war die erste Reaktion falsch, weil es hier eben nicht um eine Meinungsäußerung geht. Die dadurch ausgelöste Diskussion trifft uns im SWR, aber wir möchten allen Kritikerinnen und Kritikern ausdrücklich danken.”

2. Wäre ein nach ihm benannter Platz nicht eine “schöne Erinnerung” an einen Neonazi?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Am Freitag hat das Online-Magazin ‘Ruhr24’ einigen Rechtsextremisten eine Freude gemacht. Es lud zur Abstimmung, ob in Dortmund ein Platz nach Siegfried Borchardt benannt werden sollte, dem als ‘SS-Siggi’ überregional bekannten Neonazi, der im Oktober gestorben ist.” Stefan Niggemeier berichtet über die fragwürdige Masche eines sogenannten “Reichweitenportals”, hinter dem der Verlag Lensing Media (u.a. “Ruhr Nachrichten”) und die Verlagsgruppe Ippen (u.a. “Münchner Merkur”) stecken.

3. Noch viel zu tun bei der Deutschen Welle
(sueddeutsche.de, Moritz Baumstieger)
Nachdem sich Mitarbeiter der Arabisch-Redaktion der Deutschen Welle in Sozialen Medien antisemitisch geäußert hatten, hat der deutsche Auslandssender eine Untersuchung eingeleitet, die von der ehemaligem Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und dem deutsch-israelischen Psychologen und Autor Ahmad Mansour geleitet werden. Außerdem sorgen neue Vorwürfe, die die Wahl von Partnermedien betrafen, für Unruhe. Ein grundsätzlicher Kulturwandel scheine auch nach den jüngsten Enthüllungen nicht in Sicht, so “SZ”-Redakteur Moritz Baumstieger.

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4. Das Beste zum Schluss: Der journalistenfilme.de-Jahresrückblick 2021
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Seit 2015 bespricht Patrick Torma auf seinem Filmblog Kino- und TV-Produktionen mit direktem oder indirektem Journalismus-Bezug: Welche journalistischen Werte vermittelt ein Film? Welche realen Scoops liegen den Beiträgen zugrunde? Auf welche Dramatisierungen und Klischees greift eine Serie zurück? Zum Jahresausklang zieht Torma Bilanz und verrät seine liebsten Filme des Jahres.

5. Christine Strobl: Die Dirigentin der Vielstimmigkeit
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Seit nicht mal acht Monaten leitet Christine Strobl die Programmdirektion des ARD-Gemeinschaftsprogramms Das Erste. In dieser Zeit seien ihr bislang einige Neuerungen gelungen, lobt Uwe Mantel: “Dass sie diese vielstimmige ARD-Kappelle zu dirigieren weiß, hat sie nun bewiesen. Bleibt ihr, der ARD und allen Beitragszahlerinnen und -zahlern zu wünschen, dass sie in ihrem Reformeifer nicht nachlässt.”

6. Satirepreis: “heute-show” verleiht Markus Söder den “Goldenen Vollpfosten”
(rnd.de)
Der CSU-Politiker und bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist beim Jahresrückblick der “heute-show” mit der vielleicht wichtigsten Trophäe der deutschen Satireszene ausgezeichnet worden: dem “Goldenen Vollpfosten”. Weitere “Vollpfosten” gingen unter anderem an den Messengerdienst Telegram, den Kölner Kardinal Woelki und Ex-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

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