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16 Anwälte, Schröders Büro ist eine Behörde, Janich festgenommen

1. 16 Anwälte vertreten RBB in Causa Schlesinger
(t-online.de)
In der Auseinandersetzung mit seiner ehemaligen Intendantin Patricia Schlesinger bringt der rbb offenbar sage und schreibe 16 Anwälte in Stellung. Beim “Tagesspiegel” fragt Kurt Sagatz ungläubig: “Mehr als eine Million Euro allein für Anwaltshonorare?” Unterdessen hat die rbb-Geschäftsleitung ihre Gehälter und Bonuszahlungen offengelegt, die Bezüge der abberufenen Intendantin Schlesinger jedoch nicht publik gemacht. Bei “DWDL” berichtet Thomas Lückerath von einer weiteren Auswirkung des Schlesinger-Skandals: “ARD Media sagt exklusives Werbekunden-Dinner ab”. Für das Medienmagazin “Zapp” ist Caroline Schmidt nach Berlin gereist und hat sich bei rbb-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern erkundigt, wie sie mit dem zwangsläufig entstandenen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust umgehen. Außerdem gibt es von “Zapp” eine halbstündige Sondersendung: Der Fall Schlesinger und die Folgen: “Wie konnte es dazu kommen, dass fragwürdige Beraterverträge, dienstlich abgerechnete Abendessen in der Privatwohnung und eine luxuriöse Büro-Ausstattung offenbar weder im RBB selbst noch in den Aufsichtsgremien auffielen?” (ndr.de, Kathrin Drehkopf, Video)

2. Schrö­ders Büro ist eine eigene Behörde
(lto.de)
Das Bundeskanzleramt muss dem Journalisten Arne Semsrott (“FragDenStaat”) keine Auskunft darüber erteilen, welche Gesprächstermine das Büro von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in den Jahren 2019 bis 2022 vereinbart hat. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Schröders Büro sei eine “eigenständige Behörde”.

3. Keine “Staungeschichten”: Anbieter von Wissenschaftsinformationen im Check-up
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Für den “Fachjournalist” hat Gunter Becker zwei Wissenschafts-Informationsdienste für Medienschaffende unter die Lupe genommen: das Science Media Center sowie den Informationsdienst Wissenschaft. Was bieten sie? Wie kann man damit arbeiten? Und wie gelangt man an einen Zugang?

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4. “Totales Desaster” für die gesamte Buchbranche
(buchmarkt.de, Gerhard Beckmann)
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sollte sich unbedingt gegen die Aufnahme von Amazon entscheiden, findet Gerhard Beckmann. Dem Unternehmen müsse vielmehr entschlossen entgegengetreten werden: “Heute bedarf es in der Bundesrepublik eines entschiedenen, konsequenten Vorgehens der Verlage und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gegen Amazon, gegen ein sich selbst als ‘Technologie’-Konzern adelndes US-Handelsunternehmen: zum Schutz von Autoren und Lesern, von Büchern, Bildung, Kultur und Unterhaltung, gegen Amazons skrupellosem Missbrauch von Gesetzen, Regeln, historisch gewachsenen und sinnvollen Usancen unseres Buchmarkts.”

5. Saudi-Araberin für Twitter-Botschaften zu 34 Jahren Haft verurteilt
(tagesspiegel.de)
In Saudi-Arabien sei eine Frau zu 34 Jahren Haft verurteilt worden, weil sie sich auf Twitter für Frauenrechte eingesetzt habe. Die Mutter zweier Kinder mit lediglich 2.600 Followern, habe “denjenigen Hilfe geleistet, die versuchen, die öffentliche Ordnung zu stören und falsche und böswillige Informationen zu verbreiten”, so der Vorwurf. Wie die Nachrichtenagentur AFP mitteilt, studiere die Saudi-Araberin Zahnmedizin in England und sei überraschend während eines Urlaubs in ihrem Heimatland festgenommen worden.

6. Oliver Janich auf den Philippinen festgenommen
(spiegel.de)
Wie der “Spiegel” berichtet, ist der szenebekannte Verschwörungsradikale Oliver Janich auf den Philippinen verhaftet worden. Die dortigen Behörden würden wegen des Verdachts einer Straftat gegen Janich vorgehen. Außerdem liege seit April ein deutscher Haftbefehl wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten sowie Beleidigung gegen ihn vor. Janich gilt als einer der radikalsten deutschen Verschwörungsideologen.

rbb-Dickicht, Reichelt und der Milliardär, Keine privilegierte Quelle

1. rbb-Spitze verschweigt wahre Höhe von Top-Gehältern
(rbb24.de, René Althammer & Jo Goll & Daniel Laufer & Oliver Noffke & Gabi Probst)
So unerfreulich die Vorgänge um die ehemalige rbb-Intendantin Patricia Schlesinger sind, so erfreulich sind die Anstrengungen des rbb-Rechercheteams sowie anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders, für Aufklärung zu sorgen – auch wenn dies, wie im Fall der Bonuszahlungen, zu weiteren schlechten Nachrichten führt. Über die Geheim-Boni hat zuerst “Business Insider” berichtet (“RBB zahlte Ex-Intendantin Schlesinger und ihren vier Direktoren mehr als 200.000 Euro an ‘Zielprämien’ pro Jahr”). Zuvor hatte der rbb-Interimsintendant offenbar noch bestritten, dass es derartige Boni gegeben hat. Der “Tagesspiegel” berichtet ausführlicher von der Beratung des Hauptausschusses des Brandenburger Landtags, bei der Vertreter und Vertreterinnen des öffentlich-rechtlichen Senders befragt wurden. Bei “DWDL” kommentiert Uwe Mantel die Sondersitzung: “Doch abseits der konkreten Aufarbeitung von möglichem Fehlverhalten von Schlesinger, Wolf oder weiteren führenden RBB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss es mit Blick auf die Zukunft nun dringend auch darum gehen, wirklich wirksame Kontrollmechanismen und -gremien zu etablieren. Dass das mit einem solchen ehrenamtlich zusammengesetzten Gremium nicht möglich ist, scheint nach der heutigen Diskussion offensichtlich.”
Und dann noch ein Gucktipp für heute Abend: In einer Sondersendung wird das NDR-Medienmagazin “Zapp” über den Fall Schlesinger, die schmerzhafte Aufarbeitung und Forderungen der Belegschaft, die gesamte Geschäftsleitung auszutauschen, berichten (NDR, heute Abend, 23:15 bis 23:35 Uhr, anschließend in der Mediathek).

2. Neue Hinweise auf Reichelt-Kooperation mit Milliardär
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe & Lars Wienand)
Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt könnte für sein neues, rechtspopulistisches Medienprojekt nach Informationen von t-online.de einen finanzstarken Förderer im Rücken haben: “Seit Monaten mehren sich Indizien für eine Kooperation mit dem konservativen Milliardär Frank Gotthardt, der nicht nur Hauptgesellschafter der Kölner Haie ist – sondern mit seinem Regionalsender TV Mittelrhein und WWTV auch im regionalen Fernsehgeschäft tätig.” Nun gebe es neue Hinweise für die Verbandelung mit dem Milliardär.

3. Die Polizei ist keine privilegierte Quelle
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Nach Ansicht von netzpolitik.org-Redakteur Markus Reuter übernehmen zu viele Redaktionen unkritisch, was die Polizei verlautbart: “Trotz zahlreicher Vorfälle von Desinformation in den letzten Jahren schreiben immer noch viele Journalist:innen treu-doof ab, was die Polizei auf Twitter, in Pressemitteilungen oder über ihre Sprecher:innen verbreitet. Dabei ist nicht erst seit dem vergangenen Wochenende Vorsicht angesagt.” Reuter nennt zahlreiche negative Beispiele und fordert: “Weil die Polizei diese Regeln immer wieder verletzt, muss die Presse sie endlich wie eine ganz normale Quelle behandeln.” Bislang gilt die Polizei als sogenannte priviligierte Quelle.

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4. Assanges Anwältinnen verklagen CIA
(tagesschau.de)
Zwei Anwältinnen des Wikileaks-Gründers Julian Assange gehen zivilrechtlich gegen den US-Geheimdienst CIA und dessen früheren Direktor Mike Pompeo vor. Sie seien während ihrer Besuche bei Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London bespitzelt worden, was nicht erlaubt sei: “Die Verfassung der Vereinigten Staaten schützt amerikanische Staatsbürger vor Übergriffen der US-Regierung, auch wenn diese Aktivitäten in einer ausländischen Botschaft in einem fremden Land stattfinden”, so ein Anwalt, der die beiden Frauen vertritt.

5. Die Ballade von Maria und Hubert
(sueddeutsche.de)
Christian Mayer hat Mitleid mit der “Bunten” aus dem Hause Burda: “Was könnte die Bunte alles erst über eine Trennung wie die von Hubert Burda und Maria Furtwängler schreiben! Man kann sich gut vorstellen, wie enttäuscht die diensthabenden Gefühlsanalysten im Verlag auf die Nachricht des Monats reagieren – was für ein opulentes Festmahl steht da gratis bereit, doch die Promiversteher sind in einer wirklich heiklen Lage, weil Burda schließlich der Besitzer der Zeitschrift ist.”

6. Erfreuliche Entwicklungen, dynamisch und zeitgemäß, unterstützt vom Verwaltungsrat
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Medienjournalist Stefan Niggemeier analysiert das öffentlich-rechtliche Verlautbarungssystem, das gelegentlich darin besteht, allerlei pathetische und wichtig klingende Floskeln zu einer Pressemitteilung zusammenzuwürfeln: “Ein paar Mal im Jahr bekomme ich Post vom Verwaltungsrat des NDR. Die E-Mail kommt über den Verteiler der Unternehmenskommunikation des Senders und enthält fast immer ein wörtliches Zitat der gerade amtierenden Vorsitzenden, das so bürokratisch, nichtssagend und unverwüstlich positiv klingt, als wäre es aus einem alten ‘Neuen Deutschland’ gefallen.”

Schlesinger abberufen, Overkill der Dating-Spots, Märchenhafte Friede

1. Patricia Schlesinger als rbb-Intendantin abberufen
(rbb24.de)
Der rbb-Rundfunkrat hat die ehemalige Intendantin Patricia Schlesinger mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Details müsse jetzt der Verwaltungsrat klären: “Er kann die Vertragsauflösung vollziehen und auch über eine mögliche Abfindung oder eventuelle Schadenersatzansprüche des rbb gegenüber Schlesinger entscheiden.”
Weitere Empfehlungen: In der “taz” kommentiert Ulrike Herrmann das Verhalten Schlesingers: “Schlesingers dumme Gier ist selten in den Oberschichten. Alle anderen bereichern sich legal. Insofern muss man der RBB-Intendantin sogar dankbar sein, dass sie so geizig war, dass sie weder Grenzen noch Vorsicht kannte.”
Beim Youtube-Format “Jung & Naiv” diskutierten unter der Leitung von Tilo Jung und Hans Jessen die Gäste Eva-Maria Lemke (rbb, “Abendschau”), Dagmar Bednarek (Vorsitzende der rbb-Freienvertretung) und Stefan Niggemeier (“Übermedien”) über den Schlesinger-Skandal (youtube.com, Video: 1:56:50 Stunden).

2. Immer wieder sonntags: Dating-Spots fluten das Fernsehen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Es sind schier unglaubliche Zahlen zum Werbespot-Aufkommen der Dating-Plattformen, von denen Uwe Mantel zu berichten weiß: “Am Sonntag liefen 460 Mal kurze Spots für die Dating-Plattform Parship, weitere 276 für ElitePartner”. Mantel vermutet: “Das könnte auch auf eine sonst etwas maue Werbeauslastung bei ProSiebenSat.1 hindeuten – denn die ParshipMeet Group ist eine Tochter des TV-Konzerns, dementsprechend wurde ein beträchtlicher Teil der Spots auch bei dieser Sendergruppe geschaltet.”

3. Wie vier Märchen aus 1001 Nacht
(tagesspiegel.de, Stephan Russ-Mohl)
Anlässlich des 80. Geburtstags von Friede Springer würdigt Stephan Russ-Mohl im “Tagesspiegel” den Werdegang der Medienmilliardärin, der geradezu märchenhaft begann: “Mit 23 Jahren und Volksschulabschluss bewirbt sie sich als Kindermädchen bei Deutschlands größtem Zeitungsverleger. Sie soll dessen dreijährigen Sohn betreuen und wird von der Ehefrau Axel Cäsar Springers angestellt – zu einem Zeitpunkt, als die vierte Ehe des Magnaten, der zuvor mit seinem offenbar unwiderstehlichen Charme zwei seiner Frauen einem Grundstücksnachbarn ausgespannt hatte, bereits deutlich auseinanderdriftet.”

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4. Abschied von der Sonntagszeitung
(meedia.de, Franz Sommerfeld)
“Der Sonntagmorgen verliert seinen Charme. Der Duft von frischem Kaffee zieht seltener durch die Wohnung, seitdem köstlicher grüner Tee mit Limone getrunken wird. Und nun verschwindet mit den Sonntagszeitungen auch noch die Frühstückslektüre.” Franz Sommerfeld, selbst viele Jahre Chefredakteur, verabschiedet sich wehmütig vom rituellen Genuss der Sonntagszeitung.

5. Karl Senne ist tot
(spiegel.de)
Der frühere ZDF-Sportchef und Mitgründer des “Aktuellen Sportstudio” Karl Senne ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Beim “Spiegel” werden die wichtigsten Stationen des Mannes nachgezeichnet, der über viele Jahre zu den Gesichtern der ZDF-Sportberichterstattung zählte.

6. Das Phänomen Nader El-Jindaoui
(deutschlandfunkkultur.de, Leon Ginzel, Audio: 8:33 Minuten)
Beim Deutschlandfunk Kultur geht man einem ungewöhnlichen Social-Media-Phänomen aus der Sportwelt nach, dem für die zweite Mannschaft von Hertha BSC spielenden Nader El-Jindaou, der mehr Follower bei Instagram habe als sein neuer Fußballverein. Wie ist El-Jindaou zu einem derart reichweitenstarken Influencer geworden? Und welche Auswirkungen hat sein Online-Erfolg auf die analoge Welt?

Causa Schlesinger, Unterhaltung statt Aufklärung, Bund fördert Projekte

1. RBB stellt weitere Managerin frei
(spiegel.de)
Die Affäre um die nunmehr ehemalige rbb-Intendantin Patricia Schlesinger zieht weitere Kreise. Nach “Spiegel”-Informationen habe der öffentlich-rechtliche Sender Verena Formen-Mohr, Leiterin der Hauptabteilung Intendanz, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die als Vertraute Schlesingers geltende Formen-Mohr war unter anderem für die ARD-Gemeinschaftseinrichtungen, die Unternehmensplanung und die Leitung der Projekte zum Neubau des Nachrichtencenters und des Digitalen Medienhauses des rbb zuständig. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Aufsichtsratschef der Messe Berlin, Wolf-Dieter Wolf, der wegen der Vergabe von Berateraufträgen in der Kritik steht, sein Amt niedergelegt habe.
Weiterer Gucktipp: In der “rbb24 Abendschau” geht man weiter unerschrocken dem Fall im eigenen Haus nach (rbb-online.de, Eva-Maria Lemke, Video: 28:59 Minuten).

2. Für mehr Kontrolle statt Abnicken: Schafft die Rundfunkräte ab!
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath sieht in der Causa Schlesinger auch ein systemisches Versagen und fordert die Abschaffung der Rundfunkräte: “Für die wirksame, wirtschaftliche Kontrolle der Geschäfte der Rundfunkanstalten sind sie völlig falsch aufgestellt: Dafür braucht es keine Repräsentation der deutschen Bevölkerung sondern Expertinnen und Experten. Es braucht echte Kontrolle, die sich ohne entsprechende Expertise nicht mal eben nebenher erledigen lässt.”

3. So beschissen wie Männer?
(taz.de, Silke Burmester)
Silke Burmester fühlt sich mit Blick auf die Vorwürfe gegen Patricia Schlesinger im Kampf um gleiche Rechte und gleiche Chancen für Frauen verraten. In einem “taz”-Kommentar schreibt sie: “Hat Schlesinger eine Ahnung, wie dumm wir Kämp­fe­r*in­nen jetzt dastehen, wie dünn unsere Argumente werden, wenn wir die Notwendigkeit von Frauen in Führung mit einem anderen Führungsstil und einem anderen Blick für und auf die Gesellschaft begründen?” Burmester beendet ihren Text mit einem lakonischen Gedanken: “Vielleicht ist auch das Teil des feministischen Kampfes: zu verstehen, es geht nicht nur darum, Frauen die Möglichkeit zu erstreiten, genauso scheitern zu können wie Männer. Es geht auch darum zu akzeptieren, dass sie sich oft genug genauso beschissen verhalten.”

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4. Journalisten machen weiter
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen macht auf die katastrophalen Bedingungen für Journalistinnen und Journalisten in Belarus aufmerksam. Seit der Scheinwiederwahl von Machthaber Alexander Lukaschenko vor zwei Jahren habe sich die Situation dramatisch verschlechtert: “Im Zuge seiner Kampagne gegen jedwede Kritik verschärfte Lukaschenko auch die belarussischen Mediengesetze. Seitdem wurden zahlreiche Medienschaffende verhaftet und mit Geldstrafen oder Zensur belegt. Auch Misshandlungen, Folter und Repressionen gegen Angehörige von Journalistinnen und Journalisten gehören zum Repertoire des Regimes.”

5. Bund fördert Projekte zur strukturellen Stärkung des Journalismus – Förderung von zehn Projekten mit rund 2,3 Millionen Euro
(bundesregierung.de)
Die Bundesregierung fördert zehn Projekte zum Schutz und zur strukturellen Stärkung des Journalismus mit einer Gesamtsumme von rund 2,3 Millionen Euro aus dem Etat für Kultur und Medien. Nach dem Förderaufruf seien 31 Anträge eingegangen, von denen eine Fachjury zehn Projekte ausgewählt habe.

6. Unterhaltung statt Aufklärung
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio: 5:10 Minuten)
Ob “Bild” oder “Spiegel”: Viele Medien arbeiten mit Online-Umfragen der Institute Insa oder Civey. Der wissenschaftliche Leiter des Institus für Umfragen, Analysen und DataScience in Duisburg, Frank Faulbaum, kann dieser Art von Demoskopie wenig abgewinnen. Die ausführenden Institute würden bei ihren Befragungen oft selbstselektiv vorgehen, also nicht nach dem Zufallsprinzip.

Schlesinger und das Nachbeben, Strafbare Hetze?, Investigativ im Netz

1. Wie geht es weiter?
(rbb-online.de, Sarah Oswald, Video: 16:14 Minuten)
In der Affäre um die rbb-Intendantin Patricia Schlesinger ist einiges kaputtgegangen, was das Vertrauen ins öffentlich-rechtliche System und die Reputation des Senders anbelangt. Erfreulich ist jedoch, wie Teile der rbb-Belegschaft für Aufklärung sorgen wollen. So ist es bemerkenswert, wie unerschrocken “Abendschau”-Moderatorin Sarah Oswald den Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus ins Verhör nimmt. Empfehlenswert ist auch das “rbb24 Spezial”, das sich mit den Vorgängen im eigenen Haus beschäftigt (Video, 19:10 Minuten).
Mittlerweile ermittelt auch die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des “Verdachts der Untreue und Vorteilsannahme”, wie Alexander Fröhlich im “Tagesspiegel” berichtet. In einem weiteren Beitrag berichtet die Redaktion über ein illustres Abendessen zu Hause beim Ehepaar Schlesinger, für das die Gebührenzahlenden mit über 1.100 Euro zur Kasse gebeten wurden. Besonders pikant ist die Reaktion der damals miteingeladenen Polizeipräsidentin Berlins, die überrascht ist: “Frau Dr. Slowik hat die Information darüber, dass die Kosten für ein Abendessen bei der Familie Schlesinger und Spörl dem RBB in Rechnung gestellt wurden, mit großem Erstaunen und Irritation am gestrigen Tag zur Kenntnis genommen”, so ein Polizei-Sprecher: “Es war für sie in keiner Weise ersichtlich, dass dieses Treffen einen beruflichen Hintergrund hatte.”
Im Deutschlandfunk kommentiert Olaf Steenfadt von der Initiative “Unsere Medien” die Causa Schlesinger, und in den “Tagesthemen” befindet Medienkritiker Stefan Niggemeier: “Der Schaden für die ARD ist immens.”

2. Bloßes Theater oder straf­bare Hetze
(lto.de, Arne Klaas)
In einem von der rechtsextremen Gruppe “Freies Heidenau” geteilten Video wurde die Entführung von Wirtschaftsminister Robert Habeck inszeniert. Haben sich die Videohersteller damit strafbar gemacht? Die zuständige Staatsanwaltschaft hat jedenfalls die Ermittlungen aufgenommen. Rechtsanwalt Arne Klaas stellt in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online” die in Frage kommenden Straftatbestände vor.

3. Investigativ im Netz
(drehscheibe.org, Max Wiegand, Audio: 24:45 Minuten)
Im “drehscheibe”-Podcast erzählt Investigativreporterin Isabell Beer von ihren Recherchen, in denen sie in ein Netzwerk aus Vergewaltigern und Voyeuren (PDF) oder in die Online-Drogenszene (PDF) eintaucht. Wie verarbeitet sie das im Netz Gesehene? Und warum sollten auch Lokalzeitungen mehr im Internet recherchieren?

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4. Sendungsbewusstsein außerhalb der Echokammer
(netzpolitik.org, Thomas Seifert)
Eine neue Studie beschäftigt sich mit dem Verhalten von deutschen Twitter-Nutzern und -Nutzerinnen bei der Europawahl. Thomas Seifert fasst zusammen: “Als Ergebnis haben sie die Annahme widerlegt, dass rechtsradikale Nutzer:innen abgeschlossene Echokammern bilden würden. In Echokammern konsumieren die Nutzer*innen – ähnlich wie bei einer Filterblase – nur Meldungen, die in ihr Weltbild passen. Sie bestärken ihre Ansichten in diesen Kammern gegenseitig und radikalisieren sich auf diese Weise. Die Befunde der Forscher*innen legen nun aber vielmehr ‘die Existenz einer selbstbewussteren Form von Echokammern nahe’.”

5. Kampf um den Hetzmarkt
(jungle.world)
Mit dem neu gegründeten Internetradiosender “Kontrafunk” und dem österreichischen Internetfernsehsender “AUF1” starten gleich zwei Medien ins Geschäft mit rechtem Gedankengut und toxischen Inhalten. Der Beitrag der “jungle.world” fasst dieses Geschäftsmodell der “Alternativmedien” zusammen und erklärt, wie sie sich finanzieren wollen.

6. Knossi über TV-Auftritte, sein Software-Startup und wie viel er mit Youtube verdient
(omr.com, Philipp Westermeyer, Audio: 1:03 Stunden)
Youtuber, Streamer und Unterhaltungskünstler Jens “Knossi” Knossalla war beim “OMR”-Podcast zu Gast: “Knossi erzählt von seiner abgesetzten RTL-Show ‘Täglich frisch geröstet’, spricht über seine Auftritte als Musiker im Megapark, das Software-Startup Digital Blast, an dem er beteiligt ist. Und er beziffert auf den Euro genau, wie viel er mit Youtube in den vergangenen 28 Tagen verdient hat.”

Schlesingers Rücktritt, Trollforum “Kiwi Farms”, Klimajournalismus

1. Schlesinger tritt als RBB-Intendantin zurück
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz & Alexander Fröhlich & Benjamin Lassiwe)
Nachdem Patricia Schlesinger am Donnerstag bereits von ihrem Posten als ARD-Vorsitzende zurückgetreten ist, legte sie gestern auch ihr Amt als RBB-Intendantin nieder. Zuvor hatte es neue Vorwürfe gegeben, welche sich auf allerlei Extra-Zuwendungen sowie die Kosten für den Umbau von Schlesingers Büro bezogen. In einem Kommentar schreibt Kurt Sagatz: “Noch größer, wenn nicht sogar irreparabel ist allerdings der Schaden für das Ansehen des RBB und die Reputation des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Nicht nur den erklärten Gegner von ARD, ZDF und Deutschlandfunk steht nun ein gewaltiges Arsenal von Beispielen zur Verfügung, was bei den Öffentlich-Rechtlichen im Argen liegt und warum dieses System nicht zu retten ist.”

2. Das Troll-Forum “Kiwi Farms”
(belltower.news)
“Belltower.News”, das Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung, analysiert “ein rechtsradikales Trollforum” namens “Kiwi Farm”, dessen User und Userinnen mehrere Menschen in den Suizid getrieben haben sollen: “Den Nutzer*innen wird unter der hohngrinsend vorgetragenen Behauptung, es würde um die Verteidigung von free speech gehen, jegliche Menschenverachtung durchgewunken. Die Plattform bietet eine Möglichkeit zur Vernetzung, zur gemeinsamen Suche nach neuen Opfern, und zum Austausch von Material zur weiteren Radikalisierung.”

3. Parteiisch, aber unabhängig
(taz.de, Christopher Wimmer)
Im Vergleich zum Rest Syriens herrscht im Nordosten Pressefreiheit mit einer hoch politisierten Medienladschaft. Ein entscheidender medialer Akteur sei dabei das “Rojava Information Center”, berichtet Christopher Wimmer: “Die unabhängige Medienorganisation mit Sitz in der Großstadt Qamişlo koordiniert die Arbeit internationaler Jour­na­lis­t*in­nen und veröffentlicht auch eigene Inhalte. Seit seiner Gründung 2018 hat sich das Center zu einem bedeutenden Akteur der lokalen Presselandschaft entwickelt.”

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4. Wie der Kreml die Pressefreiheit in Russland immer weiter einschränkt
(de.ejo-online.eu, Christopher Baczyk)
Die journalistische Berichterstattung in Russland war bereits vor dem Krieg gegen die Ukraine eingeschränkt, jetzt ist sie fast unmöglich. Christopher Baczyk fragt sich, wie es so weit kommen konnte, und wie die Russinnen und Russen noch an unabhängige Informationen kommen. Sein Fazit: “Es gibt kleine Hoffnungsschimmer. Doch die russische Medienlandschaft ist fest in der Hand des Kremls.”

5. Ich rede mit, also bin ich
(tagesspiegel.de)
Beim “Tagesspiegel” blickt “tip”-Chefredakteurin Stefanie Dörre auf die vergangene Medienwoche zurück: Worüber hat sie sich am meisten geärgert? Worüber am meisten gefreut? Und was empfiehlt sie gerade aus dem Internet?

6. Klimajournalismus
(sr.de, Isabel Sonnabend & Thomas Bimesdörfer, Audio: 19:04 Minuten)
Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen und diskutieren Isabel Sonnabend und Thomas Bimesdörfer mit Raphael Thelen vom Netzwerk Klimajournalismus. Ihre Themen: Wie sieht eine angemessene Klimaberichterstattung aus? Wo ist die Linie zwischen Journalismus und Aktivismus? Werden Klimathemen genug abgebildet? Und wie kann Klimajournalismus in einer neuen Form in Redaktionen integriert werden?

Untauglicher Schutz, Weg von Sendeplätzen, Verkaufte Globes

1. Untaugliche Pläne für Whistleblower-Schutz
(verdi.de, Daniel Moßbrucker)
Daniel Moßbrucker erläutert kenntnis- und detailreich, warum der neue Gesetzentwurf zum Umgang mit Whistleblowern aus seiner Sicht enttäuschend ist. Sein bitteres Fazit: “Die letzten Hoffnungen, doch noch eine bessere gesetzliche Regelung für Whistleblower zu schaffen, ruht nun auf den Bundestagsfraktionen, die den Beschluss der Bundesregierung hoffentlich ausgiebig diskutieren werden.”
Weitere Lesehinweise: Der bereits gestern in den “6 vor 9” verlinkte Beitrag “Entwurf lässt Hinweisgebende im Stich” (netzpolitik.org, Tomas Rudl) sowie die Stellungnahme des Deutschen Journalisten-Verbands.

2. “Wir müssen weg von Sendeplätzen denken”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Florian Hager ist seit Anfang März Intendant des Hessischen Rundfunks. Im “journalist”-Interview erläutert Hager, der zuvor das öffentlich-rechtliche Jugendangebot “Funk” mitaufgebaut hat, seine Pläne für die Umstrukturierung des Senders. Das betrifft immerhin etwa 1.700 Festangestellte und mehr als 900 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Schluss geht es noch um die Frage, was Hager aus seinem früheren Job als Kneipenwirt in Portugal für seine heutige Position mitnehmen konnte.

3. “The Atlantic” wird 165
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 6:11 Minuten)
Brigitte Baetz blickt im Deutschlandfunk auf die 165-jährige Geschichte des Magazins “The Atlantic” zurück, eine der wichtigsten Publikationen in den USA. Die Existenz des Magazins sei in den vergangenen Jahren immer wieder gefährdet gewesen. Als rettend hätte sich das sogenannten metered model erwiesen, bei dem die Nutzerinnen und Nutzer kostenlosen Zugriff auf eine bestimmte Anzahl eigentlich kostenpflichtiger Inhalte haben, aber auch die verstärkte Aufmerksamkeit während der Trump-Jahre.

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4. Neue Galgenfrist für den Werbe-Cookie
(spiegel.de)
Im Markt für Onlinewerbung gibt es heftiges Gerangel um die Existenz der Werbe-Cookies. Verschiedene Player mit unterschiedlichen Interessen versuchen, alternative Modelle durchzusetzen. Das gestalte sich jedoch auch für einen Internet-Giganten wie Google schwierig. Dort habe man den geplanten Umbau der Onlinewerbung von 2023 auf das Jahr 2024 verschoben.

5. “Es lohnt sich, in Geschichten zu investieren”
(blog.medientage.de, Cathrin Hegner)
Als Betreiberin eines Marktforschungsunternehmens beschäftigt sich Ines Imdahl unter anderem mit den Motiven für die Mediennutzung und mit Werbewahrnehmung. Im Interview mit dem Blog der Medientage München wird klar, wie schnell im Videozeitlalter eine “emotionale Reaktion” hergestellt werden müsse: “Ein Tutorial auf YouTube anzuschauen, kann heute schon als intensive Auseinandersetzung mit einem Thema gelten. Die Onlinevideos werden immer kürzer. Bei Instagram findet man noch einminütige Reels, bei TikTok sind die Top-viralen Videos gerade mal sieben Sekunden lang.” Was davon beim jungen Zielpublikum hängen bleibt, scheint jedoch eine andere Frage zu sein: “Wenn wir heute Probanden eine halbe Stunde TikTok oder Instagram gucken lassen, können sie sich hinterher an kaum etwas erinnern, unabhängig davon, ob es um Werbung oder andere Inhalte geht.”

6. Gehalt statt Geschenke
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) verkauft die Rechte an den Golden Globes an einen Milliardär. Jürgen Schmieder erklärt, mit wem man es auf Seiten des Verkäufers zu tun hat: “Die HFPA, die seit 1944 die Golden Globes vergibt und damit ihre Relevanz festigt, ist eine Vereinigung, deren Mitglieder sich bis an die Grenze der Bestechlichkeit (vielleicht auch darüber hinaus) einladen und beschenken lassen, journalistische Standards für eher nervig halten und offenbar kein Problem damit haben, dass keines der damals 87 Mitglieder schwarz ist.”

KW 29/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Klaus Brinkbäumer über seinen Abgang beim “Spiegel” und seinen Weg zum MDR
(youtube.com, Aline von Drateln & Markus Trantow, Audio: 47:03 Minuten)
Der Journalist Klaus Brinkbäumer hat einen spannenden Werdegang: “Spiegel”-Chefredakteur, USA-Korrespondent und seit etwa eineinhalb Jahren Programmdirektor des MDR. Aline von Drateln und Markus Trantow haben sich mit dem vielseitigen Medien-Profi unterhalten, der mit Rieke Havertz von der “Zeit” auch einen empfehlenswerten Podcast über die USA hostet (aktuelle Ausgabe: Der Ausschuss, der für Trump alles verändern könnte (zeit.de, Audio: 58:24 Minuten)).

2. Mehr Druck, weniger Qualität?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 35:15 Minuten)
Kürzlich erschien eine Studie der Otto Brenner Stiftung über die Auswirkungen der Medientransformation auf Journalistinnen und Journalisten. In der neuen Folge von “quoted. der medienpodcast” diskutieren die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura und der “SZ”-Autor Nils Minkmar die Ergebnisse dieser Untersuchung und sprechen mit einem der Verfasser der Studie, dem Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement Rainer Nübel.

3. Wie können Redaktionen diverser werden, Ferda Ataman?
(feeds.podcastproduzenten.de, Audio: 27:55 Minuten)
Warum sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte oder ohne akademischen Abschluss in Redaktionen nach wie vor unterrepräsentiert? Wo liegen im Alltag die Schwierigkeiten? Und welche erfolgreichen Beispiele gibt es? Um diese und weitere damit zusammenhängende Fragen geht es im Gespräch mit Ferda Ataman, Diversity-Expertin und frisch gewählte Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes.

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4. Podcast pitchen mit Sophia Wetzke
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 45:37 Minuten)
Bei “Hinter den Zeilen” erzählt Sophia Wetzke von ihren Erfahrungen mit dem Podcastprojekt “Greenhouse”: “Wir sprechen mit ihr über die Schwierigkeiten bei solchen Recherchen, z.B. wenn Quellen widersprüchliche Aussagen machen. Als langjährige Freie beim rbb, vor allem für radio eins, hat Sophia außerdem Einblick in die öffentlich-rechtlichen Gewerke und gibt Tipps, wie Pitches für neue Podcastformate am besten aussehen sollten.”

5. Prognosen von Extrem-Wetter und wo Onlinesucht anfängt
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 37:24 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” geht es unter anderem um Prognosen von Extrem-Wetter, eine Studie zu Porno- und Online-Sucht, den neuesten technischen Fortschritten bei der Erzeugung von Bilder-Fakes, einen Tiktok-Kanal gegen Afrika-Vorurteile und den Konflikt zwischen dem reichsten Mann der Erde und Twitter.

6. AFD-Plan: Erst rumheulen, dann Medienimperium aufbauen
(zdf.de, Walulis Daily, Video: 9:50 Minuten)
AfD-Vertreter beschweren sich immer wieder, dass sie und ihre Partei in den Medien kaum vorkämen – zum Beispiel als Gäste in öffentlich-rechtlichen Talkshows. Die Walulis-Redaktion hat diese Beschwerden ernst genommen und Parteichefin Alice Weidel zu sich eingeladen, diese habe aber nicht gewollt. Weil sie zu beschäftigt ist mit dem Plan ihrer Partei, bei Medienhäusern finanziell einzusteigen?

Pläne auf Eis, Klimakommunikation, Folgen der “Pegasus”-Recherche

1. RBB legt Pläne für Medienhaus vorläufig auf Eis
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Rund 100 Millionen Euro will sich der öffentlich-rechtliche RBB sein Digitales Medienhaus kosten lassen, doch bei der Auftragsvergabe könnte es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Nun hat Intendantin Patricia Schlesinger, gegen die sich Teile der Vorwürfe richten, die Notbremse gezogen und das Projekt vorerst gestoppt: “Wir warten ab, bis die Vorwürfe umfassend aufgeklärt sind, bevor wir neue Schritte unternehmen. Alle sollen sicher sein, an einem zweifelsfrei korrekt aufgesetzten Projekt mitzuwirken.”

2. Die Folgen der Pegasus-Recherche
(tagesschau.de, Florian Flade)
Vor einem Jahr hat ein internationales Konsortium aus zahlreichen Medien enthüllt, dass die israelische Softwarefirma NSO ihre Spionagesoftware “Pegasus” offenbar weltweit an autoritäre Regime und in Krisengebiete verkauft hat (siehe dazu Das Pegasus-Projekt, sueddeutsche.de). Der Trojaner soll in diesen Ländern zur Überwachung von Oppositionellen, Journalistinnen, Anwälten, Menschenrechtsaktivistinnen und sogar Staats- und Regierungschefs eingesetzt worden. Der Investigativjournalist Florian Flade hat sich angeschaut, was seitdem passiert ist.
Weiterer Lesehinweis: “Vergebliche Klagen gegen Reporter, ein Untersuchungsausschuss und besserer Schutz für Handys: Was die Recherchen zur Cyberwaffe Pegasus vor einem Jahr ausgelöst haben.” – Warum das Königreich Marokko ZEIT ONLINE verklagte (zeit,de, Kai Biermann & Astrid Geisler & Holger Stark & Sascha Venohr).

3. Journalismus in Zeiten der Klimakrise: Was dürfen, was können, was sollen Medien tun?
(klimafakten.de, Christopher Schrader)
Mit “Über Klima sprechen” hat Christopher Schrader ein wichtiges Buch für wirksame Klimakommunikation verfasst (Druckversion 34 Euro, PDF-Version kostenlos). In seinem dazugehörigen Essay erklärt Schrader, was Journalisten und Journalistinnen daraus lernen können: “Wir Journalist:innen müssen den Fakten angesichts der kognitiven Abwehrmechanismen unseres Publikums den Weg ebnen. Wenn wir weiter nüchtern lediglich Informationen aus der Klimaforschung präsentieren, ohne uns zu überlegen, wie wir sie einbetten und befördern, dann bleiben wir ‘Teil des Problems’.”
Weiterer Lesehinweis: Der neue Hot Take: “Die Klimakrise konfrontiert uns immer häufiger mit gefährlicher Hitze. Medien präsentieren das noch zu oft als willkommenen Freizeitspaß.” (taz.de, Susanne Schwarz)

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4. Texte auf Rädern
(faz.net, Axel Weidemann)
Axel Weidemann scheint ein Faible für nischige Fachmagazine zu haben. Jedenfalls hat er bei einem Bummel durch den Bahnhofszeitschriftenladen seines Vertrauens das “Rollschuhmagazin” entdeckt, “eine Art Esspapier für die Seele”, wie er schreibt. In seinem Text stellt Weidemann es vor.
Weitere Lesehinweise: Wer nicht genug von besonderen, mitunter skurrilen Magazinen bekommen kann, ist beim “Bahnhofskiosk” von “Übermedien” gut aufgehoben. Dort warten zahlreiche liebevoll rezensierte Fachmagazine auf ihre Entdeckung.

5. Der lange Weg zum gleichen Lohn
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Die unlängst vom ZDF zu RTL gewechselte Journalistin Birte Meier hat ihre Klage gegen das ZDF vor dem Bundesverfassungsgericht verloren. Der Beschluss lasse trotzdem alle Chancen offen, so Wolfgang Janisch, der justizpolitische Korrespondent der “Süddeutschen”: “Auf dem Weg bis zu einem endgültigen Sieg von Birte Meier können zwar noch ein paar prozessuale Fußangeln liegen. Aber mit der Empfehlung aus Karlsruhe sieht es ganz gut aus.”

6. Lachen gegen den Klimawandel: Warum TV-Comedy immer politischer wird
(rnd.de, Cornelia Wystrichowski)
“Der Nonsens, der in der Spaßgesellschaft der 90er das TV-Programm prägte, ist out – heute ist Humor mit Haltung gefragt.” Cornelia Wystrichowski ist den Fragen nachgegangen, warum immer mehr der professionellen Spaßmacher sich berufen fühlen, Flagge zu zeigen, und warum andere vom “permanenten Belehren” genervt sind.

Desinformation aus Österreich, Eingebettet im Donbas, Sylt

1. Desinformation aus Österreich
(taz.de, Matthias Meisner)
Der rechtsextreme österreichische Online-Sender AUF1 wolle nach eigenen Angaben nach Deutschland expandieren und eine feste Redaktion in Berlin aufbauen. Matthias Meisner erklärt, was es mit dem verschwörungslastigen Rechts-Medium auf sich hat.
Weiterer Lesehinweis: “Russlands abgeschalteter Propagandasender RT hat einen Nachfolger: Das Portal AUF1 verfolgt eine aggressive Taktik fern aller journalistischer Standards”: Aktivismus statt Journalismus (zeit.de, Hendrik Merker).

2. “Zeigen, wie schlimm die Situation im Donbass ist”
(tagesspiegel.de, Anastasia Trenkler)
Der ZDF-Reporter Winand Wernicke konnte vier Tage lang russische Soldaten im Donbas begleiten – “als Embedded-Reporter” und streng kontrolliert in seiner Berichterstattung. Im Interview mit dem “Tagesspiegel” erzählt Wernicke, wie es dazu kam, welche Auflagen ihm gemacht wurden und wie er zu deratigen Reportage-Reisen steht.

3. «Aufregerschlagzeilen sind wie Fast Food: attraktiv, aber ungesund»
(nzz.ch, Ruth Fulterer, Judith Blage)
“Perspective Daily” ist ein Online-Magazin, das nach den Prinzipien des konstruktiven Journalismus arbeitet. Die “NZZ” hat sich mit einem der Gründer, dem Neurowissenschaftler Han Langeslag, über das Projekt unterhalten und ihn gefragt, wo in Zeiten von Klimawandel, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg noch Platz für Positives bleibt.

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4. Wie Starjournalisten al-Sisis Drecksarbeit machen
(reporter-ohne-grenzen.de)
In einem 27-seitigen Bericht (PDF, englisch) zeigt Reporter ohne Grenzen, wie sich in Ägypten regierungsnahe Fernsehmoderatoren zu Komplizen der Regierung machen: “Als Marionetten des diktatorischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi verleumden und diskreditieren sie die wenigen verbliebenen kritischen Medienschaffenden im Land.” Der Bericht beleuchte einen blinden Fleck in der ägyptischen Medienlandschaft und zeige, wie das Regime bekannte Fernsehpersönlichkeiten bewusst einspannt.

5. So viel weiß TikTok über Ihr Handy
(spiegel.de, Janne Knödler & Frederik Obermaier & Anton Rainer & Marcel Rosenbach)
“TikTok steht seit Langem für seine Geschäftspraktiken in der Kritik. Nun hat ein IT-Sicherheitsunternehmen den Quellcode der Video-App untersucht – und ist dabei auf eine verdächtige Verbindung gestoßen.” Es geht unter anderem um “mögliche Datenweiterleitungen nach China”. Beim “Spiegel” kann man nachlesen, was die Sicherheitsexperten genau festgestellt haben und warum die Angelegenheit für TikTok noch unangenehm werden könnte.
Nachtrag: Auch das Team der “zerforschung” hat sich die TikTok-Analyse angeschaut und ist nicht besonders überzeugt von den Ergebnissen: “Das ist größtenteils Quatsch.” Dem Bericht fehle technische Tiefe, sinnvolle Informationen seien ebenfalls nicht zu finden: “Hier wurden großteils Ausgaben automatischer Tools unhinterfragt wiedergekäut. Das macht noch keine Analyse.” In Richtung “Spiegel” heißt es: “Hier wären auch große Medien wie @derspiegel in der Pflicht, solche Behauptungen kritisch zu überprüfen, statt sie direkt mit einer clickbaity Schlagzeile zu übernehmen.”
Weiterer Lesehinweis zum Thema Datennutzung durch China, allerdings im Zusammenhang mit einer anderen App: Politische Kontrolle mit Corona-App: “Ohne Gesundheits-App geht in Chinas Großstädten nichts: Wer einen roten statt grünen Code hat, kommt weder in den Bus noch in den Supermarkt. Inzwischen setzen Behörden die App ein, um missliebige Personen festzusetzen.” (tagesschau.de, Tamara Anthony)

6. Sylt, ein juris­ti­sches Wim­mel­bild
(lto.de, Martin Rath)
Als “Insel der Schönen und Reichen” steht Sylt oft im Fokus der Boulevardmedien. In Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket und der Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner berichteten auch viele andere Redaktionen über beziehungsweise von der Nordseeinsel. Martin Rath hat ein paar interessante Rechtsgeschichten rund um Sylt zusammengesucht. Es entsteht ein trotz der trockenen Materie unterhaltsames “juristisches Wimmelbild”.

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