Suchergebnisse für ‘spiegel online’

“Focus”-“Arztsiegel”, Geld für Ex-Programmchef, NS-Verstrickungen

1. Focus-Siegel für Ärzte ist irre­füh­rend
(lto.de)
Endlich hat ein Gericht (voraussichtlich) Schluss gemacht mit den “Arztsiegeln” des “Focus”, die das Magazin zahlungswilligen Ärzten und Ärztinnen zum Preis von 2.000 Euro zur Übernahme anbietet. Mit der Vergabe der Siegel verstoße der Verlag gegen das “lauterkeitsrechtliche Irreführungsverbot”, urteilte das Landgericht München. Die Siegel erwecken den unzutreffenden Eindruck, die mit der “Focus-Empfehlung” werbenden “Top-Mediziner” seien aufgrund einer neutralen und sachgerechten Prüfung ausgezeichnet worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

2. ZDF-Gründungsintendant: Verstrickungen ins NS-Regime
(dwdl.de)
Das ZDF hat anlässlich eines bevorstehenden Jubiläums die Rolle seines Gründungsintendanten Karl Holzamer während der NS-Zeit aufgearbeitet und ist dabei auf Verstrickungen in das Nazi-Regime gestoßen. Nach Angaben des Senders wurde der Lebenslauf Holzamers im eigenen Presseportal “aufgrund der jetzt vorliegenden neuen Erkenntnisse” korrigiert. Auch das “heute journal” berichtete gestern Abend über das Thema – mit einem Beitrag über die neuen Erkenntnisse zu Holzamers Rolle während der NS-Zeit und einem Interview mit dem Historiker Sönke Neitzel.

3. Abfindungspaket für RBB-Programmchef: Schulte-Kellinghaus bekommt mehr als 400.000 Euro und 9000 Euro Rente pro Monat
(businessinsider.de, Tobias Fuchs & Jan C. Wehmeyer)
Nach den Enthüllungen über Missstände beim RBB hat Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus den Sender auf eigenen Wunsch verlassen. “Business Insider” hat Einblicke in sein Abfindungspaket erhalten: “Der öffentlich-rechtliche Sender zahlt dem Manager noch zwei Jahre monatlich 18.000 Euro und später eine Pension in Höhe von 9000 Euro. Dafür verzichtet Schulte-Kellinghaus auf das üppige Ruhegeld, das ihm ab dem Tag der Trennung zustünde.”

Bildblog unterstuetzen

4. Nach CORRECTIV-Klage: Sachsen-Anhalt gibt Daten zu größten Wasserschluckern heraus
(correctiv.org, Justus von Daniels & Gesa Steeger)
Im Rahmen einer Recherche über die größten industriellen Wasserverbraucher hatte “Correctiv” auch beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt angefragt, doch die Behörde verweigerte die Auskunft. Erst als das “Correctiv”-Team auf Herausgabe der Daten klagte, lenkte das Amt ein. Wohl auch, um einem Urteil zu entgehen. Der mit Abstand größte Wasserverbraucher des Bundeslandes ist übrigens die MIBRAG Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH.

5. Was sind Memes? Wenn Witz und Kritik viral gehen
(mdr.de)
Die Redaktion “Medien360G” des MDR hat ein umfangreiches Dossier zum Thema Memes veröffentlicht. Dabei handelt es sich laut Wikipedia um kreative Inhalte, die hauptsächlich über das Internet verbreitet werden und in der Regel humorvoll und erheiternd, manchmal auch satirisch und entsprechend gesellschaftskritisch sind. Die Zusammenstellung umfasst ein 13-minütiges Video, eine Kurzanimation sowie mehrere Online-Artikel und Interviews.

6. Musk-Tweets fluten Twitter
(spiegel.de)
Nachdem sich Elon Musk darüber beschweret hatte, dass er auf seiner eigenen Plattform Twitter zu wenig Aufmerksamkeit bekäme, scheinen Mitarbeiter etwas an den Algorithmen verändert zu haben: “Die Penetranz, mit der Twitter derzeit die Nachrichten des Firmeneigentümers vorführt, erscheint exzessiv. Selbst eine Stummschaltung des Accounts scheint keine Wirkung zu haben.”
Siehe dazu auch den Tweet des NBC-Reportes Ben Collins, hier in deutscher Übersetzung: “Elons Cousin James Musk hielt nach dem Super Bowl eine Dringlichkeitssitzung bei Twitter ab, weil die Tweets von Elon schlechter abschnitten als die von Joe Biden. Daraufhin ließen die Twitter-Ingenieure in aller Eile den Twitter-Algorithmus ändern, um sicherzustellen, dass Elon eine ‘noch nie dagewesene Förderung’ erhält.”

“Regime des Mobbings”, Ramschware G + J?, Abrechnung mit Bohlen

1. “Regime des Mobbings”
(sueddeutsche.de, Isabell Pfaff)
In der jüngsten Ausgabe des “Spiegel” erhebt die Journalistin Anuschka Roshani in einem Gastbeitrag (nur mit Abo lesbar) schwere Vorwürfe gegen Finn Canonica, bis Juni 2022 Chefredakteur des Schweizer “Magazins”. Es geht um Machtmissbrauch, Beleidigungen, Sexismus und Hakenkreuze. Isabell Pfaff fasst den erschütternden Fall zusammen.

2. “Ich bin fassungslos angesichts dieser desaströsen Managementleistung”
(wiwo.de, Tobias Gürtler)
Angesichts des drohenden Ausverkaufs beim renommierten Verlag Gruner + Jahr rechnet Peter-Matthias Gaede, langjähriger “Geo”-Chefredakteur, mit Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ab: “Es ist doch eine unfassbare Wertzerstörung, ausgerechnet den anerkanntesten Zeitschriftenverlag der deutschen Nachkriegsgeschichte, der fast in jedem Segment bis heute die anerkanntesten Marken hat, derart verhäckseln und verscherbeln zu wollen. Und es mag ja nostalgisch sein: Trotzdem bedauere ich es, dass Gruner + Jahr, einst ein Juwel in der Krone von Bertelsmann, aus der Sicht eines gelernten CFO, der offenbar mehr gejoggt als gelesen hat, derart als Ramschware empfunden wird.”
Weiterer Lesehinweis: Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die Führung des Bertelsmann-Konzerns auf, “alle journalistischen Arbeitsplätze beim Privatsender RTL und bei den früheren Gruner + Jahr-Zeitschriften zu erhalten” (djv.de, Hendrik Zörner).

3. Zwei Direktoren des rbb fristlos gekündigt
(rbb24.de, Gabi Probst)
Wie Gabi Probst berichtet, hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zwei Direktoren fristlos gekündigt. Hintergrund sollen Sonderzahlungen im Zusammenhang mit dem ARD-Vorsitz des RBB sein. Außerdem wurde bekannt, dass der RBB – nach Kritik des Landesrechnungshofs Berlin – Zahlungen an Ex-Chefredakteur Christoph Singelnstein gestoppt habe. Singelnstein arbeitete nach seinem Ausscheiden auf Grundlage eines zusätzlichen Beratervertrags weiter für den RBB. So habe er weiterhin “Gesamtbezüge in der Höhe seines Chefredakteursgehalts” erhalten (rbb24.de, René Althammer & Jo Goll & Marcus Engert).

Bildblog unterstuetzen

4. Das Ende von RT Deutschland? Was die EU-Sanktionen für russische Staatsmedien bedeuten
(rnd.de, Felix Huesmann)
Die deutsche Firma hinter dem hiesigen Ableger des russischen Staatssenders RT (vormals: Russia Today) habe bekannt gegeben, ihre “journalistischen Aktivitäten” zu beenden: “RT DE Productions gibt mit Bedauern die Entscheidung bekannt, die journalistischen Aktivitäten des Unternehmens in Deutschland einzustellen”. Felix Huesmann beleuchtet die Hintergründe und erklärt, warum dies nicht das Ende von RT DE bedeute.

5. Putins Charme-Offensive
(taz.de, Simone Schlindwein & Katrin Gänsler)
Wie die “taz” berichtet, baut der russische Propagandasender RT seine Präsenz in Afrika aus. Der Zeitung liege ein geheimes Strategiepapier von Russland und Uganda vor, in dem der Ausbau der Beziehungen im Bereich Tele- und Massenkommunikation als erste Priorität genannt werde. Simone Schlindwein und Katrin Gänsler erklären, was es mit Russlands medialer Charme-Offensive in Afrika auf sich hat.

6. Katja Krasavice enthüllt Chat mit Bohlen
(t-online.de)
Die Rapperin Katja Krasavice sitzt dieses Jahr unter anderem neben Dieter Bohlen in der Jury des Gesangswettbewerbs “Deutschland sucht den Superstar”. Nachdem Bohlen eine Teilnehmerin sexistisch angefeindet hatte, teilt Krasavice nun in einem TikTok-Video gegen Bohlen aus: “Es gab keinen Grund für dich, solche Beleidigungen gegen eine Kandidatin zu treffen, die zeitgleich gegen mich und jede Frau da draußen sind. Du weißt ganz genau, wer da neben dir in der Jury sitzt.”

Drohender NDR?, Rückkehr des Holocaust-Leugners, “Sesamstraße”

1. Bundesverwaltungsgericht weist RSF-Klage zurück
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage von Reporter ohne Grenzen (RSF) gegen den Einsatz sogenannter Staatstrojaner durch den Bundesnachrichtendienst als unzulässig zurückgewiesen. Die NGO sei nicht selbst betroffen und daher nicht klageberechtigt. Nun habe das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das letzte Wort, denn RSF wolle Verfassungsbeschwerde einlegen.

2. Warum wir unser Corona-Dashboard nach knapp drei Jahren von der Homepage nehmen
(blog.zeit.de, Christian Endt & Elena Erdmann & Julius Tröger)
Vor etwa drei Jahren installierte “Zeit Online” auf der eigenen Startseite das sogenannte “Corona-Dashboard”, auf dem sich Inzidenzen, Todesfälle, Krankenhausbelegungen und Impfquoten aus Deutschland und der Welt ablesen lassen. Nun beendet die Redaktion die prominente Platzierung der Zahlen und nimmt das Dashboard von der Homepage.

3. “Die Akte Scholz”-Autoren Schröm und Hollenstein: Der NDR hat mit juristischen Schritten gedroht
(kress.de, Wolfgang Messner)
Der Mediendienst “Kress” veröffentlicht Auszüge aus dem aktuellen “Wirtschaftsjournalist”, in dem die beiden CumEx-Aufdecker Oliver Schröm und Oliver Hollenstein schwere Vorwürfe gegen den Norddeutschen Rundfunk erheben. Der öffentlich-rechtliche Sender habe kurz vor Erscheinen des Buchs von Schröm und Hollenstein mit juristischen Schritten gedroht, wenn er nicht vorab Einblick in das Manuskript bekäme. Das sei “ein beispielloser Fall” und die “allergrößte Keule, die man gegen so ein Buch herausholen kann”, so einer der Autoren. Im “Kress”-Artikel kommt auch der NDR zu Wort.

Bildblog unterstuetzen

4. Twitter gibt Holocaust-Leugner sein Konto zurück
(spiegel.de)
Twitter hatte den Rechtsextremisten Nick Fuentes im Juli 2021 eigentlich dauerhaft verbannt, da dieser fortwährend gegen die Regeln der Plattform verstoßen habe. Unter Elon Musk gilt dies anscheinend nicht: Das Konto des Mannes, der Adolf Hitler schon mal als “richtig coolen Typen” bezeichnet habe, ist wieder freigeschaltet.
Weiterer Lesehinweis: Meta lässt Trump wieder herein: “Der Internetkonzern hebt die Sperre für den früheren Präsidenten auf Facebook und Instagram auf – warnt aber, dass er bei schlechtem Benehmen wieder suspendiert werden könnte.” (faz.net, Roland Lindner)

5. Künstliche Intelligenz im Journalismus
(netzwerk-medienethik.de, Jessica Heesen)
Das Whitepaper “Künstliche Intelligenz im Journalismus. Potenziale und Herausforderungen für Medienschaffende” zeigt mögliche Einsatzformen für KI in Redaktionen und Medienhäusern. Grundlage des Papiers sei ein Workshop mit Journalistinnen und Journalisten im Juli 2022 gewesen, dessen Ergebnisse in die Handlungsempfehlungen eingeflossen seien. Das Whitepaper steht zum kostenfreien Download zur Verfügung (PDF).

6. “Sesamstraße”-Erfinder Lloyd Morrisett ist tot
(sueddeutsche.de)
Lloyd Morrisett, Miterfinder der “Sesamstraße”, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Seine Geschäftspartnerin, die TV-Produzentin Joan Ganz Cooney, habe sich in einem Statement wie folgt geäußert: “Ohne Lloyd Morrisett würde es die Sesamstraße nicht geben. Er war es, der als Erster auf die Idee kam, Vorschulkindern über das Fernsehen grundlegende Fähigkeiten wie Buchstaben und Zahlen beizubringen. Er war mir über 50 Jahre lang ein zuverlässiger Partner und treuer Freund, und wir werden ihn schmerzlich vermissen.”

FakeGPT, Nachrichtendienst setzt auf Journalisten, Brandbrief

1. ChatGPT schreibt überzeugende Falschinformation
(zeit.de)
Der Chatbot ChatGPT kann beeindruckende Texte erzeugen, denen man ihre maschinelle Herkunft kaum oder gar nicht anmerkt. Diese Fähigkeit lasse sich jedoch auch für Falschinformationen und Propaganda ausnutzen, warnt das Unternehmen NewsGuard. Zuvor hatte es ChatGPT mit einigen Übungsaufgaben dazu gebracht, Erzählungen mit falschen Informationen abzuliefern.
Weiterer Lesetipp zu ChatGPT: “Arbeiter:innen in Kenia sollten teils traumatisierende Texte lesen, um ChatGPT zu optimieren. Ihr Stundenlohn: bis zu zwei US-Dollar. Eine Recherche des Time Magazines zeigt: Hinter dem Hype um die Künstliche Intelligenz steckt auch eine Geschichte von Ausbeutung im globalen Süden.” – Prekäre Klickarbeit hinter den Kulissen von ChatGPT (netzpolitik.org, Daniel Leisegang).

2. BND setzt auf Jour­na­listen als Spitzel
(lto.de, Hasso Suliak)
Womöglich entgegen einer Weisung des Kanzleramts setze der Auslandsnachrichtendienst BND auch auf Journalisten als Informanten. Dies gehe aus einem Schriftsatz des Bundesnachrichtendienstes vom 26. April 2022 an das Bundesverwaltungsgericht hervor, der “Legal Tribune Online” vorliegt. Hasso Suliak ordnet den Fall ein und gibt die Kritikpunkte des Deutschen Journalisten-Verbandes und der Linkspartei wieder.

3. Redaktionen wehren sich gegen Zerschlagung
(spiegel.de, Alexander Kühn)
Jahrzehntelang genoss das Medienunternehmen Gruner + Jahr einen Ruf als sicherer Arbeitgeber, doch seit der Übernahme durch RTL müssen die dort arbeitenden Menschen um ihre Arbeitsplätze fürchten. Die Redaktionsbeiräte von “Art”, “Brigitte”, “Eltern”, “Geo”/”P.M.”, “Geolino” und “Stern” hätten sich deshalb mit einem dem “Spiegel” vorliegenden Brandbrief an die Eigentümerfamilie Mohn gewandt, der das Gütersloher Medienhaus Bertelsmann und somit RTL gehört.

Bildblog unterstuetzen

4. Richtigstellung zu Berichterstattung in der B.Z.
(bundesgerichtshof.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) sieht sich gezwungen, einen Bericht der Berliner Tageszeitung “B.Z.” zu korrigieren, wonach das Gericht seinen Sitz von Leipzig nach Berlin verlegen wolle: “Diese Information ist unzutreffend. Es gibt keinerlei Umzugspläne für den 6. Strafsenat oder einen anderen Senat des Bundesgerichtshofs nach Berlin”, so der BGH zum Artikel des Springer-Blatts.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 217 vom 24.01.2023
(netzwerkrecherche.org, Annelie Naumann & Albrecht Ude)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die neueste Ausgabe liefert einen aktuellen Überblick über Nachrichten, Veranstaltungen, Seminare, Stipendien und Preise. Außerdem geht es um das Thema Einschüchterungsklagen gegen Medienschaffende, das man auch auf der Jahreskonferenz aufgreifen werde. Im Pressespiegel gibt es zudem wertvolle Lesetipps zu ausgesuchten Themen.

6. Gregor Gysi unterstützt Journalistin bei Klage gegen Berliner Senat
(tagesspiegel.de, Madlen Haarbach)
Am Rande der Berliner Maidemo im Jahr 2020 sei einer Videojournalistin ein Polizist entgegengetreten und habe ihr unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Frau habe dabei ganz erhebliche Verletzungen an Nase und Zähnen erlitten. Mit Verweis auf den fehlenden Tatverdächtigen habe die zuständige Senatsverwaltung die Forderung nach Schmerzensgeld abgelehnt. Anschließend wies das Berliner Landgericht die Klage ab und habe der Journalistin sogar eine Mitschuld an ihren Verletzungen gegeben. Nun gehe sie in Berufung – mit juristischer Unterstützung durch Linken-Politiker Gregor Gysi.

Negative Lützerath-Bilanz, Zu wenig Frauen, “Scheiße außer Kontrolle”

1. dju in ver.di NRW zieht eine negative Bilanz der Pressefreiheit bei der Räumung von Lützerath
(dju.verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) kritisiert den Umgang mit Medienschaffenden während der Protestaktionen in Lützerath: “Die Grundrechtseingriffe in die Pressefreiheit durch den zeitweisen Zwang zur polizeilichen Akkreditierung, der auch zur intransparenten Datenbankabfrage genutzt wurde, die Körperverletzungen durch RWE Security und die Polizei sowie das teilweise schikanöse Verhalten der Einsatzkräfte sind wesentliche Einschränkungen der Pressefreiheit.”
Weiterer Lesetipp: Bei netzpolitik.org gibt es ein Interview mit Caja Thimm, Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Bonn. Thimm ist sich sicher, dass die Proteste in Lützerath ohne Soziale Medien nicht annähernd so wirksam gewesen wären.

2. BVerwG verhandelt Staatstrojaner-Klage von RSF
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt kommende Woche über eine Klage von Reporter ohne Grenzen (RSF) gegen den Einsatz sogenannter Staatstrojaner durch den Bundesnachrichtendienst (BND). Die Organisation sehe sich aufgrund ihres Austauschs mit ausländischen Investigativjournalistinnen und -journalisten einem erhöhten Risiko ausgesetzt, vom BND auf diese Art überwacht zu werden. Das Gericht wolle sich zunächst damit befassen, ob die Klage zulässig sei.

3. Zahl der getöteten Journalisten 2022 um 50 Prozent gestiegen
(spiegel.de)
Wie die Unesco mitgeteilt hat, ist die Zahl der weltweit getöteten Journalistinnen und Journalisten vergangenes Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent angestiegen. Die gefährlichsten Gegenden für Medienschaffende seien Lateinamerika und die Karibik. Dort seien 44 Personen getötet worden. Das gefährlichste Land sei 2022 Mexiko gewesen, gefolgt von der Ukraine.

Bildblog unterstuetzen

4. Noch immer wenige Frauen in Führungspositionen
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sören Brinkmann, Audio: 7:42 Minuten)
Der Verein ProQuote Medien setzt sich für die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein und schaut sich regelmäßig an, wie stark (oder schwach) Frauen in Führungspositionen bei Print- und Onlinemedien vertreten sind. Den Ergebnissen der neuesten Studie (PDF) zufolge seien die meisten Medienhäuser weiterhin weit davon entfernt, Frauen zu 50 Prozent an der Macht in den Redaktionen zu beteiligen. Im Deutschlandfunk spricht Sören Brinkmann mit Ulrike Trampus über das Thema, die seit gut 20 Jahren als Chefredakteurin arbeitet.

5. Radiosender kämpfen gegen Fake-Profile auf Facebook
(faz.net)
Der Verband Privater Medien (Vaunet) schlägt Alarm: “Nach Vaunet-Informationen kursieren seit Wochen gefälschte Profile von Radiosender-Marken und/oder deren Moderatoren bei Facebook. Betroffen hiervon sind die Sendermarken praktisch aller großen deutschen privaten Sender”. Eine Facebook-Sprecherin habe mitgeteilt, man werde derlei Fake-Profile schnellstmöglich löschen. Die Antenne Bayern Group, die mehrere Radiosender betreibt, habe jedoch beklagt, dass dies nicht immer der Fall sei und man deshalb auch schon juristische Wege beschritten habe.

6. Im Dschungelcamp gerät die Scheiße außer Kontrolle
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Im RTL-“Dschungelcamp” (korrekte Sendungsbezeichnung: “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!”) konnte man sehen, wie ein Kamerateam verzweifelt und vor allem vergebens versuchte, einer Protagonistin ein Statement abzuringen. Stefan Niggemeier kommentiert: “Normalerweise würde man solche Einblicke in einer solchen Fernsehproduktion um jeden Preis vermeiden, weil damit natürlich auch eine Entzauberung verbunden ist. Natürlich weiß man als Zuschauer theoretisch, dass die Leute da im Dschungel nicht fernab von allem, sondern dauernd umgeben von irgendwelchen Produktionsteams sind, aber es praktisch zu sehen, macht trotzdem einen Unterschied.”

Clickbaitende Aktien-Tipps, ChatGPT schreibt Finanzartikel, “Drachenlord”

1. Mit diesen Aktien-Tipps der Presse verlieren Sie ein Vermögen
(kobuk.at, Tobias Kachelmeier)
Tobias Kachelmeier sind die oftmals reißerisch aufgemachten Aktientipps der österreichischen Tageszeitung “Die Presse” aufgefallen. Daraufhin hat er kurzerhand ein virtuelles Aktienportfolio aufgebaut und ist ein halbes Jahr den publizierten Anlageratschlägen gefolgt. Sein ernüchterndes Fazit: “In Wahrheit sind die einzigen, die mit solchen Artikeln Geld verdienen, nämlich die Presse selbst. Über billigen Clickbait Werbeeinahmen zu lukrieren ist im Internet ein weit verbreitetes Unding. Ist das einer Qualitätszeitung würdig? Wohl kaum.”

2. »Bild«-Zeitung zieht Bericht über Drachenlord zurück
(spiegel.de)
Die “Bild”-Redaktion hat einen Bericht über den durch Youtube bekannt gewordenen “Drachenlord”, der seit Jahren im Visier von Internettrollen steht, zurückgezogen. Ein Reporter sei offenbar auf einen oder mehrere Trolle hereingefallen, die ihm ein Interview im Namen des “Drachenlord” gegeben haben. Mehrere der Falschzitate seien danach im “Bild”-Artikel “Der meistgehasste Mann des Internets” gelandet.

3. “Darmstädter Echo” gewinnt vor dem Bundesverfassungsgericht
(faz.net, Marlene Grunert)
Vor mehr als zwei Jahren sei in der Onlineausgabe des “Darmstädter Echo” ein Beitrag über eine sektenähnliche Gemeinschaft erschienen, an dem sich deren “Guru” gestört habe. Dabei sei es vor allem um eine im Artikel geäußerte Aussage einer Aussteigerin gegangen. Mit seiner Klage bekam der Leiter der fragwürdigen Gemeinschaft zunächst Recht, doch das Bundesverfassungsgericht sprang dem “Darmstädter Echo” bei: An die journalistische Wiedergabe fremder Meinungen dürfen keine überzogenen Anforderungen gestellt werden.

Bildblog unterstuetzen

4. Medien verschwinden aus Medien
(taz.de, Peter Weissenburger & Anne Fromm)
Der “Tagesspiegel” hat Ende vergangenen Jahres seine Medienseite abgeschafft und durch eine Seite ersetzt, auf der es vor allem um Medienkonsum geht, also um Filmkritiken und Serientipps. Anne Fromm und Peter Weissenburger fragen: “Ist das das Ende des Medienjournalismus?”

5. Berichten über Notfälle – Positive Folgen für Journalisten
(de.ejo-online.eu, Anna-Carina Zappe)
Immer wieder erleben Journalistinnen und Journalisten belastende Extremsituationen. Die Berichterstattung über Notfälle und Katastrophen kann äußerst traumatisierend wirken. Doch das Erleben eines Notfalls könne auch positive Folgen haben, das “posttraumatische Wachstum”. Anna-Carina Zappe erklärt, was die Wissenschaft dazu herausgefunden hat.

6. Chat GPT: US-Magazin lässt Artikel seit Monaten heimlich von KI schreiben
(basicthinking.de, Beatrice Bode)
Das US-amerikanische Technikportal “CNET” lasse seit Monaten Finanzartikel von der Künstlichen Intelligent ChatGPT schreiben. Die Texte seien unter der Bezeichnung “CNET Money Staff” veröffentlicht, der Hinweis auf die maschinelle Autorenschaft sei versteckt untergebracht worden. Warum “CNET” den Einsatz der KI geheim halten wollte, sei nicht bekannt. Das Unternehmen habe sich bislang nicht dazu geäußert.

Böse Bild-Generatoren?, Borna-Berichte, Kampf um Rundfunkbeitrag

1. Sind Bild-Generatoren böse?
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Wenige Tastatureingaben genügen, und KI-Systeme wie Stable Diffusion, DALL·E 2 oder Midjourney erschaffen Illustrationen, fotorealistische Werke und beeindruckende Kunstwerke. Trainiert wurden sie mit Abermillionen Bildern von Kreativen, die nun um ihre Jobs bangen. Sebastian Meineck hat sich bei Fachleuten umgehört, wie sie dieses Thema aus moralisch-ethischer, wirtschaftlicher und juristischer Sicht beurteilen.
An dieser Stelle noch zwei weitere spannende Lesetipps: Bei “Zeit Online” schreibt Heike Buchter über die Entwicklung von OpenAi von einer gemeinnützigen Organisation zum wertvollen Start-up, das milliardenschwere Investments einsammelt. Und bei den “Riffreportern” geht es um die Frage, ob ein Chatbot wie LaMDA oder ChatGPT Bewusstsein erlangen kann. Daran glaubt jedenfalls der Informatiker und KI-Tester Blake Lemoine, der wegen seiner diesbezüglichen Äußerungen seinen Job bei Google verloren habe.

2. Wichtige Infos für Medienschaffende in Lützerath
(djv-nrw.de)
Der DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat wichtige Informationen für alle Journalistinnen und Journalisten, die heute und/oder in den nächsten Tagen in Lützerath unterwegs sind: “RWE möchte von Journalist:innen bei Betreten von bestimmten Bereichen eine Erklärung zum Haftungsausschluss. Laut Info der Polizei ist dies bislang nicht durchgesetzt worden. Der DJV-NRW hat diese Erklärung angefordert um sie juristisch zu prüfen. Sollte man Euch vor Ort bitten, eine solche Erklärung zu unterschreiben, sprecht Euch gerne vorab mit uns ab.”
Weiterer Lesetipp: In der “taz” berichtet David Muschenich über einen Fall von Polizeigewalt gegen Medienschaffende: “Bei Urteilen spielt die Pressefreiheit oft keine Rolle. Auch im Fall einer Journalistin nicht, die von einem Beamten ins Gesicht geschlagen wurde.”

3. SPD-Chef Klingbeil entschuldigt sich für falsche Aussagen zur Silvesterrandale in Borna
(rnd.de)
In der Silvesternacht kam es im sächsischen Borna zu Ausschreitungen. In diesem Zusammenhang verbreiteten sich in verschiedenen Medien falsche Aussagen, die wiederum an anderen Stellen übernommen wurden, darunter der SPD-Chef Lars Klingbeil. t-online.de berichtigte mittlerweile (“Berichterstattung war in Teilen ungenau”), Klingbeil nahm Bezug auf Aussagen der “Zeit”-Journalistin Anne Hähnig und stellte die Sache auf Twitter klar.

Bildblog unterstuetzen

4. Soll der Rundfunkbeitrag steigen?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
ARD, ZDF und Deutschlandradio pochen auf eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags, doch bei den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten gebe es eine breite Ablehnungsfront gegen diese Begehrlichkeiten. Joachim Huber kommentiert: “Die Anstalten riskieren eine Menge. Sie spielen mit der Akzeptanz in der Bevölkerung, sie fordern die Rundfunkpolitik zu einer härteren Gangart heraus. Und das, wo seit dem vergangenen Jahr bei ARD, Deutschlandradio und ZDF Demut und neue Bescheidenheit angesagt wäre.”
Weiterer Lesetipp: Für medienpolitik.net hat Helmut Hartung mit dem Chef der hessischen Staatskanzlei und dem Chef der Staatskanzlei Niedersachsens über deren Erwartungen an die öffentlich-rechtlichen Anstalten gesprochen.

5. Warum der CSU-Chef den Sitz aufgibt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat seinen Sitz im ZDF-Verwaltungsrat aufgegeben. Das könnte daran liegen, dass sich Söder auf die kommende Landtagswahl konzentrieren will. Es könnte aber auch ganz andere Gründe haben, glaubt Steffen Grimberg: In der Funktion als ZDF-Verwaltungsrat könne Söder schlecht für das medienpolitische Lieblingsprojekt der CSU trommeln, die Zusammenlegung von ARD und ZDF.

6. Warum ist der größte Skandal um Harry ein Skandal der Medien?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 41:17 Minuten)
Holger Klein und Stefan Niggemeier sprechen im “Übermedien”-Podcast über das Buch von Prinz Harry, das schon vor der Veröffentlichung für Schlagzeilen sorgte. Schwierig sei, wie Harry von vielen Medien dargestellt und verteufelt werde, so Niggemeier auch in einem Kommentar auf Twitter: “Ja, Harry legt sich in dem Buch auch mit seiner Familie an. Aber mehr als alles andere rechnet er mit den Medien ab. Sein Zorn ist für mich nachvollziehbar und berechtigt. Ich bin erstaunt, wie wenig das auch in der deutschen Rezeption im Mittelpunkt steht.”

Gefährlicher Unsinn, Scheinheilige Debatte, 50 Jahre “Sesamstraße”

1. Dilettantischer Trugschluss – oder noch schlimmer?
(t-online.de, Steven Sowa)
Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in der Silvesternacht erhebt die “Bild”-Redaktion in ihrer Berichterstattung schwere Vorwürfe gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen: ARD und ZDF hätten die Wahrheit über Taten und Täter verschwiegen. Das sei gefährlicher Unsinn, kommentiert Steven Sowa bei t-online.de.

2. Berlusconi auf ProSieben?
(taz.de, Peter Weissenburger)
“taz”-Redakteur Peter Weissenburger fasst zusammen, was aus seiner Sicht in der Medienwelt im aktuellen Jahr passieren wird beziehungsweise passieren sollte. Es geht um die Entwicklungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um Elon Musk, um Journalismusförderung durch den Facebook-Konzern Meta, um die Zukunft des gedruckten Journalismus und um die Frage, wie es bei der ProSiebenSat.1-Gruppe weitergeht.

3. Warum schmeißt man als Journalist hin, um Klimaaktivist zu werden?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:30 Minuten)
Der Journalist Raphael Thelen hat für namhafte Medien gearbeitet und war Mitgründer sowie Sprecher des Netzwerk Klimajournalismus Deutschland. Nach mehr als zehn Jahren im Journalismus wird er nun hauptberuflicher Aktivist bei der “Letzen Generation”. Im Gespräch mit Holger Klein erklärt Thelen, wie es dazu gekommen ist und was ihn antreibt.

Bildblog unterstuetzen

4. Die scheinheilige US-Debatte über TikTok
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
In den USA werde über die Risiken von TikTok diskutiert. Aus europäischer Perspektive wirke das putzig, weil jedes gegen TikTok vorgebrachte Argument auch gegen Facebook und Co. verwendet werden könnte, so Markus Beckedahl. Trotzdem würden sich aus der US-Debatte einige wichtige Lehren ziehen lassen.

5. Saudi-Arabien soll Inhalte auf Wikipedia beeinflusst haben
(spiegel.de)
Wikimedia, die Stiftung hinter Wikipedia, habe 16 Administratoren in der Region “Middle East and North Africa” gesperrt. Sie sollen von der saudi-arabischen Regierung als Regierungsagenten angeworben und damit beauftragt worden sein, kritische Einträge zu kontrollieren, zu bearbeiten oder gar zu löschen. Aufgedeckt hätten dies Democracy for the Arab World Now und SMEX, eine Organisation zum Schutz digitaler Rechte und Freiheit mit Sitz im Libanon.

6. Was das deutsche Fernsehen von der “Sesamstraße” lernen kann
(dwdl.de, Peer Schader)
Gestern feierte die “Sesamstraße” ihren fünfzigsten Geburtstag. Beim Kika lief eine Geburtstagssendung, und Caren Miosga moderierte eine Sonderausgabe der “Tagesthemen”, unter anderem mit Live-Schalten zu Elmo, Wolle und Pferd. Natürlich kommt auch Medienkolumnist Peer Schader nicht umhin, sich dem Klassiker zu widmen: “Die große Kunst der ‘Sesamstraße’ ist es, sich und ihren Grundwerten auch nach 2.931 Folgen treu geblieben zu sein – und trotzdem stets mit der Zeit zu gehen.”

Erstplatzierte, König wehrt sich, Desinformation zu Mastodon

1. JdJ 2022: Das sind die Erstplatzierten
(mediummagazin.de)
Seit dem Jahr 2004 Jahr lässt das “medium magazin” eine Jury über die “Journalistinnen und Journalisten des Jahres” (“JdJ”) abstimmen. Online verrät die Redaktion schon mal die Erstplatzierten der Fachkategorien. Zur “Journalistin und Journalist des Jahres” wurden Katrin Eigendorf (ZDF) und Paul Ronzheimer (“Bild”) gewählt: “Nach Ansicht der Jury haben die beiden Auslandsreporter die Berichterstattung aus dem Ukraine-Krieg ‘mit ihrer herausragenden Arbeit’ maßgeblich geprägt.”

2. Der aktivistische Journalismus und der Preis der Wahrheit
(spiegel.de, Tomasz Kurianowicz)
Vor wenigen Tagen kritisierte “Spiegel”-Kolumnist Christian Stöcker die aus seiner Sicht verharmlosende Berichterstattung einiger Medien über die “Reichsbürger”-Razzia. Dabei thematisierte er unter anderem die “Berliner Zeitung”: “Die unter ihrem neuen Verleger zu einer Art russlandfreundlichen Verschwörungspostille verkommene ‘Berliner Zeitung’ (nicht zu verwechseln mit der ‘B.Z.’) ließ einen Autor mit Leitungsrolle erklären, es seien doch ‘nur 25 vergreiste Verwirrte’ festgenommen worden. Das ist auch deshalb lustig, weil viele dieser ‘vergreisten Verwirrten’ etwa das gleiche Alter haben wie der Verleger der ‘Berliner Zeitung’, Holger Friedrich: Mitte fünfzig.” Nun meldet sich der Chefredakteur der “Berliner Zeitung” mit einer Gegenrede zu Wort, ebenfalls beim “Spiegel”: “Die ‘Berliner Zeitung’ als kremlnahes Medium zu verunglimpfen, ist absurd und ein Schlag unter die Gürtellinie, der unsere Berichterstattung zu Russlands Ukrainekrieg und meine Arbeit als Chefredakteur insbesondere diskreditiert.”

3. Bieten: Praktikum. Suchen: eine Person, die sich das leisten kann.
(uebermedien.de, Pia Pentzlin)
Zur journalistischen Ausbildung gehören auch Praktika, doch die müssen sich die Praktikantinnen und Praktikanten erstmal leisten können. Praktika werden, wenn überhaupt, oftmals nur sehr gering entlohnt. Das Geld reicht gelegentlich noch nicht mal für das notwendige WG-Zimmer und die Fahrtkosten aus. Pia Pentzlin, selbst Praktikantin bei “Übermedien”, hat bei 17 deutschen Medienhäusern nachgefragt, wie sie mit Praktika umgehen, wie viel sie zahlen, ob sie überhaupt vergüten, und warum das so ist (die ausführlich dokumentierten Antworten gibt es hier).

Bildblog unterstuetzen

4. WDR: Ins Abseits geplappert
(verdi.de)
Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow und sein Nachfolger Kai Gniffke haben dem “Spiegel” ein Interview zu ihren Reformplänen gegeben (nur mit Abo lesbar). Dabei habe Gniffke aus Sicht der Gewerkschaft Verdi eine “unangebrachte und abstoßende Wortwahl” benutzt, die ARD-Beschäftigte mit Hunden und Schweinen gleichsetze. Auch inhaltlich gebe es einiges an Gniffkes Aussagen zu kritisieren. Kai Gniffke hat sich in seinem SWR-Blog auch zu Wort gemeldet: “Ich hoffe, dass meine bildhafte Wortwahl nicht das Einzige ist, was hängen bleibt, sondern auch Sätze wie diese: Uns geht es um die Zukunft des Journalismus.”

5. Johann König wehrt sich erfolgreich gegen Anschuldigungen der Wochenzeitung Die Zeit
(berliner-zeitung.de, Sören Kittel)
Drei Autorinnen der “Zeit” hatten in einem Artikel Vorwürfe gegen den Berliner Galeristen Johann König erhoben, die sie anscheinend nicht alle beweisen können. Bedeutende Teile des Textes aus dem “Zeit”-Investigativressort hätten deswegen nach gerichtlichen Beschlüssen gelöscht werden müssen. Sören Kittel fasst den Vorgang zusammen, spricht dabei auch die Compliance-Probleme des “Zeit”-Textes an und erklärt, was es mit einem ominösen Drehbuch-Exposé auf sich hat.

6. Was Elon Musk unter Meinungsfreiheit versteht
(tagesspiegel.de, Daniel Krause)
Elon Musk bezeichnet sich als Verfechter der freien Meinungsäußerung. Jedoch nur, solange sich Kritik nicht gegen ihn selbst oder eines seiner Unternehmen richtet, konstatiert Daniel Krause beim “Tagesspiegel”. Sein Text ist Analyse und Chronik zugleich.
Weiterer Lesehinweis: Bei netzpolitik.org kommentiert Markus Reuter eine heimtückische Desinformationskampagne: “Ein irreführender Blogartikel über Mastodon geht derzeit bei Elon Musks Fanboys und in rechten Kreisen viral – zuletzt auch in einer Publikation des Ex-Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt. Es handelt sich um Desinformation mit einer Art Mastodon-Pizzagate, die sich perfekt in die Verschwörungsideologie von QAnon einreiht.”

EU lädt Musk ein, Juristenmedium “Libra”, Ausgezeichneter Wallraff

1. EU-Parlamentspräsidentin lädt Elon Musk zu öffentlicher Anhörung ein
(zeit.de)
EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat Twitter-Chef Elon Musk zu einer Anhörung im Europaparlament eingeladen. Die persönliche Anwesenheit Musks im Parlament böte die Möglichkeit, “einen offenen Austausch in der Öffentlichkeit zu führen”, so Metsola in einem Brief an Musk.

2. Bundesregierung finanziert Juristenmedium “Libra”
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
“Mit ‘Libra’ etabliert sich ein staatsnahes Juristenmedium. Das Bundesjustizministerium tut so, als sei das kein Problem. Das verblüfft ebenso wie das exorbitante Gehalt des Geschäftsführers der juris GmbH.” Für Jochen Zenthöfer tun sich einige Fragen auf, welche die Verquickung von Staat und Medium betreffen.

3. #15Prozent: Zwei Schritte vor, einer zurück
(freischreiber.de)
Mitte November hatten sich die Freischreiber, ein Berufsverband für freie Journalistinnen und Journalisten, mit einem offenen Brief “an mehr als 200 Tages- und Wochenzeitungen, Online-Medien und Magazine in Deutschland” gewandt und darin höhere Honorare gefordert. Nun geben sie einen kurzen Überblick über die Reaktionen und die eingegangenen Rückmeldungen.

Bildblog unterstuetzen

4. WDR plant im nächsten Jahr ebenfalls mit einem Minus
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie vorgestern in den “6 vor 9” berichtet, erwartet der MDR für 2023 ein Defizit in Höhe von 33 Millionen Euro, während der BR mit einem Fehlbetrag von 40 Millionen Euro rechnet. Nun hat der WDR seine Zahlen bekanntgegeben: Dort gehe man von einem Minus in Höhe von 48,3 Millionen Euro im Jahr 2023 aus.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 216 vom 20.12.2022
(netzwerkrecherche.org, Daniel Drepper & Albrecht Ude)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des Netzwerk Recherche (NR). Die neueste Ausgabe liefert einen aktuellen Überblick über Nachrichten, Veranstaltungen, Seminare, Stipendien und Preise. Außerdem gibt es einen Call for Papers für die anstehende NR-Jahreskonferenz 2023. Im Pressespiegel bietet der Newsletter zudem wertvolle Lesetipps zu ausgesuchten Themen.

6. JdJ 2022: Günter Wallraff mit dem Lebenswerk-Preis ausgezeichnet
(mediummagazin.de)
Das “medium magazin” zeichnet Günter Wallraff bei der Wahl zu den “Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2022” (“JdJ 2022”) für sein Lebenswerk aus: “Mit seinen legendären Undercover-Einsätzen wurde Günter Wallraff zum Vorbild zahlreicher Journalistinnen und Journalisten und hat ein eigenes Genre geprägt.”

Blättern:  1 ... 100 101 102 ... 225