Jetzt, wo sich “Sport Bild”-Chef Alfred Draxler ohnehin keine Sorgen mehr um seine “REPUTATION ALS JOURNALIST” machen muss, geben sich er und sein Blatt beim Skandalbasteln wieder mit weit weniger zufrieden als einer Intensivrecherche.
das Mannschaftsquartier mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben.
Die Zeitschrift beruft sich dabei auf einen „anonymen Spieler“, der jetzt “ausgepackt” habe.
Gestern erklärte FC-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer auf einer Pressekonferenz, die Geschichte sei „frei erfunden“.
Ich war sehr überrascht über das, was ich jetzt gelesen habe. Das stimmt nicht und ist die Unwahrheit – dass das klar ist. Wir haben mit Arturo [Vidal] ein absolut enges Verhältnis. Natürlich sprechen wir ihn auch auf gewisse Themen an. Er selbst hat gesagt, dass da nichts dran ist – unabhängig von Katar, sondern insgesamt. Dagegen werden wir als Klub auch vorgehen – das ist ganz klar. Man versucht vielleicht mit allen Mitteln gegenüber dem FC Bayern, die Liga spannend zu machen. Aber ich kann nur sagen: Sie erreichen das Gegenteil. Wir werden noch enger zusammenrücken, das werden wir nicht zulassen. Im Fall Vidal werden wir mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen.
Auch Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, erklärte in einer Stellungnahme im Namen des Vereins:
„Beide Behauptungen sind ebenso böswillig wie falsch.”
(Er meint die Alkohol-Geschichte und das ebenfalls von der “Sport Bild” verbreitete Gerücht, Vidal beziehe 8 Mio. Euro netto im Jahr.)
Und Arturo Vidal selbst teilte auf seiner Instagram-Seite mit:
Die “Sport Bild” erklärte auf Anfrage der dpa, sie bleibe bei ihrer Darstellung.
Gertjan Verbeek ist Trainer des VfL Bochum und kein allzu großer Freund der “Bild”-Zeitung (BILDblogberichtetemehrfach). In einem Interview mit dem Magazin “11 Freunde” hat er jetzt kurz über das angespannte Verhältnis gesprochen:
11 Freunde: Ist eigentlich Ihr Umgang mit Journalisten auch eine Form der Rebellion? Sie haben mehrfach deutlich vor allem die „Bild“ kritisiert und weigern sich inzwischen sogar, die Fragen des für den VfL Bochum abgestellten Reporters zu beantworten.
Verbeek: Eine Autorität wie bei der „Bild“-Zeitung, die daher kommt, dass sie die Meinung im Fußball bestimmt, interessiert mich nicht. Aber ich habe auch in Holland schon Probleme mit der Presse gehabt, weil ich sehr direkt bin. Ich sage, was ich denke. Ich bin unabhängig, wie Lemmy von Motörhead. Was andere über mich denken, interessiert mich nämlich nicht. Und wenn Journalisten mich verarschen, warne ich einmal, zweimal. Beim dritten Mal ist es vorbei.
Das klingt dann so: „Ihr spielt immer zwei Parteien gegeneinander aus.“ Das haben Sie im September in einer Pressekonferenz über „Bild“ gesagt und: „Ihr seid doch Arschlöcher!“
Ich habe mich im Ton vergriffen und mich dafür entschuldigt. Aber der Inhalt war okay.
Sie überlegen gerade, ob Sie Ihren Vertrag in Bochum verlängern. Inwiefern spielt bei Ihren Überlegungen die Situation mit der Presse eine Rolle?
Wenn meine Arbeit hier unmöglich wird, weil ich zu viel Ärger habe oder der Klub nur negativ vorkommt, weiß ich: Das Kraftfeld wird negativ für mich.
Ist es schon so weit?
Nein, aber das kann passieren. Ich mach es mir natürlich nicht leichter, denn „Bild“ wird jede Chance nutzen, um mir zu schaden.
Könnten Sie sich nicht einfach etwas diplomatischer verhalten?
Sie sprechen von Diplomatie, aber man könnte auch sagen: Ich bin ehrlich. Immer! Ich habe keine zweite Agenda, und ich werde nie hinter seinem Rücken etwas über jemanden sagen.
Fragt man Fans des FC St. Pauli, welchen Fußballverein sie so gar nicht leiden können, dürften die meisten den HSV nennen, aber auch RasenBallsport Leipzig ist nicht irre beliebt unter den Paulianern. Die massive finanzielle Unterstützung durch Red Bull für die Leipziger, die fehlende Tradition, das Hin- und Hergestausche mit anderen mit Red Bull assoziierten Vereinen — RB Leipzig ist für viele Pauli-Anhänger ein “Kackverein”. Vergangenes Jahr hatte der FC St. Pauli sogar das Wappen der Leipziger (das stark dem Red-Bull-Logo ähnelt) von der eigenen Homepage gelöscht.
Fragt der “Kicker” St. Paulis Trainer Ewald Lienen, ob er sich vorstellen könne, Trainer in Leipzig zu sein, antwortet der:
Ich könnte mir das sehr gut vorstellen — unter der Bedingung, dass der Verein grundsätzlich seine Philosophie ändert. Wir können ja mal unsere Satzung und die Leitlinien schicken (lacht).
Unsere Zusammenfassung: Ewald Lienen kann sich das nicht vorstellen.
Und die Zusammenfassung des “Kicker”:
Etwas boulevardesque, die Zitatverkürzung im Bild, lieber Kicker.
Lesenswertes Interview mit Chewald, Kurz & Weiler pic.twitter.com/QvTqtfneoB
Kurz vorm Abflug ins Trainingslager vor einer Woche hat FC-Bayern-Fußballer Thomas Müller mit “Bild”-Reporter Kai Psotta über seine Ziele für 2016 gesprochen:
“Bild”-Reporter: Was ist denn deine persönliche Zielsetzung für 2016? Ereignisreiches Jahr: EM, gibt drei Titel noch zu gewinnen mit Bayern …
Müller: Mein Hauptziel ist, so wenig wie möglich Interviews mit der “Bild”-Zeitung zu führen.
Mit Dank an Daniel N.
Nachtrag, 15. Januar: Und wie das mit guten Vorsätzen so ist … Direkt im Anschluss hat Müller dem “Bild”-Mann dann doch ein Interview gegeben.
Vor knapp zwei Wochen ist im „Stern“ eine Reportage über ein Flüchtlingsheim in Bautzen erschienen. Autorin Frauke Hunfeld hatte fast eineinhalb Jahre lang die Entwicklung des Heims (das früher mal ein Hotel war) verfolgt. An einer Stelle schreibt sie:
Gemunkelt wird viel, im Heim und auch außerhalb des Heims. Gemunkelt wird in Bautzen zum Beispiel, dass der Notarzt nur noch mit schusssicherer Weste ins Spreehotel geht und dass die Asylbewerber ungestraft klauen dürften, jedenfalls bis 50 Euro, das habe der Kreistag so beschlossen.
Doch wenn man versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, war es doch nicht die Tante vom Informanten, die das gesehen hat, sondern nur gehört, und zwar von einem, dessen Namen sie leider nicht weiß. Der Kreistag weiß nichts, die Polizei kennt die 50-Euro-Regel auch nicht, und was die Westen betrifft: Peter Rausch [der Betreiber des Heims] sagt, er habe noch keine Notärzte damit gesehen, und er sieht sie wirklich oft. Die Rettungsstelle sagt: durchstichsichere Westen wurden angeschafft, aber nicht fürs Spreehotel, sondern für Konfliktsituationen aller Art, Schlägereien, Fußballfans, Betrunkene. Im Supermarkt heißt es: Natürlich klauen die Flüchtlinge, aber eben auch nicht mehr als die Deutschen. Und dass Asylbewerber Hausverbot haben, da lacht der Verkäufer bloß, da wären sie ja schön blöd, “die tragen ihre 370 Euro im Monat doch zu 90 Prozent zu uns”.
Woher dieses Gemunkel kommt? Wir hätten da eine Vermutung.
Falls Sie in der Zwischenzeit Entzugserscheinungen oder stressige Verwandte plagen, empfehlen wir eine Stöberrunde in unserem Archiv. Unsere Beiträge aus diesem Jahr:
Die “6 vor 9”-Ausgaben finden Sie hier, die “Perlen des Lokaljournalismus” hier.
Wir wünschen allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr — und danken allen, die uns in diesem Jahr mit Hinweisen versorgt und unterstützt haben, ganz besonders:
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1. Rechtssicherheit auf Kosten der Freien (taz.de, Anja Krüger)
Beim Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) arbeiten allein am Standort Köln mehr als 150 Journalisten als Pauschalisten. Viele seien de facto aber als Redakteure tätig, deshalb ermittle die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Beschäftigung Scheinselbstständiger. Nun habe MDS dauerhaften freien Mitarbeitern eine Festanstellung angeboten. Die Konditionen sollen Betriebsräten zufolge aber “unterirdisch” sein.
2. “Alle Jahre wieder” — Die 5 meist kopierten Radioinszenierungen (fair-radio.net)
Ein Moderator schließt sich bei “Antenne Kärnten” ins Studio ein und spielt 24-mal hintereinander den Weihnachtsnervsong “Last Christmas”. Über den Vorfall berichten zahlreiche Medien, weil’s ja so irre ist. “Fair Radio” findet hingegen: “Wie einfallslos! Denn diese Inszenierung gehört definitiv zu den fünf meist kopierten im Radio.”
3. Bis zur WM sollen in Katar 7000 Arbeiter sterben — an was auch immer (stefan-niggemeier.de)
In sieben Jahren findet in Katar die Fußballweltmeisterschaft statt. Bis dahin sollen angeblich 7000 ausländische Arbeiter ums Leben kommen. Diese Zahl verbreitet jedenfalls der internationale Gewerkschaftsbund ITUC — und viele Medien greifen die Meldung bereitwillig auf. Dabei beruht die Zahl auf einer fragwürdigen Berechnungsgrundlage. Stefan Niggemeier appelliert deshalb: “Ich habe keine Zweifel daran, dass die Arbeitsbedingungen in Katar furchtbar sind (…). Aber der Preis für die Aufmerksamkeit kann nicht darin bestehen, zweifelhafte Horrorzahlen zu verbreiten.”
4. Wer ist heute noch “Charlie”? (medienwoche.ch, Carmen Epp)
Mit dem Spruch “Je suis Charlie” solidarisierten sich etliche Medien nach dem Anschlag auf “Charlie Hebdo” mit der Redaktion. Was ist elf Monate später davon geblieben? Mit Blick auf die Schweizer Medienszene bilanziert Carmen Epp: In Sachen Pressefreiheit “ist noch einiges zu tun.”
5. “Geschäftemacherei” mit Presseausweisen derstandard.at, Oliver Mark)
In Österreich gibt es Schätzungen zufolge 7000 Journalisten. Wie viele Presseausweise kursieren, ist nicht bekannt. Vermutlich sind es allerdings deutlich mehr. Es existiere nämlich weder ein offizieller Presseausweis, noch gebe es einheitliche Kriterien für die Vergabe, schreibt Oliver Mark. Dadurch entstünde ein Wettbewerb der Organisationen, die mit den tollsten Rabatten um Mitglieder kämpfen.
6. Für welche Titel-Storys sollen diese Brüste werben? (buzzfeed.com, Juliane Leopold)
“Stern”, “Spiegel” und “Focus” kommen nur schwer ohne Frauenbrüste auf ihren Titelseiten aus. Juliane Leopold hat aus einigen (auch schon älteren) Covern ein Quiz gebastelt.
1. Systemic Change Needed After Faulty Times Article (publiceditor.blogs.nytimes.com, Margaret Sullivan), englisch
Auf Grundlage anonymer Quellen hatte die “New York Times” schwere Vorwürfe gegen US-Behörden erhoben und ihnen Versagen bei der Kontrolle der Attentäterin von San Bernardino unterstellt. Die Anschuldigung war falsch — und Margaret Sullivan, Public Editor der “NYT”, spart nicht mit Selbstkritik: “That’s not acceptable for Times readers or for the paper’s credibility, which is its most precious asset. If this isn’t a red alert, I don’t know what will be.” Dan Gillmor fordert die Redaktion daraufhin auf, deutlich sorgfältiger und sparsamer mit Informationen aus anonymen Quellen umzugehen.
2. Journalist MacAskill: “Der wahre Held ist Edward Snowden” (derstandard.at, Sebastian Fellner)
Der schottische Journalist Ewen MacAskill machte gemeinsam mit Glenn Greenwald und Laura Poitras die anlasslose Massenüberwachung der NSA öffentlich, nachdem Edward Snowden ihnen Dokumente zugespielt hatte. Rund zweieinhalb Jahre nach den ersten Enthüllungen blickt er zurück und lehnt Vergleiche mit Woodward und Bernstein ab: “Sie mussten es zusammenflicken, sprachen mit hunderten Menschen. Wir haben die Dokumente einfach bekommen. Okay, es war harte Arbeit, die Geschichte herauszuarbeiten, sobald wir die Dokumente hatten. Aber ich glaube nicht, dass es mit Watergate vergleichbar ist.”
3. Wie Blocher in Basel so der Milliardär in Nevada (infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Vergangene Woche war es nur eine Vermutung (siehe Link Nummer 6), jetzt steht es fest: Der Käufer, der für “The Las Vegas Review-Journal” 140 Millionen Dollar hingelegt hat, ist Casinomagnat Sheldon Adelson. Der Multimilliardär mache keinen Hehl daraus, “dass er mit dem Kauf von Zeitungen politischen Einfluss ausüben wolle”, schreibt Urs P. Gasche.
4. Offene Rechnungen (deutschlandfunk.de, Jürgen Kalwa, Audio, 4:14 Minuten)
Seit Ende November veröffentlicht eine Gruppe namens “Football Leaks” pikante Unterlagen aus der Fußballwelt. Die anonymen Aktivisten hätten sich vor allem auf einen “auf den Fußball spezialisierten Investmentfonds” eingeschossen, der bei Spielertransfers ordentlich mitverdiene, so Jürgen Kalwa. Beim niederländischen Verein Twente Enschede hätten die Enthüllungen schon zum Rücktritt des Vereinsvorsitzenden und zum Ausschluss von internationalen Wettbewerben geführt, schreibt Christian Spiller bei “Zeit Online”.
5. Deutsche Mittelwelle stirbt aus (heise.de)
Wenn der “Deutschlandfunk” Ende des Jahres die Ausstrahlung über Mittelwelle einstellt, dann war’s das mit einem “Stück deutscher Rundfunkgeschichte”.
6. “Immer feige, immer angepasst” (taz.de, Anne Fromm, Jürn Kruse und Paul Wrusch)
Kürzlich durfte “Kress” “ein bemerkenswertes Gespräch” der “drei Alpha-Journalisten” Kai Diekmann, Julian Reichelt und Tanit Koch veröffentlichen. Bestimmt ist es reiner Zufall, dass sich nun auch die “taz” freut, “ein bemerkenswertes Gespräch (…) veröffentlichen [zu] dürfen”, bei dem “die drei Alpha-Journalisten Jürn Kruse, Anne Fromm und Paul Wrusch” Einblicke in die “Ausrichtung der starken Marke taz” geben.
Gertjan Verbeek, Trainer des VfL Bochum, hat so seine Probleme mit Joachim Droll, Reporter bei der “Bild”-Zeitung. In einer Pressekonferenz im September bezeichnete Verbeek Droll und dessen Kollegen bei “Bild” als “Arschlocher”; Anfang dieser Woche teilte der VfL Bochum mit, dass man auf Fragen von Droll nicht mehr antworten werde, weil man sich seit Jahren über seine Arbeitsweise ärgere.
Am Montag war Verbeek in der niederländischen Fußball-TV-Sendung “Voetbal Inside” zu Gast. Dort war unter anderem auch seine Beziehung zu “Bild”-Mann Joachim Droll Thema (ab Minute 4:13; allerdings nur mit niederländischer IP abrufbar).
Moderator Wilfred Genee leitet die Frage eines Zuschauers an Verbeek weiter (die niederländischen Passagen haben wir übersetzt*):
Genee: Hast du noch Rache genommen, Gertjan, noch ein paar deutsche Journalisten angeschnauzt, fragt sich Wouter van Lunen aus Maastricht. Freitag gab’s mal wieder eine Gelegenheit.
Verbeek: Ihr wart sicher mit einem Kamerateam da?
Genee: Ja, wir waren mit einem Kamerateam da.
Verbeek: Dann muss ich aufpassen, was ich sage.
Genee: Ja, unbedingt.
Verbeek:Ich glaube schon, dass ich was gesagt habe.
Genee: Endlich wieder gewonnen, nach sieben Spielen endlich mal wieder ein Sieg, dann kann man sich mal richtig gehen lassen, würde ich sagen.
Verbeek: Ja. Darum geht’s eigentlich nicht, es gewissermaßen mal allen zu zeigen oder so.
Zum Hintergrund: Ein Kamerateam von “Voetbal Inside” war am vergangenen Freitag in Bochum und hat dort nach der Zweitligapartie zwischen dem VfL und dem SC Paderborn sowohl Droll als auch Verbeek zum jeweils anderen befragt.
Bevor der daraus entstandene Einspielfilm kommt, erzählt Moderator Genee aber erstmal von seinen Joachim-Droll-Erfahrungen:
Genee: Joachim Droll, er hat mich neulich auch angerufen, ein äußerst freundlicher Mann am Telefon, äußerst freundlich.
Verbeek: Zu dir schon.
Genee: Ihr könnt nicht so miteinander.
Verbeek: Ja, das kann man so sagen.
Genee: Er ist von “Bild” — und lasst es uns eben anschauen und rekapitulieren, was letzten Freitag alles passiert ist. Es begann damit …
Der Einspieler beginnt mit Verbeeks “Arschlocher”-Aussage. Am Freitag in Bochum wollte der “Voetbal Inside”-Interviewer dann von Joachim Droll wissen, wie die Beziehung von ihm und Verbeek nun ausschaue:
Interviewer: How is your relationship with Mister Verbeek now?
Droll: Which relationship? I think it’s not possible for a journalist to get a relationship to him.
Schnitt zu Verbeek:
Interviewer: Er wird dir in jedem Fall nichts zu Weihnachten schenken, hat er gesagt.
Verbeek: Nee, aber er bekommt auch nichts von mir. Ich denke, dass er demnächst in Bochum abgelöst wird, und dann bekommen wir einen neuen Reporter. Da bin ich sehr glücklich mit.
Droll: I talked to him five months ago about that it’s very important to have a good relationship to a team and not to be a dictator.
Verbeek: Dass muss Herr Droll gerade sagen.
Interviewer an Droll: You think he is a bit of a dictator?
Droll: A little bit, yes. I think he is a little bit, he’s doing so, yes, yes.
Verbeek: Herr Droll muss sich selbst einen Schnurrbart wachsen lassen, dann ähnelt er jemandem.
Genee: Das werden sie in Deutschland senden, das ist dir natürlich klar.
Der frühere Profifußballer und heutige Journalist Johan Derksen, der regelmäßig als Gast bei “Voetbal Inside” ist, schaltet sich ein:
Derksen: Ich finde, er ist ein freundlicher Mann.
Genee: Ich hatte ihn am Telefon, und er probiert ständig, einem etwas in den Mund zu legen. Er fragte stets: Aber eigentlich ist Verbeek doch ein sehr schwieriger Typ, jemand, der eigentlich überhaupt nicht nett ist? Und ich sagte dann: Eigentlich ist er ein netter Typ. Und Droll sagte dann: Weißt du das sicher? Er tut doch eigentlich sehr seltsame Sachen. Ich fragt ihn dann nach einem Beispiel. Und er sagte dann: Das weiß du doch selbst. Er machte die ganze Zeit so weiter, aber das klappte dann nicht so, wie er wollte. So eine Art Mensch ist es, weißt du.
Verbeek: Ja.
Genee: Er nervt immer weiter.
Verbeek: Ja, er nervt immer weiter.
Derksen: Für seinen Chef ist er dann vielleicht der Richtige..
Verbeek: Das weiß ich nicht. Im Moment ist es so, dass er in Bochum keine Informationen mehr bekommt. Und das scheint mir für einen Journalisten schon wichtig.
Derksen: Aber das ist auch gefährlich, dass Bochum so etwas tut. Denn dann beginnen sie oft, im Privatleben zu suchen.
Verbeek: Ich habe privat nichts zu verbergen.
Derksen: Ja, du nicht. Aber da werden sicher welche sein, die dunkle Seiten haben.
Verbeek: Ja, sicher. Aber hierbei geht es um mich. Er kann von mir aus suchen, was er will.
Genee: Du sitzt ja jetzt öffentlich mit deiner Freundin auf der Tribüne. Da ist jetzt also nichts mehr, was an die Öffentlichkeit kommen könnte. Du sagst also: Ja, lass ihn mal machen.
Derksen: Sind die Fotos schon in “Bild” veröffentlicht?
Verbeek: Es ist völlig sinnlos, es diesem Mann recht zu machen. Wenn ich sehe, was er in den letzten vier Wochen so geschrieben hat — ja, lass ihn mal schreiben, was er will. Aber dann muss er mich nichts mehr fragen.
Genee: Werdet ihr noch ein gutes Gespräch führen, jetzt kurz vor Weihnachten?
Verbeek: Das haben wir schon drei- oder viermal probiert. Der Mann ist ein Wiederholungstäter. Da hört es dann auf.
Derksen: Aber hast du nicht so eine Einstellung: Das ist mir doch egal, da stehe ich drüber, das ist mir egal was sie schreiben?
Verbeek: Ja, das habe ich auch. Deshalb rede ich persönlich auch seit ungefähr vier Wochen nicht mehr mit ihm. Und jetzt hat sich der Verein dem angeschlossen. Er hört zwar zu, aber er macht dann, was er will. Das darf er auch. Aber warum soll ich mich dann noch fragen lassen? Lass ihn mal tun, was er will.
Derksen: Aber in der Pressekonferenz, wenn er was fragt, gibst du ihm dann keine Antwort?
Verbeek: Nein, ihm ist mitgeteilt worden, dass er keine Fragen mehr stellen soll, weil wir seine Fragen nicht mehr beantworten.
Derksen: Das wäre doch mal ein Gast hier für den Tisch.
Zum Ende äußert sich noch der frühere Fußballer René van der Gijp, der ebenfalls als Experte mit am Tisch sitzt:
van der Gijp: Weißt du, was muss man in der Schule nicht alles ertragen, wenn man ›Droll‹ mit Nachnamen heißt? Der Mann ist einfach zehn Jahre lang gemobbt worden. Und dann wird da so was draus: ein kleiner Quälgeist.
“drol” kann im Niederländischen für vieles stehen. Meistens bedeutet es “Scheiße”.
Vielen Dank an den Hinweisgeber und an nach-holland.de für die Übersetzung !
*Nachtrag, 18. Dezember: Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass unsere erste Übersetzung ein paar Ungenauigkeiten und Fehler enthielt. Daher haben wir die Übersetzung an einigen Stellen ausgebessert und in der Überschrift aus “Blutsaugern” “Quälgeister” gemacht.
Der frühere Fußballnationalspieler Stefan Kießling hat am vergangenen Wochenende stark gespielt. Beim 5:0-Sieg von Bayer Leverkusen über Borussia Mönchengladbach traf Kießling zweimal, zwei weitere Tore bereitete er vor. Eine “Gala”, wie “Bild am Sonntag” anschließend schrieb, aber nicht irgendeine:
Denn das Autoren-Quartett Vim Vomland, Dirk Krümpelmann, Phillip Arens und Christian Hornung hat herausgefunden:
Es ist die stärkste Leistung seiner Karriere — und auch die letzte vor seinen Leverkusener Fans.
Der Abschied aus Leverkusen, der schon seit einiger Zeit gerüchteweise im Raum stand, werde konkreter. Die vier Rechercheure haben dafür eindeutige Zeichen ausgemacht:
Jetzt ist es wohl so weit. Kießlings Ehefrau Norina verdrückte während des Spiels Tränen auf der Tribüne. Der Stürmer selbst verabschiedete sich nach Abpfiff von 200 Fans, die extra für ihn zurück ins Stadion gekommen waren. Bewegende Abschiedsszenen.
Vor allem aber gebe es die (nicht weiter konkretisierten) “Bild am Sonntag”-Informationen, die für Kießlings Abgang im Winter sprächen:
Nach BamS-Informationen wird Kießling innerhalb der Bundesliga wechseln.
Definitiv kein Wechsel! Stefan Kießling (31) bleibt bei Bayer Leverkusen.
Heute früh saßen Sportchef Rudi Völler, Manager Jonas Boldt und der Stürmer zusammen. Das Ergebnis der Gesprächsrunde: Kießling wird Leverkusen nicht verlassen.
Und nicht nur wird er Leverkusen nicht frühzeitig verlassen, sondern wahrscheinlich auch noch viel länger bleiben als bisher geplant:
Nach dem Machtwort von Rudi Völler (“Er muss bleiben!”) spricht nun Vieles dafür, dass Völler den bestehenden Vertrag noch über 2017 hinaus verlängern will. Es ist auch wahrscheinlich, dass Völler und Bayer Kießling ein Job-Angebot für die Zeit nach der aktiven Karriere machen werden.
Zwischen der Wechselankündigung in “Bild am Sonntag” und dem kompletten Gegenteil bei Bild.de gab’s am Montag auf der Titelseite der Kölner “Bild”-Ausgabe diese Schlagzeile:
In der Onlineversion rufen die zwei Autoren Vim Vomland und Phillip Arens Leverkusens Sportchef Rudi Völler zu: “Richtig, Rudi!”
Rudi Völlers Klartext in Sachen Kießling ist klug, das einzig Richtige. Es war aber auch höchste Zeit!
Es darf nicht soweit kommen, dass ein Trainer der Bayer-Legende Kießling so einfach die Lust am Fußball nimmt und ihn aus dem Klub vertreibt.
Aber ihn einfach aus dem Klub schreiben — das geht natürlich schon in Ordnung.