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Zum Würfeln: Post von Wagner

Zeitknappheit, Personalmangel, begrenzte Ressourcen …

Wir kennen die Probleme der Redaktionen nur allzu gut und haben dafür die Lösung: Mit unserem neuen Würfelspiel “Kurz vor Redaktionsschluss” lassen sich, jawoll, auch kurz vor Redaktionsschluss auf die Schnelle druckreife Teaser, kurze Artikel und sogar ganze Kolumnen erstellen.

Folge 1 unserer 16-teiligen Serie: Post von Wagner.

Das neue BILDblog-Würfelspiel Kurz vor Redaktionsschluss - Bild-Kolumne Post von Wagner - Schritt 1: Würfeln Sie den Adressaten - Schritt 2: Würfeln Sie die Einleitung - Schritt 3: Würfeln Sie den Hauptteil - Schritt 4: Würfeln Sie den Schlusssatz - Variante 1 - Lieber Jogi Löw, Sie stehen da wie eine Niete, die sich vor der Arbeit drückt. Ein freundlicher Mond, der das Wasser silbern blinken ließ. Wollen wir Fische sein oder wollen wir überleben? - Variante 2 - Liebe Angela Merkel, ich komme gerade von der Geburtstagsfeier eines Freundes. Ein Stein hat uns besucht. Ein Stein ohne Mitleid. Ohne Fußball wären wir ein ausgedörrter Brunnen. - Variante 3 - Liebe Bundesliga, Sie haben den Drachen besiegt. Beim letzten toten Freund war ich auf seiner Beerdigung. Ich sehne mich nach einem Regenschirm. - Variante 4 - Lieber Boris Becker, woran erinnert sich ein Baum? Kämpfen ist besser, als Ferrari zu fahren. Ich denke, dass Gott sich so eine Welt vorgestellt hat. - Variante 5 - Liebe Bundeswehrsoldaten, niemals habe ich eine Treibjagd wie gegen Sie erlebt. Man macht die Fenster zu und alles ist gut. In meiner Erinnerung höre ich es rascheln. - Variante 6 - Lieber kleiner Baby-Prinz, Sie haben einen Messermann erschossen. Jeder lebt hinter seiner eigenen Wohnungstür. Wie wärmend ist das für unsere eigene Seele.

Hier gibt es ein größeres JPG und hier ein größeres PDF zum Ausdrucken.

Am Montag folgt Ausgabe 2.

Corona und die Medien, Falsche Sat.1-Polizistinnen, Der schwarze Kanal

1. Pandemie veranschaulicht Lücke
(taz.de, Said Rezek)
Anlässlich der vielen herumschwirrenden “Fake News”, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zum Coronavirus plädiert Said Rezek für die Vermittlung von mehr Medienkompetenz. Das mache “zwar niemanden gegen das Coronavirus immun, aber immerhin sind dann alle gegen Fake News gewappnet. So kann jeder User durch Nutzung seriöser Quellen zur Informationsbeschaffung dazu beitragen, die Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, die medizinische Versorgung zu verbessern und Panik zu verhindern. Letztlich steht und fällt alles mit Bildung.”
Weiterer Lesehinweis: Das European Journalism Observatory beschreibt in einer Serie, wie weltweit über die Corona-Pandemie berichtet wird (bisher erschienene Beiträge: Großbritannien, Finnland, Schweden, Russland, Brasilien und Ägypten).
Beim “Spiegel” berichten die Korrespondenten in einem Video (3:54 Minuten) von ihrem Alltag aus verschiedenen Weltstädten.
Die “Medienwoche” beschäftigt sich mit einer anderen Gefahr: In mehreren Ländern erhöben Gesundheitsbehörden Smartphone-Daten, um Bewegungsprofile der Bevölkerung zu erstellen und Infektionsketten zurückzuverfolgen. Adrian Lobe fragt: “Mit Big Data gegen Corona: Weniger Datenschutz für mehr Seuchenschutz?”
Gute Fragen hat auch Jakob Buhre beim Pressebriefing des Robert Koch Instituts gestellt. Es geht um den Sprachgebrauch und die Abgrenzung der beiden Begriffe “Erkrankung” und “Fälle”.
Europaweit bleiben die Menschen zuhause und bringen mit ihrem steigenden Internet-Konsum die Netze an ihre Belastungsgrenzen. Um die Infrastruktur zu schützen, reduziere der Streamingdienst Netflix ab sofort seine Bitrate für Streams in Europa (dwdl.de, Thomas Lückerath).
Trotz coronabedingter fußballfreier Zeit würden sich Welt.de und t-online.de auf ein heißes Fußball-Wochenende vorbereiten und entsprechende Vorberichte veröffentlichen. Schuld ist eine Kombination aus Roboterjournalismus und Unaufmerksamkeit (uebermedien.de, Jürn Kruse).

2. Sat.1 schickt falsche Polizistinnen nach Connewitz – und hat nun Ärger mit dem Gesetz
(uebermedien.de, Aiko Kempen & Henrik Merker)
Der Fernsehsender Sat.1 hat zwei Reporterinnen in nachgemachten Polizeiuniformen in den Leipziger Stadtteil Connewitz geschickt. Insgesamt drei Drehtage lang zogen die verkleideten Frauen durch das Leipziger Szeneviertel, samt Kamerateam und Security-Crew. Das Ziel: Eine Art skandalisierender Kriegsbericht aus einer angeblichen No-go-Area. Das löst moralisch-ethische Fragen aus — und das Interesse von Staatsanwaltschaft und Polizei für das Vorgehen von Sender und Fernsehteam.

3. Vor 60 Jahren startete “Der schwarze Kanal”
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 4:55 Minuten)
Vor 60 Jahren wurde in der DDR das erste Mal “Der schwarze Kanal” ausgestrahlt, eine Sendung, die vorgab, sich kritisch mit dem Westfernsehen auseinanderzusetzen. Moderiert von Karl-Eduard von Schnitzler, der die Ausschnitte mal polemisch, mal geradezu hasserfüllt kommentierte. Brigitte Baetz erinnert an eine Propagandasendung aus den finstersten Ost-West-Zeiten.

4. Gerade jetzt ist Wissenschaftsjournalismus unerlässlich
(fachjournalist.de, Holger Wormer & Sascha Karberg)
Eigentlich müsste in den jetzigen Zeiten der Wissenschaftsjournalismus blühen, denn es bestehe ein großer Bedarf an fundierter Berichterstattung, doch das Gegenteil sei der Fall. Holger Wormer und Sascha Karberg beschreiben in ihrem einem Buch entnommenen Text, worin die Probleme bestehen und wie man ihnen begegnen könnte. Zwei Kulturen müssten sich einander annähern: “der naturwissenschaftlich geprägte Berichterstattungsstil des Wissenschaftsressorts und der traditionelle, eher geisteswissenschaftlich oder ›literarisch‹ geprägte Journalismustypus der übrigen Ressorts”.

5. “Grundwerte mutig verteidigen”
(kontextwochenzeitung.de, Minh Schredle)
Rassisten eine Bühne zu bieten habe nichts mit Ausgewogenheit zu tun, so der “Monitor”-Moderator Georg Restle im Interview mit dem Wochenmagazin “Kontext”: “Ich glaube, es braucht auch unter Kolleginnen und Kollegen ein klares Verständnis dafür, dass es nichts mit Ausgewogenheit und Perspektivenvielfalt zu tun hat, rechtsextreme Positionen zu verbreiten. Das haben wir bei ‘Monitor’ schon 2016 kritisiert, als es um Talkshow-Auftritte von AfD-Politikern ging. Ich habe den Eindruck, dass sich diese Auffassung, wenn auch noch nicht überall, aber doch langsam durchsetzt, und hoffe, dass daraus auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden.”

6. Der US-“Playboy” war kein “Tittenmagazin”, sondern eine politische Streitschrift
(meedia.de, Ben Krischke)
Man kann an dem US-Magazin “Playboy” sicherlich vieles kritisieren. Anlässlich der Einstellung der Printausgabe in den USA ist Ben Krischke in seinem Nachruf jedoch gnädig und fokussiert sich auf die positiven Aspekte: “Der US-‘Playboy’ war nie ein aufpoliertes ‘Schmuddelblatt’ oder ein chauvinistisches ‘Tittenmagazin’, sondern eine lustvolle Streitschrift. Er lichtete einerseits nackte Frauen in erotischen Posen ab. Andererseits druckte Hefner von Anfang an umstrittene Werke bekannter Schriftsteller wie Ray Bradbury, der in seiner Dystopie ‘Fahrenheit 451’ gegen die Zensur anschrieb. Oder einen Text von Charles Beaumont, der eine Welt erdachte, in der Homosexualität normal ist und Heterosexualität als abartig gilt.”

Privatsphäre in Corona-Zeiten? Ist Bild.de doch egal!

Beim Fußballbundesligisten Hertha BSC gibt es einen Spieler, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Der Verein veröffentlichte dazu heute eine Pressemitteilung:

Eigentlich sollte es heute nach drei Tagen mit individuellen Trainingsplänen wieder mit dem Teamtraining auf dem Schenckendorffplatz für diese Woche losgehen. Nachdem jedoch nun ein Spieler der Profimannschaft bei Hertha BSC positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, wurde für alle Spieler des Lizenzspieler-Kaders und für das Trainer- und Funktionsteam nun eine 14tägige häusliche Quarantäne angeordnet.

Liest man die komplette Mitteilung, dann fällt auf, dass der Klub an keiner Stelle den Namen des positiv getesteten Spielers nennt. Das sei “nach interner Rücksprache” ganz bewusst geschehen, sagt uns Herthas Pressesprecher Marcus Jung auf Nachfrage, denn dafür gebe es “gute Gründe”: Privatsphäre, Datenschutz, ärztliche Schweigepflicht.

Das alles scheint den Leuten bei Bild.de herzlich egal zu sein.

Screenshot Bild.de - Team in Corona-Quarantäne - Hertha-Profi positiv getestet!

Im Artikel nennt die Redaktion den Namen des Spielers (“Nach BILD-Informationen handelt es sich bei dem Betroffenen um (…)”) und zeigt ein Foto von ihm. Inzwischen berichten zahlreiche andere Medien, um wen es sich “laut der ‘Bild’-Zeitung” handeln soll.

Mit Dank an @FacepalmL für den Hinweis!

Nachtrag, 18. März: In der heutigen Berlin-Ausgabe der “Bild”-Zeitung berichtet die Redaktion auch groß über den ersten Corona-Fall bei Hertha BSC. Sie nennt auch dort den Namen des Fußballers, direkt in der Überschrift:

[…] infiziert! Hertha in Quarantäne

In der “Bild”-Bundesausgabe gibt es zum Thema eine Meldung im “CORONA-TICKER” auf der Sportseite. Auch dort wird der Name genannt.

Der Spieler selbst hat sich nach wie vor nicht öffentlich, etwa auf seinem offiziellen Instagram-Profil, zum positiven Corona-Test geäußert.

Corona-Berichterstattung, Xavier Naidoo, Apotheken-Postillen

1. Das Coronavirus und die Medien
(ndr.de, Armin Ghassim & Gabor Halasz, Video: 2:51 Minuten)
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, hält die Berichterstattung über das Coronavirus für teilweise kontraproduktiv: “Die Bundespressekonferenz zuletzt habe ich als Zeitverschwendung empfunden. Ich wurde nur nach leeren Fußballstadien und dem CDU-Parteitag gefragt, anstatt inhaltliche, medizinische Fragen zu beantworten.”
Weiterer Lesehinweis: Sternstunde für die Regionalen: “Die überregionalen Medien berichten längst nicht mehr über jede Neu-Infektion mit Corona. Nun schlägt die Stunde des Lokaljournalismus — zum Beispiel beim ‘Bonner General-Anzeiger'” (deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 4:53 Minuten).
Und auf vielen Ebenen interessant: So veranschaulichen Datenjournalist:innen das Coronavirus (netzpolitik.org, Dominic Lammar) — aber Achtung: Diese Coronavirus-Karte stiehlt Passwörter (futurezone.at).

2. RTL trennt sich mit sofortiger Wirkung von Xavier Naidoo
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nachdem fragwürdige Videos des Künstlers Xavier Naidoo mit äußerst irritierenden, teils rassistischen Textstellen aufgetaucht sind, hat sich RTL von Naidoo getrennt. Dem Wortlaut der Stellungnahme des Privatsenders nach, beziehe sich das zunächst aber nur auf die nächste “Deutschland sucht den Superstar”-Ausgabe. “Dass Naidoo jedoch zu ‘DSDS’ zurückkehren wird, hält man nicht nur bei der Produktionsfirma UFA Show & Factual für unwahrscheinlich”, so “DWDL”-Chefredakteur Thomas Lückerath.

3. Irreführende Aussagen über rechten Terror
(tagesschau.de, Patrick Gensing & Georg Mascolo)
Der heutige AfD-Europaabgeordnete und frühere stellvertretende “Bild am Sonntag”-Chefredakteur Nikolaus Fest weiß in einem Video von angeblich brisanten Informationen zu berichten: Ein Bericht der EU-Polizeibehörde Europol sehe seiner Aussage nach keine Gefahr durch rechten Terror. Vielmehr seien Islamismus und Linksterror die großen Bedrohungen. Dies wolle man jedoch, so die Fest-Diktion, aus politischen Gründen nicht eingestehen und habe den Bericht daher als geheim eingestuft. Der ARD-“Faktenfinder” ist dem Fall nachgegangen und kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Damit konfrontiert, gerät Fest ziemlich ins Rumeiern.

4. NDR verzichtet auf Studiopublikum und sagt Veranstaltungen ab
(presseportal.de)
Der Norddeutsche Rundfunk hat ein ganzes Bündel an Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Krankheitserregers zu verlangsamen. Das reicht von der Einschränkung des Besucherverkehrs bis hin zu Veranstaltungsabsagen. Sendungen, die auf dem NDR-Gelände produziert werden, etwa die “NDR Talk Show” und “extra 3”, fänden bis auf Weiteres ohne Studiopublikum statt.

5. Und dann will das BKA an Ihr Passwort
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Am heutigen Donnerstag wird im Bundestag ein Gesetzesentwurf diskutiert, der Rechtsextremismus und Hasskriminalität in Sozialen Netzwerken bekämpfen soll. Was sinnvoll klingt, hat seine Tücken, denn das Gesetz greife massiv in unsere Grundrechte ein und sei untauglich. Lisa Hegemann erklärt die Problemfelder und berichtet von den Bedenken der Kritikerinnen und Kritiker.

6. Kundendienst
(sueddeutsche.de, Helena Ott)
Hinter der Gesundheitspostille “Apotheken-Umschau” steckt ein pfiffiges Konzept: Das Gratisblatt bezahlen nämlich nicht die Leser und Leserinnen, sondern die Apotheken. Je nach Vertrag sollen dies um die 35 Cent pro Stück sein. Nun wolle der Verlag den Erfolg mit einem anderen Magazin wiederholen: Er habe dazu 650.000 Exemplare des “Digital-Ratgebers” gedruckt und bundesweit an Apotheken ausgeliefert. Das erste Heft sei für die Apotheken kostenlos. Wie es danach weitergeht, sei noch nicht bekannt.

Bringt Julian Reichelt die Familien anderer Menschen in Gefahr? (3)

Ob nun die Familie des Rappers Capital Bra, des Fußballers Toni Kroos, der Sängerin Sarah Connor, der Schauspielerin Sonja Kirchberger, des Hedgefonds-Managers Chris Hohn, der Krankenkassen-Chefin Ute Schrader oder des Comedians Oliver Pocher — “Bild”-Chef Julian Reichelt hat nach Julian-Reichelt-Logik in den vergangenen Wochen mal wieder ziemlich viele Leute in Gefahr gebracht.

Zur Erinnerung: Reichelt will nicht, dass das Medienmagazin “kress pro” sein Gehalt als “Bild”-Oberchef veröffentlicht. Denn das, so Reichelt, bringe seine Familie in Gefahr.

Bei anderen Menschen und deren Familien zählt diese Art der Rücksichtnahme hingegen nicht. Wenn die “Bild”-Redaktion an “die geheime Gehaltsliste der DSCHUNGEL-STARS” gelangt, dann macht sie sie natürlich publik:

Screenshot Bild.de - Die geheime Gehaltsliste  der Dschungel-Stars

Die “Bild”-Medien listen auch detailliert auf, welche Musikerin und welcher Sänger wie viel beim “Millionen-Geschäft mit dem Musik-Streamen” kassiert:

Ausriss Bild-Zeitung - Das Millionen-Geschäft mit dem Musik-Streamen

Die Gehälter der Krankenkassen-Vorstände gibt es ebenfalls bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Fürstliches Gehalt - So viel verdient der Chef Ihrer Krankenkasse

Genauso die Summen, die Michael Wendler und Oliver Pocher für ihre “Peinlich-Show” bekommen haben:

Screenshot Bild.de - Das kassieren Wendler und Pocher für die Peinlich-Show

Außerdem präsentiert Bild.de eine Liste mit den Gehältern der fünf “Einkommens-Milliardäre”:

Screenshot Bild.de - Kaum einer kennt sie - Der Fünfer-Club der Einkommens-Milliardäre

Und, klar, die deutschen Fußballer:

Ausriss Bild-Zeitung - Die 25 Top-Verdiener des deutschen Fußballs
Screenshot Bild.de - Alle Gehälter - Zwei Nicht-Nationalspieler unter Top Fünf - Die 25 Topverdiener des Fußballs

Julian Reichelt und sein Team haben dieses In-Gefahr-bringen zu einer Art Geschäftsmodell gemacht: Jeder der oben aufgelisteten Online-Artikel ist nur mit einem “Bild plus”-Abo zu lesen.

Wen Julian Reichelt nach Julian-Reichelt-Logik sonst noch in Gefahr gebracht haben könnte:

Mit Dank an die vielen Hinweisegeber!

Bundestag ausgerechnet, Igitt-Faktor Rechtsextremismus, Lesbos-Attacken

1. So haben wir den Bundestag ausgerechnet
(projekte.sueddeutsche.de, Martina Schories)
Wie diskutiert der Bundestag über Geflüchtete und Migration? Eine Datenanalyse der “Süddeutschen Zeitung” zeigt, was sich verändert hat. Dazu habe man alle Parlamentsprotokolle der Bonner Republik und des wiedervereinigten Deutschlands seit 1949 mit computerlinguistischen Methoden ausgewertet — 4.200 Schriftstücke. Der Rechtsruck in der Debatte sei nachweisbar: “Der politische Diskurs, das zeigt sich in der Datenanalyse, hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Der Einfluss der AfD dürfte ein wichtiger Grund dafür sein, denn die Partei hat den Korridor des politisch Sagbaren nach rechts verschoben.”

2. “Ich bin von Joko und Klaas enttäuscht”
(deutschlandfunknova.de, Daniel Fiene & Herr Pähler, Audio: 16:39 Minuten)
Medienkritiker Stefan Niggemeier war bei “Was mit Medien” zu Besuch, dem wöchentlichen Medienmagazin bei Deutschlandfunk Nova. Dabei ging es um die jüngst enthüllten Fakes der ProSieben-Protagonisten Joko & Klaas und die Frage, warum derlei Betrügereien auch im Unterhaltungsfernsehen problematisch seien. Die komplette Sendung mit weiteren interessanten Themen, zum Beispiel zu den Vorgängen bei der “Berliner Zeitung”, gibt es hier (41:18 Minuten).

3. Die taz ist es wert
(blogs.taz.de, Andreas Bull)
Es sind überaus ernüchternde Zahlen, von denen “taz”-Geschäftsführer Andreas Bull im “Hausblog” berichtet: Im vergangenen Quartal habe man werktags eine Remissionsquote (Rückgaben durch den Handel) von 83 Prozent hinnehmen müssen, bei der Wochenendausgabe sei sie mit 76 Prozent geringfügig besser ausgefallen. “Von den Verkaufspreisen müssen nun mehrere an diesem Geschäft Beteiligte bezahlt werden: nach Abzug der Mehrwertsteuer die Druckereien und die Speditionen, dann die Grossisten und letztlich der Einzelhandel, die beide zusammen an die 40 Prozent des Einzelverkaufspreises einbehalten. Grob gefolgert: es bleibt nichts übrig, um das zu bezahlen, was drinnen steht.” In seinem Beitrag erklärt Bull, warum die “taz” trotzdem an dem wenig lukrativen Geschäft festhalte.

4. Lesbos: Attacken gegen Journalisten und Geflüchtete
(netzwerkrecherche.org, Franziska Grillmeier & Julian Busch)
Die freie Journalistin Franziska Grillmeier und der Fotograf Julian Busch wurden während ihrer Arbeit auf Lesbos von maskierten Rechtsradikalen angegriffen. In ihrem Beitrag schildern sie, wie es dazu kam und wie es ihnen derzeit geht: “Nach wie vor gibt es eine große Unsicherheit, sich auf der Insel zu bewegen. Wir versuchen, das Haus nicht mehr alleine zu verlassen und abends nicht mehr in der Stadt unterwegs zu sein. In den sozialen Medien trifft uns mittlerweile ein rechtsradikaler Shitstorm.”

5. “Die große Mehrheit findet dieses Thema eher schmutzig”
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster, Audio: 8:32 Minuten)
Annette Ramelsberger ist die langjährige Gerichtsreporterin der “Süddeutschen Zeitung” und in Fachkreisen bekannt für ihre ausdauernde und gewissenhafte Berichterstattung über den NSU-Prozess. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk kritisiert Ramelsberger die Medien dafür, in der Vergangenheit zu wenig über rechtsextremistische Entwicklungen und die damit verbundene Gefahr berichtet zu haben: “Wir haben das über die letzten Jahrzehnte vernachlässigt. Das war immer ein Thema, das den Igitt-Faktor hatte, wo man auch häufig mal als Korrespondent so die rollenden Augen gesehen hat und die Frage: Schreiben wir jetzt die Rechten hoch? Und immer die Frage: Muss das sein?”

6. “Es ist schwierig, angemessen bezahlte Jobs zu finden”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Sportjournalist Christoph Biermann schreibt für das Fußballmagazin “11 Freunde” und hat zahlreiche Bücher zum Thema Fußball veröffentlicht. Im Interview mit dem “Fachjournalist” erzählt Biermann von den Besonderheiten und Herausforderungen seiner Arbeit und verrät, auf welche Themen er ein besonderes Auge habe: “Unser Magazin und auch ich persönlich sehen etwa RB Leipzig sehr kritisch. Der Verein wurde quasi gegründet, um Red Bull zu promoten. Das halten wir für falsch, weil es ein Bruch mit der Fußballkultur in unserem Land ist und den Wettbewerb verzerrt.”

Medien von Tickern infiziert, Des Rappers Brunftgebrüll, Fakende Idole

1. Wohldosierte Panikmache
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 5:03 Minuten)
Samira El Ouassil beschäftigt sich in ihrer Deutschlandfunk-Kolumne unter anderem mit der medienethischen Frage, inwieweit die ständige Berichterstattung über das Coronavirus in Live-Tickern sinnvoll ist: “Tickern ist die mediale Form der Stunde. Es wird über den Virus getickert als handele es sich um ein Fußballspiel von der Dauer einer Präsidentschaftswahl. ‘Bild’, ‘Welt’, ‘Spiegel’, ‘Focus’ haben alle natürlich einen Ticker. Ja, sogar die ‘Superillu’ berichtet minutengenau über die ersten Infektionen in Brandenburg. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll das Vermelden jeder neuen Infektion wirklich ist, denn es vermittelt lediglich eine protokollarische Unmittelbarkeit und inszeniert eher das Informieren, als tatsächlich zu informieren.”

2. Zahlen lügen nicht
(journalist.de, Carsten Fiedler)
In der empfehlenswerten Serie “Mein Blick auf den Journalismus” sprechen Mediengrößen über ihre Ideen für einen besseren Journalismus. In der siebzehnten Folge ist Carsten Fiedler zu Gast, der Chefredakteur des “Kölner Stadt-Anzeigers” und vormalige Chef des Boulevardblatts “Express”. Letzteres merkt man ihm noch etwas an: Fiedlers elf Empfehlungen tragen die Namen von erfolgreichen Popsongs.

3. Viel Brunftgebrüll
(zeit.de, Daniel Gerhardt)
Als “Härtetest für die deutsche Rapszene” bezeichnet Daniel Gerhardt das Verhalten des Rappers Fler: “Wer den Einsatz von #unhatewomen schmälert oder Flers Drohgebärden verharmlost, überschreitet eine rote Linie, die nicht verhandelbar sein darf. Gerade dort, wo sich Sexismus, Misogynie, Antisemitismus und Gewaltverherrlichung vollkommen unverhohlen zeigen, ist es wichtig, sie zu benennen und dagegen vorzugehen.”

4. “Demokratie ist kein Kaufhaus”
(kontextwochenzeitung.de, Susanne Stiefel)
Die Wochenzeitung “Kontext” hat sich mit der Journalistin Anja Reschke unterhalten, die bei der ARD das Magazin “Panorama” moderiert. Im Gespräch geht es um Gleichberechtigung, Antifeminismus und rechtes Gedankengut, um Freude an der Empörung und Besonnenheit.

5. Zoff um Johnsons Hausblatt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die für ihren konservativen Grundton bekannte britische Tageszeitung “Daily Telegraph” macht wirtschaftlich schwere Zeiten durch. Die Auflage sei vergleichsweise zusammengebrochen, und das Blatt habe sich der offiziellen Auflagenkontrolle entzogen. Zu alldem sei auch noch eine Familienfehde zwischen den adligen Eigentümern entbrannt, wie Steffen Grimberg in der “taz” berichtet.

6. Fakes bei Joko und Klaas – “Wir haben Hinweise bekommen”
(ndr.de, Juliane Puttfarcken, Video: 5:36 Minuten)
“Ich habe gegen meine eigenen Medienidole recherchiert.” Han Park vom Youtube-Format “Strg_F” erzählt, wie es zur Aufdeckung der gefakten Joko-&-Klaas-Videos kam. Ein angenehm unaufgeregtes Gespräch, das nachdenklich macht. Und in dem Han Park anregt, der Frage nachzugehen, was Unterhaltungsfernsehen darf und was es nicht dürfen sollte.

“Bild” über das Coronavirus: “Grund für Panik? Nein.” Panikmache? Ja!

Es gilt immer noch: Vorsicht ja, Panik nein!

… schreibt “Bild”-Redakteur Ralf Klostermann in einem Kommentar. Sein Kollege, “Bild am Sonntag”-Reporter Volker Weinl, sieht das auch so:

Grund für Panik? Nein.

Margot Käßmann mahnt in ihrer “BamS”-Kolumne:

Ich verstehe ja, wenn Sie Angst haben. Aber lassen wir uns nicht ständig von Katastrophenmeldungen treiben. (…)

Langsam durchatmen und sortieren ist angesagt.

Und die “Bild”-Redaktion zitiert den Heinsberger Landrat:

Screenshot Bild.de - Nach erstem Corona-Fall in NRW - Heinsberger Landrat: Nicht in Panik verfallen

Diese beruhigenden, an die Vernunft appellierenden Worte kann vor allem eine Gruppe gut gebrauchen: die Leserschaft der “Bild”-Medien. Zwar füllen alle größeren Redaktionen derzeit Live-Ticker zum Coronavirus und berichten, teils atemlos, über neue Fallzahlen und leere Supermarktregale, aber nirgendwo gibt es so viel Panik wie in “Bild” und bei Bild.de.

So sah die vergangene Woche auf der “Bild”-Titelseite aus — Montag:

Ausriss Bild-Titelseite - Wer fliehen will, wird verhaftet - Regierung erwägt Militär-Einsatz - Alle Züge am Brenner gestoppt - Corona-Alarm! Italien riegelt Städte ab

Am Dienstag war wegen der Amokfahrt in Volkmarsen für das Coronivirus kein Platz auf Seite 1. Dafür gab es aber eine ganze Alarm-Seite im Blatt:

Ausriss Bild-Zeitung - Schon sieben Tote in Italien - Reporter in der Sperrzone - Die Epidemie ist in Europa angekommen

Mittwoch:

Ausriss Bild-Titelseite - Corona-Ausbruch im Rentner-Paradies - Deutsche Touristen im Hotel auf Teneriffa gefangen - Bild-Reporter unter ihnen - Erste Erkrankte auch bei Düsseldorf und Göppingen

Donnerstag:

Ausriss Bild-Titelseite - Bild ab heute mit amtlichen Corona-Bekanntmachungen - Corona - So schützen Sie sich jetzt! Kindergärten in NRW infiziert - Ihr Mann kämpft um sein Leben - Erster Fall bei der Bundeswehr - Minister Spahn: Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland

Freitag:

Ausriss Bild-Titelseite - Bild auch heute mit amtlichen Corona-Bekanntmachungen - Regierung beruft Expertenrunde ein - Der Krisen-Plan gegen Corona - Messen, Konzerten, Fußballspielen drohen Absagen - Kitas und Schulen dicht - Zahl der Infizierten mehr als verdreifacht

Und Samstag:

Ausriss Bild-Titelseite - Wochenende im Bann von Corona - Weltgrößte Tourismus-Messe in Berlin abgesagt - Konzerte, Fußballspiele auf der Kippe - Schon 57 Infizierte - Dax rauscht ab - Autogramm-Verbot für Bayern-Spieler - Erster Hund positiv getestet - WHO löst höchste Alarmstufe aus - Bild sagt, was Sie jetzt beachten müssen

Wie war das gleich noch mal?

Es gilt immer noch: Vorsicht ja, Panik nein!

Wer nach Durchsicht der “Bild”-Titelseiten noch nicht in “CORONA-ALARM”bereichtschaft ist, kann bei Bild.de vorbeischauen: Dort ist die Startseite seit Tagen mit Meldungen zum Coronavirus zugekleistert. Wenn einem ganz oben auf der Seite nicht gerade in einer “Bild live”-Sondersendung erzählt wird, wie schlimm alles ist, dann übernimmt das der große Themenblock zum “CORONA-IRRSINN”:

Screenshot Bild.de - Corona-Irrsinn - Arzt spricht Klartext - Ärztin trägt Taucherbrille zum Schutz - 1200 deutsche Passagiere an Bord - Corona-Verdacht! Kreuzfahrtschiff hängt in Norwegen fest - Virologie-Experte beantwortet Ihre Fragen - Können Menschen ohne Symptome ansteckend sein? - Telefon-Odyssee dauerte viereinhalb Stunden - Corona-Verdacht! Aber keiner weiß, was zu tun ist! - So mixen Sie sich Ihr Desinfektionsmittel selbst

Bei Bild.de kann jeder nach Belieben und Interesse seine Angst füttern. Etwa mit den Meldungen zu den neuesten Corona-Fällen:















Oder zu “Chaos”, “Shutdown” und “Quarantäne”:








Außerdem gibt es Tipps für “Hamsterkäufe” und Fotos von leeren Supermarktregalen:






Und alles Weitere, was Menschen noch so Sorgen bereiten könnte:








Zwischen all diesen Panikmachern fragt die “Bild”-Redaktion tatsächlich:

Screenshot Bild.de - Virus breitet sich aus - Warum ist die Angst vor Corona so groß?

Wir hätten da eine Idee.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 4. März: Wenn man es schon geschafft hat, die eigene Leserschaft von der “CORONA-ANGST IN DEUTSCHLAND” zu überzeugen und sie zu einem Einkauf “für zehn Tage Quarantäne” zu drängen, dann sollte man auch wenigstens ein paar Kochtipps geben:

Screenshot Bild live - Tipps von Johann Lafer - Das können Sie aus Ihren Corona-Vorräten kochen

Dazu auch:

“Bild” hat einmal mehr überlegt: Eine Fünf reicht nicht

Nach dem Suizid von Fußballtorwart Robert Enke ließ sich Walter M. Straten, damals stellvertretender Sportressortleiter bei “Bild”, von der “Süddeutschen Zeitung” so zitieren:

“Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

Inzwischen leitet Straten die “Bild”-Sportredaktion. Am Samstag erschien in seinem Ressort ein Artikel über Schalkes Torwart Alexander Nübel, der beim Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 ein Tor verschuldete. Darin steht:

Dann die Flutschfinger-Aktion von Nübel (75.), die ihm die zweite BILD-Note 6 in Folge einbringt.

Mit Dank an Louis für den Hinweis!

***

Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 und 116 123) erreichen kannst.

Kurz korrigiert (536)

Bei Bild.de meinen sie, das Erfolgsgeheimnis von Fußballtrainer Jürgen Klopp und dem FC Liverpool entschlüsselt zu haben:

Screenshot Bild.de - Basketball als Vorbild - Klopp kopiert Fitness-Taktik von LeBron James

Und das funktioniere so:

Stark dank Basketball-Taktik!

Premier-League-Spitzenreiter FC Liverpool hat Einblicke in sein Erfolgsrezept gegeben. Der (sic) derzeit wohl beste Fußball-Team der Welt orientiert sich dabei an Basketball-Legende LeBron James (35).

Es gehe vor allem “darum, wie es möglich ist, über 90 Minuten den Power-Fußball von Trainer Jürgen Klopp (52) umzusetzen.” Die Antwort sei simpel: “mehr Pausen” — eben so, wie es Basketballer LeBron James mache:

So steht LeBron James im Herbst seiner Karriere zwar mehr Minuten auf dem Parkett als jemals zuvor. Aber der Superstar leistet sich mehr Pausen, das heißt, er jagt nicht mehr jedem Ball im Vollsprint hinterher, sondern nutzt seine Kraft clever. Er steht zwar länger auf dem Feld, bewegt sich aber weniger.

Und das klingt ja wirklich “clever”, ist aber völlig falsch: In der laufenden NBA-Saison steht LeBron James nicht “länger auf dem Feld” und “mehr Minuten auf dem Parkett als jemals zuvor”, sondern mit aktuell 34,9 Minuten pro Spiel so wenig wie nie zuvor.

Mit Dank an @moejevski für den Hinweis!

Nachtrag, 12:33 Uhr: Das nur der Vollständigkeit halber: Knapp 35 Minuten pro Spiel sind immer noch eine ganze Menge Spielzeit für einen Basketballer und mehr als bei vielen anderen, teils deutlich jüngeren Spielern. Aber es sind eben so wenige Minuten wie in keiner Saison zuvor für LeBron James.

Mit Dank an Christian M. für den Hinweis!

Nachtrag, 14:24 Uhr: Bild.de hat den Absatz mittlerweile so halb korrigiert. Dort steht nun:

So ist LeBron James im Herbst seiner Karriere immer noch einer der NBA-Stars mit der meisten Spielzeit. Sein Trick: Der Superstar leistet sich mehr Pausen, das heißt, er jagt nicht mehr jedem Ball im Vollsprint hinterher, sondern nutzt seine Kraft clever. Er steht zwar länger auf dem Feld, bewegt sich aber weniger.

Sollte die Redaktion mit “Er steht zwar länger auf dem Feld” meinen, dass LeBron James mehr Einsatzzeiten hat als zuvor, bleibt dieser Halbsatz weiterhin Unsinn.

Auf einen Hinweis zu der vorgenommenen Korrektur hat die Redaktion verzichtet.

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