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Bild.de veröffentlicht falschen WM-Plan

Bild.de hat einen “WM-Planer” veröffentlicht. Jo, werden Sie jetzt sagen, machen doch alle gerade. Stimmt. Aber der WM-Planer von Bild.de ist anders: falsch.

Der Bild.de-WM-Planer besteht aus einer Excel-Tabelle. Man kann die Ergebnisse der einzelnen Spiele tippen und dann verfolgen, welche weitere Paarungen sich daraus ergeben. Oder in den Worten von Bild.de:

(…) sehen Sie den Weg ihrer Mannschaft durch das Turnier! Wann und wo spielt Deutschland im Viertelfinale? Wer muß sich Brasilien auf dem Weg ins Finale in den Weg stellen? Finden Sie es heraus mit dem “Wir sind Fußball!” WM-Planer.

Der Witz ist: Das Ergebnis stimmt nicht. Im Viertelfinale verwechselt der WM-Planer von Bild.de die Spiele in Frankfurt und Gelsenkirchen miteinander. Richtig hart wird es aber im Halbfinale. Eigentlich treffen hier erstmals Teams aus den Gruppen A bis D auf Teams aus den Gruppen E bis H. Im Bild.de-WM-Planer nicht.

Konkret bedeutet das zum Beispiel: Angenommen Deutschland wird in seiner Gruppe A zweiter, Brasilien in seiner Gruppe F erster. Nach dem offiziellen Spielplan treffen beide dann im Halbfinale aufeinander. Nach dem Bild.de-WM-Planer erst im Finale.

Tja, blöd. Bild.de, selbsterklärter “offizieller Partner der deutschen Fußball-Fans”, hat einen WM-Planer herausgegeben, mit dem sich der Weg, den eine Mannschaft ins WM-Finale nehmen muss, in keinem Fall richtig vorhersagen oder nachvollziehen lässt.

Nachtrag, 17.30 Uhr. Bild.de hat seinen “WM-Planer” unauffällig gegen eine neue Version ausgetauscht — ohne jeden Hinweis für Leser, die seit gestern den fehlerhaften ersten Versuch heruntergeladen haben. Jetzt stimmen die Orte im Viertelfinale und die Paarungen im Halbfinale. Zum Vergleich —

Vorher:

Nachher:

Leider waren das jedoch nicht die einzigen Fehler im “WM-Planer” von Bild.de. Die interaktive Tabelle schließt grundsätzlich aus, dass Ecuador gegen Deutschland gewinnen könnte. Gibt man testweise einen 1:0 Sieg ein, bekommt Ecuador nur einen Punkt gutgeschrieben, nicht drei:

Danke an Hartmut W. und Claas H.!

Von Maulwürfen und Golf-Partnern

Auch die Schweizer Zeitung “Weltwoche” berichtet (wie andere auch) anlässlich der Fußball-WM über Alfred Draxler, den mächtigen Sportchef der “Bild”-Zeitung und sein Problem, dass Bundestrainer Jürgen Klinsmann das Blatt auf Distanz hält — anders als die meisten seiner Vorgänger stand er nicht irgendwann auf der Gehaltsliste der “Bild”-Zeitung und verdankt ihr nicht seinen Job.

Die “Weltwoche” über Lothar Matthäus:

Unter allen wichtigen Figuren im deutschen Fussball ist er wohl der verdienteste Maulwurf der Bild. Seit Ende der 80er Jahre trägt er unter Mitspielern den Spitznamen IM Lothar, weil er quasi eine Standleitung zur Redaktion in Hamburg betreibt. Fünf Minuten nach jeder Mannschaftssitzung kannte Draxlers Team ihren Inhalt. Beim Team kam das nicht gut an, aber Bild hielt Ribbeck und Matthäus die Treue bis zum bitteren Ende bei der EM 2000. Draxler will nichts wissen von einem Inoffiziellen Mitarbeiter Matthäus: “Unsere Reporter haben gute Drähte zu vielen Spielern. Deswegen arbeiten sie für uns.”

Und über Franz Beckenbauer, mit dem Draxler seit 25 Jahren Golf spielt:

Viele Jahre später [nach der WM 1986] revanchierte sich Bild beim Kaiser für all die kleinen Gefälligkeiten. Als er eine Sekretärin von der Geschäftsstelle des FC Bayern geschwängert hatte, schwieg Bild, solange es ging. Erst nachdem Münchner Zeitungen die Geschichte brachten, äusserte sich auch Draxlers Blatt: “Franz: Ja, Baby mit Sekretärin.” Heute sagt Draxler: “Es gab Gerüchte, die waren lange bekannt. Aber wir können eine Geschichte nicht auf Hörensagen gründen.” Dann spielte man wieder Golf. Beckenbauer (Handicap 8) half Draxlers (Handicap 16) Ehefrau Martina Krogmann im Wahlkampf — ab 1998 sass sie für die CDU im Bundestag.

Danke an David H.!

Streng verboten II

Es ist natürlich nicht völlig ausgeschlossen, dass “Bild” bei dem brasilianischen Fußballer Ronaldinho nachgefragt hat, ob sie so zwei bis drei Fotos seines Sohnes veröffentlichen darf. Oder bei der Mutter des Kleinen. Fotos davon, wie er so am Strand spielt, einen Ball in den Händen hält und ein wenig mit Mama herumtollt.

Genau genommen muss “Bild” sogar die Erlaubnis haben. Schließlich schrieb sie doch schon im August 2004, als sie die Nachrichtenagentur dpa dafür schalt, dass diese Fotos von Gerhard Schröders Adoptivkind verbreitet hatte:

Das Fotografieren von Minderjährigen ohne Zustimmung der Eltern ist (…) streng verboten.

Einerseits. Andererseits weist so einiges darauf hin, dass “Bild” das “süßeste WM-Geheimnis” ganz ohne die Zustimmung der Eltern enthüllte. Ja, sogar ohne deren Wissen. Die Fotos wurden nämlich offenbar aus recht großer Entfernung mit einem starken Teleobjektiv aufgenommen.

Und außerdem zitiert “Bild” selbst Ronaldinho folgendermaßen:

“Der Kleine soll nicht groß in der Öffentlichkeit stehen.”

Bei “Bild” steht der Kleine trotzdem groß in der Öffentlichkeit. Ziemlich groß sogar. Auf einer halben Zeitungsseite:

Mit Dank an Magnus G. und Hauke R. für den Hinweis.

“Bild” hat Klinsmanns Nachfolger schon positioniert

Die Zeitschrift “RUND” hat in ihrer aktuellen Ausgabe die Geschichte aufgeschrieben, wie “Bild” seit 1984 Fußball-Bundestrainer aus dem Amt und ins Amt geschrieben hat — und erklärt die aktuelle Feindschaft zu Jürgen Klinsmann:

Unter den Spielern der aktuellen Nationalmannschaft hat “Bild” keinen Informanten. Angeblich hat Oliver Kahn für die Zeit nach der Weltmeisterschaft einen Exklusivvertrag mit der Zeitung. Umso blindwütiger greift “Bild” Klinsmann an. Dies geschieht vor allem durch WM-OK-Chef Beckenbauer, der, so hört man, eine Million Euro pro Jahr für seine Tätigkeit bei “Bild” bekommen soll und den uns das ZDF trotzdem als unabhängigen Experten verkauft. Über “Bild”-Kolumnist Günter Netzer, den die ARD als unabhängigen Experten verkauft. Über einige Trainer aus der Bundesliga, die “Bild” brauchen, um ihren Job zu sichern. Und über DFB-Funktionäre der zweiten, Politiker der dritten Reihe und enttäuschte Spieler wie Christian Wörns. (…)

“Bild” hat den Nachfolger [für Klinsmann] schon positioniert: Matthias Sammer. Dessen Medienberater heißt Ulrich Kühne-Hellmessen und war Chefreporter bei “Bild”. Sammer wurde, unter Einsatz aller Blätter des Springer-Verlags und der üblichen Trittbrettfahrer, als neuer DFB-Sportdirektor gegen Klinsmanns Kandidaten, Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters, durchgeboxt. Ein Erfolg. Der Ausgang des Kampfes zwischen Klinsmann und “Bild” ist offen. Es ist wie im Fußball. Nicht immer gewinnt der Bessere.

Balla, balla

Bild.de berichtet seit gestern unter Berufung auf eine aktuelle Meldung der britischen Boulevardzeitung “Daily Mirror”, der Fußballer Michael Ballack habe “seine Namensrechte an den FC Chelsea abgetreten” — und zwar für “25 000 Pfund (45 000 Euro) pro Woche”.

Und das ist zunächst mal insofern seltsam, als 25.000 britische Pfund umgerechnet eigentlich nicht einmal 37.000 Euro sind.

Am Ende des Ballack-Artikels steht dann aber auch noch dies:

“Für die Europäische Union, die gerade über eine Gehaltsobergrenze im Fußball diskutiert, ist Ballacks Gehaltsvolumen völlig balla, balla!

Jose Luis Arnaut, der sich bei der EU mit diesem Thema beschäftigt: ‘Ich bin sehr betroffen. Sport und besonders Fußball sind derzeit nicht in einer guten Verfassung.'”

Und das ist nun insofern seltsam, als sich das “Ich bin sehr betroffen”-Zitat von Jose Luis Arnaut, anders als Bild.de suggeriert, gar nicht auf Ballacks “balla, balla”-Gehalt beziehen kann. Der Arnaut-O-Ton stammt ursprünglich aus dem Vorwort einer Studie, die, nun ja, bereits am Vortag des “Mirror”-Gerüchts veröffentlicht worden war.

Mit Dank an Christiane B. und Jörg W. für die Hinweise.

Symbolfoto XXXVIII

“Bild”-Hamburg druckt heute im Sportteil ein großes Foto. Darauf zu sehen: ein mit Ketten behängter und bemalter Mann (siehe Ausriss). Der dazugehörige Artikel handelt davon, dass sich die WM-Mannschaft des karibischen Inselstaates Trinidad & Tobago entschieden habe, nicht den Masseur bzw. “Kult-Kneter” Hermann Rieger zu engagieren, sondern, wie “Bild” gleich an mehreren Stellen schreibt, einen “Voodoo-Medizinmann”/”Voodoo-Medizinmann aus der Karibik”/”Voodoo-Zauberer”.

Das mag stimmen. Allerdings zeigt das große Foto, mit dem “Bild” die Meldung illustriert, mitnichten, wie “Bild”* suggeriert, einen “Voodoo-Medizinmann aus der Karibik”. Vielmehr zeigt es — wie z.B. das Fußballmagazin “Rund” und sport.ARD.de berichteten — den 41-jährigen Taxifahrer Evoloko aus der Demokratischen Republik Kongo.

*) Nur, damit es bei “Bild” nicht heißt, der Fehler liege beim Fotografen: “Bild” gibt zwar als Quelle “Fotos: STRUSS, IMAGO” an, doch weder der Fotograf Werner Struß, noch die Agentur Imago haben, wie sie uns zumindest versichern, das abgebildete Foto im Angebot.

Mit Dank an Martin K. für den Hinweis und Eberhard S. für die Unterstützung.

Finder erfunden

"Nachts in Mitte fand dieser Fußballer die Leiche. Es ist eine gefesselte Frau!"

Es ist 21.40 Uhr als Hobby-Fußballer S.* (29, VFB Friedrichshain) vor einem aufgeschütteten, vier Meter hohen und 10 mal 10 Meter breiten Erdhaufen stehen bleibt. Er ist auf dem Weg nach Hause, aber was er dort im Mondlicht sieht, irritiert ihn. “Erst dachte ich, es sei eine Puppe, dann sah ich eine Hand und einen Schädel.” Zehn Minuten später sperren Polizeibeamte den Fundort ab (…)

Der Absatz aus der heutigen “Bild” (Berlin-Brandenburg) und die ganze Aufmachung der Seite (siehe Ausriss oben) erwecken den Eindruck, der junge Mann habe gestern in einem Berliner Park einen mumifizierten Leichnam entdeckt und die Polizei gerufen. Ein Eindruck, der in der Bildunterschrift noch verstärkt wird:

S. (29) fand die Frauen-Leiche im Monbijoupark in Mitte.

Es stimmt trotzdem nicht. Gefunden hat die Leiche eine “35-jährige Frau”, wie die Polizei mitteilte. Oder, noch genauer, deren Hund “Fritz”, wie beispielsweise die “Berliner Zeitung”, die “Berliner Morgenpost” und der “Berliner Kurier” zu berichten wissen. Und es ist auch kein Wunder, dass die Polizei in der “Bild”-Geschichte so schnell anrückte: Die Frau fand die Leiche schon “gegen 21 Uhr 25”. Der junge Mann war offenbar erst von der Frau auf den Fund aufmerksam gemacht worden und hatte dann gemeinsam mit ihr die Polizei gerufen.

*) Anonymisierung von uns.

“BILD-Informationen” frei erfunden

Zwei Tage nach der Freilassung der “deutschen Irak-Geiseln” René Bräunlich und Thomas Nitzschke stand auf der “Bild”-Titelseite:

"Nach der Befreiung verlangten sie ein Bier. Sie fragten: Wie hat die Bundesliga gespielt?"

“Nach BILD-Informationen” hieß es dann zudem:

“Als sie um 17.29 Uhr unserer Zeit dort ankamen, war ihr erster Wunsch an Botschafter Bernd Erbel: ‘Haben Sie ein kühles Bier, bitte?’ (…) Dann wollten die Sachsen den Stand der Fußball-Bundesliga (…) wissen.”

Soweit “Bild”. Doch was sagt der Entführte René Bräunlich selbst zu Bier und Bundesliga?

“Das Letztere ist eine freie Erfindung. Als wir in der Botschaft waren, hatten wir zunächst das tiefe große Gefühl der Dankbarkeit, vor allem auch für die vielen jungen Sicherheitskräfte aus Deutschland, die da waren, für den Botschafter und für all die anderen Leute. Die begrüßten uns so herzlich, das war richtig wohlig-warm. Als erstes wollten wir sofort mit unseren Familien in Kontakt treten. Das war aber ein wenig schwierig, weil die Verbindung nicht gleich zustande kam. Und dann war es, so glaube ich, der Botschafter Erbel, der meinte, Mensch, jetzt stoßen wir aber mit einem kühlen Bier auf ihre Freiheit an. So war das mit dem Bier. Und nach der Bundesliga haben wir uns überhaupt nicht erkundigt.”

(Zitiert aus einem Interview mit Bräunlich und Nitzschke in der “Leipziger Volkszeitung” vom vergangenen Samstag.)

Mit Dank an den Hinweisgeber.

USA warnen vor Terror und mexikanischen Pools

Manchmal, da sind die Leute von “Bild” schon auf genau der richtigen Fährte zum Kern einer Geschichte und kommen dann kurz vor dem Ziel doch noch vom Weg ab.

Wie bei diesem Artikel in der aktuellen “Bild am Sonntag”:

USA warnen vor Terror bei Fußball-WM

Fünf Wochen vor Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft haben die USA vor Terroranschlägen in Deutschland gewarnt! (…)

Nach BamS-Informationen wurden Bundesregierung und Sicherheitsdienste von der am Freitag veröffentlichten Mitteilung völlig überrascht. Aus Washington war kein Hinweis gekommen — obwohl es üblich ist, vor Terrorwarnungen die betreffenden Staaten in Kenntnis zu setzen.

An dieser Stelle hätten die drei Autoren des Artikels ahnen können, dass an ihrer Geschichte etwas faul ist. Denn wenn es “üblich ist”, vor Terrorwarnungen die betreffenden Staaten in Kenntnis zu setzen, das in diesem Fall aber nicht geschah, könnte das natürlich einfach bedeuten, dass es sich hier gar nicht um eine neue “Terrorwarnung” handelte.

Und genauso ist es.

Das für Reisehinweise zuständige “Bureau of Consular Affairs” des amerikanischen Außenministeriums hat weder eine aktuelle Reisewarnung, noch eine spezielle Bekanntmachung über Gefahren durch Terror und Gewalt herausgegeben, und auch in seinen Konsularinformationen über Deutschland ist die WM nicht erwähnt.

Der “Bild am Sonntag”-Artikel bezieht sich auf eine Informationsbroschüre zur Fußball-WMin exakt gleicher Form warnt die Behörde aktuell zum Beispiel Studenten, die in den Frühjahrsferien nach Mexiko reisen, dass dort regelmäßig US-Bürger tödlich mit den Auto verunglücken, von Balkonen oder in Gruben fallen oder im Hotelpool ertrinken.

Die Broschüre zur Fußball-WM enthält nur ganz allgemeine Warnungen wie die, dass solche Massenereignisse “grundsätzlich” ein Ziel von Terror-Anschlägen sein können (und dass “emotionsgeladene Sportereignisse” generell “unvorhersehbar” seien). “Konkrete, glaubwürdige terroristische Drohungen” gebe es nicht. Dieser Satz findet sich schließlich auch im “Bild am Sonntag”-Artikel — aber erst, nachdem die drei Autoren gründlich den gegenteiligen Eindruck erweckt haben.

Danke an Jörn W. für den Hinweis!

Trotz Gerichtsurteil: Bild.de führt Leser in die Irre

Vor zwei Monaten hat Bild.T-Online sein Internetangebot komplett überarbeitet. Seitdem befindet sich auf jeder Seite oben eine Reihe kleiner grauer Laschen:

Fährt man mit der Maus über diese Flächen, bewegt sich die jeweilige Lasche nach oben und gibt ein buntes Feld darunter frei — etwa wie Reiter auf Karteikarten. Aktuell sehen die so aus:

Hinter diesen Reitern verbergen sich Links. Und jetzt kommt die Preisfrage: Führen diese Reiter zu redaktionellen Angeboten von Bild.de? Oder zu Werbung?

Die erstaunliche Auflösung: Sowohl als auch.

Die Reiter “WM 2006” und “Wir sind Fußball” führen zu nicht-werblichen Inhalten von Bild.de. Wer aber nun glaubt, dass das für alles gilt, auf dem das “Wir sind Fußball”-Logo steht, irrt. Wenn man auf “LCD-Fernseher” klickt, kommt man keineswegs (wie vielleicht zu vermuten) zu einem redaktionellen Test von Großbildschirmen anlässlich der WM. Sondern zu einer Anzeige, die für ein Angebot von Fujitsu-Siemens wirbt. Und der “Fan-Caddy” ist ein Produkt, das Volkswagen auf Bild.T-Online verkauft. Und natürlich ist auch der “Volks-Kredit” kein redaktionelles, sondern ein werbliches Angebot: dahinter verbirgt sich easyCredit.

Vor dem Klicken ist nicht zu unterscheiden, welches dieser Bild.de-Standardelemente zu einer reinen Werbeseite führt und welches nicht. Und damit verstößt Bild.de gegen ein Urteil des Berliner Landgerichtes vom 26. Juli 2005. Damals untersagte das Gericht Bild.de, auf eine Werbeseite für den “Volks-Seat” mit einem Teaser zu verweisen, der sich von Teasern für redaktionelle Inhalte nicht unterscheiden lässt (wir berichteten). Das Gericht urteilte:

Ein Hyperlink, der aus einem redaktionellen Zusammenhang auf eine Werbeseite führt, muss so gestaltet sein, dass dem Nutzer irgendwie erkennbar wird, dass auf eine Werbeseite verwiesen wird. (…)

Hier ist der Hyperlink, der auf die Werbeseite führt, genau so gestaltet, wie die Hinweise, die zu redaktionell gestalteten Seiten führen. Das Erscheinungsbild und die Platzierung sind identisch. Es kann daher selbst bei einer großzügigen Betrachtung nicht mehr davon ausgegangen werden, dass dem Nutzer ein klar erkennbarer Hinweis auf den werbenden Inhalt der Seite erteilt wird, auf die er weitergeleitet wird.

Genau dasselbe System, das Bild.T-Online damals untersagt wurde, hat das Unternehmen in der Gestaltung der neuen Seiten-Köpfe zum Prinzip gemacht: Eine Unterscheidung, welche Reiter zu Anzeigen führen und welche nicht, ist vor dem Klicken unmöglich.

In der Verhandlung 2005 hatte Bild.T-Online noch geltend gemacht, man könne davon ausgehen, dass die “Volks-Produkte” durch die breite Werbung so bekannt seien, dass niemand hinter einem Teaser mit dem entsprechenden Begriff etwas anderes als Werbung erwarte. Dieses Argument hatte das Gericht zurückgewiesen. Heute wäre die Position von Bild.T-Online noch schwächer, weil in den Reitern nicht nur die bekannten “Volks-Produkte” beworben werden, sondern auch Produkte, die ohne diesen Markennamen auskommen (“Fan-Caddy”) oder sogar mit einem redaktionellen Bild.de-Label versehen sind (“Wir sind Fußball! LCD-Fernseher”).

Und wir ersparen es uns, an dieser Stelle noch einmal all die Selbstverpflichtungen und Ankündigungen aufzuzählen, gegen die diese Bild.de-Praxis außerdem verstößt.

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