Suchergebnisse für ‘falschmeldung’

TikTok drosselt Krah, Rechtsextreme Medienguerilla, Anti-SLAPP-Richtlinie

1. TikTok drosselt Reichweite von AfD-Politiker Maximilian Krah deutlich
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Wie Max Hoppenstedt beim “Spiegel” berichtet, hat TikTok die Reichweite des AfD-Politikers Maximilian Krah wegen wiederholter Verstöße gegen die Community-Richtlinien für 90 Tage stark eingeschränkt. Krahs Inhalte sollen aktuell nicht mehr im zentralen “Für-dich”-Feed erscheinen. Zudem habe die Plattform mehrere Videos von Krah gesperrt. Nach “Spiegel”-Informationen soll der AfD-Politiker und Spitzenkandidat für die Europawahl “mit homophoben Aussagen, mit Hetze gegen Geflüchtete und Aussagen im Sinne der Verschwörungstheorie vom großen Bevölkerungsaustausch gegen die Regeln der Plattform verstoßen haben.”

2. Rechtsextreme Medienguerilla: Wie Medien das Spiel von Martin Sellner mitmachen
(moment.at, Natascha Strobl)
Natascha Strobl analysiert die Medienstrategie von Martin Sellner, dem führenden Mitglied der Identitären Bewegung. Er nutze bewusst Verhaftungen als Mittel, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und seine rechtsextreme Agenda zu verbreiten. Sellners Strategie ziele auf die Normalisierung seiner Ideologie und die Markenprägung seiner Person ab, indem er sich als Gegner des Establishments inszeniere und finanziell von der erzeugten Aufmerksamkeit profitiere. Strobl appelliert an Journalistinnen und Journalisten, nicht erneut auf diese Taktik hereinzufallen.

3. Wichtiger Schritt gegen Einschüchterungsklagen
(verdi.de)
Gestern wurde die EU-Richtlinie zum Schutz vor missbräuchlichen Klagen, die sogenannte Anti-SLAPP-Richtlinie, wie erwartet vom Europäischen Rat bestätigt. Sie soll unter anderem Medienschaffende schützen. Die europäischen Regierungen haben nun zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

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4. Fake news über fake news – wie gefährlich ist Desinformation?
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 18:34 Minuten)
Christian P. Hoffmann ist Professor für Kommunikationsmanagement am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig und Experte für politische Kommunikation. Im Interview mit Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer spricht er über mögliche Gefahren von Falschmeldungen angesichts von Künstlicher Intelligenz, Bots und “Fake News”.

5. Der europäische Blick: Rumänien in der deutschen Presse
(de.ejo-online.eu, Richard Steisslinger)
Richard Steisslinger fasst die Ergebnisse einer quantitativen Inhaltsanalyse der Berichterstattung über Rumänien zusammen. Stereotype Darstellungen Rumäniens rund um Korruption und Rückständigkeit seien in der Berichterstattung weiterhin präsent, neben vereinzelten positiven Bildern von unberührter Natur. Die Analyse lege nahe, dass eine umfassende, differenzierte und europäisch geprägte Darstellung Rumäniens noch ausbaufähig ist.

6. Rolf Dobelli: «Ich bin für ein Social-Media-Verbot bis 16»
(srf.ch, Wolfram Eilenberger & Barbara Bleisch, Video: 59:38 Minuten)
In der “Sternstunde Philosophie” diskutieren der Schweizer Bestsellerautor Rolf Dobelli und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über die Gefahren von Social Media und unser Verhältnis zur Technik: Brauchen wir digitale Manieren und mehr Selbstkontrolle, staatliche Regulierung oder gar den “digitalen Detox”, also eine Pause von der digitalen Welt? Vergiftet uns das Smartphone wirklich? Und sind Verbote tatsächlich die Lösung? Eine spannende und erkenntnisreiche Diskussion.

Jahresbilanz, Hinweisgeberschutz unzureichend, Reporter:innen-Preis

1. Weniger Getötete trotz der Tragödie in Gaza
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen sind dieses Jahr 45 Journalisten und Journalistinnen in Verbindung mit ihrer Arbeit getötet worden – die niedrigste Zahl seit 2002, “trotz der Tragödie in Gaza”, wo mindestens 17 Medienschaffende starben. Über die Hälfte dieser Todesfälle habe sich in Kriegsgebieten ereignet. Außerdem seien derzeit weltweit 521 Journalistinnen und Journalisten willkürlich inhaftiert, was einem Rückgang von etwa acht Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche, aber immer noch auf einem hohen Niveau liege. Weitere Informationen liefert die Jahresbilanz der Pressefreiheit (PDF).

2. Reporter:innen-Preis 2023
(reporter-forum.de)
Das Reporter:innen-Forum hat kürzlich seinen begehrten Preis verliehen. 109 Arbeiten waren in diesem Jahr für den Reporter:innen-Preis nominiert, zwölf davon hat die Jury ausgezeichnet. Download-Empfehlung: Der kostenlose 121-seitige Reader (PDF) mit allen prämierten Texten (die sich sonst meist hinter Paywalls befinden).

3. Abschlusserklärung: Per Gesetz jetzt alles besser? Mitnichten!
(whistleblower-net.de, Kosmar Zittel)
Das Whistleblower-Netzwerk kritisiert das deutsche Hinweisgeberschutzgesetz als unzureichenden Schutz für Whistleblower. Die Organisation weist darauf hin, dass das Gesetz gravierende Mängel wie einen eingeschränkten Anwendungsbereich und einen unzureichenden Schutz bei Offenlegung habe, wodurch viele Whistleblower ungeschützt bleiben würden. Das Netzwerk fordert eine Ausweitung des Schutzbereichs sowie umfassendere Entschädigungs- und Unterstützungsleistungen, um Whistleblower besser vor Repressalien zu schützen und sie bei der Bewältigung der persönlichen Folgen zu unterstützen.

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4. Metas neues Netzwerk Threads ist jetzt auch in Deutschland verfügbar
(spiegel.de)
Es hatte sich angedeutet, jetzt ist es so weit: Threads, das neue Soziale Netzwerk des Facebook- und Instagram-Mutterkonzerns Meta, ist nun auch in Deutschland verfügbar, nachdem es in den USA und anderen Ländern bereits große Nutzerzahlen erreicht hatte. Threads bietet kurze Textbeiträge, unterstützt aber auch Links, Fotos und Videos. Die Nutzerinnen und Nutzer können sich mit ihren Instagram-Zugangsdaten einloggen. Meta passe sich mit Threads an die Datenschutzgesetze der EU an und plane, die App mit anderen Diensten wie Mastodon interoperabel zu machen, was die Interaktionen und die Reichweite erhöhen könnte.

5. Gefälschte “Hitler-Tagesbücher” ans Bundesarchiv übergeben
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” berichtet, wurden die gefälschten “Hitler-Tagebücher”, die in den 1980er-Jahren einen großen Medienskandal rund um den “Stern” auslösten, von Bertelsmann an das Bundesarchiv übergeben. Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, habe dies wie folgt kommentiert: “Die gefälschten ‘Hitler-Tagebücher’ hatten in den 1980er Jahren das gefährliche Potenzial, die brutalen Verbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen. Es ist gut, dass die Zeugnisse dieses schwierigen Kapitels bundesrepublikanischer Nachkriegsgeschichte nun im Bundesarchiv gesichert und im Kontext der authentischen Quellen als Fälschungen kenntlich gemacht werden können.”

6. Startschuss für Projekt “Think Twice”: Video-Tipps gegen Falschinformationen im Netz
(presseportal.de, dpa)
Das Projekt “Think Twice” der Deutschen Presse-Agentur (dpa) will nach eigenen Angaben Jugendliche für den Umgang mit Falschmeldungen im Internet sensibilisieren. Über Social-Media-Kanäle wie Instagram und TikTok sollen Videoclips verbreitet werden, die Tipps zur Medienkompetenz vermitteln. Das von der EU geförderte Projekt laufe bis Ende September 2025 und umfasse auch begleitende Unterrichtsmaterialien sowie Workshops und die Möglichkeit für Jugendliche, eigene Inhalte zu erstellen.

Anfragen der “Welt”, Vorgefasste Gefühlsmeinung, Knappe Zeit

1. Wie die “Welt” Prominente vorführt, weil sie ihr kein “Statement gegen den Judenhass” schicken
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die “Welt” kritisierte jüngst Prominente, die auf die Anfrage, ein Statement “gegen Judenhass” abzugeben, nicht reagiert oder der Redaktion abgesagt haben. Der Artikel der “Welt” suggerierte, dass das Schweigen der Prominenten eine stillschweigende Zustimmung zu dem Hass auf Juden sein könnte. Boris Rosenkranz kritisiert diesen Ansatz und betont, dass die Nichtbeantwortung einer Presseanfrage viele Gründe haben kann und nicht zwingend eine Meinung zum Thema widerspiegelt. Sein Fazit: “Man wird den Eindruck nicht los, dass die ‘Welt’ mit diesem Artikel nicht eine berechtigte Debatte für eine wichtige Sache führen, sondern eine Kampagne fahren wollte, um einzelne Prominenten schlecht aussehen zu lassen.”

2. “Es gibt eine vorgefasste Gefühlsmeinung”
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Video: 8:53 Minuten)
Die Journalistin Esther Schapira kritisiert im Deutschlandfunk, dass Falschmeldungen der Hamas aus Gaza von Medien verbreitet wurden, da sie eine gefühlte Wahrheit bei vielen Journalisten und Journalistinnen bestätigten würden. Schapira betont, dass Antisemitismus in Redaktionen lange verharmlost worden sei. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung solcher Falschmeldungen und vorgefassten Meinungen in den Köpfen vieler Medienschaffender.

3. So katastrophal bewertet die Medienbranche Twitter
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Markus Reuter)
netztpolitik.org hat sich in der Medienbranche zum Zustand von Twitter/X umgehört. Journalistinnen und Journalisten sowie ganze Medienhäuser würden einen Verlust von Relevanz und Reichweite bemerken, die Plattform als “toxisch” beschreiben und überlegen, sie zu verlassen. Die Antworten würden ein Dilemma spiegeln: “So kritisch viele die Entwicklung bei X sehen: Solange Medien und Politik weiter in großer Zahl dort anzutreffen sind, ist es schwer, die Plattform zu verlassen.”

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4. RSF und HateAid fordern stärkere Nutzerrechte
(reporter-ohne-grenzen.de)
Gerade Medienschaffende seien auf Social-Media-Plattformen oftmals sexualisierten Beleidigungen, Morddrohungen und Verleumdungen ausgesetzt; die Reaktionen der Plattformen seien oft unzureichend. Dagegen setzen sich die Organisationen Reporter ohne Grenzen (ROG) und HateAid ein und appellieren an den Deutschen Bundestag, mit einem Gesetz gegen digitale Gewalt die Betroffenen besser zu schützen. “Nicht erst seit der Berichterstattung über das Querdenken-Milieu beobachten wir eine starke Zunahme von Hass und Hetze gegen Medienschaffende im Netz. Das führt zu Selbstzensur und stellt eine Gefahr für die Informationsfreiheit in Deutschland dar”, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

5. Die Zeit ist knapp
(taz.de, David Muschenich)
Lokale Medien stehen derzeit vor zahlreichen Herausforderungen. Um Lösungsansätze zu diskutieren, trafen sich Journalistinnen und Journalisten bei der Konferenz Correctiv.Lokal. Themen wie die Zukunft des Lokaljournalismus, Klima und Vielfalt in den Redaktionen standen auf dem Programm. Das Netzwerk Correctiv.Lokal versuche, den vielfältigen Herausforderungen durch Kooperation und Erfahrungsaustausch zu begegnen.

6. RBB erhöht die Forderungen gegen Ex-Intendantin Schlesinger
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, hat der RBB seine Forderungen gegen die ehemalige Intendantin Patricia Schlesinger vor Gericht auf 270.000 Euro erhöht. Dabei gehe es vor allem um die Rückzahlung variabler Bezüge. Während Schlesinger die Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Verschwendung zurückweist, erhebe sie ihrerseits Forderungen gegen den öffentlich-rechtlichen Sender und verlange die Auszahlung ihrer Versorgungsleistungen.

Verdacht, “Purpose”, Jugendwort “goofy”

1. “Wir wollen niemanden canceln”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Seit dem Aufkommen der #MeToo-Bewegung habe die Verdachtsberichterstattung über sexualisierte Gewalt zugenommen, wobei Journalistinnen und Journalisten strengen Regeln folgen müssten. Lena Kampf, stellvertretende Leiterin des Ressorts Investigative Recherche bei der “Süddeutschen Zeitung”, spricht über die Herausforderungen und juristischen Auseinandersetzungen, die mit einer solchen Berichterstattung einhergehen. Sie betont die Bedeutung von eidesstattlichen Versicherungen für die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen und die Notwendigkeit, das Informationsinteresse der Öffentlichkeit mit dem Persönlichkeitsrecht der Betroffenen abzuwägen.

2. Warum Löschen keine gute Lösung ist
(netzpolitik.org, Carla Siepmann)
Online verbreiten sich Informationen, einschließlich Falschmeldungen, besonders schnell. Um einen demokratischen Diskurs zu gewährleisten, sollten falsche oder gefälschte Inhalte jedoch nicht voreilig gelöscht werden, findet Carla Siepmann: “Statt auf Eile zu setzen, sollten wir stärker gegen Desinformation vorgehen, indem mutmaßlich falsche Inhalte gekennzeichnet und kommentiert werden. Ansonsten droht eine Zensur des digitalen Raums.”

3. US-Journalistin festgenommen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (ROG) wurde die amerikanisch-russische Journalistin Alsu Kurmaschewa am 18. Oktober in Kasan, der Hauptstadt der autonomen russischen Teilrepublik Tatarstan, verhaftet. Sie soll sich in Russland nicht als “ausländische Agentin” registriert haben. Kurmaschewa arbeite für den US-finanzierten Sender Radio Free Europe/Radio Liberty und habe sich intensiv mit den Problemen nationaler Minderheiten in Tatarstan und Baschkortostan beschäftigt. ROG befürchtet, dass Russland verhaftete Journalistinnen und Journalisten wie Kurmaschewa als Druckmittel einsetzen könnte und fordert ihre sofortige Freilassung.

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4. Journalismus braucht Strukturen, die seinem “Purpose” gerecht werden
(journalist.de, Patrick Breitenbach)
Unternehmensberater und Innovationsmanager Patrick Breitenbach diskutiert die Bedeutung von “Purpose” im Journalismus und betont, dass viele Organisationen sich von ihrem ursprünglichen Zweck entfernt haben. Für Medienorganisationen hat er einen wichtigen Tipp: “Besinnt euch auf den ursprünglichen Zweck des Journalismus und beginnt endlich damit, an den Strukturen und nicht an den Psychen eurer Mitarbeitenden zu arbeiten.”

5. Bei diesen Artikeln über KI hätte Heute.at besser eine KI gefragt
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Wie “Kobuk” berichtet, hat die österreichische Gratis-Tageszeitung “Heute” in mehreren Artikeln über Künstliche Intelligenz (KI) übertriebene oder falsche Behauptungen aufgestellt, beispielsweise dass ChatGPT einen Master-Abschluss habe, dass KI bald für Wladimir Putin Entscheidungen treffen werde, und dass eine KI die Menschheit vernichten wolle. Andrea Gutschi kritisiert die ungenaue und unseriöse Berichterstattung und stellt klar, dass viele der Behauptungen nicht der Wahrheit entsprechen.

6. “Goofy” ist Jugendwort des Jahres 2023
(tagesschau.de)
“goofy” wurde zum Jugendwort des Jahres 2023 gewählt. Weitere Finalisten sind “side eye” (in etwa: skeptischer Blick) und “NPC”, eine Abkürzung für “non-player character” aus Videospielen. Tagesschau.de geht den Fragen nach, ob Jugendliche solche Wörter wirklich benutzen, was eine junge Poetry-Slammerin von Jugendwörtern hält und wofür diese eigentlich gut sind.

Ende der “Wiener Zeitung”, “Funk”, 140 Schreiben vom Rechtsanwalt

1. Das ist die letzte “Wiener Zeitung”
(derstandard.at)
“Das ist ein bitterer Tag für Österreich als Medienstandort und Kulturland und ein trauriger Tag für alle, die seriösen Qualitätsjournalismus schätzen”, zitiert der “Standard” den österreichischen Politiker und SPÖ-Parteivorsitzenden Andreas Babler. Gemeint ist das Ende der “Wiener Zeitung”, die bis zu ihrer letzten gedruckten Ausgabe am heutigen Freitag als die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt gilt. Grund für die Schließung sei vor allem der Entzug der Finanzierung durch die Regierung gewesen.
Weiterer Lesehinweis: Das Ende der “Wiener Zeitung”: Chronologie einer gescheiterten Rettung (wienerzeitung.at).

2. “Immer häufiger Medienanwälte”
(taz.de, Wilfried Urbe)
Über presserechtliche Auseinandersetzungen, juristische Einschüchterungsversuche und Abmahnungen haben wir in den “6 vor 9” schon häufig berichtet, aber was Günter Wallraff in seinem Interview mit der “taz” erzählt, verblüfft auch uns: Im Vorfeld der “Team-Wallraff”-Sendung über Missstände in Krankenhäusern hätten er beziehungsweise Redaktion und Sender rund 140 Anwaltsschreiben erhalten. Wallraff habe eine einfache Faustregel: “Die Allerschlimmsten betreiben den größten juristischen Aufwand, um einzuschüchtern und damit Missstände zu vertuschen.”
Weiterer Lesetipp und ebenfalls die RTL-Sendung “Team Wallraff” betreffend: Wie Burger King vor neuen RTL-Enthüllungen in die Offensive geht (dwdl.de, Alexander Krei).

3. 1. Juli 2024: Independence Day für 12,5 Millionen Kabel-Haushalte
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Es klingt zunächst nach einer rein technischen Meldung, könnte aber erhebliche Auswirkungen auf das Mediennutzungsverhalten haben: In einem Jahr fällt das sogenannte Nebenkostenprivileg, das es Vermieterinnen und Vermietern erlaubt, die Kosten des Kabelanschlusses monatlich über die Nebenkosten auf die Mieterinnen und Mieter umzulegen. Die neu gewonnene Freiheit könnten viele nutzen, um sich endgültig vom linearen Fernsehen zu trennen. Uwe Mantel erläutert die Hintergründe.

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4. Nach Kritik an Berichterstattung über “rechte Parteien”: Funk entschuldigt sich für Fehler
(deutschlandfunk.de)
In einem Instagram-Beitrag des öffentlich-rechtlichen Jugendformats “Funk” hieß es: “Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts.” Diese Darstellung wurde teilweise heftig kritisiert, eine Kritik, der sich auch der Intendant des SWR und “Funk”-Gesamtverantwortliche Kai Gniffke anschließt. Der Beitrag sei umgehend offline genommen worden. Zudem veröffentlichte die zuständige Redaktion “Die da oben” ein Video-Statement, in dem sie sich zu der Kritik äußert.

5. Den Kinobetreibern explodieren die Kosten
(faz.net, Helmut Hartung)
Christine Berg, Chefin des Verbands der Kinobetreiber, klagt in der “FAZ” über die steigenden Kosten und sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Sie plädiert für finanzielle Unterstützung bei der energetischen Sanierung der Lichtspielhäuser und der Umrüstung auf Photovoltaikanlagen. Außerdem wünscht sie sich ein “größeres Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks”, so könnte die ARD doch einmal wöchentlich vor der “Tagesschau” einen deutschen Kinofilm bewerben. Nun denn.

6. Millionen-Betrug mit Falschmeldungen: das steckt hinter der Bitcoin-Falle
(youtube.com, Mirko Drotschmann, Video: 12:24 Minuten)
Selbst auf seriösen Nachrichtenseiten wie der des “Spiegel” tauchen betrügerische Fake-Anzeigen auf. Da wird zum Beispiel Markus Lanz vermeintlich von der Polizei abgeführt, dazu die reißerische Textzeile: “Tausende strömen nach Lanz’ Verhaftung zu Geldautomaten”. Wie funktioniert diese Betrugsmasche? Wie kommt es, dass solche Fake-Meldungen auf seriösen Nachrichtenportalen landen? Und wie kann man die Klickfallen durchschauen? Mirko Drotschmann hat es sich für das Medienmagazin “Zapp” genauer angeschaut.

“Verschlossene Auster”, Hackerangriff, Schmonz-Roman?

1. Verschlossene Auster 2023 für Verleger Holger Friedrich
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche hat den diesjährigen Negativpreis “Die verschlossene Auster” ausnahmsweise an jemanden verliehen, der nicht zu wenig, sondern zu viel gesagt hat: an Holger Friedrich, Verleger der “Berliner Zeitung”. “Die Verschlossene Auster verleihen wir normalerweise an Menschen, die Informationen zurückhalten. Den Bruch des Quellenschutzes durch Holger Friedrich halten wir jedoch für so gravierend, dass wir in diesem Jahr eine Ausnahme machen und Friedrich mit dem Negativpreis der Verschlossenen Auster auszeichnen”, so Daniel Drepper, Vorsitzender des Netzwerks.

2. Hackerangriff legt Rheinische Post Mediengruppe in Teilen lahm
(spiegel.de)
Die Rheinische Post Mediengruppe sieht sich offenbar seit Freitag einem folgenreichen Hackerangriff ausgesetzt. Die Attacke betreffe die Seiten des “Bonner General-Anzeigers”, der “Aachener Nachrichten”, des “Trierischen Volksfreunds”, der “Saarbrücker Zeitung” und der “Wuppertaler Rundschau”.

3. Ulrike Demmer zur rbb-Intendantin gewählt
(tagesschau.de)
Der RBB-Rundfunkrat hat sich für eine Nachfolgerin von Ex-Intendantin Patricia Schlesinger beziehungsweise Interimsintendantin Katrin Vernau entschieden: Die Wahl ist auf die frühere stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung Ulrike Demmer gefallen, die davor als Journalistin tätig war. Wer sich für den Hintergrund der Wahl interessiert: Bei “DWDL” fasst Timo Niemeier Vorgang und Abläufe noch einmal zusammen: Geschafft: Ulrike Demmer wird neue RBB-Intendantin.

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4. Wenn Politik nur noch Wahlkampf ist
(deutschlandfunk.de, Stefan Beuting, Audio: 32:12 Minuten)
“Horse race journalism” bezeichnet laut Wikipedia “eine journalistische Berichterstattungsform, die den Wettbewerbs- und Konfrontationscharakter von Politik in den Vordergrund stellt.” Ein Radiohörer kritisiert, er habe diese Form der Berichterstattung auch beim Deutschlandfunk entdeckt, und diskutiert darüber mit dem Journalisten Stefan Beuting und dem Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

5. Fox News verbreitet neue Lügen
(faz.net, Nina Rehfeld)
Die Entlassung des rechtslastigen Moderators Tucker Carlson, der in der Vergangenheit zahlreiche Falschmeldungen und Verschwörungsmythen verbreitet hatte, hat den US-amerikanischen TV-Sender Fox News viele Zuschauer und Zuschauerinnen gekostet. Um den Quoteneinbrüchen zu begegnen, drehe der Fernsehsender nun vollends ins rechte Lager ab, beobachtet Nina Rehfeld.

6. Schmonz-Roman oder “Zeit Magazin”? Das große Kevin-Spacey-Portrait-Quiz
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
In der vergangenen Woche erschien im “Zeit Magazin” ein großes Porträt über den US-amerikanischen Schauspieler Kevin Spacey, von dem das Magazin selbst sagt, es sei “wahrscheinlich Teil seines Versuches, ein Comeback vorzubereiten.” Lisa Kräher hat ihre kritischen Fragen beiseitegeschoben und widmet sich nur einem Aspekt: der Ähnlichkeit des Spacey-Porträts mit einem Kitsch-Roman.

1,2 Milliarden Euro Strafe, CEO of Radikalisierung, Faktencheck-Flyer

1. Facebook-Konzern Meta soll 1,2 Milliarden Euro Strafe zahlen
(spiegel.de)
Der Hartnäckigkeit des österreichischen Datenschutzaktivisten, Autors und Juristen Max Schrems ist es zu verdanken, dass der Facebook-Mutterkonzern Meta wegen seiner Beteiligung an der US-Massenüberwachung zu einer Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Euro verurteilt wurde. Schrems selbst Auf nyob.eu kommentiert: “Wir sind froh über diese Entscheidung nach zehn Jahren Rechtsstreit. Das Bußgeld hätte wesentlich höher ausfallen können, da die Höchststrafe bei über 4 Milliarden liegt und Meta zehn Jahre lang wissentlich gegen die DSGVO verstoßen hat, um Profit zu machen. Wenn die US-Überwachungsgesetze nicht geändert werden, wird Meta nun wohl seine Systeme grundlegend umstrukturieren müssen.”

2. Russische Journalistinnen mutmaßlich vergiftet
(tagesschau.de)
Laut Medienberichten klagten zwei russische Exil-Journalistinnen nach dem Besuch einer Konferenz des Kremlkritikers Michail Chodorkowski in Berlin über Vergiftungssymptome. Der Sachverhalt werde vom polizeilichen Staatsschutz bearbeitet, so ein Polizeisprecher. Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, fordert eine Reaktion der Bundesregierung: “Wenn sich herausstellt, dass Putin sogar vor Mordversuchen nicht zurückschreckt, ist eine klare Antwort des Auswärtigen Amtes unverzichtbar.” Darüber hinaus seien die Sicherheitsbehörden aufgefordert, den Schutz von in Deutschland lebenden exilrussischen Journalistinnen und Journalisten zu verbessern: “Wer in Deutschland Schutz sucht und findet, darf kein Freiwild für Putins Handlanger sein”, so Überall.

3. Wie erkenne ich Falschmeldungen?
(correctiv.org)
“Die Verunsicherung, die Falschmeldungen auslösen, ist beträchtlich. Sie spalten Gesellschaften, radikalisieren Menschen und führen im schlimmsten Fall sogar zu Gewalt.” Das Rechercheteam von “Correctiv” hat zehn kurze und prägnante Tipps zusammengestellt, wie man Falschmeldungen erkennen kann. Sie können auch als Faktencheck-Flyer heruntergeladen werden (PDF).

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4. 30 Jahre Welttag der Pressefreiheit: Hintergründe und aktuelle Herausforderungen
(de.ejo-online.eu, Roja Zaitoonie)
Vor 30 Jahren wurde der 3. Mai zum Welttag der Pressefreiheit erklärt. Seitdem organisiert die UNESCO, eine Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, eine jährlich stattfindende internationale Konferenz. In diesem Jahr fand die UNESCO-Konferenz in Punta del Este, Uruguay, statt. Roja Zaitoonie erläutert die Hintergründe des Welttags und stellt einige der Themen vor, die in Punta del Este diskutiert wurden.

5. CEO of Radikalisierung
(belltower.news, Martha Blumenthaler)
Gestern haben wir in den “6 vor 9” einen Text von Annika Brockschmidt über die verstörenden Äußerungen und die zunehmende Radikalisierung des Twitter-Eigentümers Elon Musk verlinkt, heute beschäftigt sich Martha Blumenthaler mit dem “CEO of Radikalisierung”. In ihrem Text geht sie auf die Wahl der Werbeexpertin Linda Yaccarino als neue Twitter-Chefin ein, die von einigen Musk-Fans wegen einer Verbindung zum Weltwirtschaftsforum heftig abgelehnt werde.

6. Von Nicaragua bis Wien
(taz.de, Thomas Schmid & Barbara Oertel)
Wie die “taz” mitteilt, ist der langjährige “taz”-Korrespondent und Zentralamerika-Experte Ralf Leonhard überraschend gestorben. Er sei am Wochenende tödlich verunglückt. Thomas Schmid und Barbara Oertel blicken in ihrem Nachruf auf Leonhards Persönlichkeit und Karriere zurück: “Mit Ralfs überraschendem Tod verliert die taz eine gewichtige Stimme”, heißt es dort. Dem können wir nur zustimmen. Ralf Leonhards Texte tauchten auch regelmäßig in unseren “6-vor-9”-Empfehlungen auf.

Spitzengehälter im ÖRR, Umgang mit Fehlern, Zeit für den Abflug?

1. Angemessen? Spitzengehälter im ÖRR
(ardmediathek.de, Zapp Medienmagazin, Lea Eichhorn & Nadja Mitzkat & Robert Bongen, Video: 10:03 Minuten)
Die Frage, ob die Spitzengehälter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angemessen sind, wird derzeit heftig diskutiert. Insbesondere die Gehälter der Intendantinnen und Intendanten von ARD und ZDF stehen dabei im Fokus. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Höhe der sogenannten Ruhegelder. Doch der Grat zwischen seriösen Vorschlägen und Populismus sei schmal, so das Medienmagazin “Zapp”.

2. Desinformation: Die problematische Rolle von Journalisten
(mediummagazin.de, Felix M. Simon)
Studien zu “Fake News” würden in Redaktionen oft gefühlte Wahrheiten bestätigen und deshalb besonders gerne aufgegriffen, obwohl das Forschungsfeld in der Wissenschaft schon lange in der Kritik stehe. Der Kommunikationswissenschaftler Felix M. Simon erklärt, warum eine bessere Berichterstattung über Falschmeldungen dringend notwendig ist.

3. Mit der Wahrheit lügen
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson zieht auf Twitter viel Aufmerksamkeit auf sich. Das ist kein Zufall, meint Johannes Drosdowski: “Bild, Fox News und Twitter und viele andere Social-Media-Plattformen funktionieren auf eine ähnliche Weise: Sie packen uns an unseren Ängsten, an unserer Wut. Dabei brauchte Fox News den charismatischen Lügner Carlson ebenso wie der Moderator Fox News. Seine Strategie wird vermutlich auch auf Twitter funktionieren.”

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4. Wieso sind Politiker so schlecht darin, mit eigenen Fehlern umzugehen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 35:51 Minuten)
Die “FAZ”-Politikkorrespondentin Helene Bubrowski hat ein Buch geschrieben, in dem sie Fehlverhalten, Skandale und Rücktritte von Politikern und Politikerinnen, aber auch die oft problematische Rolle von Medien analysiert – und ihre eigene Fehlerkultur. Im Gespräch mit Holger Klein geht es um die Frage, wie schwer sich Politiker und Politikerinnen mit dem Umgang mit Fehlern tun: Wie viel Offenheit und Ehrlichkeit können sie sich erlauben, ohne dass es ihnen schadet, weil es wiederum von Medien skandalisiert wird? Und was ist ein guter Umgang mit Fehlern?
Weiterer Lesetipp: Ralf Heimann hat sich hier bei uns im BILDblog in der achtteiligen Serie “Kleine Wissenschaft des Fehlers” mit Fehlern in den Medien und dem richtigen Umgang damit beschäftigt.

5. Zeit für einen Abflug?
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:30 Minuten)
Angesichts der fatalen Entwicklungen bei Twitter sei es an der Zeit, über Alternativen nachzudenken, meint Deutschlandfunk-Kolumnistin Marina Weisband, selbst erfolgreiche und reichweitenstarke Twitterin: “Zeit für Redaktionen, in sich zu gehen und sich Gedanken zu machen, wie viele und welche Nachrichten man sich von Twitter holt. Zeit für die Gesellschaft in sich zu gehen und nachzudenken, warum wir eigentlich keine Infrastruktur haben, die uns allen gehört – ihren Nutzenden.”

6. ESC-Legende Peter Urban im Abschiedsgespräch: “Ich finde es schön, diese Stimme zu haben”
(rnd.de, Imre Grimm)
Ein Vierteljahrhundert lang war Radiopionier Peter Urban in Deutschland Stimme und Gesicht des Eurovision Song Contest (ESC). Zum Abschied spricht Imre Grimm mit ihm über die Jahre beim ESC, Begegnungen mit Musiklegenden, Mucken im Hamburger “Onkel Pö” und “diese grässliche Zwangsfröhlichkeit” im heutigen Popradio.

NDR widerspricht Reichelt-Anwalt, Deutschland auf 21, Chatbot-Gefahr

1. “Angriffe dürfen kein Normalfall werden”
(tagesschau.de, Belinda Grasnick & Konstantin Kumpfmüller)
Pünktlich zum internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai hat die Organisation Reporter ohne Grenzen ihre aktuelle Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht, in der Deutschland auf Platz 21 liegt. Lutz Kinkel, Direktor des European Centre for Press and Media Freedom in Leipzig, bewertet die Stimmung gegenüber Medienschaffenden in Deutschland als ambivalent: “Einerseits haben die ‘Querdenken’-Demonstrationen während der Covid-Pandemie ein sehr pressefeindliches Klima erzeugt”, so Kinkel gegenüber tagesschau.de. Andererseits habe die Pandemie auch dazu geführt, dass die Menschen wieder mehr Wert auf gut recherchierte Nachrichten legten.

2. Sendung über Ex-“Bild”-Chefredakteur: NDR widerspricht Reichelt-Anwalt
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der ehemalige Chefredakteur der “Bild”-Zeitung, Julian Reichelt, habe eine einstweilige Verfügung gegen die NDR-Sendung “Reschke Fernsehen” vom 16. Februar dieses Jahres erwirkt. Das TV-Magazin dürfe “zahlreicher Äußerungen und Vorwürfe” gegen Reichelt nicht mehr verbreiten, so Reichelts Anwalt in einer Pressemitteilung. Der NDR hat die Sendung offenbar aus der Mediathek genommen, teilt zur “Causa Reichelt” aber mit: “Gericht erklärt Berichterstattung über Machtmissbrauch als zulässig”, räumt ein, dass “einige Äußerungen in der Sendung ‘Reschke Fernsehen’ vorläufig verboten worden sind”, und kündigt an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

3. Staatsanwaltschaft klagt Freiburger Journalisten an
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Wie Sebastian Meineck bei netzpolitik.org berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Karlsruhe einen Redakteur von Radio Dreyeckland angeklagt. Der Vorwurf basiere auf einer Nachrichtenmeldung, die dieser Redakteur verfasst habe und in der ein Link zum Archiv der verbotenen Plattform “linksunten.indymedia” enthalten gewesen sei. Der betroffene Journalist sehe in der Anklage einen “skandalösen Eingriff in die Pressefreiheit”.

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4. Wie Chatbots für Desinformation genutzt werden
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 5:00 Minuten)
Laut einer Medienanalyse des Portals “NewsGuard” sollen 49 verschiedene Websites in betrügerischer Absicht Falschnachrichten veröffentlicht haben, die offenbar fast vollständig von sogenannter Künstlicher Intelligenz verfasst wurden. Der Deutschlandfunk sprach mit dem Digitaljournalisten Markus Beckedahl über die Hintergründe. In dem Interview geht es auch darum, wie Leserinnen und Leser solche Texte entlarven und sich vor der Verbreitung von Falschmeldungen schützen können.

5. “Die ARD zu leiten, ist wie den SC Freiburg trainieren”
(journalist.de, Jan Freitag)
SWR-Intendant Kai Gniffke steht seit 100 Tagen als Vorsitzender an der Spitze der ARD. Ein guter Anlass, um mit ihm über die großen Themen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu sprechen: Wie geht man mit Kritik am System um? Welche Lehren zieht die ARD aus den Skandalen bei RBB und NDR? Und wie stellt sich der Senderverbund für die Zukunft auf?

6. Musk droht angeblich Radiosender, dessen Account neu zu vergeben
(spiegel.de)
Der Streit zwischen Twitter-Besitzer Elon Musk und dem US-Radiosender NPR, dessen Twitter-Account 8,8 Millionen Menschen folgen, geht in die nächste Runde: Nachdem Musk den Sender mit verschiedenen unzutreffenden Etiketten belegt hatte, hatte dieser seine Twitter-Aktivitäten eingestellt. Nun droht Musk, den Account anderweitig zu vergeben.

“Bild” und das “Schauspiel im Schauspiel”, Fake-Anzeigen, KI-Fail

1. “Bild” löscht Artikel über Reichsbürger
(tagesspiegel.de, Julius Geiler)
Bei der Premiere eines Theaterstücks in Halle über die Welt der Reichsbürger war auch der in der Reichsbürgerszene bekannte und selbsternannte “König von Deutschland” Peter Fitzek als Besucher vor Ort. Die Eintrittskarten soll ihm ein “Bild”-Reporter besorgt haben, um ein “Schauspiel im Schauspiel” zu inszenieren, wie das Theater vermutet. Nach Bekanntwerden des Vorgangs entfernte die “Bild”-Redaktion den dazugehörigen Text von Bild.de.
Aktueller Lesetipp zum Thema, in dem auch besagter Peter Fitzek eine Rolle spielt: “Reichsbürger” wollen Parallelwirtschaft: “Sie sind Maler, Masseure oder Bestatter, verkaufen Solaranlagen oder vegane Lebensmittel. Dutzende Firmen sehen sich als Teil eines fiktiven ‘Königreichs Deutschland’. Der Verfassungsschutz rechnet sie der ‘Reichsbürger’-Szene zu.” (tagesschau.de, Kai Laufen)

2. So funktioniert die Abzocke mit Fake-Anzeigen
(spiegel.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz schreibt beim “Spiegel” über “die Abzocke mit Fake-Anzeigen”. In der vergangenen Woche hatte der “6-vor-9”-Kurator auf Twitter die Anzeigenpraxis des “Spiegel” kritisiert: “Lieber @derspiegel, es ist schon ziemlich, nun ja, erbärmlich, dass Ihr seit Jahren zulasst, dass auf Eurer Webseite übelste Fake-Meldungen von digitalen Trickdieben ausgespielt werden. Stoppt endlich diesen Mist! (Und ja, das gilt auch für andere Qualitätsmedien)”. Der konkrete Anlass war eine in einen Artikel eingebettete Anzeigen-Falschmeldung mit einem gefälschten Foto der vermeintlichen Verhaftung des TV-Moderators Markus Lanz und dem Locktitel: “Tausende strömen nach Lanz Verhaftung zu den Geldautomaten”. Nun erklärt der “Spiegel” wortreich und sinngemäß, wie schwierig es für Medien wie den “Spiegel” sei, das (seit vielen Jahren bekannte, Anmerkung des Kurators) Problem in den Griff zu bekommen, und dass dieses Anzeigenformat nun mal viele Einnahmen generiere, auf die man ungern verzichte. Dies erinnert den Kurator an eine Twitter-Diskussion mit einem Mitarbeiter des “Spiegel”: “Ach, und die Jobs, die an ‘dieser Art der Vermarktung’ hängen, rechtfertigen es, dass ‘Spiegel’-Leser und -Leserinnen seit Jahren und immer wieder geschädigt, geprellt und abgezockt werden? Und nein: Es ist nicht komplex. Hört endlich auf damit!”

3. Krasser KI-Sündenfall, @ippenmedia!
(twitter.com/LarsWienand)
Offenbar lässt die Ippen-Gruppe, zumindest vereinzelt, Beiträge von einer Künstlichen Intelligenz (KI) schreiben. Die entsprechenden Texte sind jedenfalls gekennzeichnet und mit dem Hinweis versehen, dass ein Mensch sie vor der Veröffentlichung geprüft habe. Was dabei schiefgehen kann, zeigt der Journalist Lars Wienand auf Twitter mit einem Beispiel aus der Praxis: Anscheinend hat die KI einen zehn Jahre alten Beitrag über einen Fall in den USA mit dem aktuellen Fall “Jule Stinkesocke” verwoben und zu einer neuen Meldung zusammenhalluziniert.
Weiterer Lesehinweis: In zahlreichen Medien wurden bereits Algorithmen und Künstliche Intelligenz eingesetzt, um über Sportergebnisse, Wettervorhersagen, Lottozahlen oder Kochrezepte zu berichten. Doch mit dem Aufkommen von ChatGPT explodiert die Zahl der möglichen Anwendungsbereiche von KI. Beim “Fachjournalist” schreibt Dennis Fajt über die Herausforderungen, Probleme und Lösungen beim Einsatz von “denkenden Maschinen” im journalistischen Umfeld.

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4. Nur dahingesagt – oder “dahingerotzt”?
(verdi.de, Lars Hansen)
Hamburgs Schulsenator Ties Rabe soll sich kürzlich vor jungen Leuten abfällig über Medien geäußert haben. Lars Hansen will das nicht so stehen lassen und kontert: “Journalistische Medien in Zeiten zahlreicher globaler Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche insgesamt zu diffamieren, anstatt sie wertzuschätzen und jungen Menschen näher zu bringen, ist eines Demokraten unwürdig. Journalistische Produkte, die durch mehrere Redaktionsprozesse gegangen sind, oft unter schwierigen Arbeitsbedingungen, bevor sie veröffentlicht wurden, als ‘dahingerotzt’ zu bezeichnen, ist der Stil eines ganz schlechten Lehrers. Setzen, Sechs!”

5. Hetzkampagne gegen Journalisten
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Als sich das Medienmagazin “Zapp” bei “Tagesspiegel”-Reporter Sebastian Leber meldete, wollte er es zunächst nicht glauben: Eine Reihe bekannter Verschwörungsideologen und Hetzer, so die “Zapp” vorliegenden Informationen, hätten im Geheimen eine koordinierte Kampagne geplant, um ihn und den “Tagesspiegel” zu diffamieren. Leber fragt sich: “Wenn die sich schon die Mühe machen, koordiniert gegen eine kleine Leuchte wie mich zu hetzen, gegen wie viele andere Journalist:innen in Deutschland liefen und laufen dann noch Diffamierungsaktionen?”
Transparenzhinweis: Für etwa eine halbe Stunde war hier ein anderer Beitrag verlinkt, den wir jedoch wegen inhaltlicher Mängel ausgetauscht haben.

6. Die Trump-Show LIVE
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:50 Minuten)
Tappen Redaktionen erneut in Donald Trumps Medienfalle? Boris Rosenkranz hat sich angeschaut, wie deutsche Medien über die aktuellen Ereignisse rund um die Trump-Anklage berichtet haben, und hat einen Zusammenschnitt erstellt, der für sich spricht: “Donald Trump muss in New York City vor Gericht. Und was machen Medien weltweit, als hätten sie nichts gelernt? Sie filmen den amerikanischen Ex-Präsidenten auf Schritt und Tritt, sogar aus Helikoptern – und bereiten ihm damit eine ganz große Bühne.”
Lesehinweis: Bei der “taz” kommt Carolina Schwarz zu einer ähnlichen Erkenntnis: Ein reines Spektakel: “Mit Live-Berichterstattung und Helikoptern begleiten US-Medien Donald Trumps Anklage. Dabei wiederholen sie journalistische Fehler aus dem Wahlkampf 2016.”

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