Suchergebnisse für ‘falschmeldung’

Nachrichtendienstrecht, “Berliner Appell”, Streit um Merz-Zitate

1. Schutz von Journalisten unzureichend
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gemeinsam mit weiteren Medienverbänden warnt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) vor erheblichen Lücken beim Schutz von Journalistinnen und Journalisten im neuen Referentenentwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts. Zwar sei die Einführung eines Schutzes für Berufsgeheimnisträger grundsätzlich zu begrüßen, dieser bleibe für Medienschaffende jedoch im Gegensatz zu Geistlichen, Anwälten oder parlamentarischen Abgeordnete nur relativ. “So notwendig die Anpassung des Nachrichtendienstrechts an die digitale Entwicklung sein mag, so wichtig ist der Schutz der Medienschaffenden und ihrer Informanten”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. Die komplette Stellungnahme gibt es hier (PDF).

2. “Ohne freie Presse keine freie Gesellschaft”
(medien.epd.de)
Rund 350 deutsche Presseverlage hätten im “Berliner Appell” des Medienverbandes der freien Presse ein medienpolitisches Sofortprogramm gefordert. Um die verfassungsrechtlich garantierte Pressefreiheit zu sichern, würden die Verlage von Bund und Ländern konkrete Entlastungen sowie Urheber- und Vergütungsrechte gegenüber generativer KI verlangen. Zudem plädiere der Verband für eine Modernisierung des Pressekartellrechts zur Erleichterung von Kooperationen sowie für eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Presseprodukte auf null Prozent.

3. Kanzler Merz nennt es Hintergrundgespräch – die WP widerspricht
(wp.de, Martin Korte)
Ein lokaler Pressetermin von Bundeskanzler Friedrich Merz im Sauerland sorge für Streit über die Zitatfreigabe. Die “Westfalenpost” kritisiert, dass Journalistinnen und Journalisten ihre wörtlichen Zitate vorab dem Bundespresseamt vorlegen sollten, obwohl das Gespräch als “unter eins”, also uneingeschränkt zitierfähig, deklariert gewesen sei. Während Merz bei seiner Sommerpressekonferenz entgegnet habe, es habe sich um ein “Pressehintergrundgespräch” gehandelt, widerspricht die Zeitung vehement. Der Termin sei als normales Pressegespräch ausgewiesen gewesen. Außerdem habe der Kanzler am Ende sogar offizielle O-Töne vor Kameras und Mikrofonen gegeben, was eine nachträgliche Autorisierung widersinnig mache.

Bildblog unterstuetzen

4. Der ukrainische Journalismus zwischen Krieg, Reform und Überleben
(de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko)
Der ukrainische Journalismus stehe im Krieg vor extremen Herausforderungen, schreibt die Medienwissenschaftlerin Oleksandra Yaroshenko. Zwar würden Reformen den früheren Oligarchen-Einfluss zurückdrängen, doch die Pressefreiheit leide. Die kollaborative Sendeinitiative “United News Marathon” gerate wegen mangelnder Meinungsvielfalt in die Kritik, eine schwere Wirtschaftskrise treibe Redaktionen in den Ruin. Zudem wandere das Publikum rasant zu intransparenten, oft anonymen Telegram-Kanälen ab. Yaroshenkos Fazit: “Zuverlässiger Journalismus bleibt eine der wichtigsten Ressourcen, die der ukrainischen Gesellschaft in Kriegszeiten zur Verfügung stehen.”

5. Liebes-Aus? Reiche und zu Guttenberg gehen gegen “Bunte” vor
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Unternehmer Karl-Theodor zu Guttenberg würden sich juristisch gegen eine exklusive Titelstory des Klatschmagazins “Bunte” wehren. Das Blatt habe unter der Überschrift “Liebes-Aus nach 2 Jahren Glück” behauptet, das Paar habe sich getrennt. Medienanwalt Christian Schertz weise die Berichterstattung im Namen seiner Mandanten als völlig haltlos zurück. Man fordere nun einen prominent platzierten Widerruf auf der Titelseite sowie ein vollständiges Verbot der Falschmeldung.

6. Ausgangssperre auf Social Media für 16-Jährige? Britische Regierung plant Regelung
(spiegel.de)
Die britische Regierung plane nach dem bereits angekündigten Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weitere Einschränkungen für Jugendliche: Für 16- und 17-Jährige solle künftig eine Art nächtliche Online-Ausgangssperre zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens gelten, um deren Schlaf zu schützen. Zudem sollen suchterzeugende Funktionen wie das endlose Scrollen standardmäßig deaktiviert und die Nutzung von KI-Chatbots für Minderjährige durch Pflichtpausen eingeschränkt werden.

7. Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Sommerpressekonferenz
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:46 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die gestrige Sommerpressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz. Gefragt wurde zu allem, innen wie außen. Merz kam mit frischen Reformbeschlüssen, aber auch mit der Weltlage. Bemerkenswert war diesmal vor allem, wann er Antworten auf die Fragen der anwesenden Journalistinnen und Journalisten hatte und wann nicht.

Welle der Solidarität, Copy and Waste, Priens Kahlschlag

1. Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi berichtet von internationaler Solidarität mit der Deutschen Welle (DW), nachdem die Bundesregierung das Budget des Auslandssenders um 10 Millionen Euro kürzen wolle. Der DW-Rundfunkrat habe daraufhin einen Sparplan von mehr als 20 Millionen Euro beschlossen. Über 200 Vollzeitstellen sollen wegfallen, vor allem zulasten befristet Beschäftigter und Freier. Zugleich würden deutliche Programmeinschnitte drohen, unter anderem beim griechischen Dienst sowie bei spanischen, arabischen, portugiesischen und deutschsprachigen Angeboten.

2. Copy and Waste
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert in ihrem Kommentar das gescheiterte Projekt von “Correctiv” und “Katapult”, eine frei zugängliche Suchdatenbank zur NSDAP-Mitgliederkartei bereitzustellen. Die Idee, historische Quellen ohne Paywall zugänglich zu machen, sei grundsätzlich begrüßenswert. Kurz nach Veröffentlichung musste die Datenbank allerdings offline gehen, weil die Daten offenbar aus der bereits aufbereiteten “Zeit”-Datenbank stammen könnten. Solche Fehler würden das Vertrauen in journalistische Datenprojekte beschädigen.

3. Wie sich Priens Kahlschlag auswirkt
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Tomas Rudl beschreibt die Folgen der geplanten Kürzungen und Umstrukturierungen beim Bundesprogramm “Demokratie leben” durch Bildungsministerin Karin Prien. Mehr als 200 Projekte und vor allem langfristig aufgebaute Netzwerke gegen Rechtsextremismus, digitale Gewalt, Hassrede, Desinformation und Radikalisierung könnten aus der Förderung fallen. Dies betreffe Organisationen wie die Amadeu Antonio Stiftung, AlgorithmWatch, HateAid, Das NETTZ, die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur oder die Open Knowledge Foundation.

Bildblog unterstuetzen

4. KI soll 50.000 Urteile anony­mi­sieren
(lto.de)
Bayern wolle mithilfe von Künstlicher Intelligenz deutlich mehr Gerichtsurteile veröffentlichen. Das Tool “ALeKS” solle Entscheidungen automatisch anonymisieren, damit sensible Daten nicht mehr vollständig von Hand geschwärzt werden müssen. Geplant sei, in den kommenden Jahren 50.000 Urteile zugänglich zu machen. Über die Veröffentlichung sollen jedoch weiterhin die jeweiligen Richterinnen und Richter entscheiden.

5. Gutachten für die ARD: Was sind Vielfalt und Ausgewogenheit?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Gutachten im Auftrag des Bayerischen Rundfunks habe untersucht, was Vielfalt und Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Journalismus bedeuten und wie sie redaktionell gesichert werden können. Die Studie empfehle mehr Monitoring, Vielfalts-Checks, Fortbildungen und interne Werkzeuge für Redaktionen.

6. Britischer Radiosender meldet irrtümlich Tod von König Charles III.
(spiegel.de)
Der britische Sender Radio Caroline habe um Entschuldigung gebeten, nachdem er versehentlich den Tod von König Charles III. gemeldet habe. Ursache sei laut Senderchef Peter Moore ein Computerfehler gewesen, durch den das vorbereitete Notfallprotokoll für den Tod eines Monarchen ausgelöst worden sei. Der Sender habe die Falschmeldung live und online korrigiert.

7. Angela Merkel auf allen Kanälen
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:43 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschreibt der “6-vor-9”-Kurator Angela Merkels neue öffentliche, mediale Sichtbarkeit als Rollenwechsel von der früheren Kanzlerin zur “politischen Bürgerin”. Die Pointe: Wenn ausgerechnet die Politikerin ohne aktuelles Amt den meisten Applaus bekomme, sage das viel über den Zustand der derzeitigen Politik.

Fake-“Nius”, Kennzeichnung von KI, Plattform-Abgaben rechtmäßig

1. Frau wegen NiUS-Erfindung bedroht
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 38:34 Minuten)
Mats Schönauer rekonstruiert in seinem neuesten Video, wie das rechte Krawallportal “Nuis” aus einer privat bezahlten Kantineneröffnung in der Dortmunder Arbeitsagentur einen vermeintlichen Ramadan-Skandal gemacht habe. Die Falschbehauptungen von “Nius” über ein steuerfinanziertes Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger seien von Influencern und AfD-Politikern weiterverbreitet worden, woraufhin die betroffene Gastronomin bedroht worden sei.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei “Welt” auf
(taz.de)
Ulf Poschardt gebe zum 1. Juli seinen Posten als Herausgeber bei der “Welt” sowie den Deutschlandablegern von “Politico” und “Business Insider” ab. Laut Axel-Springer-Verlag geschehe dieser Schritt auf Poschardts eigenen Wunsch. Künftig solle er als “freiester Autor” und Podcaster für verschiedene Springer-Medien arbeiten, darunter auch “Bild”. Geplant seien unter anderem Social-Media-Clips, Talkformate, Kolumnen und Videos.

3. Transparente Kennzeichnung von KI im Journalismus
(media-lab.de, Francesca Lehmann)
Francesca Lehmann hat in ihrer Abschlussarbeit untersucht, wie KI-Inhalte im Journalismus transparent gekennzeichnet werden können. Sie zeigt, dass es bislang keine einheitliche Praxis gebe: Manche Redaktionen markieren KI-generierte Zusammenfassungen klar, andere setzen KI-Hinweise ohne erkennbare Systematik. Lehmanns Fazit: “Insgesamt zeigt sich ein klares Bedürfnis, journalistische Transparenz im KI-Zeitalter auszubauen.”

Bildblog unterstuetzen

4. Abgaben von Online-Plattformen rechtmäßig
(urheber.info)
Der Europäische Gerichtshof habe entschieden, dass EU-Mitgliedstaaten Verlagen eine angemessene Vergütung einräumen dürfen, wenn Onlineplattformen journalistische Inhalte nutzen. Anlass sei ein Verfahren von Meta in Italien gegen Vorgaben der Medienaufsicht AGCOM gewesen.

5. Reflekt
(npj.news)
Das Schweizer Rechercheteam “Reflekt” baue eigene Social-Video-Formate auf, um investigativen Journalismus stärker in Community und Mitgliedschaften zu übersetzen. Mit Host-Videos, vor allem mit Gülsha Adilji, sollen komplexe Recherchen verständlich, unterhaltsam und plattformgerecht für Instagram aufbereitet werden. Ziel sei vor allem der Aufbau direkter Beziehungen zur Zielgruppe.

6. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha zeigt bei “DWDL” in einem “Trend-Ticker”, welche Trends auf TikTok und Instagram seit Ende 2025 Reichweite erzeugt haben: von Sounds, KI-Filtern und Beziehungsformaten bis zu Nostalgie-Posts und Meme-Insidern. Zugleich warnt er vor problematischen Entwicklungen wie gefährlichen Challenges, Falschmeldungen oder rechtlich heiklen “Speedruns”.

Wahrheit in Gefahr, Polizeiliche Kriminalstatistik, Sampling geht klar

1. Wenn der Begriff Wahrheit zerstört wird
(taz.de, Patrick Gensing)
Patrick Gensing warnt in seinem Essay, “Fake News” könnten im öffentlichen Diskurs gegenüber überprüfbaren Fakten zunehmend die Oberhand gewinnen. Er argumentiert, dass Desinformation längst kein Randproblem mehr sei, sondern ein strukturelles Merkmal digitaler Öffentlichkeit. Plattformen würden Empörung, Tempo und Zuspitzung belohnen. Nötig seien nicht nur Korrekturen einzelner Falschmeldungen, sondern ein politischer und publizistischer Angriff auf die Macht der Plattformen.

2. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht
(correctiv.org, Sara Pichireddu)
Sara Pichireddu erklärt, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur begrenzt aussage, wie sich Kriminalität in Deutschland tatsächlich entwickele. Die Statistik erfasse polizeilich registrierte Fälle und Tatverdächtige, nicht aber gerichtliche Schuldfeststellungen. Viele Deutungen seien deshalb irreführend. So lasse die Statistik keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob etwa mehr Menschen kriminell würden, oder ob Migranten krimineller seien.

3. Sampling geht klar
(netzpolitik.org, Denis Glismann)
Der Europäische Gerichtshof habe im Fall “Metall auf Metall” das Recht auf Sampling und Remix gestärkt. Demnach könne die Übernahme geschützter Werkteile als erlaubtes Pastiche gelten. Eine bloße Nachahmung ohne eine künstlerische Auseinandersetzung reiche jedoch nicht aus. Damit gehe der seit 27 Jahren geführte Streit zwischen der Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham in die letzte Runde. Nun müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das Sample in Sabrina Setlurs Song “Nur mir” diese Voraussetzungen erfüllt.

Bildblog unterstuetzen

4. Fünf Fakten zu Fracking (die Medien immer wieder falsch darstellen)
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi widerspricht mehreren verbreiteten Darstellungen von Fracking in österreichischen Medien. Demnach seien Aussagen über eine mögliche Gasversorgung für 30 Jahre auf veraltete Schätzungen gestützt und heute wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein angeblich ökologisch unbedenkliches Frackingverfahren beseitige nicht die Risiken wie etwa die Methanemissionen, den hohen Wasserverbrauch und belastetes Lagerstättenwasser.

5. “Einen Politiker zu Fall zu bringen sehe ich nicht als unsere Aufgabe”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Im Interview beschreibt Bernhard Pötter das Newsletter-Medienhaus “Table.Media” als Modell für vertieften Fachjournalismus. Beim “Climate.Table” etwa arbeite ein größeres Team deutlich spezialisierter und enger mit anderen Fachredaktionen zusammen als in klassischen Redaktionen. Ziel sei “Deep Journalism” für Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.

6. Austria First: Der rechte Dudelfunk
(verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt beschreibt den österreichischen Radiosender “Austria First” als Teil einer gezielten Medienstrategie der FPÖ. Der Webradiosender verbreite parteinahe Inhalte in einem freundlichen, journalistisch wirkenden Format. Beobachter sähen darin den Ausbau einer medialen Parallelwelt. Anders als in weiteren FPÖ-Medien trete die Parteipropaganda hier jedoch weniger schrill auf, sie werde stattdessen mit Popmusik und Unterhaltung verbunden.

7. Überall “Entlastung”: Wenn ein Regierungswort zur Nachricht wird
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschäftigt sich der “6-vor-9”-Kurator mit dem Wort “Entlastung”, einer Regierungsvokabel, die oft von Medien übernommen werde: “‘Entlasten’ spart den Konjunktiv, es spart die Einschränkung, das Möglicherweise. Es klingt nach einer fertigen Nachricht. Und genau das macht es so verführerisch.”

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

Bildblog unterstuetzen

4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Weimer sagt ab, Steingarts Vorwurf, TikTok statt Lokalzeitung

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Termine auf Leipziger Buchmesse ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe seinen Besuch auf der Leipziger Buchmesse drastisch verkürzt und alle Termine für den ersten regulären Messetag abgesagt. Er werde lediglich beim feierlichen Eröffnungsakt am heutigen Mittwochabend sprechen. Der traditionelle Messerundgang sowie eine Diskussionsrunde zur Meinungsfreiheit seien gestrichen worden. Hintergrund des Rückziehers sei massive Kritik aus der Kulturbranche an den jüngsten Entscheidungen Weimers.
Weiterer Lesetipp: Tomaten für Wolfram Weimer: “Gibt es ‘verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse’ zu einer Buchhandlung im Bergischen Land südlich von Köln? Wie das skandalöse Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer landauf, landab Kreise zieht.” (campact.de, Matthias Meisner). In der “taz” kommentiert Steffen Grimberg die Entscheidung des Kulturstaatsministers, den Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek zu stoppen: Bücher-, ähhh, Bürokratieabbau à la Weimer (taz.de).
Und noch ein Gucktipp: Bei YouTube widmet sich Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder dem Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer – der Killer der Kunstfreiheit?! (youtube.com, Video, 11:42 Minuten)

2. Cor­rectiv ver­liert Streit um Kernaus­sage in Potsdam-Bericht
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) berichtet, habe die AfD-Politikerin Gerrit Huy mit ihrer Klage gegen “Correctiv” Erfolg gehabt. Das Landgericht Berlin habe unter anderem die Aussage verboten, es sei auf dem Potsdamer Treffen um einen “Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger” gegangen. “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann schreibt dazu: “Das Urteil des LG Berlin II ist ein harter Schlag für Correctiv, aber nicht das Ende des Rechtsstreits. Ein Gang zum Kammergericht in Berlin durch Correctiv ist genauso sicher wie umgekehrt eine Berufungsentscheidung in Hamburg im Fall Vosgerau. Ob die Passagen letztlich verboten werden oder nicht, ist völlig offen.”

3. Rosenfeld sagt sich nach Prostitutionsvorwurf von Steingart los
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach scharfer Kritik von “The-Pioneer”-Chef Gabor Steingart an sogenannten “Host-Read”-Werbespots habe die Journalistin Dagmar Rosenfeld ihre Tätigkeit als Kolumnistin für Steingarts Portal per sofort beendet. Dieser habe die Werbeform, bei der Journalistinnen und Journalisten bezahlte Reklametexte in Podcasts selbst vorlesen, zuvor öffentlich mit Prostitution verglichen. Steingart habe seine Wortwahl daraufhin verteidigt und argumentiert, er greife niemanden persönlich an, halte die gezielte Vermischung von Redaktion und Werbung jedoch für unehrenhaft und “klebrig”. Rosenfelds Podcast-Partner Robin Alexander sei ihr online beigesprungen und habe Steingart im Gegenzug mangelnden Stil und fehlenden Anstand vorgeworfen.

Bildblog unterstuetzen

4. US-Sender wegen Iran-Berichterstattung unter Druck
(tagesschau.de)
Die US-Medienaufsichtsbehörde drohe US-Sendern im Zusammenhang mit deren Berichterstattung über den Iran-Krieg offen mit dem Entzug ihrer Lizenzen. Behördenchef Brendan Carr habe erklärt, dass Sender, die angebliche Falschmeldungen verbreiten, nicht im öffentlichen Interesse handeln würden und ihren Kurs vor anstehenden Lizenzverlängerungen zwingend korrigieren müssten. Medienhäuser und Menschenrechtsorganisationen hätten sich alarmiert gezeigt und die Drohungen verurteilt.

5. TikTok statt Lokalzeitung
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Die Medienberaterin Pauline Tillmann warne davor, dass Lokalzeitungen eine ganze Generation verlieren könnten, wenn sie die Plattform TikTok ignorieren. Da junge Menschen ihre Informationen primär aus Sozialen Netzwerken bezögen und kaum noch klassische Zeitungswebsites besuchen würden, sei eine Social-Media-Präsenz für Medienhäuser heutzutage unverzichtbar. Viele Lokalzeitungen hätten auf TikTok jedoch nur mäßigen Erfolg, was oft an zu schwach besetzten Social-Media-Teams liege. Es gebe jedoch auch Erfolgsbeispiele aus der Praxis.

6. Kleine Unternehmen, großes Engagement: Wie unabhängige Verlage auf dem angespannten Buchmarkt überleben
(tagesspiegel.de, Nadia Gering)
Kleine und unabhängige Buchverlage in Deutschland stünden unter massivem wirtschaftlichem Druck. Die ökonomischen Rahmenbedingungen hätten sich durch stark gestiegene Druck- und Produktionskosten drastisch verschlechtert. Laut Heiko Hartmann, Professor für Publishing Management, fehle großen Buchhandelsketten oft das Interesse an kleinen Nischenanbietern. Daher beziehe deren Zentraleinkauf primär Mainstream-Titel bei großen Konzernverlagen. Die Arbeit der unabhängigen Verlage sei allerdings kulturell unverzichtbar.

KI-Desinformation auf TikTok, Social-Media-Verbot, Sparpaket bei DW

1. “Wir verstehen uns als Chronisten”
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Die Journalisten Peter Schwarz und Alexander Roth berichten schon seit langer Zeit über den Wandel der rechtsextremen Szene im Rems-Murr-Kreis, die sich von festen Treffpunkten zunehmend ins Internet verlagert habe. Dabei fungiere die AfD als Sprachrohr, das rechtsextreme Positionen normalisiere. Beide Reporter seien massiven Anfeindungen und Morddrohungen ausgesetzt, was insbesondere bei Roth strenge Sicherheitsvorkehrungen im Alltag erfordere. Im Interview mit der “Kontext:Wochenzeitung” sprechen sie über ihre Arbeit und die Aufgaben von Journalismus.

2. KI-Desinformation auf TikTok: Angriffe zielen auf die Bundesregierung
(cemas.io, Julia Smirnova)
Laut einer Analyse des CeMAS würden die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz auf TikTok massiv mit KI-generierten Inhalten angegriffen. Diese KI-Slop-Videos würden Falschmeldungen über absurde Verbote sowie pro-russische und AfD-freundliche Narrative verbreiten. Hinter den untersuchten Accounts stecke vermutlich ein koordiniertes Netzwerk, das bereits Millionenreichweiten erzielt habe. Sprachliche Fehler und thematische Schwerpunkte würden auf ausländische Akteure oder kommerzielle “Content Farmen” hindeuten.

3. Was bringt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche?
(correctiv.org, Samira Joy Frauwallner & Pamela Kaethner & Alexandra Ringendahl)
Seit einigen Tagen wird über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche in Deutschland diskutiert. Unlängst hatte die SPD-Bundestagsfraktion zum Schutz der psychischen Gesundheit ein generelles Social-Media-Verbot für Personen unter 14 Jahren sowie eine algorithmusfreie Version für Jugendliche bis 16 Jahren gefordert. Dieser Vorstoß erhalte breite politische Unterstützung, unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz. Die “Correctiv”-Redaktion hat dazu Experten und Expertinnen aus der Sucht-, Medien- und Jugendforschung befragt. Deren Fazit: “Der Schutz junger Menschen ist wichtig, in der Verantwortung sind aber nicht allein junge Menschen.”

Bildblog unterstuetzen

4. Als deutsche Reporterin im Iran
(verdi.de, Till Schmidt)
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa beschreibt im Interview die Lage im Iran nach den massiven Protesten und dem “Zwölftagekrieg” von 2025 als äußerst volatil. Die journalistische Arbeit vor Ort unterliege strengen Restriktionen. Während der staatlichen Internetblockade sei Gaa auf direkte Gespräche vor Ort angewiesen gewesen, um Informationen zu verifizieren. Die deutsche Wahrnehmung neige aus ihrer Sicht oft dazu, den Widerstand zu romantisieren und die Brutalität des Sicherheitsapparates zu unterschätzen.

5. Sparpaket beschlossen: Wie die DW 21 Millionen sparen will
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Nach der Etatkürzung durch den Bundestag müsse die Deutsche Welle ein Sparpaket von insgesamt 21 Millionen Euro umsetzen. Dies habe unter anderem die komplette Schließung der Griechisch-Redaktion zur Folge. Auch Angebote in Portugiesisch, Dari/Paschtu und Spanisch sowie Formate wie das russische Satiremagazin “Zapovednik” würden reduziert oder eingestellt. Rechnerisch seien 160 Vollzeitstellen betroffen, wobei betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.

6. X muss Böh­m­er­mann-“Parodie”-Account löschen
(lto.de, Pauline Dietrich & Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Köln habe die Plattform X per einstweiliger Verfügung verpflichtet, einen verifizierten Fake-Account des Satirikers Jan Böhmermann zu löschen. Trotz des Namenszusatzes “Parody” sei für die Nutzerinnen und Nutzer nicht zweifelsfrei erkennbar gewesen, dass es sich um eine Parodie handle. Böhmermann habe argumentiert, dass der Account unter seinem Namen gezielt rechte Inhalte und Hass verbreite. Das Gericht habe bestätigt, dass der Account Persönlichkeitsrechte verletze und zudem gegen die eigenen Richtlinien von X verstoße.
Weiterer Gucktipp: Rechtsanwalt Chan-jo Jun vertritt Böhmermann in dem Fall und hat mit seiner Kollegin Jessica Flint ein interessantes Erklärvideo dazu veröffentlicht, in dem auch der frühere Bundesjustizminister Marco Buschmann eine Rolle spielt: Wenn Musk meint, über dem Recht zu stehen, braucht es Böhmermann (youtube.com, Video: 14:58 Minuten).

7. Ist Donald Trump ein “Dealmaker”?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:30 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins spricht der “6-vor-9”-Kurator über das Wort “Dealmaker”, das gern in der Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump verwendet wird: “Es stammt aus Trumps eigenem Branding. ‘The Art of the Deal’ heißt sein bekanntestes Buch. Geschrieben hat er es bereits 1987 und seitdem geistert das Wort durch die Medien. Trump hat den Begriff ‘Dealmaker’ zu so einer Art politischem Markenkern gemacht. Und jetzt benutzt ihn der deutsche Bundeskanzler. Das klingt nach Vernunft und nach Verhandlungstisch. Oder täuscht das?” (radioeins.de, Audio: 4:30 Minuten)

Social-Media-Verbot?, Burkard rudert zurück, Christliche Influencer

1. “Ein Social-Media-Verbot macht den Jugendschutz schlechter”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Der Medienrechtler Stephan Dreyer kritisiert im Interview mit netzpolitik.org, dass die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild weitgehend von der komplexen Forschungslage entkoppelt sei. Zudem würde ein derartiges Verbot gegen geltendes EU-Recht wie den Digital Services Act verstoßen. Dreyer warnt davor, dass nationale Alleingänge rechtlich kaum durchsetzbar seien und ein pauschales Verbot den Jugendschutz sogar verschlechtern könne. Außerdem verlören Jugendliche wichtige Teilhabe- sowie Kommunikationsräume.

2. Wir werden zu Wölfen gemacht
(taz.de, Annekathrin Kohout)
Die unkommentierte Veröffentlichung der Epstein-Files diene lediglich als Rohmaterial für die “Reaktionsmaschinerie” der Sozialen Medien, stellt die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout in ihrer “taz”-Kolumne fest. Statt zur Aufklärung beizutragen, würden die Akten von Content Creatorn und True-Crime-Formaten zu Unterhaltung verarbeitet. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen authentischem Material, Fiktion und gezielter Desinformation bis zur Unkenntlichkeit.

3. Merz in den Epstein-Files: Erwähnung ist kein Hinweis auf Straftaten
(correctiv.org, Gabriele Scherndl)
Gabriele Scherndl stellt klar, dass Behauptungen über eine Verwicklung von Bundeskanzler Friedrich Merz in den Epstein-Skandal haltlos seien, da sein Name lediglich in einem den Akten beigefügten Blogpost über die Trilaterale Kommission auftauche. Die bloße Erwähnung belege keinerlei Kontakt zu dem Sexualstraftäter, werde jedoch in Sozialen Medien gezielt aus dem Kontext gerissen, ähnlich wie bei Falschmeldungen über Stephanie von Bismarck oder KI-generierten Bildern von Politikern. Die Unübersichtlichkeit der riesigen Datenmenge des US-Justizministeriums biete einen idealen Nährboden für Verschwörungsmythen.

Bildblog unterstuetzen

4. Notfalleinsätze bei RTL nach Entlassungen? Burkard rudert zurück
(dwdl.de, Timo Niemeier)
RTL-Moderatorin Katja Burkard habe ihre Aussagen aus dem Podcast “Zwischen den Zeilen” revidiert, wonach es im Zuge der Bekanntgabe des Stellenabbaus beim TV-Sender zu Zusammenbrüchen und Krankenwageneinsätzen gekommen sei. In einem Instagram-Video habe sie eingeräumt, ungeprüftes Hörensagen weiterverbreitet zu haben. Sie habe nun klargestellt, dass die dramatischen Schilderungen über medizinische Notfälle nicht der Wahrheit entsprächen.

5. Wie christliche Influencer mit dem rechten Rand flirten
(youtube.com, Angela Giese & Felix Wolf, Video: 28:31 Minuten)
“Hat der christliche Glauben ein Comeback in der GenZ? Wenn man sich die Social-Media-Accounts von Christfluencern ansieht, hat man den Eindruck, die Antwort lautet: ja. Sie propagieren den ‘Jesus Glow’ und versprechen jungen Menschen, dass der Glaube ihnen in Krisenzeiten Halt und Orientierung bietet.” Angela Giese und Felix Wolf haben sich auf die Spur der sogenannten Christfluencer gemacht, die am rechten Rand fischen würden: “Wir zeigen, wie mit dieser schwarz-weißen Weltanschauung die politischen Linien zu Rechtspopulisten und der AfD verschwimmen. Dabei sprechen wir mit Theologen, Aussteigern und folgen der Spur in die USA bis zu Donald Trump.”

6. Instagram-Chef bestreitet Suchtpotenzial der App
(spiegel.de)
Instagram-Chef Adam Mosseri habe in einem richtungsweisenden Prozess in Los Angeles bestritten, dass die App “klinisch süchtig” macht, und den Konsum lediglich mit der Begeisterung für Fernsehserien verglichen. Die Klägerin werfe den Plattformen vor, durch Funktionen wie das endlose Scrollen gezielt psychische Probleme verursacht zu haben. Der hinter Instagram stehende Social-Media-Konzern Meta argumentiere, dass die Ursachen in den vorbestehenden schwierigen Familienverhältnissen der Frau zu suchen seien. Snapchat und TikTok hätten sich bereits vor Prozessbeginn mit der Frau auf einen Vergleich geeinigt.

7. Ein Reality-Format jagt das nächste
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert anlässlich des fast nahtlosen Übergangs vom “Dschungelcamp” zu “Germany’s Next Topmodel”, dass seriöse Medien diese Reality-Formate oft wie echte Dokumentationen besprächen, obwohl es sich um konstruierte Inszenierungen handele: “Man muss sich mal vorstellen, ein Journalist würde über einen Spielfilm schreiben: ‘Brad Pitt hat gestern mutig gegen die Zombie-Invasion gekämpft.’ Das wäre doch absurd, oder?”

Metas Werbeverbot, Problematische Reise-Influencer, Zu schlau für TV

1. “Das Wort Demokratie kann problematisch sein”
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ingo Dachwitz beschreibt in seinem Artikel, wie Metas pauschales Verbot politischer Werbung in der EU zu willkürlichen Sperrungen bei NGOs, Museen und Unternehmen führe. Selbst harmlose Aufklärungskampagnen oder Spendenaufrufe würden darunter fallen. Offiziell begründe der Social-Media-Konzern diesen Schritt mit der Komplexität neuer EU-Transparenzregeln. Kritiker würden dahinter jedoch den Versuch vermuten, sich jeglicher Regulierung zu entziehen und Strafzahlungen zu vermeiden.

2. Epstein taucht in Epstein-Akten auf!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die mediale Aufarbeitung der neu veröffentlichten Epstein-Akten sei oft von Sensationsgier und mangelnder Sorgfalt geprägt, findet Boris Rosenkranz bei “Übermedien” (jetzt frei lesbar). Er bemängelt, dass viele Redaktionen statt auf tiefergehende Analysen lediglich auf schnelles “Namedropping” und Clickbait setzen würden. Dadurch würden selbst harmlose Erwähnungen in den Dokumenten zu Skandalen aufgebauscht.

3. Wie rechte Influencer*innen Reisen für Propaganda-Zwecke instrumentalisieren
(belltower.news, Kiran Bowry)
Kiran Bowry analysiert in seinem Text, wie rechte Influencer das vermeintlich unpolitische Genre der Reise-Vlogs instrumentalisieren. Insbesondere der YouTuber Kurt Caz verbreite durch inszenierte “Gefahrensituationen” rassistische und nativistische Narrative. Bowrys Botschaft an die Medien: “Faktenchecks genügen nicht. Ohne Einordnung bleiben Reise-Influencer*innen wirksame Akteure bei der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Weltbilder.”

Bildblog unterstuetzen

4. Gezielte Angriffe auf Medienschaffende
(verdi.de)
Aus einer Antwort der Bundesregierung gehe hervor, dass zwischen April 2024 und November 2025 mehr als 800 politisch motivierte Straftaten gegen Medienschaffende registriert worden seien. Angesichts dieser Bedrohungslage fordert die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der anstehenden Strafgesetzbuch-Novelle (§ 116 StGB-E, PDF) ausdrücklich als schutzwürdige Berufsgruppe gesetzlich zu verankern.

5. Sieben Forderungen gegen Desinformation
(neuemedienmacher.de)
Die Neuen deutschen Medienmacher*innen haben einen Sieben-Punkte-Katalog vorgelegt (PDF), um die “Leerstelle bei der Mehrsprachigkeit” zu schließen. Hiesige Medienangebote hätten der Vielsprachigkeit von Falschmeldungen bisher kaum etwas entgegengesetzt. Zu den zentralen Forderungen zählen der massive Ausbau mehrsprachiger Angebote im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie eine stärkere Diversität in Redaktionen. Das Ziel sei es, manipulative Narrative frühzeitig zu identifizieren und Faktenchecks in mehreren Sprachen anzubieten.

6. Zu schlau fürs Fernsehen: Der Publizist Roger Willemsen
(wdr.de, Anke Rebbert, Audio: 13:23 Minuten)
Anlässlich seines zehnten Todestages erinnert das WDR-“Zeitzeichen” an den Publizisten Roger Willemsen, der als “boulevardtauglicher Intellektueller” das Fernsehen der 90er-Jahre geprägt habe. Autorin Anke Rebbert beschreibt, wie der promovierte Musik-Experte durch seinen einzigartigen, zugewandten Moderationsstil zum Publikumsliebling avanciert sei, bevor er sich Ende der 90er-Jahre bewusst aus dem Talkshow-Geschäft zurückgezogen habe.

KW 04/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Müssen Korrespondenten in der Ukraine inzwischen darum kämpfen, im Nachrichtenchaos noch durchzudringen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:38 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit dem ARD-Korrespondenten Vassili Golod in Kiew: “Wie ist es inzwischen, aus dem Krieg in der Ukraine zu berichten? Und wie sehr müssen Reporter vor Ort um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit buhlen bei all den vielen Meldungen von Krisen in der ganzen Welt, die Tag für Tag kursieren?”

2. Das Ende der BILD-Zeitung
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 20:45 Minuten)
“Bild” bleibe laut Mats Schönauer trotz massiv sinkender Verkaufszahlen der gedruckten Zeitung durch ihre riesige Online-Präsenz weiterhin eines der mächtigsten und einflussreichsten Medien. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Schönauer, wie die “Bild”-Redaktion regelmäßig Falschmeldungen und Lügen verbreite, die Medien weltweit oft ungeprüft übernähmen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Medien, Macht und die Gewöhnung an Rechts!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 52:36 Minuten)
Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz analysieren bei “Die Neuen Zwanziger” anhand von Podcast-Ausschnitten, wie führende Medienvertreter Friedrich Merz trotz rassistischer Äußerungen und außenpolitischer Fehltritte verharmlosen und normalisieren würden. Dabei gehe es darum, das bürgerliche Lager zu schützen. Außerdem diskutieren die beiden über die Gefahr einer schleichenden Gewöhnung an rechtspopulistische Positionen. In manchen Fällen verlören Journalistinnen und Journalisten die kritische Distanz und würden selbst offensichtliche Lügen oder gefährliche politische Annäherungen an die AfD schönreden.

Bildblog unterstuetzen

4. Verdient das ZDF einen neuen Intendanten?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 23:34 Minuten)
Alexander Matzkeit thematisiert im Gespräch mit “FAZ”-Redakteur Michael Hanfeld die angestrebte Wiederwahl von ZDF-Intendant Norbert Himmler und die wachsende Kritik des Fernsehrats an Himmlers vager Haltung in Debatten.

5. Die Medienhölle – Episode #002
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:33:02 Stunden)
Jörg Wagner analysiert in seiner “Medienhölle” die manipulative Berichterstattung des Portals “Nius” über einen Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther in der Talksendung von Markus Lanz und diskutiert im Anschluss mit Stefan Ruß-Mohl über ein verengtes Meinungsspektrum im Journalismus. Zudem behandelt Wagner die Hintergründe zum linearen Ende des BR-Jugendsenders Puls. Und er führt ein Interview mit dem Wetterexperten Jörg Kachelmann, der erklärt, warum er sich als KI-Avatar klonen ließ.

6. Vom Luxus zum Spendenlink – wenn Mitleid zum Geschäftsmodell wird
(youtube.com, Sashka, Video: 16:32 Minuten)
YouTuberin Sashka kritisiert Influencerinnen und Influencer, die ihren luxuriösen Lebensstil offen zur Schau stellen (“flexen”), aber bei finanziellen Engpässen oder Steuerschulden sofort nach Mitleid bei ihren Fans suchen, um Spenden oder Verkäufe zu generieren. Anhand von Beispielen zeigt sie, dass oft schlechte Planung oder Unwissenheit über Steuerthemen der Grund für die Pleiten seien, diese Fehler aber emotionalisiert als Schicksalsschlag verkauft würden.

Blättern:  1 2 3 4 ... 37