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KW 33/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Florian Foos zu Interviews in Medien mit rechtsextremen Akteuren
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 7:58 Minuten)
Das “British Journal of Political Science” hat eine Studie veröffentlicht, die zeige, dass britische Medien eindeutig zur Zustimmung zu rechten Aussagen beitrügen, vor allem wenn diese Aussagen in der Berichterstattung nicht hinterfragt würden. Sebastian Wellendorf spricht mit Florian Foos, Co-Autor der Studie. Es geht dabei um falsche Tatsachenbehauptungen in Interviews, aber auch um extremistische und demokratiefeindliche Aussagen – und dem Umgang von Journalistinnen und Journalisten damit, etwa durch kritisches Nachfragen oder Faktenchecks.

2. Gehen oder bleiben: Mein Leben nach Assads Sturz
(youtube.com, Sulaiman Tadmory, Video: 45:29 Minuten)
Der Reporter Sulaiman Tadmory floh vor über zehn Jahren aus Syrien und lebt heute als deutscher Staatsbürger in Hamburg. Nach dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 kehrt Tadmory erstmals in seine Heimat zurück. Die “STRG_F”-Reportage begleitet seine Reise und greift die Debatte auf, ob und für wen eine Rückkehr nach Syrien nun möglich oder sogar verpflichtend sein könnte.

3. Einstieg in den freien Journalismus? Zehn Fragen, die man sich vorher stellen sollte
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Françoise Hauser, Audio: 28:05 Minuten)
Der “Freien-Podcast” von Geraldine Friedrich und Françoise Hauser gibt Orientierung für alle, die in den freien Journalismus einsteigen wollen. In der aktuellen Folge geht es um zehn zentrale Fragen, die man sich vor dem Schritt in die Selbstständigkeit als Freier beziehungsweise Freie stellen sollte. Dazu gehören Überlegungen zur persönlichen Motivation, zur Auftragsakquise, zum Umgang mit Finanzen und zur Altersvorsorge.

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4. You Tube Kids und Co – wie kindgerecht ist Social Media?
(ardaudiothek.de, Katrin Aue & Michael Meyer, Audio: 16:50 Minuten)
In der aktuellen Folge von “Medien – Cross und Quer” unterhalten sich Katrin Aue und Michael Meyer mit Laura Erbe, Social-Media-Redakteurin beim Saarländischen Rundfunk, über die Frage, wie kindgerecht Soziale Medien tatsächlich sind. Am Beispiel der App “YouTube Kids” und anderen Plattformen schauen sie auf Chancen sowie auf Risiken und diskutieren darüber, welche Angebote sich für Kinder eignen und welche eher nicht.

5. Social Media-Verbot für Jugendliche und 100 Tage Digitalminister
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 42:11 Minuten)
Das WDR5-Magazin “Töne, Texte, Bilder” bietet wieder einen vielfältigen Blick auf Medienthemen: Moderatorin Anja Backhaus spricht mit ihren Gästen über den Schutz Jugendlicher vor Sozialen Medien, die Tötung von Reportern in Gaza und die Digitalpolitik nach den ersten 100 Tagen der neuen Bundesregierung. Außerdem geht es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Alltag und im Fernsehen sowie um Alltagsbeobachtungen im Korrespondenten-Tagebuch aus Prag.

6. Hollywoodgeflüster Podcast mit Detlef Bierstedt (u. a. George Clooney, Jonathan Frakes)
(youtube.com, Hollywoodgeflüster, Charles Rettinghaus, Video: 58:33 Minuten)
In der neuen Folge des Synchron-Podcasts “Hollywoodgeflüster” hat Charles Rettinghaus die deutsche Stimme von George Clooney und Jonathan Frakes zu Gast: Detlef Bierstedt. Das Gespräch der beiden behandelt den Alltag im Synchronstudio, den Wandel der Synchronbranche und die technischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Bierstedt erzählt von persönlichen Höhepunkten seiner Karriere, erklärt, warum er heute nicht mehr aktiv synchronisiert, und gibt einen Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen.

“Compact”-Sommerfest, Migranten in Medien, Die Farben der Wetterkarten

1. RSF verurteilt gezielte Tötung in Gaza
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die Tötung des palästinensischen Al-Jazeera-Reporters Anas al-Sharif sowie fünf seiner Kollegen durch die israelische Armee: “Die internationale Gemeinschaft und auch wir als RSF haben mehrfach vor der akuten Gefahr gewarnt, wenn Medienschaffende öffentlich und ohne überzeugende Belege beschuldigt werden, enge Verbindungen zur Hamas zu haben. Insbesondere gegen Anas al-Sharif wurde in letzter Zeit eine regelrechte Kampagne geführt. Diese Tötung ist nicht nur ein Kriegsverbrechen, sie markiert auch einen weiteren Höhepunkt in der systematischen Einschüchterung und Gewalt gegen palästinensische Medienschaffende”, so RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

2. Stelldichein von NPD und AfD
(belltower.news, Dominik Lenze)
Beim Sommerfest des ultrarechten Krawall-Magazins “Compact” im sachsen-anhaltinischen Stößen hätten sich zahlreiche AfD-Politiker und Mitglieder der NPD-Nachfolgepartei “Die Heimat” getroffen. Unter den Teilnehmern seien auch bekannte Rechtsextremisten, Identitäre und Verschwörungsideologen wie Martin Sellner, Ken Jebsen und Paul Brandenburg gewesen.

3. Migranten in den Medien
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 38:33 Minuten)
“Es wird mehr über sie geredet als mit ihnen.” Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” spricht Brigitte Baetz mit der Medienwissenschaftlerin Margreth Lünenborg von der FU Berlin und der Journalistin Sheila Mysorkar über die Sichtbarkeit von Migrantinnen und Migranten in deutschen Medien. Sie diskutieren, warum diese geringe Sichtbarkeit besteht und welche Veränderungen nötig wären, um sie zu erhöhen.

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4. Pressegesellschaft schafft neues Monopol
(verdi.de, David Bieber)
Die Neue Pressegesellschaft (unter anderem “Südwest Presse”, “Märkische Oderzeitung” und “Lausitzer Rundschau”) übernähme die Medienholding Süd (unter anderem “Stuttgarter Zeitung” und “Stuttgarter Nachrichten”, “Eßlinger Zeitung” und “Schwarzwälder Bote”) und werde damit zum dominierenden Zeitungsverlag in Baden-Württemberg. Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband befürchten, es könne zu weiterem Personalabbau, Redaktionszusammenlegungen und einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen kommen, während das Bundeskartellamt den Zusammenschluss trotz wettbewerblicher Bedenken genehmigt habe.

5. Demokratie unter Druck: Die Macht rechtsautoritäter Narrative
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 32:14 Minuten)
Bei “Läuft”, dem Podcast von epd medien und Grimme-Institut, gibt es einen Mitschnitt einer Diskussion über die “Macht rechtsautoritärer Narrative” zu hören. Unter der Moderation von Fritz Frey diskutieren die Journalistin Hatice Akyün, der Politikberater Johannes Hillje, der Regisseur Volker Heise sowie der Journalist und Autor Stephan Lamby.

6. Intensivere Farben, aber keine Manipulation der Wetterkarten
(correctiv.org)
Ein in Sozialen Medien vielfach geteilter Vergleich zweier “Tagesschau”-Wetterkarten aus 2005 und 2025 suggeriere, höhere Temperaturen würden heute durch intensivere Farben dramatischer dargestellt. Laut NDR seien die Farbskalen jedoch aus technischen und gestalterischen Gründen angepasst worden, nicht zur Manipulation. Veränderungen in Software, Monitorauflösung und Farbspektrum würden zu kräftigeren Farben führen. Die steigenden Temperaturen in Deutschland seien unabhängig davon ein langfristig messbarer Trend.

Brosius-Gersdorfs Medienkritik, “ein bisschen dumm”, Sommergespräche

1. So erklärt Frauke Brosius-Gersdorf ihren Verzicht auf die Kandidatur fürs Verfassungsrichteramt
(tagesspiegel.de, Frauke Brosius-Gersdorf)
Nach einem langen und unwürdigen Ringen um die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin, hat diese nun ihre Kandidatur zurückgezogen. Über ihre Rechtsanwälte hat Brosius-Gersdorf dazu eine Stellungnahme verbreiten lassen, in der sie auch die Berichterstattung von Medien kritisiert: “Medien, insbesondere Leitmedien, sind Eckpfeiler unserer demokratischen Ordnung. Zum professionellen Journalismus gehören sachlich fundierte, auch in zugespitzter Form geführte Kampagnen; Desinformation und Diffamierung hingegen nicht. Erstaunlich ist, dass im Politik-Teil (nicht: im Feuilleton) eines Qualitäts- und Leitmediums einzelne Journalisten (nicht: Journalistinnen) zunächst ‘Speerspitze’ eines ehrabschneidenden Journalismus waren. So wurde im Blatt das Narrativ einer ‘ultralinken’ ‘Aktivistin’ geprägt, obwohl die Verantwortlichen wissen mussten, dass hiermit ein wirklichkeitsfremdes Zerrbild gezeichnet wird.” (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Gemeint ist damit augenscheinlich die “FAZ”.)

2. Rechte Gratiszeitungen machen Meinung
(verdi.de, Louisa Theresa Braun)
Der Hauke-Verlag verteile in Ostdeutschland kostenlose Anzeigenblätter, die regelmäßig Desinformation, Verschwörungserzählungen und rechte Narrative enthalten würden. Laut Experten würden derartige Blätter Lücken des geschwächten Lokaljournalismus füllen und so Politikverdrossenheit sowie den Einfluss der AfD fördern, die in Berichten häufig direkt zu Wort komme. Laut Kritikern brauche es mehr unabhängigen Lokaljournalismus, bessere Medienkompetenz und sichtbaren Widerspruch, um dieser Form der getarnten Parteipropaganda entgegenzuwirken.

3. Das sagt Jean-Remy von Matt zu seinem Auftritt bei Nius
(horizont.net, Tim Theobald)
Der gerne als “Werbe-Ikone” gefeierte Jean-Remy von Matt habe im Podcast “Hungry” auch über seinen Buch-Promo-Besuch beim rechtspopulistischen Sender “Nius” gesprochen, der nicht nur in der Werbebranche für Stirnrunzeln gesorgt habe. Von Matt habe erklärt, er habe vorab nicht gewusst, um welches Medium es sich handelt, sei “da reingerasselt”, habe sich unwohl gefühlt und den Auftritt im Nachhinein als naiv und “ein bisschen dumm” bezeichnet. (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Als naiv und ein bisschen dumm betrachtet Jean-Remy von Matt wohl vor allem die Zuhörerinnen und Zuhörer, denen er den Bären aufbinden will, er habe nicht gewusst, wen und was er da besucht hat.)

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4. Bad News Alert!
(verbraucherzentrale.de, Patrick Lohmeier, Audio: 42:44 Minuten)
Bei “dürfen die das?”, einem Podcast der Verbraucherzentrale, spricht Moderator Patrick Lohmeier mit Martin Schwarzbeck von netzpolitik.org, Kristina Klein von der Universität Bremen, Susanne Punsmann von der Verbraucherzentrale NRW und Andre Wolf von “Mimikama” über die problematische Nähe zwischen seriösen Online-Nachrichten und getarnten Werbeinhalten. Außerdem geht es um die Fragen, warum immer mehr Unternehmen auf Influencer setzen und wie sich deren Werbung von früheren TV- und Print-Promi-Kampagnen unterscheidet.

5. Der Sturm ist bereits eingetroffen: Warum Redaktionen neue Regeln für die KI-Ära brauchen
(journalist.de, Tor Kielland)
Künstliche Intelligenz (KI) habe den Journalismus bereits tiefgreifend verändert, indem sie Nachrichten blitzschnell verarbeite, Fakten prüfe und Inhalte personalisiere. Der norwegische KI-Unternehmer Tor Kielland warnt in seinem Beitrag, dass wirtschaftlicher Druck, Personalisierungsalgorithmen und der Einfluss von Tech-Firmen die redaktionelle Unabhängigkeit gefährden könnten. Um das Vertrauen in Nachrichten zu bewahren, brauche es schnell gemeinsame, verbindliche KI-Regeln und -Standards.

6. Pingpong, Pool & Politik
(arminwolf.at)
Armin Wolf erzählt die Entstehungsgeschichte der ORF-“Sommergespräche” die damals mit ungewöhnlichen, sommerlich-lockeren Inszenierungen wie Pool-Interviews und Pingpong begannen. Er blickt auf prägende Momente, prominente Gäste, Quotenrekorde und statistische Besonderheiten der Gesprächsreihe zurück. Zum Schluss kündigt er die aktuelle Saison an, die im Studio stattfinde und ohne die spektakulären Einlagen der Anfangsjahre auskomme: “Es wird keinen Pool geben, kein Pingpong, aber viel Politik.”

KI-Video-Flut, Luftschlösser, Filme in Originalsprache verbessern Englisch

1. Wie künstliche Videos Social Media fluten
(netzpolitik.org, Karoline Tanck)
Laut einer neuen Studie beständen auf TikTok ein Viertel der Top-Suchergebnisse zu beliebten Hashtags aus KI-generierten Fake-Videos (“AI slop”). Diese KI-Videos seien nur mangelhaft gekennzeichnet, obwohl die EU das vorschreibe. Hinter der Flut der Fake-Videos würden automatisierte Accounts stecken, die massenhaft Inhalte produzieren, um die Algorithmen auszutricksen und hohe Reichweiten zu erzielen.
Weiterer Lesetipp zu TikTok-Trends: Freshe Fits für die Front: “Auf Tiktok trenden Videos, in denen junge Leute humoristisch mit den Krisen der Welt umgehen. Daraus spricht keine Gleichgültigkeit, sondern Ohnmacht.” (taz.de, Giorgia Grimaldi)

2. Irgendwann ist auch mal gut
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Bei “Übermedien” kommentiert Lisa Kräher die Berichterstattung zum Tod der Extrembergsteigerin und früheren Biathletin Laura Dahlmeier: “Man kann Medien kaum vorwerfen, dass sie ausführlich über den tragischen Tod einer beliebten Sportlerin berichten. Allerdings kann man erwarten, dass es irgendwann auch gut ist – aus Rücksicht auf die Angehörigen und die Verstorbene. Als Sportlerin war Laura Dahlmeier eine öffentliche Person, ihr toter Körper ist das nicht.”

3. Machte Berlusconis MFE ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Sender ProSiebenSat.1 habe nach jahrelangem Widerstand nun doch einem Übernahmeangebot des italienischen Medienkonzerns Media For Europe zugestimmt, nachdem dieser sein Angebot finanziell deutlich verbessert habe. Ein weiterer Grund für den Sinneswandel bei ProSiebenSat.1 sei die Sorge, dass RTL durch die geplante Übernahme von Sky Deutschland zu einem übermächtigen Konkurrenten werden könnte.

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4. Schräge und schöne Alternativen zum Wegfall der Mehrwertsteuer auf Presseprodukte
(turi2.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg begrüßt das Scheitern der geplanten Mehrwertsteuer-Abschaffung auf Presseprodukte, weil davon vor allem große, umsatzstarke Verlage profitiert hätten, und die digitale Transformation gebremst worden wäre. Den Vorschlag der “Initiative 18”, Zeitungsabos für Leserinnen und Leser steuerlich absetzbar zu machen, hält er für “noch ein bisschen schräger” und wenig zielführend. Stattdessen plädiert Grimberg dafür, endlich gemeinnützigen Journalismus in Deutschland zu ermöglichen, was bereits im Koalitionsvertrag stehe und eine bessere Lösung sei.

5. Ein Medienimperium aus Luftschlössern: Mit gefälschten Zeitungen ans große Geld
(correctiv.org, Max Bernhard)
Zwei Männer aus Österreich sollen ein Netzwerk aus 26 gefälschten Nachrichtenseiten aufgebaut haben (wie die “Neue Berliner Zeitung” oder das “Frankfurter Handelsblatt”), auf denen man gegen Geld Artikel veröffentlichen konnte. Diese Fake-Medien seien unter anderem genutzt worden, um positive Berichte über den umstrittenen bosnischen Serbenführer Milorad Dodik zu verbreiten, die dann vom dortigen Staatsfernsehen als echte Nachrichten zitiert worden seien.

6. Filme in Originalsprache verbessern das Englisch
(spiegel.de)
Eine Studie des Ifo-Instituts zeige, dass Menschen in Ländern, in denen englische Filme im Originalton mit Untertiteln statt mit Synchronisation gezeigt werden, deutlich besser Englisch sprechen. In Island (Originalton mit Untertiteln) sprächen zum Beispiel 75 Prozent der jungen Leute gut Englisch, in Frankreich (mit Synchronisation) nur 21 Prozent. “Hätten Deutschland und andere Synchronisationsländer früh auf Untertitel gesetzt, wäre das durchschnittliche Sprachniveau hier deutlich höher”, so Frauke Baumeister, Co-Autorin der Studie.

7. Genderverbot: Was ist das Problem an der Argumentation von Kulturstaatsminister Weimer?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:12 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator das Genderverbot des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer in seiner Behörde: “Das Gendersternchen ist nicht unser Problem. Unser Problem ist, dass wir uns von solchen Scheindebatten ablenken lassen. Herr Weimer sollte weniger Zeit als Sprachpolizist verbringen und mehr damit, Kultur zu fördern. Denn eins ist klar: Eine lebendige Demokratie lebt von Vielfalt – auch sprachlicher Vielfalt. Wer das nicht aushält, hat den Job verfehlt. Und ja, damit meine ich ausdrücklich Sie, Herr Weimer.”

Presse unter Verdacht, SS-Lied, Religiöse Fußball-Influencer

1. Bundesregierung muss dringend handeln
(reporter-ohne-grenzen.de)
Vor der anstehenden Israel-Reise von Außenminister Johann Wadephul wendet sich die Organisation Reporter ohne Grenzen an die Bundesregierung: Sie “muss jetzt aktiv werden: mit einer unmissverständlichen Forderung an die israelische Regierung, Journalistinnen und Journalisten nicht mehr aktiv ins Visier zu nehmen und mehr zu ihrem Schutz zu tun. Verletzte und gefährdete Medienschaffende müssen den Gazastreifen sicher verlassen können. Hunger darf nicht als Kriegswaffe eingesetzt werden. Um dies zu erreichen, braucht es deutlichere Worte und insbesondere auch Taten der Bundesregierung.”

2. Presse unter Verdacht
(correctiv.org, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl erinnert sich daran, wie er vor genau zehn Jahren wegen der Berichterstattung bei netzpolitik.org über die Internetüberwachung des Verfassungsschutzes vom Generalbundesanwalt wegen Landesverrats ins Visier genommen wurde. Der Fall wurde zur Staatsaffäre und rief damals breite Solidarität aus Medien und Zivilgesellschaft hervor. Heute fürchtet Beckedahl, dass eine solche Solidarität in einer polarisierten Öffentlichkeit nicht mehr selbstverständlich wäre, und warnt: “Pressefreiheit braucht mehr als schöne Verfassungsartikel – sie lebt von gesellschaftlichem Rückgrat.”

3. SS-Lied bei Begräbnis: FPÖ-Abgeordnete verlieren Verfahren gegen STANDARD
(derstandard.at, Laurin Lorenz)
Das Oberlandesgericht Wien habe entschieden, dass die Berichterstattung des “Standard” über ein Begräbnis, bei dem ein SS-Lied gesungen wurde, zulässig gewesen sei. Die Klagen dreier FPÖ-Abgeordneter diesbezüglich seien abgewiesen worden. Sie seien nicht ehrenrührig dargestellt worden. “Standard”-Chefredakteur Gerold Riedmann sieht dies als gerichtliche Bestätigung, “dass es in diesem Land keine Narrenfreiheit für Rechtsextreme” gebe.

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4. Bei Digitalgesetzen hart bleiben
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die EU-Kommission auf, im Rahmen der Verhandlungen mit den USA über das Zoll- und Handelsabkommen am Digital Markets Act festzuhalten. Aus Sicht des DJV-Bundesvorsitzenden Mika Beuster sei es außerdem notwendig, den Einfluss von Künstlicher Intelligenz im Journalismus zu beschränken: “Das freie Spiel der Kräfte, wie es die Trump-Regierung will, führt unweigerlich zum Ende des menschengemachten Journalismus. Das wäre das Todesurteil für unseren Beruf.”

5. Filmförderung: Mehr Geld unter Vorbehalt, aber kein Steueranreizmodell
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Bundesregierung habe beschlossen, die Filmförderung ab kommendem Jahr von 133 Millionen auf 250 Millionen Euro zu erhöhen. Ein Teil davon sei jedoch an eine gesetzliche Investitionsverpflichtung für Streamingdienste geknüpft. Ein Steueranreizmodell sei hingegen vorerst auf Eis gelegt worden, da es laut Medienstaatsminister Wolfram Weimer zu bürokratisch und kurzfristig nicht umsetzbar sei.

6. NDR ändert Beitrag über religiöse Fußball-Influencer
(evangelische-zeitung.de)
In einem Beitrag auf tagesschau.de führen Pascal Siggelkow und Christian Saathoff aus, “wie religiöse Organisationen Fußball-Profis für ihre Missionsarbeit nutzen”. Der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann habe sich daraufhin mit einer Beschwerde an den NDR-Rundfunkrat gewandt. Er habe in dem Artikel unter anderem eine “pauschale Problematisierung christlicher Glaubensbezeugungen wie dem Kreuzzeichen, Danksagungen an Gott oder Bekenntnisse zum Glauben im Rahmen sportlicher Betätigung” gesehen. Der NDR habe den Beitrag daraufhin überarbeitet und einen Hinweis hinzugefügt.

Sommerinterview, Tarifeinigung, Trump vs. Murdoch

1. Polizei ermittelt nach Störung des ARD-Sommerinterviews
(dwdl.de, Alexander Krei)
Während des ARD-Sommerinterviews mit AfD-Chefin Alice Weidel kam es zu einer lautstarken Störung durch eine Protestaktion, hinter der offenbar das “Zentrum für politische Schönheit” stand. Die Polizei habe Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Versammlungsfreiheitsgesetz eingeleitet. Die AfD fordere eine Wiederholung des Interviews unter ungestörten Bedingungen, obwohl Weidel sich vor Ort für eine Fortsetzung entschieden habe.

2. RSF warnt vor politischer Einflussnahme
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen warnt in einem aktuellen Bericht (PDF) vor zunehmender politischer Einflussnahme auf öffentlich-rechtliche Medien in Europa, besonders in Ländern wie Ungarn, der Slowakei und Italien. Auch wenn der Schutz vor direkter Einflussnahme in Deutschland vergleichsweise hoch sei, gebe es Reformbedarf. Dies gelte insbesondere bei der Besetzung von Führungspositionen und der Wahrung journalistischer Unabhängigkeit.

3. Vom Freund zum Feind: Trumps rigoroser Kampf gegen Murdoch
(rnd.de, Karl Doemens)
US-Korrespondent Karl Doemens ordnet den Kampf zwischen Donald Trump und seinem einstigen Unterstützer und Freund, dem Medienmogul Rupert Murdoch, ein. Nachdem Murdochs “Wall Street Journal” einen “schlüpfrigen Brief an Sexualstraftäter Jeffrey Epstein” veröffentlicht hatte, der von Trump stammen soll, hat dieser die Zeitung und ihren Eigentümer wegen angeblicher Verleumdung auf insgesamt 20 Milliarden US-Dollar Schadensersatz verklagt.
Weiterer Lesetipp: Der Streit wird nun auch auf anderer Ebene ausgetragen: Trump schließt »Wall Street Journal« von Reise nach Schottland aus (spiegel.de).

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4. Tarifeinigung bei Tageszeitungen
(verdi.de)
Nach bundesweiten Streiks haben sich die Gewerkschaft Verdi und der Zeitungsverlegerverband BDZV auf einen neuen Tarifvertrag für Redakteurinnen und Redakteure bei Tageszeitungen geeinigt. Die Absprache sehe Gehaltssteigerungen in drei Stufen bis 2027 vor, mit durchschnittlich 10,5 Prozent mehr Lohn. Für Volontäre und Berufseinsteigerinnen lägen die Zuwächse sogar bei bis zu 16 Prozent. Die Einigung gelte rückwirkend ab Januar 2025.

5. “Wir müssen die Armutsverwaltung abbauen”
(taz.de, Esther Geisslinger)
Im Interview mit der “taz” spricht Jo Tein, Mitgründer des Obdachlosenmagazins “Hempels”, über die Entwicklung des Projekts, die veränderte Obdachlosenszene und die Notwendigkeit, mehr Originalstimmen armutsbetroffener Menschen sichtbar zu machen. Tein fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen und kritisiert die Bürokratie beim sozialen Wohnungsbau. Zudem warnt er vor wachsender Politikverdrossenheit und fordert mehr politische Aufmerksamkeit für Menschen in prekären Lebenslagen.

6. Auf die Fresse. Aber mit Fakten
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview mit dem “journalist” spricht Marie Lina Smyrek über ihren YouTube-Kanal “smypathisch”, in dem sie bewusst journalistische Konventionen breche, um mit konfrontativem Humor und guter Recherche junge Zielgruppen auf Social Media zu erreichen. Smyrek beschreibt, wie sie Unterhaltung und Erkenntnisgewinn verbindet, sich zwischen Journalismus und Comedy verortet und mit den Reaktionen auf ihre Arbeit umgeht.

Diffamierter Held, Antisemitische Musk-KI, Überall Ralf Schumacher

1. Messerangriff in Hamburg: Ein Held, der nicht sein darf
(ndr.de, Raja Khadour & Sulaiman Tadmory & Alice Echtermann, Video: 11:16 Minuten)
Der aktuelle Beitrag des NDR-Medienmagazins “Zapp” zeigt, wie rechte Accounts nach einem Messerangriff in Hamburg gezielt eine Desinformationskampagne gegen den syrischen Helfer Muhammad al Muhammad gestartet und ihn als “erfundenen Helden” diffamiert haben. Dabei wird deutlich, wie Künstliche Intelligenz zur Verbreitung solcher Verschwörungsmythen genutzt wird und warum viele Menschen diesen Erzählungen Glauben schenken.

2. Adolf Hitler als Lösung
(taz.de)
Elon Musk hat vor kurzem angekündigt, seinen KI-Chatbot Grok neu justieren zu lassen, offenbar weil dessen Ergebnisse nicht in Musks rechtslibertäres Weltbild passten. Nun habe Grok Menschen mit vermutlich jüdischem Nachnamen “Hass auf Weiße” vorgeworfen und Adolf Hitler gelobt. Jüdische Organisationen wie die Anti-Defamation League hätten Groks Aussagen als “unverantwortlich, gefährlich und antisemitisch” bezeichnet. Elon Musk selbst habe sich bislang nicht dazu geäußerte.

3. Fake über getötete Eisbären zielt gegen Merz
(tagesschau.de, Carla Reveland & Pascal Siggelkow)
Eine prorussische Desinformationskampagne verbreite gezielt Falschmeldungen über Bundeskanzler Friedrich Merz, darunter ein Fake-Video, in dem ihm die Tötung von Eisbären vorgeworfen werde. Die Aufnahmen, angeblich von einer kanadischen Nachrichtenseite, seien KI-generiert und Teil einer Kampagne der russischen Gruppe “Storm-1516”, die für ähnliche Fakes über Politikerinnen und Politiker bekannt sei.

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4. Zeitungsstreiks vor der 10. Tarifrunde: ver.di ruft zu mehrtägigen Arbeitsniederlegungen in Redaktionen auf
(verdi.de)
Vor der zehnten Tarifrunde mit dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger ruft Verdi gemeinsam mit dem Deutschen Journalisten-Verband zu mehrtägigen Streiks in Zeitungsredaktionen auf. Die Gewerkschaften fordern “Verhandlungen auf Augenhöhe” und kritisieren die jüngsten Rückschritte der Verlegerseite als Missachtung journalistischer Arbeit. Besonders im Süden Deutschlands sowie in Nordrhein-Westfalen und an der Ostseeküste solle der Streikdruck deutlich erhöht werden.

5. Für ein digitales Ökosystem
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Markus Beckedahl, Journalist und Gründer des Onlineportals netzpolitik.org, spricht sich dafür aus, sich von den großen, global agierenden Tech-Konzernen in der Onlinewelt zu lösen: “Wir müssen das Konzept des staatsfernen öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die digitale Welt weiterdenken. Zumindest in der Theorie bin ich davon überzeugt, die Öffentlich-Rechtlichen könnten der richtige Player sein, um gemeinwohlorientierte Plattformen staatsfern zu entwickeln, weiterzuentwickeln, zu betreiben oder zumindest als Mitbetreiber zu agieren.”

6. Nervige Werbung: Warum wir ständig überall Ralf Schumacher sehen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
“Der Ex-Rennfahrer Ralf Schumacher macht Werbung für eine Gebrauchtwagenplattform. Der Werbespot wird so häufig ausgestrahlt, dass er Menschen im Internet an den Rand der Verzweiflung bringt.” Matthias Schwarzer erklärt, dass Unternehmen gezielt auf übermäßige Penetranz setzen, um ihre Marke schnell bekannt zu machen und Konkurrenz zu verdrängen. Trotz möglicher Genervtheit der Zuschauerinnen und Zuschauer könne diese Form von “Nerv-Werbung” effektiv sein. Selbst ein Shitstorm sei dabei oft einkalkuliert.

7. Googles KI-Übersichten – das Ende des Journalismus?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:14 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Kartellbeschwerde einiger unabhängiger Verlage gegen Googles KI-Übersichten: “Die Verlage sollten sich keine Illusionen machen: Selbst wenn sie ein paar Krümel vom großen Kuchen abbekommen, rettet sie das nicht. Die wahre Medienrevolution beginnt, wenn Verlage wieder lernen, dass ihre Leser ihre Kunden sind, nicht Google.”

“Compact”-Verbot aufgehoben, Gaza und die Medien, Wissenschaft to go

1. Compact-Verbot aufgehoben
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht hat das von Ex-Innenministerin Nancy Faeser initiierte Verbot des rechtsextremen “Compact”-Magazins aufgehoben. Anja Osterhaus, Geschäftsführerin der Organisation “Reporter ohne Grenzen”, kommentiert: “Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt: In einer Demokratie müssen die verbrieften Grundrechte berücksichtigt werden – auch, wenn es angesichts extremistischer und rassistischer Inhalte eines Mediums schwer fällt, das zu akzeptieren”.
Weiterer Lesehinweis: Wer sich für die juristischen Hintergründe interessiert, wird bei “Legal Tribune Online” fündig: Darum wurde das “Com­pact”-Verbot auf­ge­hoben (lto.de, Markus Sehl & Panos Athanasiadis).
Und noch ein Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Faesers Versuch war juristisch wacklig und politisch schlecht vorbereitet. Jetzt steht nicht Compact am Pranger, sondern der Rechtsstaat selbst. Und das ist nicht nur eine juristische Niederlage, das ist eine Bankrotterklärung, das ist brandgefährlich. Denn Compact hat jetzt eine Art juristische TÜV-Plakette. Und die wird das Magazin nutzen, um fleißig weiter an den Grundfesten der Republik zu sägen.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:06 Minuten)

2. Rechtes Rauschen im Blätterwald
(verdi.de, Claudia Krieg)
Wie Claudia Krieg berichtet, gebe es derzeit viel Bewegung in der Medienlandschaft der Neuen Rechten, wo Publikationen wie die “Junge Freiheit” und “Compact” eine große Reichweite erzielen und wichtige Sprachrohre der AfD seien. Dabei bestünden strategische Netzwerke und Kollaborationen, wodurch unterschiedliche rechtsextreme Zielgruppen gezielt angesprochen würden.

3. Gaza und die Medien: Versagt der Journalismus?
(youtube.com, Georg Restle, Video: 1:07:17 Stunden)
Die Berichterstattung über den Gaza-Krieg werfe einige Fragen auf: “Berichten Leitmedien zu zurückhaltend über die Kriegsverbrechen der israelischen Armee? Werden journalistische Kriterien der Idee der ‘Staatsräson’ untergeordnet? Werden Aussagen von Kriegsparteien zu wenig hinterfragt?” Darüber spricht “Monitor”-Leiter Georg Restle mit Nadia Zaboura, Kommunikationswissenschaftlerin und Medienkritikerin, und Tilo Jung, Politikjournalist und YouTuber.

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4. ARD startet senderübergreifendes Faktencheck-Netzwerk
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, habe die ARD ein senderübergreifendes Faktencheck-Netzwerk gestartet, um stärker gegen “Fake News” und Desinformation vorzugehen. Unter Federführung des NDR sollen dabei Redaktionen der “Tagesschau”, der Landesrundfunkanstalten, der Deutschen Welle sowie des Deutschlandradios zusammenarbeiten, wofür auch personelle Verstärkungen erfolgt seien. Hintergrund für die Initiative sei die Entscheidung von Meta-Chef Mark Zuckerberg, die Zusammenarbeit mit unabhängigen Faktenprüfern in den USA zu beenden.

5. Wissenschaftsjournalismus to go
(npj.news)
Die “Riffreporter” hätten mit “Wissenschaftsjournalismus to go” ein gemeinwohlorientiertes Projekt gestartet, bei dem mithilfe von Künstlicher Intelligenz komplexe Artikel in kurze, alltagstaugliche Zusammenfassungen umgewandelt würden. Ziel sei es, Abonnentinnen und Abonnenten mit wenig Zeit Zugang zu anspruchsvollen Inhalten zu ermöglichen. Das Projekt werde durch den Innovationsfonds der Wissenschaftspressekonferenz mitfinanziert und soll die Zukunft des unabhängigen Wissenschaftsjournalismus sichern.

6. Influencer in Venezuela vor laufender Kamera erschossen
(spiegel.de)
Der venezolanische TikTok-Influencer Gabriel Jesús Sarmiento sei während eines Livestreams in seiner Wohnung erschossen worden. Zuvor habe er sich öffentlich gegen die kriminelle Bande Tren de Aragua und deren berüchtigten Chef Héctor Rusthenford Guerrero Flores positioniert.

KW 25/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Warum meiden Menschen Nachrichten – und wie schlimm ist das?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:25 Minuten)
Der “Digital News Report 2025” des Reuters Institute hat festgestellt, dass 71 Prozent der Deutschen mindestens gelegentlich Nachrichten vermeiden. Holger Klein hat im “Übermedien”-Podcast mit der Medienwissenschaftlerin Julia Behre gesprochen, die an der Studie beteiligt war: “Was genau steckt hinter dieser Zahl? Wie besorgniserregend ist sie? Und was bedeutet Nachrichtenvermeidung überhaupt?”
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Nachrichtenvermeidung ist ein Weckruf: Wir brauchen einen Journalismus, der informiert ohne zu deprimieren, der aufklärt ohne zu erschlagen, der Lösungen zeigt statt nur Krisen. Wenn das gelingt, bleiben die Menschen dran. Und das ist am Ende gut für uns alle.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:56 Minuten)

2. Krasse BILD-Fälschung aufgeflogen
(youtube.com, TopfvollGold, Mats Schönauer, Video: 17:30 Minuten)
Mats Schönauer wirft auf seinem YouTube-Kanal “Topfvollgold” regelmäßig einen kritischen Blick hinter die Kulissen von Boulevardpresse, YouTubern und Social Media. In seinem aktuellen Video geht es um einen Fall, der selbst Schönauer überrascht: “Dass die BILD-Zeitung lügt, kennt man. Aber dass eine komplette Berichterstattung erfunden wird – und dann Beweismittel gefälscht werden, um den Skandal zu vertuschen, ist eine neue Hausnummer.” Zuerst hatte der Schweizer YouTube-Kanal “IzzyProjects” darüber berichtet: Wir haben die Bild Zeitung beim Lügen erwischt (youtube.com, Video: 6:43 Minuten).
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Deutsche Medien und Nahost: Wie gelingt vertrauenswürdiger Journalismus?
(youtube.com, Christopher Resch, Video: 1:00:59 Stunden)
Christopher Resch von der Organisation Reporter ohne Grenzen diskutiert mit dem Journalisten Armin Ghassim und der Medienkritikerin Nadia Zaboura über die Herausforderungen und Belastungen für Journalistinnen und Journalisten bei der Berichterstattung in Deutschland über Israel und Palästina. Die drei sprechen über die Ursachen des Misstrauens gegenüber deutschen Medien und fragen, wie eine faktenbasierte, demokratiefördernde und unabhängige Berichterstattung gelingen kann. Außerdem gehen sie auf interne Konflikte und Ängste in Redaktionen ein und denken über mögliche Lösungen nach.

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4. Haltung, Mut, Innovation: Was brauchen ARD und ZDF jetzt?
(youtube.com, Georg Mascolo, Video: 59:09 Minuten)
Auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche hat sich Georg Mascolo mit Christina Elmer, Maria Exner und Yvette Gerner über die zukünftige Aufstellung von ARD und ZDF unterhalten: “Wie können sich die Öffentlich-Rechtlichen für die nächsten Jahre stärker aufstellen, offensiver und selbstbewusster, innovativer und auch klüger im Selbst-Marketing? Wo gibt es für ARD, ZDF und Deutschlandradio ‘Easy Wins’, wo müssten ganze Strukturen verändert werden? Und wer kann das konkret wie angehen?”

5. Radio Taiwan International: Informationen für alle
(verdi.de, Claudia Krieg & Danilo Höpfner, Audio: 22:22 Minuten)
Bei “M”, dem Medienpodcast der Gewerkschaft Verdi, geht es aktuell um Radio Taiwan International (RTI), das seit 97 Jahren weltweit sende und als wichtiger unabhängiger Informationskanal insbesondere für China und Myanmar gelte. RTI nutze weiterhin die klassische Kurzwelle, um trotz möglicher Einschränkungen durch den taiwanesisch-chinesischen Konflikt zuverlässig erreichbar zu sein, und biete zunehmend auch Inhalte über Soziale Medien an. (Hinweis: Der verlinkte Beitrag behandelt im Text Radio Taiwan International, im eingebetteten Audiostream geht es allerdings, vermutlich aus Versehen, um ein anderes Thema. Die Podcastfolge zu RTI gibt es hier zu hören.)

6. Musk gegen Trump
(zdf.de, Bernd Reufels & Laura Hohmann, Video: 43:53 Minuten)
Laura Hohmann und Bernd Reufels haben sich mit dem seltsamen Verhältnis der zwei vielleicht mächtigsten Männer der USA beschäftigt, Elon Musk und Donald Trump: “Der eine: Unternehmer, Visionär, Techmogul. Der andere: Präsident, Populist, Reizfigur. Die Doku erzählt die Geschichte als Machtanalyse: Wer von beiden kontrolliert mehr – die Wirtschaft, die Medien, die politische Bühne – und das Weltall?”

Nachrichtenvermeidung, Falsche Todesnachricht, Verurteilungen

1. Mehr als zwei Drittel der Menschen meiden Nachrichten
(spiegel.de)
Dem “Digital News Report 2025” des Reuters Institute zufolge meiden inzwischen 71 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer gelegentlich Nachrichten, um ihr mentales Wohlbefinden zu schützen: “Das mit Abstand wichtigste Motiv der Nachrichtenvermeidung stellen demnach die negativen Auswirkungen der Nachrichten auf die eigene Stimmung (48 Prozent) dar. 39 Prozent der Menschen, die Nachrichten vermeiden, geben an, dass zu viel über Kriege und Konflikte berichtet wird und dass sie von der Menge an Nachrichten erschöpft sind.”

2. Aufregung wegen Fake-Todesmeldung: Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek lebt
(tagesspiegel.de, Gerrit Bartels)
Einige Medien und Nachrichtenportale hätten ungeprüft eine Meldung eines offensichtlichen Fake-Accounts über den vermeintlichen Tod der österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek übernommen. Jelinek betonte, dass es bereits das zweite Mal sei, dass sie fälschlich für tot erklärt worden sei, und bestätigte, dass sie sehr wohl am Leben sei. Auch Jelineks Verlag Rowohlt dementierte die Todesmeldung offiziell als “Fake”.

3. Ein kleiner Schritt Richtung Gerechtigkeit
(taz.de, Christian Jakob)
Christian Jakob berichtet über ein Urteil gegen zwei Männer, die nach Überzeugung des zuständigen Gerichts am Mord an der maltesischen Investigativ- und Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia beteiligt gewesen sind. Sie “sollen den Sprengstoff für das Autobomben-Attentat beschafft haben und wurden vom Gericht deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt.” Caruana Galizia wurde 2017 getötet, und die Indizien dafür seien erdrückend, dass der Mord “mit ihren Recherchen gegen ­ranghohe Mitglieder der Regierung von Ex-Premierminister Joseph Muscat zusammenhängt.” Sie hatte vielfach über Korruption im Umfeld der sozialdemokratischen Regierungspartei Maltas berichtet. Daphne Caruana Galizias Familie sagte nach der Gerichtsentscheidung: “Wir hoffen, dass das heutige Urteil einen Schritt auf dem Weg darstellt, die Welt für Journalisten sicherer zu machen”.

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4. Südkorea: Journalismus als demokratischer Watchdog während des Kriegsrechts
(de.ejo-online.eu, Chansouk Kim)
Laut dem Medienwissenschaftler Chansouk Kim habe die Verhängung des Kriegsrechts in Südkorea im Jahr 2024 durch den damaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol den Journalismus des Landes vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Trotz angeordneter Zensur hätten viele südkoreanische Medien jedoch weiterhin kritisch berichtet und mit Echtzeit-Faktenprüfungen und Live-Übertragungen international Anerkennung erlangt.

5. Ehemalige Geschäftsführerin Sigrun Albert sagt: Der BDZV ist nicht ramponiert
(kress.de, Marcus Schuster)
Marcus Schuster hat für “kress pro” mit Sigrun Albert, der neuen Geschäftsführerin des Verlags Nürnberger Presse, über deren Pläne für die digitale Transformation des Medienhauses gesprochen. In dem Interview erklärt Albert, warum sie nach gut zwei Jahren als Hauptgeschäftsführerin den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) verlassen hat, und betont dabei die Bedeutung ihrer dort gesammelten Erfahrungen im Bereich Lobbying. Albert weist zudem die Kritik zurück, der BDZV sei aufgrund interner Konflikte und Austritte geschwächt.

6. Printausgabe wird per Ende Jahr eingestellt
(persoenlich.com)
Die Schweizer Gratiszeitung “20 Minuten” werde zum Jahresende ihre Printausgabe einstellen und ab dann vollständig auf digitale Angebote setzen. Als Folge würden bis zu 80 Vollzeitstellen gestrichen. Zudem werde man die Redaktionen aus der Deutsch- und der Westschweiz zu einer Redaktion zusammenlegen und einige Regionalbüros schließen. Gewerkschaften sähen darin eine Gefahr für die Medienvielfalt in der Schweiz.

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