Man könnte denken, dass jemand, der Artikel geschrieben hat wie “Lesbe (taubstumm) sticht Lesbe (taubstumm) nieder”, “Waldmensch metzelt Spaziergänger nieder” oder “Armer Mann mit Dauererektion: Droht jetzt sogar eine Amputation?” — dass so jemand schwer zu erschüttern ist. Aber so abgebrüht ist “Bild”-Reporter Sven Kuschel nicht. Die Meldung, dass vier nordrhein-westfälische Zweckverbände an einer Fusion arbeiten, hat ihn elektrisiert. In gewaltiger Größe verkündete er gestern in “Bild”-Westfalen diese frohe Botschaft:
Ein Wort für dieses Gebilde hat Kuschel auch schon gefunden: “Sauerstone”. In Anspielung auf den “weltberühmten Yellowstone-Nationalpark in den USA”, der auch nur knapp dreimal so groß sei wie der “Super-Nationalpark”, der da im Sauerland entstehe.
Blöd nur, dass im Sauerland gar kein Nationalpark entsteht, nicht mal ein Normal-Nationalpark. Entstehen könnte bestenfalls ein großer Naturpark — immerhin taucht dieses entscheidende Wort im “Bild”-Text auch mehrmals auf. Im Gegensatz zu den gesetzlich streng geschützten Nationalparks, Gebieten von “besonderer Eigenart”, in denen sich die Natur möglichst ungestört entwickeln soll, geht es bei Naturparks vor allem um Landschaften, die sich für Erholung und Tourismus eignen und entsprechend gepflegt, entwickelt und vermarktet werden sollen.
Wie wenig spektakulär der geplante Zusammenschluss von vier bestehenden Naturparks ist, ahnt man, wenn Theo Melcher, der Kreisdirektor von Olpe, in “Bild” sagt, es gehe um einen Abbau von Bürokratie und schnellere Planung und Umsetzung von Projekten. Wie auf diese Weise das Sauerland “zu einem der grünsten Punkte Deutschlands” wird, bleibt das Geheimnis von “Bild”-Mann Sven Kuschel.
Apropos: Der “Geheimplan”, den “Bild” da aufgetan hat, ist so geheim, dass Kreisdirektor Melcher ihn sechs Tage vor dem “Bild”-Bericht bereits gegenüber dem WDR bestätigt hat. Und zehn Tage vor dem “Bild”-Bericht bereits das Süderländer Tageblatt von einer Sitzung des Zweckverbandes Naturpark Ebbegebirge berichtete, auf der der Plan diskutiert und begrüßt wurde. Und diese Sitzung 23 Tage vor dem “Bild”-Bericht bereits von der “Siegener Zeitung” unter der Überschrift “Zweckverband spricht über Zusammenlegung” angekündigt wurde.
Aber, hey, die Sache mit Yellowstone und dem Super-Nationalpark hat “Bild” natürlich exklusiv.
Vielen Dank an Jörg W. für den sachdienlichen Hinweis!

Bis heute abend ist noch Zeit, am 
Wenn man zynisch wäre, könnte man sagen: Was Dieter Bohlen passiert ist, ist das Beste, was “Bild” passieren konnte. Dass der “Pop-Titan” Dieter Bohlen, der Beruf und Privatleben in einem außerordentlichen Maße mit “Bild” teilt, in seinem Haus
“Bild” war offensichtlich schon kurz nach dem Überfall vor Ort — oder versucht jedenfalls nachhaltig, diesen Eindruck zu erwecken. Ein
Und vermutlich meint “Bild” nicht 117, sondern 177 Minuten, denn der Überfall war um 8.45 Uhr. Dennoch ist das ja wirklich eindrucksvoll, das Tempo, mit dem die “Bild”-Leute und Bohlen sich nach so einem Überfall an die “journalistische” Aufbereitung des Geschehens machen. Allerdings endet das “Bild”-Interview, das um 11.42 Uhr begann, so:
Wir suchen eine Prominente, die in “Bild” präsenter ist als Sabine Christiansen, Uschi Glas oder Britney Spears.

Der Hamburger Dönerproduzent Celik Döner jedenfalls zahlt angeblich “Dank BILD!” 300 Euro “Extra-Weihnachtsgeld” und erhöht die Löhne ab Januar 2007 um 3-5 Prozent (siehe Ausriss). Auf die Frage, wann das beschlossen worden sei, und ob es da einen Zusammenhang zum gestrigen “Bild”-Artikel gebe, sagt uns Ertan Celik:
Ähnlich sieht es bei der Stollenbäckerei Dr. Quendt aus. Dort soll es “Dank BILD!” ein erfolgsabhängiges 13. und 14. Monatsgehalt geben, sowie eine Extra-Gratifikation (siehe Ausriss). Auf die Frage, seit wann es das gebe, erklärt uns Matthias Quendt:
kann “Bild” ausnahmsweise den 