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Erfolg gegen die Chatkontrolle, Panoramafreiheit, KI-Erlöse

1. So geht Demokratie
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter feiert bei netzpolitik.org den jüngsten Erfolg gegen die Chatkontrolle als Ergebnis des Einsatzes einer aktiven Zivilgesellschaft, die in vielfältigen Bündnissen auf die Gefahren des Vorhabens hingewiesen habe. Die Sache sei jedoch noch nicht endgültig ausgestanden: “Die Sache ist erst sicher, wenn wir die Bundesregierung dazu bringen, dass sie jegliche Form von Hintertüren oder Client-Side-Scanning dezidiert ausschließt.”

2. Panoramafreiheit ist auch Pressefreiheit: dju weist den Versuch, Fotos vom Berliner Festival of Lights zu verbieten, strikt zurück
(dju.verdi.de, Danica Bensmail)
Beim Berliner “Festival of Lights” werden bunte Bilder auf Gebäude im öffentlichen Raum projiziert. Laut einer Mitteilung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Verdi habe der Veranstalter des Festivals versucht, Pressefotografinnen und -fotografen das Anfertigen und Verbreiten eigener Fotos der Lichtinstallationen zu untersagen. Die dju wertet dieses Vorgehen als unrechtmäßigen Eingriff in die Pressefreiheit und verweist auf die Panoramafreiheit gemäß Paragraf 59 des Urheberrechtsgesetzes, die solche Aufnahmen grundsätzlich erlaube.

3. Was uns Qualtingers “Kobuk” noch heute über Medien lehrt
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi berichtet bei kobuk.at, dass die legendäre Kobuk-Aktion von Helmut Qualtinger aus dem Jahr 1951 als Medienkritik verstanden werden könne, da sie gezeigt habe, wie leicht sich Redaktionen von erfundenen Geschichten täuschen lassen. Gutschi betont, dass sich die Medienlandschaft seitdem zwar verändert habe, das Grundproblem aber geblieben sei: Es gebe keine Alternative zu sorgfältig geprüften Fakten. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Qualtingers Kobuk damals wie heute daran erinnere, kritisch mit Nachrichten umzugehen.

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4. Wann fließen die KI-Erlöse?
(dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker gibt einen Überblick über die Nutzung journalistischer Inhalte durch große IT-Konzerne zum Training von Künstlichen Intelligenzen, für die die Urheberinnen und Urheber bislang meist keine Lizenzgebühren bekämen. Durch erste Initiativen wie die neue KI-Lizenz der VG Wort, Gerichtsverfahren in den USA sowie Kooperationsverträge zwischen Verlagen und KI-Anbietern könne man jedoch darauf schließen, dass ein Umdenken beginne und künftige Erlösbeteiligungen möglich seien. Es mangele jedoch noch an klaren gesetzlichen Regelungen und nachhaltigen Vergütungsmodellen. Becker hat dazu verschiedene Expertenmeinungen eingeholt.

5. Die Krux mit der KI-Kennzeichnung 
(verdi.de)
Die neuen Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte sollen nach dem AI-Act der Europäischen Union zwar mehr Transparenz schaffen, seien aber kein Allheilmittel gegen Desinformation. Medien müssten laut Pressekodex bereits jetzt symbolische oder manipulierte Bilder, auch solche, die von einer Künstlichen Intelligenz erstellt wurden, kennzeichnen, während für KI-Texte meist keine Pflicht bestehe. Ab August 2026 sollen nach EU-Recht vor allem Deepfakes und KI-generierte audiovisuelle Inhalte deutlich als solche markiert werden. Die genaue Abgrenzung in der Praxis sei jedoch noch unklar.

6. OpenAI startet einen KI-Fake-Feed
(taz.de, Johannes Drosdowski)
OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, starte mit “Sora” eine neue Social-Media-App, auf der ausschließlich KI-generierte Videos geteilt werden können. Nutzerinnen und Nutzer sollen eigene Aufnahmen einbinden oder remixen dürfen. Die Plattform priorisiere Inhalte aus dem eigenen Bekanntenkreis, verspreche aber keinen besonderen Schutz vor Desinformation. Die App sei zunächst nur in den USA und Kanada, auf Einladung und fürs iPhone verfügbar.

Nennen der Nationalität, Haltet euch raus!, Über eigene Fehler sprechen

1. Nennen der Nationalität: Presserat besorgt über bayerische Anweisung
(medien.epd.de)
Der Deutsche Presserat zeige sich besorgt über die neue Anweisung des bayerischen Innenministeriums, wonach die dortige Polizei seit dem 1. Oktober in Pressemitteilungen grundsätzlich die Nationalität von Tatverdächtigen und Opfern nennen soll. Der Presserat warne vor der Gefahr, dadurch Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen zu verstärken. Die Änderung markiere einen Bruch mit der bisherigen, am Pressekodex orientierten Praxis.

2. Haltet euch raus! Ein Plädoyer für die Rückkehr zur Staatsferne
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader warnt davor, dass politische Einflussnahme auf ARD und ZDF zunehmend als normal angesehen werde. Statt um sachliche Kritik gehe es dabei oft um vage Vorwürfe, persönliche Angriffe und die Verbindung von Programmfragen mit der Finanzierung. Schaders Fazit: “Es ist nicht so kompliziert. Sondern, im Gegenteil, supereinfach: Die Staatsferne ist das Fundament unabhängiger Berichterstattung. Wer sie wissentlich untergräbt, beschädigt die Demokratie. Nicht nur gefühlt, sondern: ganz konkret.”

3. Sprecht über eure Fehler!
(journalist.de, Felix Rohrbeck)
Felix Rohrbeck schreibt über die mangelnde Fehlerkultur im Journalismus und darüber, wie diese zum Vertrauensverlust in Medien beitrage. Er zeigt, dass nicht die Fehler selbst das Hauptproblem seien, sondern das Schweigen oder Abwiegeln danach, was bei vielen Menschen Misstrauen und Verschwörungserzählungen befeuere. Als positives Beispiel hebt Rohrbeck das Experiment der “Spiegel”-Redaktion hervor, die sich von Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen öffentlich analysieren und kritisieren ließ.

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4. “Die Filterblase ist oft ein Phantom”
(taz.de, Regina Roßbach)
Die Kommunikationswissenschaftlerin Merja Mahrt erklärt im Interview mit der “taz”, dass die oft diskutierten “Filterblasen” und “Echokammern” in der Realität weniger verbreitet seien als angenommen. Die meisten Menschen würden unterschiedliche Medien parallel nutzen, was extreme Abschottung selten mache. Medien sollten auf Vielfalt, Transparenz und lokale Berichterstattung setzen, um einer gesellschaftlichen Fragmentierung entgegenzuwirken.

5. Exxpress setzt nach Kirk-Attentat auf erfundene Skandale
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi beschreibt in ihrem Artikel bei “Kobuk”, wie das österreichische Rechtsaußenmedium “Exxpress” nach dem Attentat auf den US-Aktivisten Charlie Kirk gezielt Falschinformationen verbreitet habe, um politisch Stimmung zu machen. Die Seite konstruiere Skandale, unter anderem rund um angeblichen “Trans-Terror”, Gewaltaufrufe auf Bluesky oder einen vermeintlichen Skandal um Österreichs Justizministerin. Gutschi zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie der “Exxpress” systematisch Tatsachen verdreht, Einzelaussagen aufbauscht und Narrative der radikalen Rechten bedient.

6. Stephen King ist der meistverbannte Autor an US-Schulen
(spiegel.de)
Der Schriftsteller Stephen King sei laut dem Autorenverband PEN America der am häufigsten aus Schulbibliotheken verbannte Autor in den USA. Seine Werke seien im Schuljahr 2024/25 insgesamt 206 Mal aus Schulbibliotheken entfernt worden. Die Autorenvereinigung warne vor einer weiterhin alarmierenden Entwicklung. Dies betreffe besonders die republikanisch regierten Bundesstaaten wie Florida, Texas und Tennessee, wo der Großteil der Zensurfälle verzeichnet worden sei.

Grimme-Nominierung, Zweifelhafter Ordensträger, US-Visavergabe

1. Ich habe das #GrimmeInstitut gebeten, meine Nominierung für den #GrimmeOnlineAward zurückzunehmen.
(facebook.con, Fabian Goldmann, Video: 9:40 Minuten)
Fabian Goldmann lehnt seine Nominierung für den Grimme Online Award ab. In einem sehenswerten Videostatement kritisiert er den Umgang mit der Aktivistin Judith Scheytt, der nach fragwürdigen Antisemitismusvorwürfen der Donnepp Media Award, verliehen von den “Freunden des Adolf-Grimme-Preises”, aberkannt wurde. Dies sei offenbar unter dem Druck eines Vereins und mit Hilfe eines unseriösen, KI-gestützten Gutachtens geschehen. Da das Grimme-Institut sich trotz vielfacher Verbindungen zu den Entscheidern nicht klar davon distanziere, wolle Goldmann nicht als Alibi für ein System dienen, das kritische Stimmen diffamiere statt schütze.

2. Pölzers “Bunte”: Wie wenig von den vielen Artikeln über Bastian Schweinsteiger noch übrig ist
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz kritisiert, dass die Zeitschrift “Bunte” unter Chefredakteur Robert Pölzer wiederholt unzulässige und teils erfundene Geschichten über die Trennung von Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanović veröffentlicht habe. Mehrere Geschichten mussten nachträglich geschwärzt oder mit einer Gegendarstellung versehen werden, da sie die Persönlichkeitsrechte der beiden Prominenten verletzten. Rosenkranz fragt, ob Pölzers publizistisches Verhalten mit der jüngst vorgenommenen Würdigung durch den Bayerischen Verdienstorden vereinbar ist.

3. Visavergabe als Druckmittel gegen Medien
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) warnt, dass die US-Regierung die Gültigkeit der Visa für ausländische Journalistinnen und Journalisten künftig stark verkürzen wolle. Diese Hürde könnte gezielt gegen kritische Medien eingesetzt werden. RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus appelliert “an alle deutschen Medienhäuser, sich von solchen Plänen nicht einschüchtern zu lassen. Wir brauchen objektive und faktenbasierte Berichterstattung über das, was in den USA passiert!”

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4. Wird es den Medien zu heiß?
(journalist.de, Anna Scheld)
Um den Klimajournalismus in Deutschland stehe es schlecht, findet Anna Scheld. Obwohl die Klimakrise eskaliere, fänden entsprechende Themen in vielen Redaktionen kaum noch statt. Fachleute wie Jürgen Döschner und Gesa Steeger würden dafür plädieren, Klima nicht als isoliertes Ressortthema zu behandeln, sondern ressortübergreifend mitzudenken. Das Netzwerk Klimajournalismus wolle künftig nicht nur gute Beispiele auszeichnen, sondern auch gezielte Desinformationskampagnen sichtbar machen.

5. Diese Gamechanger prägen gerade die Medienbranche
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt den aktuellen, grundlegenden Wandel in der deutschen Medienbranche: Verlage würden verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen, Streamingdienste wie RTL+ und Joyn könnten durch Allianzen ihre Marktposition stärken, und neue Formate verbänden Technik mit gesellschaftlicher Verantwortung: “Hyperpersonalisierte Medien passen Texte, Videos und Podcasts in Echtzeit daran an, was sich die jeweiligen Nutzer:innen wünschen. AR-gestützte Kurzreportagen bringen Nachrichten direkt ins Wohnzimmer und schaffen beim Publikum völlig neue Erfahrungen.”

6. Verbraucherzentrale warnt vor Fakeprofilen Prominenter und Politiker
(spiegel.de)
Die Verbraucherzentrale Hessen warne vor einer Zunahme von Fake-Profilen auf Social Media, mit denen Betrüger vorgeben, bekannte Persönlichkeiten zu sein, um in Chats zu angeblichen Geldanlagen einzuladen. Sie würden dafür zunehmend auch die Namen von weniger prominente Personen wie die von Lokalpolitikern verwenden. Die Verbraucherzentrale empfehle, auf Warnsignale wie seltsame Profilnamen, unrealistische Versprechen und ungewöhnlich schnelle Antworten zu achten.

Diffamierter Held, Antisemitische Musk-KI, Überall Ralf Schumacher

1. Messerangriff in Hamburg: Ein Held, der nicht sein darf
(ndr.de, Raja Khadour & Sulaiman Tadmory & Alice Echtermann, Video: 11:16 Minuten)
Der aktuelle Beitrag des NDR-Medienmagazins “Zapp” zeigt, wie rechte Accounts nach einem Messerangriff in Hamburg gezielt eine Desinformationskampagne gegen den syrischen Helfer Muhammad al Muhammad gestartet und ihn als “erfundenen Helden” diffamiert haben. Dabei wird deutlich, wie Künstliche Intelligenz zur Verbreitung solcher Verschwörungsmythen genutzt wird und warum viele Menschen diesen Erzählungen Glauben schenken.

2. Adolf Hitler als Lösung
(taz.de)
Elon Musk hat vor kurzem angekündigt, seinen KI-Chatbot Grok neu justieren zu lassen, offenbar weil dessen Ergebnisse nicht in Musks rechtslibertäres Weltbild passten. Nun habe Grok Menschen mit vermutlich jüdischem Nachnamen “Hass auf Weiße” vorgeworfen und Adolf Hitler gelobt. Jüdische Organisationen wie die Anti-Defamation League hätten Groks Aussagen als “unverantwortlich, gefährlich und antisemitisch” bezeichnet. Elon Musk selbst habe sich bislang nicht dazu geäußerte.

3. Fake über getötete Eisbären zielt gegen Merz
(tagesschau.de, Carla Reveland & Pascal Siggelkow)
Eine prorussische Desinformationskampagne verbreite gezielt Falschmeldungen über Bundeskanzler Friedrich Merz, darunter ein Fake-Video, in dem ihm die Tötung von Eisbären vorgeworfen werde. Die Aufnahmen, angeblich von einer kanadischen Nachrichtenseite, seien KI-generiert und Teil einer Kampagne der russischen Gruppe “Storm-1516”, die für ähnliche Fakes über Politikerinnen und Politiker bekannt sei.

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4. Zeitungsstreiks vor der 10. Tarifrunde: ver.di ruft zu mehrtägigen Arbeitsniederlegungen in Redaktionen auf
(verdi.de)
Vor der zehnten Tarifrunde mit dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger ruft Verdi gemeinsam mit dem Deutschen Journalisten-Verband zu mehrtägigen Streiks in Zeitungsredaktionen auf. Die Gewerkschaften fordern “Verhandlungen auf Augenhöhe” und kritisieren die jüngsten Rückschritte der Verlegerseite als Missachtung journalistischer Arbeit. Besonders im Süden Deutschlands sowie in Nordrhein-Westfalen und an der Ostseeküste solle der Streikdruck deutlich erhöht werden.

5. Für ein digitales Ökosystem
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Markus Beckedahl, Journalist und Gründer des Onlineportals netzpolitik.org, spricht sich dafür aus, sich von den großen, global agierenden Tech-Konzernen in der Onlinewelt zu lösen: “Wir müssen das Konzept des staatsfernen öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die digitale Welt weiterdenken. Zumindest in der Theorie bin ich davon überzeugt, die Öffentlich-Rechtlichen könnten der richtige Player sein, um gemeinwohlorientierte Plattformen staatsfern zu entwickeln, weiterzuentwickeln, zu betreiben oder zumindest als Mitbetreiber zu agieren.”

6. Nervige Werbung: Warum wir ständig überall Ralf Schumacher sehen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
“Der Ex-Rennfahrer Ralf Schumacher macht Werbung für eine Gebrauchtwagenplattform. Der Werbespot wird so häufig ausgestrahlt, dass er Menschen im Internet an den Rand der Verzweiflung bringt.” Matthias Schwarzer erklärt, dass Unternehmen gezielt auf übermäßige Penetranz setzen, um ihre Marke schnell bekannt zu machen und Konkurrenz zu verdrängen. Trotz möglicher Genervtheit der Zuschauerinnen und Zuschauer könne diese Form von “Nerv-Werbung” effektiv sein. Selbst ein Shitstorm sei dabei oft einkalkuliert.

7. Googles KI-Übersichten – das Ende des Journalismus?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:14 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Kartellbeschwerde einiger unabhängiger Verlage gegen Googles KI-Übersichten: “Die Verlage sollten sich keine Illusionen machen: Selbst wenn sie ein paar Krümel vom großen Kuchen abbekommen, rettet sie das nicht. Die wahre Medienrevolution beginnt, wenn Verlage wieder lernen, dass ihre Leser ihre Kunden sind, nicht Google.”

KW 25/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Warum meiden Menschen Nachrichten – und wie schlimm ist das?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:25 Minuten)
Der “Digital News Report 2025” des Reuters Institute hat festgestellt, dass 71 Prozent der Deutschen mindestens gelegentlich Nachrichten vermeiden. Holger Klein hat im “Übermedien”-Podcast mit der Medienwissenschaftlerin Julia Behre gesprochen, die an der Studie beteiligt war: “Was genau steckt hinter dieser Zahl? Wie besorgniserregend ist sie? Und was bedeutet Nachrichtenvermeidung überhaupt?”
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Nachrichtenvermeidung ist ein Weckruf: Wir brauchen einen Journalismus, der informiert ohne zu deprimieren, der aufklärt ohne zu erschlagen, der Lösungen zeigt statt nur Krisen. Wenn das gelingt, bleiben die Menschen dran. Und das ist am Ende gut für uns alle.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:56 Minuten)

2. Krasse BILD-Fälschung aufgeflogen
(youtube.com, TopfvollGold, Mats Schönauer, Video: 17:30 Minuten)
Mats Schönauer wirft auf seinem YouTube-Kanal “Topfvollgold” regelmäßig einen kritischen Blick hinter die Kulissen von Boulevardpresse, YouTubern und Social Media. In seinem aktuellen Video geht es um einen Fall, der selbst Schönauer überrascht: “Dass die BILD-Zeitung lügt, kennt man. Aber dass eine komplette Berichterstattung erfunden wird – und dann Beweismittel gefälscht werden, um den Skandal zu vertuschen, ist eine neue Hausnummer.” Zuerst hatte der Schweizer YouTube-Kanal “IzzyProjects” darüber berichtet: Wir haben die Bild Zeitung beim Lügen erwischt (youtube.com, Video: 6:43 Minuten).
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Deutsche Medien und Nahost: Wie gelingt vertrauenswürdiger Journalismus?
(youtube.com, Christopher Resch, Video: 1:00:59 Stunden)
Christopher Resch von der Organisation Reporter ohne Grenzen diskutiert mit dem Journalisten Armin Ghassim und der Medienkritikerin Nadia Zaboura über die Herausforderungen und Belastungen für Journalistinnen und Journalisten bei der Berichterstattung in Deutschland über Israel und Palästina. Die drei sprechen über die Ursachen des Misstrauens gegenüber deutschen Medien und fragen, wie eine faktenbasierte, demokratiefördernde und unabhängige Berichterstattung gelingen kann. Außerdem gehen sie auf interne Konflikte und Ängste in Redaktionen ein und denken über mögliche Lösungen nach.

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4. Haltung, Mut, Innovation: Was brauchen ARD und ZDF jetzt?
(youtube.com, Georg Mascolo, Video: 59:09 Minuten)
Auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche hat sich Georg Mascolo mit Christina Elmer, Maria Exner und Yvette Gerner über die zukünftige Aufstellung von ARD und ZDF unterhalten: “Wie können sich die Öffentlich-Rechtlichen für die nächsten Jahre stärker aufstellen, offensiver und selbstbewusster, innovativer und auch klüger im Selbst-Marketing? Wo gibt es für ARD, ZDF und Deutschlandradio ‘Easy Wins’, wo müssten ganze Strukturen verändert werden? Und wer kann das konkret wie angehen?”

5. Radio Taiwan International: Informationen für alle
(verdi.de, Claudia Krieg & Danilo Höpfner, Audio: 22:22 Minuten)
Bei “M”, dem Medienpodcast der Gewerkschaft Verdi, geht es aktuell um Radio Taiwan International (RTI), das seit 97 Jahren weltweit sende und als wichtiger unabhängiger Informationskanal insbesondere für China und Myanmar gelte. RTI nutze weiterhin die klassische Kurzwelle, um trotz möglicher Einschränkungen durch den taiwanesisch-chinesischen Konflikt zuverlässig erreichbar zu sein, und biete zunehmend auch Inhalte über Soziale Medien an. (Hinweis: Der verlinkte Beitrag behandelt im Text Radio Taiwan International, im eingebetteten Audiostream geht es allerdings, vermutlich aus Versehen, um ein anderes Thema. Die Podcastfolge zu RTI gibt es hier zu hören.)

6. Musk gegen Trump
(zdf.de, Bernd Reufels & Laura Hohmann, Video: 43:53 Minuten)
Laura Hohmann und Bernd Reufels haben sich mit dem seltsamen Verhältnis der zwei vielleicht mächtigsten Männer der USA beschäftigt, Elon Musk und Donald Trump: “Der eine: Unternehmer, Visionär, Techmogul. Der andere: Präsident, Populist, Reizfigur. Die Doku erzählt die Geschichte als Machtanalyse: Wer von beiden kontrolliert mehr – die Wirtschaft, die Medien, die politische Bühne – und das Weltall?”

“Verschlossene Auster”, KI als Helfer, Zombie-Zeitschriften

1. Verschlossene Auster 2025 für die Bundeslöschtage
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche hat die “Verschlossene Auster 2025” an die Bundesregierung – sowohl an die aktuelle als auch an die Vorgängerregierung – verliehen für deren “Bundeslöschtage”, bei denen dienstliche Daten von Ministerinnen und Ministern gelöscht werden. Trotz Kritik und gesetzlicher Archivierungspflichten weigere sich die Regierung, diese Praxis zu beenden. Die Vorgehensweise gefährde die demokratische Transparenz und erschwere die Aufarbeitung politischer Entscheidungen. Einen Videomitschnitt der Verleihung des Negativpreises gibt es hier.

2. Gefängnis statt Rechtsstaat
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Der bekannte palästinensische Journalist Ali al-Samudi befinde sich “seit Ende April 2025 in Haft, ohne Anklage oder Beweise.” Al-Samudi sei in Dschenin, einer Stadt im Westjordanland, von israelischen Soldaten in Handschellen abgeführt worden, das israelische Militärgericht habe eine sechsmonatige Verwaltungshaft verhängt. Ann-Kathrin Leclère berichtet über den Fall, der zeige: “Israel befindet sich in einem dauerhaften Ausnahmezustand.”

3. Melonis Überwachungsskandal weitet sich aus
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
“Der Hacking-Skandal der Meloni-Regierung in Italien weitet sich aus. Laut IT-Forscher:innen des kanadischen Citizen Lab wurden die Geräte von zwei weiteren Journalisten ‘mit hoher Sicherheit’ durch die Spionagesoftware ‘Graphite’ angegriffen.” Markus Reuter erklärt bei netzpolitik.org die Vorgänge in Italien und deren politische Dimension.

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4. Zeitschriften: Tarifvertrag steht, Onliner bleiben außen vor
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel berichtet bei “DWDL”, dass sich die Zeitschriftenverlage und die Gewerkschaften nach sechs Verhandlungsrunden auf einen Tarifvertrag geeinigt hätten, der stufenweise Gehaltserhöhungen über drei Jahre hinweg vorsehe. Online-Redakteurinnen und -Redakteure würden dabei allerdings nicht berücksichtigt, was von den Gewerkschaften kritisiert werde. Es bleibe weiterhin das Ziel der Arbeitnehmervertreter, auch Online-Journalistinnen und -Journalisten in den Tarifvertrag einzubeziehen.

5. Endlich ein Redigatur-Buddy!
(journalist.de, Kathi Preppner)
Für den “journalist” hat sich Kathi Preppner bei Medienschaffenden umgehört, wie sie Künstliche Intelligenz (KI) für ihre journalistische Arbeit nutzen. Viele von ihnen verwenden KI vor allem zur Recherche, zur Strukturierung von Texten sowie zur Rechtschreib- und Grammatikprüfung, also eher für unterstützende Aufgaben und nicht für die Erstellung neuer Inhalte. Einige der Befragten äußern Bedenken hinsichtlich Ungenauigkeiten, fehlender Kreativität und des Bedrohungspotenzials durch die neue Technik.

6. Zombie-Zeitschriften: The last of the (in)famous international Playboys
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi berichtet, dass früher populäre Männermagazine wie “Playboy”, “Maxim” und “FHM” heute als digitale Zombie-Versionen existieren, produziert von einem umtriebigen Geschäftsmann, der zahlreiche internationale Ausgaben gleichzeitig veröffentliche. Die Magazine seien fast komplett identisch und bestünden hauptsächlich aus gekauften Cover-Models, Produktplatzierungen und erfundenen KI-Inhalten.

Fake-“Bild”, RBB spart sich Sparen, (Kein) Interview mit Clint Eastwood

1. Aktivisten verteilen Fake-“Bild”-Zeitung in Supermärkten
(t-online.de)
Aktivisten der Klimagruppe “Neue Generation” sollen in Berliner Supermärkten gefälschte Ausgaben der “Bild”-Zeitung verteilt haben, um gegen die aus ihrer Sicht propagandistische Berichterstattung des Springer-Konzerns zu protestieren. Laut Polizei wurden dabei keine strafbaren Inhalte verbreitet, die Aktivisten hätten jedoch möglicherweise gegen das Hausrecht verstoßen. In der gefälschten Zeitung fordere die Gruppe Springer-Chef Mathias Döpfner zu einem Gespräch auf.
Zusätzlicher Lesehinweis zu einer weiteren Aktion der “Neuen Generation”: Neue Generation – alter Gegner: “Die Neue Generation startet eine Kampagne gegen den Springer-Konzern. Doch die Blockade einer Druckerei in Berlin kann die Polizei verhindern.” (taz.de, Erik Peter)

2. Österreichischer “Kurier” soll Interview mit Clint Eastwood erfunden haben
(tagesspiegel.de)
Hollywood-Star Clint Eastwood werfe der österreichischen Zeitung “Kurier” vor, ein Interview mit ihm zu seinem 95. Geburtstag erfunden zu haben. Eastwood sagt, er habe dieses Interview nie gegeben. Die Zeitung habe dies zunächst bestritten, jedoch später eingeräumt, dass die Autorin Elisabeth Sereda den Text aus mehreren älteren Gesprächen zusammengesetzt und nicht ein aktuelles Interview geführt habe. Obwohl Sereda ihre Darstellung verteidige, habe der “Kurier” die Zusammenarbeit mit ihr aufgekündigt.

3. RBB zieht ein paar seiner 150 Spar-Maßnahmen zurück
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel berichtet bei “DWDL”, dass der RBB nach Kritik aus der eigenen Belegschaft einige seiner ursprünglich 150 Sparmaßnahmen zurückgezogen oder abgemildert habe, etwa bei der Kinder-Radiosendung “Ohrenbär” und den Radionachrichten. Intendantin Ulrike Demmer betone jedoch, dass das Gesamtziel, 22 Millionen Euro einzusparen, unverändert bestehen bleibe und weiterhin Strukturen und Abläufe beim öffentlich-rechtlichen Sender verschlankt werden sollen.

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4. RSF startet Fernsehsender mit Julia Nawalnaja
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat gemeinsam mit Julia Nawalnaja, der Witwe des in russischer Haft gestorbenen russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, den neuen Fernsehsender “Russia’s Future” gestartet. Der Sender soll unabhängigen Journalismus und demokratische Werte fördern und Millionen Haushalte in Russland, in Europa, im Nahen Osten und in Afrika erreichen. Ziel sei es, Nawalnys Vermächtnis fortzuführen und die Pressefreiheit in Russland zu stärken.

5. Der Gerettete verramscht den Retter
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Josef-Otto Freudenreich berichtet bei “Kontext”, dass die Neue Pressegesellschaft aus Ulm, zu der unter anderem die Zeitung “Südwest Presse” gehört, von der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) die Mehrheit an den Stuttgarter Zeitungen übernehme und damit eine weitere Konzentration der Medienlandschaft erfolge. Die betroffenen Redaktionen seien schockiert, da sie weitere Einsparungen und einen Bedeutungsverlust befürchten würden. Der Ursprung der Probleme liege im kostspieligen Kauf der “Süddeutschen Zeitung” durch die SWMH im Jahr 2007, der zu finanziellen Schwierigkeiten und Sparzwängen geführt habe.

6. Nadia Zaboura – Verlorenes Medienvertrauen, gefährdete Demokratie?
(youtube.com, Nadia Zaboura, Video: 31:33 Minuten)
Auf der Digitalkonferenz re:publica hat Nadia Zaboura einen Vortrag über Nachrichtenjournalismus und Medienvertrauen gehalten: “Medienvertrauen ist der Kern demokratischer Gesellschaften. Entlang Grimme-nominierter Medienanalysen bietet dieser Vortrag eine umfassende Analyse der oft kritisierten deutschen Nahost-Berichterstattung – und zeigt wissenschaftsbasiert sieben Problemfelder, Exzellenz sowie konstruktive Auswege auf.”

KW 21/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Stars unserer Kindheit: Peter Lustig & Elfie Donnelly
(ardaudiothek.de, SWR Kultur & RBB, Audio: sechs Folge zwischen 33 und 42 Minuten)
In dieser sechsteiligen Podcastreihe (die ersten vier Teile sind bereits veröffentlicht, die Folgen 5 und 6 sind für den 28. Mai angekündigt) geht es um die Entstehungsgeschichten von “Bibi Blocksberg”, “Benjamin Blümchen” und “Löwenzahn” beziehungsweise den kreativen Menschen dahinter: Peter Lustig (“Löwenzahn”) und Elfie Donnelly (“Bibi Blocksberg” und “Benjamin Blümchen”), die auch privat miteinander verbunden waren. Eine zeithistorisch interessante, unterhaltsame und informative Reihe.

2. Warum Dominik Kettner einer der gefährlichsten YouTuber Deutschlands ist
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 26:31 Minuten)
Mats Schönauer wirft auf seinem YouTube-Kanal “Topfvollgold” regelmäßig einen kritischen Blick hinter die Kulissen von Boulevardpresse, YouTubern und Social Media. Diesmal hat er sich einen besonders umtriebigen YouTuber angeschaut: “Dominik Kettner wurde vom Goldhändler zu einem der größten Politik-Influencer Deutschlands. Mit welchen miesen Tricks er das geschafft hat – und wie er seinen Zuschauern auf beispiellose Weise das Geld aus der Tasche zieht, zeige ich euch in diesem Video.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Wikipedia: Warum das “digitale Weltwunder” in Gefahr ist
(br.de, Linus Lüring, Audio: 33:18 Minuten)
Linus Lüring hat mit Franziska Heine aus dem Vorstand von Wikimedia Deutschland, Organisationsforscher Leonhard Dobusch und Investigativjournalist Christoph Schattleitner über die zunehmende Manipulation und politische Einflussnahme auf die Wikipedia gesprochen. Sie diskutieren darüber, wie widerstandsfähig Wikipedia gegen derartige Angriffe ist, ob die Anonymität der Autorinnen und Autoren eher Schutz oder Risiko darstellt und warum es an Mitwirkenden mangelt. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wie Wikipedia als demokratisch relevantes Medium geschützt werden kann.

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4. Die neue Fake News Generation wird uns zerstören …
(youtube.com, Alex Böhm, Video: 11:05 Minuten)
Alex Böhm berichtet über die wachsende Verbreitung und Gefahr von KI-generierten “Fake News”. Diese würden in den Sozialen Medien, beispielsweise auf TikTok, millionenfach unkritisch konsumiert und dabei Ängste schüren oder Hass anheizen. Konkret analysiert Böhm eine virale, erfundene Katastrophenmeldung über einen tödlichen Unfall im Heide Park Soltau, deckt sie als KI-generierte Manipulation auf und kritisiert, dass Plattformen kaum gegen solche Inhalte vorgehen.

5. Neue Berufsbilder in Medien und Kommunikation
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 24:30 Minuten)
Christian Jakubetz schaut sich mit Marlene Fuchs an, wie sich die Bayerische Akademie für Fernsehen zur Bayerischen Akademie für Fernsehen und digitale Medien weiterentwickelt hat, um dem Wandel der Medienwelt gerecht zu werden. Sie sprechen darüber, dass Studierende heute nicht mehr speziell fürs klassische Fernsehen, sondern für viele digitale Plattformen und Technologien ausgebildet würden, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. Zudem reflektieren sie nostalgisch das gemeinschaftliche Fernseherlebnis früherer Jahrzehnte und vergleichen es mit der schnelllebigen und vielfältigen Medienlandschaft von heute.

6. Böhmermann vs. Clownswelt – War es das wert?
(youtube.com, Alexander Prinz, Video: 29:40 Miniuten)
Der “Dunkle Parabelritter” Alexander Prinz kritisiert Jan Böhmermann und dessen “ZDF Magazin Royale” dafür, dass sie durch ihre Recherche zum YouTuber “Clownswelt” dessen Anonymität aufgehoben und ihn damit unfreiwillig zum Opfer stilisiert hätten. Prinz bemängelt, dass Böhmermann statt inhaltlich präziser Belege vor allem persönliche Details geliefert habe. Dadurch sei es der rechten Bubble ermöglicht worden, die Debatte auf das Thema Doxing umzulenken. Letztlich wirft er der Redaktion vor, durch diese strategischen Fehler den Diskurs verloren und das Gegenteil des eigentlich beabsichtigten Ziels erreicht zu haben.

Rekordentschädigung, Gefahr von innen, Von Finnland lernen

1. Hier läuft etwas schief
(taz.de, Dirk Knipphals)
Wie Dirk Knipphals in der “taz” schreibt, komme die größte Gefahr für die öffentlich-rechtlichen Sender nicht von außen, sondern von innen. Intendanz und Leitungsebenen würden zunehmend rechte Narrative aufgreifen und journalistische Qualität zugunsten von populistischen Formaten und gefälligen Botschaften zurückstellen. Statt die Gesellschaft zusammenzuhalten, wie es ihr Auftrag wäre, könnten ARD und ZDF ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Knipphals’ Fazit: “Was ihre Legitimation tatsächlich bedroht, ist nicht das bröckelnde ‘für alle’, sondern der Zynismus eines populistischen Programms.”

2. Wie rechtspopulistisch will die ARD eigentlich noch werden?
(stern.de, Stephan Maus)
Stephan Maus kritisiert in seinem Meinungsbeitrag, dass die ARD zunehmend rechtspopulistischen Tendenzen Raum gebe, indem sie TV-Persönlichkeiten wie Dieter Hallervorden, Dieter Nuhr oder Serdar Somuncu Sendezeit einräume. Statt Haltung gegen Hassrede und populistische Narrative zu zeigen, versuche der Sender offenbar, sich gegen den Vorwurf der woken Einseitigkeit abzusichern, und verliere dabei seinen demokratischen Auftrag aus den Augen. Auf diese Weise, warnt Maus, entwickle sich die ARD von einer Brandmauer der Demokratie zu einem Brandbeschleuniger.

3. Rekordentschädigung für Berliner Polizistin
(tagesspiegel.de, Alexander Fröhlich)
Die “Bild”-Redaktion habe in ihrer Berichterstattung eine Berliner Polizistin mit erfundenen und falschen Vorwürfen diffamiert, was zu einer Richtigstellung und einer Rekordentschädigung in Höhe von 150.000 Euro geführt habe. Die Artikel hätten der Frau zu Unrecht sexuellen Missbrauch unter Drogeneinfluss vorgeworfen. Die “Bild”-Zeitung habe die Fehler öffentlich eingeräumt, um Entschuldigung gebeten und eine Richtigstellung prominent auf der Titelseite veröffentlicht.

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4. Alarmismus: “Heute” missbraucht Kindergarten-Studie
(kobuk.at, Jakob Klawatsch)
Wie Jakob Klawatsch bei “Kobuk” berichtet, stelle die österreichische Zeitung “Heute” unbelegte Behauptungen über den Sprachverlust deutschsprachiger Kinder in Kindergärten auf und berufe sich dabei in irreführender Weise auf eine Studie. Diese habe jedoch keine Sprachtests durchgeführt, sondern lediglich Einschätzungen von Kindergartenleitungen eingeholt. Laut einem der Studienautoren zeige die Untersuchung vor allem, dass das Bildungsniveau der Eltern für die Sprachentwicklung entscheidend sei. Ein tatsächlicher Sprachverlust sei nicht belegt.

5. Medienkompetenz: Von Finnland lernen
(verdi.de, Sarah Schaefer)
Desinformation stelle in Deutschland ein wachsendes Problem dar, dem viele Menschen mangels Medienkompetenz kaum gewachsen seien. Als Vorbild im Umgang mit “Fake News” gelte Finnland, wo die Schulung der Medienkompetenz bereits früh im Bildungssystem verankert sei und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werde. Dies führe zu einem hohen Vertrauen der Bevölkerung in Staat, Medien und Bildung, was Menschen widerstandsfähiger gegen Desinformation mache.

6. Das hatte sich Google anders vorgestellt
(zeit.de)
Wie Pauline Schinkels bei “Zeit Online” schreibt, drohe neben Meta auch Google in den USA juristisches Ungemach. Das US-Justizministerium fordere, dass der Konzern seinen Browser Chrome verkauft, was einer Zerschlagung gleichkäme. Obwohl die Techkonzerne auf Rückendeckung durch die wirtschaftsfreundliche Trump-Regierung gehofft hätten, setze diese die Verfahren weiter fort – offenbar weil führende Republikaner dem Silicon Valley weiterhin misstrauen.

Unhaltbare Vorwürfe, Stereotype Stockbilder, Zitieren bleibt verboten

1. Wie »Bild« und »Nius« eine kriminelle trans Polizistin erfanden
(spiegel.de, Vicky Bargel)
“Im November vergangenen Jahres verbreiteten mehrere Medien Berichte über eine trans Polizeibeamte namens Judy S., die zwei Männer sexuell missbraucht haben soll. Doch an der Geschichte stimmte fast nichts.” Vicky Bargel schreibt über einen Fall, in dem die “Bild”-Redaktion sowie das Portal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt eine zentrale Rolle spielen und der selbst “hartgesottene Medienbeobachter” verblüffe. Zuerst hatte der “Tagesspiegel” darüber berichtet: Unhaltbare Vorwürfe und ein erfundener Penis (tagesspiegel.de, Ann-Kathrin Hipp & Alexander Fröhlich, nur mit Abo lesbar).

2. Zitieren bleibt verboten
(taz.de, Robert Matthies)
Der Journalist Carsten Janz sei vom Landgericht Hamburg zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er wörtlich aus einem unveröffentlichten Gerichtsbeschluss zitiert habe, was laut Paragraf 353d StGB verboten sei. Janz habe argumentiert, dass dies ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Pressefreiheit sei und eine grundsätzliche rechtliche Abwägung verlangt. Das Gericht habe dies jedoch mit Verweis auf ältere Entscheidungen abgelehnt. Nun würden Janz und dessen Anwälte die Revision gegen das Urteil vorbereiten.

3. Wie verklickert man Lesern ein Thema wie die “Schuldenbremse”?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:21 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit “Zeit”-Redakteur Kolja Rudzio darüber, wie Redaktionen komplexe Themen wie die Schuldenbremse verständlich für Laien erklären können. Rudzio sagt, dass Leserinnen und Leser sich gerade bei akuten Themen wie Haushaltsdebatten durchaus für detaillierte und anspruchsvolle Artikel interessieren. Außerdem geht es in dem Gespräch um die Frage, wie viel Einordnung nötig ist und was von Begriffen wie “Sondervermögen” zu halten ist.

Bildblog unterstuetzen

4. Von der Stange: Wenn in Medien Bilder fehlen, kommen die Klischees
(kobuk.at, Eva Sappl)
Eva Sappl beobachtet, dass österreichische Medien häufig stereotype Stockbilder von Frauen verwenden, die jung, weiß, hübsch und schlank sind. Diese Bilder würden unrealistische Schönheitsideale und traditionelle Geschlechterrollen vermitteln, weil Frauen oft in passiven, fürsorglichen oder hilfsbedürftigen Rollen gezeigt würden. Als positive Ausnahme hebt Sappl den “Standard” hervor, der bewusst versuche, diversere und weniger klischeehafte Darstellungen zu wählen.

5. “Rückblickend sind wir seit Corona keine Unterhaltungssendung mehr”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“DWDL”-Chefredakteur Thomas Lückerath spricht mit Markus Heidemanns, dem Produzenten der ZDF-Sendung “Markus Lanz”. Heidemanns erzählt, wie die Corona-Pandemie die Talkshow nachhaltig verändert habe – insbesondere durch den Verzicht auf Publikum im Studio und durch den Wandel von einer Unterhaltungs- hin zu einer ernsthaften politischen Gesprächssendung.

6. Der Murdoch-Clan: Familienstreit um das Medien-Imperium
(acast.com, Macht und Millionen, Audio: 55:33 Minuten)
Kayhan Özgenç, Chefredakteur von “Business Insider”, unterhält sich im Podcast “Macht und Millionen” mit Wirtschaftsredakteur Klemens Handke über den mächtigen Medienunternehmer Rupert Murdoch. Die beiden diskutieren über Murdochs globales Medienimperium, seinen politischen Einfluss und seine Rolle als gefürchteter Patriarch. Aktuell befinde sich Murdoch in einem heftigen Streit mit seinen Kindern, die um sein Milliarden-Vermögen kämpfen.

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