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Ran an die Eigentümer, Konzentration wird zunehmen, Kochen mit Paris

1. Ran an die Eigentümer
(freitag.de, Wolfgang Michal)
Warum spielt Medienpolitik im Wahlkampf kaum eine Rolle, obwohl die Medienbranche sich gerade in einem gewaltigen Umbruch befindet? Wolfgang Michal hat eine Antwort: “Vordergründig mag das daran liegen, dass Medienpolitik Ländersache ist, den Bund also nichts angeht. In Wirklichkeit wird Medienpolitik ausgespart, weil sie die Interessen der Medieneigentümer tangiert. Die nämlich mögen es nicht, wenn ihre Geschäftsinteressen in aller Öffentlichkeit diskutiert werden.”

2. “Die Konzentration wird weiter zunehmen”
(sueddeutsche.de, Thomas Balbierer)
Die Verlagsgruppe Passau will nach dem Ingolstädter “Donaukurier” nun auch die “Mittelbayerische Zeitung” in Regensburg übernehmen. Wie ist das kartellrechtlich zu bewerten? Die “Süddeutsche Zeitung” hat dazu den Juristen Kai von Lewinski befragt, der auf etwas hinweist, das er den “blinden Fleck des Medienkartellrechts” nennt: “Das Kartellrecht schaut vor allem auf bestimmte ökonomische Kennzahlen. Werden bestimmte Schwellenwerte bei einer Fusion erreicht, muss die Behörde eingreifen und je nach Fall Auflagen machen oder den Zusammenschluss gar untersagen. Was das Kartellamt im Pressebereich nicht bewertet, sind publizistische Schwellen. Für publizistische Konzentration ist das Kartellamt nicht zuständig.”

3. Jugendliche mehr als 70 Stunden pro Woche online
(zeit.de)
Aus der Jugend-Digitalstudie der Postbank für 2021 gehe hervor, dass Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren im Schnitt 70,4 Stunden pro Woche online seien. Im Frühjahr 2020 waren es 71,5 Stunden pro Woche, 2019 noch 58 Stunden. Besonders viel Zeit falle dabei auf die Nutzung von Smartphones ab, wobei diese auch mehr als eine Stunde am Tag für den Onlineunterricht genutzt würden.

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4. Sind Influencer:innen die Medienmacher:innen von morgen?
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Ursprünglich war die Instagram-Influencerin Louisa Dellert auf Fitnessthemen spezialisiert. Heutzutage interviewt sie Politikerinnen und Politiker und beschäftigt sich mit umweltpolitischen Themen. Im Interview mit dem “Fachjournalist” nimmt sie Stellung zum Thema “Instagram und Journalismus – wie passt das zusammen?”

5. Konzentration!
(taz.de, René Martens)
René Martens kommentiert die Zusammenlegung von RTL mit Gruner + Jahr: “Der Konzentrationsprozess, der mit der Übernahme bevorsteht, dürfte der Medienvielfalt in Deutschland eher abträglich sein. Ohnehin beeinträchtigt ist diese auf dem Regionalzeitungsmarkt, wo die mächtigen Verlagsgruppen – Madsack, Funke, Ippen, NOZ Medien – Zentralredaktionen unterhalten, die überregionale Beiträge gleich für mehrere Titel des Hauses produzieren. Ein weiterer Schritt zu mehr vom Gleichen: Springers Bild gibt es ab dem 22. August auch noch als 24-Stunden-Fernsehsender. Dieses Bewegtbild-Programm wäre dann das dritte des Hauses – nach N24 Doku und dem “Welt”-Fernsehsender.”
Weiterer Lesehinweis: RTL schluckt Gruner+Jahr: Wenn Nostalgie benebelt (dwdl.de, Thomas Lückerath).

6. Komplizierter als Toast
(faz.net, Andrea Diener)
In Youtube-Videos werde Paris Hilton für ihre Netflix-Koch-Show bespöttelt. Zu Unrecht, wie Andrea Diener in der “FAZ” findet: “Die meisten Videos zielten darauf ab, Hilton als lä­cherliche Figur hinzustellen, und genau das ist sie nun nicht. Sie weiß im Gegenteil sehr genau, was sie tut. Wer besserwisserisch an ihren Rezepten herumkrittelt, läuft Gefahr, sich selbst lächerlich zu machen, weil er das Konzept ‘Paris Hilton’ nicht verstanden hat. Im besten Fall schaut man ‘Cooking With Paris’ als Entspannungsvideo mit Comedy-Elementen. Zwar nicht das Essen, aber der ganze Rest fällt in die im Internet beliebte Kategorie ‘wholesome’.”

Utøya-Attentat, Laschet-Fauxpas, Bitte kein “Runterbrechen”

1. 10 Jahre Oslo, Utøya und die Medien: Keine Islamfeindlichkeit weit und breit
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Anlässlich des zehnten Jahrestages des Utøya-Attentats blickt Fabian Goldmann auf die mediale Berichterstattung von damals zurück: “Während die Jugendlichen auf der Insel Utøya noch vor dem Rechtsextremisten um ihr Leben rannten, klärten ‘Terrorexperten’ im TV schon über dessen ‘islamistischen Hintergründe’ auf. Selbst als kein Zweifel mehr an der rassistischen Motivation des Attentäters bestand, machten manche Kommentatoren noch Muslime und Linke als eigentlich Verantwortliche aus. Und einige Medienschaffende schafften es sogar, die Taten des Massenmörders zu entschuldigen.”

2. Warum über den Fauxpas berichtet werden muss
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 4:13 Minuten)
Während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Hochwassergebiet konnte man sehen, wie Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union und Ministerpräsident von NRW, im Hintergrund giggelte und kicherte. Ein Fehltritt, den Medien zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen dürfen? Oder ein Fauxpas, über den man großzügig hinweg gehen sollte? Die Kommunikationswissenschaftlerin und Kolumnistin Samira El Ouassil denkt laut über das Für und Wider beider Vorgehensweisen nach.

3. “Bild” stoppt freien Fall, “Zeit” und “Spiegel” wachsen digital
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die neuen IVW-Auflagenzahlen der Printmedien sind draußen, und die Springer-Publikationen melden auf den ersten Blick gute Zahlen. Uwe Mantel hat näher hingeschaut und ordnet die Zahlen ein: “Bei der ‘Welt’ beträgt das Auflagen-Plus offiziell fast 6 Prozent – allerdings nicht, weil plötzlich viele Käufer zu dem Blatt zurückgefunden hätten, sondern weil die Zahl der Bordexemplare, die während des ersten Lockdowns massiv gefallen war, sich vervierfachte. Die harte Auflage lag trotzdem fast 17 Prozent im Minus.”

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4. “Das Geschäftsmodell von Facebook und Twitter verhindert eine vernünftige Debattenkultur”
(medienpolitik.net, Daphne Wolter)
Ruprecht Polenz, ehemaliger Generalsekretär der CDU, betätigt sich seit einigen Jahren in den Sozialen Medien und vor allem bei Twitter als politischer Kommentator. Er hat dabei mehr als 63.000 Followerinnen und Follower gewonnen. Im Interview mit medienpolitik.net spricht Polenz über die Debattenkultur auf Social Media, das Freund-Feind-Denken und die Gefahren der von den Plattformen gesteuerten Algorithmen: “Insofern teile ich die Einschätzung derjenigen, die sagen, dass in der Tendenz Soziale Medien eher die Wirkung haben werden, unseren demokratischen Diskurs zu zerstören – bei allem, was sie auch Positives ermöglichen. Wir dürfen uns nicht so große Hoffnungen machen, dass man das grundsätzlich ändern kann, solange die Algorithmen so funktionieren, wie sie das tun.”

5. Konkurrenz macht Netflix zu schaffen
(tagesschau.de)
Die “Tagesschau” hat sich die jüngsten Netflix-Zahlen angeschaut. Der Gewinn sei im Jahresvergleich um fast 90 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar in die Höhe geschnellt: “Die Einnahmen stiegen um fast 20 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich eine Umsatzrendite von knapp 20 Prozent. Ein besseres Ergebnis erzielte der Konzern bisher nur im ersten Quartal dieses Jahres.” Trotzdem falle es dem weltgrößten Streaminganbieter immer schwerer, neue Abonnenten zu gewinnen.

6. Mut zur Zumutung!
(taz.de, Anne Haeming)
Anne Haeming hat genug von den Simplifizierungstendenzen mittels journalistischem “Runterbrechen”: “Das Publikum weiß, dass es unterschätzt statt geschätzt wird. Dass ein paar neue Formate neben das Oberflächenblabla drängen, ist ein Indiz: Schluss mit der Runterbrecherei. Mehr Mut zur Zumutung! Nach dem Dauer-Lockdown gilt: Wir alle wollen Zeit sinnvoll füllen. Und sicher nicht mit Häppchenjournalismus.”

Bauers Daniel-Küblböck-Lüge, “Welt” schrumpft, Händewaschen in Wien

1. “InTouch” hat zu Daniel-Küblböck-Lüge nichts zu sagen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Bauer-Verlag geht bei der Jagd auf Klicks gerne mal über Leichen. Ein Beispiel: Ein besonders verwerflicher Versuch der Promi-Postille “InTouch”, mit dem verstorbenen Daniel Küblböck Reichweite und Kapital zu generieren. Medienkritiker Stefan Niggemeier hat den Fall dem Presserat gemeldet und Antwort erhalten: Der Bericht verletze die Wahrhaftigkeit und das Ansehen der Presse. Der Bauer-Verlag hat den Artikel daraufhin von der Website entfernt – mehr oder weniger achselzuckend.

2. Springer: Kürzungen bei “Welt”, “WamS” auch samstags
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Seit Jahren geht es bei der gedruckten “Welt” abwärts. Allein im ersten Quartal 2021 sei die harte Auflage – also die Summe aus Abo- und Einzelverkauf – um mehr als 20 Prozent auf nur noch 42.000 Exemplare gesunken. Nun hat der Axel-Springer-Verlag ein neues “redaktionelles Konzept” für die “Welt” angekündigt. Und das besteht anscheinend hauptsächlich darin, den Umfang der Zeitung zu reduzieren.

3. Die AfD läuft sich auf TikTok warm
(belltower.news, Thilo Manemann & Theresa Lehmann)
Die AfD habe es laut Thilo Manemann und Theresa Lehmann längst geschafft, sich in den großen Sozialen Medien Räume zu sicher, und versuche nun, das nächste Netzwerk zu erobern: “Gerade hier funktioniert aber die demagogische Sprache der Partei besonders gut, da sie viele Reaktionen hervorruft und so durch die Algorithmen größere Reichweite erhält. Nachdem es den Rechtsradikalen auf Facebook, Twitter und Instagram gelungen ist, Unterstützer:innen zu finden, heißt das neue Ziel TikTok.”

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4. Es gibt mehr Meinungsfreiheit als je zuvor – Wir müssen schauen, dass das so bleibt
(volksverpetzer.de, Constantin Huber)
Die Meinungsfreiheit sei vielleicht so frei wie noch nie, findet Constantin Huber in einem Gastbeitrag für den “Volksverpetzer”. Es müsse jedoch auch Gegenrede möglich sein: “Die Angst der Mehrheitsgesellschaft vor Kritik, wenn öffentlich Unsinn verbreitet wird, fußt auf falschen Prämissen. Das zur Verantwortung ziehen von Menschen, die Fragwürdiges äußern, das Hinterfragen von Privilegien & Machtstrukturen, das Eindämmen von sektenhaften Handhabungen und begründete Einschränken der Meinungsfreiheit sind nicht per se verwerflich, sondern in der Regel der Gesellschaft enorm dienlich.”

5. “Es sind strukturelle Probleme”
(taz.de, Volkan Ağar)
Daniela Kraus ist Generalsekretärin des in Wien ansässigen Presseclubs Concordia, der sich für unabhängigen Journalismus und die Interessen von Journalistinnen und Jour­na­lis­ten einsetzt. Im ihrem Gespräch mit der “taz” geht es um die massiven strukturellen Probleme bei der Unabhängigkeit (beziehungsweise der Abhängigkeit) der österreichischen Medienlandschaft. So nutze die Regierung ihre Inseratenpolitik als Druckmittel gegenüber Medien. Die Boulevardmedien führen im Gegenzug Kampagnen, “die entweder Abstrafung dafür sind, dass sie nicht genug Werbung bekommen, oder eine Drohgeste, damit mehr kommt.”

6. Der SPIEGEL – die Lage am Morgen: Korrekturhinweis
(spiegel.de, Martin Knobbe)
Der “Spiegel” ist auf eine satirische CDU-Fake-Gruppe hereingefallen. In einem Korrekturhinweis schreibt der Leiter des “Spiegel”-Hauptstadtbüros Martin Knobbe: “Wir haben heute in der »Lage am Morgen« auf eine angekündigte Pressekonferenz eines »CDU-Zukunftsrates« hingewiesen. Wie das Konrad-Adenauer-Haus mitteilt, handelt es sich offenbar um eine Fake-Gruppierung, kreiert von Klimaschützern.”

Horse-Race-Journalismus, Feinde der Pressefreiheit, Schweinsteigers Uhr

1. RSF veröffentlicht neue Feinde der Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hat die aktuelle Liste mit den weltweit größten “Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit” veröffentlicht (PDF). Sie umfasst 37 Staats- und Regierungsoberhäupter, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern würden. Aus EU-Sicht besonders traurig: “Mit Viktor Orbán steht zum ersten Mal ein EU-Ministerpräsident auf der Liste, der seit seiner Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 Pluralismus und Unabhängigkeit der Medien in Ungarn angreift.”
Weiterer Lesehinweis: Orbán schaltet Anzeige in “Bild”: “Ungarns Regierung bezahlt für die Veröffentlichung politischer Vorschläge – zu einem interessanten Zeitpunkt.” (sueddeutsche.de, Dennis Müller)

2. Top, die Wette gilt
(taz.de, Kersten Augustin)
Kersten Augustin kritisiert in der “taz” den sogenannten Horse-Race-Journalismus, der Politik vor allem als Wettbewerb versteht. Ein aktuelles Beispiel dafür sei die Berichterstattung über Annalena Baerbock – das betreffe auch die Berichterstattung im eigenen Blatt: “Natürlich hat Baerbock im Wahlkampf politische und strategische Fehler gemacht, die Jour­na­lis­t:in­nen aufklären und kritisieren sollen. Aber Jour­na­lis­t:in­nen stehen nicht, um im Bild zu bleiben, auf der Tribüne einer Pferderennbahn, um für das Wettbüro die Quoten festzusetzen. Leser sind Wähler, keine Glücksspieler. Und Annalena Baerbock ist kein Rennpferd.”

3. Vergessen vom Presserat
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:57 Minuten)
Die kostenlos erhältliche Gesundheits-Postille “Apotheken Umschau” kommt auf eine beeindruckende Auflage von knapp acht Millionen Exemplaren monatlich. Laut Chefredakteur Dennis Ballwieser sehe man sich einerseits als Kundenmagazin, anderseits aber auch als unabhängiges journalistisches Produkt. Dann müsste dafür der Deutsche Presserat verantwortlich sein, eine Organisation von Verlags- und Journalistenverbänden. Der will davon jedoch nichts wissen und nimmt Beschwerden gegen das Schleichwerbung-gefährdete Magazin gar nicht erst an.

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4. Ausrangiert mit Ü-50: Wenn sich Fernsehsender von ihren Moderatorinnen trennen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Simone Standl, Moderatorin der WDR-“Lokalzeit”, wird nach 17 Jahren von einer (deutlich jüngeren) Kollegin abgelöst. Standl vermutet, dass ein Grund für den Rauswurf ihr Alter sei: “Wenn man sich in der Fernsehlandschaft umsieht, ist der Jugendwahn schon sichtbar. Vor allem wir Frauen sollen natürlich gute Leistung bringen – aber eben auch gut aussehen, jung, dynamisch und sportlich sein.”

5. Das Dilemma der Fernsehmagazine – und ein möglicher Ausweg
(uebermedien.de, Daniel Bouhs)
Daniel Bouhs erklärt, worin das Dilemma von Fernsehmagazinen wie “Monitor” für die ARD-Verantwortlichen unter anderem liegt: “Die Magazinform ist perfekt für das lineare Fernsehen geschaffen: Die Moderatorinnen und Moderatoren führen das Publikum nicht nur innerhalb der Sendung von Beitrag zu Beitrag; sie leiten auch zu den nachfolgenden Programmen wie den ‘Tagesthemen’ über. Alles im Sinne des ‘Audience Flow’, des Zuschauerstroms. Doch der hat in der neuen digitalen Welt in dieser Form keine große Bedeutung.”

6. ARD ermahnt Schweinsteiger nach Tweet mit Werbebotschaft
(spiegel.de)
Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger ist für die ARD als Fußball-Experte tätig. In einem der vergangenen EM-Spiele nutzte Schweinsteiger die Gunst der Stunde und setzte während der Halbzeitpause und ohne Wissen des Senders einen Werbetweet für eine Uhr ab, die auch während der Fernsehübertragung zu sehen war. Dafür gab es vom Sender nun eine “Ermahnung”.

KW 24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?
(ardaudiothek.de, Audio)
Wer wenig Zeit hat und nur eine Empfehlung von dieser Liste mitnehmen will: Hier ist sie! Die Produktion über die Verwandlung von Ken Jebsen vom aufstrebenden Radiomoderator zum berühmt-berüchtigten Verschwörungsideologen ist großartig umgesetzt. Die Macherinnen und Macher haben mit vielen Zeitzeugen gesprochen und sind erkennbar bemüht, ein möglichst facettenreiches Bild von der Person Jebsen zu zeichnen (jedenfalls in den ersten zwei bislang abrufbaren Folgen). Absoluter Hörtipp!

2. Verdacht: Kritische Artikel gegen Spenden gelöscht
(youtube.com, Zapp – Das Medienmagazin, Video: 9:20 Minuten)
Arndt Ginzel berichtet für das Medienmagazin “Zapp” über einen äußerst bemerkenswerten Fall: Ein Finanzjournalist soll Leuten, deren Produkte in seinen bewertenden Artikeln schlecht wegkommen, das Löschen der für sie nachteiligen Beiträge anbieten – gegen eine Spende an die Leipziger Tafel. Was sagen die Tafel-Verantwortlichen dazu? Was sagt der Deutsche Journalisten-Verband zu dem Fall? Und was ist strafrechtlich von der Sache zu halten?

3. Kanzlerduell auf YouTube mit REZO?
(youtube.com, Rezo, Video: 14:36 Minuten)
Die Youtuber Rezo und Tilo Jung wollten gemeinsam ein Online-Kanzlerduell organisieren und hatten dafür nach eigenen Aussagen bereits Unterstützungszusagen von Youtube und “Zeit Online” als technische Dienstleister beziehungsweise Ausrichter. Von Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) sei ebenfalls grünes Licht für die Veranstaltung gegeben worden, von Armin Laschet (CDU) sei hingegen eine Absage gekommen. Im Video erzählt Rezo den “Verhandlungsverlauf” zwischen den Beteiligten nach.

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4. Buchvorstellung: Influencer – Die Ideologie der Werbekörper
(youtube.com, AStA der Universität Bonn, Video: 1:55:50 Stunden)
Wolfgang M. Schmitt rechnet in seinem Buch “Influencer: Ideologie der Werbekörper” (Co-Autor: Ole Nymoen) mit – der Titel verrät es schon – dem Geschäftsmodell der Influencer ab. Auf Einladung des AStA der Universität Bonn stellt Schmitt sein Buch vor und analysiert die Ökonomie und Ideologie der Influencer.

5. Neue Boulevardmedien und parteiische Medien: Diskussion der Initiative Qualität im Journalismus
(youtube.com, IQ Journalismus, Video: 1:32:49 Stunden)
Die Initiative Qualität im Journalismus hat einen Livetalk über “Neue Boulevardmedien und parteiische Medien” veranstaltet. Es geht dabei um die Fragen: Was bedeutet Aktivismus für den Qualitätsjournalismus? Was bedeuten die Entwicklungen am Medienmarkt für den Qualitätsjournalismus? Und was verändert sich dadurch im Journalismus? Es diskutieren Alexandra Föderl-Schmid (stellvertretende Chefredakteurin der “Süddeutschen Zeitung”), Michael Roither (Professor für Digitale Medien und Kommunikation), Thomas Walach (Chefredakteur “ZackZack”) und Ivo Mijnssen (Korrespondent Zentral- und Osteuropa für die “NZZ”).

6. “Ein Sumpf aus systemischer Korruption”
(falter.at, Video: 41:31 Minuten)
Florian Klenk, Chefredakteur des österreichischen “Falter”, hat sich mit dem ehemaligen “Krone”-Ressortleiter Thomas Krems unterhalten. Wie funktioniert Österreichs auflagenstärkstes Boulevardblatt? Und wie schafft es Bundeskanzler Sebastian Kurz, das Blatt für sich einzuspannen? Krems packt in gnadenloser Offenheit aus und erzählt von seinen ersten Begegnungen mit dem heutigen Bundeskanzler, der Macht der Verlegerfamilie Dichand sowie der “Inseratenkorruption” in Österreich.

Spahns Pressearbeit, “KenFM” und die Sorgfalt, Gottschalk gibt auf

1. So verschafft sich Spahn gute Nachrichten über sich selbst
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Jost Müller-Neuhof macht Jens Spahn im “Tagesspiegel” schwere Vorwürfe. Der Bundesgesundheitsminister und dessen Sprecher würden die Medien nicht informieren, sondern dirigieren. Wer kritisiert, werde ausgeschlossen: “Jens Spahn ist nicht der einzige Minister, der sich auf diese Weise Kritik erspart. Aber er gilt als einer, der ‘bestimmte Kanäle’ in die Öffentlichkeit besonders intensiv nutzen lässt, um dort in gutem Licht zu erscheinen. Wer keinen Zugang zu diesen Kanälen hat, ist vom Informationsfluss abgeschnitten. Spahn und sein Pressesprecher Hanno Kautz kommunizieren nur, wenn sie kommunizieren wollen.”

2. Dein Freund und Berichterstatter
(sueddeutsche.de, Claudia Henzler)
Die Polizei Baden-Württembergs hat sich selbst einen “Pressekodex” auferlegt, in dem Grundsätze für die eigene Berichterstattung und die Zusammenarbeit mit den Medien festgelegt sind. Der Deutsche Presserat hält die publizistischen Leitsätze für sinnvoll. “Wir finden es grundsätzlich gut, wenn sich die Polizei transparente Regeln für die Öffentlichkeitsarbeit gibt”, sagt Presserats-Sprecher Sascha Borowski: “Wichtig für uns ist, dass die Polizei auf Nachfrage von Journalisten die Herkunft von Tatverdächtigen nennt und die Entscheidung damit bei der Reaktion bleibt, ob sie die Herkunft für relevant hält oder nicht.” Woran man sich jedoch störe, sei die Bezeichnung “Pressekodex”. So heißt schließlich auch die freiwillige Selbstverpflichtung von Verlagen und Medienschaffenden des Presserats.

3. “Wissenschaft ist keine Demokratie”
(zeit.de, Linda Tutmann)
Die Wissenschaftsjournalistin und Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim gehört vor allem bei jungen Leuten zu den beliebtesten Journalistinnen in Deutschland. Mehr als eine Million Personen haben ihren Youtbe-Kanal “maiLab” abonniert. Im Interview mit “Zeit Online” spricht sie über Wissensvermittlung, Meinungsfreiheit, Medienkompetenz, Hass im Netz und ihre persönliche Bedrohungslage: “Ich gehe nirgendwo mehr hin, ohne persönliche Security.”

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4. Verfahren gegen “KenFM”
(blog.wdr.de, Christopher Ophoven)
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat ein Verfahren gegen “KenFM” von Ken Jebsen eingeleitet. Es geht dabei um Verstöße gegen die “journalistische Sorgfaltspflicht” – doch was ist darunter eigentlich zu verstehen? Christopher Ophoven ist der Frage nachgegangen und erklärt die Zusammenhänge. Unterdessen hat Jebsen öffentlich angekündigt, Deutschland zu verlassen. Er wolle in ein anderes Land umziehen, “wo man uns in Ruhe arbeiten lässt”.

5. Wie wir den gedruckten SPIEGEL dezent neu gedacht haben
(devspiegel.medium.com, Creative Direction)
Die Kreativdirektion des “Spiegel” hat das Design der Printausgabe überarbeitet. Im Entwicklerblog werden die wichtigsten Änderungen vorgestellt, die man “eher als Evolution denn als Revolution” verstanden wissen wolle. So sind die Änderungen oftmals nur marginal, dennoch ist es interessant zu lesen, was sich die Fachleute dabei gedacht haben.

6. Wie die Klatschpresse dafür sorgte, dass Gottschalk seinen Podcast im SWR aufgibt
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Thomas Gottschalk beendet seinen SWR-Podcast “Podschalk”. Und das hat dem Moderator zufolge mit der Klatschpresse zu tun, die sich aus isolierten Zitaten regelmäßig neue Geschichten zusammenfabuliert: “Das Problem ist, dass unser kleiner Podcast zu einer Zitatenquelle für Menschen wurde, denen ich diese Zitate einfach so nicht gegeben hätte. Und irgendwelche Redakteurinnen irgendwelcher Frauenzeitungen, die man nicht als Redakteurinnen bezeichnen kann, weil sie sich irgendwelchen Dreck unter der Türspalte durch zusammenkehren, das ist etwas, wo ich einfach sage: Nee.”

7. »All das fühlte sich wie ein ganz mieser Film an«
(spiegel.de, Kevin Kühnert)
In eigener Sache und deshalb als zusätzlicher Link: Morgen erscheint das Buch “Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet” von unseren BILDblog-Autoren Mats Schönauer und Moritz Tschermak. Kevin Kühnert hat dafür ein Nachwort mit irren Einblicken geschrieben: “Meine erste Titelgeschichte in der »Bild« hatte ich mir anders vorgestellt.” Kühnerts Text ist vorab beim “Spiegel” zu lesen, das ganze Buch bekommt ihr ab dem 11. Mai im Buchladen um die Ecke oder jetzt schon beim Onlineversender eurer Wahl. Tipp des “6 vor 9”-Kurators: Am besten noch heute bestellen – der KiWi-Verlag hat bereits vor Erscheinen eine zweite Auflage hinterhergeschoben.

#allesquerdenken?, Kügelchen-Alarm, Gesetz gegen Terrorinhalte

1. Eine Spur führt ins Querdenker-Milieu
(tagesspiegel.de, Andreas Busche & Hannes Soltau & Julius Geiler & Matthias Dell)
Unter dem Schlagwort #allesdichtmachen hatten ursprünglich mehr als 50 Schauspielerinnen und Schauspieler nach eigener Ansicht satirische Videos ins Netz gestellt, in denen sie wohl durch polemische Überzeichnung die staatliche Corona-Politik kritisieren wollten. Der “Tagesspiegel” ist dem Rätsel nachgegangen, von wem diese Aktion ausging und wer sie womöglich orchestriert hat: “Auch wenn es anfangs wie eine dezentrale Bewegung aussah: #allesdichtmachen hatte einen Kopf. Und sie war professionell geplant. Das ergibt eine Spurensuche, eine Woche nachdem die Aktion online ging. Dabei tauchen immer neue Unstimmigkeiten auf.”

2. Die Rolle der Medien im Fall Metzelder
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Andrea Titz & Sebastian Wellendorf, Audio: 6:54 Minuten)
Wie sollten Redaktionen über laufende Prozesse berichten? Was darf die Öffentlichkeit erfahren? Worin liegen die Gefahren und Risiken der Verdachtsberichterstattung? All diese Fragen konnte man sich auch in Zusammenhang mit dem Prozess gegen den ehemaligen Fußballer Christoph Metzelder (der mittlerweile zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde) stellen. Es tut sich ein Spannungsfeld auf: Auf der einen Seite Medien, die an aufsehenerregenden Informationen interessiert sind, auf der anderen Seite gelegentlich Rechtsanwälte, die für ihre Mandanten als eine Art Pressesprecher auftreten (“Litigation-PR”).

3. Wenn aus Fakten “Vorurteile” werden
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
“Leben & Erziehen” versteht sich als Elternmagazin, da dürfen Beiträge zur Gesundheit natürlich nicht fehlen. In der neuesten Ausgabe wurde ein Aufklärungsbeitrag zum Thema Homöopathie versprochen: “Kügelchen-Alarm. Zehn Homöopathie Vorurteile im Check”. Die Redaktion hatte sieben Expertinnen und Experten gebeten, um über die “Vorurteile” gegenüber der Homöopathie aufzuklären. Das Problem: Sieben davon sind Homöopath*innen. Kritische Einordnung? Fehlanzeige! Jürn Kruse hat Personen befragt, die sich mit dem Thema auskennen und ihm weniger positiv gegenüberstehen.

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4. #allesdichtmachen vs. #NoCovid im Medienecho – wir haben nur noch Boulevard
(scilogs.spektrum.de, Markus Pössel)
Markus Pössel hat eine Medienauswertung zu den beiden Themen #allesdichtmachen und #NoCovid vorgenommen. Es ging also einerseits um die Protestaktion der Schauspielerinnen und Schauspieler gegen die Corona-Maßnahmen und andererseits um die Strategie der konsequent niedrig gehaltenen Infektionszahlen. Pössels Eindruck: “So karg und steril die Berichte über die NoCovid-Strategie, so fetzig die Beiträge zu #allesdichtmachen. Bei diesem Thema überschlagen sich Süddeutsche, Spiegel und FAZ wie die sensationsgeilsten Boulevardblätter. Ein Thema mit vergleichsweise wenig Substanz, aber einer gehörigen Ladung A- und B-Promis, überzogener Kritik und Empörung, das zudem in das Cancel-Culture-oder-Meinungsfreiheit-Schema passt, wird mit allen Regeln der Kunst gemolken.”

5. Umstrittenes EU-Gesetz gegen Terrorinhalte beschlossen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Gestern wurde die EU-Verordnung zur “Verhinderung der Verbreitung terroristischer Inhalte im Internet” verabschiedet. Zuvor hatten mehr als 60 Journalismus- und Menschenrechtsorganisationen ihre Besorgnis über die Auswirkungen dieser Verordnung auf die Presse- und Meinungsfreiheit in einem Offenen Brief (PDF) zum Ausdruck gebracht. Christian Mihr, Geschäftführer von Reporter ohne Grenzen: “Die Verordnung setzt Medienschaffende einem nicht gerechtfertigten Risiko politischer Zensur aus. Rechtsstaatliche Mindeststandards auszuhebeln, um schneller gegen illegale Inhalte im Netz vorgehen zu können, ist der falsche Weg.”

6. Landlust-Gründerin Ute Frieling-Huchzermeyer: »Erfolg entsteht durch die unterschiedlichen Fähigkeiten verschiedener Menschen«
(meisterstunde.de, Peter Wagner)
Das Magazin “Landlust” ist vielleicht eine der überraschendsten Print-Erfolge der vergangenen Jahrzehnte. Ein landwirtschaftlicher Fachverlag, der sonst nur für Special-Interest-Titel wie “top agrar” steht, versucht sich an einer Lifestyle-Publikumszeitschrift und verkauft davon auch heute noch rund 900.000 Exemplare je Ausgabe. Ute Frieling-Huchzermeyer stand dem Magazin bis 2020 als Chefredakteurin vor. Im Gespräch mit Peter Wagner geht es unter anderem um die Gründe für den Erfolg, die Wünsche der Leserschaft und die Wichtigkeit von Gipsengeln.

Amanis beste Instanz, Gegenrede zum Coming-Out-Verriss, Reddit

1. »Wir müssen ran, sonst machen es andere für uns«
(spiegel.de, Arno Frank)
Was der WDR nach seiner vielfach kritisierten Ausgabe von “Die letzte Instanz” hätte machen sollen, hat nun die Unterhaltungskünstlerin Enissa Amani auf eigene Initiative und Rechnung übernommen: Einen Talk mit von Rassismus betroffenen Menschen. Arno Frank kommentiert: “Sollte ein so gigantischer Apparat wie der WDR wirklich nicht in der Lage gewesen sein, kurzfristig ein vergleichbares Format auf die Beine zu stellen? Schlimm wäre, fehlte ihm dazu die Fähigkeit. Schlimmer wäre, fehlte ihm dazu der Willen. Und wenn die öffentlich-rechtlichen Räume verschlossen oder zu eng sind, weicht die gesellschaftsrelevante Zielgruppe eben in »safe spaces« aus.”

2. Coming-out-Verriss in der “FAZ”: Gegenrede auf Sandra Kegel
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” berichtete am Freitag (nur mit Abo lesbar) über ein gesammeltes Coming-out von Schauspielern und Schauspielerinnen, die in einem Manifest mehr Sichtbarkeit und Repräsentanz queerer Darstellerinnen und Darsteller sowie queerer Themen und Geschichten in Film, Fernsehen und Theatern fordern. Die Feuilleton-Chefin der “FAZ” hat für die Aktion nicht viel übrig und spricht vom “Kalkül im Ringen um Aufmerksamkeit bei Verkennung der Verhältnisse”. Der Artikel habe in und außerhalb der Community für Entsetzen gesorgt, schreibt Johannes Kram und antwortet mit einer “Gegenrede”.

3. Experten (IV)
(noemix.wordpress.com, Michael Nöhrig)
In der auflagenstärksten Wochenzeitschrift Österreichs “Die Woche” (280.000 verkaufte Exemplare) wird in einem Beitrag die “Sinnhaftigkeit” von FFP2-Masken bezweifelt. Dabei stützt man sich auf das Urteil vermeintlicher Experten. Michael Nöhrig hat sich angeschaut, von wem das vernichtende Expertenurteil stammt.

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4. Streik bei Euronews
(sueddeutsche.de)
Beim europäischen Nachrichtensender Euronews haben nach Angaben des Senders 50 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Der Streik richte sich nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbands gegen “miserable Arbeitsbedingungen und ständig wachsende Anforderungen der Geschäftsleitung an die Beschäftigten ohne zusätzliche Bezahlung”. Außerdem würden die Streikenden unzureichende Corona-Schutzmaßnahmen in der Redaktion beklagen.

5. Twitter erzielt Rekordumsatz dank Werbeboom
(meedia.de, Nils Jakobsen)
Twitter ist im letzten Quartal des Jahres 2020 deutlich gewachsen. Der Kurznachrichtendienst hat insgesamt ein Unmsatz-Plus von 28 Prozent eingefahren, die Werbeerlöse stiegen um 31 Prozent. Auch beim Gewinn habe man zugelegt: “In den letzten 92 Tagen 2020 verdiente Twitter netto nunmehr 222 Millionen Dollar – ein Plus von knapp 12 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr, als noch 199 Millionen Dollar eingefahren wurden.”

6. Das kann nur Reddit: Wenn der Internet-Stammtisch einen Börsen-Coup organisiert
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Die Online-Plattform Reddit wird oft als letzter großer Stammtisch des Internets bezeichnet. Sie war jüngst Ausgangspunkt eine der kuriosesten Finanzentwicklungen der vergangenen Jahre: User hatten sich verabredet, massenhaft in Aktien des angeschlagenen Videospiele-Händlers Gamestop zu investieren, worauf der Kurs explodierte.

Kollektives Lockdownjammern, Visual Investigation, Klagen gegen Fox

1. Die Pandemie wär halb so wild, gäb es bloß den Lockdown nicht
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nachdem die Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen mit einem Instagram-Statement zu Corona viel Aufmerksamkeit (und Kritik) erhalten hatte, spendierte ihr der Sender eine Sondersendung: “Marlene Lufen: Deutschland im Lockdown”. “DWDL”-Chef Thomas Lückerath hat sich die Sendung angeschaut, die er bereits jetzt für eine “überzeugende Bewerbung für den Tiefpunkt des Jahres” hält: “So empathisch Gastgeberin Lufen auch ist – mit dieser Sendung hat sie leider nicht versöhnt, sondern gespalten.”
Weiterer Lesehinweis: Zu einem ähnlichen Urteil kommt Matthias Schwarzer, der von einem “kollektiven Lockdownjammern ohne Ergebnis” spricht (rnd.de).

2. Sechs Videos sind eine Explosion
(sueddeutsche.de, Jörg Häntzschel)
Mittels Visual Investigation beziehungsweise Open Source Investigation werten ganze Teams von Rechercheuren Fotos und Handyaufnahmen aus, um Abläufe zu rekonstruieren – sei es einen Giftgasangriff in Syrien, die Explosion im Hafen von Beirut oder den Sturm aufs Capitol. Jörg Häntzschel wirft einen Blick auf dieses spannende Thema, bei dem Journalistinnen und Journalisten zu Ermittlerinnen und Ermittlern werden.

3. Europas Werk und Googles Beitrag
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Der Journalismus ist weiterhin in der Krise, trotz coronabedingt steigender Klick- und Abozahlen. Die Onlinezuwächse können oft nicht das ausgleichen, was im Print durch wegbrechende Auflagen und Werbeeinnahmen entfällt. Nun wolle die EU den Journalismus mit Finanzspritzen aufpäppeln und den digitalen Werbemarkt neu regeln. Die Digital-Lobby ist davon erwartungsgemäß wenig angetan.

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4. Klagen gegen Fox
(verdi.de, Max Böhnel)
Dem US-amerikanischen Nachrichtensender Fox News steht eine gigantische Schadensersatzklage ins Haus. Das US-Unternehmen Smartmatic, das Wahlcomputer und Stimmauswertungssysteme herstellt, besteht auf eine Zahlung von 2,7 Milliarden Dollar. Und auch sonst stünden dem Sender schwierige Zeiten bevor: Der einstmals große Fan Donald Trump hatte sich bereits vor einiger Zeit von seinem langjährigen Haussender abgewandt und seiner Anhängerschaft die Konkurrenten NewsMax und OAN empfohlen.

5. Journalismus&Netz | Januar Edition: In da Club
(blog.torial.com, Alex Sängerlaub & Simon Hurtz)
Simon Hurtz und Alex Sängerlaub haben sich auf die Netzsuche gemacht und die wichtigsten Erkenntnisse des vergangenen Monats zusammengetragen: Welche Themen haben die Medien besonders beschäftigt? Was hat sich in der Medienpolitik getan? Und was sollte man unbedingt lesen?

6. Spannend, wie sich dieses Gespräch entwickelt.
(twitter.com, Übermedien, Video: 1:35 Minuten)
“Deutschland erlebt heftigen Winter-Sonntag” – und mittendrin eine “Bild-TV”-Moderatorin sowie Jean Pütz, pardon, “die Moderatorenlegende Jean Pütt”. Anderthalb Minuten (unfreiwillige) Comedy.
Weiterer vergnüglicher Gucktipp: “#Flockdown! Winterchaos! Schneekatastrophe!” (twitter.com, Extra 3, Video: 1:33 Minuten).

“taz” überholt “Welt”, Jauch siegt im Clickbait-Prozess, Intendanten-Talk

1. Zeitungs-Auflagen: “Zeit” wächst massiv mit Print und Digital, “taz” überholt “Welt”
(meedia.de, Jens Schröder)
Die aktuellen IVW-Auflagenzahlen haben spektakuläre Ausschläge: Die Wochenzeitung “Zeit” konnte gegen den allgemeinen Abwärtstrend 15 Prozent hinzugewinnen. “Bild” verlor erneut und hat nunmehr die schlechtesten Zahlen seit 1953. Besonders dramatisch fällt das Auflagenminus bei der Tageszeitung “Welt” aus. Dort musste man einen Rückgang von 37 Prozent hinnehmen: “Hier spielt zwar auch die Einstellung der ‘Welt kompakt’ eine Rolle, aber vermutlich nicht die einzige Rolle. Mit nur noch 41.661 Abos und Einzelverkäufen fällt die ‘Welt’ diesmal sogar hinter die ‘taz’ zurück, die dank gesteigerter E-Paper-Abos 1,2% hinzu gewann”, schreibt Jens Schröder.

2. Neues Urheberrecht – Entrechtung oder Befreiungsschlag?
(zeit.de, Heinrich Wefing & Uwe Jean Heuser)
Der “FAZ”-Herausgeber Carsten Knop und der Youtuber Rezo haben sich zum Streitgespräch über die EU-Urheberrechtsreform getroffen, die noch in nationales Recht umgesetzt werden muss. Lesenswert, auch wegen Rezos Direkte-Ansage-Rhetorik: “Du schmeißt ohne Belege mit dicken Kloppern wie ‘Enteignung’ oder ‘Zwangskollektivierung’ durch die Gegend, obwohl Rechte gegenüber heute gestärkt werden.”

3. “Stern” verliert ein Stück Autonomie
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 3:30 Minuten)
Zukünftig muss der “Stern” ohne eigenes Politik- und Wirtschaftsressort auskommen. Das Verlagshaus Gruner und Jahr hat eine Zentralredaktion eingerichtet, die “Stern”, “Capital” und “Business Punk” mit Inhalten beliefert. Der Journalistik-Professor Frank Lobigs erwartet weitere derartige Konzentrationen: “Das ist der Startschuss dazu, dass man zentrale Themenredaktionen auch in nächster Zeit dann sehen wird bei Gruner und Jahr.”

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4. Großes zu verkünden
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der scheidende Intendant des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm hat sich vom eigenen Sender interviewen lassen und musste dabei keine allzu kritischen Fragen befürchten. Ein Beispiel: “Sie haben ja die größte Reform in der Geschichte des Bayerischen Rundfunks angestoßen. Wenn Sie jetzt nach zehn Jahren Bilanz ziehen: Wie erfolgreich waren Sie mit Ihren Mitarbeitern und was hat es Bayern gebracht?” Steffen Grimberg kommentiert: “Ulrich Wilhelm ist ein guter Redner und Überzeuger. Einer, der eigentlich geeignet wäre, das sperrige öffentlich-rechtliche System glaubwürdig rüberzubringen. Dass er so etwas kann, hat er als Regierungssprecher von Angela Merkel bewiesen. Als Intendant und ARD-Vorsitzender hat er das kaum gemacht.”

5. Twitter sperrt chinesische Botschaft in den USA
(spiegel.de)
Twitter hat den Account der chinesischen Botschaft in den USA wegen eines Tweets zum Umgang mit der Minderheit der Uiguren gesperrt. In dem Tweet habe gestanden, uigurische Frauen seien nicht länger “Gebärmaschinen” (“baby making machines”). Für ein besseres Verständnis der Sachlage lohnt ein “Spiegel”-Artikel über vermutete Zwangssterilisierungen in China: “Die chinesische Staatspartei KP unterhält in der Region Xinjiang Internierungslager für die muslimische Minderheit der Uiguren. Dort werden Frauen offenbar zur Sterilisierung und sogar zur Abtreibung gezwungen.” (spiegel.de, Bernhard Zand)

6. Günther Jauch siegt im Clickbait-Prozess gegen “TV Movie”
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Rechtsstreit zwischen Günter Jauch und der “TV Movie” dem Fernsehmoderator Recht gegeben. Jauch ist gegen die Programmzeitschrift der Bauer Media Group vorgegangen, weil diese sein Bild für ein geschmackloses Clickbait-Posting (“Krebserkrankung”) auf Facebook verwendet hatte. Ein Landgericht hatte Jauch daraufhin 20.000 Euro zugesprochen, was nun vom BGH bestätigt wurde.

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