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Riepl, Ronaldo, Teenie-Blogger

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Rieplsche Fata Morgana”
(handelsblatt6.blogg.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer analysiert die Liebe vieler Medienmenschen zum “Rieplschen Gesetz” und meint: “Wenn Herr Riepls Dissertation der Rettungsring der Medienhäuser ist, dann ist die Empfehlung, einen Schwimmkurs zu belegen, nicht die schlechteste.”

2. “Warum Kassieren online so schwierig ist”
(spiegel.de, Christian Stöcker)
“Google hat US-Zeitungsverlegern ein System vorgeschlagen, mit dem man für Journalismus im Internet Geld einziehen könnte. Solche Systeme gibt es längst, durchgesetzt haben sie sich aber nie. Reicht die Macht der Suchmaschinisten, auch das Bezahlen im Netz zu revolutionieren?”

3. “Die kommende Blogger-Elite”
(freitag.de, John Crace)
John Crace vom “Guardian” porträtiert Teenie-Blogger (hier im Original).

4. “Mutprobe Nr. 6: Zu Besuch in der Redaktion”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Axel Hacke)
Axel Hacke zieht eine verwegene Mutprobe durch – er besucht die Redaktion der “Süddeutschen Zeitung”.

5. “Der öffentliche Babybauch”
(zeit.de, Ursula März)
In der Rubrik “Gesellschaftskritik” stellt Ursula März prominente Schwangere in Frage, die “ihr wachsendes Bäuchlein in allen Stadien in die Kameras halten”. Denn: “Was sagt eigentlich das Kind zu einem solchen Foto?”

6. ZDF blendet Ronaldo statt Cristiano Ronaldo ein
(youtube.com, Video, 2:32 Minuten)
Fußball: Das ZDF illustriert einen Bericht über Cristiano Ronaldo mit Ronaldo.

Gaul, Sarkozy, Wash Echte

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. Interview mit Richard Gaul
(zeit.de, Jonas Viering)
Der Vorsitzende des Wächterrats für die PR-Branche, Richard Gaul, hält nichts von Täuschungen und Schummeleien: “Wird der Qualitätsjournalismus als Wächter geschwächt, so ist der Unwahrheit, der Manipulation bis hin zur Lüge, Tür und Tor geöffnet. Kurzfristig könnte da ein Konzern mit seiner geballten Kommunikationsmacht profitieren, aber auf Dauer wäre er verdammt angreifbar.”

2. “Neues vom sehr kleinen Nic”
(faz.net, Jürg Altwegg)
Zur Bilderpolitik des französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy: “Sarkozy werden nur Arbeiter zur Seite gestellt, die ihn an Körpergröße nicht überragen: Tage im voraus hatte man die Statisten ausgewählt. Auch in Zweigstellen der Firma. Sie wurden speziell zum Besuch gefahren. Mit einem naiven ‘Ja’ beantwortet eine leicht verlegene Fabrikarbeiterin die Frage des Korrespondenten, ob sie auf Grund ihrer Körpergröße ausgewählt worden sei.”

3. “Für mehr Harmonie zwischen Print- und Online-Medien”
(nzz.ch, Nico Luchsinger)
Nico Luchsinger kritisiert in einem Blogeintrag, dass das Internet (auch im eigenen Haus) von vielen als Bedrohung für das gedruckte Wort gesehen wird: “So lange das Internet hauptsächlich als Gefahr wahrgenommen wird, dominieren Abwehrstrategien – und die sind selten zukunftsträchtig.”

4. “the internet is for free”
(pudri.blogspot.com, Mary Scherpe)
“Vor einem Jahr hat die mittlerweile schon wieder eingestellte Zeitschrift ‘Young’ des Burda Verlags NEUN meiner Stil in Berlin Bilder für eine siebenseitige Story verwendet. Ohne Erlaubnis. Ohne Credit. Ohne Honorar.”

5. “Keeping up with the news”
(ichwerdeeinberliner.com, Wash Echte, englisch)
Ein lesenswerter Beitrag des in Berlin lebenden Wash Echte (mehr hier) über den Medienkonsum der Deutschen: “Spiegel Online” werde “religiously” besucht, oft mehrmals die Stunde. Zu “Bild” notiert er: “Being caught reading Bild or worse, citing from it in public means irreversible instant social death in Germany.”

6. “Die Angst des Moderators im Erklärraum”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
“Für die ‘heute’-Sendung um 19 Uhr wird um 18 Uhr 30, für das ‘heute-journal’ um 21 Uhr 45 um 21 Uhr aufgezeichnet. Damit der Zuschauer nicht irritiert wird, gehen die Moderatorinnen und Moderatoren perfekt geschminkt und genau so gekleidet zur Aufzeichnung, wie sie dann in der Sendung auftreten werden.”

Schöner Werben ohne Kennzeichnung

Vor zweieinhalb Monaten hat der “Spiegel” erklärt, in Zukunft keine Anzeigen mehr zu akzeptieren, die redaktionelle Inhalte des Magazins imitieren — obwohl die Werbeindustrie ein großes Interesse daran habe und viel Geld dafür biete.

Die Online-Kollegen sehen das nicht so eng mit der Trennung von Werbung und Redaktion. Auch nach seinem gestrigen Relaunch verkauft “Spiegel Online” ungekennzeichnete Anzeigen in der Menuleiste. Im Wissenschafts-Ressort sieht das zum Beispiel so aus:

Hinter dem Menupunkt “Wissenschaftszug” verbirgt sich nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, ein redaktionelles Themen-Special, sondern eine Anzeige der Firma Siemens.

Ähnlich sieht es in vielen anderen Ressorts aus:

Die “Volkswagen News” kommen sozusagen direkt von der Quelle, und auch hinter “Flug & Hotel” verbergen sich keine Inhalte von “Spiegel Online”, schon gar keine redaktionellen, sondern ein Buchungs- und Werbeportal der Fluggesellschaft Air Berlin. Unten auf der entsprechenden Seite distanziert sich “Spiegel Online” dann von den Inhalten, auf die man die Leser gelockt hat, als wären es die eigenen:

SPIEGEL ONLINE ist weder für den Inhalt der Anzeige noch für ggf. angebotene Produkte verantwortlich.

Diese Praxis verstößt möglicherweise nicht nur gegen den Pressekodex, sondern auch gegen das Gesetz. Das Kammergericht Berlin urteilte vor drei Jahren relativ unmissverständlich:

Ein Link, der aus einem redaktionellen Zusammenhang auf eine Werbeseite führt, muss so gestaltet sein, dass dem Nutzer erkennbar ist, dass auf eine Werbeseite verwiesen wird. Fehlt es daran, liegt ein Verstoß gegen den Trennungsgrundsatz vor.

Bei Bild.de und sueddeutsche.de verraten solche redaktionell wirkende Werbelinks seit einiger Zeit zumindest dann ihren wahren Charakter, wenn man mit der Maus darüber fährt:


Für “Spiegel Online” scheint selbst diese Minimal-Kennzeichnung schon zu viel der Transparenz zu sein.

Nachtrag, 21. August. Auch bei “Spiegel Online” erscheint jetzt das Wort “ANZEIGE”, wenn man mit der Maus über den entsprechenden Menupunkt fährt.

Jungtürken, Auftragsmorde, Precht

1. Klassenkampf zwischen “Jungtürken” und “neutralen Vermittlern”

(nzz.ch, Stephan Weichert und Christian Zabel)

Kämpfe zwischen “Profi-Journalisten und bloggenden Amateuren” erschöpfen sich “längst nicht mehr in blossen rhetorischen Scharmützeln”: “Sie markieren vielmehr den Beginn eines publizistischen Klassenkampfs um die Vormachtstellung in der Öffentlichkeit, der seinen Höhepunkt noch nicht erlebt hat.”

2. Interview mit Richard David Precht

(merkur.de, Dieter Anschlag)

Richard David Precht mag Kulturmagazine am Fernsehen nicht. Er möchte, dass mit dem Thema Kultur selbstverständlicher umgegangen wird und nicht “mit spitzem Mund, mit dünkelhaftem Gesichtsausdruck und in einer Designerkulisse” vorgetragen wird: “Es ist unglaublich kleinbürgerlich, eine solche Designerattitüde an den Tag zu legen, wenn es um die Präsentation von Kultur geht.”

3. “Der gute Sarkozy”

(fr-online.de, Rudolf Walther)

Laurent Joffrin, Chef der Libération, greift die Nachrichtenagentur AFP an: “Wenn Libération schreibt, die Erde sei rund und der Elysée-Palast verkündet, sie sei flach, würde AFP zunächst das Dementi aus dem Elysée-Palast veröffentlichen oder beide Meldungen gleichwertig behandeln, ohne Stellung zu nehmen, oder – im besten Fall – mitteilen, die Wahrheit liege in der Mitte”.

4. “Der gläserne Journalist”

(taz.de, Felix Lee)

“Sicherheitsüberprüfungen haben auch bei Journalisten seit 2001 zugenommen. Wie streng sie ausfallen, ist unterschiedlich und willkürlich.”

5. “Auftragsmorde für eine bessere Quote?”

(tagesschau.de, Gottfried Stein)

“Die brasilianischen Behörden werfen einem populären Fernsehmoderator vor, für seine Sendung Morde in Auftrag gegeben zu haben.”

6. Interview mit Michael Münzing und Luca Anzilotti

(sz-magazin.sueddeutsche.de, Kerstin Greiner)

“Mit ihrem Hit The Power landete die Popgruppe SNAP! vor 20 Jahren einen Welthit. Was sie damals noch nicht ahnten: Heute ist ihr Stück der Lieblingssong der Werbeindustrie.”

Blogcharts, Lobbyismus, Photoshop

1. Michael Konken sieht inexistente Werbung auf Google News

(netzwertig.com, Marcel Weiss)

Die Frankfurter Allgemeine veröffentlicht einen Artikel des DJV-Vorsitzenden Michael Konken, der darin fälschlicherweise behauptet, das bisher werbefreie Angebot Google News übernehme “einen wichtigen Teil des Anzeigengeschäfts” der Verlage: “Es ist bezeichnend für den deutschen selbsternannten ‘Qualitätsjournalismus’, dass ein Vorsitzender eines Journalistenverbandes eine solche offensichtlich falsche Behauptung in einem Artikel in einem Qualitätsmedium wie der FAZ veröffentlichen kann, ohne dass ihm selbst oder den zuständigen Redakteuren das in irgendeiner Form peinlich zu sein scheint. Solang es um Lobbyismus in eigener Sache geht, zählt die Wahrheit anscheinend keinen Deut mehr.”

2. “Die Zeitung ist sterbenskrank. Traurig oder egal?”

(falter.at, Matthias G. Bernold)

Auch der Falter glaubt, an der Anzeigenmisere der alten Medien sei ausschliesslich das “Internet” schuld: “Dass die Zeitungshäuser heute weltweit in der Krise stecken, ist eine direkte Folge des Internet. (…) Außerdem müssen Zeitungen im Netz gegen Platzhirsche wie Google, Yahoo, Microsoft und Millionen von Blogs antreten. Letztere waren in der Vergangenheit vor allem dafür bekannt, Nachrichten abzuschreiben und schmarotzend wiederzuverwerten.”

3. “technorati ist tot, die blogcharts leben”

(deutscheblogcharts.de/blog, Jens)

Die Deutschen Blogcharts basieren per sofort nicht mehr auf Technorati, sondern auf Icerocket.

4. “Was erlauben Strunz?”

(blogmedien.de)

“Wie sich eine Pressemitteilung des Marktforschungsunternehmens ‘The Nielsen Company’ per Copy and Paste bei ‘abendblatt.de’ in einen redaktionellen Beitrag verwandelte.”

5. “Hoppla, Saxe nach OP stark verändert”

(hl-live.de)

“Der Fahrradsturz von Bürgermeister Bernd Saxe am Sonntag war auch der BILD-Zeitung einen Bericht wert. Erstaunlich ist nur die Bebilderung: Der Verwaltungschef scheint sich durch die Operation an der Schulter doch stark verändert zu haben.”

6. Photoshop-Covers

(latimes.com, Jeannine Stein)

Scott Kelby, Präsident der NAPP (National Association of Photoshop Professionals), sagt: “My belief is that every single major magazine cover is retouched. I don’t know how they couldn’t be.”

Ossis, Pressemitteilungen, ExpertInnen

1. “Unsprache in Zeitschriften”

(keentech.de, Michael Hensel)

Michael Hensel hat die Ausgabe 9/2009 der Zeitschrift PC Action gelesen und wurde überrascht über die “Pauschalisierung und Beleidigung”, die er darin fand. Das Heft schreibt über in den Westen einfallende Ossis, die “Begrüßungsgeld in Milliardenhöhe abstaubten, die Mauer abrissen und heute faul auf dem Hartz-IV-Bescheid liegen.”

2. “Venezuela schließt 32 Radiosender”

(fr-online.de, Klaus Ehringfeld)

“Um 7.48 Uhr stellten am Samstagmorgen 32 Radio- und zwei regionale Fernsehsender ihren Betrieb ein, nachdem ihnen ein entsprechender Bescheid der staatlichen Telekommunikationsbehörde Conatel zugegangen war. (…) Weitere 206 vor allem Radiostationen stehen auf dem Prüfstand der Regierung.”

3. “Scheinbare Vielfalt”

(taz.de, Steffen Grimberg)

“38 Tageszeitungen gab es in der DDR. Der Inhalt wurde vom Zentralkomitee der SED bestimmt. Nach der Wende bedienten sich dann die großen Zeitungshäuser aus der BRD.”

4. Zeitschriften machen, die Leser lieben

(print-würgt.de, Michalis Pantelouris)

Michalis Pantelouris analysiert den Leser unrentabler Zeitschriften: “Er fühlt sich nach jeder Lektüre leerer als vorher und von uns abgezockt. Und das zu Recht: Wir haben Jahre lang Anzeigenumfelder geschaffen und redaktionelle Qualität heruntergefahren.”

5. “Expertise im Journalismus: verdecktes Lobbying?”

(weblog.medienwissenschaft.de, Jennifer B.)

“Kein Individuum ist frei von Interessen. Auch ‘ExpertInnen’ nicht.”

6. “10 Words I Would Love To See Banned From Press Releases”

(techcrunch.com, Robin Wauters)

Robin Wauters listet 10 Wörter auf, die er in Pressemitteilungen nicht mehr lesen will. Wir kennen sie alle, sie lauten “Leader”, “innovativ”, “revolutionär”, “strategische Partnerschaft”, “Synergien” und so weiter…

Landlust, SZ-Magazin, G+J, Brüno

1. Interview mit Karl-Heinz Bonny

(dwdl.de, Jochen Voß)

Das Magazin Landlust erscheint im westfälischen Landwirtschaftsverlag – und ist ein enormer Erfolg. Geschäftsführer Karl-Heinz Bonny glaubt, das liege daran, dass Landlust eben keinen Lifestyle mache, sondern ein “Lebensart-Magazin” sei: “Das Landleben ist tatsächlich so, wie sie es in der ‘Landlust’ finden. Sie werden bei uns keine gestellten Szenen oder Studioaufnahmen sehen, sondern nur echte Geschichten.”

2. “Bezahlte Werbung oder journalistischer Bericht?”

(falter.at, Donja Noormofidi und Gerlinde Pölsler)

“Wie auch dem PR-Ethikrat zu Ohren gekommen ist, soll die Krone Inserenten als Dankeschön schon mal zusätzliche Gefälligkeitsartikel anbieten. Ein langjähriger Pressesprecher einer öffentlichen Institution bestätigt, er selbst habe des Öfteren in der Steirerkrone inseriert und vereinbart, dass jeweils noch ein journalistischer Artikel zu einem Thema seiner Wahl gedruckt werde.”

3. “SZ-Magazin: Qualitätskreativität ohne Quellenangabe”

(carta.info, Leonard Novy)

Gemäss Eigenwerbung ist das Magazin der Süddeutschen Zeitung “kreativer Journalismus auf höchstem Niveau”. Aber warum selbst denken, wenn man die Ideen auch aus dem Atlantic Monthly kopieren kann?

4. “Gruner + Jahr prüft Kurzarbeit”

(horizont.net)

“Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr denkt offenbar konkret über Kurzarbeit nach, zumindest für einen Teil der rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland.”

5. “Twitter-Attacke bremst ‘Brüno’ aus”

(welt.de, Hannes Stein)

“Die Macht des geschriebenen Wort ist groß: Gerade mal einen Tag lief Sacha Baron Cohens ‘Brüno’ in den amerikanischen Kinos, als die Besucherzahlen dramatisch einbrachen. Kritiken brachten den Film ins Stolpern – Kritiken geschrieben von Tausenden von Twitter-Usern.”

6. “Extrablatt, Extrablatt”

(twitpic.com, Cartoon)

“Herr Kruse und die Krise.”

Droste, Newsnetz, Robson, Barber

1. “Für ein paar Anzeigen”

(fr-online.de, Heinz Tutt)

Heinz Tutt bringt etwas Licht in die Beziehung zwischen dem Focus und dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, dessen Regierungssprecher (nach einer Beschwerde der WAZ über kritische Berichterstattung) einen Brief schrieb an den Chefredakteur des Focus: “Ein ranghoher Mitarbeiter in der Staatskanzlei bestätigte den Inhalt der WAZ-Beschwerde: ‘Es kann doch nicht sein, dass Focus-Spezial vom Land finanziert wird und dann gleichzeitig NRW-Unternehmen angeschossen werden.'”

2. “Matthew und wie er die Welt sah”

(blog-cj.de, Christian Jakubetz)

Christian Jakubetz beschäftigt sich mit den “acht DIN A4-Seiten” des 15-jährigen Matthew Robson: “In seinem Bekanntenkreis gebe es keinen einzigen Zeitungsleser, zumindest keinen, der für eine Zeitung bezahlt. Die Gründe sind so einleuchtend und banal zugleich, dass es den Verlagen vermutlich die Tränen in die Augen treibt.”

3. Wiglaf Droste, Stadtschreiber zu Rheinsberg

(dradio.de, Joachim Scholl)

Was ist eigentlich mit dem ehemaligen taz-Mitarbeiter Wiglaf Droste? Er geniesst das Landleben in Brandenburg und kann nur “hoffen, dass es gelingt, wenn man auf andere Weise lebt, die Art und Weise, wie man hier den Tag anfängt, dass man den Kopf wirklich sehr lange erst mal medienfrei hält, nichts hineintut, was da in einen frischen Kopf noch nicht hineingehört, sondern erst mal wirklich guckt, was der liebe Gott, den man einen guten Mann sein lässt, über Nacht wieder angestellt hat und sich dann ganz langsam diesem Paralleluniversum zuwendet, das manche Leute die Realität nennen.”

4. “Wie der Rhythmus der Nachrichten entsteht”

(spiegel.de, Markus Becker)

“Wie schnell wird eine Nachricht zur Top-Meldung, wann verschwindet sie wieder? Forscher haben eine einzigartige Studie vorgelegt: Drei Monate lange verfolgten sie Millionen Artikel anhand markanter Zitate. So erfassten sie den Puls der Medien – mit überraschenden Ergebnissen.”

5. Noch ein Jahr bis Paid Content

(guardian.co.uk, John Plunkett)

Lionel Barber, Chefredakteur der Financial Times, glaubt, dass es nur ein Jahr geht, bis “fast alle” News-Websites Geld für ihre Inhalte verlangen.

6. “Unsäglich rüpelhafte Zoten im Newsnetz der Tamedia”

(thinkabout.ch)

“Dass sich die Tamedia-Erzeugnisse nicht zu schade sind, im Stil vieler anderer Zeitungen ebenfalls wie tratschende Weiber Gerüchte weiter zu verbreiten, ja, sie regelrecht zu sammeln, ist eines. Dass die Titel und Schlagzeilen längst den reisserischsten Boulevard-Standards Konkurrenz machen, ist ganz offensichtlich Absicht – und wird dazu führen, dass sich weitere Leser verabschieden werden.”

Erklärräume, Kommentare, Küng

1. “Sich die Blogger-Kultur aneignen”

(nzz.ch, Heribert Seifert)

Heribert Seifert liefert einen Überblick über die Anstrengungen der etablierten Medienhäuser, was mit Blogs zu machen. Fazit: “Zu viele uninspirierte, nur als Pflichtprogramm betriebene Blogs, die von knausrigen Verlagen vor allem als Landnahme auf einem weiteren Medienspielplatz ohne Bereitschaft zu Investition und netzspezifischem Engagement installiert werden, zeugen nicht gerade von Vitalität und journalistischer Phantasie.”

2. “Kein öffentliches Interesse”

(20min.ch, Lukas Mäder)

“Gibt es für Normalbürger im hintersten passwortgeschützten Winkel des Internets noch eine Privatsphäre? Der ‘Blick’ findet Nein – und publiziert Sado-Maso-Bilder einer Sekretärin. Juristen sehen die Rechte der Betroffenen verletzt.” Siehe auch “Darf sich eine ‘Blick’-Autorin so zeigen?

3. “Schöner Kommentieren mit Datenschutz”

(stefan-niggemeier.de)

Stefan Niggemeier wird es nicht leicht gemacht, ein Blog zu führen, das Kommentare zulässt. Einerseits soll er alle Kommentare sozusagen unverzüglich prüfen, andererseits soll er nicht mal eine E-Mail-Adresse verlangen dürfen. Der gar nicht rechtsfreie Raum Internet führt dazu, dass nun Kommentierwillige mit den Worten “Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein…” gewarnt werden.

4. “Das Gefühl, ein linkischer Zwerg zu sein”

(sz-magazin.sueddeutsche.de, Miriam Meckel)

Miriam Meckel schildert den Spießrutenlauf roter Teppich: “Ich blicke in 100 Augenpaare, versteckt hinter 100 Linsen. 300 Augen und Linsen starren zurück.”

5. Im ZDF-Erklärraum

(faz.net, Michael Hanfeld)

Ab dem 17. Juli werden beim ZDF die Nachrichten in “einer großen grünen Höhle oder Hölle”, die 30 Millionen Euro gekostet hat, verlesen. Für die Journalisten heisst das: “Ihre Aufgabe wird anspruchsvoller, sie müssen sich als Meister des modernen Nachrichtenfünfkampfs beweisen – sie verlesen nicht mehr nur Nachrichten, sie moderieren, schreiten umher, gestikulieren, deuten und führen Interviews, bei denen die Kamera den Sprechenden im Studio über die Kamera schaut oder das zugeschaltete Gegenüber an die Stelle ‘beamt’, die der Moderator avisiert.”

6. Downsizing-Kongress Journalismus

(dasmagazin.ch, Max Küng)

“Ich weiss: Wenn mein Sohn dereinst in der Schule gefragt wird, was sein Vater arbeitet und er ‘Journalist’ sagen wird, dann werden seine Mitschüler den Mund verziehen, als habe man ihnen Essiglösung injiziert, sie werden die Augen verdrehen und sich die Hände vors Gesicht schlagen, der Lehrerin wird ein ‘Oje’ entfahren, und sie wird denken: ‘das arme Kind’.”

@sachark, Hagemann, Manipulationen

1. “Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz”

(perlentaucher.de/blog, Anja Seeliger)

Brillante Entgegnung auf den Enteignungs-Text von Hubert Burda. Sie zählt unter anderem auf, auf welchen Wegen die deutschen Zeitungsverleger “zum Schutz überkommener Geschäftsmodelle” nach dem Staat rufen. Sie fordern eine “Zwangsgebühr namens Kulturflatrate”, eine “staatliche Beaufsichtigung der Suchmaschinen”, eine “Umverteilung der Anzeigenerlöse der Suchmaschinen”, ein “Leistungsschutzrecht, das die Grundvoraussetzung für die Schaffung einer Gema für Onlinetexte wäre” und dazu eine “staatliche Überwachung des Internets”.

2. “Manipulation – Politiker und Prominente schönen ihre Interviews”

(ndr.de, Video, 7:23 Minuten)

Hannah Herzsprung, Martina Gedeck, Heike Makatsch, Olaf Scholz. Sie alle, bzw. ihr Management lassen Interviews zur Farce verkommen, in dem sie so lange am Text rumwerkeln, bis aus dem Gespräch eine PR-Story in eigener Sache wird.

3. Interview mit Matthias Hagemann

(werbewoche.ch, Markus Knöpfli)

Der Verleger der Basler Zeitung Medien (BZM) denkt laut über Kooperationspartner nach: “Für uns sind primär der Wille der Aktionäre und sodann vor allem die Synergien entscheidend – und letztere kann nicht nur Tamedia bieten. Wir haben uns schon lange und nicht nur in der Schweiz umgeschaut, sondern auch weiter nördlich.”

4. Die WOZ und der Bundespräsident

(woz.ch, Daniel Ryser)

“Vor zwei Wochen publizierte die WOZ unveröffentlichte erotische Fantasien des Hobbyschriftstellers Hans-Rudolf Merz, Bundespräsident und Finanzminister [WOZ vom 11. Juni 2009]. Am Donnerstag, 25. Juni, schreibt Hans-Rudolf Merz der WOZ deshalb einen Brief: ‘Ich habe diesen Text vor Jahren zu meinem privaten Vergnügen verfasst. Ich fordere Sie auf, künftige Veröffentlichungen des Textes zu unterlassen.’ Die WOZ kommt der Bitte nach.”

5. Interview mit Sachar Kriwoj

(spox.com, Andreas Allmaier)

Twitter-User @sachark hörte im Zug ein Gespräch von zwei Spielerberatern und einem Anwalt über einen möglichen Wechsel von Michael Ballack mit und twitterte drüber. Viele Medien berichteten drüber, doch kaum eines hat bei ihm nachgefragt: “Ich habe mich schon gewundert, dass manche Medien das alles sofort als ‘Ente’ abgetan haben. Dass die Beteiligten dementieren, wundert mich nicht. Das ist bei Wechsel-Gerüchten ja nicht unüblich.”

6. “Die letzte Zeitung der Welt”

(christoph-koch.net)

“’The Budget’ aus Ohio ist die Wochenzeitung der Amish People. Manches an ihr wirkt plötzlich sehr modern.”

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