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Nowottny, Netbooks, Schirrmacher

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das ist ein jämmerliches Schauspiel”
(dradio.de, Gerd Breker)
Ex-WDR-Intendant Friedrich Nowottny äußert sich zum Fall Nikolaus Brender und findet es an der Zeit, “dass man über die gesetzlichen Grundlagen des ZDF nachdenkt”. “Die Parteien leiten doch ihren Anspruch zur Mitsprache davon ab, dass ihnen das Bundesverfassungsgericht attestiert hat, jedenfalls den Ländern, dass sie die Träger der Rundfunkhoheit sind, und das nutzen die nach Gutsherrenart aus – jedenfalls im ZDF.”

2. “Qualitaetsprobleme bei Netbooks oder deutschen IT-Journalisten!?”
(netbooknews.de, Sascha)
Sascha zweifelt am Gehalt einer Studie, die als Grundlage für Artikel bei Golem.de, Bild.de und anderen dient.

3. “1999 – 2009”
(blog-cj.de/blog, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz zieht sein persönliches Fazit zu 10 Jahren Journalismus im Internet: “Um noch einmal auf das ZDF zurückzukommen: 1999 existierte dort eine Zuschauerredaktion, die routiniert Fragen beantwortete und Kritiker halbwegs ruhigstellte. Wäre man böse, man würde sagen: eine Kommunikationsattrappe. Heute kann sich kein ernst zu nehmendes Medium und kein Journalist mehr erlauben, nicht mehr zu kommunizieren.”

4. “Sparen, wo es am wenigsten schmerzt”
(kleinreport.ch)
Der Kleinreport hat sich das ab 2010 geltende Spesenreglement des Ringier-Verlags angesehen. Die Vergütung von Tagespauschalen im Zusammenhang mit der Verpflegung entfallen, es werden nur “die effektiven Kosten vergütet” – “Aufwendungen für Raucherwaren, Digéstifs und Ähnliches” gehen zulasten des Mitarbeiters.

5. “Swine Flu Deaths”
(media.mercola.com, Bild, englisch)
Zahlen verschiedener Todesarten im Vergleich, unter anderem auch dabei: die Schweinegrippe.

6. Die Deutschen, das Internet und Frank Schirrmacher
(ichwerdeeinberliner.com, Wash Echte, englisch)
“As it was established before, German people quickly feel uncomfortable when there is nothing to be offended or worried about. If they currently have no personal reason to be offended or worried about anything, they will go to a bookstore to buy a book written by what they consider to be a much more intelligent person, who happens to be altruistic and kind enough to lecture them about recent developments that they should better be offended or worried about, and that person, more often than not, is Frank Schirrmacher.”

Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund

Mit Twitter geht es zu Ende.

Die aktuellen Meldungen lassen keinen Zweifel: Der Kurznachrichtendienst (von den Medien im Synonymrausch auch gerne “Zwitscherdienst”, “Zwitscher-Plattform” und “Zwitscher-Zone” genannt) hat seinen Höhepunkt überschritten. Von nun an geht’s bergab.

“Spiegel Online” berichtet:

Je höher man fliegt, desto tiefer fällt man auch. US-Marktstudien zufolge hat der hippe Kurznachrichtendienst Twitter mit einem massiven Rückgang der Nutzerzahlen zu kämpfen.

Das Online-Angebot der “Wirtschaftswoche” fragt: “Ist Twitter out?” und schreibt:

Die Besucherzahlen des Kurznachrichtendiensts Twitter brechen ein.

Und die österreichische “Presse” behauptet unter der Überschrift “Ausgezwitschert?”:

Die Zahlen sinken seit Sommer konstant. Der Microblogging-Dienst Twitter kämpft derzeit mit schwindenden Besucherzahlen. (…) Die Massen-SMS im Internet ist weit nicht mehr so beliebt wie noch vor wenigen Monaten.

Kleiner Haken an der Sache: Niemand weiß, ob das stimmt. Viel spricht dafür, dass es nicht stimmt.

Grundlage für die Negativ-Schlagzeilen sind die Angaben von verschiedenen Marktforschungs-Unternehmen, die gravierend unterschiedliche Zahlen melden, aber eines gemein haben: Sie erfassen allein die Zugriffe auf die Seite twitter.com über das Internet.

Twitter wird aber zunehmend über Programme genutzt, die direkt auf die Funktionen des Dienstes zugreifen, ohne über die Internet-Seite zu gehen, und deshalb in die genannten Statistiken nicht eingehen. Nach Angaben von “TweetStat” wird aktuell nur ein Drittel aller Tweets direkt über das Netz eingegeben. Anderen Angaben zufolge haben im August über 40 Prozent der Nutzer angegeben, zum Twittern zumindest teilweise solche Programme zu verwenden, ein Fünftel twittert auch per SMS — was ebenfalls durch die Web-Statistiken nicht erfasst würde.

Nach einer Untersuchung des Medienberaters Thomas Pfeiffer wurde im vergangenen Monat in Deutschland nur jeder dritte Tweet über die Web-Oberfläche eingestellt; fast die Hälfte der Twitterer habe die Seite Twitter.com gar nicht benutzt.

Nichts spricht also dafür, dass der Mediendienst “Meedia” Recht hat, der behauptet, die “Zwitscher-Hilfen” seien “noch immer solch ein Nischenmarkt, dass sie nicht annähernd das Besucher-Minus von Twitter erklären können”. Im Gegenteil: Die Marktforscher von “eMarketer”, auf die sich “Spiegel Online” und die meisten anderen Medien in ihren Endzeitszenarien für Twitter berufen, halten trotz des Rückgangs der Seitenzugriffe ausdrücklich an ihrer Prognose fest, dass die Zahl der Twitter-Nutzer in den Vereinigten Staaten weiter wachsen wird: von sechs Millionen 2008 auf 18 Millionen in diesem Jahr auf 26 Millionen 2010.

Aber das entspräche ja nicht dem Rhythmus der Massenmedien, die alles, was sie zum Hype hochgeschrieben haben, hinterher auch als erste wieder herunterschreiben wollen. Twitter geht es da nicht anders als Ute Lemper.

Wachhunde, Steinbrück, Sonneborn

6 vor 9

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1. “Auch kleine Wachhunde können beissen”
(nzz.ch, ras.)
Für die NZZ führen die Medienblogger die klassische Medienkritik weiter, “während sich die gedruckten Titel zusehends auf News, Skandale, Klatsch und Häme spezialisiert haben”. “Jene, die den Niedergang der Medienkritik beklagen oder die geringe Wirkung ihrer kritischen Tätigkeit beklagen, könnten von den Internet-Aktivisten einiges lernen. Sie sollten ebenfalls die grossen Potenziale des Internets nutzen. Wenig ergiebig wäre es, weitere medienkritische Symposien durchzuführen.”

2. “Steinbrück über Medien”
(evangelisch.de)
Ex-Finanzminister Peer Steinbrück beobachtet Politiker, die “mediale Zwänge bis in die Privatsphäre hinein” befolgen. Die Medien hingegen würden die Stimmung nicht nur beschrieben, sondern sie erzeugen und damit selbst “zunehmend zu politisch Handelnden” werden. Steinbrück: “Es geht vor allem darum, Einfluss zu nehmen auf die Bundesliga der politischen Köpfe. Wer gewinnt, wer verliert?”

3. Im Test: niiu
(streim.de, Andreas Streim)
Andreas Streim hat sich die individuelle Tageszeitung niiu mal angesehen: “Auf mich wirkt ‘niiu’ nicht wie eine neue Zeitung, sondern eher wie ein Pressespiegel für alle. Ob sich das bei Normalzeitungslesern durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln, vor allem wegen der ersten Schwachstelle, der Artikel, die nirgendwo fortgesetzt werden.”

4. “Bürgerschreck mit Kaufmannslehre”
(faz.net, Sven Astheimer)
Martin Sonneborn war auch mal sowas wie ein Praktikant: “1989 wandte sich Sonneborn an ‘Eulenspiegel’, das einzige zu DDR-Zeiten geduldete Satire-Magazin, welches nun sein gesamtdeutsches Publikum suchte. Ihm imponierte, dass der Verlag vom Osten in den Westen ging und den Preis verdoppelte, deshalb fragte er um ein Praktikum nach. ‘Die wussten nicht, was das ist, und ich eigentlich auch nicht.’ Man fand trotzdem zusammen.”

5. “Futur 3.0”
(epd.de, Sylvia Meise)
“Das Ellbogengedrängel am Medienkalender hat die Zeitpunkte unscharf werden lassen. Jubiläen wurden erst ein, dann zwei Monate, jetzt schon mal ein Jahr und mehr vorgefeiert: Erster! Manchen Verlag grämt’s. Darwins Geburtstag im Februar war schon im Dezember des Vorjahres verwurstet. Wer wollte dann noch Bücher dazu haben?”

6. “Was ist ein Bratwurstjournalist?”
(blog.nz-online.de/vipraum)
Hardy Prothmann gibt jenen, deren “muntere Zeilen” die Umblätterer in lobenswerter Form sammeln, einen Namen. Bratwurstjournalist. “Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.”

Auf Werbegag aus der Hölle hereingefallen

Mal ehrlich: Inzwischen gibt es doch nix mehr, was man nicht auch irgendwie virtuell machen kann. Was spräche also dagegen, auch den Gottesdienst virtuell zu absolvieren? Und wäre es nicht nachgerade ein bestechender Gedanke, gäbe man in Zeiten sich allmählich leerender Kirchen einem Gottesdienst eine, sagen wir, etwas spielerische Komponente? So mit Gnadenpunkten, die man sammeln kann? Und mit Kirchenglocken, die man im Videospiel selber läutet? Virtueller Weihrauch, den man gemeinsam im Wohnzimmer ausbringen kann, ein paar Kruzifixe zum Schwingen, also im Prinzip: Wii Sports, nur sakral sozusagen.

Bei Bild.de hingegen findet man diesen Gedanken gar nicht so naheliegend: “Das kann nur ein Witz sein”, brummelt während dieses Videos hier eine Männerstimme, während sie erstaunt anhand der Orginalbilder aus dem Werbetrailer für den virtuellen Gottesdienst beschreibt, welche Features das Spiel so bietet. “Angeblich soll es 2010 auf den Markt kommen — Amen”, beendet der Bild.de-Sprecher seinen Text, vermutlich ohne zu ahnen, dass er mit dem ersten und dem letzten Satz seines Textes der Realität schon ziemlich nahegekommen ist.

Zu bekommen ist das (Sie ahnen es: vermeintliche) Spiel scheinbar auf einer Seite namens “Mass: We Pray” (Messe: Wir beten). Hätten sich die Leute von Bild.de nicht einfach nur das Videomaterial des Trailers gezogen, sondern sich womöglich noch die Mühe gemacht, irgendeinen Link auf der Seite anzuklicken (schon um zu wissen, was das Spiel denn kosten soll — was man halt sonst so “Recherche” nennt), sie wären auf eine ganz erstaunliche Weiterleitung gestoßen:

Denn tatsächlich verbirgt sich hinter dem angeblichen Sakralspiel ein profaner Teaser für ein Videospiel namens “Dante’s Inferno”, das 2010 erscheint — und selbst wenn man das Spiel nicht kennt, hätte man womöglich am Trailer erkennen können, dass dieses Spiel nur so mittelgut für den virtuellen Gottesdienst zuhause verwendbar ist. Es wirbt mit dem Slogan “Go to Hell”, der Spieler kämpft sich “durch die neun Zirkel der Hölle: Vorhölle, Wollust, Ketzerei, Habgier, Zorn, Völlerei, Gewalt, Betrug und Verrat” — frei ab 18.

Mit Dank an Jan M. und Jochen K.!

Sauerlandkurier, Schickeria, WamS-eMag

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1. “Warum die Qualität im Journalismus abnimmt”
(dradio.de, Brigitte Baetz)
“Längst nicht alles, was heute als qualitativer, faktenorientierter Journalismus verkauft wird, ist dies auch tatsächlich. Der Einfluss von Unternehmen und Institutionen auf scheinbar unabhängige Journalisten nimmt immer weiter zu.”

2. “Wieder einmal: Gekaufter Journalismus”
(schiebener.net, zoom)
Der “Sauerlandkurier” übernimmt weite Teile eines PR-Artikels von Südwestfalen-PR unverändert in den redaktionellen Teil des Blatts.

3. “Warum ist der taz-Shop voller Schickeria-Produkte?”
(hausblog.taz.de, Sebastian Heiser)
Sebastian Heiser beantwortet im Hausblog den Vorwurf von Leser Severin Michel (“Ihr seid ebenso ne Besserverdienenden-Zeitung geworden wie die Grünen ne Besserverdienenden-Partei. Schade nur, dass das eure Redakteure und freie Mitarbeiter nicht zu spüren bekommen”), im taz-Shop seien nur “Schickeria-Produkte” zu finden.

4. “Erster Eindruck: Das eMag der WamS”
(ereaderwelt.de, Thorsten)
Thorsten hat das 1.50 Euro teure eMag der “Welt am Sonntag” getestet und findet es “es recht mutig, für so ein Angebot Geld zu verlangen” – “Das eMag in der jetzigen Fassung ist sein Geld nicht wert. Schlechte Umsetzung, keine Ideen, seichter Content.”

5. “Alles tun für einen festen Job”
(heise.de/tp, Rudolf Stumberger)
Die Studie “Begrenzter Journalismus” (mediendisput.de, PDF, 1.2 MB) sieht die “Qualität und Unabhängigkeit des Journalismus bedroht”.

6. “A Graphic History of Magazine Income Over the Last Decade”
(theawl.com)
Einkünfte und verkaufte Werbeseiten verschiedener US-Magazine im Vergleich von 2002 bis 2009.

Veraltetes Kartenmaterial?

Es ist vielleicht in den letzten Wochen ein wenig untergegangen, aber Deutschland ist seit einiger Zeit wiedervereinigt.

Deswegen ist die folgende Bildunterschrift von Bild.de ein bisschen merkwürdig — auch wenn der abgebildete Spieler vor der Wiedervereinigung geboren wurde:

Union-Stürmer Karim Benyamina wurde zwar in Dresden geboren, hat aber einen deutschen Pass

Das ist natürlich eine willkommene Gelegenheit, endlich auch mal diesen etwas überraschenden Screenshot von Stern.de aus dem Oktober zu zeigen:

Ausland: Linksextremisten randalieren in Leipzig
(Der dazugehörige Artikel ist nicht mehr verfügbar.)

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 21. November: So ergibt es natürlich mehr Sinn:

Union-Stürmer Karim Benyamina wurde zwar in Dresden geboren, hat aber einen algerischen Pass

Broder, WAZ, Heddesheim

6 vor 9

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1. “Schmerzensgeld für ‘Katzenhexe'”
(sueddeutsche.de, Ekkehard Müller-Jentsch)
“Für die ‘mediale Hinrichtung’ einer Dorfbewohnerin muss eine Münchner Boulevardzeitung 30 000 Euro Schmerzensgeld an die Betroffene bezahlen.”

2. “Dick und doof über Berlin”
(achgut.com, Henryk M. Broder)
Auch Henryk M. Broder, regelmässiger “Spiegel”-Autor, meldet sich mit einer Meinung zum neuen Wandfries der “taz” in Berlin. “In den 60er und 70er Jahren wäre das eine Sensation gewesen, die sofort den gesamten Berliner Polizeiapparat aktiviert hätte; heute regt sich außer ein paar taz-Grufties, die ihre tägliche Portion Soya-Milch durch eine Schnabeltasse zu sich nehmen, niemand darüber auf, nicht einmal der Chef der BILD, dem die Hommage gilt.”

3. “Neonazis und Twitter – Zeckenjagen in Berlin”
(blog.zeit.de/stoerungsmelder, Nico Unkelbach)
Nico Unkelbach beobachtet das Twitter-Konto der NPD Marburg, das zum “munter Zeckenjagen” auffordert.

4. “Qualitätsjournalismus der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”
(pottblog.de, Jens)
Jens fragt sich, wie ein Qualitätsjournalismus-Anspruch mit der Bildüberschrift “Balack auf del Gloßen Mauel” zusammengeht.

5. Interview mit Hardy Prothmann
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Hardy Prothmann betreibt das lokaljournalistische Heddesheimblog.de. Zu seiner Konkurrenz, den Lokalzeitungen, sagt er: “Die meisten Zeitungen sind Monopolisten. Genauso überheblich und gleichzeitig langweilig und insgesamt satt und lustlos ist ihre Berichterstattung. Und das übertragen sie 1:1 ins Internet. Außerdem wird geklüngelt, was das Zeug hält.”

6. Interview mit James Murdoch
(spiegel.de, Susanne Amann und Isabell Hülsen)
Schon etwas älter ist das “Spiegel”-Gespräch mit dem Sohn von Rupert Murdoch, James Murdoch. Der sagt: “Ich würde mich aber sehr unwohl fühlen, wenn der Beruf des Journalisten den Hobbyschreibern überlassen bliebe – das hieße nämlich, dass er nur noch von Idealisten oder von Reichen betrieben würde. Die Demokratisierung des Journalismus durch das Internet ist eine feine Sache, aber sie darf nicht dazu führen, dass Menschen dort für ihre kreative Leistung kein Geld mehr bekommen. Egal, ob Blogger oder Journalist.”

Schirrmacher, Street View, Genossen

6 vor 9

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1. “Mein Kopf kommt nicht mehr mit”
(spiegel.de, Frank Schirrmacher)
Frank Schirrmacher spricht aus, was schon viele Journalisten im Stillen gedacht haben: “Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin.”

2. “Vertriebskanal Grundschule”
(medienkonsum.wordpress.com, Stefan Winterbauer)
Stefan Winterbauer zählt auf, was seinem Sohn in der Grundschule von Verlagen alles angedreht werden soll, zum Teil gefördert durch eine indirekte Provision der Lehrerinnen und Lehrer. “Die Unbedarftheit von Kindern wird von einigen Firmen gnadenlos ausgenutzt.”

3. “Zensur im Namen der Freiheit”
(weltwoche.ch, Alex Baur)
Der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür hat wegen “schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzungen” beim Bundesverwaltungsgericht Klage gegen Google Street View eingereicht. Alex Baur fragt: “Wer interessiert sich schon für unbekannte, zufällig ins Web geratene Gesichter und Autonummern?” Und glaubt: “Unter dem Deckmantel der Persönlichkeitsrechte soll der freie Informationsfluss unter staatliche Kontrolle gebracht werden.”

4. “Massen-Trauer in den Medien”
(ndr.de, Video, 6:03 Minuten)
“Zapp” fasst nochmals den Abschied der Medien von Robert Enke zusammen. Die Trauer der “versingleten” Gesellschaft um einen den allermeisten persönlich total unbekannten Menschen sei medial vermittelt und hätte ohne Vorbilder wie der gigantischen Trauerfeier für Lady Diana wohl nicht stattgefunden.

5. Interview mit Paul Steiger
(theeuropean.de, Alexander Görlach)
Paul Steiger, Chef von Pro Publica, freut sich auf die Zukunft des Journalismus und ist sich sicher, “dass wir in den nächsten Jahren ein Feuerwerk an Experimentierfreude erleben werden”. “Anstelle großer Unternehmen mit Umsätzen von Hunderten Millionen Dollar werden kleinere treten, die vielleicht nur eine bis 15 Millionen pro Jahr umsetzen und sich ihren Platz erkämpfen wollen. Es wird eine Fülle an verschiedenartigen Geschäftskonzepten geben.”

6. “Oskar, der mitteilte, sich einzubringen gedachte, weil er, obzwar”
(burks.de, Burkhard Schröder)
Burkhard Schröder staunt über den Inhalt eines Newsletters von Carsten Schatz, Landesgeschäftsführer der Partei “Die Linke”, der informiert, wie “Gen. Klaus Lederer” “über die Presseinformation des Genossen Oskar Lafontaine” informierte.

Lafontaine, niiu, Express

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1. “Pimmel über Berlin”
(hausblog.taz.de, Sebastian Heiser)
Die taz-Genossen lehnen das Diekmann-Wandfries, für das der Künstler Peter Lenk mit einem Jahresabo der Tageszeitung honoriert wurde, mehrheitlich ab. Leser Claus Jähner: “Wir bitte nicht unter Bild-Niveau! Als Mitglied der Genossenschaft erwarte ich, dass die Plastik dort verschwindet.”

2. “Viel Glück, Oskar!”
(stern.de, Hans Peter Schütz)
Hans Peter Schütz sieht die wilden Spekulationen von Journalisten rund um Oskar Lafontaine nach der Landtagswahl im Saarland als eine “eine Art Liebesdienst für die SPD”: “Es gibt viele sachliche Gründe, politisch gegen die Linkspartei zu argumentieren. Motive, eine zweite Hasskampagne gegen Lafontaine zu inszenieren, rechtfertigen sich damit nicht.”

3. “1500 zu 16 – sagt mal, geht’s noch?”
(freitag.de/community/blogs/hest)
Um 16 Plätze der “Berliner Journalistenschule” BJS bewarben sich etwa 1500 junge Männer und Frauen. Hest fragt: “Sagt mal, geht‘s noch?” (Nachtrag, 13:15 Uhr: In den Kommentaren des Beitrags zweifelt Stef1978 die hohe Bewerberzahl an. “Tatsächlich bewerben sich pro Jahrgang zwischen 200 und 300 Leute.”)

4. “Fehlstart für individuelle Tageszeitung ‘niiu'”
(heute.de, Dominik Rzepka)
Dominik Rzepka konstatiert einen “Fehlstart” der individuellen Tageszeitung “niiu”, weil er die bestellte erste Ausgabe nicht erhalten hat und auch auf Nachfrage nichts passiert. Im Blog bittet das Unternehmen um Nachsicht und gibt zu bedenken, dass die Zeitung “vor der Tür und nicht im Briefkasten” gelandet hätte sein können, da die Zusteller “noch nicht Zutritt zu allen Wohnhäusern” haben.

5. “Welche Bedeutung haben Blogs in Deutschland?”
(hingesehen.net, Florian Lindemann)
Florian Lindemann sagt, was passieren muss, “damit Blogs selbst zu den großen Medien mit Einfluss auf die gesamte Bevölkerung gehören”: “Es muss mehr seriöse Blogs geben. Bisher kann man große Blogs, die seriösen Journalismus betreiben noch an den Fingern abzählen. In anderen Ländern, wie den z.B den USA, gibt es viel mehr solcher Blogs.”

6. “Oma (Mitte 50) bestellt Killer im Internet”
(twitpic.com)
Der “Express” ändert nach dem Andruck der Zeitung das offenbar falsche Alter in der Titelschlagzeile (und tauscht den Kasten oben rechts aus). Tweets dazu von @mpeer und @express24.

Steinbrück, Saviano, WOZ

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1. “Pro und Contra Diekmann-Plastik”
(taz.de, Philipp Gessler und Ines Pohl)
Die Chefredakteurin der “taz”, Ines Pohl, hat keine Freude am neu über der taz-Fassade hängenden Diekmann: “Geht es nach dem Künstler Peter Lenk, dann soll ich mein Fahrrad jetzt für zwei Jahre jeden Morgen unter einem sechs Meter langen Pimmel abschließen. Unter zwei recht prallen Hodensäcken also mein Tagwerk beginnen. Was für eine klägliche Provokation. Wie öde.”

2. Interview mit Peer Steinbrück
(faz.net, Miriam Meckel)
Der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück zur Debattenkultur in Deutschland: “Darin sind wir nicht gut trainiert. Nehmen Sie unser Verhältnis zur Provokation und Empörung. Auf der einen Seite gibt es einen Mechanismus, der zur Anpassung führt, um ja nicht zu provozieren, die ganzen Empörungsrituale dieser Republik nicht in Gang zu setzen. Auf der anderen Seite denken viele Menschen von einem Politiker: Der ist ja rundgefeilt wie Eierkohle.”

3. Geschwister-Scholl-Preis für Roberto Saviano
(zeit.de, Giovanni di Lorenzo)
Eine Lobrede für Roberto Saviano, Journalist und Schriftsteller: “Und auch wenn er selbst sich immer wieder skeptisch zu der Frage äußert, ob die Mafia denn jemals besiegt werden könne: Roberto Saviano hat auch in Italien etwas bewirkt. Die Justiz hat in den vergangenen Jahren Erfolge gegen die Mafia errungen, die ohne die öffentliche Aufmerksamkeit wohl nicht möglich gewesen wären.”

4. Interview mit Kurt Imhof
(nzz.ch, Rainer Stadler)
“Ein Gespräch mit dem Zürcher Professor Kurt Imhof über die Befindlichkeit im gegenwärtigen Journalismus.”

5. “Früher hätten wir diese Häuser besetzt”
(woz-will-rein.ch)
Die Schweizer Wochenzeitung “WOZ” sucht neue Redaktionsräume, möchte dafür aber nichts zahlen. Im Gegenzug sichert die Redaktion die Instandhaltung der zur Verfügung gestellten Liegenschaft zu.

6. “Die herbeigeschriebene Krisennation”
(tagesanzeiger.ch, Rico Bandle)
Rico Bandle stellt fest, dass in vielen deutschen Publikationen Texte zur “Befindlichkeit der Schweiz” erscheinen – und das immer von Schweizer Journalisten. Man könnte meinen, “die Schweiz sei vor lauter Selbstzweifel paralysiert”. – “So gern gesehen diese Artikel in Deutschland sind, so richtig glauben möchten ihnen viele Deutsche offenbar doch nicht: Die Schweiz ist noch immer das beliebteste Auswanderungsziel der Deutschen.”

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