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Die Toten Hosen, Henryk Broder, Oliver Welke

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Steuergelder für Die Toten Hosen? – Eine Richtigstellung”
(dietotenhosen.de)
Die Toten Hosen schreiben an “Welt” und “Berliner Morgenpost”: “Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob die Toten Hosen deutsches Kulturgut sind, aber Tatsache ist, dass diese Tournee nur stattfinden konnte, weil wir selber ca. 100.000.-€ aus eigener Tasche an Reisekosten, Transport und Crew-Löhnen beisteuerten. Wir sind zudem ohne Gage aufgetreten.” Der Journalist schreibt zurück: “Wie Sie vielleicht wissen, bedienen sich die Nachrichten-Websites von Tageszeitungen in der Regel aus den gedruckten Artikeln, versehen sie mit neuen Fotos, etwas anderen (in der Regel zugespitzteren) Überschriften und vor allem mit einem knappen Vorspann (‘Teaser’).”

2. “Wir basteln uns ein Weltbild (mit Dank an Henryk M. Broder)”
(scienceblogs.de/zoonpolitikon, Ali Arbia)
Ali Arbia kritisiert einen “Welt”-Text von Henryk M. Broder. “Der ganze Artikel ist eine Ansammlung von Verzerrungen, selektiven Informationen, gezielten Auslassungen, Tatsachenverdrehungen und Phantastereien.”

3. “Das Töten ist des Volkes Lust”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
“Des Volkes Lust am Töten der Mörder mag ja bei dem einen oder anderen Bürger Zuspruch finden. Aber es sind unsinnige Diskussionen, die nach jedem abscheulichen Mord in den Medien und Internetforen geführt werden.”

4. “Tränen lügen doch”
(haz.de, Imre Grimm)
Die “Bild”-Empörung über “Bauer sucht Frau”. Imre Grimm macht darauf aufmerksam, dass eine ganze Reihe von Produktionsfirmen davon lebt, “sich absurde Liebesquerelen auszudenken, arglose Kandidaten zu finden und sie mit sanftem Druck und 150 Euro Tagesgage durch schlecht gelüftete Dreizimmerwohnungen zu schubsen, angeleitet von sogenannten ‘Realisatoren’ hinter der Kamera”.

5. “Merkel ist der ultimative Test für Interviewer”
(journalist.de, Hans Hoff)
Ein Interview mit Oliver Welke von der “Heute-show”: “Ich habe mich ja darüber amüsiert, dass Jauch alle Gäste inklusive Thomas Gottschalk auslädt, weil Angela Merkel anruft und sagt, sie hätte Lust vorbeizukommen. Wir müssten ihr natürlich auch die komplette halbe Stunde geben.”

6. “Best statistics question ever”
(flowingdata.com, englisch)

Bild.de  etc.

Not und Sicherheit

Heute lernen wir mal was über Luftfahrt, vielleicht kann man das ja bei Günther Jauch noch mal gebrauchen (wahlweise im RTL-Quiz oder im ARD-Polittalk).

Zunächst einmal erklärt uns die Wikipedia, was eine “Sicherheitslandung” ist:

Eine Sicherheitslandung liegt vor, wenn der Pilot sich für eine Landung entscheidet, um eine drohende Notlage zu vermeiden, die zum Zeitpunkt dieser Entscheidung aber noch nicht gegeben ist. Der Pilot hat also genügend Zeit, um zu einem geeigneten Flugplatz zu fliegen oder ein geeignetes Gelände für eine Außenlandung zu suchen.

Und jetzt die “Notlandung”:

Von einer Notlandung spricht man dann, wenn während eines Flugs eine Notlage auftritt, die eine sofortige Landung nötig macht.

Es gibt auch noch ein paar weitere Unterschiede, wie z.B. die Anzahl der noch funktionstüchtigen Triebwerke und die Regelung für einen sofortigen Wiederstart (bei der Sicherheitslandung erlaubt, bei der Notlandung nur nach Behördengenehmigung), so dass klar sein sollte: Es macht einen Unterschied, ob einer, der sich mit der Materie auskennt, von einer “Notlandung” oder von einer “Sicherheitslandung” spricht.

Folgendes schreibt Bild.de über einen Zwischenfall nach einem Vogelschlag beim Start:

Condor-Sprecher Johannes Winter sagte BILD.de: “Das linke Triebwerk ist durch Vogelschlag ausgefallen. Es handelte sich dennoch um eine Sicherheitslandung und nicht um eine Notlandung.”

Und folgendes schreibt Bild.de über den Artikel:

Notlandung auf Hamburger Flughafen: Urlauber-Jet kollidiert mit Vogelschwarm

Damit ist Bild.de allerdings nicht allein: Auch die Webseiten des “Kölner Stadtanzeigers” und der “Augsburger Allgemeinen” und die Nachrichtenagentur Reuters berichten von einer “Notlandung”.

Mit Dank an Martin L., Martin G. und Simon.

Nachtrag, 14.08 Uhr: Bild.de hat in der Dachzeile aus der “Notlandung” ein “Drama” gemacht.

Rügen, Theater, Tom Kummer

6 vor 9

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1. “Wie viel Prozent der Rügen des Presserats waren für Bild?”
(netzjournalismus.de, Fiete Stegers)
Fiete Stegers wertet Rügen durch den Deutschen Presserat seit 1997 aus (Datengrundlage auf docs.google.com).

2. “Nepper, Schlepper, Bauernfänger: Die künstliche Empörung über die BSF-Knebelverträge”
(couchfunk.de, Christoph)
“Bei ‘Bauer sucht Frau’ stinkt’s zum Himmel!” lautete die “Bild”-Titelgeschichte vom vergangenen Samstag. “Wirklich anrüchig und platt ist der ‘Bild’-Bericht aber, weil gerade die Regenbogenpresse doch überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass Casting-Opfer zu sprichwörtlich gewordenen Witzfiguren, Hassobjekten oder asozialen Monstern werden konnten. Wenn die ‘Bild’ also Empörung heucheln will, dann doch bitte in Form einer Aufklärungskampagne, die ihren Lesern einen Monat lang das Fremdschäm-Fernsehen austreibt und Begriffe wie Anstand und Menschenwürde zumindest mal wieder in Erinnerung ruft. Denn wenn etwas die Casting- und Verächtlichkeitsmachungswelle stoppen kann, dann höchstens massiv sinkende Einschaltquoten.”

3. “Pervers gutes oder einfach nur perverses Theater?”
(technoarm.de, Martin Böttcher)
Gleich zwei “Bild”-Mitarbeiter zeichnen eine Kritik des Theaterstücks “John Gabriel Borkman” von Henrik Ibsen. “Die Richtung ihrer Kritik und die krassen inhaltlichen Fehler, die in ihrem Text auftauchen, lassen eigentlich nur drei Schlüsse zu: Sie waren nicht da. Oder sie haben von Theater keine Ahnung. Oder sie waren nicht da und haben von Theater keine Ahnung.”

4. “Brigitte MOM”
(dasnuf.de)
Das Nuf liest “Brigitte Mom”: “Tatsächlich habe ich hier nichts gelesen, was mich irgendwie tief bewegt oder mich an irgendeiner Stelle zusätzlich informiert hat. Aber das muss gar nicht sein. Manchmal genügt es eine Zeitschrift zu haben, die man immer mal wieder in die Hand nimmt und kurz dem Alltag entflieht.”

5. “Bad Boy Kummer”
(arte.tv, Video, 90 Minuten)
Noch einige Tage auf “arte” zu sehen: Miklós Gimes porträtiert Interviewfälscher Tom Kummer und seine Weggefährten. Ulf Poschardt, Christian Kämmerling und Roger Köppel wollten beim Film nicht mitmachen. Mit dabei sind dafür Andreas Lebert, Alexander Osang, Markus Peichl oder André Müller.

6. “Surprise, Surprise.”
(floriansteglich.com)
Florian Steglich notiert sich Erkenntnisse nach der Lektüre des Artikels “Mein armes Amerika” im “Zeit Magazin”.

Schachbrett, Tyrannen, Bekennerschreiben

6 vor 9

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1. “Wie wir mit Bekennerschreiben umgehen”
(blogs.taz.de/hausblog, Magda Schneider, Kai von Appen und Peter Müller)
Wie die “taz Hamburg” mit “sogenannten Bekennungen” umgeht. “In der Redaktion herrschte Einigkeit darüber, dass wir uns nicht zu Hilfspolizisten machen lassen wollten. Denn ein Bekennerschreiben, das meist nicht von den Akteuren selbst stammt, hat rechtlich die gleiche Qualität wie von Informanten zugespieltes Material – es unterliegt dem Redaktionsgeheimnis. Deshalb schafften wir uns einen fiktiven Redaktionskater an, der noch bei laufender Produktion die Briefe verspeiste – was wir auch in der Zeitung mitteilten. Das verschonte uns sicherlich von vielen unangenehmen Hausbesuchen.”

2. “Lieber gut kopiert als …”
(oldenburger-lokalteil.de)
Der “Oldenburger Lokalteil” lädt ein zum Spiel “Welches ist die Pressemitteilung, welches der Zeitungsartikel?”. “Wenn Sie die Lösung haben, schicken Sie sie einfach an die Nordwest-Zeitung bzw. an das Delmenhorster Kreisblatt.”

3. “Die Inszenierung des Tyrannen-Todes”
(visdp.de)
“V.i.S.d.P.” spricht mit Historiker Thomas Großbölting über die Inszenierung der Tode von Benito Mussolini, Saddam Hussein, Osama bin Laden und Muammar al-Gaddafi: “Wenn man es gegenüber den Leserinnen und Lesern plausibel machen kann, dass die Wirklichkeit komplexer ist, als wir es uns in den Medienhypes und Bildikonen vorsetzen lassen, dann entsteht aus meiner Sicht wirklich guter Journalismus.”

4. “Strahlende Äpfel und giftige Birnen”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
“Fukushima war schlimmer als Tschernobyl” ist der Titel eines Artikels auf focus.de. “Anlaß zu dieser Meldung ist ein Bericht, wonach eventuell in Japan bis zu zweieinhalb Mal so viel radioaktive Edelgasisotope von Xenon und Krypton frei wurden als bei der Katastrophe von Tschernobyl.”

5. “Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?”
(publikative.org, Nicole Selmer)
Nicole Selmer macht sich Gedanken über die Berichterstattung zum Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden.

6. “Komik statt Symbolik”
(stern.de, Florian Güßgen)
Wie Rainer Grünberg auf abendblatt.de zuerst bemerkt hat, ist das Schachbrett auf dem Titelbild des Buchs “Zug um Zug” von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück falsch aufgestellt. Siehe dazu auch “Die Guttenbergs spielen nur mit weißen Figuren” (welt.de, Benjamin von Stuckrad-Barre, 21. Oktober 2010).

Brüssel, Ironie, Onlinebeleidigung

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1. “Abgeschirmte Infos: Journalisten in Brüssel”
(ndr.de, Video, 6:33 Minuten)
Brauchbare Informationen erhalten Journalisten in Brüssel nur auf inoffiziellen Wegen. Die EU-Kommission übt sich in Nicht-Information, zitiert werden will niemand. “Es wird zur Pressekonferenz geladen. Die Presse ist da. Was hier fehlt, sind nützliche Informationen.”

2. “Diese dummen Journalisten! Kleiner Rant”
(opalkatze.wordpress.com)
Hinweise von Lesern, Journalisten sollen bei Politikern härter nachfragen, sind zwar verständlich, stossen aber auf eine eingespielte Realität, in der Politiker und Berichterstatter aufeinander angewiesen sind. “Zielführendes Nachhaken funktioniert bei den rhetorisch geschulten Amtsträgern kaum noch. Scharfe Fragen werden ebenso akzeptiert wie die dritte ausweichende Antwort, weil jeder vom anderen weiß, dass der auch nur seinen Job macht.”

3. “Der Feind meines Feindes”
(fxneumann.de)
Felix Neumann macht sich Gedanken darüber, wie der “Welt”-Artikel “Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen” geschrieben ist.

4. “Auf der Straße zur Ironie-Hölle”
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser greift den “Zeit”-Artikel “Wenn Ironie zum Zwang wird” auf und fragt sich, ob es moralisch eigentlich verantwortbar ist, Sendungen wie “Bauer sucht Frau” oder “Schwiegertochter gesucht” zu schauen.

5. “Die Mechanismen der Onlinebeleidigung”
(netzfeuilleton.de, Jannis Kucharz)
Eine inhaltliche Analyse von 10.000 Nutzerkommentaren, die zwei Wochen nach dem Unfall von Fukushima auf “Spiegel Online” zu Artikeln dieses Themas abgegeben wurden. Die Arbeit “Fakten & Schmähkritik – Die Mechanismen der Beleidigung in Onlinediskussionen” ist als PDF-Datei verfügbar.

6. “Die Schöne und der Arme”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
“Was der neue Leserbeirat der BILD bislang (nicht) bewirkt hat.”

Michael Jürgs, Christoph Keese, Peinlichkeit

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1. “Michael Jürgs‘ Rotz”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier beleuchtet die Metaphern und Wortspiele von Michael Jürgs: “Es ist die ewige Klage über das Verkommen der Welt. Sie begleitet den Lauf der Zeit mit ihrem Gegrummel, seit es alte Männer gibt.”

2. “Radio-Reporter gesteht Mord an 23-Jähriger–oder doch nicht?”
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Hektor Haarkötter vergleicht Berichte der “Freien Presse”, von Bild.de und von Meedia.de.

3. “Quelle: Internet”
(fernsehkritik.tv, Video)
Holger Kreymeier fragt bei ARD, ZDF, RTL und Sat.1 nach, wieso so viele der ausgetrahlten, aber ursprünglich aus dem Web stammenden Videos keine konkrete Quellenangabe, sondern nur eine allgemeine, wie “Quelle: Internet” oder “Quelle: YouTube” haben.

4. “Wozu Zeitschriften kaufen? Im Internet ist doch alles so schön kostenlos”
(presseschauder.de, Christoph Keese)
Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs bei Axel Springer, zeigt auf, wie einfach es ist, im Web Zeitschriften herunterzuladen. “Alle Beteiligten behaupten, sie würden nicht stehlen, sondern lediglich Dateien ausspielen, die unbekannte Dritte hochgeladen haben. Unter dem Strich aber steht fest: Journalisten und Verlage gehen leer aus. Jede herunter geladene Datei ist ein Verkauf weniger.”

5. “Wenn Ironie zum Zwang wird”
(zeit.de, Nina Pauer)
Nina Pauer schreibt über die gemeinschaftsgenerierende Erfahrung, sich durch Fernseh- oder YouTube-Konsum in Sachen Peinlichkeit kollektiv nach unten abzugrenzen. “Als gemeinsames Ritual wirkt die Fremdscham wie eine Kompensation der individuellen Angst, die ansonsten überall lauert.”

6. “Wer sich die Euro-Rettung zutraut”
(graphitti-blog.de, katja)

Kleiner FauXPas

Nehmen wir mal an, 75 Prozent aller Häftlinge in deutschen Gefängnissen wären männlich (in Wirklichkeit sind es weit mehr). Würde das dann bedeuten, dass 75 Prozent aller Männer im Gefängnis säßen?

Nein, natürlich nicht. Ein ähnlicher Denkfehler ist allerdings der Presseabteilung von Microsoft unterlaufen, die ihr eigenes Betriebssystem Windows XP anlässlich seines zehnten Geburtstages schlechter macht, als es eigentlich ist:

(…) laut einer Studie des Antivirus Dienstleisters AVAST sind auf etwa 75 Prozent aller XP Rechner Rootkit-Infizierungen zu finden.

Dabei hat die Studie von Avast lediglich ergeben, dass 74 Prozent aller überprüften Rootkitinfektionen auf XP-Rechnern gefunden wurden:

Die Daten einer sechsmonatigen Studie listeten über 630,000 Muster auf und zeigten, dass 74% Infektionen aus Windows XP Maschinen stammen, verglichen mit 17% aus Vista und nur 12% aus Windows 7 Maschinen.

Das bedeutet im Umkehrschluss eben nicht, dass drei von vier XP-Rechnern infiziert sind, sondern eben nur, dass drei von vier Infektionen auf XP-Rechnern gefunden wurden.

Das hindert die Nachrichtenagentur dapd und Medien wie etwa stern.de, n24.de und n-tv.de nicht daran, den Fehler aus der Pressemitteilung zu reproduzieren; n-tv.de verlinkt dabei sogar auf die Avast-Studie. Geholfen hat’s nichts.

Mit Dank an André und Frank H.

Nachtrag, 26. Oktober: n-tv.de hat den Fehler inzwischen korrigiert.

Occupy, Günther Jauch, Heute

6 vor 9

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1. “Seid umarmt, Protestler!”
(zeit.de, Lenz Jacobson)
Die Occupy-Bewegung wird von Medien und Politik bis auf wenige Ausnahmen gefeiert – “die Kritik ist so grundsätzlich und diffus, dass noch für jeden etwas dabei ist”. “Auf Seiten der Medien ist es wohl auch die Verankerung vieler Journalisten in der gut gebildeten Mittelschicht, die eine positive Berichterstattung fördert. Weil auch viele der Protestierenden aus dieser Schicht kommen, können sich die Redakteure und Autoren mit ihnen besser identifizieren.”

2. “Talk-Tiefpunkt: Jauch bei Schmidt und Steinbrück”
(katjaschoenherr.de)
Peer Steinbrück und Helmut Schmidt wurden bei “Günther Jauch” zu wenig kritisch befragt, findet Katja Schönherr: “Wenn sich Jauch zum Sprachrohr einer solchen, von einem Buch begleiteten Personal-Kampagne macht, dann hat er das zu thematisieren. Dann hat er dreimal nachzufragen, warum die beiden hier in der Sendung sitzen.” Siehe dazu auch “Die Günther-Jauch-Show durchschaut gar nichts” (nachdenkseiten.de, Wolfgang Lieb).

3. “Mehr als neunzig Prozent der Tunesier haben gewählt”
(zettelsraum.blogspot.com)
“Mehr als neunzig Prozent der Tunesier folgten dem Aufruf, eine verfassungsgebende Versammlung zu wählen”, sagte Matthias Fornoff in der gestrigen 19-Uhr-Ausgabe der Nachrichtensendung “Heute” (ab 9:10 Minuten). “In die Wahllisten eingetragen nun haben sich 4,1 Millionen der über 7 Millionen Wahlberechtigten. Von diesen – und nicht von den Wahlberechtigten – haben rund 90 Prozent gestern abgestimmt; also ungefähr 3,7 Millionen von mehr als 7 Millionen wahlberechtigten Tunesiern.”

4. “Medientage München: Von Blogs und PDFs…”
(mrtopf.de, Christian Scholz)
Christian Scholz besucht die Medientage München: “Man wartet auf Standards und setzt auf Regulierung, anstatt all die Chancen, die ungenutzt vor einem liegen, mal zu ergreifen und etwas neues zu machen. (…) Und wenn am Ende innovativere US-Unternehmen alles an sich gerissen haben, wendet man sich dann jammernd an den Staat und bittet um Rettung!”

5. “Gespenstische Reporter”
(kanzlei-hoenig.info)
Carsten R. Hoenig beobachtet zwei “Bild”-Mitarbeiter bei der Arbeit am Artikel “Hier stellt die Polizei den Busunfall von der A10 nach”.

6. “Widersprüche: Gaddafi, Bin Laden – und Wagner”
(heikerost.com)
Heike Rost bemerkt als Nachtrag zu unserem Artikel “Der Leichnam aus einer anderen Welt” bei Franz Josef Wagner eine “wahre Positionsflexibilität”.

Helmut Markwort, FSK, Spiegel

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1. “Helmut Markworts Kosmos”
(nollendorfblog.de, jk)
Helmut Markwort schreibt im “Focus” über Homosexuelle. “Was soll man zu jemand sagen, der ‘die Pose des Widerstands und der Ruf nach Toleranz’ lächerlich findet ‘in einer Zeit, in der sich führende Vertreter aller Parteien zu ihren homosexuellen Neigungen bekennen’? Kann es sein, dass Herr Markwort tatsächlich glaubt, das würde irgendeinen Eindruck auf den Schulhöfen machen, auf denen ‘Schwule Sau’ das häufigste Schimpfwort ist?”

2. “Biene Maja bis zur Volljährigkeit”
(gunnargeller.de)
Wie die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” die aktuellen Altersfreigaben von Filmen kritisiert: “Das Ganze mieft nach den frühen Sechzigern, nach kleinbürgerlicher Aufregung über Sittenverfall und Negermusik und gammelnde Langhaarige, wird uns aber in einer Zeit präsentiert, in der via Internet Kinder und Jugendliche, die es wollen, nur ein paar Klicks brauchen um Fickfilmchen aller Art oder wahlweise auch Videos von Hinrichtungen oder Folterungen anzuschauen.”

3. “Gaddafi-Fotos ethisch nicht vertretbar”
(meedia.de, Christine Lübbers)
Elke Grittmann vom Insitut für Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster kommentiert die Veröffentlichung letzter Bilder von Muammar al-Gaddafi: “In den Medien wird Diktatoren die letzte Würde abgesprochen. Bis heute wird die Tötung des Gegners oder Zurschaustellung von dessen Leiche auch benutzt, um diesen zu entwürdigen. Heute läuft diese Zurschaustellung über Fotos und Filme und erreicht damit eine viel größere Öffentlichkeit. Für Medien ist hier die Gefahr sehr groß, nicht nur zu dokumentieren, sondern selbst auch instrumentalisiert zu werden.” Siehe dazu auch “Ein Screenshot hat keine Würde” (sueddeutsche.de, Bernd Graff) und “Gaddafis Leiche: Schweizer Medien kennen keine Grenzen” (ottohostettler.wordpress.com).

4. “Sie, Peer, sind ein guter Kandidat”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert die aktuelle “Spiegel”-Titelgeschichte, eine “der merkwürdigsten Veranstaltungen der an Merkwürdigkeiten nicht armen ‘Spiegel’-Geschichte”. “Im Kern geht es darum, dass Helmut Schmidt zusammen mit Peer Steinbrück ein Buch veröffentlicht, dessen interessanteste Aussage vermutlich die ist, dass Schmidt seiner Partei Steinbrück offen als Kanzlerkanidat empfiehlt. Das wiederum veranlasst den ‘Spiegel’ zu einer Titelgeschichte, in der als Quintessenz steht, dass Schmidt Steinbrück als Kanzlerkandidat empfiehlt.”

5. “Wie Jenny aus Essen Thurgauerin wurde”
(20min.ch, A. Mustedanagic)
Obwohl nur Frauen mit Schweizer Wohnsitz in der “Blick”-Wahl zum “Girl des Jahres” zugelassen sind, schafft es ein Model aus Essen ins Finale.

6. “Wer ist Gerald, wer ist Matt?”
(kobuk.at, Susanna Fellner)
Gerald Matt und Matt Gerald.

Außenreporter, NGOs, Freudenschüsse

6 vor 9

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1. “Wenn es kracht”
(journalist.de, Olaf Wittrock)
Journalisten und die Krise: “In der neuesten Finanz- und Staatsschuldenkrise, die sich in den vergangenen Wochen tatsächlich dramatisch zugespitzt hat, erleben Betrachter, wie der Wirtschaftsjournalismus des Jahres 2011 im Ausnahmezustand funktioniert: mit Warnung, Mahnung, Angst, mit Instrumenten aus dem Baukasten des Kampagnenjournalismus.” Siehe dazu auch den Text “Jeden Tag ein Untergang” (cicero.de, Petra Sorge): “Als hätten die Journalisten aus der Geschichte nichts gelernt, folgen sie heute einem neuen Mainstream: den Untergang herbeizuschreiben, ja, zum Zwecke der Auflagen- und Quotensteigerung beinahe herbeizusehnen.”

2. “Pseudo-live an der Börse”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Dietrich Leder)
Wie “live” die Schaltungen des “Heute-Journals” in die Frankfurter Börse sind.

3. “Gaddafis Todesbilder”
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Der Umgang mit den letzten Bildern von gestürzten Diktatoren.

4. “Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte”
(medienwoche.ch, Torsten Haeffner)
Botschaften von Nichtregierungsorganisationen finden oft leicht ihren Weg in den redaktionellen Teil: “Wenn NGOs anprangern und verkünden, – Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte – zeigt ein Grossteil der Medien nachhaltige Beisshemmung. Dies ist ebenso alltäglich wie in Anbetracht des Informationsauftrags der Medien stossend und störend.”

5. “Ein Schuss in die Luft”
(daserste.de/wwiewissen, Daniel Haase, 2007)
Derzeit täglich in den Nachrichten: Menschen, die Freudenschüsse in die Luft abgeben. “Ob zu Festlichkeiten oder Silvester, Trauer oder Wutkundgebungen – der Schuss in die Luft ist ein denkbar ungeeigneter Ausdruck von Freude oder Empörung. Er ist einfach unberechenbar und extrem gefährlich.”

6. “Berufstipp Außenreporter”
(sat1.de, Video, 2:31 Minuten)
Die Harald-Schmidt-Show sucht mit Jan Böhmermann: Witzige Außenreporter (m/w).

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