Suchergebnisse für ‘LINK’

Assauer, Weimer, Balzac

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Assauer: Schlammschlacht in den Medien”
(ndr.de, Video, 6:54 Minuten)
Kamerateams von Bild.de und RTL belagern anlässlich eines Gerichtstermins den an Alzheimer erkrankten, ehemaligen Fußballmanager Rudi Assauer.

2. “Die programmierte Blamage”
(spiegel.de, Christoph Lütgert)
Bei seinem Auftritt bei “Menschen bei Maischberger” sei Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer zu viel Raum für Eigenwerbung eingeräumt worden, kritisiert Christoph Lütgert: “Die ersten geschlagenen 20 der 75 Maischberger-Minuten durfte sich Maschmeyer ganz allein verbreiten, sein jüngstes Buch mit den Plattitüden bewerben, als sei es tatsächlich – Zitat Sandra Maischberger – ‘ein Ratgeber für Menschen, die Erfolg suchen’.”

3. “Medien: Verletzungen der Intimsphäre dürfen nicht ohne Konsequenzen bleiben”
(martinspieler.ch)
Martin Spieler, Chefredakteur der Schweizer “Sonntagszeitung”, fragt nach dem Busunglück im Wallis: “Was gewinnen wir denn für Erkenntnisse, wenn wir Gesichter, Namen und Vorlieben von Menschen anschauen, die in der Bustragödie ihr Leben verloren? Keine. Da geht es nicht um Mitleid. Wir befriedigen nicht legitime Informationsbedürfnisse, sondern einzig unseren Voyeurismus, ohne öffentlichen Informationswert.”

4. “Auf eigene Rechnung”
(tagesspiegel.de, Tim Klimeš)
Tim Klimeš besucht Wolfram Weimer, Ex-Chefredakteur des “Focus” und neu Verleger: “Der Publizist hat den gesamten Verlagsbereich der Finanzpark AG (u.a. ‘Börse am Sonntag’) gekauft.”

5. “Hannelore Kraft und der Sprint zum Büffet”
(fabian-kuntz.de)
Fabian Kuntz beschreibt den medialen Weg eines von ihm auf YouTube hochgeladenen Videos, das einen zwanzig Sekunden dauernden Ausschnitt aus dem Parlamentsfernsehen zeigt.

6. “Die Kunst, seine Schulden (nicht) zu zahlen – erklärt von Honoré de Balzac”
(faz-community.faz.net/blogs, Philip Plickert)
Philip Plickert liest “Die Kunst, seine Schulden zu zahlen” von Honoré de Balzac: “Von den acht beschriebenen Arten, Schulden zu tilgen, betont Balzac vor allem jene: ‘indem man eine oder mehrere Schulden in eine oder mehrere andere verwandelt’ – auch Balzacs Aphorismus ‘Je mehr Schulden man hat, desto mehr Kredit hat man’, scheint uns die griechische Situation in der Euro-Rettungsorgie gut zu treffen.”

Grosse-Bley, iPad-Fabriken, Ahmadinedschad

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Studie zur Wirkung des Nichtraucherschutzgesetzes in Deutschland ist fragwürdig”
(heise.de/tp, Bastian Rottinghaus)
Verschiedene Medien haben eine Studie unkritisch verbreitet, stellt Bastian Rottinghaus durchaus selbstkritisch fest. “Sowohl Telepolis als auch Spiegel Online glänzen hier wie fast alle in- und ausländischen Medien nicht gerade durch kritische Distanz zur DAK, auf deren Patientendaten die Studie basiert und die mit unnachahmlicher Brillanz bilanziert: ‘Weniger Qualm bedeutet weniger Herzerkrankungen – eine einfache Formel für die Gesundheit.’ Nun ist es mit der Eindeutigkeit der Studienbefunde leider nicht so weit her, wie es einem die DAK und das Medienecho nahelegen möchte – denn um genau zu sein: es gibt gar keine Befunde.”

2. “Würden es wieder so machen”
(medienwoche.ch)
“Blick”-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley, kritisiert wegen dem Abdruck von Opferbildern des Busunfalls im Wallis, würde sich in einer vergleichbaren Situation wieder so entscheiden: “Schauen Sie, um dieser Tragödie ein Gesicht zu geben, um sie fassbar zu machen, kann man nicht einfach nur bloss einen Tunnel, einen zerstörten Bus und eine Pannen-Nische zeigen. 22 tote Kinder – das ist keine Zahl, das ist eine Katastrophe. Die Bilder von Menschen, von Betroffenen, machen das Ausmass des Dramas wenigstens ansatzweise fassbar.”

3. “Der erfundene Horror der chinesischen iPad-Fabriken”
(faz.net, Frank Kelleter)
Inszenierte Berichte von Mike Daisey über die Arbeitsbedingungen in einem chinesischen Zulieferbetrieb ernten viel Aufmerksamkeit und Empörung. “Zwar war er tatsächlich zu Besuch in einigen chinesischen Fabriken gewesen und hatte dort mit Arbeitern gesprochen, aber die folgende Broadwayshow war eine Aufführung, ihre Hauptfigur ein Schauspieler, der Anekdoten und Gerüchte aus unterschiedlichen Quellen verdichtete und in der ersten Person vortrug. Die Menschen, deren unerhörtes Schicksal er uns mit kraftvoller Stimme näherbrachte, existierten in dieser Form nur in seiner Phantasie.”

4. “Unbeobachtet, unschuldig, unfehlbar?”
(faz.net, Peter Penders)
Peter Penders fragt sich, warum es immer noch Profi-Fußballspieler gibt, die “noch nicht verinnerlicht zu haben, dass jedes Spiel im Fernsehen übertragen wird und dass sogar Dutzende Kameras rund um das Spielfeld verteilt sind, denen einfach nichts entgeht, nicht einmal, wenn nebenbei Schnick, Schnack, Schnuck gespielt wird.”

5. “sachen aus protest weglassen”
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Wie Google das von Presseverlegern angestrebte Leistungsschutzrecht umsetzen könnte.

6. “Ahmadinedschad im ZDF: ‘Atomwaffen sind unmoralisch'”
(youtube.com, Video, 42:29 Minuten)
Ein sehenswertes Interview von Claus Kleber mit dem iranischen Präsidenten, Mahmud Ahmadinedschad. Zitat ab Minute 35: “Wir lieben alle. Und wir suchen keinen Krieg. Gegen kein Land. Wir wollen auch keine Atombomben.” Siehe dazu auch “Wie das ZDF sein Exklusiv-Interview nachts versendet” (meedia.de, swi), “Das unmögliche Interview” (navigarenecesseest.wordpress.com) und “Unwidersprochener Judenhass” (taz.de, Philipp Gessler)

Bayern München, Wahrheit, Keystone

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die IVW-und-AGOF-Tricks der News-Sites”
(meedia.de, Jens Schröder)
Die Zugriffszahlen von Nachrichtenwebsites wie Focus Online oder N24 werden mit Besuchern von Partnerwebsites verstärkt. “Legalität hin oder her, die Methoden, völlig inhaltsfremde Websites zu einem namensgebenden Angebot hinzuzuzählen, verwässern die eigentlich starken Währungen der IVW und AGOF immer mehr und machen die Zahlen auf Dauer irrelevant.”

2. “Promis im Interview: Diese Stars streichen statt zu sprechen”
(20zwoelf.de, Nicola Erdmann und Nina Dinkelmeyer)
20zwoelf.de, ein Portal der Axel-Springer-Akademie zur Pressefreiheit, notiert Erfahrungen von Journalisten mit Forderungen von “Sängern oder Schauspielern beziehungsweise ihren Agenturen”.

3. “Verdammt und vergöttert – die mediale Achterbahnfahrt der Spieler”
(fanorakel.de, Oliver Kahn)
Ex-Fußballtorwart Oliver Kahn kommentiert die Extreme der medialen Berichterstattung zum FC Bayern München. “Da wird Mario Gomez nach der vergebenen Großchance gegen Leverkusen zum ‘Gurken-Gomez’ gemacht und wenige Tage später als ‘Gomessi’ überhöht. Noch vor kurzem wurde die Spielweise von Arjen Robben als zu egoistisch eingestuft, heute wird wieder vom Traumduo ‘Robbery’ (Robben und Ribery) gesprochen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte nach dem Sieg gegen Basel: ‘Vor 14 Tagen waren alle Bratwürste, jetzt sollen alle Super-Stars sein. In diesem Umfeld möchte ich nicht leben.'”

4. “Fakten zählen. Emotionen zählen. Und die Wahrheit?”
(notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz fragt, ob die komplexe Wahrheit zu viel ist für uns Medienkonsumenten. “Als Journalist muss ich mich täglich damit herumschlagen, wie weit man die ‘Wahrheit’ herunterkochen kann. Wenn man immer alle Seiten und Standpunkte wiedergibt, entsteht allzu leicht unverständliches Wischi-waschi, das den Leser ratlos zurücklässt. Wir müssen auswählen, was wir transportieren. Und auf diesem Wege konstruieren wir ein Zerrbild, eine andere Realität.”

5. “Der Mensch hinter der Kamera”
(journal21.ch, Stephan Wehowsky)
Ein Interview mit Alessandro della Valle von der Bildagentur Keystone: “Wir haben die ganz strenge Regel, dass in die Gestaltung der Bilder nachträglich nicht mehr eingegriffen werden darf. Für die Bildagenturen haben sich da sehr strenge Codes durchgesetzt. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht der im Internet einsehbarer Ethik-Code der Agenturen AP und Reuters. Dazu kommt noch Folgendes: Entfernt ein Fotograf von seinem Bild zum Beispiel einen Gegenstand aus einem Raum, weil der die Bildkomposition beeinträchtigt, werden wir in kürzester Zeit Internetkommentare von denjenigen haben, die auch am Ort waren und die Manipulation bemerken und entsprechend anprangern.”

6. “Wer hat die Bundeskanzlerin geohrfeigt?”
(faz.net)
Ein schmerzlich ausführlicher Report von fünf FAZ-Mitarbeitern fasst die wenigen, vom Fernsehen mit grosser Hingabe begleiteten Ereignisse der sonntäglichen Bundespräsidentenwahl zusammen: “13.45 Uhr, ARD: Senta Berger ist der Höhepunkt in der heutigen ARD Berichterstattung. ‘Was kann ich Ihnen noch sagen, was nicht schon andere gesagt haben?’.”

Von Manga-Mord und Profi-Piraten

Im vergangenen November fand man in Leipzig in einem Fluss die zerstückelte Leiche eines jungen Mannes. Anfang Dezember konnte er als Jonathan H. identifiziert werden. “Bild” bastelte sich aus den Spuren, die Jonathan H. im Internet hinterlassen hatte, das Psychogramm einer “bizarren Welt” (BILDblog berichtete) und die “Dresdner Morgenpost” spekulierte über einen “Manga-Mord”.

Beide Zeitungen beschrieben das Leben des Getöteten (bzw. den Teil seines Lebens, der im Internet dokumentiert war) detailliert und zitierten Spekulationen von Nachbarn über die Intimsphäre des Toten. Illustriert waren die Artikel mit mehreren privaten Fotos. Eine Bekannte von Jonathan H. veröffentlichte auf BILDblog einen offenen Brief über die diffamierende Berichterstattung von “Bild” und “Morgenpost”, der größere Aufmerksamkeit erregte.

Vergangene Woche beschäftigte diese Berichterstattung auch den Deutschen Presserat: Der Beschwerdeausschuss sprach nicht-öffentliche Rügen gegen Bild.de (wo der “Bild”-Artikel ebenfalls erschienen war) und die “Dresdner Morgenpost” aus, da er in den Artikeln eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts nach Ziffer 8 des Pressekodex sah. Der Presserat habe im konkreten Fall “kein öffentliches Interesse” erkennen können, das das Persönlichkeitsrecht des Opfers überlagert hätte.

Die “Maßnahmen” des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine “Missbilligung” ist schlimmer als ein “Hinweis”, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die “Rüge”. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Die “Dresdner Morgenpost” kassierte außerdem auch noch eine öffentliche Rüge, weil sie auf der Titelseite und im Innenteil unter der Überschrift “Junge (17) warf sich vor Zug – tot” über den Suizid eines Teenagers berichtet hatte. Die “Morgenpost” schilderte die Selbsttötung ausführlich, spekulierte über das Motiv und beschrieb die Verletzungen des Jungen detailliert. Der Presserat sah durch diese Darstellungen die in Richtlinie 8.5 gebotene Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbsttötung verletzt.

Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt die “B.Z.” für die Berichterstattung über einen schweren Autounfall, bei der sie mit der Unfallschilderung auch ein Foto eines 32-jährigen Opfers gezeigt hatte, das die Redaktion ohne Einwilligung der Angehörigen aus einem sozialen Netzwerk kopiert und veröffentlicht hatte. Der Presserat betont, dass über Unfallopfer “im Hinblick auf den Schmerz der Hinterbliebenen besonders zurückhaltend berichtet werden” müsse. Ein überwiegendes öffentliches Interesse an der identifizierenden Berichterstattung sei auch hier nicht zu erkennen gewesen.

Hier saugen Profi-Piraten - So haben Polizei und Abmahner keine ChanceBemerkenswert ist die Titelgeschichte, für die das “PC Magazin” eine öffentliche Rüge erhielt: Unter der Überschrift “Quellen der Raubkopierer” und dem Hinweis “So haben Polizei und Abmahner keine Chance” beschäftigte sich der Artikel mit verschiedenen Möglichkeiten zum illegalen Download von Musik, Filmen und Software aus dem Internet. Dabei nannte die Redaktion konkrete Websites und bewertete in einer Tabelle u. a. das Risiko für den User bei Nutzung des jeweiligen Download-Dienstes. Der Presserat sah in dieser Veröffentlichung eine Verletzung des Ansehens der Presse: Es sei nicht mit der Ziffer 1 Pressekodex vereinbar, wenn eine Redaktion illegale Downloadmöglichkeiten beschreibe, durch deren Nutzung Urheberrechte verletzt werden. Im vergangenen Jahr hatte das NDR-Medienmagazin “Zapp” über die Tipps verschiedener Computerzeitschriften berichtet, die sich “ganz nah am Rande der Legalität” bewegten, das “PC Magazin” selbst war bereits 2006 in zwei ähnlichen Fällen gerügt worden.

Ebenfalls gerügt wurden die “Lünepost”, ein Anzeigenblatt der “Landeszeitung für die Lüneburger Heide” (wegen Verstoßes gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung), das “Deutsche Waffenjournal” (Diskriminierung), sowie die “Bunte” und der “Weserkurier” (beide Schleichwerbung).

Busunfall, DSDS Kids, Krokotasche

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Car-Drama: Journalisten wollten sich zu verletzten Kindern einschleichen”
(sonntagonline.ch, Sandro Brotz und Cyrill Pinto)
Nach dem Busunfall im Wallis versuchen Journalisten, zu den Opfern vorzudringen. “Im Spital von Visp waren die sechs weniger schwer verletzten Kinder untergebracht. Das Gelände wurde zwar abgesperrt, doch mehrere Journalisten versuchten, auf die Abteilung der Kinder vorzudringen. Schliesslich musste die Polizei einschreiten, wie die Sprecherin der Walliser Spitäler, Florence Renggli, bestätigt.” Siehe dazu auch “Journalistische Grenzverletzungen” (suedostschweiz.ch, David Sieber).

2. “Versicherungsbranche manipuliert Panorama-Abstimmung”
(panorama.blog.ndr.de, Andrej Reisin)
Andrej Reisin hält einen Aufruf, eine Online-Abstimmung zu beeinflussen, für ein “Lehrstück im Hinblick darauf, wie Finanz- und Versicherungslobby versuchen, unabhängige Berichterstattung und Kritik zu diskreditieren und zu verunglimpfen”.

3. “Wie die Bild-Zeitung und RTL den 17-jährigen Daniele vor Millionenpublikum vorführen”
(wochenblatt.de, Christian Eckl)
Siehe dazu auch den Ausblick von Marie Amrhein auf die Sendung DSDS Kids, die vier- bis vierzehnjährige Kinder als Kandidaten gewinnen will: “Dieter Bohlens Prügel für die jüngste Generation” (cicero.de).

4. “Nur Polemik und keine Argumente von den freien Journalisten vom DJV zur Urheberrechtsdebatte”
(neunetz.com, Marcel Weiß)
Marcel Weiß nimmt einen Blogbeitrag des DJV-Freienblogs von Michael Hirschler zur Debatte um das Urheberecht auf. “Sowohl Google als auch Facebook halten sich an geltendes deutsches Recht. Was haben sie sich vorzuwerfen? Nur eins: Ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Internet.”

5. “Mirror uses model’s image to illustrate serial killer story”
(tabloid-watch.blogspot.com, MacGuffin, englisch)
Der “Daily Mirror” verwendet ein Selbstporträt von @threnodynvelvet (Tweet), um eine Story über Serienmörderinnen zu illustrieren.

6. “Der Mann mit der Krokotasche”
(welt.de, Peter Stephan Jungk)

Edelfedern, Filter, Axel Springer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “ING-DiBa ist ein Redakteur beim ‘Standard'”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr vergleicht eine Pressemitteilung einer Bank mit einem redaktionellen Artikel von derstandard.at.

2. “Edelfedern: ‘Wenig recherchieren, Ornamente und Schwurbel'”
(blog.persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski beschäftigt sich mit den so genannten “Edelfedern” in den Redaktionen. “Edelfedern liest man nicht in erster Linie wegen der Inhalte, sondern wegen ihrer kunstvollen Form. Und damit sind wir beim Problem. Denn irgendwie kommen die beiden Dinge nie recht zusammen.”

3. “Versöhner und Spalter”
(fnp.de, Dierk Wolters)
Die Ausstellung “Bild Dir Dein Volk” (noch bis Ende Juli im Jüdischen Museum in Frankfurt, Eintritt 4 Euro) befasst sich mit dem Verhältnis von Verleger Axel Springer zu den Juden: “Springers Menschenbild und seine Personalpolitik bleiben im Dunkeln. Und doch kommt selbst einer seiner massivsten Gegner, der Journalist Günter Wallraff, der in den 80er Jahren heimlich bei ‘Bild’ arbeitete und darüber Bücher schrieb, nicht umhin, den Erzfeind für sein Israel-Engagement zu loben.”

4. “Wehe dem, der nicht filtern kann”
(journalist.de, Marcus Lindemann)
Journalisten sollen sich anstrengen, das Netz besser zu verstehen, fordert Marcus Lindemann und ruft dazu auf, genauer hinzusehen. “Das Netz bietet eine Vielzahl von Quellen – von amtlichen Bekanntmachungen und anderen privilegierten Quellen bis hin zu Tratsch und Belanglosem, da steht es der realen Welt in nichts nach. Wie auch? Es ist Teil der realen Welt.”

5. “Titelökonomie”
(batz.ch, Monika Bütler)
Monika Bütler bucht Tickets für den Wiener Musikverein und stutzt bei der Auswahl der Titel.

6. “Easyjet veranstaltet Pub Crawls direkt in Berliner Flughafengebäude”
(kojote-magazin.de, Satire)

Angst, Tweets, Carsten Maschmeyer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Habt keine Angst!”
(wasmitmedien.de, Dennis Horn)
Viele Journalisten übertragen ihre eigene Angst vor dem Internet auf die Medienkonsumenten. Das muss nicht sein, findet Dennis Horn.

2. “‘Bild’ bleibt ‘Bild’ – ganz tief unten”
(vocer.org, Christoph Lütgert)
“Wie ekelhaft!!!” – so kommentiert Christoph Lütgert das Erscheinen von Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer auf der Titelseite von “Bild”. “Da bringt einer viele tausend Menschen um ihre Ersparnisse, rafft sich selbst unvorstellbare Reichtümer zusammen, und die ‘Bild’-Zeitung feiert diesen Mann als Helden, stilisiert ihn sogar zu einem Idol. Jeder, so die Botschaft, könne von ihm lernen.” Am 13. März fragte Lütgert: “Und wann wird Maschmeyer verknackt?”

3. Interview mit Moritz Bleibtreu
(planet-interview.de, Denis Demmerle)
Schauspieler Moritz Bleibtreu über den Umgang mit der Presse: “Grundsätzlich ist das ein Spiel, bei dem du dir überlegen musst, ob und wieweit du daran teilnehmen willst. Die Annahme, dass Musiker, Schauspieler & Co diese Medien brauchen, um erfolgreich zu sein, ist nur bedingt richtig.” Und über die Werbekampagne von “Bild”: “Das ist eine perfide, aber intelligente Kampagne. Ich lese die Bild nicht, deshalb würde ich nicht für sie werben.”

4. “leistungsschutz?”
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel analysiert einen Artikel auf “Spiegel Online” und spannt einen Bogen zum von Presseverlegern geforderten Leistungsschutzrecht: “vielleicht können wir über das leistungsschutzrecht nochmal reden, wenn verlage für interviews (also das absaugen von geistigem eigentum aus interviewpartnern), tweets des tages auf dem titelblatt oder paraphrasierungen von fremden inhalten (aus zeitungen, büchern, fernsehen oder blogs) lizenzgebühren oder honorare zahlen.”

5. “Dürfen Print-Medien Tweets abdrucken?”
(netzwoche.ch, Marcel Maurice Urech)
Die Schweizer Rechtsanwältin Lilian Snaidero Kriesi wird zum Urheberrecht an Tweets befragt: “Meiner Ansicht nach hängt die Frage, ob retweetet werden darf, nicht davon ab, ob dies online oder in der Printversion erfolgt. Liegt ein urheberrechtlich geschütztes Werk vor, hat man sich an die Zitierregeln zu halten. Das heisst, Zitate müssen einen bestimmten Zitatzweck verfolgen.”

6. “Ein VZ, eine Verlobung und ein Versuch”
(elektrischer-reporter.de, Video, 14 Minuten)
Aufstieg und Fall der von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck aufgekauften VZ-Netzwerke, die Medienberichterstattung über die Verlobung von @laprintemps und die Schwierigkeiten, Medien im Netz auf legale Weise zu erwerben.

API, Marvin Oppong, Handelsblatt

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “API – das bald wichtigste Werkzeug des Journalisten”
(blog.zeit.de, Kai Biermann)
Kai Biermann regt Journalisten dazu an, vermehrt Schnittstellen auszulesen und zu verarbeiten: “Noch sind viele Verlage leider sehr mit der Idee beschäftigt, ihre Inhalte so gut wie möglich gegen eine Nutzung durch andere abzuschotten. Es wäre nicht schlecht, wenn sich das bald änderte. Immerhin sind auch Zeitungsarchive riesige Datenschätze, aus denen sich neue Erkenntnisse gewinnen lassen.”

2. “dapd sagt: Schadenersatzforderung gegenstandslos”
(jensweinreich.de)
Die Nachrichtenagentur dapd zieht die am 9. März durch eine Anwaltskanzlei verschickte Schadenersatzforderung wegen einer Urheberrechtsverletzung an Jens Weinreich zurück. “Ein Problem besteht darin, dass nicht nur die dapd, sondern viele andere Medienunternehmen mit Kanonen auf Spatzen schießen. Sie schicken Heerscharen von Abmahn- und Inkasso-Anwälten in die Spur. Irgendwas bleibt dann schon hängen, weil manche Betroffene, selbst wenn sie sich nichts zu Schulden kommen ließen, vielleicht nicht die Laune, nicht den Mut oder was auch immer nicht hatten, um sich zur Wehr zu setzen.”

3. “Marvin Oppong und PR in der Wikipedia”
(blog.oldmedia.de)
Der “Spiegel Online”-Artikel “Das geschönte Bild vom Daimler-Konzern” berichtet über die Tatsache, “dass jemand einen kritischen Abschnitt im Wikipedia-Artikel des Autobauers gelöscht hat. Die (anonyme) Bearbeitung wurde schnell rückgängig gemacht, sie hatte gerade mal eine Minute Bestand. So etwas ist nichts Ungewöhnliches und passiert tagtäglich in der Wikipedia. In diesem Fall konnte die IP des Bearbeiters aber zur Daimler AG zurückverfolgt werden.” Siehe dazu auch “Der pöse Daimler” (dieganzewahrheit.org, Thomas Weiss).

4. “In Syrien riskieren Berichterstatter ihr Leben”
(drs.ch, Fredy Gsteiger)
Verschiedene Hintergründe zu journalistischen Aktivitäten in Syrien: “Zwar lädt das Regime in Damaskus ihm wohlgesonnene Leute ein, aus Deutschland etwa Peter Scholl-Latour oder Jürgen Todenhöfer. Mit ihnen trinkt Syriens Präsident Bashar al-Assad Tee und erkauft sich so ihm zusagende Berichte. Unabhängige Berichterstatter jedoch will der Diktator fernhalten oder loswerden.”

5. “Handelsblatt-Leser schlecht beraten”
(heise.de/tp, Peter Mühlbauer)
Peter Mühlbauer erinnert an die “Handelsblatt”-Aktion “Wir kaufen griechische Staatsanleihen!” von 2010 (“Es geht um ein Zeichen der Mitverantwortung, auch unter Inkaufnahme eines nicht bestreitbaren finanziellen Risikos. Am Freitag habe ich daher für 5.000 Euro griechische Staatsanleihen geordert. Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt.”

6. “…dann schreibe ich halt ein paar Zeilen”
(blog.bernerzeitung.ch, Johannes Hofstetter)
Ein Interview mit Walter Krebs, der der “Berner Zeitung” in zwölf Monaten 60 Leserbriefe geschrieben hat.

Drei gegen Jauch

Nur weil “Bild” und Bild.de regelmäßig gegen die Menschenwürde verstoßen, schockierende Fotos zeigen und Politiker oder andere Menschen in Artikeln hart angehen, sollte man nicht automatisch annehmen, dass dort knallharte Zyniker arbeiten. Manche Redakteure sind nämlich echte Mimosen: Sie halten einen kleinen Seitenhieb für “pöbeln” und einen etwas verunglückten Witz für eine “Attacke”.

Wenn Sie am Sonntagabend den Polittalk “Günther Jauch” in der ARD versäumt haben, haben Sie von den dortigen Attacken auf den Moderator womöglich nichts mitbekommen. Und wenn nicht, auch.

Bild.de hat sie deswegen gestern zusammengefasst:

• Attacke Nummer 1: Jauch fragt Henning Scherf, ob Wulff nach seiner kurzen Amtszeit einen Ehrensold von rund 199 000 Euro verdiene oder das Ganze nur eine Neid-Debatte sei. Dann zeigt Jauch einen kurzen Einspielfilm, der Wulffs Einkommen mit dem eines durchschnittlichen Arbeitnehmers vergleicht.

Henning Scherf protestiert: Im Vergleich mit der Wirtschaft würden Politiker “miserabel schlecht bezahlt”.

SCHERF KRITISIERT JAUCHS EINKOMMEN

Dann zeigt Scherf auf Jauch und nimmt dessen jährliche Millionen-Einnahmen als Produzent und TV-Star in den Blick: “Sie müssen auch mal selbstkritisch fragen, lieber Günther Jauch, was Sie so im Jahr verdienen. Sie verdienen das Vielfache von dem, was die Bundeskanzlerin verdient und halten das für gerecht!”

Jauch versucht zu kontern: “Das wissen Sie ja gar nicht.”

Doch Scherf lässt sich nicht beirren: “Das ist nicht gerecht! Unsere Gehälter sind ungerecht verteilt.”

Applaus im Studio. Scherf grinst zufrieden.

Zugegeben: Das klingt derart beschrieben nicht sonderlich spektakulär. Aber Sie sollten es selbst gesehen haben, um zu wissen, wie unspektakulär der Vorfall tatsächlich war:


 
Henning Scherf, Deutschlands freundlichster Kritiker, der sich sofort im Anschluss an seine Attacke auch noch höflich lächelnd dafür entschuldigt.

Doch die Sendung wurde für den armen Günther Jauch noch unangenehmer:

• Attacke Nummer 2: Jauch fragt “Taz”-Chefredakteurin Ines Pohl, ob sie sich nach der Wulff-Affäre ein politisches Engagement vorstellen könne oder ob es ihr mittlerweile vor der Politik grusele.

Nein, sie bleibe lieber Journalistin, antwortet Pohl. Politiker würden in der Öffentlichkeit zu sehr durchleuchtet.

Dann geht die Journalistin selber zum Angriff über – auf den Moderator: “Über Sie, Herr Jauch, – hört man – wird auch nicht immer nett berichtet!”

Jauch verwirrt: “Na, ich kann mich nicht beschweren.”

• Attacke Nummer 3: Der Thüringer Linken-Politiker Ramelow ergreift das Wort, assistiert Pohl als ob die beiden sich vorher abgesprochen hätten.

Ramelow zu Jauch: “Na, ich wollte Ihnen aus Erfurt einen Born-Senf mitbringen.”

Jauch stutzt, versteht nicht, was Ramelow sagen will. Born-Senf ist eine bekannte Erfurter Senfmarke. “Und wie soll der mir jetzt helfen?”, fragt Jauch.

“Na, vielleicht, weil Sie mal einen Partner Born hatten.”

Sind Sie noch wach?

Langsam dämmert Jauch, was Ramelow eigentlich will. Mitte der neunziger Jahre musste Jauch als Chefredakteur des TV-Magazins “Stern TV” gefälschte Beiträge des Dokumentarfilmers Michael Born verantworten.

“Ach so, jetzt gehen Sie auf Stern TV, 17 Jahre zurück”, sagt Jauch.

Ramelow: “Es geht um die Frage: Was bleibt einem haften? Das hatten Sie Frau Pohl gerade gefragt.”

Die rettet die peinliche Situation. “Wir wollen jetzt weg vom Senf”, bestimmt Pohl und erzählt lieber davon, welche Sprüche sich Angela Merkel als Frau in der Politik gefallen lassen müsse.

Jauch aber hört gar nicht richtig zu. Mit zusammengebissenen Zähnen blickt er auf Ramelow, schüttelt den Kopf über dessen Live-Attacke.

Und hier die ganze Szene noch mal in all ihrer Dramatik:


 
Andererseits hatte Ines Pohl nicht unrecht: Auch über Günter Jauch wird nicht immer nett berichtet.

So sieht jedenfalls die “Bild”-Zeitung heute aus:

TV-Star in eigener Show attackiert: Verdient Jauch zu viel Geld?

Mit Dank auch an Laszlo J. und Tobias.

dapd, Tages-Anzeiger, Asma al-Assad

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Albtraum auf den Malediven”
(fernsehkritik.tv, Video, 16 Minuten)
Wie zwei Kandidaten des vorgeblichen Sing- und Talentwettbewerbs “Deutschland sucht den Superstar” gegen ihren Willen in eine Liebesgeschichte verwickelt werden.

2. “Einst Prinzessin, heute Hexe von Syrien”
(cicero.de, Marie Amrhein)
Das Bild, das Medien von Asma al-Assad, der Ehefrau des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, zeichnen, wandelt sich. “Asma al-Assad fällt tief in der Gunst der globalen Beobachter. Aus Ermangelung an weiteren Einblicken in ihre Gedanken, wird ihre Persönlichkeit nun kurzerhand umgedichtet – sie wird von der Retterin zur Schlachthelferin. Und wieder ist das Bild klar: Die Frau ist eine Hexe. Mit eiskaltem Blick sieht sie zu, wie ihr Mann Homs, die Heimatstadt ihrer Familie, zerstört. So beschreiben es nun die getäuschten Medien, obwohl doch niemand Genaueres weiß.”

3. “Vom Urheberrecht oder: wie dapd zu Geld kommen will”
(jensweinreich.de)
Sportjournalist Jens Weinreich erhält ein Schreiben einer von der Nachrichtenagentur dapd beauftragten Anwaltskanzlei: “Von mir verlangt man für ein Zitat aus dem Oktober 2008, das von AP Deutschland stammt und das ich nun nach Eingang der Anwaltspost gelöscht habe, insgesamt 463,07 Euro.”

4. “Eine Million Euro von ‘Bild’ gefordert”
(taz.de, Jannis Papadimitrou)
Alexis Tsipras, Vorsitzender der griechischen Partei Synaspismos, will sich von “Bild” nicht als “Halb-Krimineller” bezeichnen lassen, der “offen mit gewalttätigen Anarchisten” sympathisiert.

5. “Der Angriff des ‘Tages-Anzeigers’ auf SNB-Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine”
(blog.dasmagazin.ch, Daniel Binswanger)
Daniel Binswanger, Redakteur der “Tages-Anzeiger”-Beilage “Das Magazin”, kritisiert den Vize-Chefredakteur des “Tages-Anzeigers”, Arthur Rutishauser, für einen “Enthüllungsartikel” über ein Direktoriumsmitglied der Schweizer Nationalbank: “Wer eine öffentliche Figur beschädigen will, der suche irgendwelche Lappalien und konstruiere den Vorwurf der ‘moralischen Verfehlung’.”

6. “Wie man Quatsch erfindet: Mythos 11. März”
(blog.gwup.net, Bernd Harder)
“Vor einigen Tagen bekam ich eine Anfrage von der neuen Nachrichtenagentur dapd: Ob ich denn nicht vielleicht ein paar Verschwörungstheorien zum 11. März kennen würde? Ich kann mich an meine Antwort nicht mehr im Detail erinnern – aber ich glaube, sie lautete schlicht: Nein.”

Blättern:  1 ... 163 164 165 ... 293