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Günter Wallraff, Friede Springer, DDVG

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das waren freundliche Herren”
(zeit.de, Evelyn Finger und Annabel Wahba)
Evelyn Finger und Annabel Wahba befragen Günter Wallraff, der zuletzt für das “Zeit Magazin” undercover unterwegs war, kritisch zu seiner Vergangenheit: “Es wird jetzt so getan, als hätte ich zwischen 1968 und 1971 ein nie verjährendes Kapitalverbrechen begangen. Die Akten werden immer wieder aufgewärmt, mit dem Ziel, meine Arbeit zu diskreditieren und mich menschlich als Drecksau erscheinen zu lassen.”

2. “Ich wollte es dem Herrn Kirch beweisen”
(welt.de, Andrea Seibel)
Ein ausführliches Interview mit Friede Springer, der Witwe von Axel Springer: “Einmal meinte ich, ich sei ein Produkt von ihm, das ist missverständlich, es klingt, als hätte ich keinen eigenen Willen. Heute sage ich: Er hat mich ausgebildet, ich bin dank ihm gewachsen.”

3. “Wir stehen zur FR”
(fr-online.de, Joachim Frank)
Barbara Hendricks, Generaltreuhänderin der SPD-Medienholding DDVG, die mit 40 Prozent an der “Frankfurter Rundschau” beteiligt ist, feiert ihren 60. Geburtstag: “Alle Welt erachtet den Einfluss privater Verleger auf ihre Zeitungen für völlig normal, hielte es aber gleichsam für Teufelswerk, wenn eine demokratisch verfasste Partei dies täte.”

4. “Die Fehler der anderen – von Hightech und Huren”
(wissenschaftkommuniziert.wordpress.com, Reiner Korbmann)
Wurde der MP3-Player in München entwickelt, wie in der “Süddeutschen Zeitung” zu lesen ist? “Weder wurde der MP3-Player hier entwickelt, noch der Softwarestandard MP3. MP3 stammt – immerhin fast richtig – aus einem Fraunhofer-Institut, aber dem Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen.”

5. “Spannungen zwischen Piraten und Journalisten”
(welt.de)
Journalisten am Bundesparteitag der Piratenpartei in Neumünster: “Für Empörung sorgte ein TV-Team, das als Requisit für seine Sendung ein Spielzeug-Piratenschiffchen mitgebracht hatte, auf dem unter anderem rechtsextreme Losungen angebracht waren.”

6. “Das Testament des Axel Cäsar Springer”
(spiegel.de, Michael Jürgs)
Was Axel Springer an seinem 100. Geburtstag gesagt hätte, wenn er noch leben würde. Siehe dazu auch “Die Rückkehr des Axel Caesar Springer” (taz.de, Arno Frank).

Andreas Türck, Empörungsdebatten, Merlin

6 vor 9

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1. “‘Ich werde das Geschrei nie vergessen'”
(einestages.spiegel.de, Christian Gödecke und Danny Kringiel)
Andreas Türck erinnert sich, wie die Nachmittags-Talkshows der 1990er-Jahre produziert wurden: “Pro Tag wurden in Hamburg drei Sendungen aufgezeichnet, an drei Tagen hintereinander in der Woche. Auf dem Gelände standen drei Studios nebeneinander, in dem einen produzierte Schwartzkopff TV ‘Sonja’, im nächsten ‘Pilawa’ und im dritten meine Sendung – das Ganze mit einer einzigen Regie, das ging zack, zack! Irgendwann musste man nur noch das Thema wissen, der Rest wiederholte sich.”

2. “Empörungsdebatten – ein Höchstmass an Aufmerksamkeit bei geringstem Einsatz in der Sache”
(nzz.ch, Miriam Meckel)
Miriam Meckel analysiert einige kürzlich in den deutschen Medien geführte Debatten: “Aufmerksamkeit ist die neue Währung der Empörungskultur. Sie entsteht im Tausch von Reiz gegen Reaktion.” Patrick Breitenbach ergänzt: “Nicht die Bürger im Netz sind nun die großen Lautsprecher, es sind in der Regel weiterhin die etablierten, reichweitenstarken Medien” (blog.karlshochschule.de). Siehe dazu auch die Shitstorm-Skala (feinheit.ch).

3. “Die ganze Wahrheit über das Nowitzki-Interview”
(david-nienhaus.de)
David Nienhaus muss sich bei einem Telefoninterview im Konferenzmodus mit Dirk Nowitzki die Fragen der “Bunte” anhören.

4. “Nicht so ein fauler Zauber wie BILD: MERLIN war Springers bestes Blatt (zum 100sten)”
(blog.dummy-magazin.de)
Die Redaktion von “Dummy” liest “Merlin”, eine esoterische Zeitschrift aus dem Axel-Springer-Verlag von 1948: “Leider ging MERLIN nach nur drei Ausgaben den Weg alles Irdischen.”

5. “The Daily Mail and Everything After”
(marawilsonwritesstuff.com, englisch)
US-Schauspielerin Mara Wilson macht Bekanntschaft mit der Arbeitsweise der britischen “Daily Mail”: “I had read articles in the Daily Mail before, so I knew what to expect: something cheap and sensationalist. What I did not expect was an article composed almost entirely of out-of-context quotes from my blog. There were no citations and there was no link to the original post on my site.”

6. “Nach ständigen Nazi-Vergleichen: Piratenpartei resettet Mitglieder und behebt Fehler im Parteiprogramm”
(eine-zeitung.net, Satire)

Unsinn über irgendeinen Soli (3)

Wir hatten das Thema jetzt schon zweimal, aber bis zur “Bundeszentrale für politische Bildung” bzw. zur “Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen” scheint der Unterschied zwischen Solidaritätszuschlag und Solidarpakt noch nicht durchgedrungen zu sein. Naja, sie beschäftigen sich ja auch nur mit politischer Bildung:

Soli

These 30 des Wahl-O-Maten zur anstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, der beispielsweise auf “Spiegel Online” prominent verlinkt wird, lautet:

Der Solidaritätszuschlag soll auch für strukturschwache Regionen in Nordrhein-Westfalen verwendet werden.

Die sinnvollste Antwort ist hier wohl “These überspringen”, denn der Solidaritätszuschlag (=Soli) ist eine Bundessteuer, die direkt in den Bundeshaushalt fließt. Da der Solidaritätszuschlag schon lange nicht mehr ausschließlich für den Aufbau Ost verwendet wird, stellt sich auch nicht die Frage, ob er “auch für strukturschwache Regionen in Nordrhein-Westfalen verwendet werden” soll. Die These im Wahl-O-Mat bezieht sich wohl auf den Solidarpakt II, über den sich vor einigen Monaten mehrere Bürgermeister aus dem Ruhrgebiet beklagt hatten.

Scheint so, als sei der Soli das neue EU-Gericht.

Mit Dank an Thorsten H. und Ralf P.

Shitstorm, Simpsons, Filmsynchronisation

6 vor 9

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1. “Erklärungsnot: Minister Friedrich und die ‘Bild'”
(ndr.de, Video, 5:31 Minuten)
Aufgrund einer kleinen Anfrage der Partei “Die Linke” musste das deutsche Innenministerium zugeben, dass seine Pressestelle “Bild” vorab die Studie “Lebenswelten junger Muslime in Deutschland” zukommen ließ (BILDblog berichtete). Diese Tatsache wurde zunächst abgestritten. In der Antwort auf die Anfrage heißt es: “Zur Vorbereitung eines Interviews (…) wurde der Redaktion vom Pressereferat des BMI ein Vorabexemplar übersandt, (…).” Siehe dazu auch “‘Bild’ wurde Islam-Studie doch vorab zugesteckt” (migazin.de).

2. “Versöhnen und spalten”
(taz.de, Felix Dachsel)
Das Verhältnis zwischen dem Axel-Springer-Verlag und Günter Wallraff betreffend fragt Felix Dachsel, ob es “Springer’sche Dialektik” sei, “die eine Hand zur Versöhnung ausstrecken und mit der anderen den Stahl schmieden, mit dem der Feind zur Strecke gebracht wird”.

3. “Shit im Spiegel”
(bloghalde.de, Matthias Schumacher)
Matthias Schumacher ist enttäuscht vom von drei “Spiegel-Online”-Journalisten produzierten Artikel “Shitstorm, nein danke!”: “Statt ausführlicher Erfahrungsberichte, Frage und Gegenfrage, folgt eine Fotostrecke mit einigen verhaltenen Zeilen gestandener Politiker und Politikerchen. Große Bilder, kleiner Absatz.”

4. “Lieber nicht über Neonazis schreiben”
(zeit.de, Christian Bangel)
Christian Bangel thematisiert die Beziehung zwischen Lokalredakteuren und Rechtsextremen: “Lokalredakteure haben ein Problem, das andere nicht haben. Sie leben mit den Objekten ihrer Berichterstattung Tür an Tür. Es ist einfach, Angela Merkel wegen ihrer Europapolitik zu kritisieren. Viel komplizierter ist es, den Bürgermeister einer Kleinstadt anzugreifen, weil er zu wenig gegen den Rechtsextremismus tut.”

5. “The Simpsons Tells Fox to Eat Its Shorts”
(slate.com, Forrest Wickman, Videos, englisch)
Ausschnitte, in denen die auf Fox ausgestrahlten “Simpsons” den eigenen Sender und Rupert Murdoch parodieren.

6. “Bebilderte Hörbücher: Die Unsitte der Filmsynchronisation in Deutschland”
(unique-online.de, David)
Filmsynchronisation ist nicht nur eine Möglichkeit der Zensur, es werden auch “differenzierte Dialoge systematisch stereotypisiert und sachliche Äußerungen emotionalisiert, romantisiert, verniedlicht oder gar ins Dämliche gezerrt”.

Sehen alle gleich aus (5)

Der FC Chelsea ist nach einem Sieg (letzten Mittwoch) und einem Unentschieden (gestern) gegen den FC Barcelona ins Finale der Champions League eingezogen. Das würde gebührend gefeiert.

Aber wer feiert da eigentlich?

Umso größer war die Freude bei Fernando Torres und Didier Drogba.

Laut “Spiegel Online” zeigt dieses Bild “Fernando Torres und Didier Drogba”.

Sehen alle gleich aus

Das ist schon insofern unwahrscheinlich, als der spätere Torschütze Torres für Drogba eingewechselt wurde — und Drogba dann sicher nicht bis zum Abpfiff im Trikot ohne Jacke rumlaufen würde. Auch hat Drogba eine ganz andere Frisur.

Und so zeigt das Foto dann auch Ramires, den zweiten Chelsea-Torschützen des Abends — gut zu erkennen an seinem Tattoo auf dem linken Unterarm.

Mit Dank an Christian S.

Nachtrag, 14.02 Uhr: “Spiegel Online” hat die Bildunterschrift geradezu vorbildlich korrigiert:

Umso größer war die Freude bei den Torschützen Fernando Torres und Ramires (und nicht, wie zuvor fälschlicherweise geschrieben: Didier Drogba).

Uns wiederum haben ein paar Leser darauf hingewiesen, dass Didier Drogba tatsächlich auch nach dem Abpfiff noch im Trikot rumgelaufen ist — womit aber immer noch Haare, Tattoo und Gesicht zur Unterscheidung von Ramires bleiben.

Mario Basler, Spiegel, Hammer

6 vor 9

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1. “Als ‘Klickhure’ missbraucht”
(taz.de, Pascal Beucker)
Pascal Beucker entdeckt eine von ihm gestaltete Persiflage eines SPD-Plakats auf Zeitungs-Websites. Während Handelsblatt.de sich entschuldigt und das eigene Vorgehen als groben Fehler einstuft, löscht Bild.de das Bild kommentarlos.

2. “Super Mario gibt Gas”
(badische-zeitung.de, Peter Disch)
Fußball: Peter Disch feiert den Nicht-Abstieg des SC Freiburg mit der Erinnerung daran, dass “Bild”-Kolumnist Mario Basler dem Club im Januar 2012 den sicheren Abstieg prophezeit hatte. Basler schrieb: “Über Freiburg schreibe ich heute vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben. Die steigen ab – und kommen so schnell auch nicht wieder.”

3. “Das ist der ‘Dilettant'”
(stern.de, Lutz Kinkel)
Ist das Foto auf dem aktuellen “Spiegel”-Titel gestellt oder nicht? “‘Das ist ein gestelltes Foto. Der Fotograf hatte mich gebeten, die Nein-Karte nochmal hochzuhalten’, sagt Engels. Das hört sich plausibel an, zumal er der Einzige ist, der seinen Arm reckt, die anderen Teilnehmer im Hintergrund sitzen einfach nur an ihren Tischen. Der ‘Spiegel’ bestreitet jedoch, Einfluss genommen zu haben. Der Fotograf habe gar nicht mit Engels gesprochen, sagt ‘Spiegel’-Sprecher Hans-Ulrich Stoldt. Und den Piraten auch zu nichts animiert. Aussage gegen Aussage.”

4. “Gesunde Tote”
(scienceblogs.de/gesundheits-check, Joseph Kuhn)
Joseph Kuhn denkt nach über die Meldung “Männer im Alter gesünder als Frauen” im “Deutschen Ärzteblatt”.

5. “Bedrucktes Papier”
(boschblog.de)
Bosch schreibt einen Artikel für “Der Freitag” und sieht einen Satz hineinredigiert, den er gar nicht geschrieben hat: “Ein solch hysterischer Ausrufesatz ist niemals meinem Kopf entsprungen und durch meine Finger geflossen. In meinem Blog gäbe es so etwas nicht, ich distanziere mich von diesem Satz.”

6. “Wo der Hammer auf Holz trifft”
(fernsehlexikon.de, Michael)

Spiegel Online, Marcell D’Avis, Like-Button

6 vor 9

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1. “Der Reiz, zu verachten – instrumenteller Moralismus als Medien-Stil”
(sandoragaly.wordpress.com)
Sandor Ragaly denkt nach über den “instrumentellen Moralismus” von “Bild”: “Der instrumentelle Moralismus von BILD jedenfalls lügt – denn er gibt nur vor, moralisch intendiert zu sein und so wirken zu wollen, während er doch nur Mittel zum Zweck (von Einfluss und Verkaufszahlen) ist. Und: Er wirkt vermutlich nicht nur politisch. Die aggressive Substanz sickert in die Gesellschaft ganz allgemein hinein.”

2. “Alle Jahre wieder”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg über die Recherchen der “Welt am Sonntag” zur Vergangenheit von Günter Wallraff: “Wallraff ist von der Stasi als IM der Kategorie ‘A-Quelle’ geführt worden, was für ‘Abschöpfen’ steht, und kein Beleg dafür ist, dass die Abgeschöpften von ihrer Karteikarte wussten. Das ist auch nicht neu, genau so wenig, dass Wallraff stets jeglichen Stasi- und sonstigen geheimen Dienst dementiert hat.” Siehe dazu auch die Einschätzung von Hans Leyendecker (dradio.de, Michael Köhler): “Vieles was die Stasi geschrieben hat war so richtig auch nicht. Und wenn in Stasi-Unterlagen steht, Berger habe angeblich Teile dieses Buches geschrieben, so mag das wahr sein oder auch nicht.” Ab Mai soll Wallraff übrigens mit einer neuen Recherche bei RTL zu sehen sein (dwdl.de, Uwe Mantel).

3. “Ganz Sankt Pauli fragt die Polizei”
(publikative.org)
Die Berichterstattung der “Hamburger Morgenpost” über Demonstrationen von Fußballfans in Hamburg: “In Koproduktion mit der Hamburger Polizei haben Frenzel/Gaertner zweifellos das Glanzstück des Jahres abgeliefert: Jetzt greifen die ‘St. Pauli’-Chaoten schon ihre eigene Kneipe an. Später hätten sie dann die Polizei angegriffen, heißt es.”

4. “Daumen hoch!”
(jetzt.sueddeutsche.de, Nadja Schlüter)
Löst der Like-Button einen Zwang zum Konformismus aus? Nicht mehr, als im Offline-Leben auch, sagt Nadja Schlüter: “Wer sich über allzu sehr auf die Peer-Group zugeschnittene Statusmeldungen anderer beklagt, der sollte am besten abends mit Freunden in eine Bar gehen. Dort wird er seinen Freunden den Witz erzählen, von dem er glaubt, dass die meisten ihn lustig finden. Er wird ein Thema ansprechen, das ihn interessiert und von dem er glaubt, dass es die meisten anderen ebenfalls interessiert – und vor allem, dass die meisten dazu etwas zu sagen haben. Er passt sich an. Ohne sich oder seine eigene Meinung aufzugeben. Und ja, vielleicht sucht er auch Bestätigung, abends in der Bar und im Internet.”

5. “Der langsame ‘Tod’ des 1&1-Werbegesichts”
(meedia.de, Felix Disselhoff)
Marcell D’Avis, Leiter Kundenzufriedenheit bei 1&1, wird “im neuen TV-Spot in einer Reihe mit etlichen neuen Testimonials des Providers gezeigt”, womit nach Auskunft seines Arbeitgebers sein Wunsch, “ein wenig aus dem Rampenlicht herauszutreten, privater zu leben”, berücksichtigt wird. “Spiegel Online” dagegen schreibt: “Nun schafft die Firma die Werbefigur ab. Endlich.” Gegenüber Meedia.de erklärte 1&1, “dass D’Avis weiterhin in unveränderter Form für das Unternehmen tätig sei”.

6. “Stefan Kuzmany im Online-Spiegel seines Wissens über ‘Gottschalk Live'”
(funkkorrespondenz.kim-info.de)

Tattoos, Günter Wallraff, Notwehr

6 vor 9

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1. “Stigma Tattoo: Pseudowissenschaftliche Vorurteilskonstruktion”
(novo-argumente.com, Tobias Prüwer)
Tobias Prüwer bezweifelt eine Studie, die “den Zusammenhang zwischen Tätowierungen, Piercings und Alkoholkonsum” untersuchte und zu einen Artikel auf Focus.de geführt hatte. Weiter geht es um eine ältere Studie über die “vorgeblich herausragenden sexuellen Aktivitäten von Tätowierten”. “Vielleicht sind Menschen, die sich Farbe in die Haut stechen lassen, einfach offener gegenüber anderen Aktivitäten, in denen der Körper eingesetzt wird? Eventuell haben Menschen mit mehr Sex eher Lust auf bunte Hautbilder? Gegebenfalls neigen Tätowierte zu Übertreibungen, wenn es um das alte Rein-Raus-Spiel geht?”

2. “In 80 Fehlern um die ‘Welt'”
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Hektor Haarkötter studiert Zahlen und Statistiken in “Welt Aktuell”: “Weder erfährt man, wieviele Leute eigentlich befragt wurden (also die Stichprobe), noch auf welche Bezugsgruppe hier denn nun hochgerechnet werden soll (StatistikerInnen sprechen hier von der ‘Grundgesamtheit’): Alle Bundesbürger, alle Steuerzahler, alle Erwachsenen?”

3. “Kam Ali aus Ost-Berlin?”
(welt.de, Michael Behrendt und Dirk Banse)
Michael Behrendt und Dirk Banse setzen sich ausführlich mit der Vergangenheit von Günter Wallraff auseinander. Unter anderem geht es um eine Mitarbeit von Journalist Frank Berger am Bestseller “Ganz unten”, den “Stasi-Akten als mutmaßlichen Agenten des DDR-Geheimdienstes” ausweisen.

4. “Hasskommentare dürfen nicht publiziert werden”
(politblog.tagesanzeiger.ch, Johanne Gurfinkiel)
Johanne Gurfinkiel fordert, dass Leserkommentare “vor der Publikation gelesen und nicht mehr sofort veröffentlicht werden”: “Die Meinungsfreiheit darf nicht als Instrument für Hasspropaganda missbraucht werden. In diesem Sinne sind auch die Regeln in Bezug auf ein redigierendes Eingreifen vor der Veröffentlichung der Kommentare zu erstellen.”

5. “Notwehr gegen Paparazzo”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Das Oberlandesgericht Hamburg beschließt: “Der Schlag gegen die Kamera ist grundsätzlich geeignet, ein rechtswidriges Fotografieren zu beenden. Die bisherigen Feststellungen ergeben auch nicht, dass dem Angeklagten ein milderes Mittel zur Verfügung gestanden haben könnte.”

6. “Klaus erklärt: 50 Jahre BILD”
(youtube.com, Video, 1:55 Minuten)
Wie “Extra 3” 2002 den 50. Geburtstag von “Bild” feierte.

Bild  

Innenminister verschwieg “Bild”-Verbindung

Anfang März schaffte es die “Bild”-Zeitung, die Ergebnisse einer differenzierten Untersuchung über Einstellungen von Muslimen in Deutschland so zu verfälschen, dass sich mit ihnen Panik, Schlagzeilen und Agenturmeldungen generieren ließen. “Bild” hatte die Studie offenbar vorab bekommen — die Frage war nur, von wem.

Marietta Slomka fragte im ZDF-“heute journal” bei einem naheliegenden Verdächtigen nach, Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU):

Slomka: … weil Sie oder Ihr Sprecher oder sonst jemand in Ihrem Ministerium diese Studie vorab, bevor sie veröffentlicht wurde, an die “Bild”-Zeitung weitergegeben hat. Daraus wurde dann prompt eine “Schock-Studie”.

Friedrich: Also, diese Studie ist nicht aus meinem Haus herausgegeben worden. Sie ist heute veröffentlicht worden. Sie ist heute auch ins Internet gestellt worden. Und kann von jedem eingesehen werden.

Slomka: Nachmittags. Die “Bild”-Zeitung hatte sie schon gestern.

Friedrich: Ja, das weiß ich nicht, müssen Sie die “Bild”-Zeitung fragen, woher sie sie hat. Von mir nicht. (…)

(Slomka wurde für ihre Fragen von der “Bild”-Zeitung zur “Verliererin” des Tages gemacht, siehe Ausrisse rechts.)

Auch im Bundestag dementierte das Innenministerium, die Studie an “Bild” lanciert zu haben. Innenstaatssekretär Christoph Bergner sagte dem Parlament: “Es hat keine öffentliche oder wie auch immer geartete Übergabe dieser Studie durch das Bundesinnenministerium an die Medien gegeben.”

Das stimmt nicht.

Auf eine Anfrage der Links-Partei musste das Ministerium jetzt einräumen, dass die “Bild”-Zeitung von der Pressestelle vorab ein Vorabexemplar der Studie erhielt, angeblich zur Vorbereitung eines Interviews mit dem Minister.

Bunte, Jürg Marquard, Appläuse

6 vor 9

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1. “Die Bunte und ihr Monster”
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
Antje Tiefenthal hält die aktuelle “Bunte”-Ausgabe für “geschmacklos, peinlich und von journalistisch fragwürdiger Qualität”: “Abgesehen von der Information, dass Anders Breivik sich jetzt vor dem Gericht verantworten muss, ist nichts an der Titelgeschichte aktuell. Die Bunte hat bereits vor einem Jahr ausführlich darüber berichtet, dass Norwegens Kronprinzessin ihren Stiefbruder bei dem grausamen Attentat verloren hat.”

2. “‘Ich sag Dieter, Ihr sagt Bohlen'”
(fernsehkritik.tv, René)
René soll als Zuschauer bei der Aufzeichnung der RTL-Sendung “Deutschland sucht den Superstar” bei verschiedenen “Appläusen” mitmachen. “Die Familien der Kandidaten gaben sich dabei schon sehr routiniert. Insgesamt schien das für alle total okay und normal zu sein, dass man erst Eintritt bezahlt und dann als Statist herhalten muss.”

3. “Jürg Marquard: Das zweite Gesicht”
(bilanz.ch, Dirk Ruschmann)
Jürg Marquard, Verleger von Zeitschriften wie “Cosmopolitan”, “Joy” oder “PC Games”, im ausführlichen Porträt.

4. “Am Anfang war das Wort”
(theeuropean.de, Martin Eiermann)
Martin Eiermann macht darauf aufmerksam, dass Wörter Abnutzungserscheinungen aufweisen können, wenn sie unpassend verwendet werden: “Wer überall Antisemiten sieht, der verliert die Fähigkeit, den echten von den vermeintlichen zu unterscheiden. Mit der steigenden Kakophonie geht nicht nur die Fähigkeit zur produktiven Diskussion verloren, sondern auch die Möglichkeit, wirklich Verwerfliches anzuprangern.”

5. “Breivik Testifies About Gaming, Press Ignores The Facts”
(rockpapershotgun.com, John Walker, englisch)
Gedanken über den Zusammenhang zwischen den Computerspielen, die Anders Behring Breivik gespielt hat und seinem Attentat. “It is very unfortunate that while a sceptical press has been enjoying picking over his comments about being a member of the Knights Templar, and disproving them, they see no need to question his remarks on using Call Of Duty as a simulator for combating armed police in real life. Instead here it’s assumed he’s being honest and clear-headed.”

6. “Unten Kita, oben Puff”
(freitag.de, Susanne Lang)
Susanne Lang liest während vier Wochen nur Produkte aus dem Axel-Springer-Verlag.

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