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Die Ente ist sicher

Wenn man es nicht ohnehin jeden Tag über “Bild” sagen könnte, würden wir sagen: Das, was da morgen millionenfach ungefragt unters Volk gebracht wird, ist doch keine Zeitung! Aktuelle Informationen wird die “Frei-BILD für alle” jedenfalls nicht enthalten. Die Produktion wurde schon vor Tagen abgeschlossen. Seit Mittwoch verteilt die Post das Papier intern über das Land.

Wann das zeitlose Printprodukt, mit dem sich “Bild” zum 60. Geburtstag gratuliert, tatsächlich entstanden ist, wissen wir nicht. Es könnte schon länger her sein. Auf der Titelseite jedenfalls ist Chefredakteur Kai Diekmann, über dessen neuen Kurzhaarschnitt die Medien vergangene Woche ernsthaft berichtet haben, noch mit alter Frisur abgebildet:

Es ist ein größerer logistischer Aufwand, den Springer betreibt, um sich morgen in rund 41 Millionen Briefkästen stecken zu lassen. Und der Aufwand wurde noch größer dadurch, dass mehr als 250.000 Menschen erklärt haben, keine “Bild” bekommen zu wollen — diesen Widerspruch muss “Bild” respektieren.

Für einen solchen Einspruch ist es jetzt zu spät, aber der Cartoonist Ralph Ruthe hat bei Facebook eine Druckvorlage veröffentlicht, die Sie morgen an Ihren Briefkasten kleben können:

Hier bitte keine BILD einwerfen

Die Deutsche Post AG schreibt in einer internen Mail:

Am morgigen Samstag stemmt der Brief-Bereich in der Zustellung das größte Einzelprojekt aller Zeiten

Die Bild-Zeitung feiert ihren 60. Geburtstag und bringt zu diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe heraus. Jeder Haushalt in Deutschland soll eine gratis bekommen. 41 Millionen Exemplare müssen verteilt werden – eine Riesenaufgabe für unsere Zusteller. Axel Springer plant sogar, die Aktion ins Guinness Buch der Rekorde zu bringen.

(Link von uns)

Die Zeitungen wurden bereits seit vergangenen Mittwoch auf insgesamt 8.100 Paletten aus den dezentralen Lagern Zug um Zug an die Briefzentren geliefert. Dort werden die Sendungen kommissioniert und weiter an die Zustellstützpunkte transportiert.

Die Zusteller wurden in den Dienstunterrichten auf die Aktion vorbereitet. Über 53.000 von ihnen werden am Samstag fast zwei Millionen Kilometer zurücklegen, um die Bild zu allen Haushalten zu bringen. In Bonn wird ein zentrales Lagezentrum eingerichtet, von dem aus Kollegen für Nachfragen und bei Problemen zur Verfügung stehen. Alles ist bereit für den größten Pressepost-Versand, den es jemals in Deutschland gab.

In einem Interview gab Uwe Brinks, Produktionschef Deutschland bei der Deutschen Post, zu Protokoll:

Das ist eine große Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. Gleichzeitig habe ich natürlich Respekt davor. Ich vertraue ganz auf unsere Mitarbeiter. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass viele Kollegen der Ehrgeiz gepackt hat. Für uns ist das eine tolle Chance zu beweisen, dass wir “die Post für Deutschland” und erste Wahl für unsere Kunden sind. Diese Aktion kann uns keiner nachmachen.

Die Zusteller, mit denen wir gesprochen haben, hat eher die Wut als der Ehrgeiz gepackt, aber bei einem solchen Projekt für Deutschland kann auf den Einzelnen natürlich keine Rücksicht genommen werden.

Und so wird sie aussehen, die meiste Zeitung aller Zeiten:

Frei-Bild für alle!

PS: BILDblog wird morgen übrigens wie üblich für sieben Milliarden Menschen produziert, die frei entscheiden können, ob sie uns lesen wollen.

Wir sind weiterhin jeden Tag kostenlos, freuen uns aber über finanzielle Unterstützung.

Fortuna Düsseldorf, Märkte, Demokrit

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Scheinheiligkeit à la Bild-Zeitung – der späte Umgang mit der ‘Schande von Düsseldorf'”
(sportsaal.de, Derhatschongelb)
Fußball: “Bild” kommentiert den definitiven Aufstieg von Fortuna Düsseldorf in die erste Bundesliga. “Liebe Bild, dieser Kommentar ist keine Wiedergutmachung für die öffentliche Hinrichtung des Vereins Fortuna Düsseldorf und seiner Fans. Er ist ein blanker Hohn.”

2. “‘Bild’ macht Leipziger SPD-Chef zum OBM-Kandidaten der CDU”
(l-iz.de, Ralf Julke)
“Bild Leipzig” druckt ein Foto von von Michael Clobes ab und beschreibt es mit “Volker Lux” und “Kandidat Nr.1”.

3. “Faule Griechen statt Rudi Dutschke”
(theeuropean.de, Jürgen Trittin)
Grünen-Politiker Jürgen Trittin schreibt über “Bild”: “Im Stil bleibt ‘Bild’ seinem Anspruch treu, Politik nicht nur journalistisch zu beobachten und zu kommentieren, sondern selbst zu gestalten. Als selbst ernanntes Sprachrohr eines vermeintlichen Mainstreams, das seiner daraus folgenden Verantwortung aber nicht nachkommt.” Weitere Texte hier.

4. “Mit eingezogenen Fühlern”
(vocer.org, Julia Friedrichs)
Eine Rede zur Lage des Journalismus von der 32-jährigen Journalistin Julia Friedrichs: “Wer immer und immer wieder hört: ‘Die See ist rau! Die Zeiten hart! Pass Dich an!’, dem wird es schwerfallen, die Ideale mit denen er mal gestartet ist, zu bewahren. Die Träume. Die Prinzipien. Das, was anständiger Journalismus auch braucht.”

5. “Märkte verschieben Untergang”
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel sammelt Überschriften aus Zeitungen, in denen die “Märkte” vorkommen.

6. “Demokrit sucht eine Lücke”
(umblaetterer.de, San Andreas, Videos)
Das Fußballspiel Deutschland gegen Griechenland aus der Sicht von Monty Python 1972.

Spenden, Schwangerschaft, Burger

6 vor 9

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1. “‘Bild macht schmutzigen Boulevard'”
(derstandard.at, Birgit Baumann)
Birgit Baumann befragt Stefan Niggemeier zu “Bild”: “Viele meinen ja, sie wollten sich durch die Lektüre der Zeitung einfach nur unterhalten lassen. Aber das funktioniert bei dieser Art von Journalismus nicht. Besser wäre es, Bild überhaupt nicht zu lesen.”

2. “Wenn Spenden versickern”
(derpodcast.de, Martin Kissel)
Deutschlandfunk-Sendungen von 2006 und 2009 erinnern daran, wohin Spenden von “Bild hilft – Ein Herz für Kinder” tatsächlich geflossen sind.

3. “Beweis es, du Bisamratte!”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
“Zitiert, zitiert, zitiert!”, rät Constantin Seibt. “Auf wörtliche Zitate zu verzichten, ist einer der grössten Sünden im Journalismus – seltsamerweise nicht nur von Anfängern, sondern auch von Profis. (…) Zitate stützen jede Kritik. Viel stärker als Lob oder Tadel ist, die Sache zu zeigen: nackt, zwischen zwei Anführungszeichen.”

4. “Wehe, du entspannst dich nicht!”
(freitag.de, Kathrin Zinkant)
Die “Spiegel”-Titelgeschichte “Die Geburt des Ich: Neun Monate, die unser ganzes Leben prägen”. “Am Ende freuen sich insbesondere Leserinnen über die Mitteilung, dass niemand den Frauen ein schlechtes Gewissen machen wolle – und dass sich all diese höchst bedenklichen Erkenntnisse leider auch noch nicht in Verhaltenstipps für Mütter umsetzen ließen. Außer: Frische Luft. Vollkornbrot. Und bloß keinen Stress!”

5. “PR: Blogs vs. Print (mal wieder)”
(racingcarz.com, Don Dahlmann)
Ein Vergleich zwischen der Reichweite einer Regionalzeitung und eines Blogs.

6. “Behind the scenes at a McDonald’s photo shoot”
(youtube.com, Video, 3:27 Minuten)
McDonald’s Kanada beantwortet die Frage, warum der gekaufte Burger nicht so aussieht wie der Burger in der Werbung.

Tagesaktualität, Taktik, Nachtstudio

6 vor 9

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1. “Ein Brief an die Bild”
(jetzt.sueddeutsche.de, Kristina Machalke)
Kristina Machalke spricht mit Hannah, die von “Bild” fälschlicherweise für tot erklärt wurde (BILDblog berichtete): “Meine Mutter wurde am Montag in der Arbeit ganz erschrocken angeguckt und gefragt, warum sie denn da sei. Meinem Mitbewohner wurde kondoliert und er wurde gefragt, wie es ihm denn gehe. Das war schon ziemlich absurd.”

2. “Tagesaktualität ist doof”
(scienceblogs.de, Florian Aigner)
Zufällige tagesaktuelle Ereignisse sollten nicht künstlich überhöht werden, findet Physiker Florian Aigner. Doch genau das geschieht: “Anstatt komplizierte Entwicklungen abzuwarten, bis sich der Nebel lichtet und journalistisch sauber darüber berichtet werden kann, zieht man ziemlich blind einzelne Nachrichtenfetzen aus dem Nebel hervor und erklärt sie zu brandheißen Breaking News.”

3. “SPIEGEL vs. ALDI: Eine billige Polemik – Nachtrag”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Die “Spiegel”-Autoren Susanne Amann und Janko Tietz melden sich nach der Kritik an ihrer Aldi-Titelgeschichte (1/2) zu Wort: “Jede aufgestellte Behauptung wurde von unserer hausinternen Dokumentation und unserer Rechtsabteilung auf Plausibilität und Wahrheitsgehalt geprüft, bis heute hat Aldi keine dieser Behauptung juristisch angegriffen.”

4. “Talkendes Fußballexpertentum”
(heise.de/tp, Rudolf Maresch)
Fußball: Rudolf Maresch fragt nach dem Verbleib der Taktikanalyse im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. “Immer noch, so scheint es, ist das Interesse an taktischen Fragen hierzulande unterentwickelt, sind lustvoll geführte Debatten über die Vor- und Nachteile von Spielweisen und Spielsystemen obsolet und müssen Mannschaftsgeist und Kampfesmut, richtige Einstellung und unbeugsamer Einsatzwillen ein mangelhaftes taktisches Verständnis ersetzen.”

5. “Aus fürs ZDF-‘Nachtstudio'”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber und Thomas Eckert)
Die neben “Volle Kanne” “preisgünstigste Sendung im Programm des ZDF” wird eingestellt, das “Nachtstudio” mit Volker Panzer: “Von meinen insgesamt 2500 Gästen waren nur drei oder vier nach dem Gespräch der Meinung, wir hätten Blödsinn geredet. Wir haben versucht, Gespräche zu führen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.”

6. “Chinesisch zwitschern”
(blog.zeit.de/china, Felix Lee)
In keinem Land werde so viel gemikrobloggt wie in China, schreibt Felix Lee: “Neulich bin ich in Peking mit ein paar chinesischen Freunden unterwegs gewesen. Als ich kurze Zeit später nach Hause kam und meinen Rechner hochfuhr, fand ich einen Teil unserer Gespräche im Netz wieder. Auf einem Weibo – dem chinesischen Pendant zu Twitter.”

Skandale, Nordkorea, Negermami

6 vor 9

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1. “Wie man sich mit dem Leistungsschutzrecht eine Google-Melkmaschine baut”
(sixtus.cc)
Mario Sixtus macht sich Gedanken, wie das nun im Entwurf vorliegende Leistungsschutzrecht für Presseverleger genützt werden könnte: “Die Verleger sind zwar die Initiatoren der auf uns alle zurollenden bizarren Situation, was aber nicht heißt, dass sie diese im Griff haben.”

2. “Bis zum Platzen aufgeblasen”
(tagesspiegel.de, Hans Mathias Kepplinger)
Man könne “weder von der Zahl der Skandale auf die Größe der Missstände schließen, noch von der Größe der Missstände auf die Zahl der Skandale”, schreibt Hans Mathias Kepplinger: “Die größten Umweltschäden gab es in Deutschland in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zum Skandal wurden das jährliche Fischsterben im Rhein und die Verpestung der Luft im Ruhrgebiet aber nicht. Größere Umweltskandale gab es erst in den siebziger und achtziger Jahren, als in Folge der Gesetzgebung der sozial-liberalen Koalition die Umweltschäden bereits zurückgingen.”

3. “Die WELT ärgert sich über ‘Rätselhaftigkeit’ Nordkoreas. Ich ärgere mich mit!”
(nordkoreainfo.wordpress.com, tobid001)
Eine Analyse eines Artikels von Torsten Krauel in der “Welt am Sonntag” über Nordkorea.

4. “‘Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?'”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Mitarbeiter der “ComputerBild”-Gruppe schreiben einen offenen Brief an Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlags: “Es geht nicht darum, einen Absturz zu verhindern. Es geht Ihnen und Ihren Taschenrechner-Boys und -Girls darum, den Gewinn zu maximieren.”

5. “Zeitung hielt Scheuch für ‘Negermami’: keine Entschädigung”
(diepresse.com, Philipp Aichinger)
Eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem stv. Landeshauptmann von Kärnten, Uwe Scheuch, und der Tageszeitung “Österreich”: “Scheuch forderte, dass die Zeitung die Behauptung unterlassen soll, wonach er auf dem Foto abgebildet sei. Zudem soll sie ihn nicht als ‘Negermami’ bezeichnen. Überdies verlangte der Vize-Landeshauptmann tausend Euro Entschädigung. Schließlich habe er ‘in seiner politischen Stellung Würde und Ansehen zu wahren’. Er habe aber durch das Foto, auf das er mehrfach angesprochen wurde, immaterielle Nachteile erlitten.”

6. “Forscher rätseln über plötzlich auftretendes Verkehrsaufkommen mit aggressivem Hupen”
(eine-zeitung.net)

Ahmadinedschad, Tugendterror, Spiegel

6 vor 9

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1. “Das Leistungsschutzrecht: Selten war es so tot wie heute”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier schätzt den nun vorliegenden Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger ein: “Wie die Verleger glauben können, dass es ihnen nützen wird und nicht schaden, Hinweise auf ihre Artikel zu erschweren, ist eines der zentralen Rätsel dieser ganzen Angelegenheit und Ausweis des Irrsinns, in den sich die Branche in ihrem Überlebenskampf geflüchtet hat.” Und Alexander Svensson malt sich vier Szenarien aus, wie es nun weitergeht (wortfeld.de).

2. “Die Wut kommt immer zu spät”
(faz.net, Christiane Hoffmann)
Nach einem Interview mit mit Mahmud Ahmadinedschad erwägt FAS-Journalistin Christiane Hoffmann die Frage, ob sie sich vielleicht doch blamiert habe. “Ich solle den Präsidenten mit ‘Herr Präsident’ anreden. Ich solle die Beine nicht übereinanderschlagen, weil der Präsident das auch nicht tut. Herr Scheichan ist sehr unzufrieden mit meinem Hedschab: Die Leinenbluse sei zu hell und zu durchsichtig, die Ärmel zu kurz, das Kopftuch rutsche. Herr Scheichan blickt sich suchend um, als hoffe er, irgendeinen Tschador zu finden, den er mir überstülpen kann.”

3. “Freie Journalisten: Arm, aber verblüffend glücklich”
(spiegel.de, Tobias Lill)
Freier Journalismus in Deutschland spielt sich zunehmend im Niedriglohnsektor ab: “Besonders mies zahlen private Hörfunksender, aber auch Zeitungen. Zeilengelder von 35 Cent oder noch weniger sind bei Lokalblättern verbreitet. So müssen sich manche Reporter auf dem Land mit 30 Euro pro Artikel begnügen – mitunter deckt das Honorar gerade die Spritkosten.”

4. “Die Regie spielt falsch”
(faz.net, Jürgen Kaube)
Jürgen Kaube kritisiert die Programmpolitik von ARD und ZDF anlässlich der Fußball-Europameisterschaft. “Medienhistoriker werden eventuell einst festhalten dürfen, dass knapp die Hälfte der deutschen Wahlberechtigten im geistigen Urlaub war, als Europa zerbrach.” Siehe dazu auch “Trauerspiel Berichterstattung zu Griechenland” (datenjournalist.de, Lorenz Matzat) und “Reporter gratulieren, Fußballer antworten – ein EM-Nachbericht vom ‘Fußball-Strand'” (faz-community.faz.net, Peer Schader).

5. “Der Preis der Missgunst”
(welt.de, Hans Ulrich Gumbrecht)
Hans Ulrich Gumbrecht schreibt über die “Spiegel”-Titelgeschichte “Schade. Obamas missglückte Präsidentschaft”.

6. “Der Terror der Tugend”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Ein langer Text von Harald Martenstein beschäftigt sich mit Tugendwächtern aller Art: “Der Schauspieler Fritz Wepper hat nie so getan, als sei er ein Heiliger. Wer sich für solche Dinge interessiert, weiß, dass seine Ehe von schweren Stürmen gezaust wird und dass er mit seiner, naturgemäß jungen, Geliebten ein Kind hat. Aber das genügt nicht. Paparazzi schossen Fotos, die Wepper beim Betreten und beim Verlassen der Wohnung seiner Freundin zeigen, mit Uhrzeit. Auf dem ersten Foto trägt er ein weißes Hemd, auf dem zweiten ein blaues. Die Reporter verrieten, dass es Weppers Ehefrau war, die sie auf die Pirsch geschickt hat.”

Giro sucht Zero

Im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise ist das Ansehen von Banken noch einmal merklich gesunken: Lag es früher irgendwo zwischen dem von Auftragskillern und Hütchenspielern, haben die meisten Leute heute mehr Respekt vor dem komischen Schleim, der sich immer am Boden einer Mülltonne absetzt, als vor Banken.

Doch das ist offenbar ein schreckliches Missverständnis!

Wie muss ein modernes Girokonto aussehen, das zuvorkommenden Service und nachhaltige Beratung mit höchster Sicherheit, maximalem Komfort und exklusiven Vorzugsleistungen miteinander vereint? Die Nassauische Sparkasse bietet mit Naspa Giro Komfort Antworten auf diese Frage. Mit einem Premiumkonto, das Ihr Leben günstiger, sicherer und schöner macht – sowohl im Alltag als auch im Urlaub.

“Gut”, hätte man da dem neuen Mitarbeiter in der Werbeagentur gesagt, “bisschen bieder, vielleicht, aber mit ein bisschen Mühe kriegen wir daraus noch einen schönen Text für die Werbebroschüre.”

Aber der Text, der so beginnt, steht nicht in einem Entwurf einer Werbeagentur, er stand in verschiedenen Internetangeboten der Verlagsgruppe Rhein Main: etwa bei der “Main-Spitze”, der “Allgemeinen Zeitung”, der “Oberhessischen Zeitung”, dem “Wiesbadener Kurier”, dem “Gießener Anzeiger” und dem “Gelnhäuser Tageblatt” .

Und er sah ganz nach redaktionellem Inhalt aus:

Geld und Recht: Naspa Giro Komfort: Das Konto, mit dem Sie günstiger, sicherer und schöner leben.

Alles, ja wirklich alles am “Naspa Giro Komfort” ist toll:

Wer günstiger in den Traumurlaub möchte, hat mit Naspa Giro Komfort das richtige Konto. Bei Buchung im Naspa Reise-Center wählen Sie aus dem breitgefächerten Angebot aller namhaften Reiseveranstalter und bekommen 5 % des Reisepreises zurück. Schon bei einer Reise für 3.000 Euro füllt sich Ihre Urlaubskasse um 150 Euro!

Leider lauern ja bekanntlich “auch im schönsten Urlaub Gefahren”:

Wenn Reiseunterlagen, Kreditkarten und Ausweise plötzlich abhanden kommen, ist die Erholung vorbei – es sei denn, Sie haben ein Naspa Giro Komfort-Konto. Dank dem Karten- und Dokumentenschutzprogramm genügt ein Anruf beim Service-Center und die Kopien der Reiseunterlagen werden Ihnen an jeden Ort der Welt zugesandt. Im Fall der Fälle hilft zusätzlich ein unbürokratisch verfügbares Notfallbargeld in Höhe von bis zu 1.500 Euro.

Doch nicht nur bei Reisebuchung und bösen Überraschungen am Urlaubsort ist das “Naspa Giro Komfort” genau das Richtige für Sie, Sie und Sie — Nein!

Auch für Unternehmungen in Ihrer Region haben Sie mit Naspa Giro Komfort das ideale Girokonto. Denn Sie profitieren von exklusiven Vergünstigungen auf viele Kultur- und Freizeitangebote in der Region und im Internet.

Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, für den hält die “Rhein Main Presse” noch mal ein paar nüchterne Fakten bereit:

Das Premiumkonto der Naspa überzeugt im Alltag mit attraktiver Verzinsung ab dem ersten Euro und ec-Karten, mit denen Sie rund um die Uhr an über 25.000 Geldautomaten in Deutschland kostenfrei Geld abheben können. Sogar wenn Sie sich etwas Neues kaufen möchten, wie einen neuen Fernseher, hilft Ihnen Naspa Giro Komfort weiter: mit der deutschlandweiten Preisrecherche.

Und wenn Sie sich jetzt – was nur verständlich und beabsichtigt wäre – sagen: “Was bin ich nur für ein verdammter Idiot, dass ich mein Geld immer noch beim Mülltonnenschleim lagere und nicht bei der günstigeren, sichereren und schöneren Naspa”, dann hat die “Rhein Main Presse” da natürlich schon mal etwas vorbereitet:

Sichern Sie sich das Girokonto, das Ihr Leben günstiger, sicherer schöner macht. Fragen Sie jetzt Ihren Naspa-Berater nach Naspa Giro Komfort. Alle Infos zum komfortablen Premiumkonto finden Sie auch auf www.naspa.de

(Die URL stand da nicht nur, da lag sogar ein Link auf naspa.de drunter. Aber das kriegen Sie bei echtem Interesse sicher auch noch alleine geregelt.)

Wir haben bei der Verlagsgruppe Rhein Main nachgefragt, ob es sich bei dem Text um eine Anzeige oder um redaktionellen Inhalt handelt. Die Chefredaktion Online bedankte sich, dass wir sie auf einen Fehler aufmerksam gemacht hätten, und erklärte, der PR-Artikel sei “von der verantwortlichen Abteilung in den falschen web-Knoten gehängt” worden. Die ursprünglichen Artikel sind inzwischen alle offline.

Mit Dank an Kristian G.

Nachtrag, 22.20 Uhr: Die Artikel sind (offenbar schon vor unserem Eintrag) als “Herstellerinformation” wiederveröffentlicht worden — mit dem Zusatz “Anzeige”.

Nichts besonderes

Studenten sind ein faules Pack. Das hat man bei Bild.de schon immer gewusst. Und was gibt es Schlimmeres als faule Studenten? Genau: Die von diesen amerikanischen Elite-Unis. Die sind nämlich nicht nur faul und dumm, sondern auch noch verwöhnt.

Alles nur Klischees, denken Sie? Mag sein. Aber bei Bild.de gehört das Aufwärmen und anschließende Rausposaunen solch abgedroschener Vorstellungen immer noch zum Tagesgeschäft. Und Meldungen wie diese kommen da wie gerufen:

Elite-Studenten kriegen eins auf den Deckel

So freute sich Bild.de gestern. Im Text heißt es:

Eigentlich sollte es eine Lobrede auf den Absolventenjahrgang einer US-Elite- Uni werden: Englisch-Lehrer David McCullough nutzte jedoch die Gelegenheit, um gegen seine verwöhnten Ex-Studenten noch mal ordentlich vom Leder zu ziehen!

“Ihr wurdet verhätschelt, verwöhnt, umschwärmt, geschützt und in Luftpolsterfolie gesteckt”, polterte Englisch-Lehrer McCullough gleich zu Beginn seiner zwölfminütigen Brand-Rede. Sein knallhartes Fazit über die Elite-Studenten: “Ihr seid nichts Besonderes!”

Endlich sagt also mal jemand die Wahrheit über die Bengels von der Elite-Uni. Und zwar kein geringerer als ihr eigener Dozent. Was für eine Steilvorlage für die Klischeeaufwärmer von Bild.de.

Allerdings: Bei den “Studenten” handelt es sich in Wahrheit gar nicht um Studenten, sondern um Schüler. Genau genommen um “Seniors” einer High School, die gerade ihren Abschluss (vergleichbar dem Abitur) gemacht haben. Der Lehrer hatte die ungewöhnliche Rede Anfang Juni bei der Abschlussfeier seiner Schule gehalten, um den Schülern ihren privilegierten Start ins Leben klarzumachen. (Warum jemand, der an einer Elite-Uni unterrichtet und Abschlussreden hält, ein “Lehrer” sein soll, weiß vermutlich auch nur Bild.de.)

Viele Medien berichteten schon vor einigen Tagen darüber. Auch ABC News hat darüber in einem Artikel berichtet, auf den Bild.de verlinkt.

Dort heißt es im ersten Satz:

Kritiker waren schockiert, als David McCullough einer Abschlussklasse von High School Seniors erzählte, dass sie “nicht besonders” seien, aber die Schüler und Eltern der Schule in Wellesley, Massachusetts stellen sich hinter ihren Lieblingslehrer.

(Übersetzung und Hervorhebung von uns.)

Die Redakteure von Bild.de hätten die Quellen, auf die sie sich berufen, also nur genau lesen müssen. Haben sie aber nicht. Endlich mal ein Klischee, das stimmt.

Mit Dank an Thomas G., Stefan und AachenFalko.

Nachtrag, 15.55 Uhr: Bild.de hat aus den “Elite-Studenten” unauffällig “Elite-Schüler” und aus der “US-Elite-Uni” eine “US-Elite-Schule” gemacht.

Leistungsschutzrecht, SEO, DJV

6 vor 9

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1. “Digital kastriert”
(lawblog.de, Udo Vetter)
Der (der “Süddeutschen Zeitung” vorliegende!) Referentenentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage (PDF-Datei) bestätigt für Udo Vetter die schlimmsten Befürchtungen: “Das Papier ist ein Konjunkturprogramm für Rechtsanwälte. Gleichzeitig ist es ein Kniefall vor der Verlegerlobby. (…) Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Leistungsschutzrecht die neue Meinungsfreiheit bedroht.” Gegenteilig sieht das natürlich der prominenteste Verfechter dieses Verlegerrechts, Christoph Keese von Axel Springer, im Beitrag “Vier Gründe, warum Blogger das Leistungsschutzrecht nicht fürchten sollten”. Siehe dazu auch “Von Pressetexten sollten künftig besser alle die Finger lassen” (zeit.de, Kai Biermann).

2. “Ich breche eine Lanze für dieses Leistungsschutzrecht”
(ralfschwartz.typepad.com)
“Der deutschen Blogosphäre kann nichts Besseres passieren als das neue Leistungsschutzrecht. Hut ab vor den Verlagen und der Politik, die uns endlich zwingen, wenn wir es schon nicht freiwillig tun, innovativ, relevant, distinktiv und einzigartig zu werden.”

3. “Weit weit oben”
(journalist.de, K. Antonia Schäfer)
Wie viele Presseverlage mit hohem Aufwand und Tricks wie Republishing Suchmaschinenoptimierung betreiben, um noch mehr Besucher von Websites wie Google News erhalten. “Werden Journalisten beim Thema SEO an sich schon wortkarg, schließen sie, wenn die Rede aufs Republishing kommt, komplett die Schotten. Denn wer vorgibt, einen neuen Artikel vorweisen und ins Netz stellen zu können, tatsächlich aber nur altes Zeug aufwärmt, kann sich kritischen Fragen nach der Qualität nicht entziehen.”

4. “Oli Kahn, kein Twitter-Titan”
(stern.de, Christoph Fröhlich)
Im ZDF versucht man, zu twittern: “Jeannine Michaelsen erklärte das Prinzip Twitter so: ‘Wir folgen Harald Schmidt. Und deswegen kann Harald Schmidt jetzt auch lesen, was wir schreiben.’ Das ist doppelt falsch: Erstens können Leute, denen man folgt, die eigenen Postings nicht lesen. Und was noch viel peinlicher ist: Hinter dem angeblichen Harald Schmidt steckt nicht der ehemalige Sat1-Comedian, sondern der Internet-Showmaster Rob Vegas.” Siehe dazu auch “Der Twitter-Vorfall im ZDF deckt viel mehr auf als eine Accounteinrichtung” (kaithrun.de) und “Oli Kahns erstes Mal” (blog.zeit.de/sport-blog).

5. “Bite the hand that feeds you”
(juliane-wiedemeier.de)
Der Deutsche Journalistenverband DJV lädt ein nach Brüssel: “Zwei Nächte im Hotel, inklusive Frühstück, Transfers und ein lekker Mittagessen werden also bezahlt, und zwar, man ahnt es schon, nicht von einem der Verbände, die brauchen ihr Geld schließlich für wichtigere Dinge, sondern, das wird netter Weise immerhin dazugesagt: Von der EU-Kommission. Was sicherlich hervorragend mit dem Ziel der Reise einhergeht, ‘Sprechern oder Vertretern der Kommissare auf den Zahn (zu) fühlen’.”

6. “Uefa-Fehler führt Millionen in die Irre”
(stern.de, Katharina Miklis und Felix Haas)
Fußball: Eine vor dem EM-Spiel Niederlande gegen Deutschland aufgezeichnete und ins live übertragene Spiel hineingeschnittene Szene “beeinflusst die Wahrnehmung und verfälscht den Eindruck”.

RTL2, Golf Post, Tagesspiegel

6 vor 9

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1. “Investigativ… geht anders”
(fernsehkritik.tv, Video, 11:49 Minuten)
Der Stadtteil Hochheide in Duisburg wird in der RTL2-Sendung “investigativ” als “ein Viertel in Angst” und eine “Basis von gefährlichen Gangs” beschrieben (rtl2.de, Videos). Fernsehkritiker Holger Kreymeier macht sich bei einem Besuch vor Ort ein eigenes Bild, prüft einige der erhobenen Vorwürfe und redet ein zweites Mal mit Protagonisten der Sendung. Siehe dazu auch “RTL II soll Jungs aus Hochheide gegen Geld zu ‘Gangstern’ gemacht haben” (derwesten.de).

2. “Golf Post: Hinter den Kulissen eines neuen Golfportals”
(der-linksgolfer.de)
Ein Blick auf das Portal “Golf Post”, das in wenigen Tagen starten soll. Für den Linksgolfer scheint sich das gesamte Konzept in einen Satz zusammenfassen zu lassen: “Wie kann ich möglichst billig möglichst viel klickfähigen Content zusammenbekommen.”

3. “NME entschuldigt sich bei Morrissey”
(blogs.taz.de/popblog, Christian Ihle)
Das britische Musikmagazin NME entschuldigt sich bei Sänger Morrissey für eine Titelgeschichte von 2007: “We wish to make clear that we do not believe that he is a racist.”

4. “Ein Mehrzweck-Tool für Zeitungen: Der Ein-Wochen-Chefredaktor”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt schlägt vor, Blattkritiken nicht von Internen, sondern konsequent von Externen durchführen zu lassen. Und die Ergebnisse täglich online zu stellen.

5. “Deutschlands meister Autojournalist”
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Stefan Winterbauer schreibt über die Arbeitsweise von Autojournalist Thomas Geiger: “Geigers Texte sind tatsächlich immer unterschiedlich. Es ist keinesfalls so, dass er immergleiche Text-Bausteine hin und her verschiebt. Beim Lesen fällt nicht auf, dass Thomas Geiger, Tom Grünweg, Tom Debus und Benjamin Bessinger ein und derselbe Autor sind.”

6. Rudolf Thome abgemahnt
(moana.de)
Regisseur Rudolf Thome erhält eine Abmahnung einer Hamburger Anwaltskanzlei in der Höhe von rund 950 Euro, weil er auf seiner Website zwei Kritiken des “Tagesspiegel” stehen hatte. “Wie kann dem ‘Tagesspiegel’ ein Schaden durch die Wiedergabe zweier uralter Kritiken entstanden sein, frage ich mich. Und dann kriege ich so was ausgerechnet vom ‘Tagesspiegel’, für den ich selbst 15 Jahre lang Filmkritiken geschrieben habe.” Siehe dazu auch die Perlentaucher-Feuilletonrundschau von gestern.

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