Suchergebnisse für ‘BILD’

Ärger auf den Malediven, gefälschte Bilder, “Star Wars”-Kritiken

1. Malediven weisen ARD-Korrespondenten aus
(tagesschau.de, Jürgen Webermann)
ARD-Korrespondent Markus Spieker und sein Fernsehteam wollten auf den Malediven zwei Beiträge über den Klimawandel und den Islamismus drehen, doch daraus wurde nur teilweise was. Denn die Polizei des autoritär geführten Landes schritt mehrfach ein, “die offizielle Begründung: unzureichende Drehgenehmigungen.” Am Ende wurden die ARD-Mitarbeiter ausgewiesen, zehnjähriges Einreiseverbot inklusive. Einen Beitrag über den Islamismus auf den Malediven und die Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten konnte Spieker aber noch fertigstellen.

2. UNICEF-Foto des Jahres 2015
(unicef.de)
Gestern hat UNICEF das “Foto des Jahres” gekürt. Das Siegerbild von Fotograf Georgi Licovski war inzwischen an vielen Stellen zu sehen. Die Fotoserien, die auf den Plätzen zwei (von Magnus Wennman) und drei (von Heidi Levine) gelandet sind, sind aber auch sehr zeigens- und sehenswert.

3. “Speziell die Öffentlich-Rechtlichen können Druck von außen gebrauchen”
(heise.de, Marcus Klöckner)
Ist die “kommunikative Einbahnstraße” zwischen sendenden Medien und empfangenden Lesern/Hörern/Zuschauern zu Ende? Und wie können Redaktionen mit der neu aufgekommenen Kritik umgehen? Im Interview mit Marcus Klöckner spricht Fritz Wolf über die Studie “Wir sind das Publikum!”, die er für die Otto-Brenner-Stiftung angefertigt hat.

4. Wo wir falsch lagen
(nzz.ch, Andreas Rüesch)
Unter dem Titel “Was die Welt erschüttern wird” veröffentlichte die Auslandsredaktion der “NZZ” Ende 2014 eine Liste mit zehn potenziellen Krisenherden. Ein Jahr später blickt Andreas Rüesch zurück auf die eigenen Prognosen und zieht eine selbstkritische Bilanz.

5. Diese Bilder haben uns 2015 schockiert und verblüfft — und alle waren sie gefälscht
(watson.ch)
Inspiriert von “Gizmodo” hat “Watson” spektakuläre Fotos gesammelt, die im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgten — und sich später als Hoaxe herausstellten. Die Bildunterschriften sparen dabei nicht mit Selbstkritik: “Der ‘Tages-Anzeiger’ hat das Fake-Bild der Sonnenfinsternis gar als Pushmeldung verbreitet. Doch auch ’20 Minuten’, ‘Blick’ und ‘Blick am Abend’ fielen darauf herein. Und ‘Watson’? Hat’s natürlich ebenfalls vergeigt!”

6. Wie “Star Wars: Das Erwachen der Macht” den Journalismus ein klein wenig besser macht
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Wenn Thomas Knüwer deutsche Medien lobt, muss etwas Besonderes passiert sein. Und das ist es auch, der Auslöser heißt: “Star Wars Episode VII”. Knüwers These: Deutsche Filmkritiker hätten sich in der Vergangenheit oft darauf beschränkt, “in zu langen Passagen besprochene Filme nachzuerzählen.” Doch diesmal seien die Spoiler kaum wahrnehmbar, “stattdessen gibt es gut geschriebene (und überweigend positive) Kritiken, die ganz ohne längliche Story-Nacherzählungen auskommen.”

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Von Quälgeistern und Diktatoren: Der Trainer und der “Bild”-Reporter

Gertjan Verbeek, Trainer des VfL Bochum, hat so seine Probleme mit Joachim Droll, Reporter bei der “Bild”-Zeitung. In einer Pressekonferenz im September bezeichnete Verbeek Droll und dessen Kollegen bei “Bild” als “Arschlocher”; Anfang dieser Woche teilte der VfL Bochum mit, dass man auf Fragen von Droll nicht mehr antworten werde, weil man sich seit Jahren über seine Arbeitsweise ärgere.

Am Montag war Verbeek in der niederländischen Fußball-TV-Sendung “Voetbal Inside” zu Gast. Dort war unter anderem auch seine Beziehung zu “Bild”-Mann Joachim Droll Thema (ab Minute 4:13; allerdings nur mit niederländischer IP abrufbar).

Moderator Wilfred Genee leitet die Frage eines Zuschauers an Verbeek weiter (die niederländischen Passagen haben wir übersetzt*):

Genee: Hast du noch Rache genommen, Gertjan, noch ein paar deutsche Journalisten angeschnauzt, fragt sich Wouter van Lunen aus Maastricht. Freitag gab’s mal wieder eine Gelegenheit.

Verbeek: Ihr wart sicher mit einem Kamerateam da?

Genee: Ja, wir waren mit einem Kamerateam da.

Verbeek: Dann muss ich aufpassen, was ich sage.

Genee: Ja, unbedingt.

Verbeek:Ich glaube schon, dass ich was gesagt habe.

Genee: Endlich wieder gewonnen, nach sieben Spielen endlich mal wieder ein Sieg, dann kann man sich mal richtig gehen lassen, würde ich sagen.

Verbeek: Ja. Darum geht’s eigentlich nicht, es gewissermaßen mal allen zu zeigen oder so.

Zum Hintergrund: Ein Kamerateam von “Voetbal Inside” war am vergangenen Freitag in Bochum und hat dort nach der Zweitligapartie zwischen dem VfL und dem SC Paderborn sowohl Droll als auch Verbeek zum jeweils anderen befragt.

Bevor der daraus entstandene Einspielfilm kommt, erzählt Moderator Genee aber erstmal von seinen Joachim-Droll-Erfahrungen:

Genee: Joachim Droll, er hat mich neulich auch angerufen, ein äußerst freundlicher Mann am Telefon, äußerst freundlich.

Verbeek: Zu dir schon.

Genee: Ihr könnt nicht so miteinander.

Verbeek: Ja, das kann man so sagen.

Genee: Er ist von “Bild” — und lasst es uns eben anschauen und rekapitulieren, was letzten Freitag alles passiert ist. Es begann damit …

Der Einspieler beginnt mit Verbeeks “Arschlocher”-Aussage. Am Freitag in Bochum wollte der “Voetbal Inside”-Interviewer dann von Joachim Droll wissen, wie die Beziehung von ihm und Verbeek nun ausschaue:

Interviewer: How is your relationship with Mister Verbeek now?

Droll: Which relationship? I think it’s not possible for a journalist to get a relationship to him.

Schnitt zu Verbeek:

Interviewer: Er wird dir in jedem Fall nichts zu Weihnachten schenken, hat er gesagt.

Verbeek: Nee, aber er bekommt auch nichts von mir. Ich denke, dass er demnächst in Bochum abgelöst wird, und dann bekommen wir einen neuen Reporter. Da bin ich sehr glücklich mit.

Droll: I talked to him five months ago about that it’s very important to have a good relationship to a team and not to be a dictator.

Verbeek: Dass muss Herr Droll gerade sagen.

Interviewer an Droll: You think he is a bit of a dictator?

Droll: A little bit, yes. I think he is a little bit, he’s doing so, yes, yes.

Verbeek: Herr Droll muss sich selbst einen Schnurrbart wachsen lassen, dann ähnelt er jemandem.

Schnitt zurück ins Studio, das Publikum lacht über Verbeeks Hitler-Anspielung.

Genee: Das werden sie in Deutschland senden, das ist dir natürlich klar.

Der frühere Profifußballer und heutige Journalist Johan Derksen, der regelmäßig als Gast bei “Voetbal Inside” ist, schaltet sich ein:

Derksen: Ich finde, er ist ein freundlicher Mann.

Genee: Ich hatte ihn am Telefon, und er probiert ständig, einem etwas in den Mund zu legen. Er fragte stets: Aber eigentlich ist Verbeek doch ein sehr schwieriger Typ, jemand, der eigentlich überhaupt nicht nett ist? Und ich sagte dann: Eigentlich ist er ein netter Typ. Und Droll sagte dann: Weißt du das sicher? Er tut doch eigentlich sehr seltsame Sachen. Ich fragt ihn dann nach einem Beispiel. Und er sagte dann: Das weiß du doch selbst. Er machte die ganze Zeit so weiter, aber das klappte dann nicht so, wie er wollte. So eine Art Mensch ist es, weißt du.

Verbeek: Ja.

Genee: Er nervt immer weiter.

Verbeek: Ja, er nervt immer weiter.

Derksen: Für seinen Chef ist er dann vielleicht der Richtige..

Verbeek: Das weiß ich nicht. Im Moment ist es so, dass er in Bochum keine Informationen mehr bekommt. Und das scheint mir für einen Journalisten schon wichtig.

Derksen: Aber das ist auch gefährlich, dass Bochum so etwas tut. Denn dann beginnen sie oft, im Privatleben zu suchen.

Verbeek: Ich habe privat nichts zu verbergen.

Derksen: Ja, du nicht. Aber da werden sicher welche sein, die dunkle Seiten haben.

Verbeek: Ja, sicher. Aber hierbei geht es um mich. Er kann von mir aus suchen, was er will.

Genee: Du sitzt ja jetzt öffentlich mit deiner Freundin auf der Tribüne. Da ist jetzt also nichts mehr, was an die Öffentlichkeit kommen könnte. Du sagst also: Ja, lass ihn mal machen.

Derksen: Sind die Fotos schon in “Bild” veröffentlicht?

Verbeek: Es ist völlig sinnlos, es diesem Mann recht zu machen. Wenn ich sehe, was er in den letzten vier Wochen so geschrieben hat — ja, lass ihn mal schreiben, was er will. Aber dann muss er mich nichts mehr fragen.

Genee: Werdet ihr noch ein gutes Gespräch führen, jetzt kurz vor Weihnachten?

Verbeek: Das haben wir schon drei- oder viermal probiert. Der Mann ist ein Wiederholungstäter. Da hört es dann auf.

Derksen: Aber hast du nicht so eine Einstellung: Das ist mir doch egal, da stehe ich drüber, das ist mir egal was sie schreiben?

Verbeek: Ja, das habe ich auch. Deshalb rede ich persönlich auch seit ungefähr vier Wochen nicht mehr mit ihm. Und jetzt hat sich der Verein dem angeschlossen. Er hört zwar zu, aber er macht dann, was er will. Das darf er auch. Aber warum soll ich mich dann noch fragen lassen? Lass ihn mal tun, was er will.

Derksen: Aber in der Pressekonferenz, wenn er was fragt, gibst du ihm dann keine Antwort?

Verbeek: Nein, ihm ist mitgeteilt worden, dass er keine Fragen mehr stellen soll, weil wir seine Fragen nicht mehr beantworten.

Derksen: Das wäre doch mal ein Gast hier für den Tisch.

Zum Ende äußert sich noch der frühere Fußballer René van der Gijp, der ebenfalls als Experte mit am Tisch sitzt:

van der Gijp: Weißt du, was muss man in der Schule nicht alles ertragen, wenn man ›Droll‹ mit Nachnamen heißt? Der Mann ist einfach zehn Jahre lang gemobbt worden. Und dann wird da so was draus: ein kleiner Quälgeist.

“drol” kann im Niederländischen für vieles stehen. Meistens bedeutet es “Scheiße”.

Vielen Dank an den Hinweisgeber und an nach-holland.de für die Übersetzung !

*Nachtrag, 18. Dezember: Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass unsere erste Übersetzung ein paar Ungenauigkeiten und Fehler enthielt. Daher haben wir die Übersetzung an einigen Stellen ausgebessert und in der Überschrift aus “Blutsaugern” “Quälgeister” gemacht.

Mit Dank an Christopher B.!

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Der VfL Bochum will nicht mit dem “Bild”-Reporter sprechen

Am kommenden Mittwoch spielt der VfL Bochum im DFB-Pokal beim TSV 1860 München. Wie immer im Vorfeld eines Pflichtspiels gaben die Bochumer auch heute eine Pressekonferenz. Pressesprecher Jens Fricke leitete sie unter anderem mit diesen Worten ein:

An meiner Seite: Sportvorstand Christian Hochstätter und Cheftrainer Gertjan Verbeek, die Eure Fragen erwarten. Mit einer einzigen Ausnahme: Sowohl Sportvorstand als auch Cheftrainer haben sich dazu entschieden, keine Fragen der “Bild”-Zeitung mehr zu beantworten.

Die dicke Luft zwischen dem VfL Bochum und “Bild” hat eine gewisse Tradition. Schon vor fünfeinhalb Jahren gerieten der damalige Trainer Heiko Herrlich und der für den VfL zuständige “Bild”-Reporter Joachim Droll aneinander. Im September dieses Jahres verweigerte der VfL Bochum — wie eine Reihe anderer Fußbalzweitligisten — die Teilnahme an der “Bild”-Werbekampagne “Wir helfen”. Wenig später wandte sich der aktuelle Trainer Gertjan Verbeek bei einer Pressekonferenz mit der Frage an “Bild”-Mann Droll, warum der “immer solche Scheiße” schreibe, und nannte Droll und dessen “Bild”-Kollegen “Arschlocher”. Für die Wortwahl hat sich der VfL Bochum kurze Zeit später entschuldigt, Verbeeks “Kernaussagen bleiben davon aber unberührt”.

Mit der heutigen PK dürfte der Clinch zwischen dem VfL Bochum und “Bild” ein neues Level erreicht haben. Wobei, so VfL-Pressesprecher Jens Fricke auf unsere Nachfrage, die einleitenden Worte etwas präziser hätten sein müssen: “Uns geht es konkret um einen Journalisten und nicht um die ganze ‘Bild’-Zeitung.” Die Arbeitsweise von Joachim Droll sei schon über Jahre ein Ärgernis für den Verein. Es habe mehrere Treffen gegeben, bei denen man das Verhalten Drolls thematisiert habe, eine Besserung sei aber nicht erkennbar gewesen. “Daher haben der Trainer und der Sportvorstand nun entschieden, auf Fragen von Joachim Droll nicht mehr einzugehen”, so Fricke. Mit “Bild” habe man hingegen kein grundsätzliches Problem, Fragen anderer “Bild”-Reporter würden auch weiterhin beantwortet.

Bei der “Arschlocher”-Pressekonferenz im September sagte Verbeek übrigens, nachdem er Joachim Droll gefragt hatte, ob er mitschreibe, und dieser antwortete, dass gerade “eine Legende angerufen” habe, das sei wichtiger gewesen:

Ja, das ist wichtiger, natürlich. Wir können auch ohne Pressekonferenz, ohne “Bild”.

Zumindest ohne Joachim Droll wollen sie es beim VfL Bochum jetzt mal versuchen.

Mit Dank an @BrosMoritz!

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Hetzen ist nur bei “Bild” erlaubt

Vor knapp zwei Monaten schrieb “Bild”:

Deutschland ist entsetzt: Ganz offen und mit vollem Namen wird in sozialen Netzwerken zu Gewalt aufgerufen und gehetzt – gegen Ausländer, Politiker, Journalisten, Künstler…

Hemmungslos und ungestört, vor allem auf Facebook und Twitter. So viel offener Hass war nie in unserem Land! Und wer Hass sät, wird Gewalt ernten. Längst ist die Grenze überschritten von freier Meinungsäußerung oder Satire zum Aufruf zu schwersten Straftaten bis zum Mord.

BILD reicht es jetzt: Wir stellen die Hetzer an den Pranger! Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie!

BILD-Doppelseite: 'DER PRANGER DER SCHANDE'

(Unkenntlichmachung von uns.)

Knapp 40 Facebook-Kommentare (“Verpisst euch aus Deutschland”, “An die Wand,mit dem Dreckspack”) druckte “Bild” inklusive Fotos und Namen der Verfasser ab und verkündete wenig später stolz:

Erste Anzeigen! Jetzt MUSS der Staatsanwalt ermitteln

Auf ihrer eigenen Facebookseite sehen die Leute von “Bild” das mit dem Hass, der Hetze und den Aufrufen zu schwersten Straftaten aber nicht ganz so eng. Dort lassen sie die Leute säen, was immer sie wollen.

Hier zum Beispiel geht es um eine Schlägerei in einer Schule in Neukölln:
Mal wieder die üblichern Ausländer mit ihren geistig extrem beschränkten Mitteln! Ali, Suleyman, Umit, Mustafa und Fikret, ging es mal wieder um 'die EHRE'?? Ach was, die brauchen offenbar keinen Grund, sich täglich zu kloppen.Widerliche Leute!



Hier um eine Frau, die einer Seniorin viel Geld gestohlen haben soll:
Direkt an die Wand mit der....
War bestimmt eine auslanderin

(War sie nicht.)

Hier über einen Mann, der wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde:

Dieses dumme Schwein lebt auf Kosten deutschen Bürger weiter....ich könnt kotzen
sowat gehört eingemauert... und nich auf unsere Kosten durchefüttert
Ihn auch würgen, aber NICHT minutenlang, sondern STUNDENLANG
Rübe ab und fertig























Das ist eine kleine Auswahl allein von heute Abend, es geht auch munter weiter, gelöscht haben die Leute von “Bild” nichts. Scheint ihnen ja wirklich sehr am Herzen zu liegen, der Kampf gegen den Hass.

Mit Dank an Christoph H.

Nachtrag, 11. Dezember: Inzwischen wurden die meisten Kommentare gelöscht.

Gewalt bei “Pegida”, Rügen für “Bild”, Journalisten und Social Media

1. “Grenzüberschreitungen jeglicher Art”
(taz.de, Daniel Bouhs)
Nadine Lindner berichtet für das “Deutschlandradio” aus Sachsen und nimmt “auf Facebook und in der Hörerpost (…) seit einem guten Jahr eine radikalere Sprache und höhere Aggressivität wahr.” Insbesondere auf “Pegida”-Demos komme “es mittlerweile leider regelmäßig zu tätlichen Übergriffen.” Um Journalistinnen und Journalisten zu schützen, wünscht sie sich “ein höheres Maß an Sensibilität bei der Polizei und dass sie auch mal von sich aus eingreift.” Passend zur “Pegida”-“Lügenpresse”-Debatte: Im “Tagesspiegel” fasst Maria Fiedler einen Redaktionsworkshop zusammen, bei dem eine Frage im Mittelpunkt stand: “Warum verlieren Medien an Glaubwürdigkeit?”

2. Türkei: Das Ende der Pressefreiheit
(daserste.de, Halil Gülbeyaz, Video, 8:53 Minuten)
Halil Gülbeyaz spricht mit Journalisten, Journalistenvertretern und Abgeordneten über “die Abschaffung der Pressefreiheit in der Türkei”.

3. Rügen des Presserrats: “Bild” wieder ganz vorn
(ndr.de, Fiete Stegers)
Bis zum 1. Dezember wurden beim Deutschen Presserat seit Jahresanfang 2200 Beschwerden eingereicht — so viele wie nie zuvor. Während die Gesamtzahl steigt, bleibt eines konstant: “Acht Mal sprach der Presserat eine Rüge für die Berichterstattung der ‘Bild-Zeitung’ aus (…). Damit wurde die ‘Bild’-Zeitung wie in den vergangenen Jahren wieder weit häufiger als alle anderen Redaktionen für Verstöße gegen den Pressekodex bestraft.” Immerhin liegt dieser Anteil diesmal ‘leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre’. Ebenfalls zur aktuellen Presseratsentscheidung: queer.de über eine Rüge für den “Abdruck eines homophoben Leserbriefs”.

4. Die Kaste der Verweigerer
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz wundert sich über neue Zahlen, die nahelegen, dass rund die Hälfte der deutschen Journalisten mit Social Media nichts anfangen kann. Allerdings wundert er sich nur auf den ersten Blick, denn wenn er seine Filterblase verlässt, stellt er fest, dass die Branche eben auch nur ein Abbild der Gesellschaft ist. Und auch die Journalisten immer noch “ein tiefer digitaler Graben trennt.” Zum Thema: Nach einer Studie des “American Press Institutes” erhöht es die Glaubwürdigkeit von Journalisten, wenn sie auf Twitter unterwegs sind und mit anderen Nutzern — und ihren Lesern — interagieren.

5. Missachtung des Urheberrechts oder “public service”?
(onlinejournalismus.de, Andrej Reisin und Fiete Stegers)
Armin Wolf hat auf seiner Facebook-Seite die Übersetzung einer kompletten Reportage aus der “New York Times” veröffentlicht (Post mittlerweile offline), nachdem er das Original als einen “der eindrucksvollsten (und bedrückendsten) Texte, die ich bisher über das IS-Kalifat gelesen habe” bezeichnet hatte. Das Problem: Er besaß keinerlei Urheberrechte an dem Text und hatte die “New York Times” nicht angefragt. Andrej Reisin und Fiete Stegers sehen darin einen “Bärendienst für alle Journalisten als Urheber — denn ignoriert wurden letzten Endes eben nicht die Rechte der mächtigen ‘New York Times’, sondern die der einzelnen Autorin.”

6. Wie Jugendliche Politik und Nachrichten konsumieren
(deutschlandfunk.de, Johannes Nichelmann, Audio, 18:17 Minuten)
“Für mich ist Instagram mehr so: Leute teilen ihren privaten Inhalt. Und ‘Tagesschau’ so bei Instagram. Keine Ahnung, ob ich das so gut finde.”

“Bild” schummelt beim Schwanzvergleich

Seit einer Weile feiert sich DAS multimediale Leidmedium in Deutschland mit dieser Grafik:

Nur leider ist die Marketingabteilung der “Bild”-Zeitung offenbar genauso unfähig im Diagrammebasteln wie die Redaktion. Oder genauso geschickt im Fälschen. Mit korrekten Proportionen sehen die Balken nämlich so aus, wie hier in Grün dargestellt:

“Bild” hat sich also einfach 30 Prozent größer gemacht.

“Bild”-Chef Kai Diekmann twitterte vor einigen Wochen eine ganz ähnliche Grafik:

Doch auch die ist falsch. Richtig sähe sie so aus:

Bleibt immerhin eins: Das bringt nur “Bild”.

Mit Dank an @matthiasquenzer und Hippo.

Bild.de-Chef lässt BILDblog Seite an Seite mit “Pegida” marschieren

Vor ein paar Tagen hat “Pegida”-Chef Lutz Bachmann zwei Screenshots von Bild.de getwittert, um den in rechten Kreisen so beliebten “Lügenpresse”-Vorwurf zu untermauern:

Allerdings: Die Artikel widersprechen sich in Wahrheit gar nicht. Denn die linke Schlagzeile (“kaum gestiegen”) bezieht sich auf Deutschland, die rechte (“stark gestiegen”) auf Baden-Württemberg. Als wir seinen Tweet heute entdeckten, antworteten wir:

Und schoben noch einen Screenshot samt Link eines Artikels des SWR hinterher, in dem die Situation in Baden-Württemberg genauer erläutert wird:

Also noch einmal zusammengefasst: Bachmann und seine Jünger nutzen die Bild.de-Schlagzeilen, um ihr Weltbild der lügenden Medien zu belegen, und wir sagen: Bullshit.

Im Grunde haben wir also sogar Bild.de in Schutz genommen. Doch nur einer versteht das nicht — oder will es einfach nicht verstehen: Bild.de-Chef Julian Reichelt.

Und noch mal:

Und noch mal:

Julian Reichelt wirft uns gerne vor, wir seien ideologische Betonköpfe, weil wir hier im BILDblog nur nach einer Maxime arbeiteten: Hauptsache gegen “Bild”. Den Spiegeltest würde er wohl nicht bestehen.

Nachtrag, 22.25 Uhr: Er ist dreiviertel zurückgerudert.

“Bild”-Montage, Olympia, sonntägliche Einschlafprobleme

1. Die etwas andere “Bild”-Montage
(tagesspiegel.de, Robert Klages)
Das “Erzgebirgsbad” in Thalheim wurde zu einer Unterkunft für Geflüchtete umgebaut. Um zu verdeutlichen, wie es dort aussieht, zeigt die “Bild”-Zeitung betende Muslime in der ehemaligen Sauna und überschreibt ihren Artikel mit “Gebetsraum in der 90-Grad-Sauna”. Das Foto ist allerdings eine Montage — und werde von rechtsradikalen Medien dankend aufgegriffen, schreibt Robert Klages.

2. Das plumpe Hurra-Kostüm zieht nicht
(taz.de, Jürn Kruse)
Wenn “die ARD ihre Berichterstattung nach einer Bundestagswahl aus dem Konrad-Adenauer-Haus übertragen” würde, dürfte das Erstaunen groß sein. Wenn der NDR seine Sondersendung zum Volksentscheid live aus der Hamburger “Barclaycard-Arena” sendet, wo die Befürworter der Olympiabewerbung feiern wollten, dann stört das nur wenige. Einer davon ist “taz”-Redakteur Jürn Kruse, der den Medien zum Olympia-Referendum eine plumpe Pro-Hamburg-Kampagne attestiert.

3. Wer uns totschiesst, den schweigen wir tot
(nzz.ch, Stephan Klapproth)
Nach den Attentaten in Paris beobachtete Stephan Klapproth, dass die vielen Live-Berichte und dramatischen Überschriften eine “falsche Gesamtgeschichte” erzählten und die Terroristen größer machten als sie tatsächlich waren. In einem Gastkommentar denkt er daher über eine “Pressefreiheit 2.0” nach: “Die Medien geben sich die Freiheit, ihr aufklärerisches Recht zu nutzen nach einer Verantwortungsethik, die nach dem Resultat fragt, und nicht nach einer Gesinnungsethik, die auf einem abstrakten Prinzip beharrt.”

4. “The Hunger For Good Journalism Is Not Dead” — What’s Getting Shared Online?
(newswhip.com, Liam Corcoran)
Der Forscher Satu Vasantola hat für das “Reuters Institute” untersucht, welche Inhalte online geteilt werden: “One of the most striking features was the absence of news. News is not that widely shared, unless in breaking news situations.” Ebenfalls interessant: “The vast majority of the most shared BBC headlines were traditional fact-based news headlines. They told what happened to whom, where and when.”

5. Entdecke Neues und rede darüber
(de.ejo-online.eu, Stephan Russ-Mohl)
Universitäten bauen ihre Kommunikationsabteilungen aus, Stiftungen finanzieren die Wissenschaftsberichterstattung von Gratisblättern — Stephan Russ-Mohl über die Situation der Wissenschaftskommunikation an Unis und des Wissenschaftsjournalismus in Medien in der Schweiz.

6. Nach Jauch-Aus: Millionen Deutsche befürchten Einschlafprobleme am Sonntagabend
(der-postillon.com)

“Bild” und die gefühlte Wahrheit über Mats Hummels

Der “Kicker” hat heute ein großes Interview mit BVB-Fußballer Mats Hummels veröffentlicht. Darin findet sich auch folgende Passage:

Kicker: Sie sollen aus Ärger über interne Meinungsverschiedenheiten gesagt haben: „Ich bin mit der Borussia nicht verheiratet.“

Hummels: Das ist eine Geschichte, die mir wirklich am Herzen liegt! Diesen Satz habe ich im Leben noch NIE benutzt! Und ich habe ganz ehrlich ein Problem damit, dass so etwas einfach erfunden wird und jeder vom anderen abschreibt. Es ist traurig, dass das heute so funktioniert und zur gefühlten Wahrheit wird.

Und wer hat’s erfunden? Genau:

[Hummels’] Verhältnis zu Trainer Thomas Tuchel (42) ist nicht (immer) das Beste. Nach dem Last-Minute-Ausgleich gegen Darmstadt (2:2/7. Spieltag) hatte Hummels gewütet: „Das ist keine Verteidigung.“

Danach musste er sich wegen seiner Kollegen-Schelte deutliche Worte von Tuchel anhören.

Hummels soll sich angeblich nicht gerade einsichtig gezeigt haben und gekontert haben: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet!“

Erschienen vor fünf Tagen auf Bild.de und in der Ruhrgebiets-Ausgabe der „Bild“-Zeitung – und von dort herumgereicht in der Fußballmedienwelt:

Hummels soll sich aber angeblich nicht gerade einsichtig gezeigt und laut Bild gekontert haben: “Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet!”

(fussballnews.de)

(…) soll der Nationalspieler demnach entgegnet haben: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet.

(transfermarkt.de)

“Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet”, soll Hummels geäußert haben.

(news.de)

Die BILD berichtet, dass eine Trennung möglich sei. Interpretieren tut sie das aus dem angeblichen Satz: “Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet”, den Hummels seinem Coach Tuchel gegenüber gesagt haben soll.

(spox.com)

Darauf solll [sic] dieser erwidert haben: “Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet.”

(sport1.de)

Die “Bild”-Zeitung berichtet auf ihrer Online-Seite heute auch über das „Kicker“-Interview. Die Stelle mit dem erfundenen Satz erwähnt sie dabei natürlich nicht.

Youtuber vs. “Bild”, Grönemeyer, Cinema Perverso

1. Machtlos gegen Flüchtlingsgerüchte?
(ndr.de, Bastian Berbner, Video, 7:24 Minuten)
Michael Würz jagt abgeschlagenen Köpfen und angeblichen Vergewaltigungen hinterher — und findet nie Handfestes. Das liegt nicht daran, dass der Redakteur des “Zollern-Alb-Kuriers” schlampig recherchiert, im Gegenteil: Er findet ständig heraus, dass an den Gerüchten über die Flüchtlinge in Meßstetten nichts dran ist. Ein Beitrag von Bastian Berbner über Facebook-Verleumdungen und den Umgang der Medien mit ihnen.

2. Das Ringen um Vertrauen und Glaubwürdigkeit
(deutschlandfunk.de, Benjamin Dierks, Audio, 18:16 Minuten)
“Lügenpresse, Lügenpresse!” Diese Parole steht stellvertretend für eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Menschen haben immer weniger Vertrauen, dass Journalisten wahrheitsgemäß berichten. Der “Deutschlandfunk” hat Wissenschaftler und Medienmacher gefragt, woran das liegt, welche Rolle das Internet dabei spielt, was Journalisten dagegen tun können und inwiefern die veränderten Rahmenbedingungen auch Chancen bieten.

3. Abgemahnter Youtuber will Bild.de verklagen
(golem.de, Friedhelm Greis)
Bild.de sperrt Adblock-Nutzer aus, Youtuber erklärt, wie man die Sperre umgehen kann, Axel-Springer-Verlag verschickt eine Abmahnung, Youtuber weigert sich, eine Unterlassungserklärung abzugeben. So die Vorgeschichte in Kurzform (siehe Link Nummer 2 und Link Nummer 1). Jetzt die nächste Runde: Der Youtuber Tobias Richter geht in die Offensive und plant eine sogenannte negative Feststellungsklage gegen Springer. Helfen soll dabei eine (inzwischen erfolgreiche) Crowdfundingkampagne.

4. Im Auftrag von…
(taz.de, Daniel Bouhs)
Im April 2014 schrieben zwei “Spiegel”-Journalisten: “Beim Spiegel ist die Offenheit für das neue Format begrenzt: Werbung, die aussieht wie ein Text der Redaktion, wird es nicht geben.” Anderthalb Jahre später fällt dieses kategorische Nein längst nicht mehr so deutlich aus. Beim “Spiegel”-Ableger “Bento” sollen Native Ads für Einnahmen sorgen und möglicherweise auch den Weg für Sponsored Content beim Mutterschiff bereiten. Bei “Spiegel Online” heißt es auf Anfrage zwar, es gebe “derzeit keine konkreten Pläne” — eine klare Absage ist das aber nicht mehr. Damit ist der “Spiegel”-Verlag nicht alleine, auch bei “Zeit Online” und dessen Beiboot “Ze.tt” sollen Werbetreibende “Geschichten erzählen” dürfen, “um ihre Marke zu stärken oder Produkte zu verkaufen”.

5. Warum wir nicht über Grönemeyers Tour-Pläne berichten
(derwesten.de)
Anlässlich seines neuen Albums geht Herbert Grönemeyer auf Tour. Darüber wollte er mit Journalisten reden, die dafür “eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnen [sollten], die dem Künstler im Extremfall einen massiven Eingriff in die Berichterstattung ermöglichen würde.” Die “WAZ” sieht darin einen “deutlich über die gängige Autorisierungspraxis hinausgehenden Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit” und verzichtet auf die Berichterstattung.

6. Cinema Perverso
(arte.tv, Oliver Schwehm, Video, 58:30 Minuten, verfügbar bis 29.1.2016)
Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die Bahn an größeren Bahnhöfen eigene Kinos für die Reisenden, in denen eher speziellere Filme liefen wie “Nackt und zerfleischt”, “In der Gewalt der Riesenameisen”, “Das Blutgericht der reitenden Leichen” oder “Heiße Katzen in der grünen Hölle”. Die Arte-Doku wirft einen Blick in “die wunderbare und kaputte Welt des Bahnhofskinos” und erklärt zum Beispiel, warum für den US-Streifen “Die Todesgruft des Dr. Jekyll” Szenen in Bielefeld nachgedreht werden mussten.

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