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Kaputtmacher Maas, Pfeifopfer Helene Fischer, Bild von Jammerlappen

1. Heiko Maas macht die freie Presse kaputt
(faz.net, Thomas Thiel)
Es sind heftige Worte, die “FAZ”-Redakteur Thomas Thiel für das neue Gesetzesvorhaben zum Urheberrecht findet. Die Digitalisierung von Presseartikeln und Aufnahme in Bibliotheken bedeute schwerwiegende Einnahmeverluste, die er alleine für die “FAZ” auf einen siebenstelligen Betrag beziffert. Justizminister Heiko Maas mache damit die freie Presse kaputt. Wenn Maas damit durchkäme, werde es keine freien Zeitungsverlage mehr geben. “Wer gibt dem Justizminister das Recht, Privateigentum gegen eine weitestgehend wertlose Entschädigung in Staatseigentum umzuwandeln? Meint er vielleicht, dass auch die Arbeit von Redakteuren und freien Autoren vom Staat bezahlt wird? Und wie kommt er dazu, die Arbeit ganzer Berufszweige zu verhöhnen? So ein Entwurf konnte nur zustande kommen, weil im Justizministerium die Verachtung geistiger Leistungen um sich gegriffen hat.”
Nicht alle gehen mit dem Entwurf für das neue Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz derart hart ins Gericht: Auf der Urheberrechtsplattform “irights.info” werden die Beschwerden der Verlagsbranche als “kalkulierte Horrorszenarien” bezeichnet.

2. Die Fans haben nicht Helene Fischer ausgepfiffen, …
(sueddeutsche.de, Martin Schneider)
Martin Schneider beschäftigt sich auf süddeutsche.de mit dem brutalen Pfeifkonzert, das sich Helene Fischer in der Halbzeitpause des DFB-Pokalfinales hat anhören müssen. Schneider sieht jedoch nicht die Sängerin in der Kritik, sondern die Kommerzialisierung und “Eventisierung” des Fußballs allgemein: “Wer Helene Fischer in der Halbzeit auftreten lässt, vermittelt auch die Botschaft: Mir reicht eure Stimmung nicht, ich will selbst für mehr Stimmung sorgen. Der Deutsche Fußball-Bund hätte das ahnen können. Er weiß, dass er es bei Frankfurtern und Dortmundern mit anderen Fans zu tun hat, als beim Familien-Publikum der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er hat es trotzdem riskiert und Helene Fischer der Arena ausgeliefert, wenn man so will.”

3. Jan Böhmermann füllt Hörsaal, aber keine Köpfe
(jetzt.de, Peter Krauch)
806 Menschen drängelten sich im größten Hörsaal ReWi1 an der Universität Mainz, als Jan Böhmermann zum “SWR UniTalk” erschien. Die Karten für die Veranstaltung sollen binnen 10 bis 15 Minuten vergriffen gewesen sein… Peter Krauch geht der Frage nach, warum Böhmermann derart viele Menschen anzieht, dass sie zu Hunderten in einen Hörsaal drängen, nur um ihn live auf der Bühne zu sehen. “Die richtigen Botschaften und Themen hatte Jan Böhmermann im Gepäck, um junge Leute zu engagierteren Bürgern zu machen. Die Frage ist, ob er das will. Vielleicht ist der Hype um ihn für dieses Vorhaben auch zum Verhängnis geworden, weil sich viele nicht für das interessieren, was der Mensch Jan Böhmermann, außerhalb seines Berufs als Satiriker, zu erzählen hatte.”

4. Publikum
(neues-deutschland.de, Leo Fischer)
Nicht nur für schlechte Menschen, sondern auch für ausgemachte Jammerlappen hält Leo Fischer einige “Bild”-Journalisten. Diese würden auf Twitter kräftig austeilen, aber nicht einstecken können: “Am liebsten hätten sie ihr Publikum wieder so wie vor dem Internet: eine stumme, folgsame Masse, die widerstandslos das herunterschluckt, was sie ihnen vorsetzen. Sie wollen die Reichweite und die Wirkmacht von Twitter, ohne jedoch den Widerspruch auszuhalten, der ihnen dort entgegenhallt.” Fischer dreht den Spieß um und fordert den Twitter-Support auf: “Löscht Diekmann, Reichelt, Röpcke! Es handelt sich um gefährliche Trolle, die Hassbotschaften verbreiten und überdies eure Geschäftsgrundlage beschädigen!”

5. Käßmann erwägt rechtliche Schritte gegen Fake News nach AfD-Kritik
(chrismon.evangelisch.de)
Was passieren kann, wenn man Sätze verkürzt und aus dem Kontext löst, kann man derzeit beim Streit um ein angebliches Zitat der prominenten evangelischen Theologin Margot Käßmann sehen. Diese hatte auf dem Kirchentag in Berlin die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate kritisiert. Es wurden jedoch vereinzelt Sätze angeführt, die belegen sollten, dass Käßmann alle Bürger mit deutschen Ahnen zu Neonazis erklärt hätte. Für Käßmann eine “lächerlich und absurde” Unterstellung, gegen die sie rechtliche Schritte erwäge.

6. Über Tweetklau
(xbg.blogsport.eu, Klaas Berger)
“Darf man eigentlich nach Telefonaten fremder Leute in der U-Bahn Fragen stellen, wenn einem etwas unklar geblieben ist?” Haben Sie den Spruch schon mal irgendwo gesehen? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn er taucht immer wieder auf, ob in Witzesammlungen, auf Twitter oder bei Facebook. Gestern hat zum Beispiel die “Zeit” eine entsprechende Bildtafel retweeted, der aus dem Fundus einer geradezu industriellen Tweetverwertungsmaschinerie stammt und noch dazu einen falschen Urheber nennt. Eine schöne Gelegenheit, an den Tweetklau-Artikel von Klaas Berger zu erinnern, von dem der Spruch ursprünglich stammt.

Bild.de verbreitet falsche Vermisstenfotos aus Manchester

Im Onlinejournalismus muss es schnell gehen, und bei dem Tempo fehlt häufig die Zeit für eine saubere Recherche. In Breaking-News-Situationen, wie aktuell wegen des Anschlags in Manchester nach einem Popkonzert, muss es meistens noch schneller gehen. Und dann passieren Fehler wie dieser hier:


(Unkenntlichmachung durch uns.)

Auf der Startseite präsentierte Bild.de heute morgen eine Collage mit 25 jungen Menschen, die nach der Explosion im Foyer der Konzerthalle angeblich vermisst werden sollen. Die Quelle dafür: ein Tweet einer Privatperson.

Aus der Ferne können wir nicht sicher sagen, ob alle Jungen und Mädchen, die dort abgebildet sind, tatsächlich vermisst werden; ob sie gestern Abend bei dem Konzert von Ariana Grande waren; ob sie überhaupt in Manchester waren.

Und die Bild.de-Redaktion kann das anscheinend auch nicht. Denn bei zwei der Personen ist klar, dass sie nicht vermisst werden: das Mädchen in der obersten sowie der Junge in der mittleren Reihe.

Bei dem Mädchen handelt es sich um eine 12-jährige Australierin. Sie befand sich in ihrer Schule in Melbourne, als ihr Foto in der Vermissten-Collage auftauchte. Ihre Mutter stellte in einem Facebook-Post klar, dass bei ihrer Tochter alles in Ordnung sei:

Der Junge, der ebenfalls in der Collage auftaucht, ist ein recht bekannter Youtuber aus den USA. Unter dem Namen “TheReportOfTheWeek” veröffentlicht er regelmäßig Fast-Food-Tests. Er wird immer wieder heftig gemobbt — zum Beispiel indem Internetnutzer so tun, als gehöre er zu den vermissten Jugendlichen in Manchester. Bild.de greift sich einfach die Collage bei Twitter, in der der Junge zu sehen ist, recherchiert nicht und macht, ohne es zu wissen, beim Mobbing mit.

Der Junge hat sich inzwischen selber zu Wort gemeldet, in einem 51-sekündigen Youtube-Video. Der deutliche Titel: “I am alive”.

Auch das ist eine Folge des immer höheren Tempos im Onlinejournalismus: Menschen müssen ihren Verwandten, Freunden, Fans erklären, dass sie noch leben.

Mit Dank an Jannik S. und Peter L. für die Hinweise!

Nachtrag, 28. Mai: Obwohl offensichtlich ist, dass die Collage Personen mit dem Attentat in Manchester in Verbindung bringt, die am Tag des Anschlags nicht mal in der Stadt waren, hat es Bild.de bisher nicht geschafft, sie aus dem Artikel zu entfernen — sie ist unverändert und ohne jeglichen Hinweis online.

Inzwischen steht fest, dass auch eine dritte Person, die in der Zusammenstellung zu sehen ist, nie vermisst wurde. Der junge Mann in der mittleren Reihe ganz rechts …

… ist ebenfalls ein bekannter Youtuber. Das Foto stammt aus einem seiner Videos:

Er kommt zwar aus Manchester, war aber nicht beim Ariana-Grande-Konzert, wie er bei Twitter klarstellte:

Mit Dank an @KueddeR für den Hinweis!

“Bild”-Medien spekulieren über tödlichen Unfall von Julia Viellehner

Die deutsche Triathletin Julia Viellehner hatte am vergangenen Montag einen schweren Unfall: Im Trainingslager in Italien fuhr ein LKW sie an, als sie auf dem Fahrrad saß. Viellehner musste ins Krankenhaus und wurde ins künstliche Koma versetzt.

“Bild am Sonntag” berichtete gestern über den Unfall:

Bereits am Samstagabend brachte auch Bild.de einen Artikel:


(Unkenntlichmachung durch uns.)

In ihren Texten zitieren die “Bild”-Medien unter anderem einen Post auf Julia Viellehners Facebook-Seite, den ihr Freund Tom Stecher am Samstagmorgen verfasst hatte:

Ihr Lebensgefährte schrieb gestern bei Facebook: “Leider gibt es derzeit keine Änderung in ihrem Zustand. Sie hat bei dem Unfall viele und schwere Verletzungen erlitten. Eine Prognose über den weiteren Verlauf kann zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht abgegeben werden. Geht alles gut, steht sie auch irgendwann wieder an der Startlinie!”

Stecher, der bei dem Unfall anwesend war, schreibt in dem Facebook-Post außerdem:

Auch in Italien gibt es einen Schutz der Privatsphäre. Dies trifft auch besonders auf Krankendaten zu. Informationen über Julias Verletzungen oder durchgeführte Behandlungen sind rein spekulativ!

Diesen Absatz zitieren die Autoren von Bild.de und “Bild am Sonntag” nicht. Sie müssen ihn aber gesehen haben — schließlich beziehen sie sich auf den Text, in dem er steht. Eindruck hat die Aussage Stechers bei ihnen aber offenbar nicht gemacht. Die “Bild”-Medien verbreiten Spekulationen “über Julias Verletzungen oder durchgeführten Behandlungen”: Sie zitieren die italienische Zeitung “Corriere Romagna”, die behauptete, dass schwere Eingriffe an den Beinen von Julia Viellehner nötig gewesen sein sollen (auf weitere Details verzichten wir bewusst, weil wir uns nicht auch noch an den Spekulationen beteiligen wollen).

Vor wenigen Stunden verkündete Tom Stecher in einem weiteren Facebook-Beitrag, dass Julia Viellehner an ihren Verletzungen gestorben ist. Er schreibt dort auch:

Entgegen Berichten der Boulevardpressen wurde sie von dem LKW angefahren und ich sah sie neben dem LKW zu Fall kommen. Woher die Berichte vom Wochenende über verletzte Beine und die medizinischen Eingriffe stammen ist unklar.

Bild.de hat zu Julia Viellehners Tod gerade einen weiteren Beitrag veröffentlicht. Dort wird nun auch Tom Stechers Kritik an den Spekulationen der Boulevardmedien thematisiert. Allerdings bezieht Bild.de sie nur auf das italienische Blatt. Dass sowohl “Bild am Sonntag” als auch Bild.de diese Spekulationen übernommen haben — davon steht in dem Artikel kein Wort.

Mit Dank an für Rüdiger M. den Hinweis!

Bild.de deckt auf: Auf japanischem Pornokanal laufen Pornos

Am Montagabend lautete das Motto bei Bild.de mal wieder: “Diese Japaner, die sind doch alle verrückt!”

In der subtil betitelten Rubrik “Die krassesten TV-Shows der Welt” präsentierte die Redaktion Fernsehsendungen aus verschiedenen Ländern, die irgendwie irgendwas mit Sex zu tun haben. Anlass dafür ist die vor zehn Tagen gestartete Nackt-Dating-Show “Naked Attraction”. Das, was aktuell bei RTL 2 läuft, könne einem schon “die Schamesröte ins Gesicht treiben”, schreibt Bild.de. Doch das sei nichts gegen das Fernsehprogramm in Japan, wo alles “noch viel bekloppter” sei:

Normale Dating-Shows werden immer öfter von Extrem-Formaten abgelöst. Aber “Adam sucht Eva” oder “Naked Attraction” sind harmlos im Gegensatz zu dem, was beispielsweise im japanischen TV den Zuschauern serviert wird.

Jaha!

Japan? Prüde? Papperlapapp! Zappt man dort durch die Kanäle, möchte man sich nicht selten die Hände vors knallrote Gesicht schlagen.

Der Text stellt drei vermeintliche japanische TV-Sendungen vor: Nummer eins ist “Orgasm Wars”, wo ein homosexueller Mann einen heterosexuellen durch Oralsex zum Orgasmus bringen soll, wobei dieser versucht, das nicht zuzulassen. Beispiel zwei zeigt eine Gruppe Männer, die eine Pappmascheewand einwerfen will, um die dahinterstehende, nackte Frau zu Gesicht zu bekommen. Der angebliche Titel: “Strip the Girl”. In Beispiel drei befriedigen drei Frauen drei Karaoke singenden Männer per Hand. Es gewinnt derjenige die Show, die laut Bild.de “Sing What Happens” heißen soll, der trotz des bevorstehenden Orgasmus am besten singt.

Zu “Orgasm Wars” schreibt Bild.de:

Vor ein paar Jahren war diese TV-Show der Höhepunkt im japanischen Fernsehen. Und was dort gezeigt wird, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Die Redaktion tut so, als wäre die Oralsex-Sendung im normalen japanischen Programm gelaufen. Natürlich ist das Quatsch.

Die angeblichen TV-Shows aus den Beispielen eins (“Orgasm Wars”) und drei (“Sing What Happens”) sind tatsächlich nur Show-Segmente aus “Lass mich deinen Reißverschluss öffnen mit Tokui Yoshimi” (im Original: “Tokui Yoshimi no Chakku Orosaseteya”). Diese Gameshow läuft auf beim japanischen Erotikkanal* Pay-TV-Anbieter “Skyperfect TV”. Bei den Teilnehmern handelt es sich fast ausschließlich um Pornostars und Personen, die zur Entertainment-Agentur “Yoshimoto Kogyo” gehören. Es handelt sich also nicht um eine gewöhnliche Sendung aus dem Abendprogramm, sondern um einen Porno mit professionellen Schauspielern im Gewand einer Gameshow.

Bei Beispiel zwei (“Strip the Girl”) hat das Team von Bild.de in einem Punkt Recht: Das Spiel mit der nackten Frau hinter der Pappmascheewand lief tatsächlich im japanischen Free-TV.

Das Ganze hieß allerdings nicht “Strip the Girl”, sondern “Alle Felder sind das Ziel! Strike-out-Dusche!” (“Pafekuto tassei! Shawashitsu sutorakku auto!”). Es handelte sich dabei wiederum nicht um eine eigenständige Fernsehsendung, sondern nur um einen Teil der Show “Takeshis Truppe bis zum frühen Morgen” (“Asa made Takeshi Gundan”), die “TV Asahi” rund einmal im Jahr zwischen 1 und 3 Uhr nachts ausstrahlte. Zum letzten Mal lief die Sendung mit Regisseur Takeshi Kitano in der namensgebenden Rolle 2012. Ein schlüpfriges Format mit vielen Nacktmodels, das zumindest etwas ans deutsche “Tutti Frutti” erinnert.

Letztendlich stellen sich die “krassesten TV-Shows” Japans also als Pornosendung auf einem Pornokanal und als längst abgesetzte schlüpfrige Gameshow im Nachtprogramm heraus. Was bleibt sind einige Klicks für Bild.de und die Befürchtung, dass selbst der letzte Bild.de-Leser nun denkt: “Diese Japaner, die sind doch alle verrückt!”

*Nachtrag, 26. Mai: “Skyperfect TV” ist nicht, wie zuerst von uns geschrieben, ein Erotikkanal, sondern ein ganz normaler Pay-TV-Anbieter, der den Kanal “Skyperfect TV Adult” ausstrahlt. Dort läuft die Sendung “Lass mich deinen Reißverschluss öffnen mit Tokui Yoshimi”.

Bild.de lässt Putin Geld an eine Frau zahlen, die eigentlich ein Mann ist

Bei all der Kritik an Medien hier auf der Seite, darf man nicht vergessen, dass viele Journalisten jeden Tag einen richtig guten Job machen. Eine Redaktion, die aktuell einen besonders guten Job macht, ist die der “Washington Post”. Das Team gräbt — ähnlich wie das der “New York Times” — immer wieder brisante Geschichten über US-Präsident Donald Trump aus.

Aktuell berichtet die “Washington Post” über ein Gespräch in vertraulicher Runde vom 15. Juni 2016, in der Kevin McCarthy, republikanischer Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, zu führenden Parteifreunden sagt:

Es gibt zwei Leute, von denen ich glaube, dass sie von Putin bezahlt werden: Trump und Rohrabacher … ich schwöre bei Gott.

Die Unterhaltung zwischen McCarthy und seinen Kollegen soll kurz vor der Nominierung Trumps als republikanischer Präsidentschaftskandidat stattgefunden haben. Die Autoren der “Washington Post” schreiben, sie hätten nun eine Audioaufnahme des Gesprächs nachhören können. Kevin McCarthy sagt heute, dass seine Aussage damals ein Witz gewesen sei.

Jetzt müssten andere Medien nur noch auf diese Geschichte stoßen, sie aufschreiben und vielleicht noch kurz nachschauen, wer Dana Rohrabacher ist.

Dann mal los, Bild.de:

Washington Post enthüllt Geheimgespräch aus 2016 - Top-Republikaner: Ich denke, Putin bezahlt Trump

Damit wäre zudem offiziell, dass nicht nur das Trump-Team Gelder aus Russland erhalten hat. Dana Rohrabacher ist eine republikanische Kongress-Abgeordnete aus Kalifornien, die als starke Verfechterin Putins und Russlands gilt. Nach den Aussagen McCathys steht auch sie auf Putins Gehaltszettel.

Die Information über Rohrabacher findet man fast eins zu eins auch im Artikel der “Washington Post”:

Dana Rohrabacher is a Californian Republican known in Congress as a fervent defender of Putin and Russia.

Bild.de hat die Passage beinahe richtig übersetzt. Nur, dass Dana Tyron Rohrabacher ein Mann ist.

Mit Dank an Jörg L. für den Hinweis!

Nachtrag, 26. Mai: Christoph Herwartz weist darauf hin, dass der Mann/Frau-Fehler aus einer “dpa”-Meldung stamme:

Tatsächlich steht in der entsprechenden Agenturmeldung:

Dana Rohrabacher ist eine republikanische Politikerin, die sich wiederholt positiv über Russland und Wladimir Putin geäußert hatte.

Wir finden allerdings weiterhin, dass die Ähnlichkeit zwischen der falschen Bild.de-Passage und der Originalpassage der “Washington Post” größer ist als die Ähnlichkeit zwischen der falschen Bild.de-Passage und der falschen “dpa”-Passage.

Bild.de-Urlaubern fällt falscher Fleischfresser-Koala auf den Kopf

Planen Sie eine Reise nach Australien? Dann legen Sie am besten ein paar Gabeln bereit, die sie sich vor Ort in die Haare stecken können, und eine Extra-Tube Zahnpasta, um sie sich nach Ankunft hinter die Ohren zu schmieren. Denn nur so können Sie sich ordentlich vor fleischfressenden Freifall-Koalas schützen — jedenfalls wenn man den großen Fehler macht, auf Bild.de zu hören, und die Reisetipps des Portals konsequent weiterdenkt.

Doch der Reihe nach. Bild.de präsentierte gestern Abend “99 Fettnäpfchen, die Urlauber vermeiden sollten”, eine lange Liste mit Hinweisen zu verschiedenen Reisezielen auf der ganzen Welt:

99 Fettnäpfchen, die Urlauber kennen sollten - Hier müssen Sie in Schlappen aufs WC

In Frankreich solle man etwa “nach dem Dessert keinen Wein mehr trinken”. In Griechenland solle man die Menschen nicht als “Pleite-Griechen” beschimpfen solle man die “Menschen am Telefon an ihrer Stimme erkennen”. Und in Taiwan solle man “am Neujahrstag nicht putzen”.

Zu Australien gibt Bild.de fünf Tipps. Nummer eins: Man solle “Koalas nicht mit dropbears verwechseln”:

In Australien sollten Sie Koalas nicht mit dropbears verwechseln - Garantiert: Planen Sie eine Reise nach Australien, werden Sie mindestens ein Dutzend Bekannte fragen, ob Sie nicht Angst vor den Killerspinnen und Riesenschlangen haben. Dabei ist die größte Gefahr ein ganz andere: Uninformierte Touristen verwechseln goldige, harmlose und zuckersüße Koalas mit den fleischfressenden dropbears, die sich aus Eukalyptusbäumen herabstürzen. Erkundigen Sie sich stets vor Ort über das lokale Risiko!

Wie man möglichen Angriffen durch die “fleischfressenden dropbears” vorbeugen kann? Laut “Wikipedia” sollen die eingangs erwähnten Mittel helfen:

Es werden verschiedene Methoden vorgeschlagen, um Drop Bears abzuschrecken. Dazu gehört, sich Gabeln in die Haare zu stecken, sich Vegemite oder Zahnpasta hinter die Ohren zu schmieren, auf sich selber zu urinieren oder nur Englisch mit australischem Akzent zu sprechen.

Bei “Wikipedia” steht allerdings auch:

Ein Dropbear oder Drop Bear (wörtliche Übersetzung “Fall-Bär”) ist ein fiktives australisches Beuteltier. (…) Geschichten über Angriffe werden erzählt, um Touristen zu erschrecken.

Für Ihren nächsten Besuch bei Bild.de hätten wir auch noch eine Reisewarnung einen Tipp:

Bei Bild.de sollten Sie Journalismus nicht mit dem Reinfallen auf Witze verwechseln - Garantiert: Planen Sie einen Besuch bei Bild.de, werden Sie mindestens ein Dutzend Bekannte fragen, ob Sie nicht Probleme mit all den üblen Kampagnen des Portals oder mit dem Veröffentlichen von bei Facebook geklauten Fotos verstorbener Menschen haben. Dabei ist die größte Gefahr eine ganz andere: Uninformierte Bild.de-Redakteure verwechseln lustige Gruselgeschichten aus Down Under mit der Realität. Erkundigen Sie sich stets bei BILDblog über das aktuelle Risiko!

Mit Dank an Marcel H. für den Hinweis!

Nachtrag, 16:07 Uhr: Bild.de hat in der Zwischenzeit reagiert und lässt die “Dropbears” nun nur noch “mit einem Augenzwinkern” auf “uninformierte Touristen” fallen:

Besucher sollten sich vor Ort stets über das lokale Risiko erkunden, empfiehlt der Autor mit einem Augenzwinkern (Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war die Ironie nicht direkt erkennbar. Wir bitten um Entschuldigung).

ÖVP-Django, Nazibilder, Lanzelot Kubicki

1. Österreichs Vizekanzler tritt ab und keilt gegen den ORF
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner hat den Rückzug von allen politischen Ämtern angekündigt. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz kritisierte er auch den ORF scharf. Besonders gestört hat ihn wohl, dass er mit dem Film “Django – Die Totengräber warten schon“ in Zusammenhang gebracht wurde.

2. Grüße aus Ostpreußen
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Wenn man nach Erkenntnissen eines Stuttgarter Historikers geht, wurden zwischen 1942 und 1945 ungefähr vierzigtausend Bilder zwischen den sich erbittert bekriegenden Ländern Amerika und Deutschland getauscht. Willi Winkler erzählt, wie die amerikanische Nachrichtenagentur AP mit einem berühmten Bild von Hitler und Mussolini noch kurz vor Kriegsende die Nazi-Propaganda unterstützte.

3. Schreibverbot für Streikende
(taz.de, Patrick Guyton)
Sechs Monate dauert nun schon der Kampf der Redakteure und Verlagsangestellten des „Obermain-Tagblatts“ für einen neuen Haustarifvertrag. Der Hintergrund: Seit zehn Jahren haben die Beschäftigten keine Lohnerhöhung mehr erhalten. Nun sind zwei Redakteure von der Verlagsleitung mit einem „Schreibbann“ belegt worden.

4. Stellvertreterkrieg ums Web
(zeit.de, Torsten Kleinz)
Wenn selbst Google angeblich an einem Werbeblocker für den konzerneigenen Browser Chrome arbeitet, weiß man, dass in Sachen Onlinewerbung einiges im Argen liegt. Torsten Kleinz fasst die derzeitige Situation zusammen. Dabei geht es nicht nur um den Aspekt der Monetarisierung von Onlineinhalten, sondern auch um Themen wie freie Meinungsäußerung, Netzneutralität und Datenschutz.

5. Wolfgang Kubicki und die dunkle Macht in Mainz
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki ereifert sich darüber, dass er von der Markus-Lanz-Redaktion ausgeladen wurde und wittert dahinter eine politische Verschwörung. Boris Rosenkranz erklärt, warum die Vorwürfe ins Leere gehen.

6. Skurriler Aufruf bricht Twitter-Rekord
(haz.de)
Der auf Twitter meistgeteilte Tweet war bislang das berühmte Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres mit Stars wie Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Brad Pitt aus dem Jahr 2014. Der Rekord wurde nun gebrochen, wovon zwei Seiten profitieren: Der neue Rekordinhaber darf ein Jahr lang kostenlos Chicken Nuggets essen und die betroffene Fast-Food-Kette freut sich über die kostenlose Werbung.

BILDblog dankt

Danke, danke, danke — an all jene, die unsere Arbeit finanziell unterstützen und damit dazu beitragen, dass es das BILDblog überhaupt geben kann. Nun schaffen wir es leider nicht, bei jedem auf einen Kaffee vorbeizukommen. Deswegen gibt es hier einmal im Monat einen großen SammelDank.

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Republik-Analyse, lügende Bilder, Kandidatencheck

1. Brillant orchestriert aus dem Ex-Puff
(medium.com, Peter Hogenkamp)
Peter Hogenkamp hat den Crowdfunding-Erfolg des Schweizer Journalismusprojekts “Republik” analysiert (mehr als 10.000 Unterstützer, mehr als 2,5 Millionen CHF) und dabei viele Aspekte zusammengetragen. Und er hat einen Ratschlag an die Gründer: “Freut Euch ruhig noch paar Tage weiter unbändig, nagelt Euch danach einen Lorbeerkranz an die Wand zu, unter dem steht: «Memento moriendum esse», «Bedenke, dass du sterblich bist», wie es im alten Rom bei Triumphzügen dem siegreichen Feldherrn zugeflüstert wurde, damit dieser die Bodenhaftung nicht verlor — und dann versucht bitte, schnell wieder möglichst unbeschwert an das Zeug heranzugehen.”

2. Diese Bilder lügen schon
(spiegel.de, Martin U. Müller)
Bild.de war bereits vor dem Landgericht Köln unterlegen, nun kam es zur nächsten Niederlage: Das OLG Köln hat ein von Bild.de veröffentlichtes Video verboten, in dem Herbert Grönemeyer mit einem Kameramann und einem Fotografen am Flughafen Köln/Bonn aneinander gerät. Der Grund: Das Video suggeriere durch Weglassen des Vorgeschehens einen anderen Hergang des Vorfalls. Das Videomaterial sei “bewusst manipuliert”.

3. Lieber nicht verscherzen
(taz.de, Peter Weissenburger)
Der Schweizer “Tagesanzeiger” hat offenbar kurz vor Erscheinen ein Porträt über den Chefredakteur der “Neuen Zürcher Zeitung” zurückgezogen. Der Porträtierte hatte den Text vorher zu lesen bekommen und interveniert. Der Vorgang ist heikel, denn es geht nicht zuletzt um journalistische Distanz und die stets prekäre Grenze zur PR, wie Peter Weissenburger in der “taz” anmerkt.

4. Wenig Freude an Design-Ausgabe von «20 Minuten»
(persoenlich.com, Christian Beck)
Die kostenlose Schweizer Pendlerzeitung “20 Minuten” aus dem Hause “Tamedia” hat sich eine Werbeaktion einfallen lassen, die ihr viel Kritik beschert hat. Zum Verkaufsstart eines neuen Smartphones hat man breite Farbschlieren über Text und Bilder gelegt. Viele Leser haben sich über die schlecht lesbare “Designausgabe” geärgert. Die “20 Minuten”-Redaktion gibt sich geläutert und will das “Experiment” nicht wiederholen.

5. Schlank in die Zukunft
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Die ARD hat laut einer Zwischenbilanz noch mehr gespart, als es die “Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten” (KEF) verlangt hat. Claudia Tieschky fragt sich auf süddeutsche.de, wieso das auf einmal geht und wieso die Haushaltsabgabe 2021 voraussichtlich trotzdem deutlich steigen wird.

6. Macht WDR Wahlwerbung für Rechtsextremisten?
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Macht der WDR tatsächlich Wahlwerbung für Rechtsextremisten? Zumindest stellt er ihnen im Rahmen des “WDR-Kandidatenchecks” eine Plattform zur Verfügung, ihre Inhalte zu verbreiten. Journalismus-Professor Hektor Haarkötter dazu: “Was also den WDR geritten hat, Nazis und Rechtsextremisten eine Plattform zur Verfügung zu stellen, bleibt rätselhaft. Ein Sender treibt mit Entsetzen Scherz. Es ist die Aufgabe von JournalistInnen, Sachverhalte nicht nur wiederzugeben, sondern einzuordnen, kritisch zu hinterfragen und in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu setzen. Nichts von alldem geschieht beim WDR-Kandidatencheck: eine journalistische Minderleistung sondergleichen.”

“Bild” setzt spezielle Schwerpunkte

Frau und Mann lernen sich kennen. Frau schickt Mann Nacktfotos. Mann droht, Nacktfotos ins Internet zu stellen. Frau zahlt Geld, damit das nicht passiert. Frau zeigt Mann an. Es kommt zum Prozess. Das Urteil: 15 Monate auf Bewährung wegen Erpressung.

So nüchtern könnte man den Fall beschreiben, der vor wenigen Tagen vor dem Amtsgericht Dresden verhandelt wurde. Ob der Mann und die Frau groß oder klein sind, dick oder dünn, kurze Nasen und große Füße oder kleine Hände und ein orangenes Gesicht haben, ist dabei völlig irrelevant. Große und Dicke können genauso wie Dünne und Kleine Nacktfotos machen, sie verschicken, drohen, sie ins Internet zu stellen, Leute damit erpressen.

Die Fat-Shaming-Abteilung bei Bild.de und der Dresden-Ausgabe der “Bild”-Zeitung fanden die Figuren der beiden Protagonisten aber offenbar doch ziemlich wichtig im Zusammenhang mit der Verhandlung.

Die dämlichen Witzeleien fangen schon in der Dachzeile an …

ERST DICKE LIEBE, DANN FETTE ERPRESSUNG - ER wollte IHRE Sex-Bilder ins Internet stellen

… gehen im Artikeleinstieg direkt weiter …

Eine dicke Internet-Liebe endete am Dienstag in einem schmutzigen Prozess vor dem Amtsgericht Dresden.

… und schaffen es bis in die Bildunterschrift:

Einst dicke verliebt, jetzt einfach nur dicke Feinde: Ingmar K. (36) und Renate M. (43, Name geändert)

Eine weitere Bildunterschrift nutzen “Bild” und Bild.de, um den Lesern noch einmal klarzumachen, wie die Figur des Angeklagten zu bewerten ist:

Schwergewicht Ingmar K. (36) entschuldigte sich bei seiner Ex-Freundin

Und für alle, die es bis hierhin immer noch nicht geschnallt haben, schreibt der Autor im Text:

2014 hatte Ingmar K. die ebenfalls arbeitslose Renate M.* (43, Name geändert) aus Dresden im Internet kennen gelernt. Beide sind schwer übergewichtig, bringen locker zusammen über 300 Kilo auf die Waage.

Komisch — wir wussten bisher gar nicht, dass auch das Körpergewicht einer angeklagten Person bei einem Gerichtsprozess eine Rolle spielt.

Mit Dank an Thomas A. für den Hinweis!

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