Suchergebnisse für ‘BILD’

Schwangerschaft, New York Post, Hudekamp

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex”
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal beobachtet die Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Kein Vergleich ist den Kritikern inzwischen zu blöd, kein Bild zu schief (Nordkorea, Mullah-Regime), um den ‘anti-kapitalistischen’ Impuls in den guten Deutschen wachzurufen.” Siehe dazu auch “Mathias Döpfner darf in der Zeit Google angreifen” (neunetz.com, Marcel Weiss), “Ebenso dreist wie durchsichtig” (ueberschaubarerelevanz.wordpress.com) und “Ausgewogenheit, wie sie Hubert Burda meint” (stefan-niggemeier.de).

2. “Der Medienhype um Kates Baby”
(ndr.de, Video, 4:48 Minuten)
Medien betonen in ihren Berichten über die Schwangerschaft von Catherine Mountbatten-Windsor, dass sie jetzt Ruhe braucht – und belagern das Krankenhaus, in dem sie sich aufhält. Siehe dazu auch “‘Sie übergibt sich!'” (coffeeandtv.de, Lukas Heinser).

3. “Medien fallen auf geschönte Merkel-Wahl rein”
(meedia.de, Eckhard Stengel)
Wurde Angela Merkel mit 97,94 Prozent der Delegiertenstimmen zur CDU-Vorsitzenden gewählt, wie zum Beispiel die FAZ auf ihrer Titelseite schreibt? “CDU und CSU sind die einzigen Bundestagsparteien, die bei Vorstandswahlen auf allen Parteiebenen die Enthaltungen nicht in die Prozentzahlen einrechnen. Zählt man sie mit, kommt Merkel ‘nur’ auf 96,99 statt auf fast 98 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.”

4. “Der Tod auf dem Titel”
(faz.net, Fabian Nitschmann)
Ein Foto auf der Titelseite der “New York Post” löst Diskussionen aus. Es zeigt eine einfahrende U-Bahn, die kurz darauf einen Mann überfahren hatte. Siehe dazu auch “‘NY Post’ Photographer: I Was Too Far Away To Reach Man Hit By Train” (npr.org, Mark Memmott, englisch).

5. “Hudekamp – Ein Heimatfilm”
(ndr.de, Video, 64:12 Minuten)
Ein Film über Menschen, die in den Hochhäusern des Lübecker Stadtteils Hudekamp wohnen.

6. “Auf Rückenschmerzen spezialisierter Orthopäde hofft auf Freiwerden der Domain kreuz.net”
(der-postillon.com)

Harzer Rollstuhl

Normalerweise werden Agentur-, Polizei- und Pressemitteilungen in modernen Nachrichtenredaktionen einfach per Copy & Paste übernommen, gegebenenfalls noch ein wenig angepasst und dann veröffentlicht.

Nicht so beim “Kölner Stadtanzeiger”. Dort funktioniert die Weitergabe eingehender Meldungen offenbar per Zuruf, Dosentelefon oder “Stille Post”.

Anders ist eigentlich nicht zu erklären, wie aus dieser Pressemitteilung der Polizei …

Auf Rollerfahrer eingeschlagen

dieser Artikel auf ksta.de werden konnte:

Autofahrer greift Rollstuhlfahrer an

Mit beeindruckender Konsequenz ist jeder “Rollerfahrer” im Text durch einen “Rollstuhlfahrer” ersetzt worden, was mitunter etwas bizarre Folgen hat:

Als er in den dortigen Kreisverkehr einbog und sein Tempo verringerte, wurde er von seinem hinter ihm fahrenden Angreifer belästigt. “Plötzlich hörte ich hinter mir ein Hupen. Der Autofahrer fuhr extrem dicht auf und gestikulierte wild”, zitiert die Polizei den Rollstuhlfahrer.

Mit Dank an Marco L.

Nachtrag, 18.05 Uhr: ksta.de hat den “Rollstuhlfahrer” kommentarlos in einen “Rollerfahrer” zurückverwandelt.

Kindesmissbrauch, Tatort, Harald Schmidt

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Autobild’ macht aus Fekter ‘Bürogehilfin'”
(kurier.at)
Autobild.de zeigt, um die Berufsgruppe “Bürogehilfen” zu illustrieren, ein Foto der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter.

2. “Was wird aus Mediendatenbank der Bundesregierung?”
(telemedicus.info, Hans-Christian Gräfe)
Hans-Christian Gräfe fragt, ob noch mal was aus der vom Bundestag beschlossenen Mediendatenbank wird, die “Verbindungen verschiedener Medienhäuser zentral und öffentlich dokumentieren” soll.

3. “Kindesmissbrauch: Empört Euch bitte nicht so sehr!”
(novo-argumente.com, Sabine Beppler-Spahl)
Sabine Beppler-Spahl mahnt zu einem rationalen Umgang mit dem Thema Kindesmissbrauch: “Allzu oft wird der Begriff des Missbrauchs inflationär angewandt, was nur zur Folge haben kann, dass die seltenen, aber wirklich schlimmen Fälle relativiert werden.”

4. “Der Münsteraner”
(leogutsch.berliner-zeitung.de)
Jochen-Martin Gutsch versucht, die Faszination der Deutschen für den “Tatort” zu ergründen: “Wie können 12 Millionen Menschen nur so irren?”

5. “Kapitalismus? Klar, aber nicht bei uns”
(taz.de, Deniz Yücel)
“Kapitalismus finden deutsche Journalisten auch nur solange klasse, wie es nicht um ihren eigenen Arsch geht”, schreibt Deniz Yücel.

6. “Harald Schmidt: TV-Entertainer”
(3sat.de, Video, 59:35 Minuten)
Frank A. Meyer spricht eine Stunde lang mit Harald Schmidt, auch über Medien.

Slumdog Billionaire Reloaded

Es gibt Geschichten, die so schön sind, dass den Journalisten, die sie weitererzählen, scheißegal scheint, ob sie stimmen oder auch nur wahrscheinlich sind. Gerade, wenn es um beeindruckende Zahlen geht.

Am Freitag eröffnete das “Handelsblatt” seinen Artikel über “die neuen Maharadschas” so:

Die Zahlen sind beeindruckend: 27 Stockwerke. 40 000 Quadratmeter. 160 Parkplätze. 3 Hubschrauberlandeplätze. 9 Lifte. 600 Diener. Und das alles für einen einzigen Mann. Eine Milliarde Dollar soll Mukesh Ambanis Residenz in der Altamont Road in Mumbai gekostet haben. Das teuerste Privathaus der Welt, mitten in jener Stadt, die für ihre wüsten Slums berüchtigt ist. Mit seinem Palast hat Ambani sich selbst zum Symbol erhoben: für den wirtschaftlichen Aufstieg Indiens.

Zugegeben: Anders als bei der Anzahl der Stockwerke, der Parkplätze und der Hubschrauberlandeplätze zieht sich der Autor beim Preis hinter irgendwelche gerüchteweisen Angaben zurück. Das macht die “eine Milliarde Dollar”, die das Anwesen gekostet haben “soll”, aber nicht realistischer (BILDblog berichtete und berichtete und berichtete).

Mit Dank an Marius W.

Virtuelle Welt, Schwer verliebt, Imperialismus

6 vor 9

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1. “Sendeschluss”
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel denkt nach über die Ausgestaltung der Öffentlich-rechtlichen: “Wie gerecht ist es, dass jeder 18-Jährige zahlen muss, während der Altersdurchschnitt der Zuschauer beim ZDF bei 63 Jahren liegt? (…) Dieser Apparat verbraucht jetzt schon acht Milliarden Euro im Jahr, eine davon aus Werbung, die die privaten Medien dringend gebrauchen könnten, der Rest aus Gebühren. Man muss sich einmal klar machen, was das heißt: Acht Milliarden Euro – das ist in etwa so viel wie sämtliche Kultursubventionen aller deutschen Länder und Gemeinden, sämtliche Museen, Theater und Bibliotheken.”

2. “Wir brauchen neue Verleger”
(dondahlmann.de)
“Als rein publizistisches Gegengewicht zur überregionalen Presse” seien Blogs für den Augenblick gescheitert, findet Don Dahlmann: “In 10 Jahren ist es nicht gelungen, diesbezüglich etwas in Bewegung zu bringen. Ich nehme mich da als jemand, der diese Zeit, teilweise nicht ganz unprominent, begleitet hat, nicht aus und ich empfinde dieses Scheitern durchaus auch als Niederlage.”

3. “Schwer erträglich: Wo ist bloß der Respekt geblieben?”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Beim Schauen von “Schwer verliebt” auf Sat.1 beschleicht Alexander Krei das Gefühl, “dass hier Menschen vor eine Kamera gezerrt werden, die bis zu einem gewissen Grad überhaupt nicht in der Lage dazu sind, das Ausmaß ihres Handelns überschauen können”.

4. “Hassobjekt Google”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
“Vergangen geglaubte Parolen des antikapitalistischen Kampfs gegen Onkel Sam” scheinen wieder aufzuleben, stellt Rainer Stadler fest: “Von ‘Imperialismus’ ist die Rede, vom ‘Siegeszug des Silicon-Valley-Kapitalismus’, der darin bestehe, ‘die Leistung anderer ohne Entgelt auszubeuten’. Diese Worte standen nicht etwa in einem linken Kampfblatt, sondern in der gutbürgerlichen ‘FAZ’ auf Seite 1.”

5. “In eigener Sache”
(merkur-blog.de, Christian Demand und Ekkehard Knörer)
Frauen schicken kaum Texte an die Redaktion der Zeitschrift “Merkur”: “Auf hundert unverlangt eingesandte Texte von Männern kommen rund fünf von Frauen.”

6. “Virtuelle Welt? Kenn ich nicht!”
(evlmnkey.wordpress.com)
Ein Student der TU Dresden mit Jahrgang 1994 mag nicht recht verstehen, warum von der realen eine virtuelle Welt abgegrenzt wird: “Es gibt keine neue, virtuelle Welt. Es gibt einfach nur uns! Die Menschheit. Der Typ der uns im Einkaufszentrum entgegenkommt ist eben nicht ‘Herr Müller’ und in der virtuellen Welt ‘xxx_tha_styla’, sondern er ist für Passanten ein Gesicht, für Geschäftspartner ‘Herr Müller’, für seine Freunde ‘Peter’, für seine Frau ‘Schatz’ und für den Rest der Welt eben ‘xxx_tha_styla’. Was ist daran so schwer zu verstehen?”

Brennende Phantasie

Am vergangenen Mittwoch hat sich ein Mann in einem Kölner Supermarkt mit Benzin übergossen und selbst angezündet. Er wurde lebensgefährlich verletzt.

Viele Medien berichten seitdem über den Fall. Vermutlich sind es die besonderen Begleitumständen der Tat – insbesondere die Tatsache, dass der Mann auch andere Menschen in Gefahr gebracht hat –, die aus Sicht der Journalisten eine Berichterstattung rechtfertigen.

Einige Medien hielten sich dabei sogar (mehr oder weniger) an das, was der Presserat und Psychologen seit Jahren immer wieder fordern, nämlich zurückhaltend über (versuchte) Suizide zu berichten.

“Bild” gehörte nicht dazu.

Die Zeitung schilderte nicht nur sämtliche Details der Tat, sondern zeigte auch ein nicht unkenntlich gemachtes Foto des Mannes beim Kauf des Benzins. Dazu werden im Text sein Vorname sowie weitere Einzelheiten aus seinem Privatleben genannt.

Und dann war da noch das:

Mann zündet sich in Supermarkt an

So sah die Seite drei der “Bild”-Bundesausgabe vom letzten Freitag aus.

Und so die Startseite von Bild.de:

Mann zündet sich in Supermarkt an

Warum tut sich das ein Mensch an?

Bei “Bild” ist das eine gängige Masche, vor allem bei tödlichen Unfällen, Morden und anderen brutalen Geschichten: Wenn die Redakteure schon kein grausames Foto auftreiben können, lassen sie eben eine grausame Zeichnung anfertigen.

All denjenigen, die sich nicht vorstellen können, wie eine Kinderleiche oder ein brennender Mann aussehen, hilft “Bild” also nach. Ob sie wollen oder nicht.

Mit Dank auch an David und Afra.

Leistungsschutzrecht, Bauer-Verlag, 2012

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wieso wir klüger debattieren müssen”
(ploechinger.tumblr.com)
Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de, versucht, Folgen des Leistungsschutzrechts für Presseverleger zu berechnen: “Ohne ins Detail unserer Umsatzzahlen gehen zu wollen, könnte das Verluste im mittleren sechsstelligen Bereich bedeuten.”

2. “Wie geht es mit dem Leistungsschutzrecht weiter?”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die Frage sei letztlich, wer wen dringender brauche, schreibt Thomas Stadler: “Google wird es sich ohne weiteres erlauben können, Google-News in Deutschland zu schließen und die Verlage für eine Weile von der Suchmaschine auszusperren. Man wird dann eben die Inhalte von FAZ, SZ, ZEIT, Spiegel, Welt, BILD, Stern u.a. nicht mehr über Google finden können. Einige kleinere Verlage werden schlau genug sein und Google unentgeltliche Nutzungsrechte einräumen. Die Leidtragenden werden die Nutzer sein, denn das geplante Gesetz erschwert die Auffindbarkeit von Inhalten im Netz erheblich.”

3. “Lex Google”
(substanz.davidherzog.ch)
Es wird nun auch in Schweizer Zeitungen ein Leistungsschutzrecht nach deutschem Vorbild gefordert.

4. “Erfolg mit Klatschgeschichten”
(dradio.de, Verena Herb)
Der Bauer Media Group geht es gut. “Im kommenden Jahr will der Hamburger Verlag 2,5 Milliarden Euro umsetzen.”

5. “Von wegen Fischeinwickelpapier”
(welt.de, Marc Reichwein)
Marc Reichwein zu Besuch im Innsbrucker Zeitungsarchiv: “Archiviert wird nicht mehr, aber auch nicht weniger als der weltweite Literaturbetrieb auf der Basis deutschsprachiger Medien.”

6. “Beyond 2012: Why the World Won’t End”
(nasa.gov, englisch)

Haltbarkeitsdatum überschritten

Bild.de ist die Mikrowellenküche des Online-Journalismus. Statt aufwendig was Neues zu kochen, wärmen sie dort viel lieber was von gestern auf, das spart Zeit und eine Menge Arbeit.

Selbst Dinge, die schon seit Jahren im Kühlschrank vor sich hingammeln, werden bei Bild.de liebend gerne wieder hervorgeholt.

So wie die Fotostrecke „Doppelgänger des Sports“, die auf Bild.de erstmals im Jahr 2009 veröffentlicht und dann im August 2009, im Februar 2010, im Dezember 2010, im Januar 2011, im September 2011, im November 2011, im Mai 2012, im Juli 2012 und im November 2012 wiederverwertet wurde.

Darin finden sich dann etwa solche “irren Zwillinge”:Die Doppelgänger des Sports - Pavian und Paul Breitner (Fußball-Weiser)

Am vergangenen Donnerstag erschien die Klickstrecke ein weiteres Mal, mittlerweile hat sie ihr Haltbarkeitsdatum aber ein ganzes Stück überschritten:

  • Rene Adler (Foto 13) spielt nicht mehr bei Bayer Leverkusen, sondern beim Hamburger SV.
  • Lucas Barrios (Foto 14) wechselte im Sommer zu Guangzhou Evergrande in China und spielt nicht mehr bei Borussia Dortmund.
  • “Brasilien-Star” Ronaldinho (Foto 17) absolvierte sein letztes Länderspiel für die Seleção im Februar.
  • Rüdiger Kauf (Foto 23) spielt nicht mehr bei Arminia Bielefeld, sondern hat 2011 sein Karriereende bekannt gegeben.
  • Nicolas Anelka (Foto 25) ist seit Anfang 2012 Spieler bei Shanghai Shenhua und nicht mehr beim FC Chelsea.
  • Ashkan Dejagah (Foto 30) spielt seit September nicht mehr beim VfL Wolfsburg, sondern beim FC Fulham.
  • Felix Magath (Foto 43) ist nicht mehr Trainer bei Wolfsburg, sondern seit Oktober vereinslos.
  • Zlatan Ibrahimovic (Foto 45) ist seit dem Sommer bei Paris Saint-Germain unter Vertrag und nicht mehr beim AC Mailand.
  • Michael Ballack (Foto 46) hat seine Karriere im August beendet und spielt nicht mehr bei Bayer Leverkusen.
  • Andrij Schewtchenko (Foto 48) spielt nicht mehr bei Dynamo Kiew und ist seit dem Sommer auch bei keinem anderen Verein mehr unter Vertrag.

Gut, man könnte vor dem Aufwärmen natürlich den Schimmel abkratzen und ein bisschen nachwürzen, aber selbst das ist den Leuten von Bild.de offenbar schon zu viel.

Mit Dank an Steffen S.

Nachtrag, 18.03 Uhr: Einige Leser haben uns noch auf einen weiteren Fehler aufmerksam gemacht: Bei dem Affen neben Paul Breitner handelt es sich offenbar nicht um einen Pavian, sondern um einen Gibbon.

100 Prozent der Überschrift sind falsch

Die Schweizer Boulevardzeitung “Blick am Abend” befasste sich gestern mit der Situation der Asylbewerber im Land. Und mit deren Gesundheitszustand.

Das Blatt stellt fest, dass …

(…) viele [Asylbewerber] mit dem HI-Virus infiziert sind. In einer Kurzanalyse des Bundesamts für Gesundheit (BAG) steht: “Ein vergleichsweise hoher Anteil HIV-Positiver geht auf Personen aus der Subsahara-Region zurück.” Also Leute aus Ländern wie Nigeria, Eritrea oder dem Kongo.

Im nächsten Absatz wird es etwas komplizierter. Dort kommt ein Sprecher der Schweizer Aids-Hilfe zu Wort:

“Mit Blick auf Personen aus Subsahara zeigen die epidemiologischen Daten, dass sich über 60 Prozent der betroffenen Personen bereits in ihren Herkunftsländern mit HIV infiziert haben”, sagt Harry Witzthum von der Aids-Hilfe.

Offenbar zu kompliziert für die Redakteure von “Blick am Abend”. Denn aus dem Zitat bastelten sie diese Überschrift:"60 Prozent der Asylbewerber sind HIV-positiv"

Der zitierte Sprecher Harry Witzthum schrieb uns auf Anfrage:

Meine Aussage hat mit der Überschrift nichts zu tun, das ist ein falsches Zitat. Meine Aussage, die im Text richtig zitiert wird, lautet, dass mehr als 60% der in der Schweiz diagnostizierten HIV-positiven Migranten sich bereits im Herkunftsland mit HIV infiziert haben. Die Aussage, dass 60% der Asylbewerber HIV-positiv sind, ist vollkommen falsch. Der Titel wurde nicht von der Journalistin gesetzt.

Via @FabianEberhard.

Nachtrag, 6. Dezember: In seiner gestrigen Ausgabe hat sich der “Blick am Abend” für seine “Unsorgfältigkeit” entschuldigt:Titel war falsch

Nicht gesagt ist gesagt

Am Dienstag wurde in Berlin der Deutsche Sozialpreis 2012 verliehen. Damit werden seit einigen Jahrzehnten journalistische Arbeiten zu sozialen Themen ausgezeichnet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war gekommen, sie hielt das Grußwort.

Und so berichtet Bild.de über die Preisverleihung:Merkel rüffelt TV-Macher

Klamaukiger Tatort, immer mehr Scripted Reality und Rosamunde Pilcher im deutschen Fernsehen – seit Jahren wird über die Qualität im TV gestritten.

Jetzt schaltet sich in die Trash-TV-Debatte überraschenderweise Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein!

Nun, dieses “Einschalten” und “Rüffeln” der Kanzlerin bestand aus genau drei Sätzen, wie man hier nachlesen kann. Frau Merkel sagte:

Ich möchte mich auch an die anwesenden Medienvertreter richten. Ich will zwar nicht vorschlagen “mal einen Krimi weniger und stattdessen etwas aus dem richtigen Leben” – aber so etwas in der Richtung. Ich plädiere also für gute Sendezeiten für die Beiträge, die etwas über das wirkliche Leben erzählen.

Auf Bild.de liest sich das dann so:

Mal einen Krimi weniger und stattdessen etwas aus dem richtigen Leben”, gab sie den deutschen TV-Machern auf den Weg. (…) Programmverantwortliche sind also jetzt von oberster Stelle aufgefordert: Weniger Tatort und Landarzt – mehr echtes Leben.

Auch die “taz” schreibt heute:

“Mal ein Krimi weniger und dafür was aus dem richtigen Leben!”

Angela Merkel gibt den Programmverantwortlichen der TV-Sender wertvolle Tipps

Die “taz” hat sich dafür die passendste Stelle im Blatt ausgesucht: Es steht (ohne weitere Kommentierung) in der Rubrik “Gesagt ist gesagt”.

Mit Dank an Christian S.

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