Suchergebnisse für ‘BILD’

Bild  

Skandal! Weselsky ist Bartträger! Und Sachse!

Vielleicht hat „Bild“-Mann Peter Tiede irgendwann in seinem Leben einfach mal sehr unangenehme Erfahrung mit schnurrbärtigen Jahrmarktmitarbeitern aus Ostdeutschland gemacht, wer weiß. Seinen Artikel über Claus Weselsky, den „Bahnsinnigen“ („Bild“) von der Lokführergewerkschaft GDL, beginnt er jedenfalls so:

Er hat es ja nicht leicht: Oberlippenbart eines Karusselbremsers, Sachse und dann auch noch Chef einer Mini-Gewerkschaft, die alles lahmlegen kann — und davon ausführlich Gebrauch macht. Viel mehr kann nicht schiefgehen, wenn man in Deutschland Sympathieträger werden will.

Ob Weselsky als glattrasierter Westfale bessere Karten hätte, steht da nicht, wobei uns immer noch nicht klar ist, was das überhaupt mit dem Bahnstreik zu tun haben soll. Ohnehin sind wir uns nicht sicher, was Peter Tiede mit seinem Text eigentlich sagen will. Also außer, dass Weselsky Ostdeutscher ist:

Er, der Sachse, weiß, dass er nie geliebt werden wird.

Er ist der Ostdeutsche, der streikende Außenseiter.

Ach, und diese Außenseiter-Nummer natürlich:

Seine ganze Karriere ist auf Außenseitertum gegründet

… schreibt Tiede und führt exakt zwei Gründe für diese Behauptung an. Punkt 1: Weselsky „weigerte sich, in die Staatspartei SED einzutreten“. Punkt 2: Als Lokführer schloss sich Weselsky der GDL an, die damals „als Gegenstück zu den linientreuen DDR-Gewerkschaften gegründet“ wurde.

Jedem anderen hätte „Bild“ dieses Regime-untreue Verhalten mit Sicherheit hoch angerechnet. Bei Weselsky dient es als weiterer Grund, ihn doof zu finden.

'Bild'-Schlagzeile: Claus Weselsky - Schon als junger Mann war er Außenseiter

Während Weselsky also den “Monster-Streik” durchprügelt, ist Peter Tiede damit beschäftigt, ihm aus Äußerlichkeiten und privaten Dingen einen Strick zu drehen. Das ist natürlich viel sympathischer.

Veit Dengler, Oberursel, Junge Freiheit

1. “Pressefreiheit – Wann, wenn nicht jetzt?”
(alwacker.wordpress.com)
Alexander Wacker fordert ein Informationsfreiheitsgesetz in Österreich: “In Österreich hab ich nach mehreren Diskussionen und Gesprächen mit JournalistInnen nur leider den Eindruck, dass man die Schlussfolgerung ‘Wir haben kein Informationsfreiheitsgesetz, also ein Problem mit der Pressefreiheit’ nicht ziehen möchte oder sich einfach schwer tut, dass Problem beim Namen zu nennen. Ich habe noch nicht ganz durchschaut, woran das liegt. Empfindet man als etablierter Journalist vielleicht Kritik an der Situation als Kritik an der eigenen Berufsethik?”

2. “Er sieht die Brücken brennen”
(zeit.de, Margrit Sprecher)
Margrit Sprecher porträtiert Veit Dengler, den CEO der NZZ-Mediengruppe: “‘Ich mache weiter, bis ich gewinne.’ Das werde, schätzt er, 2017 sein.”

3. “Wir Journalisten sind im Internet nur Gäste”
(welt.de, Kritsanarat Khunkham)
“Wenn man die Social-Media-Kanäle betreut, muss man immer bedenken, mit wem man zeitgleich auftritt und konkurriert: Nachrichten von Freunden, Babyfotos der Kollegen, Urlaubsbilder und bestimmt auch das ein oder andere Haustier-Posting”, gibt Kritsanarat Khunkham zu bedenken: “Wir wollen der Partygast sein, den man immer wieder einlädt, weil er Interessantes zu erzählen hat. Der einen nicht noch mehr verwirrt, wenn es um etwas Wichtiges geht. Und manchmal auch weiß, wann er sich besser zurückhält.”

4. “Auflage der ‘Jungen Freiheit’ steigt”
(taz.de, Andreas Speit)
Andreas Speit liest die “Junge Freiheit”: “Kein Thema des rechten Wutbürgers läst die JF aus. Stein bemüht sich aber, die Grenze nach zu weit rechts nicht zu überschreiten. Vielleicht das Erfolgskonzept der JF.”

5. “Der ‘wohl im letzten Moment vereitelte Terroranschlag in Hessen'”
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Florian Rötzer stellt Fragen zur Festnahme eines Ehepaars in Oberursel: “Bei der Hausdurchsuchung fand man dann eine ‘augenscheinlich funktionsfähige Rohrbombe, ungefähr 100 Schuss Munition, verschiedene Materialien und Chemikalien, geeignet zum Bau weiterer Sprengsätze’. Das sind Verdachtsmomente, die eine Festnahme rechtfertigen, aber ob der Aufenthalt des Mannes an der Strecke des Radrennens damit zu tun hat, dass er einen Anschlag vorhatte, ist bislang, soweit man dies beurteilen kann, pure Vermutung.”

6. “Der Ton macht die Musik”
(brandeins.de, Christoph Koch)
Christoph Koch besucht das Musikhaus Thomann in Treppendorf, das 92 Prozent der 600 Millionen Euro Jahresumsatz online verkauft: “Hans Thomann hat aus dem kleinen Ladengeschäft seines Vaters einen globalen Player gemacht – und das Internet hat ihm dabei geholfen. (…) 60 Prozent des Umsatzes werden inzwischen mit Kunden im Ausland gemacht.”

Seemannsgarn über die einsame Seglerin

Liz Clark hat wahrlich ein traumhaftes Leben: Vor zehn Jahren bekam die Studentin eine Segelyacht geschenkt, seitdem schippert sie alleine über die Meere, macht hier und da einen Zwischenstopp unter Palmen, engagiert sich für den Umweltschutz und lässt es sich an den Stränden dieser Welt so richtig gutgehen.

Doch seit dem Wochenende ist es plötzlich vorbei mit der Idylle. Denn seit Sonntag widerfährt der armen Liz Clark etwas sehr, sehr Unparadiesisches: Sie bekommt Post von “Bild”-Lesern.

Bild.de hatte kurz zuvor nämlich (von der “Daily Mail” ab-)geschrieben:

Zu zweit in den Sonnenuntergang segeln – was kann romantischer sein?

Das denkt sich auch Seglerin Liz Clark (34): Die US-Amerikanerin aus San Diego (Kalifornien) war zehn Jahre und 25 000 Seemeilen alleine auf den Weltmeeren unterwegs. Jetzt sucht die Skipperin einen jungen Seebären zum Mitreisen! (…)

Bewerbungen an Liz können abenteuerlustige Matrosen unter www.swellvoyage.com schicken.

Ja, da wird sich Liz sicher tierisch gefreut haben über die all die abenteuerlustigen „Bild“-Matrosen, die sich seither bei ihr melden, vor allem, weil die Geschichte überhaupt nicht stimmt. Bei Instagram schreibt Clark (Übersetzung von uns):

Ich möchte die irreführenden Schlagzeilen der „Daily Mail“ und anderer europäischer Medien klarstellen, die geschrieben haben, ich würde „einen Mitsegler suchen“. Sie [die „Daily Mail“] hat mit mir ein sehr umfangreiches Interview über mein Leben geführt und dann die Schlagzeile aus einer meiner Antworten gezogen: Auf die Frage „Fühlen Sie sich manchmal einsam?“ antwortete ich: „Ja, natürlich fühle ich mich manchmal einsam, und ich hoffe, dass ich eines Tages den richtigen Segelpartner finde…“

Ich habe außerdem darüber gesprochen, wie mich das Alleine-Reisen mit der Natur/Gott/dem Spirit verbunden hat und dass ich überall, wo ich hingehe, immer nette und gastfreundliche Menschen treffe! Aber die Medien fanden wohl, das wäre das Aufregendste gewesen, das ich in der ganzen Stunde gesagt habe, also wurde „Mitsegler gesucht“ fälschlicherweise zur Überschrift. In Wahrheit suche ich momentan gar keinen „Segelpartner“, trotzdem bin ich dankbar für Eure Anfragen und wünschte, ich könnte ein Stück von diesem Leben mit Euch allen teilen.

Mit Dank an Michael K.

Mergste selbst, ne?

Uh, peinlich!

Den Nachnamen der deutschen Bundeskanzlerin mit “g” statt “k” schreiben — das ist ja so, als würde man am gleichen Tag Ungarns Ministerpräsidenten in einer Überschrift “Victor Orban” statt “Viktor Orbán” nennen:

Mit Dank an Dániel K.

Kettenanstiftung, Brian Williams, Prenzlauer Berg Nachrichten

1. “Gericht tadelt ‘Blick’-Methoden”
(tagesanzeiger.ch, Peter Studer)
Ein Fall von “Kettenanstiftung” vor dem St. Galler Kantons­gericht: “Der Reporter stiftet den Privatdetektiv an, dieser dann den Polizeimann. Wer jemanden zu einer Straftat ‘bestimmt hat’, wird nach derselben Strafdrohung verurteilt wie der Haupttäter, hier: der geheimnisverletzende Polizist. Das Geheimnis von Bild und Namen der Chauffeure wurde über den Privatdetektiv einer ‘nicht berechtigten Drittperson’ – hier dem Reporter – offenbart: ‘Auf welchem Weg das geschieht, ist nicht von Bedeutung’ (Gericht).”

2. “‘Spiegel’-Abo? Gekündigt!”
(thilo-baum.de)
Weshalb Thilo Baum sein “Spiegel”-Abonnement kündigt: “Beim ‘Spiegel’ hat man noch nicht begriffen, dass es auch hier um Kundenorientierung geht – die Leute wollen klare Informationen, keine Agitation. Ebenfalls nicht begriffen hat die ‘Spiegel’-Redaktion, dass sie mit ihrem Stil am eigenen Ast sägt. Ob die Mitarbeiter der Abo-Abteilung hin und wieder mal den Redakteuren klarmachen, dass sie nicht weiter ihre Jobs in Gefahr bringen sollen? Ich denke, der ‘Spiegel’ braucht ein völlig anderes Selbstverständnis: Die Leute müssen runter vom hohen Ross und mehr Respekt zeigen nicht nur gegenüber den Leuten, die ihre Gehälter finanzieren, sondern auch vor der Wahrheit.”

3. “Begeisterung unerwünscht”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi fotografiert in einem Zeitschriftenladen – und wird deshalb kritisiert.

4. “NBC News finds Brian Williams embellished at least 11 times”
(washingtonpost.com, Paul Farhi, englisch)
Eine Untersuchung von NBC News hat ergeben, dass der frühere Nachrichtenmoderator Brian Williams in elf Fällen seine journalistischen Leistungen übertrieben hat: “It’s not clear when, or even if, Esposito’s findings about Williams will be made public. Although the investigation could be a critical factor in whether NBC decides to bring Williams back, it could also remain confidential as a condition of any potential severance agreement, an NBC journalist said on Friday.”

5. “Ich mach dich fertig”
(taz.de, Dana Buchzik)
Nach der Publikation des Artikels “Auch in der Literatur ist ein #aufschrei fällig” (welt.de) habe sie “Beleidigungen und Drohungen, auch seitens Kollegen” erhalten, schreibt Dana Buchzik: “Ich schätze viele dieser Kollegen nach wie vor; es sind kluge, feinsinnige Menschen. Um ihre Ausfälle nachvollziehen zu können, muss man vor allem begreifen, dass im Literaturbetrieb Konkurrenzkampf nicht unbedingt auf der Leistungsebene stattfindet. In der gutbürgerlichen Betriebssuppe darf im Grunde sowieso nur schwimmen lernen, wessen Eltern oder Partner für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen, denn von zynisch bezahlten Volontariaten kann sich niemand ernähren.”

6. “‘Prenzlauer Berg Nachrichten’ in der Krise”
(tagesspiegel.de, Luisa Jacobs)
Die “Prenzlauer Berg Nachrichten” lassen sich aus dem Werbemarkt alleine nicht finanzieren, so Gründer Philipp Schwörbel. Er sucht deshalb “750 Abonnenten, die für 4,90 Euro im Monat Mitglied” werden.

Scheine nach Athen fahren

Journalisten rechnen gerne um. Zum Beispiel die Fläche von Absturzgebieten in Fußballfelder oder die Dicke von Prozessor-Leiterbahnen in menschliche Haare. Bild.de hat jetzt sogar eine Möglichkeit gefunden, den Umrechnungswahnsinn mit der Stimmungsmache gegen Griechenland zu verbinden: Hilfsgelder in LKW umrechnen, die mit 100-Euro-Scheinen beladen imaginär von Brüssel nach Athen fahren.

Die Rechnung dahinter geht so:

Bis zum heutigen Tag gewährten die Geldgeber […] 215,7 Milliarden Euro an Hilfskrediten

215,7 Milliarden Euro entsprechen 2,157 Milliarden 100-Euro-Scheinen. Ein 100-Euro-Schein wiegt 1,02 Gramm. Alle 100-Euro-Scheine zusammen wiegen demnach 2.200,14 Tonnen.

Ein LKW der Gewichtsklasse 40 Tonnen hat in der Regel eine Nutzlast von 25 Tonnen. Also:

Um 215,7 Milliarden Euro in 100-Euro Scheinen [sic] auf Lastwagen nach Athen zu transportieren, müssten 88 LKW der Gewichtsklasse 40-Tonner in Marsch gesetzt werden.

Stimmt mathematisch, verzerrt die Sache aber total. Denn dann würden 88 LKW nach Athen fahren, die jeweils nur zu 33 Prozent gefüllt sind: Wegen der erreichten maximalen Nutzlast befänden sich gerade mal 24,5 Millionen 100-Euro-Noten in jedem LKW, das Ladevolumen von 90 Kubikmetern böte theoretisch aber Platz für 74,7 Millionen Scheine. Würde man also auf die Nutzlast pfeifen, stattdessen das Ladevolumen ausnutzen und die 40-Tonner bis unters Dach mit 100-Euro-Scheinen vollpacken, bräuchte man gerade mal 29 LKW.

Und sowieso: Wenn man die 215,7 Milliarden Euro schon unbedingt per Lastwagen nach Griechenland schicken will, statt sie zu überweisen — wäre es da nicht schlauer, die größtmögliche Euronote zu wählen? Dann bräuchte man 431,4 Millionen 500-Euro-Scheine (à 1,12 Gramm). Und die würden schon in etwa 19 (nach Nutzlast) beziehungsweise sechs LKW (nach Ladevolumen) passen.

Aber das klingt erstens nicht nach irrer 88-LKW-voll-mit-Geld-für-Griechenland-Verschwendung. Und zweitens haben die bei Bild.de sich schon längst in einen Rausch gerechnet:

Aneinandergereiht ließen sich die 100-Euro-Scheine auf einer Strecke von 317 079 Kilometern am Äquator fast acht Mal rund um den Globus wickeln. Aufeinander gestapelt ergäbe sich ein Turm von 215,7 Kilometern Höhe. Nähme man für den Bau 50-Euro-Scheine, würde der Turm doppelt so hoch. Er würde mühelos die Flughöhe der internationalen Raumstation ISS übertreffen, die aktuell in etwa 400 Kilometern Höhe im Weltall die Erde umkreist.

Die wichtigste aller Rechnungen hat die Redaktion dabei aber völlig vergessen: Nebeneinandergelegt ergäben die 100-Euro-Scheine eine Fläche von 26 Millionen Quadratmetern. Und das wäre — genau: 3.642 mal das Fußballfeld im Athener Olympiastadion.

Mit Dank an Lothar Z.

Eine Frage, “Kronen Zeitung”

Man kann das Verhalten des türkischen Präsidenten und “der Türkei” in dieser Sache ja durchaus kritisch hinterfragen, aber was bitte soll der letzte Satz bezwecken?

Also — das Schüren von Ressentiments zwischen Religionen mal ausgenommen?

Mit Dank an Peter W.!

Kronen Zeitung, Wolf Schneider, Playboy

1. “Wie die ‘Krone’ für Spar ein Bundesland unter Druck setzt”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr beleuchtet die Berichterstattung der “Kronen Zeitung” über einen ihrer größten Werbekunden seit Januar 2015.

2. “Die Berliner Morgenpost und die Parteispenden”
(miro-jennerjahn.eu)
Miro Jennerjahn prüft Zahlen zu Parteispenden nach: “Die große Story, die die Berliner Morgenpost krampfhaft herbeizuschreiben versucht, lässt sich zumindest für die GRÜNEN nicht nachvollziehen. Das alles habe ich mit rund drei bis vier Stunden Zeitaufwand nachvollzogen. Zeit, die eigentlich die Redakteure der Berliner Morgenpost hätten aufbringen müssen, um zu schauen, ob die eigene im Artikel formulierte These stimmt.”

3. “Journalistenlegende Wolf Schneider: ‘Lieber Hitler als die Rote Armee'”
(spiegel.de, Fiona Ehlers und Thomas Hüetlin)
Ein Interview mit Wolf Schneider: “Goethe hat einmal behauptet, ein Gedicht sei ihm über Nacht zugeflogen. Forscher haben nachgewiesen, dass dies nicht stimmt. Er hat tagelang daran gearbeitet. Einer muss sich immer plagen. Die Frage ist, ob der Schreiber oder der Leser.”

4. “Let’s Play, Boy”
(arte.tv, Video, 90 Minuten)
Eine Dokumentation über das Männermagazin Playboy und dessen Gründer Hugh Hefner.

5. “Ja, wir haben abgeklebt! Das gar nicht mehr paranoide Verhalten von Menschen, die ihre Daten schützen wollen”
(krautreporter.de, Juliane Schiemenz)
Juliane Schiemenz spricht mit fünf Menschen, die ihre Laptop-Kameras abgeklebt haben.

6. “Gesichter, Straßen und Fahrzeuge”
(daniel-rehbein.de)
Daniel Rehbein wird immer wieder angesprochen und zurechtgewiesen, er dürfe in der Öffentlichkeit nicht fotografieren: “Interessanterweise erlebe ich solche Situationen nicht auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn und in Eisenbahnzügen. Trainspotting scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein, Street- und Buildingspotting dagegen nicht. Daß Reisende ihre Verkehrsmittel im Bild festhalten, ist offensichtlich akzeptiert, auch wenn dabei immer wieder ganz viele Personen im Bild sind. Daß aber jemand im öffentlichen Straßenraum Bilder macht, weckt offenbar großen Argwohn. Dabei mache ich doch nur das, was ich vor 30 Jahren als Teenager gemacht habe, nur jetzt aufgrund der Digitaltechnik wesentlich preiswerter und deshalb häufiger.”

Youtube, Druckstückfremdeln, Eiffelturm

1. “Cheaper bandwidth or bust: How Google saved YouTube”
(arstechnica.com, Ron Amadeo)
Anlässlich des 10-jährigen Youtube-Jubiläums erinnert Ron Amadeo daran, dass Youtube es beinahe nicht geschafft hat: “Survival for the site was a near-constant battle in the early days. The company not only fought the bandwidth monster, but it faced an army of lawyers from various media companies that all wanted to shut the video service down. But thanks to cash backing from Google, the site was able to fend off the lawyers. And by staying at the forefront of Web and server technology, YouTube managed to serve videos to the entire Internet without being bankrupted by bandwidth bills.”

2. “DRUCKSTÜCKFREMDELN”
(christophkappes.de, Christoph Kappes)
Christoph Kappes hat nach längerer Zeit mal wieder ein gedrucktes Magazin in der Hand und stellt fest, dass er verlernt habe, Magazine zu lesen: „Und noch mehr: das Teilen (sharen) ist mir eine so selbstverständliche Handlung geworden, dass ich gar nicht weiß, warum ich Print lesen soll, kann ich doch diese wichtige Funktion damit gar nicht vornehmen. Warum soll ich lesen, was ich nicht teilen kann? Warum soll ich lesen, was ich nicht kopieren kann, was ich nicht kommentieren kann […].”

3. “Journalismus als Katastrophe”
(getidan.de, Georg Seeßlen)
Georg Seeßlen beobachtet eine boulevardisierung der seriösen „bürgerlichen Presse“:

Die Nachricht wird an drei emotionale Zentren gebunden. Das Private (die Geschichte eines tragischen Menschen vielleicht, die Vorführung der Opfer und ihrer Angehörigen), das Allgemeine (was machen „wir“ jetzt mit unserer Flugangst?, die Rückkopplung zu anderen Katastrophen im kollektiven Gedächtnis, „unsere“ Sicherheit) und schließlich, besonders perfid, das Nationale. Das furchtbare Unglück der Germanwings „rührt am Selbstverständnis des Konzerns – und der Nation“. So die Zeit. Das Eindringen in die Privatsphären möglichst vieler Menschen und das Aufblähen zum „Selbstverständnis einer Nation“ sind offensichtlich die beiden emotionalen Pole, zwischen denen nahezu alles möglich ist, was aus dem Wörterbuch des unmenschlichen Journalismus denkbar ist.

4. “Die neue Unübersichtlichkeit”
(taz.de, René Martens)
René Martens über teilweise unübersichtliche und intransparente Kooperation von öffentlich-rechtlichen Medien und privaten Verlagen: „Beim Thema IS arbeitete das Politmagazin [Report] aus München bisher nicht nur mit der Zeit zusammen, sondern mehrmals mit der FAZ, die gern gegen den NDR/WDR/SZ-Verbund wettert. FAZ und Report waren Anfang 2014 die Ersten, die über Islamisten berichteten, die aus Deutschland in den Krieg nach Syrien zogen. Der IS-Terror scheint zu Kooperationen zu motivieren.“

5. “Lügenpresse? Nö, wenn schon Lügeninformant!”
(alvar-freude.de, Alvar Freude)
Alvar Freude meint, dass die SPIEGEL-Redakteurin im Falle Seibert Media (siehe 6vor9 von gestern) weniger die Firma falsch darstellen wollte, als auf eine Informantin (m/w) reingefallen sei, die sauer auf das Unternehmen sei.

6. “Can someone photoshop the Eiffel Tower under my finger?”
(buzzfeed.de, Karsten Schmehl)

Halbgares über die Herdprämie

Der schnellste und sicherste Weg, einen möglichst fehlerhaften Text zu bekommen, ist, einen Bild.de-Mitarbeiter mit Statistiken jonglieren und anschließend alles aufschreiben zu lassen. Zum Beispiel zum Thema Betreuungsgeld.

Momentan entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die monatlichen Zahlungen von 150 Euro für Kinder zwischen dem 15. und 36. Lebensmonat mit der Verfassung vereinbar sind.

Aber welche Eltern haben bisher eigentlich vom Betreuungsgeld profitiert?

… fragt Bild.de.

Das Statistische Bundesamt hat nun aktuelle Daten dazu veröffentlicht.

Na, dann mal ran ans Durcheinanderbringen an die Daten!

Nur in Bremen und Berlin war der Anteil der Väter, die die Prämie beantragt haben, mit knapp 11 und 8 Prozent recht groß. Am niedrigsten lag die Väter-Quote in Bayern (3,2 %), Thüringen (3,4 %) und Baden-Württemberg (3,6 %).

Das stimmt schon mal fast. Man müsste bloß die “knapp 11” und die “8 Prozent” für Bremen und Berlin jeweils durch 9,1 Prozent ersetzen, statt der “3,2 %” für Bayern 3,1 Prozent schreiben und anstelle der “3,4 %” für Thüringen 3,6 Prozent nehmen. Steht so auch alles in der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts (PDF):

Aber weiter im Bild.de-Text:

Die Bezugsdauer ist in den Bundesländern im Osten mit durchschnittlich 13,7 Monaten viel kürzer als in den westlichen Bundesländern mit im Schnitt 19,6 Monaten.

Auch fast richtig. Nur dass die durchschnittliche voraussichtliche Bezugsdauer “in den Bundesländern im Osten” (einschließlich Berlin) 14,4 Monate beträgt und die “in den westlichen Bundesländern” 19,9:

Weiter:

Etwa jedes zweite Kind (51 %), für das Betreuungsgeld bezogen wird, ist derzeit ein Einzelkind.

Und wieder ein Volltreffer — also im Sinne von voll daneben. Denn nicht 51, sondern 49,5 Prozent aller Kinder, für die Betreuungsgeld gezahlt wird, sind Einzelkinder:

Und irgendwas mit Ausländern gibt’s doch sicher auch noch:

15 Prozent der Bezieher des Betreuungsgeldes besaßen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Um es kurz zu machen: Es sind 16,6 Prozent:

Wie Bild.de auf all die wirren Zahlen kommt, wissen wir auch nicht*. Sie haben — entgegen der Behauptung im Artikel — jedenfalls nichts mit der aktuellsten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zu tun, das hat uns eine Mitarbeiterin dort auf Nachfrage bestätigt.

Aber das hindert die Leute von Bild.de natürlich nicht, den Artikel so zu überschreiben:

Joar.

Mit Dank an Christof D. und Joachim L.

*Nachtrag, 26. April: Inzwischen wissen wir, wie das Zahlen-Durcheinander zum Betreuungsgeld entstanden sein dürfte. Bild.de hat nämlich drauf gepfiffen, dass das Statistische Bundesamt “nun aktuelle Daten dazu veröffentlicht” hat, und stattdessen die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2014 (Stand: August 2014, PDF) verwurstet.

Blättern:  1 ... 509 510 511 ... 1087