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“Familie Porno” bei Bild.de, “Familie Porno muss ausziehen”

Im bayerischen Waldkraiburg hat eine fünfköpfige Familie eine Kündigung für ihre Wohnung erhalten, bis zum 20. November soll sie raus. Das allein ist noch nicht unbedingt der Stoff, der bei der Bild.de-Redaktion für Interesse sorgt. Nimmt man aber den Beruf der beiden Eltern dazu, sieht das schon ganz anders aus:

Screenshot Bild.de - Kündigung kurz vor Weihnachten! Familie Porno muss ausziehen - Anna (33) und Christian (37) drehen erotische Clips in ihrer Wohnung - das passt dem Vermieter nicht

Die Dreifach-Eltern, die ihre Brötchen als “Vika Viktoria” und “Bayernsepp” mit Pornos verdienen, haben die fristlose Kündigung für ihre Vier-Zimmer-Wohnung (100 qm) bekommen!

Die Vorwürfe des Vermieters: Ruhestörung und gewerbliche Nutzung. “Wir haben nicht lauter Sex als andere Mieter im Haus auch”, rechtfertigt sich Christian L. (37, gelernter Koch). “Und wenn das Hochladen von Clips schon als gewerbliche Nutzung gilt, dürfte ja auch kein YouTuber in seiner Wohnung arbeiten.”

Nun kann man von dem Vorgehen des Vermieters halten, was man will. Dass “Vika Viktoria” und “Bayernsepp” ihre Videos, mit denen sie ihr Geld verdienen, in der privaten Wohnung drehen, könnte aber tatsächlich ein Problem sein, erklärt bei Bild.de Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund:

Grundsätzlich habe der Vermieter aber nicht ganz unrecht: “Jede Tätigkeit, mit der Geld verdient wird, kann als gewerbliche Nutzung ausgelegt werden, die eine Kündigung dann rechtfertigt, wenn es hierdurch zu Beeinträchtigungen für die Nachbarn kommt.”

Bleibt noch die Frage, wie der Vermieter überhaupt rausfinden konnte, was seine Mieter hinter der Wohnungstür so treiben.

Bild.de vor zwei Wochen:

Screenshot Bild.de - Anna und Christian verdienen ihr Geld mit Porno-Filmen - Wenn die Kinder zur Schule sind, gehen die Rollläden wieder runter

Das Paar aus dem oberbayerischen Waldkraiburg (23 000 Einwohner) lernte sich vor 17 Jahren kennen — und begann 2017, zusammen erotische Clips zu drehen und sie im Internet zu teilen. Inzwischen lebt die Familie davon: SIE bekam als “Vika Viktoria” kürzlich den Venus-Award für die beste Newcomerin. ER spielt als “Bayernsepp” vorzugsweise den Klempner oder den Hausmeister. (…)

Dann werden die Rolladen wieder heruntergelassen — die 4-Zimmer-Wohnung (100 qm) verwandelt sich in ein Porno-Set

Das ist wirklich praktisch: Bei Bild.de schaffen sie mit dem einen “Bild plus”-Artikel die Grundlage für den nächsten.

“Bild” lässt Spanner durch unscharfes Fernrohr gucken

Um den Zustand der Dauererregung in “Bild” und bei Bild.de aufrechtzuerhalten, müssen die Redaktionen auch mal auf kleinere Aufreger und Skandale zurückgreifen. Was bei den kleinen Aufregern aber genauso gilt wie bei den großen: Die Mitarbeiter der “Bild”-Medien arbeiten ausgesprochen schlampig, lassen entscheidende Infos weg und biegen sich die Sache so, dass es zum Skandal/Skandälchen reicht.

Hier zum Beispiel:

Screenshot der Bild.de-Startseite - Das Böse Auge von Stuttgart - Neues Fernrohr zieht Spanner an

“DAS BÖSE AUGE” war gestern auch großes Thema in der Stuttgart-Ausgabe der “Bild”-Zeitung:

Ausriss Bild-Zeitung - Das Böse Auge von Sillenbuch

Die Stadt Stuttgart hat im Stadtbezirk Sillenbuch ein neues Fernrohr aufgestellt. Es steht an einem neu gestalteten Platz, der nach einem ehemaligen Ortsvorsteher, benannt ist. Der Mann war auch Winzer. Daher wollte das Stuttgarter Gartenamt durch das Fernrohr den Blick auf die umliegenden Weinberge ermöglichen.

Soweit die Idee. Laut “Bild”-Medien aber werde das Rohr von Spannern missbraucht. Denn der Johann-Heinrich-Strauß-Platz befindet sich in einem Wohngebiet. In einer Bildunterschrift schreiben “Bild” und Bild.de zum Beispiel:

Das neue Fernrohr steht mitten in einem Wohngebiet in Stuttgart-Sillenbuch, wo sich die Anwohner jetzt vor neugierigen Blicken fürchten

Im Artikel heißt es:

Aber was sucht dieses Teleskop mitten in einem Stuttgarter Wohngebiet? Das böse Auge von Sillenbuch — es zieht Spanner an!

Spanner, Angst und Furcht in Sillenbuch!

Der Haken: Rund ums Rohr gibt’s fast nur Wohngebäude zu sehen. Hinter Gardinen huschen die Menschen in Deckung, haben Angst vor den neugierigen Blicken aus dem Teleskop.

Die “Bild”-Medien haben sogar eine Anwohnerin gefunden, die erzählt:

“Ständig sehe ich Leute am Rohr, die in Richtung Häuser blicken. Meine Fenster sind zum Glück hinter Büschen.”

Das klingt ja alles so, als würden aktuell reichlich Spanner ihr Unwesen treiben und in die umliegenden Häuser glotzen können.

Wir haben bei der Stadt Stuttgart und beim Stuttgarter Gartenamt nachgefragt. Es kann durchaus sein, dass Leute an dem Fernrohr standen. Dass sie aktuell in die Häuser gucken können, sei hingegen ausgeschlossen. Und das auch schon seit gut eineinhalb Wochen. Die Linse sei seitdem nämlich durch Mitarbeiter der Stadt absichtlich unscharf gestellt worden. Man habe das Fernrohr Anfang September installiert, allerdings komplett verpackt, da es noch nicht verwendet werden sollte, solange es nicht so fixiert wurde, dass man ausschließlich auf die Weinberge schauen kann. Diese Verpackung sei unerlaubterweise von irgendjemandem entfernt worden — woraufhin das Gartenamt das Fernrohr unscharf gestellt habe. Gestern sei es dann komplett abgebaut worden. Nächste Woche sollen die Bauteile eintreffen, die für die Fixierung notwendig seien. Dann werde das Fernrohr wie geplant aufgebaut und fixiert werden.

“DAS BÖSE AUGE VON STUTTGART” ist also vor allem ein extrem blindes und inzwischen abmontiertes Auge, das sich für Spanner schon länger überhaupt nicht lohnt. Deutlich ergiebiger als ein Blick durch das Fernrohr in Sillenbuch wäre da schon ein Besuch bei Bild.de. So sah die Startseite gestern rund um die Fernrohr-Geschichte aus:

Screenshot Bild.de - Erneut die Schlagzeile Das Böse Auge von Stuttgart - Neues Fernrohr zieht Spanner an, daneben eine andere Geschichte: Strand-Striptease - Liz Hurley lüftet aus - dazu ein Foto von Liz Hurley in Bikini

Wenn Bild.de (über) Müll schreibt

Der Bio-Müll werde in Deutschland “immer noch stiefmütterlich behandelt”, schreiben sie heute bei Bild.de, und das sei ärgerlich, denn:

Egal, ob Bananenschalen oder welke Schnittblumen, Essensreste oder Gartenabfälle — Bio-Abfälle sind wertvoll.

Rund die Hälfte des anfallenden Restmülls bestehe “aus Stoffen, die eigentlich in der Bio-Tonne entsorgt werden könnten”, schreibt die Redaktion. Damit sich das bessert, gibt sie jetzt mal ein bisschen Nachhilfe:

Screenshot Bild.de - Kleintierstreu, Fleisch und Küchenkrepp - Was gehört in den Bio-Müll?

Richtig getrennt ließe sich der Bio-Abfall verdoppeln. Aber was ist richtig? BILD sortiert für Sie vor.

Na, dann mal los.

In der Regel können Sie Folgendes aber immer in der Bio-Tonne entsorgen:

(…) Küchenkrepp und Papiertaschentücher und -servietten

(Alle Hervorhebungen im Original.)

Alles klar, ist notiert. Und was gehört “nie in den Bio-Müll”?

Achtung: In Bio-Gasanlagen stören auch kompostierbare Tüten und müssen vor Ort aussortiert werden. (…) Außerdem gehören auch diese Sachen nie in den Bio-Müll:

(…) Papier, Pappe, Papierhandtücher, Papiertaschentücher, Servietten (außer kleine Mengen an nicht bunt bedrucktem Zeitungspapier zum Umwickeln von Speiseresten etc.)

Auch bei völlig richtigen Erkenntnissen schaffen sie es bei Bild.de, dämliche Fehler zu produzieren.

Mit Dank an Hauke G. für den Hinweis!

Nachtrag, 15:31 Uhr: Bei Bild.de haben sie offenbar noch einmal in die redaktionseigene Abfallfibel geschaut und meinen nun: “Papiertaschentücher und -servietten” gehören nicht in den Bio-Müll. In der Liste der Dinge, die man “immer in der Bio-Tonne entsorgen” könne, sind sie verschwunden. In der Auflistung mit den Abfällen, die “nie in den Bio-Müll” gehören, sind sie weiterhin zu finden. Ob das nun endgültig korrekt ist, ist allerdings auch wieder fraglich. Die Stadt Frankfurt am Main beispielsweise listet unter der Frage “Was gehört in die Biotonne?” auch auf:

Sonstiges:
Papierhandtücher, -taschentücher, Servietten

Mit Dank an Katharina S. für den Hinweis!

“Bild”-Chef Julian Reichelt schreibt falsche TV-Geschichte

“Bild”-Chef Julian Reichelt schafft es, mit nur einer Randbemerkung in einer Klammer einen beachtlichen Teil der TV-Geschichte falsch umzuschreiben:

Als Bouffier mit dem schlechtesten CDU-Ergebnis seit fünf Jahrzehnten vor die Live-Kameras trat (als die hessische CDU das letzte Mal so schlecht abschnitt, gab es noch keine Live-Kameras und nur drei Fernsehprogramme), wollte der Applaus kaum enden.

… behauptet Reichelt in seinem Kommentar zur Hessischen Landtagswahl in “Bild” und bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Kommentar - Wie 94 Wähler-Stimmen unser Land verändern - Der Zauber der Demokratie

Es soll hier nicht um den “Zauber der Demokratie”, “94 Wähler-Stimmen” oder Volker Bouffiers Fernsehauftritt gehen, sondern um Reichelts Aussage zu den “Live-Kameras”: 1966 lag die CDU in Hessen mit 26,36 Prozent noch unter dem Ergebnis vom vergangenen Sonntag. Und damals soll “es noch keine Live-Kameras” gegeben haben, wie Julian Reichelt schreibt?

Da wäre zum Beispiel die Fußball-Weltmeisterschaft 1966 in England mit dem berühmten Wembley-Tor, das man in Deutschland live miterleben konnte. Oder zwölf Jahre zuvor die WM 1954 in der Schweiz mit dem Sieg der deutschen Mannschaft um Fritz Walter und Helmut Rahn. Damals übertrug die ARD acht der 26 Spiele live. Noch mal zwei Jahre früher konnte das Publikum das erste Fußballspiel live im Fernsehen verfolgen: das DFB-Pokalspiel zwischen dem FC St. Pauli und dem Duisburger Klub SV Hamborn. Die erste Live-Übertragung eines Großereignisses fand bereits 1936 statt, also 30 Jahre vor dem Zeitpunkt, zu dem “Bild”-Chef Julian Reichelt sagt, dass es damals “noch keine Live-Kameras” gegeben habe: Bei den Olympischen Spiele 1936 in Berlin konnte man live dabei sein, allerdings kaum im Wohnzimmer, sondern in Fernsehstuben.

Und natürlich gab es auch Ereignisse, die nichts mit Sport zu tun hatten und bereits vor 1966 live gesendet wurden: die Krönung von Queen Elizabeth II. am 2. Juni 1953 etwa. Oder die Bundestagswahl 1965.

Brasiliens Rechtsruck, Habecks “Bild”-Interview, Contenträuber

1. Bolsonaro ist Gefahr für Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Am Freitag hatte “Reporter ohne Grenzen” besorgt über die bevorstehenden Stichwahl zur Präsidentschaft in Brasilien berichtet. Favorit war der Rechtspopulist Jair Bolsonaro, dessen Wahlkampf in den vergangenen Wochen von Hassreden, Desinformation und Gewalt gegen Journalisten geprägt war. Nun ist das eingetreten, was viele befürchtet haben: Der Rechtsextremist Bolsanaro wurde zum Präsidenten gewählt.

Weiterer Lesehinweis: Brasilien rückt nach rechts (Ivo Marusczyk, tagesschau.de)


2. Sensation mit Habeck
(faz.net, Oliver Georgi)
Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat der “Bild”-Zeitung ein Interview gegeben, in dem er Angela Merkel dafür kritisiert, die Flüchtlingskrise zu lange unterschätzt zu haben. Daraus wurde dann die reißerische und falsche Meldung: “Wegen offener Grenzen: Grünen-Chef greift Merkel an”. Im Beitrag selbst wurde der Eindruck erweckt, unter Habeck hätten die Grünen plötzlich ihre Haltung gegenüber Merkels Flüchtlingspolitik geändert. Robert Habeck kommentierte auf seinem Facebook-Profil: “Als ich heute morgen die #Bild las, dachte ich, ich bin im falschen Film. Ich habe kritisiert, dass die Bundesregierung die Warnungen und Fluchtbewegungen über lange Zeit ignoriert hat. Das haben wir schon oft festgestellt — ist also nichts Neues. Bild stellt einen falschen Zusammenhang her.”

3. Ich bin trans und ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen! Wie die Ärzte Zeitung versucht, Kritik zu verhindern
(nollendorfblog.de, Jonas Recker)
Mitte des Monats erschien in der Onlineausgabe der “Ärzte Zeitung” der Artikel “Im falschen Körper geboren: Ist es jetzt Mode, transgender zu sein?”. Jonas Recker hat die “Ärzte Zeitung” dafür kritisiert, seine Kommentare seien jedoch vom Social-Media-Team gelöscht worden. Recker wiederholt seine Kritik und gibt der “Ärzte Zeitung” eine Empfehlung mit auf den Weg: “Wenn Sie nicht transfeindlich genannt werden wollen, dann geben Sie doch transfeindlichen Inhalten keine Plattform.”

4. ARD und ZDF überprüfen Werbung von Linken, Grünen, FDP und CDU
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Politischen Parteien bedienen sich bei ihrer Werbung fleißig bei den Öffentlich-Rechtlichen. Manches scheint vom Zitatrecht gedeckt zu sein, vieles könnte aber auch einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen. Gelegentlich wird das fremde Material sogar nachbearbeitet und mit eigenem Logo versehen. Auf Anfrage von t-online.de gaben alle Sender an, keine Genehmigungen für die Nutzung durch die Parteien erteilt zu haben. Es drohen rechtliche Schritte.

5. Was haben sie gelacht
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die AfD hatte zur Diskussion um “Populisten” und “Lügenpresse” geladen, und die Nachrichten-Chefs der öffentlich-rechtlichen Sender waren der Einladung nach Dresden gefolgt. Boris Rosenkranz berichtet von der Veranstaltung, bei der “Tagesschau”-Chef Kai Gniffke und ZDF-Chefredakteur Peter Frey anscheinend alles gaben, um auch nur den Ansatz von Streit zu vermeiden.

6. Die Politik der Entmenschlichung
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Trägt US-Präsident Donald Trump eine Mitschuld daran, dass jemand in den USA Paketbomben an seine Kritiker schickt? Ja, findet “Spiegel Online”-Kolumnist Christian Stöcker und hat dabei die einschlägige Forschung auf seiner Seite.

“Bild”s Renten-Sabotage, Handyfreie Schule, Bouffiers Presseboykott

1. Riester wirft Bild-Zeitung vor, allgemeine Zusatzrente verhindert zu haben
(deutschlandfunk.de)
Der frühere Arbeitsminister Walter Riester wirft der “Bild”-Zeitung vor, eine allgemeine und verpflichtende Zusatzrentenversicherung verhindert zu haben. Riester habe alle Arbeitnehmer und Selbstständige zur Rentenzahlung verpflichten wollen, darauf habe “Bild” eine Kampagne zu seiner Ablösung angedroht und gegen sein Vorhaben angeschrieben.

2. Ohne Smartphone in die Schule – ja, das geht
(zeit.de, Annika Joeres)
Seit September sind an Frankreichs Schulen Handys verboten. Und das funktioniert erstaunlich gut, wie Annika Joeres in ihrer Reportage für “Zeit Online” berichtet. Die Schülerinnen und Schüler würden wieder mehr spielen, weniger mobben und seien konzentrierter. Ihre Eindrücke vom südfranzösischen Collèges Paul Langevin könnten einen über eine ähnliche Regelung in Deutschland nachdenken lassen: “Am Tag, als die Handys verboten wurden, fingen die Schülerinnen und Schüler wieder an, über den Hof zu rennen, Fangen zu spielen, lauthals zu quatschen. Und inzwischen, so erzählt es der Schulleiter Eric Clausen mit ernstem Erstaunen, spielten die Schüler sogar wieder Karten. ‘Wahnsinn. Das haben wir hier seit Jahren nicht mehr gesehen.'”

3. Hinter den Beschimpfungen: Medienstrategie des FC Bayern
(ndr.de, Daniel Bouhs & Inga Mathwig)
Reibereien zwischen dem Fußballklub FC Bayern München und Journalisten gab es schon immer. Der peinliche Auftritt der Bayern-Bosse auf der letzten Pressekonferenz läute dennoch ein neues Zeitalter ein: Der Zugang für klassische Medien werde zunehmend eingeschränkt. Die Bayern seien ein eigener Medienkonzern geworden, der in Konkurrenz zu den etablierten Medien stehe. Das Ergebnis könne eine weitgehend kritikfreie Berichterstattung über die eigenen Hausmedien sein.

4. Bouffiers Presseboykott
(taz.de, Christoph Schmidt-Lunau)
Eigentlich würde der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gerne Interviews geben, sagen seine Mitarbeiter. Doch ausgerechnet einer der wichtigsten Zeitungen in Hessen verweigert der Ministerpräsident jedes Gespräch: der linksliberalen “Frankfurter Rundschau”. Und das sei so, seit das Blatt über einen Prozess gegen Bouffiers Neffen berichtet habe, vor sechs Jahren …

5. Millionenklage abgewiesen
(sueddeutsche.de, Claudia Henzler & Annette Ramelsberger)
Erleichterung bei der “Süddeutschen Zeitung”: Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat eine Schadensersatzklage in Höhe von 78 Millionen Euro abgewiesen, die ein Geschäftsmanns gegen das Blatt angestrengt hatte. Ein Unternehmer hatte der “SZ” vorgeworfen, durch ihre Berichterstattung ein Geschäft vereitelt zu haben, das ihm “nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge” 78 Millionen Euro Gewinn eingebracht hätte. Der Anwalt der “SZ” hatte die Klage als Einschüchterungsversuch und Angriff auf die Pressefreiheit bezeichnet.

6. Wie “The Daily” zum erfolgreichsten News-Podcast der Welt wurde
(horizont.net, Sebastian Moll)
Während des US-Wahlkampfs 2016 startete die “New York Times” ihren Podcast “The Daily”. Zwei Jahre später erreicht die Redaktion damit täglich bis zu eine Million Hörerinnen und Hörer, “The Daily” ist der erfolgreichste News-Podcast der Welt. In den USA machen derartige Formate mittlerweile sogar dem Radio und dem populären Frühstücksfernsehen Konkurrenz.

Bild.de macht Topmodel zur Trump-Verwandten

Zwei Dinge, die wir niemandem wünschen:

1) Mit Donald Trump verwandt zu sein.
2) Mit irgendeinem Unsinn bei Bild.de aufzutauchen.

Arme Karlie Kloss.

Screenshot eines Teaser-Bildes, das auf der Bild.de-Startseite erschienen ist - Topmodel jetzt verwandt mit Trump - Karlie Kloss hat Ja gesagt

Im Artikel von Bild.de wird die angebliche Verwandtschaft zwischen dem Model und dem US-Präsidenten sogar “offiziell”:

Screenshot einer Bild.de-Überschrift - Karlie Kloss heiratet Joshua Kushner - Topmodel jetzt offiziell verwandt mit Trump

Bloß: Karlie Kloss hat zwar geheiratet, sie ist nun allerdings nicht mit Donald Trump verwandt.

Kloss’ Ehemann ist Joshua Kushner. Der ist der jüngere Bruder von Jared Kushner. Der wiederum der Ehemann von Ivanka Trump ist. Und die ist die Tochter von Donald Trump. Oder etwas kürzer: Karlie Kloss ist nun die Ehefrau des Bruders von Donald Trumps Schwiegersohn. Eine solche Konstellation hat nichts mit Blutsverwandtschaft, nichts mit irgendeiner Form rechtlicher Verwandtschaft, sie hat nicht mal was mit Schwägerschaft zu tun. Kloss ist die Schwägerin von Jared Kushner. Karlie Kloss und Ivanka Trump sind höchstens Schwippschwägerinnen. Und da fehlt dann immer noch die Verbindung zu Donald Trump.

Das falsche Verwandtschaftsverhältnis zwischen Model und Präsident wird auch dadurch nicht richtiger, dass Bild.de es bereits eine Woche vor der Hochzeit verbreitete. Oder dadurch, dass der SWR es in einer Frage verpackt: “was ihr neuer Verwandter Donald Trump wohl dazu sagt”, dass Kloss im US-Wahlkampf öffentliche Kokurrentin Hillary Clinton unterstützte?

Und so lautet die Antwort auf die Zwischenzeile “So ist Karlie Kloss mit Trump verwandt”, die die Redaktion von t-online.de in ihren Artikel eingebaut hat: gar nicht.

Mit Dank an Gesine K., Harald B. und Matthew L. für die Hinweise!

“Bild”-Chef Reichelt ganz stolz: Es stimmte fast alles

Gerade in der Konditorei: Ja, gut, das sei schon ein ärgerlicher Fehler, so der Meister, dass er und sein Team beim Teig für die Sahnetorte Gips statt Mehl genommen haben, und dass sich in dem Glas, auf dem Salz steht, kein Zucker befindet, nun ja, das hätte vielleicht auch auffallen können. Aber sonst sei das alles Top-Qualität! Ach, warum die Creme so merkwürdig schmeckt? Das könne daran liegen, dass sie Rasierschaum statt Sahne verwendet hätten. Aber sonst stimme so gut wie alles.

So würde es klingen, wenn Julian Reichelt seine Ware nicht als “Bild”-Chefredakteur unter die Leute bringen würde, sondern als Konditor.

Drüben bei Twitter rühmt er sich damit, dass seine Redaktion nur ein paar grobe Schnitzer in einem Artikel untergebracht hat — abgesehen davon habe “so gut wie alles” gestimmt in der “BILD kennt den geheimen Ablauf”-Geschichte über Stefan Raabs Bühnencomeback. Zur Erinnerung: Das Raab-Team hatte auf der “TV Total”-Facebookseite einem “Bild”-Beitrag deutlich widersprochen. Der Artikel sei in großen Teilen schlicht erfunden.

Das ist also der journalistische Anspruch von “Bild” unter Julian Reichelt: Ist doch super, wenn “so gut wie alles stimmt”:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Vor wenigen Tagen dementierte TV total die Bild-Berichterstattung über Stefan Raabs Comeback als frei erfunden und in Teilen erfunden. Hier sieht man nun, dass so gut wie alles stimmte (die Schalte zu ProSieben war ein ärgerlicher Fehler).
Screenshot eines weiteren Tweets von Julian Reichelt - Online haben wir berichtet, dass auch die Heavy Tones auftreten würden. Auch das stimmt. Das Dementi von TV Total zu der Geschichte in Bild ist in weiten Teilen frei erfunden.

Leider stimmt nicht mal Reichelts “so gut wie alles stimmt”. Da der “Bild”-Chef von sich aus nur den “ärgerlichen Fehler” mit der “Schalte zu ProSieben” anspricht, helfen wir ihm — mit Blick auf den Auftritt von Stefan Raab gestern Abend in Köln — gern noch einmal auf die Sprünge:

Nein, Lena Meyer-Landrut war nicht, wie von “Bild” angekündigt, Teil der Show.

Nein, Aaron Troschke war nicht, wie von “Bild” angekündigt, Moderator der Show.

Nein, es waren nicht, wie von “Bild” angekündigt, 20.000 Zuschauer, sondern rund 14.000.

Nein, es gab keine “Aufarbeitung verschiedener Ereignisse der letzten Wochen”, wie von “Bild” angekündigt.

Nein, Raab gab keinen “(beruflichen) Rückblick auf seine TV-Abstinenz”, wie von “Bild” angekündigt.

Nein, Raab sprach nicht, wie von “Bild” angekündigt, “über seine zukünftigen Pläne”.

Mathias Döpfner sagte neulich in einem Interview zur angeblichen neuen Fehler-Kultur bei “Bild”:

Und was ich toll finde: Dass Julian Reichelt, wenn er Fehler macht, sich dafür entschuldigt und sofort Transparenz herstellt.

Dem Springer-Chef könnte ein Konditor Reichelt vermutlich auch ein Stück Sahnetorte andrehen.

Wie es bei Stefan Raabs Bühnencomeback tatsächlich war:

Übertreiben? Da ist Bild.de dabei!

Kevin Großkreutz, einst Fußball-Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft und derzeit Spieler beim KFC Uerdingen in der 3. Liga, wird künftig das Trainerteam eines Landesliga-Klubs beraten. Großkreutz’ Vater ist dort, beim VfL Kemmingshausen, Vorsitzender, sein Freund Reza Hassani ist Trainer, Großkreutz selbst spielte in seiner Jugend in dem Verein.

Auch Bild.de berichtet über die neue Aufgabe von Kevin Großkreutz. Im Artikel steht unter anderem:

Großkreutz in den “Ruhr Nachrichten” über seine neue Rolle: “Reza ist verantwortlich, da will ich mich auch gar nicht aufspielen”. Und weiter: “Mich Co-Trainer oder gar Trainer zu nennen, wäre übertrieben”.

Übertreiben? Kaum etwas machen sie bei “Bild” und Bild.de lieber. Und so lautet die Überschrift zum Artikel folgerichtig:

Screenshot Bild.de - Ex-Nationalspieler - Großkreutz wird Co-Trainer in der Landesliga

Gesehen bei @ralfheimann.

Gaulands Text & Hitlers Rede, Vorbild Sigmar, Body-Shaming

1. Twitter-User entdeckt Parallelen zwischen Gauland-Text und Hitler-Rede
(tagesspiegel.de, Tilmann Warnecke & Anja Kühne)
Die “FAZ” veröffentlichte am Wochenende einen Gastbeitrag von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland zum Thema Populismus und wurde dafür vielfach kritisiert. Nun entdeckte ein Twitter-User Parallelen zwischen dem Gauland-Text und einer Hitler-Rede. Der “Tagesspiegel” dokumentiert beide Textauszüge im Vergleich.
Wichtiger Nachtrag: Verwechselt „Tagesspiegel“ Hitler mit „Tagesspiegel“? (bildblog.de, Ben Hoffmann)

2. Vorbild für freie Journalisten
(taz.de, Anne Fromm)
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) geht unter die Journalisten und kassiert dafür als Autor der Holtzbrinck-Gruppe zwischen 15.001 und 30.000 Euro — pro Monat. Anne Fromm hat dies in der “taz” mit dem Tarifgehalt von Neueinsteigern verglichen und befindet: “Gut verhandelt.”

Anmerkung des 6-vor-9-Kurators: Lieber Sigmar, falls Du hier mitliest, sei doch bitte so solidarisch und gib Dein Honorar auf der Website Wasjournalistenverdienen.de ein (gerne auch anonym). Dort bauen die Freischreiber eine Datenbank der Gehälter und Honorare deutschsprachiger Journalistinnen und Journalisten auf und stellen sie allen zur Verfügung. Damit diese zukünftig fairer und gerechter bezahlt werden.

3. Neun Minuten “Body Shaming” im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
(nw.de, Matthias Schwarzer)
In einem berühmten Ausspruch von Kurt Tucholsky heißt es, dass Satire alles dürfe. Abgesehen davon, dass dies Juristen vermutlich anders sehen, ist nicht alles Satire, wozu es die “Darf alles”-Fraktion erklärt. In diesem Spannungsfeld spielt der Streit um ein Webvideoformat des öffentlich-rechtlichen Angebots “funk”, bei dem sich Youtuber mehr oder weniger heftigen Hass-Kommentaren stellen müssen.

4. “Gedanken über meine Arbeit als Journalist in Verbindung mit der Autoindustrie”
(facebook.com, Don Dahlmann)
Der Journalist und Autor Don Dahlmann beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Technologie, Internet und Mobilität. Ein Schwerpunkt: das Thema Auto. Auf Facebook hat sich Dahlmann seinen Frust über die diversen Skandale und den damit einhergehenden Vertrauensbruch von der Seele geschrieben: “Die Produkte der Autoindustrie, so dachte ich, sind doch keine zusammengepanschte Suppen, wo jemand wegen ein paar Zehntel Cent bedenkliche chemische Zusätze rein ballert. Dafür sind die Margen in der Industrie zu groß um wegen ein paar Euro so einen Blödsinn zu betrieben. Das lag ich wohl gründlich falsch.”

5. Im “Ghetto”
(der-rechte-rand.de, Ernst Kovahl)
Heute beginnt in Frankfurt die Buchmesse. Damit stellt sich, wie bereits in den vergangenen Jahren, die Frage, welche rechten Verlage und Autoren die Messe diesmal mit ihrer Anwesenheit beehren werden. Die Webseite “der rechte rand” berichtet, wer alles am Start ist: von Höcke bis Sarrazin.

6. Sensation! Postillon interviewt Großnichte des Schwippschwagers der Nachbarin von Hitlers Steuerberater
(der-postillon.com)
Nachdem “Bild” die Sensation gelungen ist, irgendwelche unschuldigen Menschen aufzustöbern, denen die Redaktion aufgrund verwinkelter Stammbaumverzeigungen den Namen “Hitler” verpasst hat, hat sich nun auch “Der Postillon” auf historische Spurensuche gemacht: “Hilda W. (71), die Großnichte des Schwippschwagers der Nachbarin von Hitlers Steuerberater wohnt zurückgezogen in einem unscheinbaren Reihenhaus in Dinslaken. Der Einfachheit halber nennen wir sie Hilda Hitler.”

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