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AfD-Ehemaligentreffen, Trauermarsch und Terrormarsch, Strichmenschen

Das gesellschaftliche Klima scheint rauer, die politischen Fronten verhärteter zu werden. Das bekommen auch die Medien zu spüren, die immer öfter zum Zielobjekt von Ablehnung und Hass werden. Die Vorkommnisse auf den rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Manche sprechen gar von einer Zäsur. Hier eine Sonderausgabe unserer “6 vor 9”, welche ausschließlich von den jüngsten Entwicklungen in Chemnitz handelt. Die reguläre “6 vor 9”-Ausgabe von heute findest Du hier.

1. “Noch nie so viel Hass auf Medien erlebt”
(tagesschau.de, Dominik Lauck)
Bei den rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz kam es immer wieder zu Angriffen auf Journalisten. Reporter wurden nicht nur bepöbelt und bedroht, sondern auch tätlich angegriffen. Dominik Lauck lässt auf tagesschau.de Medienvertreter und ihre Chefredakteure zu Wort kommen. Der den Reportern entgegenschlagende Hass ist mehr als besorgniserregend. “T-Online”-Chef Florian Harms wandte sich mit einem Tweet an die sächsische Polizei: “Unfassbar. @PolizeiSachsen warum schaffen Sie es nicht, Journalisten wie unseren Reporter vor diesem Mob zu schützen? Was muss denn noch passieren, damit ihr solche Lagen in den Griff bekommt?”
Weiterer Lesehinweis: Auf Facebook hat die Initiative “Gegen die AfD” ebenfalls Material und Stimmen zusammengetragen und befindet: “Dieser sogenannte “Trauermarsch” ist ein Terrormarsch gewesen! Und zwar Terror von Rechtsextremen.”

2. Aufstieg der AfD: “Die Mitte muss auf die Barrikaden gehen”
(zeitgeist.rp-online.de, Merlin Bartel)
Beim Campfire-Festival, einer Veranstaltung für Journalismus und digitale Zukunft, diskutierte die Publizistin Liane Bednarz mit Michael Bröcker, Chefredakteur der “Rheinischen Post”, und “Correctiv”-Geschäftsführer David Schraven über das Thema “Rückkehr zum Vertrauen: Verantwortung der Medien für den Aufstieg der AfD”. Dabei geht es um Fragen wie: Was hat zum Erfolg der AfD geführt? Welche Maßnahmen helfen gegen rechten Hass? Wo liegen die Ursprünge für den AfD-Erfolg? Und kennen Journalisten noch die Sorgen der Bürger?
Hörtipp: Beim “Polik Betreuung”-Podcast von Jenny Günther ist die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber zu Gast. Schreiber war 2013 in die Partei eingetreten und hatte dort eine steile Karriere gemacht, die sie bis in den Bundesvorstand führte. Eine Woche vor der Bundestagswahl verkündete sie öffentlichkeitswirksam ihren Austritt. Über ihre Zeit bei der AfD schrieb sie ein vielbeachtetes Buch. Im Podcast geht es natürlich um ihre Zeit bei der AfD, die Strategie der Partei (“Die AfD als Feigenblatt für ein Neonazi-Bündnis”), aber auch um die generelle Entwicklung der Demokratie.

3. Zimperlich sind die, die am Schreibtisch bleiben
(spiegel.de, Raphael Thelen)
“Spiegel”-Redakteur Jan Fleischhauer hatte in seiner Kolumne Journalisten, die über Angriffe durch Rechtsradikale auf Demos klagen, als “zimperlich” bezeichnet. Raphael Thelen hat eine Replik auf Fleischhauer verfasst, die mit zahlreichen konkreten Beispielen aufwartet und der Empfehlung an Fleischhauer, “seine behagliche Münchner Doppelhaushälfte mal zu verlassen.”
Weiterer Lesehinweis: Vielleicht interessiert sich “Spiegel”-Kolumnist Jan Fleischhauer ja auch noch für den Beitrag “Journalisten als Zielscheibe” seiner “Spiegel Online”-Kollegen: “Der Hass gegen die Presse war bei der Demonstration am Samstag in Chemnitz beispiellos, berichten Reporter. Journalisten wurden bepöbelt, am Filmen gehindert und mitunter sogar verletzt.”

4. Barley lässt nach Chemnitz-Protesten rechte Netzwerke überprüfen
(welt.de)
Justizministerin Katarina Barley will aufklären lassen, welche Organisationen hinter der Mobilisierung rechter Gewalttäter bei den Protesten in Sachsen stehen. Rechtsradikale dürften nicht die Gesellschaft unterwandern.
Parallel wirft Außenminister Maas seinen deutschen Mitbürgern Bequemlichkeit im Kampf gegen Rassismus vor: “Wir müssen vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen.” (rp-online.de) Man möchte antworten: “Nur zu, Herr Maas. Nur zu.”

5. Die rechten Rosenkavaliere: Wie sich die AfD in Chemnitz inszenierte
(stern.de, Florian Schillat)
Zunächst hatten AfD-Funktionäre noch vollmundig getönt, dass man mit der islam- und fremdenfeindlichen Pegida nicht zusammen demonstrieren werde (“Ein Schulterschluss mit Pegida findet nicht statt”, so Frank Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD). Dieser Vorsatz hat nicht lange gehalten: Auf dem Flyer zum Chemnitzer Schweigemarsch prangten stolz beide Logos. Florian Schillat ordnet bei Stern.de die unheilige Allianz ein und erklärt die Hintergründe.

6. Strichmenschen gegen den Hass
(zeit.de, Linda Fischer)
Der Künstler “Krieg und Freitag” ist für seine witzigen Strichmännchen auf Twitter bekannt. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz startete er eine Spendenkampagne: Für jede fünf Euro, die gespendet werden, malt er eine Figur. Zunächst waren “nur” 5000 Euro anvisiert, jetzt liegen bereits mehr als 16.000 Euro im Spendentopf.

“… sieht die Redaktion keinen Anlass für weitere Berichterstattung”

Was viele ja nicht wissen: Die “Bild”-Medien wollen mit ihrer realistischen Skandal-Berichterstattung eigentlich nur aufrütteln, im besten Fall jene, um die es darin geht. Zum Beispiel Jan Ullrich. “Bild”, “Bild am Sonntag” und Bild.de haben Artikel um Artikel über den früheren Rad-Profi rausgehauen, allein bei Bild.de waren es 43 Beiträge in 17 Tagen. Ist der oder die Betroffene durch die ganzen Details aus seinem oder ihrem Privatleben, die “Bild”-Mitarbeiter genüsslich der Öffentlichkeit präsentieren, dann endlich aufgerüttelt, macht die Redaktion auch direkt Schluss.

In etwa so verteidigte “Bild”-Ombudsmann Ernst Elitz am 20. August jedenfalls die vielen, vielen Artikel über Jan Ullrich:

BILD berichtete am Beispiel von Jan Ullrich über die Hölle, die ein Drogensüchtiger durchläuft, bis er sich zum Entzug entscheidet. Leser Bennop Jonas fand diese Berichterstattung “untragbar”.

Aber sie war höchst realistisch und rüttelte auf. Nachdem der Ex-Profisportler sich für den Entzug entschieden hat, sieht die Redaktion keinen Anlass für weitere Berichterstattung.

So schaut es in der Praxis aus, wenn eine “Redaktion keinen Anlass für weitere Berichterstattung” sieht:

Screenshot Bild.de - Bild-Besuch in der Betty-Ford-Klinik - So geht es Ullrich im Drogenentzug - Ich werde täglich auf Substanzen getestet
(Bild.de am 23. August)
Screenshot Bild.de - Seit der Ex-Radstar in Drogen-Therapie ist - Drei Einbrüche in Ullrichs Villa!
(Bild.de am 24. August)
Screenshot Bild.de - Monate nach der Trennung - Ullrich trägt noch immer seinen Ehering - seine Frau Sara nicht mehr
(Bild.de am 25. August)
Screenshot Bild.de - Ullrich über sein Liebes-Leben in der Klinik - Ich brauche halt Sex
(Bild.de am 29. August)
Screenshot Bild.de - Entzug vorbei - Ullrich zurück auf Mallorca
(Bild.de am 2. September)

Entweder verarschen die “Bild”-Mitarbeiter den viel zu leichtgläubigen “Bild”-Ombudsmann bei seinen Nachfragen zur “Bild”-Berichterstattung. Oder der “Bild”-Ombudsmann verarscht die Leserinnen und Leser, die ihm schreiben, weil er eigentlich weiß, dass es Unsinn ist, was er ihnen antwortet. Schwer zu sagen, was trauriger wäre.

Von den fünf Bild.de-Artikeln über Jan Ullrich, die erschienen sind, seit bei Bild.de eigentlich keine Artikel mehr über Jan Ullrich erscheinen, kann man drei nur mit einem “Bild plus”-Abo lesen. Von den 43 Artikeln über Ullrich, die Bild.de zuvor veröffentlicht hat, befinden sich 22 hinter der Bezahlschranke. Dass es bei der Ullrich-Dauerberichterstattung auch ums Geldmachen mit dem tragischen Absturz einer Person geht, die dringend Hilfe braucht — das wäre mal ein Thema für einen Ombudsmann.

Dazu auch:

Sarrazins Stöckchenspringer, Supernova des “ND”, Stumme Stimme

Hinweis: Wegen des aktuellen Geschehens in Chemnitz gibt es heute eine “6 vor 9”-Sonderausgabe, die sich ausschließlich diesem Thema widmet.

1. Sarrazin, Trump und die Medien: Ah, ein Stöckchen!
(dwdl.de, Hans Hoff)
Anlässlich der Vorstellung von Thilo Sarrazins neuem Faktenverdreh-Schmöker fragt sich Hans Hoff, ob die Medien über jedes Stöckchen springen sollten, das man ihnen hinhält. Natürlich nicht, so seine Botschaft, aber das sei alles andere als einfach: “Wie man’s macht, macht man es falsch. Im Prinzip müsste ich diesen Text noch vor Veröffentlichung in die Tonne kloppen, um nicht auch zum heimlichen Umsatzbeförderer zu werden. Ich tue es nicht und spüre sofort, in welchem Dilemma all die Kollegen da draußen stecken. Man möchte was sagen, was man besser nicht sagen sollte, aber meint, unbedingt sagen zu müssen. Und dann sagt man es halt und macht es wieder falsch. Stinknormaler Journalismus dieser Tage.”

2. Facebook ist das neue Sportfernsehen
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Facebook wehrt sich stets gegen die Einordnung als Medienunternehmen mit dem Hinweis, man würde keine eigenen Inhalte anbieten. Doch im Sportbereich tritt Facebook durchaus als Inhalteanbieter auf: Das Netzwerk hat für viel Geld Übertragungsrechte für europäischen Spitzenfußball gekauft. Was es damit auf sich hat und welche Technologie-Konzerne ebenfalls im lukrativen Sportgeschäft mitmischen wollen, erklärt Adrian Lobe in der “Medienwoche”.

3. Hoffen auf ein helles Wunder
(taz.de, Anne Fromm)
Viele Medien haben sich in den letzten Jahren Online-Begleitboote für Millenials und junge Leser zugelegt. Nun will es auch das “Neue Deutschland” wissen und startet am Mittwoch ein Portal für junge Linke. “Supernova” heißt die Seite, auf der sich künftig drei Redakteure um eine jüngere Leserschaft bemühen wollen.
Weiterer Lesehinweis: Hier erklärt das “Supernova-Kollektiv” die Intention des linken Lifestyle-Magazins: Hauptsache, es knallt.

4. Reuters-Journalisten in Myanmar zu sieben Jahren Haft verurteilt
(diepresse.com)
Zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters sind in Myanmar wegen der “Verletzung von Staatsgeheimnissen” zu siebenjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten über die Ermordung von zehn Männern und Jungen recherchiert, die der muslimischen Minderheit der Rohingya angehörten.
Weitergehende Informationen zur Lage der Pressefreiheit in Myanmar gibt es bei den “Reportern ohne Grenzen”.

5. Network des Schweigens
(faz.net)
Nach Angaben von “New York Times” und “The Daily Beast” soll der amerikanische Fernsehsender NBC News versucht haben, die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein zu vertuschen. Nach monatelangen Recherchen hätte es von der Chefetage die Anweisung gegeben, kein Interview mit einem mutmaßlichen Weinstein-Opfer zu führen und die ganze Geschichte fallenzulassen.

6. Eine Stimme verstummt
(sueddeutsche.de, Nikolaus Piper)
Die “Village Voice”, die älteste Alternativzeitung Amerikas, wird eingestellt. Ende der Sechzigerjahre war die “Voice” die meistverkaufte Wochenzeitung der Vereinigten Staaten, vor knapp einem Jahr wurde die Druckausgabe eingestellt, und nun hat der Verleger das endgültige Aus des Magazins verkündet.

Hutbürger nimmt Hut, Abgang ohne Worte?, Falscher Guido-echte Fakten

1. LKA-Mann muss seinen Hut nehmen
(spiegel.de)
Der berühmt gewordene “Tarifangestellte” des LKA, der Journalisten in Dresden anpöbelte, verlässt den Polizeidienst, bleibt jedoch weiterhin Beschäftigter des Freistaats Sachsen. Das zum Meme gewordenen Bild des Wut- und Hutbürgers hat den “Spiegel” zu eine der lustigsten Überschriften dieses Jahres inspiriert.

2. Abgang ohne Worte?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Welch ein merkwürdiger Vorgang: Interview-Großmeister Jakob Buhre reist nach Hamburg, um dort den Buchautor und “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer zu interviewen. Dieser nimmt sich auch über eine Stunde Zeit, verweigert jedoch nachträglich die Autorisierung. Just an dem Tag, als der “Spiegel” seine Absetzung verkündete. Auf den Vorschlag Buhres, nur die Passagen ohne “Spiegel”-Bezug zu veröffentlichen, gibt es ein erneutes “Nein”. Buhre sieht sich nun um seine Arbeit betrogen und vergleicht den Vorgang mit dem zurückgezogenen bzw. beschlagnahmten Interview von Michel Friedmann mit dem türkischen Jugend- und Sportminister: “(…)als deutscher Journalist kann ich die türkische Regierung nicht dafür kritisieren, dass sie kritische Fragen unterdrückt, wenn deutsche Top-Journalisten exakt das Gleiche tun.” Brinkbäumer wiederum twittert, dass er das “dann doch etwas billig” finde: Buhre kenne die “unglücklichen Umstände” und “meine Entschuldigung.”
Weiterer Lesehinweis: Buhre hat sich mit offenen Briefen an die “Spiegel”-Redaktion und den Fischer Verlag gewandt.

3. Kann man machen…
(twitter.com/lepettre, Jan Petter)
“Bento”-Autor Jan Petter liest ein Interview in der “Welt” und stutzt, als er den Namen des Interviewten sieht. Petter befindet trocken: “Kann man machen: Die “Welt” interviewt zu Chemnitz einen “Experten”, der Erstunterzeichner der “Charta 2017” ist. Überraschenderweise leugnet er dann gleich, dass Rechtsextremismus in Sachsen ein besonderes Problem ist und relativiert rechte Gewalt.“

4. Ironiebefreit: Youtube löscht Arte-Video über digitale Zensoren
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Das ist fast ein wenig lustig: Youtube hat einen “Arte”-Trailer gelöscht, in dem es um die Arbeitsbedingungen philippinischer Content-Moderatoren im Auftrag von unter anderem Youtube geht. Grund dafür sei angeblich “schockierendes Bildmaterial”.

5. Das Trauerspiel von Chemnitz
(faktenfinder.tagesschau.de, Karolin Schwarz & Patrick Gensing)
Rechte kapern gerne das Thema Kriminalität, um Angst und Wut zu schüren. Was dabei oft auf der Strecke bleibt: die Wahrheit. Der “Faktenfinder” berichtet über “Fakes als Mittel zum Zweck”.

6. „Wo sich Heute und Gestern reimen“
(taz.de, René Martens)
René Martens hat für die “taz” mit dem Mann gesprochen, der bei Twitter @drguidoknapp heißt und dort täglich Tweets zu historischen Begebenheiten absetzt, die oft wie ein indirekter Kommentar zum Tagesgeschehen und auch zu aktuellen Debatten wirken.
Weiterer Lesehinweis: Der falsche Guido Knopp heißt Joachim Telgenbüscher, arbeitet für ein Geschichtsmagazin und hat sich sein Studium mit Quizshows finanziert. (ze.tt, Christine Reißing)

Chemnitz und die Folgen, Muffige Männerkolumne, Buten un Lührssen

1. Chemnitz: Nagelprobe für Sachsens Polizei
(ndr.de, Timo Robben &Leonie Puscher, Video, 5:20 Minuten)
Politische Demonstrationen sind für Journalisten ein gefährliches Pflaster. Oft geraten sie zwischen die Fronten oder werden selbst angegriffen. Das Medienmagazin “Zapp” war in Chemnitz und hat mit Reportern gesprochen.
Weiterer Tipp: In einem weiteren “Zapp”-Beitrag geht es um eigentlich jahrzehntelang bekannte und bewährte Verhaltensgrundsätze für die Zusammenarbeit von Presse und Polizei, die anscheinend in Vergessenheit geraten sind.

2. Über Fake News und unterschlagene Wahrheiten
(makroskop.eu, Heiner Flassbeck)
Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck war Chef-Volkswirt der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) und Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Zusammen mit Paul Steinhardt gibt er “Makroskop” heraus (“Kritische Analysen zu Politik und Wirtschaft”). Im aktuellen Beitrag hat er drei Wirtschaftsmeldungen untersucht: “Was ist Fake und was ist nur die Verdrehung der Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit?”

3. Eine Zäsur findet nicht statt
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo denkt in seiner neuen Kolumne über den Umgang mit Rechtsextremismus nach. Es geht um die jüngsten Exzesse und die Verantwortung von Politik, Behörden, Polizei und bestimmter Medien: “Überhaupt die Mitverantwortung der Medien, vor allem der “Bild”-Zeitung. Dort fragte man in großen Schlagzeilen, wer wohl an den “unfassbaren Jagdszenen” die Schuld trage und bot — ja, wirklich — zur Auswahl an: “Entfesselter Ausländerhass, linke Chaoten, überforderte Polizei”. Das erreicht Fox-News-Dimensionen der Irreführung, wenn Nazis Menschen gejagt haben. Das ist nicht weniger als monströs, und ich halte es nicht für einen Zufall, dass Rechtsextreme nicht als Personen genannt werden.”

4. Dürfen Journalisten ein Parteibuch haben?
(sueddeutsche.de, Thomas Hahn)
Der Journalist Hinrich Lührssen ist vielen Zuschauern des Fernsehmagazins “Buten un Binnen” (Radio Bremen) durch seine unterhaltsamen Beiträge als aufdringlicher Reporter bekannt. Nachdem Lührssen bekannt gegeben hat, Teil des Bremer AfD-Landesvorstandes zu sein, hat der Sender beraten, wie man zukünftig mit dem freien Mitarbeiter umgehen soll.

5. “Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen”
(deutschlandfunk.de, Antje Allroggen)
US-Journalismusforscher Jay Rosen war drei Monate in Deutschland, um die hiesigen Medien zu untersuchen. Im “Deutschlandfunk”-Interview spricht er über seine Eindrücke. Rosen ist aufgefallen, dass Journalisten noch immer Probleme im Umgang mit Rechtspopulisten haben. Er wird das Thema weiterhin aus den Staaten verfolgen: “Mich interessiert, wie es für die Medien in Deutschland weitergehen wird: Wird es den Medien hier gelingen, sich gegen den Populismus zu behaupten? Wird es vielleicht eine linke Bewegung geben, die sich ähnlich wie jetzt die rechte gegen die Medien richten wird?”

6. Gegen den neuen Männer-Kolumnisten von Bild.de ist Franz Josef Wagner ein Feminist
(vice.com, Lisa Ludwig)
Bei “Bild” haben sie einen neuen Kolumnisten installiert. Er trägt das Pseudonym “Leif Lasse Andersson” und darf in der “Unrasierten Wahrheit” wöchentlich darüber jammern, wie schwer ihm das Leben als “mittelalter Mann” gemacht wird. Die unterirdischen Geschlechterbilder der Männer-Kolumne kämen nicht von ungefähr, so Lisa Ludwig, die außer einer “Tüte Mitleid” wenig für den Kolumnenschreiber übrig hat: “Leif Lasse Anderssons Ouevre als Autor besteht primär daraus, 2013 einen Roman über seine Erfahrungen mit Online-Dating veröffentlicht zu haben. Eines dieser Bücher, in denen Frauen so sind, und Männer eben anders; Mario-Barth-Literatur, aber mit explizit beschriebenen Sexszenen.” Eine “stupide Aneinanderreihung der sexuellen Eskapaden eines Losers”, wie es eine Amazon-Rezensentin treffend zusammengefasst habe.

Tierisch werbendes Gespräch

Was der Jan Josef Liefers nicht alles so zum Interviewtermin mitbringt:

Das Café am Neuen See am Dienstagmittag. Am Ende des Bootssteges sitzt Jan Josef Liefers (54). Um den Schauspieler herum springt ein süßer Mischlingshund namens Toni. Den hat der “Tatort”-Star nicht ohne Grund zum B.Z.-Gespräch mitgebracht — schließlich geht es (auch) um Vierbeiner.

Neinnein, den süßen Toni meinten wir gar nicht. Sondern die Packung Hundefutter und den Fressnapf. Auch diese zwei Dinge dürfte Liefers “nicht ohne Grund zum B.Z.-Gespräch mitgebracht” haben, schließlich ist er laut “B.Z.” das “neue Aushängeschild” der Firma, die den Sack Hundefutter hergestellt hat und deren Logo auf dem Napf prangt:

Screenshot bz-berlin.de - Foto von Jan Josef Liefers auf dem Bootsteeg am See, neben ihm sein Hund Toni sowie unübersehbar der Sack Hundefutter und der Fressnapf

Laut Fotocredit handelt es sich um ein Promo-Bild der Hundefutterfirma.

Da diese Firma “sich sogenanntem Clean Feeding verschrieben hat”, sagt Jan Josef Liefers zum “B.Z.”-Autor Sachen wie: “Es sind nur Dinge drin, die für den Hund auch wirklich gut sind” oder “Ein Hund ist doch kein Abfalleimer!” Und die “B.Z.” packt das dann brav in ihre Schlagzeile:

Screenshot bz-berlin.de - Tierisches Gespräch - Jan Josef Liefers: Ein Hund ist doch kein Abfalleimer!

Mit Dank an Ronald für den Hinweis!

Nachtrag, 24. August: Sowohl bei Bild.de als auch bei Tagesspiegel.de sind ebenfalls Artikel über Jan Josef Liefers, seinen Toni und das tollste Hundefutter der Welt erschienen. Dazu auch Fotos des Schauspielers mit dessen Hund und einem Sack Drops für Toni. Allerdings in beiden Fällen, anders als auf der Website der “B.Z.”, klar als “Anzeige” gekennzeichnet. Bei Bild.de erschien der Beitrag im sogenannten “Brand Studio”, wo der Verlag Advertorials ablädt. Bei Tagesspiegel.de steht über dem Text: “Unternehmensnachrichten präsentiert von PRESSEPORTAL”.

Nachtrag 2, 24. August: Die Onlineredaktion der “B.Z.” hat das Foto von Jan Josef Liefers und seinem Hund Toni nun so beschnitten, dass der Sack Hundefutter und der Fressnapf nicht mehr zu sehen sind.

Jan Ullrich und die Vielleicht-Journalisten

Wenn man bei “Zeit Online” nach “Jan Ullrich” sucht, findet man aus den vergangenen Wochen vier Beiträge.

Wenn man bei Stern.de sucht, findet man vierundfünfzig.

[Collage mit etwa zwei Dutzend Überschriften von Stern.de]

Als Ullrich nach seinem Ausraster auf Til Schweigers Grundstück erklärte, dass er nun eine Therapie machen wolle, erschien bei Stern.de:

Jan Ullrich - Nach dem Absturz will er eine Therapie machen

Und ein paar Stunden später:

Früherer Radprofi Jan Ullrich will nach Vorfall auf Mallorca Therapie machen

Und ein paar Stunden später:

Für seine Kinder: Jan Ullrich will eine Therapie machen

Als Ullrich ein paar Tage darauf nach einem mutmaßlichen Angriff auf eine Escort-Dame in Frankfurt festgenommen wurde, erschien bei Stern.de:

Jan Ullrich - Er wurde am Morgen in Frankfurt festgenommen

Und ein paar Stunden später:

Jan Ullrich in Frankfurter Luxus-Hotel festgenommen

Und ein paar Stunden später:

Ex-Radprofi Jan Ullrich in Frankfurt festgenommen

Und ein paar Stunden später:

Ex-Radprofi Jan Ullrich in Frankfurt festgenommen

In den Beiträgen (die von verschiedenen Agenturen stammen) steht zwar überall das gleiche, aber hey, mehr Artikel bedeuten schließlich: mehr Klicks.

Und viel mehr Artikel bedeuten viel mehr Klicks. Das weiß niemand besser als das Team von “Focus Online”. Ganze 65 Artikel hat das Portal in den zweieinhalb Jan-Ullrich-Skandal-Wochen veröffentlicht — fast doppelt so viele wie “Zeit Online” (4), “Spiegel Online” (12) und FAZ.net (19) zusammen. Und sogar deutlich mehr als Bild.de (43).

Denn “Focus Online” veröffentlicht nicht nur endlos Agenturmaterial, sondern auch Beiträge von anderen Medien. Zum Beispiel:

Dieser Inhalt wird bereitgestellt von Mallorca Magazin: Mit Bettlaken verhüllt und in Handschellen - Hier wird Jan Ullrich auf Mallorca zum Haftrichter gebracht

Von “GQ” nacherzählte Witze des “Postillon” nochmal recyceln. “Focus Online” weiß eben, wie man mit minimalem Aufwand maximale Klicks einfährt.

Aber: Hin und wieder macht die Redaktion tatsächlich mal was selbst.

Gefallener Radsport-Star - Hier wurde Jan Ullrich festgenommen: Meine Nacht im Frankfurter Luxus-Hotel - Erst Polizeigewahrsam auf Mallorca nach einer Rangelei auf dem Grundstück seines Villa-Nachbarn Till Schweiger, dann Zwangseinweisung in eine Psychiatrie, nachdem er eine Escort-Dame in einem Frankfurter Luxus-Hotel gewürgt haben soll: Die Ausfälle des gefallenen Radsport-Stars Jan Ullrich nehmen kein Ende. FOCUS-Online-Reporter Ulf Lüdeke hat eine Nacht später im selben Hotel übernachtet.

Da schläft also ein Reporter von “Focus Online” eine Nacht später im selben Hotel, und was passiert? Nix.

Wen man im Hotel zum Vorfall fragt, erklärt freundlich, nichts zu wissen.

Auch am Bar-Tresen, wo man normalerweise viel über das Leben in einem Hotel erfährt, halten sich die Angestellten bedeckt zu den Vorgängen der letzten Nacht.

Was macht der Reporter also? Setzt sich bis nachts an die Bar.

1.30 Uhr, Freitagnacht: Der allerletzte Gast ist aus der Bar verschwunden. Das Klirren der letzten Gläser, die vom Tisch geräumt werden, läutet den Feierabend für die Nachtschicht am Tresen ein. Der Fahrstuhl kommt so geräuschlos, wie der dichte Teppich jeden Schritt im Haus schluckt.

Aber damit “Focus Online” die “bis zu 6000 Euro”, die hier pro Nacht fällig werden, nicht völlig umsonst ausgegeben hat, schreibt er noch schnell:

Mein Deluxe-Zimmer ist hell und freundlich. 35 Quadratmeter Wohlfühlzone mit Sitzecke und schwerem Holzschreibtisch, ein elegantes Milchglasfenster lässt Licht in das riesige Badezimmer fallen.

Die Matratze vom Doppelbett ist dick und solide. Vielleicht war es genau dieses Bett, auf das sich Ullrich sich mit der Escort-Dame legte?

Vielleicht!

Und vielleicht darf sich der Reporter ja bald über ein Jobangebot der “FAZ” freuen, denn auch für die ist am wichtigsten, dass sie Zeilen gefüllt bekommt. Was drinsteht, ist wumpe:

Tweet von @hauckundbauer - Für Qualitätsjournalisten ist es z. Zt. nicht ganz leicht, den für die Jan-Ullrich-Berichterstattung vorgesehenen Platz auch vollzukriegen. Dazu ein Zeitungsausriss der FAZ: ... für eine Inhaftierung lägen nicht vor. Ullrichs Anwälte äußerten sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Überhaupt ist am Freitag von der Aufregung nichts mehr zu erahnen. Kaum vorstellbar, dass hier in dem Fünf-Sterne-Hotel an der Kennedyallee vor ein paar Stunden noch viel los war. Nun herrscht wieder Ruhe. Wochenend-Gäste checken ein, die Concierges nehmen ihnen die Koffer ab. Im Innenhof schützen Schirmae und ein Baum zwei Gruppen vor der Sonne. Ein Springprunnern plätschert, Wind fährt durch das Blumenbeet. Die einen trinken Kaffee, zwei Asiatinnen essen zu Mittag. Ihr Hund wedelt mit dem Schwanz - ermöchte auch etwas abhaben.

In welchem Ausmaß deutsche Onlinemedien sonst noch über Jan Ullrich berichtet haben, haben wir in dieser Übersicht (PDF, mit Links zu den jeweiligen Artikeln) zusammengestellt:

Dazu auch:

Rechte-Verlagerung, Verwischte Grenzen, Hashtag-Debatten

1. Rechte Propaganda-Plattform sucht Asyl in Sachsen
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Das rechte Internetportal “JouWatch” hat seinen Sitz von Thüringen nach Sachsen verlegt. Einer der Gründe: Das Finanzamt Jena wollte anscheinend die Gemeinnützigkeit prüfen, eine Aberkennung hätte sich negativ auf den Betrieb der Plattform auswirken können. In Sachsen erhofft man sich wohl ein angenehmeres Klima.

2. Verwischte Grenzen
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio, 8:21 Minuten)
Der ehemalige Mitherausgeber und Chefredakteur des “Focus” ist auch mit 81 Jahren noch recht fleißig: In seinem alten Blatt schreibt Helmut Markwort jede Woche das “Tagebuch”. Gleichzeitig kandidiert er bei den bayerischen Landtagswahlen für die FDP. Das Verlagshaus Burda sieht darin keinen Interessenkonflikt. Der Erlanger Medienethiker Prof. Schicha empfiehlt Markwort zumindest eine Schreibpause.

3. BGH – ZDF muss formulierte Erklärung eines polnischen Gerichts nicht veröffentlichen
(wbs-law.de)
In einer ZDF-Doku aus dem Jahr 2013 über die Befreiung verschiedener Konzentrationslager wurden die Lager Majdanek und Auschwitz als “polnische Vernichtungslager” bezeichnet. Nachdem die Formulierung von der polnischen Botschaft beanstandet wurde, änderte das ZDF den Text seinerzeit in “deutsche Vernichtungslager auf polnischem Gebiet”, veröffentlichte eine Korrekturnachricht und bat bei einem ehemaligen Häftling um Entschuldigung, der sich deswegen beschwert hatte. Dies ging dem ehemaligen KZ-Häftling jedoch nicht weit genug. Er wollte mit Hilfe eines polnischen Gerichts das ZDF dazu zwingen, eine vorformulierte Erklärung zu veröffentlichen. Wozu das ZDF jedoch nicht verpflichtet ist, wie jetzt der Bundesgerichtshof entschied. Dies würde gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie gegen die Medienfreiheit verstoßen.

4. Im Zeichen des Hashtags
(sueddeutsche.de, Carolin Werthmann)
Eine im Auftrag des Hamburger Hans-Bredow-Instituts durchgeführte Studie hat untersucht, inwieweit das Stimmungsbild auf Twitter dem der Bevölkerung ohne Twitter-Account entspricht. Das Ergebnis ist relativ ernüchternd: Twitterdiskurse würden nicht repräsentieren, was die Allgemeinheit im Netz bewegt, und schon gar nicht, was Menschen ohne Internetzugang beschäftige. “SZ”-Autorin Carolin Werthmann: “Dennoch können die Hashtag-Debatten eine andere Funktion erfüllen: Indem sie extreme Standpunkte aufzeigen, sind sie ein Seismograf für radikale Trends und Positionen.”

5. Journalist erhält Strafbefehl wegen Veröffentlichung von Zyto-Akte
(deutsche-apotheker-zeitung.de, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Im Prozess um den Bottroper Zyto-Apotheker soll ein Journalist Teile einer Strafakte ins Internet gestellt haben. Dies könnte für ihn unangenehme Folgen haben: Die Staatsanwaltschaft hat Strafbefehl gegen ihn beantragt, den das Amtsgericht Essen nun erlassen hat. Wissenschaftsjournalist Hinnerk Feldwisch-Drentrup erklärt den Fall, bei dem es auch um Prozesstaktik geht. Heikel sei zudem, dass der Journalist mehrfach kritisch über die Staatsanwaltschaft berichtet hatte, die gegen ihn ermittelte.

6. Her mit meinen Daten!
(spiegel.de, Markus Böhm & Angela Gruber & Judith Horchert)
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) räumt Nutzern umfassende Auskunftsrechte gegenüber Websitebetreibern ein. Beim “Spiegel” haben zwei Redakteurinnen und ein Redakteur die Probe aufs Exempel gemacht und Facebook, Netflix sowie Onlinehändler angeschrieben. Man ahnt, dass es sich um viele Daten handeln wird, aber ist dennoch überrascht: Allein die Antwort von Netflix auf die Datenabfrage umfasste 450 PDF-Seiten.
 Überrascht ist man jedoch auch von des “Spiegels” eigenem Umgang mit Daten.
(Und ja, auch hier im BILDblog gibt es noch Werbetracker, aber damit ist dank Euch bald Schluss.)

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Die Gedanken sind frei, nur bei Julian Reichelt sind sie strafbar

Manchmal ist “Bild”-Chef Julian Reichelt auch zuvorkommend. Denn eigentlich hätten wir zu seinem besorgniserregenden Tweet von gestern Abend erstmal den passenden Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch raussuchen müssen, um ihm die Falschheit seiner Überlegungen zeigen zu können. Reichelt war aber so freundlich, diesen Paragrafen, der ihm widerspricht, als vermeintliches Argument selbst mitzuliefern:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chef Julian Reichelt - Es ist besorgniserregend, wie verbreitet die Lesart ist, terroristische Planspiele (oder Träume von Gefährdern in der Diktion der FAS) wären erlaubt und vom deutschen Rechtsstaat geschützt. Dazu ein Link zu Paragraf 89a Strafgesetzbuch

Natürlich sind “‘Träume’ von Gefährdern” vom deutschen Rechtsstaat geschützt, wie Träume jeder anderen Person vom deutschen Rechtsstaat geschützt sind. Das zeigt auch Paragraf 89a des Strafgesetzbuchs, den Reichelt in seinem Tweet verlinkt und der ziemlich klar regelt, wann es sich um eine strafbare “Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat” handelt. In Absatz 2 steht dazu:

Absatz 1 ist nur anzuwenden, wenn der Täter eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet, indem er

1. eine andere Person unterweist oder sich unterweisen lässt in der Herstellung von oder im Umgang mit Schusswaffen, Sprengstoffen, Spreng- oder Brandvorrichtungen, Kernbrenn- oder sonstigen radioaktiven Stoffen, Stoffen, die Gift enthalten oder hervorbringen können, anderen gesundheitsschädlichen Stoffen, zur Ausführung der Tat erforderlichen besonderen Vorrichtungen oder in sonstigen Fertigkeiten, die der Begehung einer der in Absatz 1 genannten Straftaten dienen,

2. Waffen, Stoffe oder Vorrichtungen der in Nummer 1 bezeichneten Art herstellt, sich oder einem anderen verschafft, verwahrt oder einem anderen überlässt oder

3. Gegenstände oder Stoffe sich verschafft oder verwahrt, die für die Herstellung von Waffen, Stoffen oder Vorrichtungen der in Nummer 1 bezeichneten Art wesentlich sind.

Das Träumen von einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat wird in dem Paragrafen, den Julian Reichelt zum Beweis der Strafbarkeit vom Träumen von einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat anführt, nicht erwähnt.

Nach der Reicheltschen Selbstwiderlegung bleiben noch die “terroristischen Planspiele”, von denen er schreibt. Diesen Ausdruck hat allerdings nicht eine andere Person in die Debatte eingebracht, sondern Reichelt selbst.

Harald Staun schrieb in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” mit Bezug auf einen Reichelt-Text, der am vergangenen Freitag in “Bild” erschienen ist:

Besonders schlimm aber findet Reichelt das bekannte Dilemma, dass der Rechtsstaat auch jene schützt, die ihn verachten, solange sie nicht gegen die Gesetze verstoßen. Er schützt auch jene Menschen, die “das Bier in der Kneipe und die Bikinis an den Stränden” verachten, seien es Weintrinker, Kulturtouristen oder Islamisten. Und er verbietet nicht einmal, davon zu träumen, Busse, Bahnen oder Verlagshäuser in die Luft zu sprengen. Doch einen Rechtsstaat, der nicht schon böse Absichten bestraft, würde Reichelt gerne abschaffen

Reichelt ärgerte sich bei Twitter über Stauns Text und wandelte dabei innerhalb von zwei Sätzen das Träumen in “Planspiele” um:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chef Julian Reichelt - Die FAS würdigt heute die Freiheit von Gefährdern, davon zu träumen, Verlagshäuser in die Luft zu sprengen. Ich glaube nicht, dass terroristische Planspiele von Gefährdern vom Rechtsstaat geschützt sind.

Nur haben Harald Staun und die “FAS” nie von “Planspielen” gesprochen — diese Umdeutung stammt allein von Julian Reichelt.

In den Antworten auf seinen Tweet von gestern versuchen andere Twitter-Nutzer, Julian Reichelt zu erklären, was bei seinen Überlegungen alles schiefläuft. Aber ob ihn überhaupt interessiert, was für einen Unsinn er verzapft?

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