Manchmal stehen bei Bild.de ja auch Sachen, die richtig sind:
“Bild-Redakteur Timo Lokoschat kommentiert ganz treffend zu den mitunter heftigen Äußerungen zum CDU-Bundestagsabgeordneten Amthor:
Eingedroschen wird aber nicht nur auf seine Positionen, sondern fast immer auch auf sein Äußeres.
Diese Haare! Diese Brille! Dieses Gesicht! Ein Großteil der Tweets und Posts, die in den sozialen Netzwerken zu Amthor abgesetzt werden, beschäftigen sich mit seiner Optik und greifen zu üblen Vergleichen oder sogar Beschimpfungen.
Lookism, vom Englischen “to look” (aussehen) — das bedeutet die Diskriminierung und Stereotypisierung eines Menschen aufgrund seines Aussehens. (…)
Natürlich: Man kann Amthors Habitus thematisieren, sein Auftreten, das auf viele Menschen altmodisch und inszeniert wirkt. Wer Trachtenjancker mit Tierhornverschlüssen und Deutschlandflagge am Revers trägt, der setzt damit ein Statement und muss in Kauf nehmen, dass das aufgegriffen wird. Damit begnügen sich die meisten Kritiker jedoch nicht — es wird persönlich, es wird diffamierend.
Moment, da fällt uns doch was ein:
… titelte Bild.de über Juso-Chef Kevin Kühnert. Die Redaktion macht sich auch gern mal über Sängerinnen lustig, die “SPECKtakulär” im “Neoprall-Anzug” “dick auftragen”: “Zehn knackige Presswurst-Outfits von Mariah Carey”. Und auch Menschen, die nicht im Scheinwerferlicht stehen, zieht Bild.de wegen ihres Aussehens und Gewichts ins Lächerliche.
Timo Lokoschat schreibt zur “Kritik an Philipp Amthor”:
Sogar Journalisten stimmen auf Twitter in den Chor der Oberflächlichen ein.
An der heutigen “Bild”-Titelseite kann man gut sehen, wie “Bild” Fakten verzerrt und aufbläst, wie das Blatt versucht, Aufreger zu setzen, und es dabei im Sinne des größtmöglichen Knalls nicht so genau nimmt mit der Genauigkeit:
Wichtig ist dabei schon mal das Wort “Erste”, weil es auf den möglichen Start einer Serie von indianerkostümverbietenden Kitas hinweist, ohne dass es dafür konkrete Hinweise gibt.
Noch wichtiger aber ist das Wort “verbietet”, weil es bei der Leserschaft direkt zu erhöhtem Blutdruck führen kann. Liest man den Artikel bei Bild.de, kann man ziemlich schnell erste Zweifel bekommen, dass in der Hamburger Kita, um die es geht, wirklich etwas verboten wurde. Bereits in der ersten Bildunterschrift schreibt die Redaktion:
Die Kita-Leitung bat in einem Schreiben an die Eltern auf Indianer-Kostüme, wie in diesem Symbolfoto, zu verzichten
“bitten” und “verbieten” mögen für “Bild”-Mitarbeiter vielleicht irgendwie ähnlich aussehen. Die zwei Begriffe haben aber dennoch recht unterschiedliche Bedeutungen.
Im Text zitieren die “Bild”-Medien ein Schreiben der Kita an die Eltern:
Darin wurde darum gebeten, “bei der Auswahl des Kostüms darauf zu achten, dass durch selbiges keine Stereotype bedient werden”. Und: “Beispielsweise möchten wir nicht, dass Kinder als “Indianer”, “Scheich” oder ähnliches verkleidet sind”.
Auch hier: “möchten wir nicht” statt “verbieten wir”.
Man kann das Vorgehen der Kita-Leitung natürlich dennoch bescheuert finden. Man kann aber nicht einfach behaupten: “Die verbieten da was!” Dass die Bitte, auf bestimmte Kostüme zu verzichten, auch sehr kritisch gesehen werden kann, schreibt Kita-Betreiber “Elbkinder”, zu dem auch die Kita von der “Bild”-Titelseite gehört, selbst in einer Stellungnahme von heute. Sowieso klingt die ganze Sache dort deutlich differenzierter als in “Bild”:
Das Projekt erkennt an, dass man Stereotype braucht, um die Komplexität der Welt zu reduzieren, es soll aber sensibilisieren für Stereotype, die für die Betroffenen schmerzhaft, z.T. sogar entwürdigend sein können. Einen solch sensiblen Umgang mit Stereotypen erwarten wir von allen unseren Kitas; wie sie das an Fasching einbeziehen, ist aber doch sehr unterschiedlich und bleibt den einzelnen Kitas überlassen.
Verkleidungen an Karneval basieren auf Stereotypen und das gehört zum Feiern dazu. Außerdem ist es wichtig zu unterscheiden, wie Kinder und wie Erwachsene Fasching feiern: bei dem öffentlich in den Medien sichtbaren Karneval geht es oft um Kritik an Politikern oder anderen öffentlichen Personen und meist geht es dabei ziemlich derb zu. Für Kinder ist Fasching aber eine Gelegenheit, sich in jemanden zu verwandeln, den sie als Held sehen und der sie selbst gerne sein möchten. Über die von der Kita gewählten Beispiele “problematischer” Kostüme kann man deshalb durchaus streiten.
In derselben Stellungnahme klingt es auch wahrlich nicht nach einem Indianer-Kostüm-Verbot:
Und natürlich wären Kinder, die doch als Indianer oder Scheichs verkleidet zum Fasching gekommen wären, genauso willkommen gewesen.
Eine von 185 “Elbkinder”-Kitas, von Hunderten Kitas in Hamburg, von Tausenden Kitas in Deutschland bittet darum, unter anderem nicht als Indianer verkleidet zum Fasching zu kommen. Und kommt dann doch ein Kind als Indianer, ist das auch kein Problem. Das Ganze wird erst dadurch zum Skandal, dass die “Bild”-Redaktion diese Bitte zu einem Seite-1-Verbotsskandal macht.
Klaut man einem Teamkollegen im Spiel Counter-Strike den Abschuss eines Gegners, nennt man das: “Killsteal”. Klaut man einer anderen Website das Counter-Strike-Glossar, nennt man das: das Vorgehen von Bild.de.
Die Counter-Strike-Szeneseite “99Damage” definiert “Killsteal” in einem Glossar, erschienen am 3. Februar 2017, so:
Klar, könnte ein Zufall sein — “Killsteal” ist ja schnell mit “Abschuss klauen” übersetzt. Dann wäre es aber einer von vielen Zufällen. Zum Begriff “Ninja (Defuse)” etwa schreibt Bild.de:
Die Entschärfung der Bombe, wenn noch nicht alle Terroristen ausgeschaltet sind.
Und “99Damage”:
Die Entschärfung der Bombe bei noch lebenden Terroristen
Bild.de zum “Wallbang”:
Den Gegner durch eine Wand oder andere Objekte anschießen oder ausschalten.
“99Damage”:
Den Gegner durch eine Wand oder andere Objekte verletzen oder töten
Einige der Definitionen hat Bild.de nicht mal plump umgeschrieben, sondern komplett abgeschrieben. Zu “Prefire” beispielsweise steht bei Bild.de:
Auf Verdacht auf eine bestimmte Position schießen.
… genauso wie bei “99Damage”.
Zu “Wallhack” schreibt Bild.de:
Ein Cheat, der es ermöglicht, den Gegner durch Wände zu erkennen.
Auch das findet man exakt so bei “99Damage”.
Insgesamt listet die Bild.de-Redaktion 71 Counter-Strike-Begriffe auf. 66 davon gibt es auch bei “99Damage”, zumeist ähnlich oder komplett gleich definiert. Neben Killsteal, Ninja (Defuse), Prefire, Wallbang und Wallhack sind das:
Ace
A-D-A-D-A-D’ing
ADR
Aimbot
Aimpunch
Anti-Eco
Assist
Backstabbing
Buffed
Callout
Camper
Carry
Choke
Clutch
Crossfire (Kreuzfeuer)
Crouch-Jump
Deagle
Dinked
Drop
Eco
Entryfrag
Exitfrag
Fake
Flawless
Force(-buy)
Frag
GG
Headglitch
HP
IGL
Jumpshot
Jumpthrow
Krieg
Legged
Long Jump
Lurker
Molly
Nade
Nerf
No Scope
Noob
Peek
Pick
Pistol-Round
Push/Rush
Recoil
Recoil Control
Refrag
Retake
Rotate
Run’n’Gun
Save
Scout
Split
Stack
Step
Tagging
Tappen
Team-Ace
TK
Toxic
Wir haben bei den Mitarbeitern von “99Damage” nachgefragt, ob sie Bild.de erlaubt haben, sich am Glossar zu bedienen. Haben sie nicht. “Bild”-Chef Julian Reichelt spricht in solchen Fällen gern von digitalenHühnerdieben.
Mit Dank an Reyk M. für den Hinweis!
Nachtrag, 16:25 Uhr: Was schon in der Schule verräterisch ist, ist auch für Redaktionen blöd: beim Abschreiben Fehler zu übernehmen. Zum Begriff “Killsteal” muss es korrekterweise natürlich heißen: “Jemandem den Abschuss klauen” und nicht, wie Bild.de schreibt, “Jemanden den Abschuss klauen”.
Mit Dank an Frank M., Ralf S. und @Gunneone für die Hinweise!
Flachwitzeerzähler Bernd Stelter machte neulich bei einer Karnevalssitzung Bernd-Stelter-Flachwitze über den Doppelnamen der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Eine Frau im Publikum, die ebenfalls einen Doppelnamen tragen soll, ärgerte sich darüber, ging auf die Bühne und geigte Stelter die Meinung. Diese Kleinigkeit wurde zu einer ziemlich großen Sache, vor allem in den sozialen Netzwerken.
Am 4. März steht die Ausstrahlung dieser Karnevalssitzung im Ersten an. Von der Frau wird dabei aber nichts zu sehen sein: Der WDR hat ihren Bühnenbesuch im Schnitt rausgenommen (wie auch viele weitere Passagen der zwei jeweils sechsstündigen Sitzungen, die auf insgesamt 3:15 Stunden gekürzt werden mussten), auch weil dieser “in vielen Teilen akustisch in der Aufzeichnung nicht hörbar und teilweise unverständlich” sei.
“Spiegel Online” schrieb dazu gestern bei Twitter:
… was nicht stimmt und was die Redaktion später korrigierte. Stelters Auftritt wird samt Witz zu Kramp-Karrenbauers Doppelnamen im Ersten zu sehen sein. Dazu soll es ein eingeblendetes Laufband mit Infos zu dem Vorfall mit der Frau geben.
“Bild” macht es in der heutigen Ausgabe noch falscher. Das Blatt behauptet, Stelter sei komplett aus der Sendung geschnitten worden, und schreibt von Zensur:
Diese Leistung der “Bild”-Redaktion ist ebenfalls ein schlechter Witz.
1. Amoklauf in Winnenden – Lehren aus medialen Übertretungen? (ndr.de, Daniel Bouhs & Sabine Schaper)
Vor zehn Jahren erschütterte der Amoklauf von Winnenden die Republik. Ein Jugendlicher hatte 15 Schüler und Lehrer und anschließend sich selbst erschossen. Daraufhin fiel in Winnenden die Weltpresse ein und es kam zu einer Vielzahl medialer Grenzüberschreitungen: Rücksichtslose Medienvertreter bedrängten Eltern an der Haustür, um an Opferbilder zu kommen, missachteten Film- und Fotografierverbote und plünderten die am Anfang stehenden sozialen Netzwerke, um bequem an Bilder der Opfer zu kommen. “Zapp” hat mit Anton Jany gesprochen, der vor zehn Jahren für das ZDF in Winnenden war: “Ich habe nach Winnenden überlegt, ob ich meinen Job als Journalist an den Nagel hänge” (Videolink). Der seinerzeit ebenfalls anwesende SWR-Reporter Knut Bauer konstatiert: “Ich bin fast davon überzeugt, dass, wenn so etwas wieder passieren würde, sich das ähnlich abspielen würde” (Videolink). Der auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwalt Christian Schertz äußert sich zum Verhalten der Medien in Winnenden und der Abwägung zwischen Persönlichkeitsschutz und Pressefreiheit: “Das Recht am eigenen Bild besteht über den Tod hinaus” (Videolink).
2. Springers Magazin-Neustart Bild Politik: Grosso-Beobachter melden ernüchternde Verkaufszahlen in Testgebieten (meedia.de, Marvin Schade)
Springers Magazin-Neustart “Bild Politik” tut sich laut “Meedia” am Kiosk schwer. Die Testmarkt-Premierenausgabe soll auf eine verkaufte Auflage von 2.500 bis 3.000 Exemplaren gekommen sein soll, bei einer geschätzten Remissionsquote von 85 bis 90 Prozent. Der Axel-Springer-Konzern habe die Verkaufszahlen auf Anfrage von “Meedia” nicht bestätigen wollen, gibt sich jedoch “sehr zufrieden”.
3. “Mögliche Veräußerung” (taz.de, Frederik Schindler)
Nachdem der Branchendienst “Horizont” es vorab gemeldet hatte, hat nun auch der Vorstand der DuMont Mediengruppe die “mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe” bestätigt, gibt dabei allerdings keine Einzelheiten bekannt. Die sickern jedoch nach und nach durch. Frederik Schindler sortiert den jetzigen Informationsstand und berichtet, wie Arbeitnehmerverbände, Journalistenverband und Politik auf das Ganze reagieren.
Weiterer Lesehinweis: Zeitungsforscher über DuMont: “Es wurden viele Fehler gemacht” (taz.de, Finn Holitzka).
Beachtenswert auch Ulrike Simons Zusammenstellung von bemerkenswerten Zitaten des DuMont-CEOs Christoph Bauer. Simon kommentiert nüchtern: “Das eine ist, was einer sagt; das andere, was einer tut. Öffentlich vermittelte der CEO den Eindruck, DuMont bliebe ein publizistisch getriebenes Haus, das wirtschaftlich wieder auf dem Vormarsch sei. Das war wohl ein Missverständnis” (horizont.net).
4. Mehr Einordnung wagen: Warum Lokaljournalismus im Fußball weiter wichtig ist (120minuten.net, Oliver Leiste)
Der unabhängige Fußballjournalismus hat es nicht leicht. Immer mehr Vereine treten selbst als Medienunternehmen auf und füttern ihre Internetseiten und Social-Media-Kanäle mit Spielberichten, Interviews, und vermeintlichen “Blicken hinter die Kulissen”. Doch der Medienwandel bietet auch neue Recherchemöglichkeiten. Und er kann neutral bewerten und einordnen, so Oliver Leiste in seinem Plädoyer für den Lokaljournalismus: “Kritische Beobachtung, hintergründige Berichterstattung und die Einordnung von Sachverhalten — all das können lokale Fußballreporter*innen besser als jeder andere leisten, wenn sie dafür Raum bekommen und sich nicht vornehmlich um das Verkünden von Terminen und Ergebnissen konzentrieren müssen.”
5. UN-Berichterstatterin warnt vor umstrittenem EU-Gesetz gegen Terrorpropaganda (netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In einem Gesetzesentwurf der Europäischen Union ist die Rede davon, dass Internet-Plattformen angebliche Terror-Propaganda in dringenden Fällen binnen einer Stunde löschen müssen. Dieser Vorschlag der EU-Kommission wird stark von einer führenden Menschenrechtlerin der Vereinten Nationen kritisiert. Er schaffe eine allzu breite Definition von Terrorismus, was viele legale Inhalte aus dem Netz fegen könnte.
6. “Computer-Bild”-Urteil: Böhmermann zieht vor den BGH (dwdl.de, Uwe Mantel)
Die “Computer Bild” hat einen werblichen Beitrag für einen DVB-T2-Receiver mit einem Foto von Jan Böhmermann bebildert. Dieser sah sich damit unfreiwillig zur Werbefigur gemacht und ging dagegen juristisch vor. Das Oberlandesgericht Köln gab nun, etwas überraschend, dem Axel-Springer-Verlag Recht. Der Artikel habe zwar einen werblichen Charakter, da aber im Text auch Tipps gegeben wurden, habe er auch der Befriedigung des Informationsbedürfnisses der Leser gedient. Böhmermann hat gegenüber “DWDL” den Gang vor den Bundesgerichtshof angekündigt. Falls dies auch erfolglos bleibe, müsse die Politik handeln: “Das Europaparlament und die Bundesregierung müssen jetzt handeln und alle Verlage zur Einführung von Uploadfiltern für Zeitungen und Zeitschriften zwingen.”
Weiterer Lesehinweis: Offizielle Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln: “Endlich scharf: Computer Bild durfte Beitrag über DVB-T2 HD Receiver mit Jan Böhmermann bebildern” (PDF).
Bei Bild.de berichteten sie am Montag über die steigende Zahl erschossener Wölfe:
Im vergangenen Jahr (2018) wurden in Deutschland so viele Wölfe illegal getötet, wie noch nie seit ihrer Rückkehr in diesem Jahrtausend! Neun getötete Tiere, darunter drei Welpen, wurden laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gefunden. Ein Plus von mehr als 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Und auch 2019 sei schon ein Jungwolf illegal erschossen worden. Bild.de fragt:
Ja, woher kommt so etwas Emotionales wie “die tödliche Wut”? Vielleicht kommt sie nicht nur, aber auch durch emotionalisierende Berichterstattung. Zum Beispiel wenn man den Menschen Angst macht vor zähnefletschenden “Wolfshybriden”:
Oder wenn man weinende achtjährige Mädchen für seine Kampagne instrumentalisiert:
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)
Oder wenn man den Menschen eintrichtert, dass sie sich nach ihrer “Sorge um den Diesel-Motor” jetzt mal vor dem Wolf fürchten sollten:
Bis zu 1000 Wölfe streifen durch heimische Wälder. Nach der Sorge um den Diesel-Motor wächst verständlicherweise deshalb vor allem auf dem Land die Angst vor dem Wolf.
Oder wenn man das weinende achtjährige Mädchen dann noch mal instrumentalisiert:
Oder wenn man ins Spiel bringt, dass ja bald auch Menschen dran sein könnten:
Oder, noch besser, weil noch emotionaler: Dass ja bald auch Kinder dran sein könnten:
(Ausriss aus “Bild Politik”)
Oder wenn man berichtet, dass es ja schon den ersten Wolfsangriff auf einen Menschen gab:
Oder wenn man, wie die “Bild”-Medien, seitJahrenallesdafürtut, dass die Leserschaft nicht auf Grundlage von Fakten über die Gefahr, die von Wölfen ausgeht, informiert wird, sondern dass bei ihr nur eines hängenbleibt: Angst.
Zwei 14-jährige Jungen sind am Sonntag auf ein Dach einer S-Bahn-Haltestelle in Neuss geklettert und haben dabei einen Stromschlag erlitten. Der eine wurde dabei leicht verletzt und konnte aus eigener Kraft vom Dach wieder runterklettern, der andere blieb liegen.
Die “Bild”-Zeitung berichtet heute in der Düsseldorf-Ausgabe über den Vorfall (Überschrift: “SCHEISS LEICHTSINN”). Bei Bild.de erschien bereits gestern am späten Abend ein Artikel dazu:
(Unkenntlichmachung durch uns.)
Der Beitrag befinden sich, man sieht es an dem “Bild plus”-Logo, hinter der Bezahlschranke — lesen kann ihn nur, wer ein Abo hat. Wer keins hat, sieht lediglich diese zwei Absätze:
Das Foto zeigt einen Jungen, der flach auf dem Dach des Bahnsteigs einer S-Bahn-Haltestelle in Neuss liegt. Der 14-Jährige hat gerade einen Stromschlag erlitten. Doch die herbeigeeilten Helfer können nicht sofort an ihn heran …
Der Junge und sein Kumpel hatten sich am Sonntagnachmittag in akute Lebensgefahr gebracht. Sehen Sie mit BILDplus die dramatischen Bilder der Rettung.
Na, wollen Sie mal sehen, wie ein 14-Jähriger gerade so noch überlebt und gerettet wird? Da haben wir was für Sie! Bei Bild.de wissen sie, wie man an die Portemonnaies von geifernden Gaffern kommt. Denen bietet die Redaktion dann drei Fotos, die mit diesen Bildunterschriften versehen sind:
Nach dem Stromschlag bleibt der Junge (14) flach auf dem Dach des Bahnsteigs liegen
Endlich können die Retter zu dem Jungen, er ist sogar ansprechbar
Das schwer verletzte Opfer wird vom Dach geholt
Beide Jungen wurden ins Krankenhaus gebracht, sie sollen sich nicht in Lebensgefahr befinden.
Mit Dank an Janine B. und @unalternativ für die Hinweise!
Ein spanischer Pornodarsteller soll positiv auf HIV getestet worden sein, was in der Branche, in der der Mann tätig ist, natürlich für größere Unruhe sorgt. Von einem spanischen Onlineportal auf das angebliche Testergebnis angesprochen, sagte er:
“Ich weiß nicht woher ihr die Info habt, aber sie ist geschmacklos. Ich werde dazu nichts sagen, danke.”
Dieses Zitat bringt auch Bild.de heute in einem Artikel. Und dazu den Künstlernamen des Mannes sowie Fotos, die ihn unverpixelt zeigen. Eines davon aktuell auch auf der Startseite:
(Die Unkenntlichmachung der Gesichter durch uns, die der Brüste durch Bild.de)
Ein positiver HIV-Test ist Privatsache, auch bei Pornodarstellern. Sicher müssen in einem solchen Fall Maßnahmen ergriffen werden, aber dazu gehören keine Berichte auf Boulevardstartseiten. Es ist auch nicht so, dass nun Pornodarstellerinnen gewarnt oder frühere Drehpartnerinnen aufgeklärt werden müssten — das ist bereits passiert. Die spanischen Behörden sollen Bescheid wissen und das übliche Prozedere in Gang gesetzt haben: alle Sexualpartnerinnen aus der jüngsten Zeit informieren und ihnen Termine für HIV-Tests vermitteln.
Milde “Game of Thrones”-Spoilerwarnung: Eigentlich wird nichts verraten, was man sich nicht schon denken könnte, wer aber absolut gar nichts über die neue Staffel wissen will, sollte lieber hier weiterlesen.
Eine Fan-Seite will nämlich herausgefunden haben, dass in der achten Staffel die Charaktere Tormund Giantsbane und Beric Dondarrion wieder dabei sein werden. Tormund und Beric — wer waren die noch mal, Bild.de?
Tormund Giantsbane (Kristofer Hivju, 40) ist der wilde Anführer von dem fiktiven Kontinent Westeros
Äh … nee. Anführer von Westeros ist, wenn überhaupt, der König/die Königin auf dem “Eisernen Thron”, damit hat Tormund aber überhaupt nichts zu tun. Er kommt ursprünglich vom “Freien Volk”, und selbst bei denen war er nicht der Anführer, sondern ein Vertrauter des Anführers.
Und Beric?
Beric ist das Oberhaupt des Hauses Dondarrion und genießt noch immer das Leben eines Ritters
Diesen Satz hat Bild.de aus dem “Game of Thrones”-Fan-Wiki geklaut, aber auch der ist nicht ganz richtig, denn Beric “genießt” nicht “das Leben eines Ritters”, sondern haust mit seinen Kumpels in irgendwelchen Höhlen und verlassenen Häusern, betet einen mysteriösen Gott an und stirbt hin und wieder. Nicht gerade Fünf-Sterne-Ritter-Deluxe.
Und was ist mit den beiden passiert?
Beide waren zuletzt in der siebten Staffel zu sehen, als die Mauer vom Nachtkönig Daenerys zerstört wurde.
Uff. Okay. Also. Daenerys ist nicht der Nachtkönig und hat auch nicht die Mauer zerstört. Daenerys ist eine Frau und die Gegnerin des Nachtkönigs, sie wollte die Mauer nicht zerstören, sondern vor dem Nachtkönig beschützen.
Viel mehr kann man eigentlich nicht falsch machen, Bild.de hat es trotzdem geschafft:
Laut der Besetzungs-Liste der achten Staffel sollen auch Edmure Tully (gespielt von Tobias Menzies, 44) und Robin Arryn (gespielt von Lino Facioli, 18) aus der letzten Staffel wiederkehren.
Die beiden waren in der vergangenen Staffel gar nicht dabei, sondern zuletzt in der sechsten.
[Der Sender] HBO habe die Idee, drei Kinofilme nach dem Vorbild der “Herr der Ringe”-Reihe zu drehen, zwar abgelehnt, aber das Budget für die Staffel verdreifacht. Die einzelnen Episoden kosteten demnach 15 Millionen Dollar — und sind mit jeweils 60 Minuten auch entsprechend lang.
Freuen dürfen sich die Fans aber nicht nur auf bekannte Gesichter, sondern auch auf die erste Folge der neuen Staffel in Extra-Länge. Laut der Fan-Seite soll Episode 1 rund 60 Minuten lang sein.
Die Episoden der anderen Staffeln dauerten im Schnitt auch schon 55 Minuten, die letzten beiden Folgen von Staffel 7 sogar 70 und 80 Minuten.
Die achte (und letzte) Staffel von “Game of Thrones” wird ab April 2019 im US-Fernsehen zu sehen sein.
Immerhin das haben sie richtig hinbekommen. Gut zwei Monate noch bis zur nächsten Staffel. Vielleicht schaffen es die Experten von Bild.de bis dahin ja auch, sich wenigstens mal anzugucken, worüber sie da schreiben.
Nachtrag, 21. Februar: Der Artikel wurde jetzt komplett überarbeitet und am Ende mit einem Hinweis versehen:
In einer früheren Version des Artikels wurden u.a. die Seriencharaktere der Schauspieler Kristofer Hivju und Richard Dormer fehlerhaft beschrieben. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.
Am kommenden Sonntag werden in Los Angeles die Oscars verliehen, und bei Bild.de sind sie schon ganz aufgeregt:
Was nur wenige wissen: Die Gewinner stehen bereits fest!
“Nur wenige” — also all jene, die die Oscar-Vorberichterstattung von Bild.de in den Jahren 2018, 2014 und 2013 gelesen haben, in der jeweils stand, dass zwei bis drei Mitarbeiter der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers schon vorab die Gewinner kennen.
Die hatten auch Schuld an “DEM Oscar-Fauxpas im Jahr 2017”:
Damals händigten Brian Cullinan (59) und Martha Ruiz (46) einen falschen Umschlag aus und die Laudatoren Faye Dunaway und Warren Beatty verkündeten das erste Mal in der Oscar-Geschichte den falschen Gewinner. Und das auch noch in der Königs-Kategorie Bester Film! Für 23 Sekunden war damals “La La Land” der Film des Jahres. Obwohl die Juroren für “Moonlight” gestimmt hatten.
Das stimmt so nicht: Schon 1964 hatte der Sänger Sammy Davis Jr. einen falschen Gewinner verkündet. Als er den Preisträger der Kategorie “Beste adaptierte Musik” nennen sollte, nannte er John Addison für “Tom Jones”, obwohl der in dieser Kategorie gar nicht nominiert war — sondern in der folgenden, “Beste Original-Musik”. Schuld war auch damals ein verwechselter Umschlag:
Und auch die Behauptung von Bild.de, “La La Land” sei “für 23 Sekunden” der Film des Jahres gewesen, ist falsch. Es waren quälende 2 Minuten und 23 Sekunden (im Video von Minute 1:54 bis 4:17), bis klar war, dass “Moonlight” ausgezeichnet werden sollte:
Nachtrag, 21. Februar: Bild.de hat den Absatz unauffällig bereinigt:
Damals händigten Brian Cullinan (59) und Martha Ruiz (46) einen falschen Umschlag aus und die Laudatoren Faye Dunaway und Warren Beatty verkündeten den falschen Gewinner. Und das auch noch in der Königs-Kategorie Bester Film! Und so wurde „La La Land“ als Film des Jahres gekürt – obwohl die Juroren für „Moonlight“ gestimmt hatten.
Jetzt liest es sich halt so, als sei der Fehler damals gar nicht aufgefallen und nicht korrigiert worden …