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Verwechselt “Tagesspiegel” Hitler mit “Tagesspiegel”?

Am Samstag veröffentlichte die “FAZ” in ihrer Gastautoren-Rubrik “Fremde Federn” einen Artikel des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland. Das Stück sorgte für einige Aufregung — unter anderem beim “Tagesspiegel”, der gestern Abend enthüllte (heute auch bei unseren “6 vor 9” verlinkt):

Twitter-User entdeckt Parallelen zwischen Gauland-Text und Hitler-Rede

Ein Twitter-User entdeckte Parallelen zwischen dem Kommentar des AfD-Vorsitzenden und einer Rede, die Adolf Hitler am 10. November 1933 vor Arbeitern in Berlin in Siemensstadt hielt.

Das Thema schaffte es heute sogar auf die Titelseite der Print-Ausgabe:

Historiker: Gauland argumentiert wie Hitler

(Inzwischen macht die Geschichte auch international die Runde.)

Konkret geht es um folgende Aussagen:

Screenshot eines Tweets von Jonas-Mueller-Töwe - Der Stand der Debatte 2018 in Deutschland: Paraphrasierte Hitler-Reden werden in der FAZ gedruckt. Wegen Pluralismus und so. Links Gauland, rechts Hitler - dazu zwei Screenshots mit Zitaten von Gauland und Hilter, die auch hier im Text gleich folgen

So schrieb Gauland:

(…) Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organisationen wie der UN, in den Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder leben fast ausschließlich in Großstädten, sprechen fließend Englisch, und wenn sie zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, finden sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restaurants, Geschäfte und Privatschulen.

Das hat zur Folge, dass die Bindung dieser neuen Elite an ihr jeweiliges Heimatland schwach ist. In einer abgehobenen Parallelgesellschaft fühlen sie sich als Weltbürger. Der Regen, der in ihren Heimatländern fällt, macht sie nicht nass. Sie träumen von der one world und der Weltrepublik. Da dieses Milieu ,sexy’ ist, hat es auch auf Teile der Gesellschaft großen Einfluss, denen der Zutritt dorthin versperrt bleibt.

Und Adolf Hitler hatte, wie der “Tagesspiegel” dokumentiert, 1933 vor Siemens-Arbeitern gesagt:

(…) Der Völkerstreit und der Haß untereinander, er wird gepflegt von ganz bestimmten Interessenten. Es ist eine kleine wurzellose internationale Clique, die die Völker gegeneinander hetzt, die nicht will, daß sie zur Ruhe kommen. Es sind das die Menschen, die überall und nirgends zuhause sind, sondern die heute in Berlin leben, morgen genauso in Brüssel sein können, übermorgen in Paris und dann wieder in Prag oder Wien oder in London, und die sich überall zu Hause fühlen. (Zuruf aus dem Publikum: “Juden!”)

Es sind die einzigen, die wirklich als internationale Elemente anzusprechen sind, weil sie überall ihre Geschäfte betätigen können, aber das Volk kann ihnen gar nicht nachfolgen, das Volk ist ja gekettet an seinen Boden, ist gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation.

Nun kann man dort durchaus Ähnlichkeiten erkennen. Vielleicht hat Gauland aber gar nicht, wie der “Tagesspiegel” vermutet, bei Hitler abgeschrieben, sondern — beim “Tagesspiegel”.

Der veröffentlichte 2016 nämlich einen Gastbeitrag von Michael Seemann, in dem es hieß:

Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien, und weil sie die Informationen kontrolliert (“liberal media”, “Lügenpresse”), gibt sie überall kulturell und politisch den Takt vor.

Gauland in der “FAZ”:

Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organisationen wie der UN, in den Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie kulturell und politisch den Takt vor.

“Tagesspiegel” 2016:

Es ist eine Klasse, die fast ausschließlich in Großstädten lebt, die so flüssig Englisch spricht wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht.

Gauland:

Ihre Mitglieder leben fast ausschließlich in Großstädten, sprechen fließend Englisch, und wenn sie zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, finden sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restaurants, Geschäfte und Privatschulen.

Diese teils wörtliche Übereinstimmung ist nicht nur “Tagesspiegel”-Lesern aufgefallen, sondern auch dem Verfasser des ursprünglichen “Tagesspiegel”-Beitrags:

Screenshot eines Tweets von Michael Seemann - oha. es sieht so aus als hätte alexander gauland fast wörtlich bei mir abgeschrieben. allerdings habe ich mit der globalen klasse ja auch explizit das feindbild der afd rekonstruiert.

Nur der “Tagesspiegel” selbst scheint noch nichts bemerkt zu haben. Aber vielleicht bringt er’s ja morgen auf der Titelseite: Tagesspiegel verwechselt Tagesspiegel mit Hitler.

Mit Dank an Stefan S. und Alexander H. für die Hinweise!

Nachtrag, 11. Oktober: Im Interview mit t-online.de erzählt Michael Seemann, dass er sich sehr sicher sei, dass Alexander Gauland bei ihm abgeschrieben hat:

Der Beitrag von Herrn Gauland in der “FAZ” enthält mit leichten Abwandlungen eins zu eins Sätze aus meinem Text für den “Tagesspiegel”. Das sind eindeutige Plagiate. Wie ein Fingerabdruck. Das hat mich erschreckt.

Gauland hingegen lässt einen Sprecher ausrichten, dass er den Text von Seemann nicht gekannt habe.

Gaulands Text & Hitlers Rede, Vorbild Sigmar, Body-Shaming

1. Twitter-User entdeckt Parallelen zwischen Gauland-Text und Hitler-Rede
(tagesspiegel.de, Tilmann Warnecke & Anja Kühne)
Die “FAZ” veröffentlichte am Wochenende einen Gastbeitrag von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland zum Thema Populismus und wurde dafür vielfach kritisiert. Nun entdeckte ein Twitter-User Parallelen zwischen dem Gauland-Text und einer Hitler-Rede. Der “Tagesspiegel” dokumentiert beide Textauszüge im Vergleich.
Wichtiger Nachtrag: Verwechselt „Tagesspiegel“ Hitler mit „Tagesspiegel“? (bildblog.de, Ben Hoffmann)

2. Vorbild für freie Journalisten
(taz.de, Anne Fromm)
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) geht unter die Journalisten und kassiert dafür als Autor der Holtzbrinck-Gruppe zwischen 15.001 und 30.000 Euro — pro Monat. Anne Fromm hat dies in der “taz” mit dem Tarifgehalt von Neueinsteigern verglichen und befindet: “Gut verhandelt.”

Anmerkung des 6-vor-9-Kurators: Lieber Sigmar, falls Du hier mitliest, sei doch bitte so solidarisch und gib Dein Honorar auf der Website Wasjournalistenverdienen.de ein (gerne auch anonym). Dort bauen die Freischreiber eine Datenbank der Gehälter und Honorare deutschsprachiger Journalistinnen und Journalisten auf und stellen sie allen zur Verfügung. Damit diese zukünftig fairer und gerechter bezahlt werden.

3. Neun Minuten “Body Shaming” im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
(nw.de, Matthias Schwarzer)
In einem berühmten Ausspruch von Kurt Tucholsky heißt es, dass Satire alles dürfe. Abgesehen davon, dass dies Juristen vermutlich anders sehen, ist nicht alles Satire, wozu es die “Darf alles”-Fraktion erklärt. In diesem Spannungsfeld spielt der Streit um ein Webvideoformat des öffentlich-rechtlichen Angebots “funk”, bei dem sich Youtuber mehr oder weniger heftigen Hass-Kommentaren stellen müssen.

4. “Gedanken über meine Arbeit als Journalist in Verbindung mit der Autoindustrie”
(facebook.com, Don Dahlmann)
Der Journalist und Autor Don Dahlmann beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Technologie, Internet und Mobilität. Ein Schwerpunkt: das Thema Auto. Auf Facebook hat sich Dahlmann seinen Frust über die diversen Skandale und den damit einhergehenden Vertrauensbruch von der Seele geschrieben: “Die Produkte der Autoindustrie, so dachte ich, sind doch keine zusammengepanschte Suppen, wo jemand wegen ein paar Zehntel Cent bedenkliche chemische Zusätze rein ballert. Dafür sind die Margen in der Industrie zu groß um wegen ein paar Euro so einen Blödsinn zu betrieben. Das lag ich wohl gründlich falsch.”

5. Im “Ghetto”
(der-rechte-rand.de, Ernst Kovahl)
Heute beginnt in Frankfurt die Buchmesse. Damit stellt sich, wie bereits in den vergangenen Jahren, die Frage, welche rechten Verlage und Autoren die Messe diesmal mit ihrer Anwesenheit beehren werden. Die Webseite “der rechte rand” berichtet, wer alles am Start ist: von Höcke bis Sarrazin.

6. Sensation! Postillon interviewt Großnichte des Schwippschwagers der Nachbarin von Hitlers Steuerberater
(der-postillon.com)
Nachdem “Bild” die Sensation gelungen ist, irgendwelche unschuldigen Menschen aufzustöbern, denen die Redaktion aufgrund verwinkelter Stammbaumverzeigungen den Namen “Hitler” verpasst hat, hat sich nun auch “Der Postillon” auf historische Spurensuche gemacht: “Hilda W. (71), die Großnichte des Schwippschwagers der Nachbarin von Hitlers Steuerberater wohnt zurückgezogen in einem unscheinbaren Reihenhaus in Dinslaken. Der Einfachheit halber nennen wir sie Hilda Hitler.”

Gaulands Gastbeitrag, Maffay und der “Spiegel”, “Bild” scheißt drauf

1. Der Wolf im “FAZ”-Pelz
(taz.de, Sophie Spelsberg)
In der Samstagsausgabe der “FAZ” erschien ein Gastbeitrag des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland. Sophie Spelsberg kritisiert die Zeitung dafür: “Sie hat Gauland durch ihren Namen etwas Wertvolles verliehen: Legitimität. Dass unter der seriösen FAZ-Hülle ein Rassist und Nationalist schreibt, ist schnell vergessen, wenn der Beitrag selbst gar nicht so böse klingt. Wessen Meinung in der “Zeitung für Deutschland” erscheint, der kann so schlimm nicht sein. Dieser Rückschluss ist gefährlicher als der Beitrag selbst.”
Eine andere Sichtweise hat Jakob Augstein bei “Spiegel Online”. Es lohne sich durch den “sofort aufkommenden Empörungsnebel” zu sehen: “Gauland hat nämlich einen klugen Text über die deutsche — und die westliche — Misere geschrieben. Aber aus seinen richtigen Gedanken zur Elitenkritik zieht er dann die falschen Schlüsse.”

2. Medien wie ⁦@SPIEGELONLINE⁩ übernehmen ungeprüft Zahlen von ⁦@BILD⁩
(twitter.com/UlrichKelber)
Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber kritisiert einen bei “Spiegel Online” erschienenen Beitrag: “Medien wie ⁦@SPIEGELONLINE⁩ übernehmen ungeprüft Zahlen von ⁦@BILD⁩, hier zu MdB-Diäten. Würden 460 Mio € stimmen, bekämen wir pro Monat 54.000 €. Nutzt doch mal Taschenrechner-Programm. Plausibilitätsprüfung. 1. Stunde Journalismusschule :-(“. Die Botschaft ist augenscheinlich angekommen: “Spiegel”-Parlamentsreporter Florian Gathmann wenige Stunden später: “Haben das korrigiert”.

3. UPDATE: SPIEGEL gegen Maffay – 5:0
(spiegel.de)
Peter Maffay hat den “Spiegel” mit diversen Unterlassungs- und Gegendarstellungsverfahren überzogen, weil er sich an der Berichterstattung über die Peter-Maffay-Stiftung und deren Arbeit auf Mallorca störte. Dies verlief bislang juristisch wenig erfolgreich, um nicht zu sagen sehr erfolglos. Nun gibt es ein letztes Nachspiel: Maffay soll 5.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, andernfalls würde Anklage gegen ihn erhoben. Es geht dabei um eine im Raum stehende Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung und eine laut Angaben des “Spiegels” dem Künstler äußerst entgegenkommende Staatsanwaltschaft.

4. Regierung muss Mord aufklären
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die Behörden in Bulgarien auf, den Mord an der Fernsehjournalistin Viktoria Marinova unverzüglich aufzuklären und Journalisten besser zu schützen. “Der Mord an Viktoria Marinova steht für einen erschreckenden Trend: Immer häufiger werden auch in der Europäischen Union Journalistinnen und Journalisten ermordet, weil sie unangenehme Themen ansprechen”, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr: “Die EU darf nicht wegschauen, wenn die Regierungen in den entsprechenden Ländern unfähig oder unwillig sind, investigative Reporter zu schützen.”
Weiterer Lesehinweis: Wer steckt hinter dem Mord an der bulgarischen Journalistin? (faz.net, Michael Martens)
Und außerdem das “Deutschlandfunk”-Gespräch mit Christian Schult vom “European Center For Press & Media Freedom” (Audio, 5:39 Minuten).

5. Floskel des Monats: grünes Licht
(journalist-magazin.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Die Experten von der Floskelwolke nehmen sich die strapazierte Wendung vom “grünen Licht” vor: “Das grüne Licht ist ein Synonym für Zustimmung oder Genehmigung — und gelegentlich wäre es doch wunderbar, dies nüchtern in Nachrichtentexten so zu formulieren.”

6. Die beklopptesten Stellen aus dem bekloppten “Hitler-Interview” der Bild
(vice.com, Matern Boeselager)
“Bild” hat die Nachkommen von Adolf Hitlers Halbneffen in den USA aufgestöbert (BILDblog berichtete), mit Gaga-Fragen belästigt und aus einem Nichts ein Interview geschnitzt, das sie als Sensation auf die Titelseite gehoben haben (“Letzter Hitler bricht sein Schweigen”). Matern Boeselager nennt es “einen der bizarrsten Texte, die je in der deutschen Sprache verfasst wurden” und konstatiert: “Egal, wie deutlich du machst, dass du einfach nur in Ruhe gelassen werden und nichts mit deinem unsäglichen Halb-Vorfahren zu tun haben willst — die Bild scheißt drauf. Genauso, wie sie auch drauf scheißt, dass du nicht “Hitler” heißt und auch nie “Hitler” geheißen hast — sie wird dich einfach “Hitler” nennen.”

Richtige Worte, Journalistenmord, Ronaldo und das lange Schweigen

1. Liebe @fr
(twitter.com/berufslesbe, Friederike Wenner)
Friederike Wenner kritisiert auf Twitter die Wortwahl eines Beitrags der “Frankfurter Rundschau” über den Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege und dessen Arbeit. Dabei findet sie Worte, die von so grundsätzlicher Natur sind, dass sie in das Handbuch einer jeden Redaktion gehören. Die “FR” hat sich zu dem Vorgang wiederum vorbildhaft selbstkritisch geäußert und eine Überarbeitung der Formulierungen vorgenommen.

2. Wurde Kashoggi in Istanbul ermordet?
(tagesschau.de)
Der regierungskritische saudische Journalist Jamal Khashoggi wollte sich im Istanbuler Konsulat seines Landes nur kurz Unterlagen für seine anstehende Hochzeit besorgen und tauchte anschließend nicht mehr auf. Medien berichten von einem Mordkomplott.
Weiterer Lesehinweis: In Bulgarien wurde die TV-Journalistin Wiktorija Marinowa vergewaltigt und ermordet. Sie soll zu Korruption und Betrug mit EU-Geldern recherchiert haben. (zeit.de)

3. ARD und ZDF prüfen rechtliche Schritte gegen AfD
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Nach Recherchen von t-online.de nutzt die AfD offenbar systematisch urheberrechtlich geschütztes Material der öffentlich-rechtlichen Sender für Parteiwerbung. Dabei gehe es vor allem um Videos von Interviews und Talkshows der öffentlich-rechtlichen Medien, die die Partei mit eigenen Botschaften und oft mit dem AfD-Logo versehe. t-online.de hat die AfD zu den möglichen Urheberrechtsverstößen befragt. Dort gibt man sich unwissend: Bislang hätten sich keine Sender an die AfD mit der Aufforderung gewandt, Inhalte zu löschen. Dies widerspricht jedoch Angaben von WDR und RBB.

4. Zum Beitrag des „heute journals“ über die geplante Änderung der rumänischen Verfassung zur bzw. gegen die „Ehe für alle“
(twitter.com/SebMeineck, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck beschäftigt sich in einem Twitter-Thread mit einem “heute Journal”-Beitrag über die geplante Änderung der rumänischen Verfassung zur bzw. gegen die “Ehe für alle”. Der Beitrag sei “ein Beispiel dafür, wie die scheinbar neutrale Gegenüberstellung von extremen und liberalen Standpunkten zu einem diskriminierenden Ergebnis führt.”

5. Cristiano Ronaldo und das lange Schweigen der dpa
(morgenpost.de, Kai-Hinrich Renner)
Als der “Spiegel” über Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Fußballer Cristiano Ronaldo berichtet, ist von der Nachrichtenagentur dpa erstmal nichts zu hören. Das Schweigen könnte mit weiterer Recherche zu tun haben, aber auch mit einem einschüchternden Medienanwalt, der für seine Mandanten gerne “Informationsschreiben” verschickt, welche eine Berichterstattung verhindern sollen. dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger hat Kai-Hinrich Renner in einem Twitter-Thread öffentlich geantwortet: “Lieber Herr Renner, nein, Schertz war kein entscheidender Grund dafür, dass wir erst nach mehreren Tagen auf die Vorwürfe gegen Ronaldo eingestiegen sind. Wir hätten auch ohne das presserechtliche Informationsschreiben nicht anders gehandelt.”

6. Dann nennt uns doch Lügenpresse!
(spiegel.de, Ferda Ataman)
“Spiegel Online”-Kolumnistin Ferda Ataman denkt über Deutschlands Medienlandschaft und seine Lügenpresse-Rufer nach: “Der Lügenpresse-Vorwurf kommt entweder von Leuten, die nicht wissen, was Meinungsfreiheit ist. Oder von Leuten, die finden, dass alle Medien ihre Ansicht verbreiten müssen. Tun sie das nicht, ist das ein Beweis dafür, dass die Meinungsfreiheit unterdrückt wird.” Und sie macht auf einen geradezu absurden Umstand aufmerksam: “Nicht wenige von denen, die sich heute als Opfer angeblicher Zensur inszenieren, würden die ihnen unliebsame Presse am liebsten selbst zensieren.”

Kino mit Kavanaugh, Fernsehhölle, “Geflüchtete” oder “Flüchtlinge”?

1. Ganz großes Kino mit Kavanaugh
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
Vergangene Woche fand im Justizausschuss des US-Senats eine denkwürdige Veranstaltung statt: In einer achtstündigen Sitzung wurden Donald Trumps Supreme-Court-Kandidat Brett Kavanaugh und die ihn der versuchten Vergewaltigung beschuldigende Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford angehört. Matthias Dell ist sich im “Deutschlandfunk” sicher, dass das Spektakel in die Mediengeschichte eingehen wird.

2. Christoph Schulte-Richtering: Es gibt keine Fernsehhölle
(dwdl.de, Christoph Schulte-Richtering)
Diese Woche ist auf “DWDL” ein Interview mit dem TV-Regisseur Kai Tilgen erschienen, der ein Buch über seine Zeit bei verschiedenen Unterhaltungsformaten, Scripted Realitys und Dokusoaps geschrieben hat. Im Gespräch beherrscht der moralisch äußerst flexible “Fernsehhöllen”-Autor Tilgen das Kunststück, sich gleichermaßen einsichtig wie uneinsichtig zu zeigen, und rechtfertigt sein verwerfliches Handeln mit seiner Lust an der Manipulation, seiner angeblich großen Professionalität und ökonomischen Zwängen (sechs Kinder). Buch- und Fernsehautor Christoph Schulte-Richtering hat eine lesenswerte Replik verfasst. Es ist die Abrechnung mit der Abrechnung geworden.

3. Begriffsflucht: Warum ich gegen “Geflüchtete” bin
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Durch die Diskussion ums Framing sensibilisiert, fordern viele, auf die Verwendung des Wortes “Flüchtling” zu verzichten und stattdessen von “Geflüchteten” zu sprechen. Der Journalist Fabian Goldmann hält nichts von dieser Sprachregelung, und er hat gute Gründe dafür.

4. Weniger Infos für Journalisten? Wie Bundesministerien mit IFG-Anfragen umgehen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Die Bundesministerien gehen mit Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz von Journalistinnen und Journalisten höchst unterschiedlich um. Der Initiative “Frag den Staat” liegen interne “Anwendungshinweise” vor, die teilweise von falschen Annahmen ausgehen würden oder schlicht falsch seien.

5. “Wir mussten mehrmals wegrennen”
(journalist-magazin.de, Michael Kraske)
Das Medienmagazin “Journalist” hat mit Arndt Ginzel gesprochen, jenem Journalisten, der von der sächsischen Polizei eine Dreiviertelstunde an der Berichterstattung gehindert wurde. Ginzel fordert einen besseren Schutz von Journalisten und ein klares Vorgehen gegen Rechtsextreme. Und erzählt von seinen Erfahrungen aus Chemnitz: “Wir mussten mehrmals wegrennen. Vorne lief die AfD. Weiter hinten in den Seitenstraßen jagten organisierte Hooligans Menschen. Das habe ich auch im Bild. Ich will nicht übertreiben, aber es waren mindestens 100 Hooligans, die in den Gassen alle möglichen Leute jagten, darunter viele Journalisten. (…) Das war hochgefährlich, weil in dem Moment keine Polizei zur Stelle war.”

6. Bin jetzt endgültig überzeugt
(twitter.com/marga_owski, Margarete Stokowski)
Margarete Stokowski ist beim aktuellen Cover der “InTouch” hängengeblieben, bei dem man angesichts des geballten Trashs nicht weiß, ob man Teil eines Satire-Experiments ist. Es geht um eine Muskel-Mutti, um Fusel-Nachschub und, ja, um den “Hupen-Hammer”.

Vorlagengeber

Bei Pegida München freuen sie sich, dass sie keine Plakate drucken müssen, sondern einfach “Bild”-Doppelseiten aufhängen können.

Und bei der AfD Bayern freuen sie sich, dass sie für ihre Parolen jetzt nur noch aus den Kommentaren von “Bild”-Chef Julian Reichelt abschreiben müssen.

Reichelt gestern Abend bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Kommentar von Bild-Chef Julian Reichelt - Das macht umso deutlicher: Es ging nie um Maaßen. Es ging um Macht und gigantische Egos in einer maroden Großen Koalition, die zu nichts wahrlich Großem imstande ist.

Die AfD Bayern heute früh bei Twitter:

Screenshot eines Tweets der AfD Bayern - Es ging nie um Maaßen. Es ging um Macht, Machterhalt um jeden Preis und um gigantische Egos in einer großen Koalition, die zu nichts mehr imstande ist. Wir sagen es immer wieder: Wo CSU draufsteht, ist Merkel drin!
Daher AfD zur Landtagswahl in Bayern wählen

Wie schwer die Aussagen von “Bild” und AfD auseinanderzuhalten sind, kann jeder selbst testen — in unserem neuen Quiz: Wer hat’s gesagt: “Bild“ oder AfD?

Video-Verifikation, Schlecky Silberstein, YouTube-Journalismus

1. Das “Chemnitz-Video”: Welche Tools helfen bei der Verifikation?
(innovation.dpa.com, Stefan Voß)
Immer wieder laden Augenzeugen Videos auf Twitter und Co. hoch. Dürfen derartige Videos von Journalisten als Informationsquelle verwendet werden, auch wenn die Urheber anonym bleiben? Ja, aber die Filmaufnahmen müssen verifiziert werden. Anhand des berühmten “Chemnitz-Videos” stellt dpa-Faktenchecker Stefan Voß einige Verifikationstechniken vor.

2. Silberstein: “Man kann sich gar nicht dagegen wehren”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Satiriker und Blogger Schlecky Silberstein hat für “Funk”, das Junge-Leute-Content-Netzwerk von ARD und ZDF, eine Parodie auf die Ereignisse in Sachsen gedreht und ist dadurch ins Visier der AfD geraten. Inklusive Nachstellungen und Morddrohungen. “DWDL” hat mit ihm über Filterblasen, Angst und Kunstfreiheit gesprochen.
Weitere Lesehinweise: Auf seiner eigenen Seite hat Silberstein über die Ereignisse geschrieben: Ein Hauch von ’33 — und plötzlich stehen sie vor deiner Tür.
Und auch “Spiegel Online” hat mit ihm gesprochen.

3. Ganz neue Töne
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Auch das öffentlich-rechtliche Radio will vom Podcast-Boom profitieren und produziert Dokuserien, die sowohl klassisch ausgestrahlt als auch über Audiotheken oder Podcast-Plattformen wie Apples iTunes und Spotify verbreitet werden. Stefan Fischer ordnet die Entwicklung ein und stellt einige neugierig machende fiktionale und non-fiktionale Produktionen vor.

4. Ken Jebsen und das Establishment
(medienblog.hypotheses.org, Michael Meyen)
Michael Meyen ist seit 2002 Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der LMU München. Unlängst hat er Ken Jebsen ein Interview auf dessen Kanal “KenFM” gegeben. Einige seiner Freunde und Kollegen hätten darauf mit Unverständnis und Kritik reagiert (“Motto: Hat er sie noch alle?”). In einer Stellungnahme erklärt Meyen seine Beweggründe und betreibt “etwas Werbung für Toleranz und guten Journalismus.

5. “STRG_F”: Journalismus auf YouTube
(message-online.com, Anna Neumann & Sebastian von Hacht)
Um jüngere Zuschauer zu gewinnen, setzen ARD und ZDF auf spezielle Youtube-kompatible Angebote, die sie unter dem Netzwerklabel “Funk” bündeln. Eines dieser Angebote nennt sich “Strg-F” und beschäftigt sich mit Themen, die vor allem 20- bis 29-Jährige politisch und gesellschaftlich berühren. Das Journalismus-Magazin “Message” fragt, ob das gut gehen kann.

6. “Das sind gezielte Angriffe”
(taz.de, Meike Laaf)
Die österreichische Extremismus- und Terrorismusforscherin Julia Ebner arbeitet derzeit am Londoner Institute for Strategic Dialogue. Im Interview mit der “taz” erklärt Ebner, wie Rechtsextreme Falschinformationen im Netz verbreiten und auf welche Themen sie bevorzugt setzen.

#wirsindmaaßen-Hysterie, “Time”, Privateigentum vs. Pressefreiheit

1. #wirsindmaaßen: Welche Twitter-Accounts sich vor den Verfassungsschutzchef stellen
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Große Teile der AfD und ihr Umfeld stellen sich hinter Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. netzpolitik.org hat ausgewertet, welche Twitter-Accounts hinter dem Hashtag #wirsindmaaßen stehen. Eine große Rolle spielt dabei Vera Lengsfeld, die einen bemerkenswerten Wandel von der DDR-Dissidentin zur AfD-Sympathisantin durchmachte und zunächst für die Grünen und später für die CDU im Bundestag saß.
Weiterer Lesehinweis: Im “Verfassungsblog” beschäftigt sich der Professor für Öffentliches Recht Jörn Reinhardt mit der Frage, was Maaßen aus juristischer Sicht sagen durfte und was nicht.

2. Salesforce-Gründer kauft Time-Magazine
(faz.net, Marc Benioff)
Vor fünf Jahren übernahm Amazon-Chef Jeff Bezos die “Washington Post”. Nun wird ein weiterer Internet-Milliardär zum Medienbaron: Salesforce-Gründer Marc Benioff und seine Frau Lynne kaufen sich für 190 Millionen Dollar das “Time Magazine”. Es handelt sich um eine Privatanschaffung: Der Kauf des Wochenmagazins habe nichts mit dem Unternehmen zu tun.

3. Schrott-Seiten kopieren Instagram komplett und erreichen Millionen-Reichweiten
(omr.com, Martin Gardt)
Reich werden mit Instagram, ohne selbst auf der Plattform zu sein? Das gelingt, wenn man das Selbstdarstellernetzwerk einfach spiegelt samt aller Fotos, Beschreibungen, Hashtags, Kommentare und Likes. Martin Gardt erklärt die Vorgehensweise dubioser Seiten wie “Websta”, “Pikbee”, “Webstagram” oder “Instahu”, die mittels Datenklau riesige Reichweiten erzielen und über Google Adsense jede Menge Geld verdienen.

4. “Filmteam an der Arbeit gehindert”
(taz.de, Bert Schulz)
In Berlin gibt es an zentralen Orten wie dem Potsdamer Platz mehrere Privatstraßen, die als solche nicht gleich zu erkennen sind. Das kann ein Problem für die Berichterstattung werden, denn das Platzmanagement kann dort Demonstrationen untersagen oder Drehverbote erteilen. Der Journalistenverband Berlin-Brandenburg hat nun einen Brief an den Regierenden Bürgermeister geschrieben: Der Regierungschef möge sicherstellen, dass Pressefreiheit Vorrang hat vor Privateigentum.

5. Whatsapp und Youtube – schnell die rechte Szene erreichen
(deutschlandfunk.de, Jan Rähm)
Die extrem rechte Szene in Deutschland ist gut vernetzt und äußerst effektiv, wenn es um die Mobilisierung geht, wie man unlängst bei den “Trauermärschen” in Chemnitz und Köthen erlebt hat. Eine wichtige Rolle dabei spielen klassischerweise die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter, doch auch Youtube und Whatsapp sind wichtige Werkzeuge.

6. Digital ist besser
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Beim ZDF haben sie sich was vorgenommen: Dort sollen 400.000 Sendebänder in Dateien umgewandelt und für die Nachwelt gesichert werden. Das Projekt “Massenumcodierung” ist immerhin zur Hälfte abgeschlossen: Gerade hat das sechsköpfige Projektteam Bergfest gefeiert, die restlichen 200.000 Bänder will man bis 2021 überspielt haben. Karoline Meta Beisel berichtet vom herausfordernden Wettlauf gegen die Zeit, der auch bei anderen Sendern stattfindet.

Facebook nachhaltig geströert, Rechter Rand, Onlineaktivismus

1. Wie der Werbegigant Ströer Millionen Facebook-Fans heimlich für Werbung benutzt — und dabei ihre Communities zerstört
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Anscheinend hat sich der Werbegigant Ströer trickreich ein ganzes Portfolio von Facebookseiten zugelegt, die er für seine Werbekunden mit Clickbait-Beiträgen überzieht. Karsten Schmehl hat ein Netzwerk von 61 Seiten identifiziert über die das Unternehmen insgesamt 20 Millionen Fans erreicht, darunter “Unnützes Wissen” (800.000 Likes), “Wir Kinder der 90er” (600.000 Likes) oder “Dinge, die eine Erzieherin nicht sagt” (130.000 Likes). Manches deute darauf hin, dass Ströer zumindest einige der Facebookseiten von Privatpersonen gekauft haben könnte und jetzt als Link-Abwurfhalde für diverse renommierte Kunden nutzt. Abgesehen davon, dass dies gegen die Facebookregeln verstoßen würde, erscheint die Vorgehensweise wenig nachhaltig: Die derart genutzten Seiten haben teilweise katastrophal schlechte Interaktionsraten. Es hagelt Beschwerden aus den jeweiligen Communities, die sich verraten und missbraucht fühlen.

2. “Das ist ganz klar eine Kampagne”
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff & Michael Borgers, Audio, 6:38 Minuten)
Im “Deutschlandfunk” hat sich Georg Restle, Redaktionsleiter des ARD-Politmagazins “Monitor”, zu der Debatte um den Begriff “Hetzjagd” geäußert. Restle hatte in einem “Tagesthemen”-Kommentar Verfassungsschutzchef Maaßen aufgefordert, Beweise für seine Statements vorzulegen, und war dafür vom AfD-Politiker Jörg Meuten als “Hofschranze Merkels”, dem “das ein oder andere Tässchen fehlen könnte”, bezeichnet worden. Restle hält den Streit um Begriffe und die Echtheit eines Videos für eine “groteske Debatte”, die vom eigentlichen Thema ablenke: Deutschland erlebe eine “Mobilisierung des rechtesten Randes der Republik”.

3. “Einstellungen ändern sich nicht durch Hashtags”
(zeit.de, Jakob von Lindern)
Nach den fremdenfeindlichen Übergriffe in Chemnitz kam es zu Gegenprotesten: 65.000 Menschen versammelten sich zu einem Konzert, Tausende versahen auf Facebook und Twitter ihre Profile und Beiträge mit dem Hashtag #wirsindmehr. Doch erreicht diese Form des Protests etwas? Die Politikwissenschaftlerin Sigrid Baringhorst spricht im Interview mit “Zeit Online” über die politische Wirkung von Onlineaktivismus und erklärt, warum die Präsenz auf der Straße so wichtig ist.

4. Zwischen Empörung und Framing — Impulse der Tutzinger Radiotage 2018
(danielfiene.com)
Derzeit finden die 14. Tutzinger Radiotage an der Akademie für Politische Bildung statt. Daniel Fiene ist vor Ort und notiert seine Gedanken und Erkenntnisse auf seinem Blog. Ein bisheriger Schwerpunkt: das wichtige Thema Framing.

5. Neue Recherche-Kooperation aus rbb/”T-Online”
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Nach dem Recherchezusammenschluss von NDR/WDR/”SZ” tut sich eine weitere Kooperation von privatwirtschaftlichem und öffentlich-rechtlichem Medium auf: Das Onlineportal “T-Online” recherchiert und publiziert nun gemeinsam mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Strategische Kooperationen von öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sind umstritten, auch wegen des Vorwurfs der Markenwerbung und Quersubventionierung.
Weiterer Lesehinweis: RBB lädt die ARD ins “Waldorf Astoria”: “Für den Rundfunk Berlin-Brandenburg ist es eine Art Sparmodell: die ARD-Hauptversammlung im Fünf-Sterne-Hotel” (tagesspiegel.de, Joachim Huber).

6. Anja Reschkes Tipp für mehr Selbstvertrauen: „Denk an den Chef, der die größte Pfeife ist. So gut kriegst du das auch hin“
(editionf.com, Celia Parbey)
“Edition F” hat am Rande des in Berlin stattfindenden “Female Future Force Day” mit der Journalistin Anja Reschke (“Panorama”, “Zapp”) gesprochen. Dabei geht es um die Fragen, wie man mit Hass im Netz umgeht, was geschehen muss, damit mehr Frauen es in Führungspositionen im Journalismus schaffen, und wie es um die Zukunft des investigativen Journalismus steht.

Besinnungslos durchformatiert, Götz-en-Anbetung, Analoger Clickbait

1. Eine Show, die nur Action will
(zeit.de, Matthias Dell)
Matthias Dell hat sich die Sendung “Dunja Hayali” im ZDF zu den rassistischen Aufwallungen in Chemnitz angeschaut. Dell kritisiert die “bis zur Besinnungslosigkeit durchformatierte” Sendung mit den Worten: “Das Traurige an der Dunja-Hayali-Sendung ist, dass mehr Energie und Originalität in die Frage fließt, wie man in Einspielfilmen Namen von Protagonisten geil einblenden kann (mit Sendungslogo, schicken Linien und zeitweisen Unschärfen), als in jede inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema, um das es geht.”

2. Zu Besuch bei Götz Kubitschek
(twitter.com/agitpopblog)
Seit Jahren besuchen Journalisten den Protagonisten und Publizisten der Neuen Rechten Götz Kubitschek auf dessen Rittergut im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Das Ergebnis dieser Besuche sind oft verklärt-verquaste und romantisierende Homestories. Der Twitterer “Baron von Agitpop” hat einige Beispiele der letzten Zeit zusammengestellt und wendet sich mit einer Forderung an die Journalisten: “Wenn es schon das 20. Kubitschek-Profil sein muss (WENN), dann kommt der Selbstdarsteller woanders hin. Ihr fahrt *nicht* nach Schnellroda, wo er die Deutungshoheit über sein Image hat.”

3. Fußballjournalismus: Die Kunst des Kommentars
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath)
Fußball-Reporter und -Reporterinnen stehen besonders im Fokus von Kritik. Das war schon immer so, doch neue Medien wie Facebook und Twitter verschärfen das Phänomen bis zu gelegentlichen Shitstorms. Ist die Kritik an den Sport-Kommentatoren gerechtfertigt? An der TU München wurde die “Qualität der Live-Kommentierung bei der EURO 2016” untersucht. Der für diesen Bereich verantwortliche Leiter der Sportfakultät fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

4. Jeder Dritte rechnet mit „Fake News“
(faz.net)
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat sich in 27 Ländern nach dem Vertrauen der Menschen in Medien umgehört. Fast jeder dritte Deutsche sei der Überzeugung, häufig oder regelmäßig auf bewusste Falschmeldungen zu stoßen. Damit geht es Deutschland im Vergleich relativ gut: In allen anderen untersuchten Ländern war das Vertrauen in Medien geringer.

5. Späte Revolution beim “Spiegel”
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Der “Spiegel” gehört zu etwa einem Viertel Gruner+Jahr, zu einem Viertel den Augstein-Erben und zur Hälfte der Mitarbeiter-KG, was auf eine Schenkung des Magazingründers Rudolf Augstein zurückgeht. Bislang herrschte jedoch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Haus, denn Mitarbeiter von “Spiegel Online” konnten nicht Teilhaber der KG werden. Nun gibt es Bestrebungen, dies sukzessive zu ändern.

6. Daher kommt der Clickbait
(facebook.com/Walulis, Video: 9:47 )
Medien-Satiriker Walulis beschäftigt sich in seiner neuesten “Walulyse” mit den Erfindern des analogen Clickbaits: den Klatschzeitschriften der Regenbogenpresse. Ihm zur Seite: Yellow-Press-Experte Mats Schönauer vom “Topf voll Gold”, der erklärt, wie hemmungs- und gewissenlos die Branche schwindelt, täuscht und trickst.

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