Archiv für Fuldaer Zeitung

Zukunst

Für die folgende Lektüre empfiehlt sich die Titelmusik von “Akte X” als Soundtrack.

Es ist ein ungewöhnlicher Ort für Prophezeiungen, die denen des Nostradamus gleichen. Und doch: Beim letztjährigen Wettbewerb “Jugend creativ” der Volksbanken und Raiffeisenbanken hat die damals 16-jährige Monja aus Hünfeld ein “nahezu hellseherisches” Bild gemalt, auf dem sie die Katastrophen in Japan vorausgesehen hat!

So berichtet zumindest die “Fuldaer Zeitung”:

"Da saß der Schock erstmal tief" Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Atomkrise - das sind die modernen Geißeln der Menschheit. In nahezu hellseherischer Fähigkeit hat die 17-jährige Monja die aktuellen Katastrophen der Welt bereits vor einem Jahr auf einem Bild vorausgesehen

Und natürlich sprang auch “Bild”, das Fachjournal für alles Mysteriöse, sofort auf den Zug auf:

Unheimlich Schülerin (17) malte Japan-Unglück vor einem Jahr! Auf dem Bild zu sehen: Die Tsunami-Welle trifft ein Atomkraftwerk (oben rechts)

Ganz Clevere könnten die Mystery-Stimmung jetzt natürlich mit kritischen Fragen kaputtmachen: Warum sind denn da Eisbären? Ist damit das frühe Ableben von Knut gemeint? Was sollen die toten Bäume und der Tornado? Was hat der Sturm links oben im Bild mit Japan zu tun? Und warum sehen die Menschen so gar nicht japanisch aus?

Die Antwort auf diese Fragen hat einen so geringen Mystery-Faktor, dass Sie den Soundtrack jetzt besser stoppen: Der Titel des Wettbewerbs lautete nämlich “Mach dir ein Bild vom Klima” und genau das ist der Grund, warum auch die anderen Bilder im Wettbewerb ziemlich apokalyptisch wirken.

Bei der “Fuldaer Zeitung” ist das eigentlich bekannt:

[Monja G.] habe damals versucht, für den Wettbewerb mit dem Thema “Klima” möglichst viele entsprechende Probleme in der Illustration unterzubringen. Sie habe sich damals an die Tsunami-Wellen von 2004 erinnert, und von der Tschernobyl-Katastrophe hat sie viel gehört (…)

Dennoch schreibt die Autorin nur einen Absatz später, als hätte es das Rahmenthema des Wettbewerbs nie gegeben und als wäre Monja gerade einmal sieben Jahre alt gewesen als sie das Bild anfertigte:

Monjas Bild ist erschreckend, beklemmend (…). Keine hübsche Blumenwiese, keine freundliche Sonne am hellblauen Himmel, die die Erde in einen paradiesischen Zustand taucht, keine friedliche Naturwelt waren dargestellt, wie so oft der Fall in dieser Altersklasse. Statt dessen: beängstigende Wirklichkeit.

Immerhin dient die ganze künstliche Aufregung einem guten Zweck:

Damit Monja ihr Werk behalten kann, will die VR-Bank Faksimiles in A3-Größe, also Nachdrucke, erstellen. Diese sollen für eine Spende ab zehn Euro abgegeben werden.

Die Spendenbereitschaft würde vermutlich deutlich ansteigen, wenn sich Monja in Zukunft auf Lottozahlen spezialisiert und dabei am besten nicht immer alle 49 dafür in Frage kommenden Zahlen malt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.