Archiv für 6 vor 9

Schleichwerbeverbote, Pressefotografie

1. “Das Internet ist das wichtigste Medium der Schweizer”

(ayr.ch, pdf, 178 kb)

1500 Personen zwischen 14 bis 69 in der Deutsch- und Westschweiz wurden von der Werbeagentur Advico Young & Rubicam für die Studie “Media Use Index 2009” befragt. Ergebnisse: Das wichtigste Medium ist das Internet (54.8%) vor den Tageszeitungen (35.5%), TV (33.8%), Radio (33.5%) und Mobiltelefon (32.5%). Die wichtigsten Medienmarken der 14-27jährigen: Facebook (Social Media, 49.5%), 20 Minuten (Gratiszeitung, 42.2%), Pro7 (TV-Sender, 35.8%), SF2 (TV-Sender, 33.8%), msn (Chat, 29.0%), YouTube (Videoportal, 29%), SF1 (TV-Sender, 27.9%).

2. “Geplante Lockerung des Schleichwerbeverbots in der Kritik”

(epd.de)

“Mehrere Medienverbände und Verbraucherschützer kritisieren die Absicht der Bundesländer, bezahlte Produktplatzierungen in Fernsehsendungen teilweise zuzulassen. Durch die Legalisierung des sogenannten Product-Placements verlören alle Medien, nicht nur das Fernsehen, ‘da ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt wird’, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dietmar Wolff, am 3. April in Berlin.”

3. “Pressefotografie: Inszenierte Wahrheiten”

(gazette.de, pdf, 513kb)

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, vor allem mehr Unwahres: Was es zeigt, ist keine angetroffene, sondern eine vom Fotografen arrangierte Wirklichkeit. Gelegentlich gibt er das Konstruierte zu erkennen, in andern Fällen muss der Betrachter die verdeckte Absicht selbst entdecken.”

4. “US-Medien dürfen wieder Särge von US-Soldaten zeigen”

(diepresse.com)

“Ohne viel Aufhebens ist in den USA ein seit 18 Jahren bestehendes Verbot aufgehoben worden: Erstmals dürfen Medien wieder in Bildern von der Heimkehr getöteter Soldaten aus dem Ausland berichten.”

5. Interview mit Martin Blumenau

(chilli.cc, Markus Peyerl)

“Ich stelle nur fest, dass dieses ‘Irgendwas mit Medien’-Gefühl momentan immer stärker verbreitet. Vor allem in der Gruppe derer, die dubios irgendetwas vor sich hin studieren oder vielleicht den FH-Kurs ‘Journalismus’ machen, verdichten sich diese Unklarheiten gerade zunehmend.”

6. “Consider the erotic potential between blogger and commenters”

(nytimes.com, Jan Hoffman)

Eine Rechtsprofessorin und ein Gartendesigner heiraten. Kennengelernt haben sie sich in ihrem Blog.

6 zur re:publica'09: Frauen, Freaks oder Geeks

1. “taz-Text-Korrektur”

(mevme.com/lizblog, Lisa Rank)

Lisa Rank schreibt als freie Journalistin einen Text zur re:publica’09 für die taz. Doch dieser wird vom Chef vom Dienst so umgeschrieben, dass er nicht mehr im Sinne der Journalistin ist. In den Kommentaren zur gebloggten Korrektur reagiert der betreffende CvD, Sebastian Heiser (Kommentar 18): “Es war nicht meine Absicht, Lisa dort eine Meinung reinzuschreiben, die nicht ihre ist. Ich habe mich daher bei ihr bereits entschuldigt.”

2. “Kritik an der re:publica ’09”

(praegnanz.de/weblog, Gerrit van Aaken)

“Meines Erachtens braucht die re:publica im nächsten Jahr ein neues Konzept, intensiveres Briefing der Vortragenden und eine gehörige Komplexitätsreduktion. Weniger parallele Veranstaltungen, mehr Fokus auf die Zukunft und bitte nicht immer die gleichen Nasen auf der Bühne. Bitte kein Status Quo mehr, auch das gehört zum Shift!”

3. “dieses diffuse, pauschale rumnörgeln nervt”

(wirres.net, Felix Schwenzel)

“ein klassiker unter bloggern ist ja, den journalisten (zu recht) mangelnde recherche, oberflächlichkeit oder die falschen themen vorzuwerfen. selbst zu telefonieren, selbst nachzufragen oder selbst recherchieren, dazu hat aber auch keiner bock. blogger weisen dann gerne darauf hin, dass man ohne presseausweis ja eh nix machen könne als von anderen seiten zu zitieren. was natürlich quark ist wer o-töne haben, mit politikern reden, auf einen parteitag oder in den bundestag will, bekommt das auch so hin — wenn er will.”

4. “Wenn Frauen bloggen”

(zwilobit.de, Jette)

“Es gibt Ausnahmen, aber Frauen schreiben vor allem über ihren Freundeskreis und Liebeleien, darüber, wie sie ihre kleine oder große Familie wuppen und wie anstrengend und frustrierend das bisweilen ist, wenn Männer mit Vorliebe alte Klischees bedienen.”

5. “Internetkonferenz ohne Internet”

(konniwinkler.de)

“So ganz sicher bin ich mir allerdings nach diesen Tagen nicht, ob ich wirklich Ahnung vom Internet habe. Diese Konferenz hat mich etwas durcheinander gebracht. Bisher dachte ich, überdurchschnittlich viel Internet zu konsumieren und zu wissen, was ich da mache. Aber da sind Leute vor Ort gewesen, die echte Ahnung hatten. Andere wiederrum waren einfach nur Freaks oder Geeks.”

6. “Cory Doctorow: How to survive the Web without embracing it “

(make.tv/republica2009, Video, 48:06 Minuten)

Wer die hörenswerte Rede von Cory Doctorow verpasst hat oder wem er passagenweise doch etwas zu schnell redete, kann es ja nochmals versuchen. Andere Videobeiträge von der re:publica’09 gibt’s unter make.tv/republica2009, zum Beispiel die Vorträge von Lawrence Lessig, Peter Glaser oder Jimbo Wales.

Bildblog, Buchholz, Public Press

1. Interview mit Christoph Schultheis

(zeit.de, Sven Stockrahm)

Das Bildblog beschäftigt sich ab heute nicht mehr ausschliesslich mit der Bild-Zeitung, sondern nimmt sich neu auch anderer Medien an. Der abtretende Hauptblogger, Christoph Schultheis, spricht über seine viereinhalb Jahre bei Bildblog: “Ein Bild-Opfer hat mir beispielsweise mal glaubwürdig berichtet, es sei nach einem gewissenlosen Artikel in dem Blatt von Passanten auf der Straße angespuckt worden. Das wünsche ich niemandem.”

2. Interview mit Patrik Müller

(persoenlich.com, Matthias Ackeret)

Patrik Müller wurde mit 31 Jahren Chefredakteur des Sonntag, einer neuen Schweizer Sonntagszeitung aus der Vorstadt, die sich wider Erwarten anderer Journalisten einen Platz erkämpfen konnte. Mutige Personalentscheide bleiben aber die Ausnahme: “Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten.”

3. “Hoffentlich geht die Krise weiter”

(kress.de, Christian Meier)

Karl-Heinz Ruch, Geschäftsführer der taz, kommt die aktuelle Wirtschaftslage offenbar entgegen: “Man muss fast zynisch sagen: Hoffentlich geht die Krise weiter”. Dennoch sieht man sich als bürgerliche Zeitung: “Wir sind Teil einer bürgerlichen Gesellschaft, sind eine bürgerliche Zeitung. Aber das wissen nicht alle.“

4. Interview mit Bernd Buchholz

(sueddeutsche.de, Christopher Keil)

Der Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, glaubt, dass sich einige Verlage “mit dem Schlucken unreifer Früchte den Magen verdorben” haben und meint damit die Internetstrategie. Auf die Frage, ob er Chef eines sterbenden Mediums geworden sei, sagt er: “So ein Quatsch.”

5. “Amerikanische Initiative will dem Tod der Tageszeitung trotzen”

(nzz.ch, Andrea Köhler)

Die NZZ stellt das Projekt The Public Press vor, das sich aus “Redaktoren, Reporter und Fotografen, die in der Zeitungskrise ihren Job verloren haben”, rekrutiert: “Die Nachrichtenredaktorin ist die einzige Festangestellte mit einem Gehalt, alle anderen arbeiten ohne Bezahlung. Neun feste Schreiber und drei Fotografen stellen den Kern; der Rest wird von Freien zugeliefert.”

6. “Ratloser Verlegerverbandspräsident”

(medienspiegel.ch, Video, 5 Minuten)

“Schon fast etwas gemein, wie Stephen Colbert hier den Vorsitzenden der Newspaper Association of America vorführt”.

6 zur re:publica'09: Leerlauf, Internetgemüse, Babykotze

1. “Die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege”

(mevme.com/lizblog)

“Ich frage mich, für wen diese Veranstaltung eigentlich gemacht ist? Zum einen tummelt sich die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege in einem Kreis und schmiert sich entspannt Smalltalk auf die Tastatur, zum anderen werden in Panels und Diskussionsrunden Dinge erklärt, von denen ich dachte, die seien Grundvoraussetzungen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen.”

2. “nett, aber ein bisschen zu wenig”

(misscaro.blogspot.com)

“bei der re:publica soll es um netzkultur gehen, nicht um weltprobleme, und deshalb ist das babykotze-panel auch genau richtig und wichtig. wo, wenn nicht hier? was aber nicht gut ist, ist der inhalt der panels. das ist alles so verdammt basic. und dann auch noch größtenteils verdammt schlecht vorgetragen. und immer noch so ohne jeden diskurs, jeden streit, jedes disagreement, so vollkommen ohne eier.”

3. “Linkschleudern im Leerlauf”

(maerkischeallgemeine.de, Jörg Giese)

“Ausgerechnet auf einem Treffen von und für Blogger, deren Selbstverständnis verlangt, in Online-Tagebüchern permanent über ihren Alltag zu kommunizieren, war das Web weg, leuchteten die schicken Laptops funktionslos im Saal. Zum Trost fotografierte man sich gegenseitig mit dem I-Phone.”

4. “Referenten elektronisch angeranzt”

(morgenpost.de, Dirk Nolde)

“Im Friedrichstadtpalast projiziert ein Beamer Twitter-Kommentare und SMS-Beiträge auf die Leinwand. Alles flimmert sofort, in bunte Grafik-Blasen eingesetzt, im Raum – im Rücken derer, die auf der Bühne stehen. Was das Publikum teils diebisch freut. Bei der Diskussionsrunde ‘Die Medienwelt im Wandel’ beschwerte sich Helmut Lehnert, Leiter des Programmbereichs Film und Unterhaltung beim RBB, dass die Kommentare hinter ihm erscheinen, wo er sie gar nicht sehen kann. Reaktion auf der Twitterwall: ‘Heul doch.'”

5. “Internet wird weltweit zensiert”

(taz.de, Ben Schwan)

“Auf der Web-Konferenz re:publica in Berlin stellte der US-Think Tank ‘Freedom House’ eine Untersuchung zur Online-Freiheit vor. Das Ergebnis: Das Netz ist fast überall zensiert.” (Studie als pdf-file auf freedomhouse.org)

6. “Erst ein Erfahrungsbericht – dann ein Aufruf zur Rettung der Welt”

(maeandertal.de/blog)

“Es wird verflucht noch mal Zeit, dass die Akteure des Web 2.0, die Social Networker, Twitterer und vor allem die Blogger, von sich ablassen, die selbstbeschworene Macht ausüben und ihren Fokus auf die Probleme unserer Zeit richten! Vom Pathos hingerissen, möchte ich sagen: Nehmt die Zügel in die Hand, macht Stimmung im Land, reißt die Grenzen ein und zeigt der Politik wo der Hase läuft.”

Basteln, verlautbaren, rausschneiden

1. “Der Preis der Freiheit”

(freitag.de, Lotta Suter)

“Viele traditionsreiche US-Zeitungen verlagern ihre Berichterstattung aufs Netz. Doch die E-Medien brauchen den ‘alten Journalismus’ – droht das Ende der Pressefreiheit?”

2. “Wie man sich eine Journalismus-Studie bastelt”

(journalistiklehrbuch.wordpress.com, Klaus Meier)

Klaus Meier, Professor für Journalistik an der Hochschule Darmstadt, hält nicht viel von der Studie “Journalismus 2009” des Marktforschungsinstituts YouGovPsychonomics (Pressemitteilung auf psychonomics.de). Eine Bastelanleitung mit 7 Tipps.

3. “FAZ enteignet den Papst”

(perlentaucher.de, Anja Seeliger)

“Zeitungen spielen sich gerne als Hüter des Urheberrechts auf, das vom Internet ausgehöhlt werde. Die eigentliche Enteignung der Urheber findet aber in Zeitungen statt.”

4. “Es steht schlecht um den ORF”

(diepresse.com, Reinhard Christl)

“Der ORF ist das einzige öffentlich-rechtliche Medienunternehmen der Welt, das offiziell davon ausgeht, weiterhin 40 Prozent Marktanteil halten zu können. Internationalen Vergleichen zufolge wären in zehn Jahren dreißig Prozent durchaus ein Erfolg.”

5. Gelehrter Verlautbarungsjournalismus in Russland

(dradio.de, Stefan Koldehoff und Robert Baag)

“Und diese Geisteshaltung, Journalisten zu behandeln wie – im sowjetischen Jargon würde man sagen – Transmissionsriemen, das heißt, es wird etwas verlautbart und Journalisten haben es gefälligst weiterzugeben, vor allen Dingen aber nicht negativ zu sein, das ist mittlerweile auch eine Haltung, die auch an Journalistenschulen durchaus so weitergegeben wird und zum Berufsverständnis gehört.”

6. “‘Schmidt & Pocher’: Seitenhieb auf Herres rausgeschnitten”

(dwdl.de, Thomas Lückerath)

“Das hervorragende Finale von ‘Schmidt & Pocher’ dürfte auch dem Programmdirektor des Ersten gefallen haben. Da die Aufzeichnung etwas zu lang geraten war, musste gekürzt werden, wobei zufällig kritische Worte Oliver Pochers über Volker Herres herausgeschnitten wurden.”

6 zur re:publica'09: Klowände, Augenringe, Hosenträger

1. “Sind Blogs die ‘Klowände des Internets’?”

(welt.de, Michael Miersch)

Alan Posener, Henryk M. Broder, Juliette Guttmann, Frank Schäffler und Thierry Chervel äussern sich über dieses neue Internet. Chervel: “Ich habe im Jahr 2000 bei der ‘Süddeutschen’ gekündigt, wo man mich angeguckt hat wie ein Auto, weil sich die SZ für die beste Zeitung der Welt hält und man den Redakteursstatus als Adelsprädikat begreift.”

2. “01. april 2009”

(wirres.net, Felix Schwenzel)

Der erste April mit Felix Schwenzel an der re:publica: “robert basic grüsst mich und fängt an mit mir zu reden. ich verstehe jedes wort. er ist wirklich nett. allerdings finde ich heraus, dass er gar keine getönte brille trägt, sondern seine dunklen augenringe schatten aufs brillenglas werfen. kosmars neue brille ist dagegegen getönt. ”

3. “Twitter ist nicht genug”

(netzeitung.de, Maik Söhler)

“Im Internet kann derzeit man kaum noch eine Webseite aufrufen, ohne dass einem von dort sofort allerlei Sätze übers Twittern entgegenpurzeln. Twitterer sind überall, schreiben über alles, posten Fotos und Videos, ‘followen’ diesem und jenem und fassungslose Medien verstehen immer noch nicht, um was es dabei überhaupt geht. Aber auch sie twittern nun.”

4. “Shift happens: Nur wo?”

(carta.info, Matthias Schwenk)

“Ein Vergleich zeigt, dass allein die Harvard University unter ihren Dozenten der Business School aktuell 39 Blogs auflisten kann, während das Berkman Center der Harvard Law School auf 48 Blogs kommt. Darf man da fragen, warum in den USA bald schon jeder namhafte Professor ein Blog führt, während sich bei uns die führenden wissenschaftlichen Köpfe immer noch vornehm zurückhalten?”

5. “Die alte Garde”

(dondahlmann.de)

“Jakob Augstein, Inhaber und Verleger der ‘Freitag’ zum Beispiel, der heute auf dem Panel zum Thema ‘Medien im Wandel’ etwas schlecht gelaunt rum saß, war ein schönes Beispiel. Er stellte klar, dass es, zumindest im Moment, keine Alternative zum Print gibt. Nicht, weil die Angebote im Netz schlecht wären, sondern weil für große Teile der Politik und der Fakten-schaffenden Elite (Lobbys, Pressesprecher, Spin-Doktoren etc.) das Netz einfach nicht existent ist.”

6. “helden in hosenträgern”

(flannelapparel.blogspot.com)

“Warum die mutigen Medien, die in ihrem Biotop kein Blatt vor den Mund nehmen und immer wissen, was morgen schon wieder von gestern ist, nicht den Mut besitzen, am Tag der Eröffnung zarte Pflänzchen vor das Publikum zu lassen, Gesichter, die noch kaum jemand kennt, die etwas sagen, dass noch nicht von Blogs und anderen Medien zerkaut wurde, und die mehr Grips als Eitelkeit besitzen, fragt sich vermutlich das bunt gemischte Publikum.”

Einpeitscher, Mehdorn, Nutzungsrechte

1. “Medien = Einpeitscher!”

(martina-kausch.de)

Martina Kausch macht ein paar Screenshots aus Newsportalen, die über den aktuellen G20-Gipfel in London berichten. “Ich habe mir erlaubt, einmal die Fotografen optisch hervorzuheben. Und wenn Ihr Euch die weiteren Bilder anseht, werdet Ihr schnell feststellen, dass mehr Fotografen am Schauplatz des Geschehens waren als Demonstranten oder Polizisten.”

2. “Überwachungssystem Bahn: Kampf gegen kritische Journalisten”

(ndr.de, Video, 8:20 Minuten)

Der zurückgetretene Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zeigte den Medien lieber Zugreisende massierende Betreuer der Bahn als masslos überfüllte Züge. Mit angebrachter Kritik konnte er kaum umgehen und reagierte darauf mit Schimpftiraden per Fax und Telefon sowie mit Anzeigenboykotten.

3. “ZEIT MAGAZIN: über Luxusuhren schreiben und gleichzeitig für sie werben”

(spiegelblog.net, T. Engelbrecht)

Das Zeit Magazin Leben, eben bei den Lead Awards 2009 zum Leadmagazin des Jahres gewählt, schreibt erst im redaktionellen Teil über achteinhalb Seiten werbewirksam über Luxusuhren – und druckt dann auf der Rückseite ihres Magazins eine ganzseitige Anzeige der Luxusuhrenmarke Breitling ab.

4. “Zitieren Sie nicht die FAZ!”

(perlentaucher.de/blog, Anja Seeliger)

Die Frankfurter Allgemeine schreibt einen Brief an den Perlentaucher und fordert Nutzungsrechte in der Höhe von 590 Euro. Darauf meldet sich der Autor des Artikels, Thomas Hürlimann: “Ich meine, dass das Copyright immer noch bei mir ist. Deshalb können Sie das Zitat gern wieder aufnehmen.”

5. “Zwei sind weniger als eins”

(blog.persoenlich.com, Roger Schawinski)

Roger Schawinski äussert sich zur neuen Tages-Anzeiger-Chefredaktion: “Man greift auf zwei hauseigene Leute zurück, die man viel zu lange in der Warteschlaufe schmoren liess. Alles wirkt so, als ob man eine bessere Lösung gesucht hat und dabei gescheitert ist.”

6. “Endlich verstehen: Wer wird Millionär?”

(christophkoch.wordpress.com)

Über die Sendung “Wer wird Millionär”: “Doch welchen Joker wann einsetzen? In Russland gilt: Nie das Publikum fragen! Denn hier hat sich die Tradition eingebürgert, dass das Publikum absichtlich falsche Antworten gibt, um dem Kandidaten zu schaden.”

Gewalt, Tages-Anzeiger, Web-Wörter

1. “Brüssel soll die Presse retten”

(faz.net, Hajo Friedrich)

“Der Europäische Verband der Journalistenverbände sieht angesichts der Medienkrise die Demokratie gefährdet. Grund genug für ihn, von der Europäische Union Hilfe zu fordern. Setzen die Medien dabei ihre Unabhängigkeit aufs Spiel?”

2. “Bündnis der Medien mit der Gewalt”

(heise.de/tp, Benjamin Laufer)

“Man kennt das von vielen Großereignissen sozialer Bewegungen: Die mediale Berichterstattung ist getrieben von Sensationslust, dramatisiert Gewalttaten und reduziert die gesamten Proteste gerne auf solche. Über die Inhalte der Protestierenden wird in verschwindend geringem Ausmaß berichtet.”

3. Interview mit Andreas Strehle und Markus Eisenhut

(tagesanzeiger.ch, Peter Wälty und Michael Marti)

Die neuen Chefs der Printausgabe des Tages-Anzeigers stellen sich den kritischen Fragen der Chefs online. Res Strehle: “Wir wollen mehr Eigenleistungen bringen. Mehr Glanzlichter setzen. Der Tages-Anzeiger kann nicht mehr eine Art Protokollführer des Zeitgeschehens sein, der über alles berichtet. Wir werden mehr gewichten, mehr Schwerpunkte setzen – und damit exklusive, aussergewöhnliche Leistungen erbringen.”

4. Berliner Kurier: Überfall auf die Redaktion

(berlinonline.de)

Die Redaktion der Boulevardzeitung Berliner Kurier wurde von mehreren Vermummten überfallen. “Ohne ein Wort zu verlieren, warfen die schwarz gekleideten Männer Tische um, zerstörten Computer und Arbeitsmaterial. Verletzte gab es nicht.” Eine Bildergalerie zeigt das Ausmass der Verwüstung.

5. “Wie bitte? Was sagen die da auf der Re:publica?”

(morgenpost.de, Sonja Haase)

Die Berliner Morgenpost erklärt zur heute beginnenden re:publica’09 “Spezialbegriffe”. Gemeint sind damit “Web-Wörter” von “Alpha Blogger” über “Posten” bis “Youtube”.

6. “Dodale Verandwordung”

(focus.de, Josef Seitz)

“Können die Zeiten hart werden, wenn der Wirtschaftsminister aus Franken kommt? Egal. ‘Beckmann’ spült eh alles weich.”

ORF, Eiltz, Spring, Gottlieb

1. “Manifest: Rettet den ORF!”

(diepresse.com)

“Österreichs unabhängige Zeitungen starten die Aktion ‘Rettet den ORF’: Denn Parteipolitik und Führungsprobleme bedrohen Existenz und Unabhängigkeit.”

2. “Macht die Glotze aus!”

(tagesspiegel.de, Mercedes Bunz und Nadine Lantzsch)

“Wenn heute keine Generation wütend an die Mattscheibe klopft und Einlass fordert, hat das einen Grund: Wir toben uns woanders aus. Über das Fernsehen ärgern wir uns nicht lang. Gut, kurz waren wir ein wenig wehmütig. Aber warum sollen wir uns übergangen und unterdrückt fühlen, wenn unser Computer die viel besseren Angebote macht?”

3. Interview mit Ernst Elitz

(fr-online.de, Daland Segler)

Der abtretende Intendant von Deutschlandradio Kultur erklärt, wie es “vollkommen wahnfrei” gelungen sei, “den Altersdurchschnitt der Hörerschaft auf 49-50 Jahre zu senken”: “Wir bringen über den Tag keine langen Sendungen, sondern fünf, sechs, sieben Minuten lange Beiträge, immer unterbrochen von Kultur- oder auch Weltnachrichten, ein relativ kurzer Rhythmus, wo man einschalten, aber auch schnell wieder rausschalten kann”.

4. Interview mit Roy Spring

(persoenlich.com)

Kommunikatons-Allrounder Roy Spring fällt ein Urteil über die aktuellen Journalisten: “Je härter die Umstände, desto mehr versuchen die Journalisten ihre schwindende Bedeutung mit dem Anschein von Wichtigkeit zu kompensieren. So werden sie zu Missionaren ihrer Ideologien — statt neugierige Beobachter zu bleiben. Kein Wunder, macht es oft keinen Spass, ihre Texte zu lesen. Viele, die ich früher bewundert habe, sind heute fantasielose Wiederkäuer ihrer alten Ansichten.”

5. Interview mit Martin Gottlieb

(spiegel.de, Stefan Simons)

Für Martin Gottlieb, leitender Redakteur der ‘International Herald Tribune’, ist die Zeitung noch nicht am Ende: “Zeitungen, heißt es, seien dem Tod geweiht wie einst Dinosaurier. Tatsächlich sind sie für Millionen Menschen noch immer die wichtigste Informationsquelle.”

6. “European Newspapers Find Creative Ways to Thrive in the Internet Age”

(nytimes.com, Eric Pfanner)

Die New York Times guckt neidisch nach Europa, das noch gar nicht richtig in der Medienkrise angekommen ist. Die Rezession habe noch nicht durchgeschlagen, weil sich europäische Zeitungen mehr auf Leser denn auf Werbung stützen würden. Positiv erwähnt: Axel Springer, Schibsted, VG Nett.

DuMont, Huffington, Bild, Pattaya

1. Interview mit Arianna Huffington

(sueddeutsche.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)

Die Herausgeberin der Huffington Post, Arianna Huffington, glaubt, dass sich Online-Abonnements nur bei Porno und bei der Finanzberatung durchsetzen werden. Den Journalisten sagt sie: “Ein Großteil der Unzufriedenheit mit dem traditionellen Journalismus rührt daher, dass die meisten Journalisten anscheinend vergessen haben, dass ihre erste Pflicht darin besteht, der Wahrheit nachzuspüren – egal, welche Konsequenzen ihnen blühen.”

2. “Klick auf den tiefgefrorenen Fuchs”

(fr-online.de, Daniel Bouhs)

Bild und sein Onlineangebot bild.de setzen konsequent auf Inhalte aus den Regionen, sei es von lokalen Ablegern der Zeitung oder von Leserreportern. Refinanziert werden diese teilweise mit Gebührengeldern, dann nämlich wenn die Boulevardmagazine der Öffentlich-Rechtlichen solche einkaufen.

3. “DuMont – Alles auf Print”

(zeit.de, Christian Meier)

“Die Kölner Mediengruppe DuMont steigt nach Zukäufen in Frankfurt am Main und Berlin zum drittgrößten Zeitungsverlag in Deutschland auf.”

4. “Bei den Rohstoffrebellen”

(medien-monitor.com, Katharina Kruppa)

Klaus Werner-Lobo gibt sich für eine Recherche im Kongo aus als Rohstoffhändler Robert Mbaye Leman und “verspricht, er könne das Tantal zu einem besonders günstigen Preis besorgen. Er bekommt sofort Rückmeldungen – unter anderem auch von der Bayer AG.”

5. Interview mit Geert Lovink

(futurezone.orf.at, Patrick Dax)

Geert Lovink über Bezahlen im Internet: “Ich würde eine technische Lösung bevorzugen, bei der man über Mikrobezahlungen im Hintergrund einfach für das bezahlt, was man sich ansieht.”

6. “Tod im Paradies”

(spiegel.de, Alexander Osang)

“Tausende deutsche Pensionäre leben im thailändischen Pattaya. In dem Hotel ‘Villa Germania‘ verwirklichen sie ihren Traum von Freiheit, mit Alkohol und Frauen. Es ist ein Leben unter der Zeitglocke: Ihr Kanzler heißt Helmut Schmidt, ihr Kapitän Franz Beckenbauer.”

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