Archiv für 6 vor 9

Mittäterschaft, Fotomanipulation, Kreuzberg

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Journalismus – worum ging es dabei doch gleich?”
(novo-argumente.com, Andrew Calcutt)
Andrew Calcutt fragt, was Journalismus bisher war und zu was er sich entwickelt: “Je mehr sich Publikationen an den Stil sozialer Netzwerke anpassen, desto mehr scheint es, als ob Leser und Protagonisten austauschbar werden oder gar zu ein und derselben Person verschmelzen, fast so, als könne sich jeder in die Geschichte hineinschreiben.”

2. “Kampfplatz Kreuzberg”
(jetzt.sueddeutsche.de, Thorsten Schmitz)
Thorsten Schmitz beschäftigt sich mit dem vorläufigen Aus einer “Langzeit-Beobachtung” von Thilo Sarrazin: “Die Frage bleibt, wie ein Zehn-Minuten-Beitrag das Ende bedeuten kann für eine 45-minütige Dokumentation, die einen Sarrazin gezeigt hätte, wie ihn kaum einer kennt.” Siehe dazu auch ein Interview mit der Macherin des Films, Güner Balci (zdf.de, Video, 9:49 Minuten, 18. Juli).

3. “Unsinn Mittäterschaft”
(taz.de, Albrecht von Lucke)
Albrecht von Lucke hält eine Mittäterschaft von Publizisten an den Anschlägen in Norwegen für Unsinn: “Ende der 70er Jahre, im ‘Deutschen Herbst’, wurden jene ganz schnell zu Sympathisanten der RAF erklärt, wer lediglich auf Demonstrationen mitgingen – und die Theoretiker der Kritischen Theorie, ja selbst ein Literaturnobelpreisträger wie Heinrich Böll umgehend zu ‘geistigen Brandstiftern’ deklariert. Auch hier hieß es stets: So was kommt von so was.” Siehe dazu die Kommentare von Robert Misik und von Ines Kappert.

4. “Ein Täter ist nicht genug!”
(welt.de, Hamed Abdel-Samad)
Zur gleichen Diskussion schreibt Hamed Abdel-Samad: “Der Schriftsteller kann nicht beim Verfassen eines Textes immer berücksichtigen, wen seine Argumente kränken und wen sie eventuell auf dumme Gedanken bringen könnten.”

5. “Norwegen-Massaker: Wo deutsche Medien ihre Grenzen sehen”
(wuv.de, ps/jok)
“Werben & Verkaufen” fragt nach, wo in den deutschen Redaktionen “die ethischen Grenzen der Berichterstattung sind – das wird doch recht unterschiedlich beantwortet.” Und der “journalist” fragt fünf Journalisten: “Welches Thema hat Sie zuletzt in einen Gewissenskonflikt gestürzt? Wie haben Sie sich entschieden?”

6. “Photo Tampering throughout History”
(fourandsix.com, englisch)
Manipulation von Fotos von 1860 bis heute.

Mädchen, Winkelruten, @ladybigmac

6 vor 9

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1. “Mädchen 16/11”
(textandcrime.de, tc)
Text and Crime liest eine Ausgabe der Zeitschrift “Mädchen”: “In dieser Zeitschrift ist auf jeder Seite, in jedem Absatz, in jeder Bildunterschrift Werbung. Überall, wirklich ÜBERALL werden Produkte, Preise und Bezugsquellen angebpriesen.”

2. “Der Terror in Norwegens Medien”
(taz.de, Reinhard Wolff)
Wie die Medien in Norwegen mit den Anschlägen vom letzten Freitag umgehen: “Falls man bei der Berichterstattung über das Doppelattentat von einem Gewinner sprechen kann, so geht dieser Titel eindeutig an den öffentlich-rechtlichen Sender NRK. Der stellte aus dem Stand eine fast durchgängige zweieinhalbtägige Dauersendung auf die Beine, die nicht etwa immer wieder die gleichen Videoclips wiederholte, sondern ständig neue Gesprächspartner und Blickwinkel fand.”

3. “Eine Falle namens Thilo Sarrazin”
(faz.net, Frank Schirrmacher)
Frank Schirrmacher erzählt eine Geschichte über angeblich gestohlene Bänder in einer Produktionsfirma des rbb, die in einem Entzug des Auftrags an Journalistin Güner Balci gipfelt, einen Film zum Jahrestag des Buchs “Deutschland schafft sich ab” zu drehen: “Diese Gesellschaft ist nicht in der Lage, ein irreleitendes Buch zu diskutieren. Und Sarrazin hat es geschafft, dass die Institutionen, die sich mit ihm befassen, allesamt in den Zustand der Notlüge geraten.” Der rbb “weist Vorwürfe der FAZ zurück”: “Dieses Projekt hat der rbb aus rein journalistischen Gründen beendet, politische oder gar persönliche Motive spielten dabei keine Rolle.”

4. “BILD-Reporter auf der perfiden Jagd nach Kinderschändern”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Wie “Bild” rechtmäßig entlassene Straftäter von Stadt zu Stadt verfolgt. Ebenfalls lesenswert: @tagesschau twittert: “Europa League: Mainz verliert gegen Gaz Metan”. Tatsächlich ging das Spiel unentschieden aus.

5. “ZDF entgeistert mit Wünschelruten-Fernsehen”
(welt.de, David Harnasch, Video, 6:17 Minuten)
Winkelruten im ZDF-Mittagsmagazin und Homöopathie gegen Malaria auf tagesschau.de.

6. “Twitter Pundits”
(thedailyshow.com, Video, 2:59 Minuten, englisch)
Jon Stewart fragt sich, was er mit Meinungs-Tweets von Usern wie @ladybigmac, @krispibacon oder @dogfart anfangen soll, die TV-Stationen für ihn auswählen.

Lomografie, Journalistenpreise, SPD

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1. “Stoppt die Breivik-Soap!”
(zeit.de, Michael Schlieben)
Deutsche Medien machen den Norwegen-Attentäter zur Ikone, wenn sie jedes Detail seines Lebens ausbreiten, glaubt Michael Schlieben. “Man fühlt sich wie in einer Diashow mit Endlosschleife, die dem Mann eine Präsenz verschafft, wie er sie sich größer nicht wünschen konnte. Hinzu kommen Psychologisierungen, in denen von der Steuererklärung bis hin zum Musikgeschmack nichts undurchforstet bleibt.”

2. “Ein steiniger Weg”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig thematisiert den Umgang mit dem “Manifest” des Täters. “Wie weit und ob das Buch überhaupt rezipiert werden soll, ist jetzt umstritten. Vorsorglich wird es als wirr oder wahnsinnig eingeschätzt – was dann wohl die genaue Lektüre entbehrlich machen soll. Allenfalls die schnelle Suche nach entsprechenden Schlagworten wie ‘Broder’ (12 x) oder ‘Wilders’ (29 x) wird vorgenommen, um ersatzweise Journal­ismus zu simulieren. Wobei die Suche bei ‘Adorno’ (26 x) oder ‘Orwell’ (12 x; mehr­fach verwendet der Autor Orwell-Zitate zu Beginn seiner Kapitel) ähnlich ergiebig gewesen wäre.”

3. “Aus der Nachrichtenagentur: die unanständige Methode eines dpa Journalisten”
(fakeblog.de, Floyd Celluloyd)
Floyd Celluloyd erinnert sich daran, wie er 2001 mit einer Aussage zur Lomografie in der “Kölnischen Rundschau” zitiert wurde.

4. “This is Why Your Newspaper is Dying”
(bradcolbow.com, englisch)
Neun Gründe, warum Zeitungsverlage online keinen Erfolg haben.

5. “Zwölf total randseitige Fakten über Journalistenpreise”
(netzfundbuero.de, Tom Hillenbrand)
“Quellen: Teilnahmebedingungen der jeweiligen Journalistenpreise, Newsroom.de, eigene Recherche.”

6. “Sozialdemokraten. 18 Monate unter Genossen”
(ardmediathek.de, Video, 88:35 Minuten)
Eineinhalb Jahre SPD, zusammengefasst in eineinhalb Stunden. Lutz Hachmeister mit einer Reportage, die Aufschluss über den Zustand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gibt.

Elektroschrott, Norwegen, Karim El-Gawhary

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1. “Journalisten erklären, wie es bei Österreichs Boulevardzeitungen wirklich zugeht”
(falter.at, Ingrid Brodnig und Nina Horaczek)
Österreichische Medienschaffende erzählen aus ihrem Arbeitsalltag. Ein “Jungjournalist” sagt zum Beispiel: “Du musst dir das so vorstellen: Als Redakteur schlägt man meist die eigene Geschichte nicht vor, sondern es wird einem gesagt, was man zu schreiben hat, welchen Politiker man zitieren soll. Du musst dann den Artikel so hinbiegen, auch wenn die Recherche etwas anderes ergibt.”

2. “Gib mir einen Splash!”
(tagesspiegel.de, Tewe Pannier)
Was Tewe Pannier 1986 während sechs Wochen als Gastreporter beim “Sunday Mirror” erlebte.

3. “Zahlen, bitte!”
(muel.ch, Samuel Burri)
Afrika-Korrespondent Samuel Burri versucht herauszufinden, wie viele Tonnen elektronische Geräte in Ghana ankommen und was davon noch zu gebrauchen ist.

4. “Die Inszenierung des Attentäters”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Kai Gniffke schreibt über den Umgang mit dem Norwegen-Attentäter: “Nahezu alle Kriminologen und Psychologen haben uns bestätigt, dass es das Ziel eines Amokläufers ist, Aufmerksamkeit zu erzielen. Er inszeniert sich, um wahrgenommen zu werden und erwartet von den Medien, dass sie ihm eine Bühne bieten. Er (in der Regel sind es Männer) möchte auf den Titelseiten der Zeitungen und im Fernsehen auftauchen, gerne in der von ihm selbst gewählten Pose. Er möchte, dass seine Gedanken bekannt werden ebenso wie sein Name – gerne auch postum.”

5. “Der blonde Teufel von Seite 1”
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Auch Lukas Heinser widmet sich der Medienberichterstattung zu den Anschlägen in Norwegen: “Es muss schon einiges falsch gelaufen sein, wenn die Stimme der Vernunft ausgerechnet aus dem Körper von Franz Josef Wagner spricht.”

6. “Die Arbeit als Nahost-Korrespondent”
(blogs.taz.de/hausblog, Video, 13:40 Minuten)
Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary zu Besuch bei Stermann & Grissemann.

Norwegen, EHEC, CSD

6 vor 9

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1. “Ein Täter darf nicht abgebildet werden”
(wuv.de, Jochen Kalka)
Jochen Kalka betrachtet die Berichterstattung zu den Anschlägen in Norwegen und zieht Vergleiche zum Amoklauf von Winnenden: “Den Medien sind die Opfer egal. Für sie ist der Täter Opfer. Die Medien suchen nach Antworten, wie es zu der Tat kommen konnte. Der Täter als Opfer der Gesellschaft. Immer die gleiche Debatte.”

2. “The news coverage of the Norway mass-killings was fact-free conjecture”
(guardian.co.uk, Charlie Brooker, englisch)
Auch Charlie Brooker widmet sich der Berichterstattung zum Anschlag. Er erklärt, warum er den Täter nicht beim Namen nennt. “Presumably he wanted to make a name for himself, which is why I won’t identify him. His name deserves to be forgotten. Discarded. Deleted. Labels like ‘madman’, ‘monster’, or ‘maniac’ won’t do, either. There’s a perverse glorification in terms like that. If the media’s going to call him anything, it should call him pathetic; a nothing.”

3. “Elmar Theveßen und der ‘saubere Journalismus’ der Terrorismusexperten”
(faz-community.faz.net, Stefan Niggemeier)
Wie sollte ein Terrorismusexperte auf drängende Fragen von Journalisten antworten, wenn die Umstände eines Ereignisses noch nicht einzuschätzen sind? So: “Nein, Frau Illner, man kann das wirklich noch nicht sagen / Es ist zu früh dafür / Wir wissen es noch nicht / Seriös lässt sich das nicht beantworten / Lassen Sie uns da nicht spekulieren.”

4. “Gurken, Keime, Kolportagen”
(message-online.com, Michael Haller)
“Warum deutsche Medien dem EHEC-Fieber verfielen” ist die aktuelle Titelgeschichte der Zeitschrift “message” (Leseprobe als PDF-Datei). Michael Haller kommentiert: “Statt nachzufragen, haben die Journalisten auch der tonangebenden Medien nur kolportiert. Und sich immer neue Aufhänger für Panikgeschichten ausgedacht.”

5. “Angemessene Staatsferne und Praxis”
(ksta.de, Jan-Philipp Hein)
Die Besetzung des Programmdirektors des Deutschlandfunks steht an. “Medienpolitik ist auch Personalpolitik. Die geht zwischen CDU und SPD meist nach dem Prinzip ‘Einen für euch, einen für uns'”.

6. “Wie schwul hätten Sie’s denn gerne?”
(alexandervonbeyme.net)
Am Wochenende finden mehrere Christopher-Street-Days in Deutschland statt. Alexander von Beyme denkt nach über das Inszenieren der eigenen Sexualität: “Heterosexuelle Männer tragen ihre Orientierung auch vor sich her, wenn sie ungefragt von ihrer Frau erzählen. Neulich habe ich auf der Straße einen Mann und eine Frau gesehen – und sie hatten tatsächlich ein Kind dabei, als biologischen Beweis, dass sich die beiden auch im Schlafzimmer gut verstehen!”

Super!, Urs Meier, Elmar Theveßen

6 vor 9

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1. “Wie BILD am SONNTAG aus Fehlern Profit schlägt”
(danielbroeckerhoff.de, Tina Schober)
Tina Schober beleuchtet die Hintergründe zu einem in der “Bild am Sonntag” abgedruckten Foto eines siebenjährigen Mädchens aus Thüringen, das ermordet wurde. “Die Redaktion entschuldigt sich also für ein falsch abgedrucktes Foto – und belohnt sich mit einem Exklusiv-Bild.”

2. “Ein Schweizer Opfer packt aus”
(sonntagonline.ch, Nadja Pastega)
Ex-Fußballschiedsrichter Urs Meier erzählt, was ihm widerfuhr, nachdem er 2004 England ein Tor aberkannte. “Britische Journalisten haben in Portugal recherchiert, ob ich dort eine Ferienwohnung oder ein Haus besitze. Sie wollten mir nachweisen, dass ich mal Geld genommen habe oder korrupt war. Meiner Ex-Frau haben sie 30000 Pfund geboten, weil sie eine Story machen und mich in die Pfanne hauen wollten. Meinem damals 14-jährigen Sohn haben sie auf dem Schulweg abgepasst. Sie wollten wissen, von welcher englischen Mannschaft er Fan sei. Wenn er über seinen Vater rede, würden sie organisieren, dass er zu einem Spiel seiner Lieblingsmannschaft gegen Manchester United eingeladen werde.”

3. “Die Macht der Boulevard-Zeitungen”
(echo-online.de, Klaus Thomas Heck)
Klaus Thomas Heck erinnert an die Boulevardzeitung “Super!”, die Anfang der 1990er-Jahre in Ostdeutschland erschien: “Ein Jahr lang kübelt die Zeitung, die im englischen Tabloid-Format erscheint, eine widerliche Mischung aus Übertreibungen und Halbwahrheiten aufs Papier, dann endet die Ära von ‘Super!’ am 24. Juli 1992 wegen sinkender Auflagen. Doch viele ihrer Redakteure landen später problemlos bei anderen Medien. Franz Josef Wagner ist heute Kolummnist für ‘Bild’. Und auch die Verleger von ‘Super!’ haben ihr ostdeutsches Abenteuer gut überstanden. Sie hießen Hubert Burda – und Rupert Murdoch.”

4. “Plädoyer zur Abschaffung des Terrorexperten. Selten waren so viele so schnell auf dem Holzweg”
(blogs.taz.de/arabesken, Karim El-Gawhary)
Die ersten Spekulationen von Terrorexperten nach den Anschlägen in Norwegen befassen sich mit möglichen islamischen Tätern, obwohl es dafür keine konkreten Anhaltspunkte gibt (BILDblog berichtete, siehe dazu auch Stefan Niggemeier).

5. “BILD.de vs. Elmar Theveßen: die fragwürdige Degradierung eines renommierten Journalisten zum Möchtegern-Experten”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Für “Bild” ist ZDF-Journalist Elmar Theveßen ein “Möchtegern-Experte” und darum “Verlierer des Tages”. Ralf Marder: “Ich meine, dass man hier zu weit über das Ziel hinausgeschossen ist und sich vielleicht auch mal an die eigene Nase fassen sollte.” Siehe dazu auch die Stellungnahme von Elmar Theveßen im ZDF-Blog.

6. “Der ZEIT-Online-Totenrechner: 1500 deutsche Opfer in Norwegen”
(blog.dummy-magazin.de)
“Auf Deutschland mit seinen 80 Millionen Menschen umgerechnet, würde dies fast 1500 Tote in einer Nacht bedeuten”, schreibt Christoph Bertram auf zeit.de zu den Opfern in Norwegen. Das dummyblog erweitert die Umrechnung: “Wieso bei der Umrechnung der Opfer auf Deutschland aufhören? Viel eindrucksvollere Ergebnisse verspricht der Vergleich mit China. 90 Norweger entsprechen 24000 Chinesen!”

Libyen, Spiegel, Tour de France

6 vor 9

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1. “Bericht aus einem Goldenen Käfig”
(tagesschau.de, Jörg Armbruster)
ARD-Korrespondent Jörg Armbruster beschreibt die Situation der Journalisten in der libyschen Hauptstadt Tripolis. “‘An alle Journalisten: Kommen Sie in die Halle! Es findet eine Pressekonferenz statt!’ Kein bitte, keine Erläuterung, wer auf der Pressekonferenz sprechen wird. Die militärisch knappe Ansage kommt über Lautsprecher, die in jedem Hotelzimmer in die Decke eingebaut sind. Überhören kann man diese geschnarrten Befehle nicht. Abstellen kann man die Lautsprecher auch nicht. Jeder soll sofort verfügbar sein.”

2. “Ein guter Journalist – Was ist das?”
(achtungmeinung.de, Leo Gergs)
Leo Gergs schreibt auf, was er sich unter zeitgemäßem Journalismus vorstellt: “Mehr Profil! Und das bedeutet nicht, dass man Nachrichten und Meinung miteinander vermischt, sondern dass man Geschehnisse nicht nur wiedergibt, sondern in all ihren Facetten präsentiert, einordnet und erläutert.”

3. “Wie ich Zeitung lese”
(blog.fimsch.net, konrad)
Konrad erklärt, was “Zeitung lesen” für ihn heute bedeutet. “Die ipad-Apps von Zeit und FAZ mögen viel­leicht gut sein, aber ich will keine Abos für die Zei­tun­gen abschlies­sen. Ich will mich nicht mal dafür regis­trie­ren müs­sen.”

4. “Ein Boulevard-Boykott wäre eine Option”
(journal21.ch, Reinhard Meier)
Reinhard Meier stellt fest, dass es die Konsumenten selbst in der Hand haben, ein “wirkungsvolles Stopp-Zeichen” gegen fragwürdige Praktiken des Boulevard zu setzen. “Sie könnten diejenigen Medien, die die Grenzen des Tolerierbaren überschreiten, boykottieren. Falls bei einer solchen Empörungs-Aktion genügend Konsumenten mitmachen, würde dies den Verantwortlichen in den Medienhäusern schnell und tief unter die Haut gehen – das gilt für die Leserzahlen beim gedruckten ebenso wie für die Einschaltquoten beim elektronischen Boulevard.”

5. “SPIEGEL: Da wir Sie nur ungern als Leser ver­lieren, möchten wir Sie fragen”
(noemix.twoday.net)
Nömix schreibt dem Kundenservice des “Spiegel”, warum er nach 25 Jahren sein Abo gekündigt hat. “Indem man seiner Stammleserschaft den gleichen Schmarrn auftischt wie eine BILD oder BUNTE oder neunundneunzig andere Schmarrnblätter, wirds schwer gelingen, sie zu halten.”

6. “E.P.O.-Suche an der Baumgrenze”
(de.eurosport.yahoo.com, Andreas Schulz)
Eurosport-Kommentator Andreas Schulz bloggt über seinen Einsatz bei der Tour de France: “Im Schnitt vier Stunden Live-Überragung pro Tag, gewürzt mit vier Stunden Autofahrt und abgerundet mit vier Stunden Vor- und Nachbereitung. Ein toller Job, aber eben auch kein Ponyhof.”

Süddeutsche Zeitung, nytimes.com, Apple Store

6 vor 9

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1. “Was geht uns Mr. Murdochs Skandal an?”
(falter.at, Armin Thurnher)
“So mies sind unsere Medien” titelt das Wiener Stadtmagazin “Falter”. “Möglicherweise werden bei uns keine Handys gehackt, aber die Sitten der Medien, der Politik und auch der Polizei im Umgang miteinander sind offenkundig verrottet. Die Zitierten sind anonym gemacht, denn sie haben Angst, geklagt zu werden oder ihre Geschäftsbasis, also ihr Amt zu verlieren, wenn sie offen über die medialen Zustände sprechen. Sie erzählen von Erpressung und offener Drohung, wenn sie nicht Geschichten liefern. Sie reden von gekauften Geschichten und korrupten Praktiken.”

2. “Geplante BILDstörung”
(fr-online.de, Ulrike Simon und Joachim Frank)
Eine angeblich geplante “Bild”-Serie zur ARD und eine angeblich geplante Gegenkampagne lösen bei einigen Journalisten Aufregung und Spekulationen aus. “Nun ist nichts dagegen einzuwenden, dass sich ARD-Programme mit Bild-Machenschaften beschäftigen. Anders liegt der Fall, wenn es sich dabei um von oben verordnete Krisen-PR handelt, die als Journalismus getarnt daherkommt.”

3. “Was aus dem gekündigten SZ-Abo wurde!”
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene)
Dennis Horn kündigt sein Abo der “Süddeutschen Zeitung”. Der Verlag nimmt die Kündigung zwar an, liefert sie aber unverlangt einen Monat weiter, “um Ihnen noch einmal die vielen Vorzüge der Süddeutschen Zeitung aufzuzeigen”.

4. “Horrible Bosses – Fox News Won’t Dumpster Dive”
(thedailyshow.com, Video, 4:14 Minuten, englisch)
Wie “Fox News” (News Corp.) über die Abhörmethoden von “News of the World” (News Corp.) berichtet. Ab 3:50 Minuten ein Interview von “Fox News” mit Rupert Murdoch von 2009.

5. “The nytimes they are a-changin'”
(okayfail.com, Video, 5:36 Minuten, englisch)
Die Frontseite von nytimes.com im Zeitraffer. “Having worked with and developed on a number of content management systems I can tell you that as a rule of thumb no one is storing their frontpage layout data. It’s all gone, and once newspapers shutter their physical distribution operations I get this feeling that we’re no longer going to have a comprehensive archive of how our news-sources of note looked on a daily basis.”

6. “Are you listening, Steve Jobs?”
(birdabroad.wordpress.com, englisch)
Ein Besuch in einem Laden in Kunming, der sich “Apple Store” nennt. “Apple never writes ‘Apple Store’ on it’s signs – it just puts up the glowing, iconic fruit.”

Fettnäpfchen, Koks, Arnautovic

6 vor 9

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1. “Bitte ins Fettnäpfchen treten”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig glaubt, dass “die sogenannten Polittalkshows” nur noch am Rande etwas mit Politik zu tun haben: “Stattdessen wird Politik oder besser: Parlamentarismus simuliert. Diese Sendungen sind billig, journalistisch anspruchslos und haben nur ein Ziel: Möge doch bitte irgendjemand in irgendeines der vorbereiteten Frage-Fettnäpfchen treten.”

2. “Die Wahrheit über das Pekinger Tiananmen-Massaker”
(infosperber.ch, Peter Achten)
Peter Achten, langjähriger Fernost-Korrespondent für das Schweizer Fernsehen und Radio, blickt zurück auf die als Tian’anmen-Massaker in die Geschichte eingegangenen Ereignisse von 1989 in Peking. “Der ganze Studentenprotest wurde mangelhaft begleitet, nicht zuletzt deswegen, weil sich sehr viele Journalisten aus dem Ausland aus einem ganz anderen Grund in Peking aufhielten. (…) Viele eingeflogene Korrespondenten berichteten ohne jede Sachkenntnis sensationsgeil vom Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens.”

3. “Zerstörungskraft des Boulevards”
(freitag.de, Nick Davies)
Nick Davies schreibt über den vor wenigen Tagen verstorbenenen Sean Hoare, der als erster Mitarbeiter von “News of the World” öffentlich zugab, Abhörpraktiken angewendet zu haben. “Es muss die restliche Fleet Street in Angst versetzt haben, als er anfing zu reden – er hatte mit einigen der mächtigsten Namen im Boulevard-Journalismus Koks genommen, es ihnen ver- und abgekauft.”

4. “Böse Briten, gute Deutsche?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
“Wenn nun von abgehörten Telefonen als Recherchemethode in Deutschland bisher nichts bekannt ist, liegt dies so oder so kaum daran, dass hiesige Journalisten allesamt solch ethischen Vorbilder sind. Sondern eher daran, dass in Deutschland, anders als auf den britischen Inseln, kein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen nationalen Boulevardblättern tobt. Aber hier wie dort scheint es manchen Redaktionen offenbar profitträchtiger, Klatsch und Tratsch zu rapportieren, als über echte Missstände zu recherchieren.”

5. “Warum der Hinweis auf das Web 2.0 als Ausweg für junge Journalisten naiv ist”
(frei.djv-online.de, Michael Hirschler)
Michael Hirschler antwortet auf den Beitrag von Michael Stepper: “Auch im Web 2.0 und der Internetwirtschaft gibt es einen weiten Armutsgürtel aus ‘Web-2.0-/Social-Media-/Google+-‘ und sonstigen Beratern, die mit Startups von Wirtschaftsförderung zu Wirtschaftsförderung betteln gehen müssen und längst nicht immer einen Abnehmer bzw. ‘Inkubator’ finden.”

6. “Werder-Profi steht wohl doch auf Tatoos und Silikon”
(meedia.de)
Die “Seitenblicke”-Redaktion legt zur Frage, ob ein Interview mit dem Fußballer Marko Arnautovic stattgefunden hat oder nicht, eine Audio-Datei vor. “Der Profikicker könnte jetzt natürlich behaupten, dass nicht er die Stimme am Telefon ist, sondern ein Imitator.” Auf der Website von Arnautovic ist weiterhin zu lesen, “dass er mit keiner österreichischen Zeitung ein Interview geführt hat”.

Murdoch, Henri-Nannen-Preis, Beamtenstuben

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1. “Der britische Umsturz”
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier analysiert die aktuellen Vorgänge rund um den Medienkonzern News Corp: “Es scheint, als sei Großbritannien von einer Besatzungsmacht befreit worden. Ein Bann ist gebrochen, und die Reaktionen sind so heftig, dass man fragen muss, ob es sein kann, dass das Land in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht von Thatcher, Major, Blair, Brown und Cameron regiert wurde, sondern von Murdoch, Murdoch, Murdoch, Murdoch und Murdoch.” Siehe dazu auch den Entschuldigungsbrief von Rupert Murdoch im Original und “im Original” (wirres.net, englisch).

2. “Franz Josef Wagners Weisheiten (3)”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Hat bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft eine Schwedin einer Französin “mit ihrem Fußballschuh ins Gesicht” getreten, wie Franz Josef Wagner schreibt? Nein.

3. “BILD diktiert den Körperkult”
(filmrisss.blogspot.com)
Das “Bild”-Drehbuch zu Michelle Hunziker und ihrem Bodyguard in fünf Zeilen zusammengefasst.

4. “Die Debatte um den Henri-Nannen-Preis 2011”
(reporter-forum.de, PDF-Datei, 346 kb)
Das “Reporter-Forum” arbeitet die Debatte um den verliehenen und gleich wieder aberkannten Henri-Nannen-Preis auf. “Weil diese Debatte so lehrreich ist, haben wir einen Reader mit den wichtigsten Beiträgen zusammengestellt. Und zudem drei Autoren gebeten – sie sind selbst nicht Teil des Gemenges -, die Standpunkte einzuordnen: Bernhard Pörksen, Professor aus Tübingen, Georg Brunold, Experte für literarische Reportagen, und Nora Berning, eine junge Narratologin.”

5. “Ein stummer Schrei nach Liebe”
(philibuster.de, Michael Stepper)
Michael Stepper schreibt an junge Journalisten: “Seid mir nicht böse, Ihr jungen Journalisten, aber vielleicht habe ich da auch einfach etwas falsch verstanden: Ihr fordert tatsächlich, dass Euch die Verleger die Hintern pudern, weil Ihr einen Traum vom unabhängigen Journalismus träumt?” Auch ältere Kollegen kommen zur Sprache: “Immer wieder sehe ich die Bilder in den einschlägigen Branchenmagazinen. Bilder von alternden Journalisten, die mit traurigen Gesichtern vor Ihren Verlagsgebäuden stehen und noch traurigere Transparente in die Luft halten. Pappschilder die Aufschriften tragen wie: ‘Tarifflucht ist unmoralisch!’ oder ‘Unsere Arbeit ist mehr wert!’ Und die dann nach der Demo wieder in ihre Redaktionsbüros wandern – die längst Beamtenstuben ähneln – und sich wundern, dass dieses Internet ihren Job so ruhelos gemacht hat.”

6. “Ein staatenloser Deutscher, gefangen in der Schweiz”
(welt.de, Marc Neller)
Tontechniker Peter Wilk versucht vergeblich, Deutschland zu beweisen, dass er ein Deutscher ist. “Wilk ist in Gelsenkirchen geboren, in Essen aufgewachsen, seine Eltern waren Deutsche, er hat seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr geleistet. Er hat 30 Jahre in Deutschland verbracht, mehr als die Hälfte seines Lebens.”

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