Archiv für 6 vor 9

Meisterwerk, Sendungsboykott?, Neandertal-Magazin “Mann.TV”

1. Alles eine Frage der Perspektive
(faz.net, Ursula Scheer)
Es war eines der meistgeteilten Bilder in den Social-Media-Kanälen der letzten Zeit: Das ikonische Bild vom G7-Gipfel, bei dem Angela Merkel als Zentralgestalt auf einen bockig wirkenden Donald Trump mit verschränkten Armen traf. Ursula Scheer deutet das Bild in seinen verschiedenen Aspekten und vergleicht es mit den Fotos anderer Delegationen. Jedes der Bilder würde eine andere Geschichte erzählen, aber keines sei so perfekt fotografiert wie das des deutschen Fotografen Jesco Denzel: „In seiner Aufnahme scheint das Unbehagen der Weltgemeinschaft – und auch die wachsende Ratlosigkeit – gegenüber Trumps Alleingängen zu einer Szene zu gefrieren, die man, einmal gesehen, nicht mehr vergisst. Seinen Standpunkt hat er mit Bedacht gewählt – wie seine Kollegen auch. Ist das schon Manipulation,? Es ist eine Perspektive. Es gibt mehrere. Es ist immer gut, möglichst viele zu sehen. Aber diese Aufnahme gehört schon jetzt zu den ikonischen Trump- und Merkel-Bildern.“

2. Seppelt kritisiert russische Journalisten
(journalist-magazin.de, René Martens)
Spätestens seit Hajo Seppelts ARD-Doku “Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht” gilt der Sportjournalist in Russland als „unerwünschte Person“. Nur nach einigem Hin und Her wurde ihm das zuvor verweigerte Visum für die Fußball-WM ausgestellt. Doch Seppelt hat es nicht nur mit Anfeindungen von staatlichen Stellen zu tun, auch russische Journalisten lassen ihn ihre Antipathie spüren.

3. ARD-Sportchef hat ein Problem mit kritischen Journalisten
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der hauptamtliche Sport-Koordinator der ARD Axel Balkausky hat anscheinend ein Problem mit kritischen Journalisten wie Daniel Bouhs. Das könnte man jedenfalls denken, denn Balkausky boykottiert Sendungen, in denen auch Bouhs vertreten ist. Der Grund könnte eine kritische Berichterstattung über Nebentätigkeiten von Sportjournalisten sein, die einen Interessenkonflikt befürchten lassen. Der Sportchef dementiert: „Es gibt keinen Sendungsboykott.“ Von ihm stammende Mails lassen jedoch anderes vermuten.
Update 09:02 Uhr: Daniel Bouhs hat auf Facebook eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er sich zur derzeit herrschenden Funkstille äußert (“Von mir aus können wir das gerne wieder ändern”).

4. Das Ende von Indie
(stuttgarter-zeitung.de, Ingmar Volkmann)
Ingmar Volkmann hat den Verleger und Veranstalter Matthias Hörstmann in dessen Kölner Stadtvilla besucht. Hörstmann hatte kürzlich das Aus des Musikmagazins “Intro” verkündet. Es ist ein lesenswerter Bericht über einen schillernden Unternehmer, der auf mehreren Arbeitsfeldern gleichzeitig aktiv ist. Seine Fehlentscheidungen? „Im Nachhinein war der Verkauf der ,11 Freunde‘-Anteile an Gruner + Jahr vielleicht ein Fehler. Für mich war die Geschäftsbeziehung als Joint Venture angelegt, das wurde aber nie so gelebt“.

5. Satiriker*innen sollen nicht klauen
(taz.de, Peter Weissenburger)
Das „Zentrum für Politische Schönheit“ hat ein falsches Facebook-Profils des Maischberger-Redaktionsleiters angelegt, um damit die Falschmeldung hinauszuposaunen, Maischberger habe den AfD-Chef Gauland ausgeladen. Das hat insofern auch funktioniert, denn mehrere Zeitungen fielen drauf rein und verbreiteten die Falschmeldung. Nun geht die Redaktion anwaltlich gegen die Polit-Aktivisten vor.

6. Bier, Titten, Clickbait: Mann.TV zeigt, wie traurig es sein muss, einen Penis zu haben
(vice.com, Lisa Ludwig)
Lisa Ludwig hat sich in die Welt eines testosterongetränkten Online-Magazins für Männer gewagt, das an manchen Stellen wie eine dumpfe Blut-und-Hoden-Parodie auf eine Pubertierenden-Postille mit dem Redaktionssitz Neandertal wirkt: „Mann.TV suggeriert in seinen Beiträgen, dass die Welt, in der wir leben, ziemlich einfach ist. Da gibt es auf der einen Seite die ehrlichen Männer, die hart arbeiten und sportliche Höchstleistungen vollbringen, im Privaten aber relativ einfach zufriedenzustellen sind: mit Bier und Brüsten. Und auf der anderen Seite stehen die überemotionalen Frauen, die immer nur rumzicken, Partner nach ihrem Gehalt auswählen und ganz generell nichts können, außer als Wichsvorlage für Mann.TV-Leser herzuhalten.“

Rechtsdrehend, “Bunte”-Botschafter, Zu Besuch beim Compact Verlag

1. Debatte oder Protest: Wie weiter gegen rechts?
(blaetter.de, Volker Weiß)
Der Historiker Volker Weiß diskutiert in seinem Aufsatz die Neue Rechte und einen möglichen Umgang mit ihr: „Gewachsen ist diese Neue Rechte, die in erheblichem Umfang noch immer die alte ist, somit weniger an ihren Gegnern als an deren Gesprächsangeboten, die sie erst zu akzeptablen Partnern machten. Gewachsen ist sie auch an den unzähligen Reportern, die zu Kubitscheks „Rittergut“ Schnellroda pilgerten und sich fasziniert den Ziegenstall zeigen ließen. Jede unkritische Homestory und jedes Dialogangebot haben stärker zur Verbreitung des Neofaschismus à la Antaios beigetragen als die Protestschreie auf den Buchmessen.“

2. Mein Freund, Seine Exzellenz
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Kaum war Richard Grenell als neuer US-Botschafter in Deutschland im Amt, fiel er mit markigen, wenig diplomatischen Worten auf. Nach Gesprächen mit „Breitbart“, „Bild“ und „Focus“, hat er sich nun von der „Bunten“ zur Homestory besuchen lassen. Und die verschweigt ein kleines, aber feines Detail: Daniel Funke, Leiter des „Bunte“-Hauptstadtbüros und Verfasser des Interviews, ist privat mit dem Botschafter befreundet.

3. „Macht die Politik den Journalismus kaputt?“
(journalismustage.at, Marietta Slomka)
In Wien fanden die „Österreichischen Journalismustage“ statt, die sich diesmal schwerpunktmäßig mit dem Einfluss der Politik auf die Medien beschäftigte: „Macht die Politik den Journalismus kaputt?“ Die Keynote wurde von der deutschen Journalistin und Fernsehmoderatorin („heute-journal“) Marietta Slomka gehalten. Die Rede wurde nun auf der Webseite dokumentiert, ein längeres Lesestück mit einigen interessanten Gedanken.

4. Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Von A nach B
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
Stefan Gärtner kritisiert bei seinem „kritischen Sonntagsfrühstück“ bei “Titanic” die Berichterstattung um das Gewaltverbrechen an der 14-jährigen Susanna: „Auf dem Kreuz, das jemand am Fundort der Leiche aufgestellt hat, steht: „Susanna, 14 Jahre, Opfer der Toleranz“. Sosehr das Fernsehen hier auch applaudiert: Nein. Susanna, 14 Jahre, ist das Opfer eines Verbrechens.“

5. „Interessant und vielfältig“
(taz.de, Maike Brülls)
Die SPD Berlin hat auf ihrem Landesparteitag eine Filmförderung für feministische Pornofilme beschlossen. Die „taz“ hat sich darüber mit Laura Méritt unterhalten, die sich als Vertreterin des „sexpositiven Feminismus“ für feministische Pornos einsetzt: „Mainstreamporn ist eine extreme Leistungs-Show, bei der alles als pervers oder Fetisch kategorisiert wird, was nicht heterosexuell ist. Um davon wegzukommen und zu zeigen, dass es viele verschiedene Wirklichkeiten und nicht nur ein SexSkript gibt, ist progressiver Porno wichtig. Nicht nur für Jugendliche.“

6. Die guten Menschen vom Compact Verlag
(sueddeutsche.de, Benedikt Peters)
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Verlag mit allerlei Titeln zu Lernen und Weiterbildung, Ratgebern und Kinderliteratur. Und wie es der Zufall will, erscheint plötzlich ein rechtes Magazin, das so ähnlich klingt wie der Name Ihres Verlags. So geht es der Chefin und den etwa 30 MitarbeiterInnen des „Compact Verlags“, der sich keinen anderen Rat weiß, als in Bälde umzufirmieren.

Weltkompakte Bank-Anzeige, ORF teilverlässt FB, Alles nur geklaut?

1. Da freut sich der Kunde: Welt kompakt verkauft Titelseite an Deutsche Bank – ohne Kennzeichnung als Anzeige
(meedia.de, Alexander Becker)
Auf der Titelseite der “Welt kompakt” erschien ein ganzflächiges Kampagnenmotiv der Deutschen Bank, das nicht als Werbung gekennzeichnet war. Bei Springer sah man darin zunächst keinen Verstoß gegen den Pressekodex (“in ihrer Gesamtanmutung durchaus für den Leser als Anzeige erkennbar”). Nach der Veröffentlichung durch “Meedia” erfolgte anscheinend ein Sinneswandel: Plötzlich war von “Versehen” und “Fehler” die Rede.

2. Teilrückzug: ORF dampft seine Facebook-Auftritte um 80 Prozent ein
(derstandard.at)
Beim ORF ist großes Facebook-Reinemachen angesagt: Von den etwa 70 ORF-Auftritten auf Facebook sollen laut einer internen Mitteilung nur noch rund 15 übrig bleiben. Außerdem will man die Werbeetats für Facebook und Youtube streichen. Als Gründe für den Teilrückzug von Facebook führt der ORF unter anderem “Datenmissbrauch und Intransparenz” des Netzwerks an.

3. Nützliche Sternchen brauchen keine Amtshilfe
(tagesspiegel.de, Anatol Stefanowitsch)
Wenn es in Diskussionen um geschlechtergerechte Sprache geht, geht es meist sehr lebhaft zu. Gerade um die Daseinsberechtigung alternativer Formen wird oft heftig gerungen. Nun beschäftigt sich der Rechtschreibrat mit dem Gendersternchen. Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaft an der FU Berlin, kommentiert die Diskussion und befindet: “Das “generische” Maskulinum ist eine grammatische Fiktion.”

4. Hauptsache Krawall
(zeit.de, Matthias Dell)
Matthias Dell hat sich die vergangene Maischberger-Ausgabe angeschaut und in einer lesenswerten Rezension festgehalten, warum er dem Format so gar nichts abgewinnen kann. Und er hat einen guten Tipp parat: “Es ist deshalb durchaus interessant, Maischberger stumm zu gucken. Dann kann man sich den sinnlos-deliranten, aber eben Action suggerierenden Kamerafahrten hingeben wie früher den Bahnstrecken im Nachtprogramm.”
Weiterer Lesetipp: Kulturrat kritisiert TV-Talkshows und fordert Zwangspause (waz.de)
Lesenswert auch Malte Lehming, der im “Tagesspiegel” feststellt: “Differenzen ertragen: Das müssen Deutsche, die mit sich und anderen klarkommen wollen, noch intensiv üben.”

5. Wer entscheidet, was berichtet wird?
(freitag.de, Juliane Wiedemeier)
Juliane Wiedemeier beschäftigt sich mit den gelegentlich aufflammenden Bemühungen von Medien um direkten Kontakt zur Leserschaft sowie zu Nutzerinnen und Nutzern und macht dies an konkreten Beispielen fest. Bislang habe es sich oftmals nur um halbgare und lustlose Versuche gehandelt: “Wenn sie auch morgen noch kraftvoll zuschreiben wollen, müssen Journalisten mit ihren Nutzern reden. Aber nicht von oben herab und nicht nur sporadisch, wenn es gerade passt.”

6. Liebe @DIEZEIT, wir mögen unsere Titelbilder auch sehr gern.
(twitter.com/Brinkbaeumer)
“Spiegel”-Chef Klaus Brinkbäumer ist bei den Kollegen von der “Zeit” über eine Zeichnung mit einer bemerkenswerten Ähnlichkeit gestolpert. Aber seht selbst …

Islamdebatten-Inflation, Würde geht baden, Schweizer Kornkreis-Macher

1. Wir diskutieren viel zu häufig über den Islam
(sueddeutsche.de, Dunja Ramadan)
Die Journalistin und Arabistin Dunja Ramadan hält die Häufigkeit und Brisanz der Islamdebatten in deutschen Talkshows für unverhältnismäßig: „Es ist auch kein Wunder, dass die Angst vor dem Islam so hoch ist, wenn gefühlt jeden zweiten Abend über “den” Islam diskutiert wird – in einer Brisanz, in der man denkt, in Deutschland herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Diese Brisanz wünscht man sich, wenn es um weitaus dringlichere Debatten wie Wohnungsnot, Pflegenotstand, Krippenplätze oder auch das Rentensystem geht. Denn das treibt wirklich alle Menschen in diesem Land um.“
Weiterer Lesetipp: Carolin Gasteigers TV-Kritik des letzten Maischberger-Talks: “Manchmal erscheint es mir, als gebe es mehr Islam-Experten als Muslime”

2. Das große Schweigen
(11freunde.de, Ilja Behnisch)
Ilja Behnisch schreibt bei den „11 Freunden“ über das vom DFB gesteuerte Bild der deutschen Nationalmannschaft. Eine perfekte Inszenierung sei dies, wie von einem Konzern von Weltformat. Der DFB sei jedoch kein Konzern, sondern ein Verband. Und dessen Umgang mit den Medien müsse sich dringend ändern.
Weiterer Lesetipp: Steffen Dobbert erklärt bei “Zeit Online”, warum er einen Boykott der Fußball-WM in Russland für angebracht hält.



3. Wenn die Würde baden geht
(taz.de, Lalon Sander)
Konservative weiße Männer interessieren sich erst für Menschenwürde, wenn es um einen alten weißen Mann geht, findet Lalon Sander und meint damit die Twitter-Empörung einiger Journalisten über das Gauland-Badehosen-Bild: „Offenbar fühlen sich manche weiße Männer eher von dem angeblichen Unrecht betroffen, das mächtigen weißen Männern geschieht, und weniger von dem, das von weißen Männern ausgeht. Das ist eine identitäre Positionierung. Kann man so machen, aber würdevoll ist das nicht.“
Weitere Lesetipps: Matern Boeselager fordert bei “Vice” eine “Internet-Pause” für Deutschland. Stefan Fries plädiert dafür, Gauland nicht die Würde zu nehmen, nur weil dieser anderen die Würde nimmt.

4. Journalisten sind grün und links
(bazonline.ch)
Eine dänische Studie hat die politischen Einstellungen von Medienschaffenden in 17 Ländern untersucht. Die ersten Ergebnisse würden ein weiterverbreitetes Vorurteil bestätigen: In den Redaktionen gebe es durchschnittlich drei Mal so viele Grüne und Feministen wie im Rest der Bevölkerung.

5. Fanpage-Urteil des EuGH – 10 Fragen, 10 Antworten : Good bye Auftragsverarbeitung, welcome “gemeinsame Verantwortlichkeit”
(cr-online.de, Niko Härting)
Der Jurist Niko Härting erklärt im Blog der Zeitschrift „Computer und Recht“ kurz und knackig, was es mit dem Fanpage-Urteil des EuGH auf sich hat. Der zehnte Punkt seiner Liste ist eine Art Generalempfehlung für alle Facebook-Seitenbetreiber: „Ruhe bewahren, Datenschutzinformationen in die Fanpage integrieren und den Ausgang des Falls vor den deutschen Verwaltungsgerichten abwarten.“

6. Wie Kornkreise wirklich entstehen
(facebook.com/izzymagazine, Video, 2:55 Minuten)
Die Leute vom Schweizer Jugendmagazin „Izzy“ haben einen Kornkreis produziert und den Medien als extraterrestrische Erscheinung untergejubelt. Auf Facebook gibt es das Video im sympathischen Schweizer Dialekt dazu: „Grüße von den Aliens.“

Omnipräsente AfD, Risikofaktor Facebook-Seite, Neonazi-Angriff

1. Datenschützer bekommen vor dem EuGH recht – theoretisch
(faz.net)
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass Betreiber von Facebook-Seiten gemeinsam mit Facebook für die Verarbeitung der personenbezogenen Nutzerdaten verantwortlich sind, was für viel Aufregung und Verunsicherung in den sozialen Medien gesorgt hat. Das Urteil wurde jedoch nach alter Rechtslage entschieden. Mittlerweile gilt die DSGVO und das mache die Sache eher noch komplizierter.
Weiterer Lesetipp: Licht ins juristische Dunkel kann vielleicht Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke bringen, der das Urteil eingeordnet und einen ausführlichen Frage-und-Antwort-Teil verfasst hat: EUGH Urteil: Müssen nun alle Facebook-Seiten geschlossen werden? (allfacebook.de)
Und auf “Meedia” kommentiert die Juristin Anja Neubauer die Auswirkungen des Richterspruchs. Sie hat für sich selbst den radikalen Schritt gewählt: “Ich persönlich werde daher meine Facebook-Seiten nun erst einmal auf „nicht sichtbar“ schalten, bis Mark Zuckerberg eine rechtskonforme Lösungsmöglichkeit für die Sammlung der Nutzer meiner Seiten bereithält und diese mir als Betreiber der Seiten zur Verfügung stellt. Eine andere Alternative sehe ich persönlich nach dem Urteil des EuGH nicht.”

2. “Selbst wenn die AfD nicht in Talkshows sitzt, sind ihre Inhalte omnipräsent”
(sueddeutsche.de, Jakob Biazza & Johannes Hillje)
Die „Süddeutsche Zeitung“ hat sich mit dem Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje über den Umgang der Medien mit der AfD unterhalten. Hillje hält den Einfluss der Rechtspopulisten auf unsere öffentlichen Debatten für deutlich größer als ihre politische Relevanz, gemessen an den Wahlergebnissen. Selbst wenn die AfD nicht in Talkshows sitze, seien ihre Inhalte oft omnipräsent. Die AfD setzte dabei nicht immer die Themen, bestimme aber, wie darüber geredet werde: „Dank der AfD führen wir eine Desintegrations- statt der nötigen Integrationsdebatte.“

3. Tilo Jung in der Bundespressekonferenz: Merkels Geheimwaffe
(taz.de, Tobias Schulze)
Wer die Bundespressekonferenz kennt, kennt auch Tilo Jung, der dort mit seinen unbequemen Fragen regelmäßig die Regierungsvertreter zum Schwitzen bringt. Und danach die Zusammenfassungen auf seinem YouTube-Kanal “Jung und Naiv” ins Netz stellt. 
Nun ist Jung eine besondere Gunst zuteil geworden: Anlässlich des Besuchs des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu durfte er im Kanzleramt Fragen an den Politiker richten. Weiterer Tipp: Im „Aufwachen-Podcast“ beschäftigen sich Tilo Jung und Stefan Schulz regelmäßig mit dem politischen Geschehen und der Medienberichterstattung. In der aktuellen Folge geht es auch um besagten Netanjahu-Besuch.

4. Fußball-WM in Russland: Stolz und Vorurteil
(ndr.de, Hendrik Maaßen)
Bald beginnt die Fußball-WM in Russland. Das “journalist network” hat eine 11-tägige Kennenlern-Reise durchs Land organisiert, an der junge Journalisten teilnehmen durften. „Zapp“-Reporter Hendrik Maaßen war dabei und berichteten von seinen Eindrücken.

5. Warum zwei Neonazis einen Monat nach ihrer Jagd auf Journalisten noch auf freiem Fuß sind
(vice.com, Matern Boeselager)
Vor vier Wochen verfolgten zwei mutmaßliche Neonazis in Thüringen Journalisten mit einem Auto, drängten sie in einen Graben und griffen sie mit Schraubenschlüssel, Messer, Baseballschläger und Pfefferspray an. Obwohl die Identität der Täter bekannt ist und dokumentiert wurde, kam es bislang weder zur Vernehmung noch zur Anklage. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft gebe es “keinen dringenden Tatverdacht”. Wie kann das sein, fragt Matern Boeselager nicht nur sich selbst, sondern auch den zuständigen Staatsanwalt.

6. Der offene Brief – Zweihänder des kleinen Mannes
(medienwoche.ch, Reto Hunziker)
Journalisten greifen gerne zum Stilmittel des offenen Briefs. Nun hat Reto Hunziker einen offenen Brief an denjenigen verfasst, der wohl noch nie einen offenen Brief erhalten hat: den offenen Brief.

Datenhehler Facebook, “Hart, aber Framing”, Spaghetti-Galgen

1. Facebook soll Daten von Nutzern und deren Freunden an mehr als 60 Hersteller von Handys, Laptops und Tablets weitergegeben haben
(nzz.ch, Marie-Astrid Langer)
Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre es ein unglaublicher Skandal: Facebook soll über Jahre hinweg Nutzerdaten an mehr als 60 Hersteller von Smartphones und anderer Hardware weitergegeben haben. Und zwar, auch wenn die Nutzer einer Weitergabe an Dritte nicht zugestimmt oder sogar explizit widersprochen hatten.
 Facebook bestreitet die Vorwürfe mit einer, nennen wir sie „kreativen“ Begründung: Es handele sich um keine Weitergabe von Daten, denn die Gerätehersteller seien als „Erweiterung“ von Facebook zu betrachten.

2. ARD-Talkshow gerät wegen umstrittener Themensetzung unter Druck
(deutschlandfunk.de)
Themensetzung, Art der Sendungsankündigung, Einwandbehandlung… Die Redaktion der ARD-Talksendung “Hart aber Fair” sah sich wegen ihrer Sendung über „Flüchtlinge und Kriminalität“ gleich drei Mal starker Kritik ausgesetzt. So wurde der Sendung ein „Framing“ vorgeworfen, ein Begriff, mit dem die Redaktion nichts für sich anzufangen wusste (“Framing? Als Journalisten können wir mit diesem Begriff wenig anfangen“). Was einen Journalismus-Professor auf Twitter zu der Anmerkung veranlasste, dass Journalisten an seinem Institut mit diesem Begriff bereits im ersten Semester in Kontakt geräten.
Weiterer Lesehinweis: Hannah Beitzer hat sich die gestrige „Hart, aber fair“-Ausgabe für die „Süddeutsche Zeitung“ angeschaut.

3. Stolzer Osten
(sueddeutsche.de, Antonie Rietzschel)
„Wer braucht den Osten?“, fragt eine dreiteilige MDR-Doku (erster Teil bereits in der Mediathek). Als Markt sei die ehemalige DDR für den Westen attraktiv, doch die Folgen der De-Industrialisierung seien bis heute spürbar. Dennoch würden die Filmautoren einen bisweilen stolzen Osten zeigen. Eine Geschichte der Emanzipation sei es, die auch der MDR hinter sich habe: Von der Ostalgie-Schleuder zum Analysten ostdeutscher Verhältnisse.

4. “Unerträgliche deutsche Arroganz”: Der Spiegel sorgt mit Spaghetti-Galgen als Symbol für Italien-Krise für Kritik
(meedia.de, Levin Kubeth & Thomas Borgböhmer)
Das Titelbild der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe zeigt Spaghetti, die sich am unteren Ende zu einem Galgenstrick ausformen. Betitelt ist das Cover mit den Worten: „Ciao Amore! Italien zerstört sich selbst – und reißt Europa mit“. Um diese Darstellung wird nun gestritten: Der Titel sei arrogant und überheblich und befeuere Vorurteile. Abgesehen davon lese sich die Story im Heft eher als das Gegenteil der düsteren Abschieds-Metapher.

5. Quo vadis Journalismus?
(journalistik.online, Horst Pöttker)
Kostendruck, Outsourcing, Entlassungen, Auflagenrückgang, rapide sinkende Anzeigeneinnahmen… Die Printmedien werden auf vielerlei Weise von den Folgen des digitalen Wandels in die Zange genommen. Welche Perspektiven hat der Journalismus angesichts dieser Herausforderungen? Der Wissenschaftler Horst Pöttker hat sich dazu einige lesenswerte Gedanken gemacht.

6. Das „Stories“-Format erobert das Social Web: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
(upload-magazin.de, Jan Tißler)
Die Überschrift wendet sich zwar an Geschäftsleute, aber das Thema ist für alle interessant, die im Social Web unterwegs sind. Es geht um die sogenannten „Stories“, wie man sie vor allem von Instagram kennt und die enorme Wachstumsraten aufweisen. Facebooks Produktchef Chris Cox habe gar vorausgesagt, dass „Stories“ im nächsten Jahr zum vorherrschenden Format im Social Web werden würden.

Deutsche Erfolgsgeschichte, Doppelt schäbig, Rendezvous mit Putin

1. Unsere Titelseite von Montag. #Gauland
(facebook.com/Tagesspiegel)
Anlässlich der relativierenden Aussagen des AfD-Politikers Alexander Gauland über „Hitler und die Nazis“ und seinen Kommentar über „1000 Jahre erfolgreiche Geschichte“, hat der „Tagesspiegel“ seine Titelseite ausschließlich diesem Thema gewidmet. Es sind Schwarz-Weiß-Bilder aus alten Zeiten, die für sich sprechen…

Weiterer Lesetipp: Thomas Fischer, Kolumnist und Autor des Standard-Kommentars zum Strafgesetzbuch, hat Gaulands Äußerungen analysiert und juristisch eingeordnet. (spiegel.de)

2. Raus aus den sozialen Netzwerken
(deutschlandfunkkultur.de, Christoph Drösser)
Der amerikanische „Internet-Guru“ Jaron Lanier ist für seine teilweise zugespitzten und provozierenden Thesen zu IT-Themen bekannt. Für sein digitalisierungskritisches Buch „Wem gehört die Zukunft“ erhielt er 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seinem neuen Buch fordert Lanier dazu auf, die sozialen Netzwerke zu verlassen. Christoph Drösser hat den Internet-Kritiker zum Interview besucht. Wie er es vor 20 Jahren schon einmal getan hat.

3. Rendezvous mit Wladimir Putin
(arminwolf.at)
Ein Interview mit dem russischen Präsidenten Putin zu bekommen, ist normalerweise fast ein Ding der Unmöglichkeit. Armin Wolf ist es gelungen. In seinem Blog erzählt er auf unterhaltsame Art, wie es dazu kam („…in Wahrheit habe ich gar nichts dazu getan”), berichtet von den Abläufen vor und beim Termin und verrät Putins beliebteste fünf Antwort-Strategien.

4. Die Verdopplung der Schäbigkeit
(freitag.de, Klaus Raab)
Klaus Raab kommentiert in seinem „Medientagebuch“ die Nachricht der beiden Medienhäuser „Madsack“ und „DuMont“ zukünftig, eine gemeinsame Berlin-Redaktion zu betreiben: „Dass mit einer solchen Kooperation eine Verringerung der Pressevielfalt einhergeht, ist offensichtlich.“, so Raab. Außerdem sei die in Aussicht gestellte Verdoppelung der Stellen Blendwerk, eher handele es sich um eine „Dreiviertelung“.
Unbedingt beachtenswert dazu auch Anne Fromms Beitrag in der taz: Bericht aus Berlin

5. Gummibegriff «öffentliches Interesse»
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Das Schweizer Boulevardblatt „Blick“ hat berichtet, dass der Sohn eines Prominenten im Verdacht stehe, am G-20-Gipfel in Hamburg randaliert zu haben. Nach Meinung des Bezirksgerichts Zürich war dies nicht statthaft: Der „Blick“ musste den Namen des prominenten Schweizers löschen. Richtig so, findet Rainer Stadler: „Die Redaktionen berufen sich regelmässig aufs öffentliche Interesse, wenn sie in die Privatsphäre von Prominenten eindringen. Es handelt sich hier um einen höchst dehnbaren Begriff, mit dem sich fast alles rechtfertigen lässt. Der hohe Anspruch wirkt öfters scheinheilig. Mit welchem guten Grund dürfen Journalisten eine Magistratsperson ins Scheinwerferlicht zerren, wenn deren Sohn Haschisch konsumiert hat oder in einen Autounfall verwickelt war? Es gibt keinen – solange der betreffende Politiker sich nicht einmischt und Polizei oder Justiz frei ihres Amtes walten lässt.“


6. Ignorieren, bis es zu spät ist
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Selten ist ein Gesetz so dysfunktional wie das Leistungsschutzrecht für Presseverleger gewesen, befindet Patrick Beuth, doch die Bundesregierung weigere sich das einzugestehen. Ganz im Gegenteil: Die Regierung trete dafür ein, das in vielerlei Hinsicht problematische Gesetz zum Modell für eine europäische Regelung zu machen.

7. Nein, „Hart, aber fair“ ist an dieser Sendungsankündigung überhaupt nichts!
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Weil der 6-vor-9-Kurator keinen Platz in eigener Sache wegnehmen will, hier ausnahmsweise eine siebte Leseempfehlung. Es geht um die aktuelle Sendungsankündigung zu Frank Plasbergs „Hart, aber Fair“ zum Thema „Flüchtlinge und Kriminalität“:
„Hier wird mit sprachlichen Mitteln und einigen als Fragen verkleideten Unterstellungen ein Framing betrieben, das die Köpfe der Zuschauer vergiftet. Derartige Formulierungen und Zuschreibungen sind ein Nährboden für Angst, Hass und Hetze.“

“Friss-oder-Stirb”-Datenschutz, “Hass”-Vokabel, Gekaufter Goodwill

1. Datenschutz à la „Friss oder Stirb“: Max Schrems reicht Beschwerde gegen Datenkonzerne ein
(netzpolitik.org, Leo Thüer)
Eigentlich sollen Nutzer ab sofort entscheiden können, ob und wem sie die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten erlauben. Bei den großen Datenkonzernen wird jedoch nach wie vor nach der Devise „Friss oder Stirb“ verfahren. „netzpolitik.org“ hat mit Datenschutzaktivist Max Schrems über den politischen Kontext des Regelwerks gesprochen und wie seine neue Organisation gegen Zwangszustimmungen vorgehen will.

2. Google und Uber sollen für positive Artikel gezahlt haben
(golem.de, Friedhelm Greis)
Bei der britischen Tageszeitung „Evening Standard“ konnten sich Firmen nach Angaben eines früheren Mitarbeiters positive Presse erkaufen. Unternehmen wie Google und Uber sei für eine halbe Million britischer Pfund eine Berichterstattung versprochen worden, “die man mit Geld nicht kaufen kann“.

3. »CICERO«
(der-rechte-rand.de, Charles Paresse)
Ist das Magazin „Cicero“ ein originär rechtes Projekt? Nein, findet Charles Paresse, doch „der »Cicero« dürfte für den Rechtsruck mehr leisten, als es explizit rechte Blätter können. Denn es holt rechte Debatten als gleichberechtigte Positionen ins Heft – unauffällig sickern sie so in die Gesellschaft ein, gelten als normal.“

4. Demos? No way!
(taz.de, Peter Weissenburger)
Während bei uns Journalisten darüber debattieren, ob man gleichzeitig auf eine politische Demo gehen und über damit verbundene Themen berichten kann, stellt sich diese Frage in den USA gar nicht erst: Dort ist es ihnen verboten. Und es herrscht eine strenge Trennung zwischen Berichterstattung und Meinung.

5. DSGVO: Datenschutz als Bedrohung für Journalisten?
(ndr.de, Daniel Bouhs & Sabine Schaper)
Wie wirkt sich die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf die Arbeit von freien Journalisten aus? Daniel Bouhs und Sabine Schaper haben für „Zapp“ bei den Bundesländern nachgefragt, wie sie den Schutz freier Journalisten in ihren aktualisierten Landespressegesetzen interpretieren. Das Ergebnis ist höchst uneinheitlich. Sieben Länder hätten sehr indifferent geantwortet oder auf Einzelfallentscheidungen verwiesen. Freie Journalisten in Niedersachsen, die ohne Rückendeckung eines etablierten Medienhauses recherchieren, sehen sich sogar einem großen juristischen Risiko ausgesetzt.
Auch Fotografen machen sich Sorgen, was die Überlassung ihrer Bilder an Archive anbelangt. Dies könne nämlich bedeuten, zukünftig Zustimmungen sämtlicher, auch als „Beiwerk“ abgebildeter Personen nachweisen zu müssen.

6. Hass, der Flüssigkitt der Journalisten
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
In ihrer Kolumne weist die Journalistin Silke Burmester daraufhin, dass nicht alles „Hass“ ist, was von Journalisten als solcher bezeichnet werde und empfiehlt den Kollegen, auf die “Hass-Inflationsbremse zu treten“.

Untoter Journalist, Zombie-Gesetz, Roseannes Schlafmittel

1. Tot für einen Tag
(sueddeutsche.de, Florian Hassel)
Vorgestern meldete die ukrainische Regierung die Ermordung des Kreml-kritischen Journalisten Arkadi Babtschenko. Gestern tauchte der offiziell Totgesagte putzmunter auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes auf. Die vorgetäuschte Ermordung am Vorabend sei Teil einer seit Monaten vorbereiteten Aktion des Geheimdienstes gewesen.
Auf n-tv.de wird der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands DJV, Frank Überall zitiert: “Es ist gefährlich, in einer Welt zu leben, wo die Behörden, wo die Politik die Bürger und die Öffentlichkeit dreist belügen.”

2. Das Leistungsschutzrecht – ein Zombie-Gesetz aus Deutschland wird bald in ganz Europa Realität
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Das umstrittene Leistungsschutzrecht soll den Verlagen einen Anteil an den Werbe-Erlösen der Internetkonzerne sichern. Was in Deutschland seit fünf Jahren nicht recht klappen will, soll nun bald auf EU-Ebene eingeführt werden. Alexander Fanta erklärt auf „netzpolitik.org“ die Hintergründe.

3. Spitze in allen Hinsichten
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek, Audio, 4:21 Minuten)
Arno Orzessek hat sich mit dem Social-Media-Verhalten des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder beschäftigt: „Fotos von dem, was sein Bäuchlein rund erhält, findet Söder auch wichtig: Wiener mit scharfem Senf, Knoblauchbrot mit Röstzwiebeln, Pistazieneis, solche Sachen. Und weil kein Follower vom Knoblauchbrot allein lebt, streut er geistvolle Aphorismen zur Lebensweisheit ein: “Es gibt gute Freunde und Bekannte, aber nur eine Mutter im Leben.““

4. 11 Screenshots, die zeigen, das Facebook Datenschutz immer noch nicht ernst nimmt
(motherboard.vice.com, Sebastian Meineck)
Bei „Motherboard“ wollte man wissen, wie Facebook nach Datenskandal, Zuckerberg-Befragung und Inkrafttreten der DSGVO mit Neukunden umgeht und hat sich durch die verschachtelten Screens eines extra dafür angelegten Profils geklickt. Das Fazit: „Bevor der durchschnittliche Nutzer die versteckten Menüs der Facebook-App wirklich durchforstet, wird er sich wohl eher einen Spaziergang auf dem Mond genehmigen.“

5. Sprachassistenten und ihre Auswirkungen auf den Radiomarkt
(blmplus.de, Guido Schneider)
Amazon und Google haben „Smart Speaker“ im Angebot, die sich über Sprachassistenten steuern lassen. Nun entdecken Radiosender die Technik für sich und bieten sogenannte „Skills“ an, mit denen sich die Geräte besser und direkter steuern lassen.
Weiterer Lesetipp: Kommentar zu Amazon Echo: Wer Alexa nutzt, verwanzt sich selbst

6. Tweet des Arzneimittelherstellers Sanofi
(twitter.com/SanofiUS)
Nachdem die Schauspielerin Roseanne Barr ihre unsäglichen Äußerungen, die zum Absetzen ihrer Serie führten, auf die Einnahme eines Schlafmittels zurückführt, hat sich der Hersteller des Präparats zu Wort gemeldet.

Roseannes Aus, Rollenverständnis, Asoziales (Tumblr)Design

1. TV-Star Roseanne twittert sich ins Aus
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Die amerikanische Schauspielerin Roseanne Barr hat dem Fernsehsender „ABC“ mit der Wiederaufnahme der TV-Serie „Roseanne“ tolle Quoten beschert, doch nun hat der Sender die Serie abgesetzt. Der Grund: Eine rassistische Bemerkung Barrs über die afroamerikanische Juristin Valerie Jarrett, die als ranghohe Beraterin für Ex-Präsident Barack Obama arbeitete. Doch das Problem reicht wesentlich tiefer: So hatte Roseanne Barr sich auf Twitter bereits verschiedentlich auf unsägliche Weise geäußert, Personen denunziert und wüste Verschwörungstheorien verbreitet. Mittlerweile hat Barr auf Twitter um Entschuldigung gebeten und ihren Twitter-Rückzug angekündigt, danach jedoch eine ganze Kaskade an Tweets bzw. Retweets losgelassen, die im Widerspruch dazu stehen und Zweifel an Aufrichtigkeit und Einsicht aufkommen lassen.

Weiterer Lesehinweis: Buzzfeed mit einem Artikel über den Krieg der Hashtags und Filterblasen: Here’s How The Same #BoycottABC Hashtag Was Used By The Right And Left

2. “Journalisten müssen ihre Rolle im Blick behalten”
(deutschlandfunk.de, Hanning Voigts & Brigitte Baetz & Michael Borgers, Audio, 5:40 Minuten)
Darf man als Journalist gegen die AfD demonstrieren und anschließend wieder über die Partei berichten? Mit dieser Frage hat „Zeit”-Redakteur Martin Machowecz vor wenigen Tagen auf Twitter eine teilweise leidenschaftlich geführte Debatte ausgelöst. Der Deutschlandfunk hat sich beim Journalisten Hanning Voigts nach seiner Sicht erkundigt und lässt im Artikel weitere Journalisten zu Wort kommen.
Die „taz“ hat sich mit Debatten-Initiator Machowecz über seine Sichtweise unterhalten: „Man ist kein Zweifelnder mehr“
Weiterer Lesehinweis: Umgang mit der AfD: Ein Land hat das Stockholm-Syndrom (metronaut.de, Mikael in den Fahrt)

3. Kein Hochglanz-Smalltalk mehr
(taz.de, Carolina Schwarz)
Das Ende der 60er Jahre von Andy Warhol mitbegründete „Interview Magazine“ wird eingestellt. Zu finanziellen Schwierigkeiten kamen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, über die der „Boston Globe“ berichtet hatte.

4. Faktencheck: Satire-Beitrag über Claudia Roth falsch verstanden
(correctiv.org, Tania Röttger)
Eine dubiose Seite hat unter dem Label der angeblichen Satire Fake-News über Claudia Roth veröffentlicht. Dieser Artikel hat sich im Netz verbreitet und auch die Rechtsaußen-Politikerin Erika Steinbach (ehemals CDU) erreicht, die gleich zu ihrer Lieblingswaffe gegriffen hat: Twitter.

5. kontertext: Die Rassentheorie wird wieder salonfähig
(infosperber.ch, Rudolf Walther)
Der Historiker und freie Journalist Rudolf Walther wirft der „NZZ“ vor, die Rassentheorie wieder salonfähig zu machen. Dabei geht es um den Tenor eines Artikels über einen vom Genetiker David Reich ausgelösten Wissenschaftlerstreit.
(Mehr zu der Diskussion u.a. bei „Deutschlandfunk Kultur“: Wissenschaftler streiten über den Begriff “Rasse”)

6. Asoziales Design
(uarrr.org, Marcel Wichmann)
Die beliebte Blogging-Plattform „Tumblr“ hat wegen der in Europa neu geltenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ihre Datenschutzeinstellungen überarbeitet. Marcel Wichmann hat sich durch die benutzerunfreundlichen und verschachtelten Optionen gequält, die augenscheinlich einzig eines zum Ziel hätten: „(…) dass die Wahrscheinlichkeit möglichst gering ist, dass Leute Tumblr die Möglichkeit nehmen mit ihren Daten Geld zu verdienen. Aus Business-Sicht völlig nachvollziehbar, aber aus menschlicher Sicht einfach unmoralisch und ja, asozial.“

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