Belästigt & Verklagt, „Handelsblatt“ vs. Tichy, Jeremy Corbyn gelinkt?

1. Per Facebook belästigt, dann verklagt
(spiegel.de, Hasnain Kazim)
Als die ehemalige österreichische Grünen-Abgeordnete Sigi Maurer via Facebook zutiefst beleidigende und obszöne Facebook-Nachrichten erhält, macht sie den Vorgang öffentlich. Doch der Besitzer des Accounts, von dem die Nachrichten stammen sollen, bestreitet, der Verfasser zu sein (wenn auch einige Indizien gegen ihn sprechen), und verklagt nun Maurer wegen „Kreditschädigung“ und „übler Nachrede“. Rund 60.000 Euro verlangt er von Maurer. Plus die Übernahme der Kosten für das Verfahren.

2. Wie die britische Labour-Partei ihren eigenen Parteichef mit Microtargeting linkte
(netzpolitik.org, Leo Thüer)
Man mag es fast nicht glauben, so ungeheuerlich klingt es: Im britischen Parlaments-Wahlkampf 2017 soll Oppositionsführer Jeremy Corbyn von seiner eigenen Partei per Social Media manipuliert worden sein. Führende Funktionäre in der Labour-Parteizentrale hätten Werbeanzeigen auf Facebook im Wert von ein paar Tausend Pfund eingekauft, die ausschließlich für Corbyn und seine engsten Vertrauten ausgespielt wurden. Angebliches Ziel der Labour-Parteiführung: Ihren eigenen Kandidaten von einem allzu linken Wahlkampf abzuhalten.

3. Klarstellungen des „Handelsblatt“ zum Bericht von Fritz Goergen auf „Tichys Einblick“
(twitter.com/handelsblatt)
Das „Handelsblatt“ und „Tichys Einblick“ tragen ein öffentliches Duell aus. Zunächst hatte das „Handelsblatt“ von einem Streit um den Vorsitzenden der Ludwig-Erhard-Stiftung Roland Tichy berichtet (Eklat in der Ludwig-Erhard-Stiftung – Friedrich Merz lehnt Preis ab, Bezahlartikel).
Daraufhin warf der Autor Fritz Goergen auf Tichys Internet-Plattform „Tichys Einblick“ dem „Handelsblatt“ unter anderem „billige Agitation“ vor. Worauf das „Handelsblatt“ auf Twitter nun mit seinen „Klarstellungen“ reagiert.
Weitere Lesehinweise: Die Analyse des „SZ“-Autors Detlef Esslinger: Um keinen Preis auf einer Bühne mit Tichy stehen.
Und wer mit „Tichys Einblick“ so überhaupt nichts anfangen kann, freut sich vielleicht über die Einordnung auf „Übermedien“. Sie stammt zwar aus dem Jahr 2016, ist jedoch auf gewisse Weise zeitlos: Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit (Michalis Pantelouris).

4. So spielt Horst Seehofer mit den Medien | WALULYSE
(youtube.com, Video, 9:05 Minuten)
Fernsehsatiriker Philipp Walulis hat sich angeschaut, wie Horst Seehofer mit den Medien spielt. Es geht um Horserace-Journalismus, tröpfelnde Infos, Rücktritts-Rücktritte, Stimmungsmache und Framing sowie die Unterstützung durch „Bild“.

5. Der Krawallmodus wird ihr nicht helfen
(deutschlandfunkkultur.de, Peter Zudeick)
Im politischen Feuilleton bei „Deutschlandfunk Kultur“ widmet sich Peter Zudeick in einem Kommentar der „Bild“-Zeitung. Dank fetter Schlagzeilen, dünner Storys und Skandalen, die keine sind, sei „Bild“ wieder ganz das alte Krawallblatt. Letztlich würde das jedoch nicht helfen, den negativen Auflagentrend zu stoppen, so Zudeick. (Leider dabei die großen Digtalzuwächse außer Acht lassend, wie Dennis Horn auf Twitter kommentiert.)

6. Liebe Focus-Redaktion, unsere STERN-Kollegen sitzen gerade an der Titelgeschichte „Die 100 besten Ideen fürs Sommerloch“.
(twitter.com/grunerundjahr)
Das Verlagshaus „Gruner & Jahr“ legt auf Twitter den hauseigenen „Stern“ und das Burda-Magazin „Focus“ nebeneinander: Beide titeln, wenig einfallsreich, mit den „50 Traumzielen“ in Deutschland/vor der Haustür. Humorig schreibt der „Gruner & Jahr“-Twitter-Beauftragte im meta-ironischen Höhöhö-Sound: „Liebe Focus-Redaktion, unsere STERN-Kollegen sitzen gerade an der Titelgeschichte „Die 100 besten Ideen fürs Sommerloch“. Wollen wir bei der Recherche 50/50 machen?“ Das könnte lustig sein, wenn es nicht so traurig wäre: Was das penetrante Perpetuieren der ewig gleichen Sommerlochgeschichte anbelangt, ist der „Stern“ nämlich ein unverbesserlicher Serientäter.