Kahns Alibi

Wo war Oliver Kahn wirklich, als ihn die „Bild am Sonntag“ bei einer Ehe-zerstörenden Liebesnacht in seinem Haus in München wähnte? Er saß, laut eigener Erklärung, beim Frühstück im Hotel Maximilian in Bad Griesbach. Zufällig traf er dort Alfred Draxler, Sportchef und Mitglied der Chefredaktion von „Bild“ und „Bild am Sonntag“. Leider befand sich Draxler gerade im Urlaub und hatte offenbar – wie Kahn – keine Lust auf lange, klärende Gespräche mit seinen Kollegen in der Redaktion.

Es war nicht 23.07 Uhr

Die Geschichte der angeblichen „Scheidungsschlacht“ von Oliver und Simone Kahn muss neu geschrieben werden. Das bisschen, was „Bild“ mangels Zugang zu den Beteiligten an Fakten herausgefunden hatte, war falsch. In einer Pressemitteilung teilt Axel Springer mit:

Ein Artikel unter der Überschrift „Erst Liebesnacht, dann Scheidungsschlacht“ basierte auf Agenturfotos, die Oliver Kahn beim Verlassen seiner Wohnung in München zeigen. Diese Fotos wurden der Zeitung mit falschen Zeit- und Datumsangaben angeboten.

Im Klartext: Die Liebesnacht fand nicht zum jetzigen Zeitpunkt statt und war nicht der Auslöser der Scheidung.

Trotz Quellenprüfung und vorliegender eidesstattlicher Versicherung des Fotografen, stellte sich jetzt heraus, dass BILD am SONNTAG mit dem Abdruck der Fotos offenbar einem vorsätzlichen Betrug aufgesessen ist. Gegen den betreffenden Fotografen wird deshalb Strafanzeige erstattet.

Rumsbums-„BamS“-Chefredakteur Claus Strunz entschuldigte sich bei Kahn für den „schweren Fehler“.

Anders als Strunz hat Oliver Kahn übrigens nicht nur ein Problem mit den Fehlern, sondern überhaupt damit, dass da Fotografen rund um die Uhr vor seinem Haus herumlungern. Er erklärt:

Im übrigen werde ich es nicht mehr hinnehmen, dass meine Privatsphäre derart grob verletzt wird, wie dies Bild am Sonntag und Bild getan haben – unabhängig davon, dass ihre Geschichten frei erfunden waren.

Klingt nicht so, als ob er die „Bild“-Leute bald wieder aus der Kälte hinein in sein Leben lässt.

Persönliche Verhältnisse

Löblich. „Bild“ erklärt: „So füllen Sie das Formular fürs Arbeitslosengeld II aus.“ Erstens: „Allgemeine Daten“.

Straße. Hier die Adresse eintragen: Straße und Hausnummer. (…)
Bankverbindung. (…) Bei BLZ die Bankleitzahl eintragen (steht unten auf dem Kontoauszug oder hinten auf der Scheckkarte). Die Kontonummer steht unten auf dem Kontoauszug oder auf der Vorderseite der Scheckkarte.
bei Bank… Name der Bank. Name des Kontoinhabers: Ihr Name, wenn das Konto Ihnen gehört. (…)“

Und jetzt: „Persönliche Verhältnisse“.

Name. Noch mal eigenen Namen (links) und Nachnamen des Ehepartners/Lebenspartners (rechts) eintragen.“

Tipp: Steht auf dem Briefkasten oder der letzten Rechnung vom Beate-Uhse-Versand.

Wir müssen leider draußen bleiben V

Oliver Kahn ist am Montag 20 Minuten zu spät zum Training erschienen. Ist das der Hammer? Klar, dass man sich da Sorgen macht als fürsorgliches Boulevardblatt, ins ausführliche Grübeln kommt und sich und die Welt in großen Buchstaben fragt:

Zerbricht Olli Kahn?

…vor allem, wenn diese 20 Minuten Verspätung die einzige neue Information sind, die man um die angeblich entbrannte „Scheidungsschlacht“ herausbekommen konnte. (Die Kunst, allein damit und mit Archivmaterial eine Titelschlagzeile zu zaubern und fast eine ganze Zeitungsseite zu füllen, nennt man in Journalistenkreisen übrigens: Locken auf einer Glatze drehen.) Nein, es spricht immer noch keiner der Beteiligten mit „Bild“. Dabei versuchen sich die „Bild“-Reporter inzwischen sogar als freundlicher Weckdienst und rufen an, wenn er drei Minuten nach Beginn nicht beim Training ist. Und Kahn? Schüttet der Zeitung bei der Gelegenheit gleich mal sein Herz aus: „Warum 9 Uhr Training? Das hat mir keiner gesagt.“

Wir müssen leider draußen bleiben IV

„Dunkle Sonnenbrille, genervter Blick:“ Darüber, warum Bärbel Schäfer „so unglücklich“ guckte, kann auch „Bild“ nur spekulieren. Möglicherweise hing es damit zusammen, dass die „Bild“-Reporter Rukiye Öztürk und Mark Gellert ihr sonntagmorgens um 6.30 Uhr am Frankfurter Flughafen „einen guten Flug“ wünschten.

Wir müssen leider draußen bleiben III

Ist das bitter. Die Scheidung des Jahres – und immer noch redet keiner der Beteiligten mit „Bild“. Oliver Kahn nicht, Simone Kahn nicht (dafür aber mit der „tz“), Verena Kerth nicht (dafür aber mit der „Abendzeitung“). Drei Reporter durften ihren Namen über den „Bild“-Artikel schreiben, darunter Christiane „Ich weiß es“ Hoffmann. Und zusammen wissen sie noch nicht einmal genug, um das Fragezeichen hinter der Überschrift („Teuerste Scheidung des Jahres?“) entbehrlich zu machen.

Was bekommt Simone?

Öh?

Wie doll muss Olli bluten?

Tja.

Ist Simone stark genug für einen Kampf um die Millionen?

Hm. Wer weiß? „Bild“ nicht.

Seitenspringen wie die Promis

Was verbirgt sich hinter dieser Ankündigung auf der Startseite von Bild.de? Eine schlichte, wahrscheinlich vom Praktikanten aus dem Archiv zusammengeklaubte Liste? Ja, auch. Aber vor allem Werbung, für eine nicht ganz so günstige Art, im Internet Kontakte zu knüpfen:

Sie wollen auch mal wieder was Neues? Beim Seitensprung-Treff werden Sie geholfen!

…steht am Ende des Fremdgeh-Artikels, mit Verweis auf diese Seite, die angesichts eines Monatspreises von 30 Euro doch etwas amateurhaft wirkt. Aber mit einem Partner wie der „Bild“-Zeitung im Boot kann man auch von Asbach-Bäumenheim aus groß rauskommen.

An der Quelle

„Benzinpreis hat in den Ferien fast Rekord-Hoch“, berichtete „Bild“ am Samstag, und zwar „laut Infodienst EID“. Bei Reuters wird eine Meldung draus: „‚Bild‘: Benzinpreise fast wieder auf Rekordhoch.“ Im Text steht: „Die Benzinpreise in Deutschland liegen nach Informationen der ‚Bild‘-Zeitung fast wieder auf Rekordniveau“ bzw. dann im zweiten Satz: „Die Zeitung berichtete am Samstag unter Berufung auf den Erdöl-Informationsdienst (…)“ (siehe u.a. auch Spiegel Online).

Und die Rumsbums-„BamS“ schreibt: „Nach Erkenntnissen des Erdöl-Informations-Dienstes (EID) liege der Preis für ein Liter Superbenzin in Deutschland durchschnittlich bei 1,20 Euro, berichtete BILD.“

Rums und Bums

Unser Kürzel passt perfekt. Bei „BamS“ macht’s immer rums und bums.

„Bild am Sonntag“-Chefredakteur Claus Strunz (37) im „Spiegel“.

Wir müssen leider draußen bleiben II

Simone Kahn hat die Scheidung von Oliver Kahn eingereicht. Anscheinend hat sie das vorher nicht der „Bild“-Zeitung angekündigt, weshalb „Bild“ von einem „überraschenden“ Schritt spricht. Offenbar wollten weder Simone (34) noch Oliver (35) noch Olivers Geliebte Verena (23) mit „Bild“ reden, weshalb der – wieder einmal – nichts anderes übrig blieb, als einen Reporter stundenlang, nächtelang mit der Kamera vor dem Haus der Kahns herumstromern zu lassen.

Um 23.07 Uhr besucht Verena ihren Olli in seiner Münchner Villa. Um 2 Uhr löschen sie das Licht im Erdgeschoss, kurz darauf ist das Schlafzimmer hell erleuchtet. Erst um 2.45 Uhr schaltet das Pärchen die Deckenlampe aus. Morgens verlässt Olli um 8.07 Uhr die Villa, in der Hand hält er seinen Kulturbeutel. Verena kommt um 9.30 Uhr aus dem Haus.

An der Überschrift des Artikels „Erst Liebesnacht, dann Scheidungsschlacht“ stimmt übrigens nichts. Erstens war es umgekehrt: Nach Aussage ihres Beraters Dr. Gerald Meier (41) hat Simone Kahn bereits vor zwei Wochen die Scheidungspapiere vorbereiten lassen, Oliver Kahns Liebesnacht deutet er in ihrem Namen als „Reaktion“ darauf. Zweitens gibt es von einer „Schlacht“ bisher (auch in „Bild“) überhaupt keine Anzeichen.

Aber wetten: Die „Bild“-Zeitung arbeitet bereits daran.

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