medienlese – der Wochenrückblick

Wahltag, Börsencrash, Kekse.

Die Woche vor den heutigen Parlamentswahlen in der Schweiz brachte nochmals Aufruhr über die Berichterstattung der ausländischen Medien in der Schweiz. 20min.ch scannte eine in der New York Times International Weekly erschienen Karikatur und schrieb am 16.10.2007: „Das Image der Schweiz im Ausland ist schwer angeschlagen.“ Und am 19.10.2007: „Ein Sturm im Wasserglas – Der Schweizer Wahlkampf wirft in den USA trotz kritischen Medienberichten keine grossen Wellen. Auch gibt es kaum handfeste Beweise dafür, dass das Image der Schweiz in den USA gelitten hätte.“

Im Spiegel erklärte Mathieu von Rohr die Konkordanz in der Schweiz für tot. Er schrieb: „Seit 1959 hatten die vier grössten Parteien des Landes die Macht nach der sogenannten Zauberformel untereinander aufgeteilt: (…) bildeten die Regierung. Dieses geheiligte Prinzip hiess ‚Konkordanz‘, es führte dazu, dass das Land eher verwaltet als regiert wurde. Die sieben Bundesräte fällten ihre Entscheide in geheimer Abstimmung und vertraten sie gemeinsam nach aussen. Der Aufstieg Blochers und seiner SVP sprengte dieses System. Am Ende überflügelte seine Partei alle anderen so weit, dass sie ihn in die Regierung wählen mussten. (…)“. Nicht nur ich, auch die Süddeutsche Zeitung wusste noch nichts davon. Sie schrieb einen Artikel mit dem Titel „Krach in der Konkordanzdemokratie„. Klaus J. Stöhlker enthüllte die Parteiprofile. Die Quelle der Daten seien, so ergab eine E-Mail-Anfrage, Tabellen in der Tageszeitung Le Temps.

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Was Kai Diekmann nicht sagt

„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann hat der Schweizer „Weltwoche“ ein Interview gegeben. Es ist so mittelinteressant, aber auf die Frage, warum Diekmann im Jahr 2002 die vermeintlichen Enthüllungen über eine Sex-Affäre des damaligen Schweizer Botschafters Thomas Borer mit der Parfümverkäuferin Djamile Rowe abgelehnt habe, antwortet der „Bild“-Chef bloß:

Die Geschichte betraf Vorgänge, die ausschliesslich zwischen dem Botschafter und seiner Frau zu diskutieren waren.

Mehr hat Diekmann dazu nicht zu sagen.

Diekmann sagt nicht, dass — nachdem der Schweizer „Sonntags-Blick“ am 31. März 2002 die angebliche Affäre Borers enthüllt hatte — auch „Bild“ und „Bild am Sonntag“ detailliert und groß berichteten (u.a. am 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 11., 12., 13., 14., 15., 17., 25., 28. und 29 April). Diekmann sagt nicht, dass „Bild“ immer wieder „Freunde“ des Botschafterpaars zitiert und z.B. einen „BILD-Medizinexperten“ zu einer mutmaßlichen Fehlgeburt von Borers Ehefrau Shawne Borer-Fielding befragt hat. Diekmann sagt nichts über „Bild“-Schlagzeilen wie „Botschafter-Affäre! Jetzt spricht die schöne Gattin“ („Martin S. Lambeck störte sie beim Urlaub auf Mauritius“) oder darüber, dass die „BamS“ anschließend schrieb: „Als BamS Thomas Borer kurz nach seiner Ankunft zu Hause auf dem Handy erreichte, wirkte er resigniert.“

Und Diekmann sagt nichts über Alexandra Würzbach. Wir schon:

Schließlich ist Alexandra Würzbach die Autorin des Artikels im „Sonntags-Blick“, der die vermeintliche Sex-Affäre öffentlich machte (siehe Ausriss) — und den die „NZZ“ später als ein „mit perfidem ‚Textdesign‘ und skrupellosen Verhörmethoden“ angerichtetes „Schmierenstück“ bezeichnen sollte. Aber der Reihe nach…

Würzbach hatte, wie übrigens auch ihr Mann Ralph Große-Bley, zuvor bei Axel Springer gearbeitet: Große-Bley bei „Bild“, Würzbach bei der Berliner „Bild“-Schwester „B.Z.“, wo sie vom damaligen Chefredakteur Franz Josef Wagner den Auftrag hatte, die Ehefrau des schweizer Botschafters „zur Society-Königin von Berlin hochzuschreiben“, wie es der heutige „BILD-Royal“-Kolumnist Alexander von Schönburg damals für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ formulierte. 2002 dann arbeiteten beide für den „Sonntags-Blick“: Große-Bley als stellvertretender Chefredakteur, Würzbach als Berlin-Korrespondentin. (Von Schönburg schrieb: „Das Ehepaar Borer-Fielding war eigentlich das einzige Thema, über das sie nach Zürich berichtete.“)

Und vielleicht erinnern wir uns kurz, dass die „Sex-Affäre“ im Juli 2002 eine, nun ja, überraschende Wende nahm: Djamile Rowe, inzwischen zum „Botschaftsluder“ avanciert, widerrief vor Gericht ihre Affären-Behauptung komplett und behauptete stattdessen, „Sonntags-Blick“-Reporterin Würzbach habe ihr „ständig ein solches Verhältnis einzureden“ versucht („Sie skizzierte für mich ein Horrorszenario, wenn ich eine sexuelle Beziehung in Abrede stellen werde.“) und viel Geld geboten, was anschließend wiederum Würzbach bestritt. (Mehr dazu siehe Kasten.)

Die „Bild“-Zeitung zitierte am 8. Juli 2002 unter der Überschrift „Alles Lüge“ aus einer Eidesstattlichen Versicherung Rowes und drückte bereits fünf Tage später eine „Gegendarstellung“ Würzbachs, in der es hieß:

„Richtig ist, dass ich nicht versucht habe, Frau Rowe ein Verhältnis mit Dr. Borer einzureden. Ich habe keinen psychischen Druck auf Frau Rowe ausgeübt und ihr auch keinen hohen Geldbetrag dafür angeboten.“

„Bild“ kommentierte die Gegendarstellung damals mit den Worten:

„Das Presserecht verpflichtet uns zum Abdruck dieser Gegendarstellung. Egal, ob sie wahr oder unwahr ist.“

Übrig blieb von Würzbachs „Sex-Skandal“ schließlich nur das öffentliche Eingeständnis des Ringier-Verlags, dass Würzbach mit Rowe ein „Informationshonorar“ von 10.000 Euro ausgehandelt habe — und das Ende von Würzbachs Karriere beim „Sonntags-Blick“. Im Juli 2002 bat sie um Entlassung aus ihrem Arbeitsverhältnis. Denn „psychischer Druck“ und „Informationshonorar“ waren nicht die einzigen Vorwürfe gegen die Journalistin. Ringier gab außerdem zu, dass Würzbach sich einige Nacktfotos von Rowe, die zehn Jahre zuvor in der „Super-Illu“ zu sehen waren, widerrechtlich (offenbar unter dem Vorwand, für eine Reportage über Ostdeutschland zu recherchieren) im „Super-Illu“-Archiv besorgt bzw. zur Bebilderung ihrer vermeintlichen Enthüllungen abfotografiert habe. Dem „Sonntags-Blick“ habe sie jedoch anschließend gesagt, die Frage der Rechte der Bilder sei geklärt.

Und weiter? Weiter nichts: Anschließend bekam Alexandra Würzbach (wie übrigens auch ihr Mann Große-Bley) einen Job bei „Bild“.

Schon im Januar 2003 erschienen wieder Artikel unter ihrem Namen in „Bild“, Artikel mit Überschriften wie „Meine Nacht mit Paris Hilton: BILD-Reporterin Alexandra Würzbach feierte mit dem Party-Girl in Cannes“ oder „Hat Paris Hilton ein Kleid von Berliner Mode-Designer geklaut?“ Besonders beeindruckt hat uns jedoch auch diese kleine Fortsetzungsgeschichte aus dem vergangenen Jahr. Da berichtete Würzbach zunächst über „Deutschlands schönste Knast-Wärterin“ und schrieb neben ein großes Nacktfoto von Nicole G., dass sich männliche Häftlinge vor ihr exhibitionieren, weibliche sie hingegen als „Nutte, Schlampe, Lesbe“ beschimpfen würden, denn:

Seit 11 Jahren ist sie hinter Gittern. Aber jetzt packt sie aus!

(…) Nicole ist „Misses Schleswig-Holstein“, zeigt ihren Körper gern: „Ich will zeigen, dass auch ’normale‘ Frauen nach der Schwangerschaft wieder eine Top-Figur… [usw. usf.]

Besonders beeindruckt hat uns das, weil Würzbach zwei Tage später unter der Überschrift „So haben die BILD-Fotos mein Leben verändert“ schrieb:

Elf Jahre hinter Gittern, das reicht. Deutschlands schönste Knastwärterin will endlich raus. Nicole G. (33) wandert aus.

Am Dienstag entblätterte sich die zweifache Mutter in BILD, berichtete von ihrem Arbeitsalltag als Justizvollzugsbeamtin im Hamburger Untersuchungsgefängnis. Nun packt sie die Koffer. „Ich ziehe nach Neuseeland, ans schönste Ende der Welt. (…) Ich habe meinen Arbeitgeber um Freistellung, also unbezahlten Urlaub, für sechs Jahre gebeten“, erklärt Nicole. „Ich (…) war lange genug der Prügelknabe für alle. Viele Insassen behandeln einen schlecht, beschimpfen die Wärter (…). Auf Dauer macht mich das krank.“

Vielleicht kommt Nicole G. mit der Auswanderung auch einer Kündigung zuvor. Denn: „Die Justizbehörde ist von solchermaßen geschaffenen ,nackten Tatsachen nicht begeistert. (…)

Aber worum ging’s noch mal eigentlich? Ach ja, darum, dass Diekmann im „Weltwoche“-Interview auf die Frage, warum er damals die Borer-Story ablehnt habe, nicht geantwortet hat:

Im Grunde hatten wir Glück. Die Geschichte betraf Vorgänge, die ausschliesslich zwischen dem Botschafter und seiner Frau zu diskutieren waren (lacht). Aber wir haben das Ganze ja auch so in aller gebotenen Ausführlichkeit begleitet und konnten uns, als sich die Sache als fatale Falschmeldung herausstellte, sogar guten Gewissens weit aus dem Fenster lehnen. Anschließend haben wir dann übrigens die für das Fiasko verantwortliche Autorin bei „Bild“ eingestellt. Erst kürzlich ist sie ja mit mir ins indische Dharamsala gefahren, um den Dalai Lama zum BILD-Exklusiv-Interview zu treffen.

Aber vermutlich hätte das den Rahmen des „Weltwoche“-Interviews gesprengt. Schließlich geht’s darin ja eigentlich um Diekmanns neues Buch. Es trägt den Titel „Der große Selbstbetrug“.

Neues aus der Zeitreise-Redaktion

Wir müssen gestehen, wir sind ein wenig ratlos. Wir wissen nicht, wie man bei „Bild“ auf die Idee gekommen ist, heute diese Geschichte auf die Titelseite (!) zu bringen:

"Schwarzes Loch im All singt tiefes C"

Vielleicht war es so: Der „Bild“-Mitarbeiter, der für den gestrigen Artikel über die Entdeckung des größten Schwarzen Lochs im Weltall zuständig war, hat irgendwann bei seinen — sicherlich umfangreichen — Recherchen auch mal „black hole“ auf der englischsprachigen Google-News-Seite eingegeben und erhielt als zweiten Treffer eine Geschichte von „Scientific American“ mit der Überschrift:

Strange but True: Black Holes Sing

Diese Geschichte hat der „Bild“-Mitarbeiter gelesen, sodann kurz, knackig und leicht verständlich aufgeschrieben und ein paar kleinere Fehler eingebaut, und irgendwer hat dann entschieden, dass diese tolle Story glatt einen Platz auf der Titelseite verdient hat. Das ist natürlich reine Spekulation.*

Fakt ist: Die „Bild“-Titelgeschichte kommt volle vier Jahre zu spät. Bereits im Jahr 2002 hat der „US-Röntgensatellit ‚Chandra'“, von dem „Bild“ schreibt, „die Schallwellen in der Perseus-Galaxie aufgeschnappt“ (und 2006 übrigens auch von einem anderen Schwarzen Loch). Im September 2003 wurden entsprechende Pressemitteilungen veröffentlicht, und in der Folge berichteten diverse Medien darüber. Neuigkeiten gibt es offenbar keine — jedenfalls nicht, seit auch „Bild“ im September 2003 über dasselbe Phänomen schrieb: „NASA entdeckt Musikplanet“ und sich fragte:

Musik im Universum? Tanzen auf fernen Planeten feingliedrige Aliens im 3/4-Takt? Hipp-Hopp? Techno? (…) Streicht jemand im All den Kontrabass? Wer haut auf die Pauke? (…) Oder ist es eine Hipp-Hopp-Boygroup von Außerirdischen? (…) Singt ein einsamer Alien in Moll?

*) Der Artikel auf „Scientific American“ vom 18.10.07 ist eher allgemeiner Natur. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie man im Vakuum des Alls überhaupt Schallwellen nachweisen kann. Das „singende“ Schwarze Loch dient nur als Aufhänger. Dass es schon 2003 entdeckt wurde, wird nicht erwähnt, dafür wird seine Entfernung aber, wie in „Bild“, mit „300 Millionen Lichtjahren“ angegeben. In den ursprünglichen Meldungen aus dem Jahr 2003 ist hingegen durchweg von 250 Millionen Lichtjahren die Rede. Anders als „Bild“ schreibt „Scientific American“ allerdings korrekt, dass es sich bei dem Ton nicht um eine „tiefes C“, sondern um B handelt, und dass er 57 Oktaven unter dem mittleren und nicht „57 Oktaven unter dem tiefen C“ liegt. Außerdem weiß man beim „Scientific American“ natürlich, dass es sich dabei nicht um ein „Pfeifen“ handelt und dass der Ton zu tief für das menschliche Gehör ist. Bei „Bild“ meint man hingegen, „wir bekommen das Pfeifen aus dem Schwarzen Loch nie zu hören“, weil „am Ende des Nebels“ Schluss sei für die Schallwellen. Das stimmt immerhin auch.

Mit Dank an ihlkawimsns und Peter K. für den Hinweis.

6 vor 9

Vor einem weissen Blatt Papier
(nzz.ch, Stefan Betschon)
Das erste Textverarbeitungssystem brachte IBM 1964 auf den Markt als Kombination von Kugelkopf-Schreibmaschine und Magnetspeicher. Geschriebenes konnte korrigiert und reproduziert werden. Seither hat sich vieles verändert, eines blieb sich gleich: Noch immer ist die Tastatur das Nadelöhr, durch das die Gedanken sich hindurchzwängen müssen.

Kopieren, Bearbeiten, Einfügen
(zuender.zeit.de, Chris Köver)
Billig, schlecht, einfallslos: Die Kopie hat einen schlechten Ruf. Ein Festival in Zürich sieht das anders. Mitveranstalter Mario Purkathofer über das Kopieren als Kultur.

„Das Vorgehen von Tamedia empfinde ich als Nötigung“
(persoenlich.com, Stefan Wyss)
Um die Internet-Domain www.sonntalk.ch ist ein Kampf zwischen Tamedia und Web-Adressenbesitzer Rudolf Lienhart entbrannt. Dabei fährt das Medienhaus schweres Geschütz auf. In einer Abmahnung droht es dem Computerfachhändler mit Schadenersatzforderungen, wenn er die Web-Adresse nicht abtritt. Dabei geht es Tamedia um das Markenrecht am „Sonntalk“ von Tele Züri und um die Glaubwürdigkeit der Sendung.

Braver Boulevard
(werbewoche.ch, René Worni)
Der SonntagsBlick erscheint am 21. Oktober erstmals in neuer Aufmachung. Erster Eindruck der Werbewoche-Redaktion: Brav.

BBC macht Werbung
(spiegel.de)
Als erster öffentlich-rechtlicher Sender in Europa hat die BBC grünes Licht erhalten, ihre internationalen Web-Angebote über Werbung zu refinanzieren. Damit konkurriert ein gebührenfinanzierter Sender erstmals direkt mit Medienhäusern aus der Privatwirtschaft.

Henryk M. Broder fährt Autobahn
(rbb-online.de, Video, 2:47 Minuten)
Wer zuerst „Hitler“ sagt, hat verloren: Der Wirbel um Eva Herman markiert einen Tiefpunkt der deutschen Debatte über das Dritte Reich.

„Bild“ versteht unsere Politiker nicht

Unter der Überschrift „Aus Sorge ums deutsche TV: Politiker fordern Deutsch-Quote gegen US-Serien“ schrieb „Bild“ gestern:

Jetzt fordern erste Politiker eine Deutsch-Quote, um heimische Produktionen zu schützen.
„Die SPD ist grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen“, sagt Medienpolitikerin Monika Griefahn (53, SPD) zu BILD. (…) Monika Griefahn: „Wir haben das Kulturstaatsministerium deshalb gebeten, zu diesem Thema die Bundesländer an einen Tisch zu holen.“

Seit gestern schreiben das (unter Berufung auf „Bild“) u.a. auch die Agenturen AP* und ddp sowie „taz“, „Tagesspiegel“, „Hamburger Abendblatt“, DWDL.de, „Frankfurter Rundschau“, „Stuttgarter Zeitung“, „Nürnberger Zeitung“ usw. usf.**

Heute hingegen schreibt Monika Griefahn unter der Überschrift „Richtigstellung des BILD-Berichts zur TV-Quote“:

Die SPD ist NICHT grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen. Zitate, die die BILD-Zeitung dahingehend am 17.10.2007 in meinem Namen verbreitete, entsprechen nicht der Wahrheit. Des Weiteren ist es ebenfalls nicht richtig, dass wir den Bundeskulturstaatsminister gebeten haben, zu diesem Thema die Bundesländer an einen Tisch zu holen. Aus diesen Gründen basiert der Artikel der BILD (…) weder auf meinen wahrheitsgemäßen Aussagen noch stellt er meine Position dar.

RICHTIG dagegen ist:
Nach wie vor, spreche ich mich für die stärkere Berücksichtigung von deutschsprachiger und in Deutschland produzierter populärer Musik im Rundfunk aus. (…) Wie auch der Deutsche Bundestag bereits 2004 in einem Antrag formuliert hat, fordere ich weiterhin einen runden Tisch, an dem Bund, Länder und Rundfunkveranstalter über dieses Thema sprechen und zu einer Selbstverpflichtung kommen. Dies allein war Inhalt des Gespräches mit der BILD-Zeitung.

*) Nach Veröffentlichung von Griefahns „Richtigstellung“ berichtet auch AP wieder. Die Überschrift lautet jedoch nicht etwa „Dementi“, „Korrektur“ oder „Sorry, wir hatten zuerst nicht nachgefragt, sondern bloß ‚Bild‘ geglaubt“ — sondern: „Griefahn für mehr deutsche Musik im Rundfunk“. Am Ende der Meldung, die ganz offensichtlich ausschließlich auf Griefahns „Richtigstellung“ beruht, heißt es bloß: „Griefahn (…) nahm damit Bezug auf einen Bericht der ‚Bild‘-Zeitung vom Mittwoch, in dem sie mit den Worten zitiert worden war, die SPD sei grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen.“ [Ende der Meldung]

Mit Dank Monika G. für den Hinweis.

**) Nachtrag, 20.10.2007: Die „taz“ schreibt in ihrer heutigen Ausgabe: „Monika Griefahn, 53, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, wurde falsch zitiert: Die SPD sei nicht, wie in der taz vom 18. 10. unter Bezug auf Bild berichtet, ‚grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen‘. (…) Bild habe sie gefragt, ob bei einer Diskussion zum Thema auch eine Quote für deutsche Serien angesprochen werde. Griefahn sagte zur taz, sie habe gesagt, man könne das mitdiskutieren. Sie sei aber im Fall der Musikquote für eine Selbst-, keine Zwangsverpflichtung der Sender. Zunächst müsse die Qualität gewährleistet sein. Das gelte auch für TV-Serien.“ Und DWDL.de hat eine „Richtigstellung“ veröffentlicht.

Nachtrag, 23.10.2007: In der heutigen Korrekturspalte von „Bild“ heißt es:

Berichtigung

Zum BILD-Bericht vom 17.10. („Politiker fordern Deutsch-Quote gegen US-Serien“) legt die SPD-Medienpolitikerin Monika Griefahn Wert auf die Feststellung, dass sie nicht für eine Pflicht-Quote für deutsche Serien im TV ist. Grundsätzlich befürwortet Frau Griefahn jedoch eine stärkere Berücksichtigung deutscher Serienproduktionen.

Memory für Nacktmulle

Die Kölner „Bild“-Redaktion musste gestern zu einem Artikel über den „HiltonMord„-Prozess vier Fotos von vier Männern, die alle irgendwie mit dem Fall zu tun hatten, die richtigen Namen zuordnen:

"Herr Staatsanwalt, warum ist der Hilton-Angeklagte frei?"

Es handelt sich hier um zwei Angeklagte, das Opfer und den Staatsanwalt. Eine lösbare Aufgabe, sollte man meinen. Nun ja.

Den Staatsanwalt (Foto 1) hat „Bild“ immerhin richtig. Ansonsten aber hätte eine Kolonie Nacktmulle wahrscheinlich eine höhere Trefferquote erzielt, als die „Bild“-Köln-Redaktion*:

  • Foto 2 zeigt den Angeklagten, der immer noch in Haft sitzt. „Bild“ gibt ihm aber den Namen des Angeklagten, der jetzt aus der Haft entlassen wurde und schreibt, er habe als erstes „eine Pizza in der Altstadt“ gegessen, „spazierte auch zum Rhein“.
  • Foto 3 zeigt das Opfer des „Hilton-Mordes“. „Bild“ gibt ihm den Namen des Angeklagten, der noch in Haft sitzt (Foto 2) und schreibt, er bleibe „bei seinen Beschuldigungen“.
  • Foto 4 zeigt den quicklebendigen Mitangeklagten, der aus der Haft entlassen wurde. „Bild“ gibt ihm den Namen des Opfers (Foto 3) und schreibt:

    Opfer Nikolaus G. (†37) wurde im Hilton erschlagen

Mit Dank an Steffen auch für den Scan.

*) Tatsächlich schafft selbst die Berliner „Bild“-Ausgabe es, die drei Fotos, die sie zu der Geschichte abdruckt, korrekt zu beschriften.

6 vor 9

Du bist Standort
(taz.de, Klaus Raab)
Nach der Musikquote im Radio fordern Politiker nun eine Deutschquote für Serien. Denn für die Sender sind US-Importe nicht nur günstiger, sondern auch erfolgreicher.

Senderchefs zur schönen neuen Medienwelt
(Werbewoche.ch, Carole Scheidegger)
Im Kongressteil der Screen-up & Congress vom Mittwoch diskutierten in einer «Elefantenrunde» die Senderchefs und –chefinnen von SF, RTL, Sat.1, MTV und 3+ in einem Podiumsgespräch zum Thema Digitalisierung.

Ein Ungetüm, dem niemand entkommt
(sueddeutsche.de, Simon Feldmer)
Vier neue Modelle und viel Geld: In Wiesbaden geht es um Alternativen zur GEZ. Eine Bestandsaufnahme der Behörde, der etliche Kritiker Ähnlichkeit mit der Stasi bescheinigen.

Polens Regierung greift die deutsche Presse an
(faz.net, Konrad Schuller)
Der eine Kaczynski wurde schon einmal mit einer Kartoffel verglichen und der andere allgemeinem Gelächter preisgegeben: Eine polnische Broschüre erklärt, warum deutsche Journalisten kein gutes Haar an Polen lassen.

„Alles ist eine wirksamere Kontrolle als der Presserat“
(Stefan Niggemeier im Tagesschau-Chat)
Am gefährlichsten ist wohl so eine Art Seilschaft unter den führenden Medien im Land, wo die Chefredakteure gegenseitig eine Art Nichtangriffspakt geschlossen haben. Medienkritik hat es seit ein paar Jahren – seit der großen Zeitungskrise mit vielen Entlassungen – besonders schwer.

Wegen Kino-Klassiker ins Gefängnis?
(Radio DRS, Sennhausers Filmblog)
Wer Horrorklassiker wie Wes Cravens „The Last House on the Left“ (1972) über einen ausländischen DVD-Versand bestellt, riskiert eine Anklage, wenn das Paket am Post-Zoll von übereifrigen, filmgeschichtlich unbewanderten Zöllnern geöffnet wird.

„Bild“-Werbung lügt

Gestern erreichte uns folgende Mail eines BILDblog-Lesers:

Guten Abend,

ich war am 12. Oktober in Bernburg. Dort wurde auf einem Wochenmarkt kostenlos die aktuelle „Bild“ (Halle) verteilt, drumherum ein vierseitiger „Bild“-Steckbrief im gleichen Format, in dem mit Sprechblasen die „Bild“-Zeitung erklärt wurde. Auf der vorletzten Seite steht: „Vier Seiten Sport liefere ich Ihnen mindestens täglich, dazu kommen die regionalen Sportseiten. Das leistet keine andere Tageszeitung.“ Flugs mal im Sportteil nachgeschaut: Sport-Seiten 17 bis 19, inklusive Regionalsport — auf Seite 19 war sogar noch eine 1/4-seitige Anzeige.

Gruß
Ingmar H.

6 vor 9

Die Vorherrschaft des Fernsehens bröckelt
(spiegel.de, Robin Meyer-Lucht)
Die neueste Medienstudie aus Allensbach zeigt: Eine digitale Revolution ist im Gange – auf Raten, schleichend aber beständig. Die Zeitungen hat das Internet bei den Jungen schon überholt. Jetzt beginnt das Web, das Fernsehen einzuholen.

Wieviel kosten die Medien?
(spschweiz.ch, Nicolas Galladé)
„Medienschelte ist nicht so mein Ding. Ich war selber Journalist. Und sehe von daher einiges aus der Sicht der Journis. Der klassischen Polit-Kritik „Ich habe zu wenig Platz erhalten!“, „Ich bin falsch zitiert worden!“ oder „Ich bin gar nicht vorgekommen!“ kann ich nichts abgewinnen. Was mich dagegen ärgert: Wenn die Medienschaffenden offensichtliche Storys und Widersprüche nicht sehen – oder nicht sehen wollen.“

„Der Westen“ raubt Katharina Borchert den Schlaf
(handelsblatt.com, Audio, 18:31 Minuten)
Katharina Borchert, die Online-Chefredakteurin der WAZ-Gruppe, stellt in der „bel étage“ das Mammut-Internet-Projekt „Der Westen“ des zweitgrößten deutschen Zeitungsverlags vor. Zudem beschäftigen sich Hans-Peter Siebenhaar und Thomas Knüwer im Medienpodcast mit den Problemen von Leo Kirch bei der Finanzierung der Bundesligarechte.

Über 100 Social Networks aus Deutschland
(zweinull.cc, Martin Weigert)
Ich habe ein wenig recherchiert und eine Liste mit 100+ Social Networks aus Deutschland erstellt.

Willkommen in der Gegenwart
(zeit.de, Georg Diez)
Das Verfassungsgericht hat Maxim Billers Roman „Esra“ verboten. Ein biedermeierliches Urteil. Aber das Internet lebt. Ein Kommentar.

The Well-tempered Web
(newyorker.com, Alex Ross)
The Internet may be killing the pop CD, but it?s helping classical music.

Allgemein  

„Bild“ weckt falsche Hoffnung

Die Münchner „Abendzeitung“ berichtet heute über die „tödlichen Fehler“, die zu einem Unglück auf dem Tegernsee geführt haben sollen, bei dem der 67-Jährige Horst H. ums Leben kam. Und sie berichtet von einem Fehler, der nach dem Unglück, als die Leiche zwar geborgen, aber noch nicht eindeutig identifiziert war, passiert sei:

Die Zeitungsente: „Ich stehe immer noch unter Schock“, sagt die Witwe. Eine große Münchner Zeitung hatte ein falsches Foto ihres Mannes gedruckt. „Eine Nachbarin brachte sie mir, und ich sah: Es war nicht mein Mann.“ Sie spürte neue Hoffnung, rief die Polizei an. Die bestätigten ihr aber den Tod ihres Mannes. „Dieses Foto ist sehr belastend für mich“, sagt sie.

Die Polizei bestätigt uns, dass eine „große Münchner Zeitung“ am Montag ein falsches Foto abgedruckt hatte. Und sie bestätigt uns, dass es sich bei dieser Zeitung — das ist leider wenig überraschend — um die Münchner Ausgabe der „Bild“-Zeitung handelt.

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