Suchergebnisse für ‘mcd’

DuMont, Monitor, Apple

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „DuMont: Kommunizieren wie Nordkorea“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier wundert sich über das vielgestaltige Kommunikationsverhalten der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg. „Man muss sich immer wieder gewaltsam in Erinnerung rufen, dass wir es hier mit Leuten zu tun haben, deren Beruf die Kommunikation ist.“

2. „Absurdistan: Wie das ARD-Magazin Monitor einen Skandal um den neuen Personalausweis erfindet“
(mr-gadget.de, Christoph Dernbach)
In einem Beitrag der ARD-Sendung „Monitor“ wird vom neuen Personalausweis geredet – und der alte gezeigt. „Mit einem Skandal um den neuen Personalausweis hat die Story aber nun überhaupt nichts zu tun.“

3. „Das 1×1 der Apple-Berichterstattung“
(wir-muessen-twittern.de, Robert Kindermann)
Robert Kindermann rät Berichterstattern aus den Multimedia-Ressorts, sich in der Frage „wann ist eine Apple-Meldung eine Meldung für mein Medium?“ auf die Fakten zu beschränken und auf Gerüchte zu verzichten.

4. „Fast wie Gas“
(taz.de, Johannes Thumfart)
Johannes Thumfart kritisiert Artikel von Alex Rühle in der „Süddeutschen Zeitung“ und von Nils Minkmar in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zum Theoriebuch „Der kommende Aufstand“. „FAZ und SZ rezensierten die Schrift derart positiv, dass sich ein Berliner Buchladen genötigt sah, ironisch per Rundmail zu kommentieren, große deutsche Tageszeitungen riefen nun zum Terrorismus auf.“

5. „Coffee and TV“
(juliane-wiedemeier.de)
Juliane Wiedemeier interpretiert eine Grafik bei „RTL aktuell“, auf der eine Landschaft mit zwei Strommasten, eine Steckdose, ein Blumenstengel und eine Glühbirne zu sehen ist.

6. „Warum heißt Spiegel Online eigentlich Spiegel Online?“
(schreibenfuergeld.wordpress.com, DL2MCD)
„Na is doch klar: weil man dort alles spiegelt!“

Zynismus, Leserbriefe, Ringier

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. Interview mit Stefan Enderle
(spreegurke.twoday.net, Ursula Pidun)
Stefan Enderle gibt Auskunft über seinen medienkritischen Film “Kann nicht sein, was nicht sein darf!?” (youtube.com, Video, 98 Minuten), „der im Rahmen der Diplomarbeit zum Abschluss des Studiums ‚Audiovisuelle Medien‘ an der Hochschule der Medien in Stuttgart Vaihingen entstand.“ Für den Film befragte er unter anderem Journalistikprofessoren und Journalisten.

2. „Berufskrankheit Zynismus“
(konitzer.wordpress.com, Michael Konitzer)
Michael Konitzer hält die Überwachung des Privatlebens von Politikern für eine fast schon pubertäre „Erotik-Phantasie verklemmter Medienmacher“: „Wer sich mal ein paar Tage im Kreis verdienter Journalismus-Kollegen bewegt, bekommt massenhaft Tatsachen und Fakten erzählt, die bei Licht besehen nur Tratsch und Gerüchte sind. Der treibt es mit der, diese mit jenem. Der ist schwul und diese Lesbe. Diese Ehe ist im Eimer, jener ist jener hörig. Und alles ist so belanglos, und wenn es denn stimmen würde, dann nur reinste Privatsache der Beteiligten.“

3. „Tangerinegate“
(bbc.co.uk/blogs/comedy, Lucy McDermott, englisch)
Wie ein Scherz über Gordon Brown, der angeblich mit dem Wurf einer Mandarine eine Maschine zerstörte, zur Nachricht wird. „So apparently a pretend worker at a pretend factory phoned The Sun to tell them about a pretend incident with a pretend tangerine breaking a pretend lamination machine.“

4. „Newsletter abmelden: Don’t make me work!“
(blog.zeix.com, Jeanine Troehler)
Jeanine Troehler zeigt auf, wie schwierig es manchmal ist, einen Newsletter abzumelden.

5. „Die Meinungskracher“
(medienspiegel.ch, Fred David)
Fred David, ehemaliger Chefredakteur der Wirtschaftszeitung „Cash“, gibt zu, „selber auch schon Leserbriefe in meinem Sinn gefälscht“ zu haben. „Ist allerdings lange her und durchaus branchenüblich. Ich schäme mich noch heute.“

6. Interview mit Michael Ringier
(kleinreport.ch, Bruno Affentranger)
Verleger Michael Ringier („Blick“) hat seinem hauseigenen Mitarbeitermagazin „Domo“ ein Interview in drei Teilen gewährt, das der Kleinreport nun ins Internet gestellt hat. Ringier über das Internet: „Das Web bietet uns ein heilloses Chaos. Das Internet ist eine gigantische Ansammlung von absolutem Quatsch. Das ist unsere grosse Chance.“

Medienarchiv 68, N24, Google

6 vor 9

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1. „Editorial zum Medienarchiv68“
(medienarchiv68.de, Mathias Döpfner)
Der Axel-Springer-Verlag macht mit dem Medienarchiv 68 „rund 5.900 Beiträge, Kommentare, Leserbriefe, Karikaturen, Reportagen, Glossen und Interviews aus den Jahren 1966 bis 1968“ zugänglich. Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner will damit die „publizistische Positionierung der Axel-Springer-Zeitungen in der damaligen Zeit“ zur Debatte stellen: „Manche Klischees in den Köpfen erweisen sich auch als Endmoränen einer bis heute wirkungsvollen SED-Propaganda und Stasi-Desinformation.“ Reaktionen auf die Lancierung des Medienarchivs sind auf taz.de, sueddeutsche.de oder fr-online.de zu lesen.

2. „Focus: Fakten, Fakten, Fakten??“
(klima-luegendetektor.de)
Der Klima-Lügendetektor schreibt über den „Focus“-Titel „Fällt die Klima-Katastrophe aus?“ und kommt zu folgendem Schluß: „Die sensationsheischende Frage des ‚Nachrichtenmagazins‘, ob die Klimakatastrophe ausfalle, lässt sich also kurz und bündig beantworten: Leider nein!“

3. „Du sollst nicht langweilen!“
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun über den Nachrichtensender N24: „Die bloße Etikettierung des Programms mit dem Begriff ‚Nachrichten‘ scheint auszureichen, damit die sonst so fleißigen Kritiker des Privatfernsehens ihre fundamentalen Dünkel gegen Boulevardisierung und Infotainment vergessen. Die Solidaritätsbekundungen klingen ein wenig, als würde sich der Vegetarierbund beschweren, weil McDonald’s seine Salate abschafft.“

4. „‚Bild‘-App ist bereits geknackt“
(dwdl.de, Alexander Krei)
„Einigen Usern ist es gelungen, die erst Anfang Dezember gestartete kostenpflichtige App der ‚Bild‘ für das iPhone zu knacken. Dem Springer-Verlag ist das Problem bekannt, dennoch gibt man sich derzeit noch gelassen.“

5. „SF: Trickserei beim ‚Swiss Award'“
(persoenlich.com)
„Stand der ‚Schweizer des Jahres‘ schon fest, bevor ihn das Volk per Televoting bestimmte?“

6. „Wieso Holzmedien bei Google-Kritik versagen“
(largeneuroncollider.com, Andreas Braendle)
Andreas Braendle hält Skepsis für angebracht, wenn Printmedien über Google schreiben. „Die seltsame Argumentation der Journalisten hört sich meist etwa so an, wie wenn Fährenbetreiber einen Autofahrer davon überzeugen wollen, nicht mit der neuen Brücke den Fluss zu überqueren, sondern weiterhin die Fähre zu nehmen – weil sie langsamer und teurer ist.“

„Bild“ stützt Althaus mit „raschen, festen Schritten“

„Mediale Kumpanei“ – Unter diesem Titel fasst das NDR-Medienmagazin „Zapp“ Merkwürdigkeiten in der „Bild“-Berichterstattung über den Thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus zusammen, der sich seit nunmehr sieben Wochen in einer Klinik von den Folgen eines schweren Skiunfalls erholt und dessen Vater kürzlich verstarb.

Von der Beerdigung des Vaters nämlich, zu der laut „Zapp“ für die zahlreichen Journalisten ein „Fotoverbot“ angeordnet worden war, berichtete „Bild“-Reporter Jan Wehmeyer über Althaus:

Ganz vorsichtige Schritte macht er, zu sehr geschwächt ist er nach seinem schweren Skiunfall (…). Gestützt von Ehefrau Katharina (47) nahm der Politiker auf der Bank Platz. Blasses Gesicht, die linke Hand ist verbunden. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beschreibt, wie Althaus sich mehrfach nach vorne beugte, „als werde er vom Schmerz übermannt; auch musste er sich oft hinsetzen“. Bei Gesängen bewegte Althaus nur die Lippen. (…)

Und ähnlich war auch die quasi einhellige Einschätzung anderer Medien (die zudem vom Bruder des Ministerpräsidenten Bernd Uwe Althaus in einem ungewöhnlich ehrlich wirkenden MDR-Interview bestätigt wird).

Dennoch stand bereits einen Tag nach obigem „geschwächt“-Artikel etwas ganz anderes in „Bild“. Unter der Überschrift „Rückkehr! Althaus will Ministerpräsident in Thüringen bleiben“ und illustriert mit einem Exklusiv-Foto am Grab seines Vaters (ohne Quellenangabe) schrieb wiederum „Bild“-Reporter Wehmeyer:

(…) Kurz darauf verlässt Althaus (schwarzer Wollmantel, breitkrempiger Hut) mit festen, raschen Schritten den Friedhof, wird wieder in die Reha-Klinik nach Allensbach zurückgefahren. Die Genesung des Ministerpräsidenten von seinem Schädel-Hirn-Trauma macht weiter Forschritte. (…) Mittlerweile ist klar: Dieter Althaus wird schon bald in die Politik zurückkehren. (…)

Laut „Zapp“ ist das Exklusiv-Foto „offenbar kein heimlicher Schnappschuss“. So hält es ein Redakteur der „Thüringer Allgemeinen“ für „sehr gut inszeniert“, und Christiane Kohl von der „Süddeutschen Zeitung“ wiederholt noch einmal, was sie (wie auch „Spiegel Online“) bereits aufgeschrieben hatte: dass ihr nämlich aus CDU-Parteikreisen bestätigt wurde, Althaus habe das Foto in der „Bild“-Zeitung „bestellt“.

Déjà Vu?

Ob Althaus oder Schröder, Steinmeier oder Friedbert Pflüger, ob RWE, Lufthansa, E.on, McDonalds oder bloß (und immer) „Pop-Titan“ Dieter Bohlen – es scheint, als bedeute „unabhängig“ und „überparteilich“ für die „Bild“-Zeitung nur, dass es ihr letztlich egal ist, für wessen Interessen sie sich einspannen lässt.

Bei entsprechender Gegenleistung ist „Bild“ offenbar bereit, sogar die Beschreibung der Wirklichkeit entsprechend anzupassen – und sei es, wie im Fall Althaus, von einem Tag auf den anderen um 180 Grad.

Bild.de läutet heiße Walkampf-Phase ein

Die Dinosaurier, das weiß man, sind auch erst immer trauriger geworden und dann ausgestorben. Okay, damals lag es daran, dass sie nicht mit auf die Arche durften. Aber wenn diese anderen Riesentiere, die Blauwale, seit ein paar Jahrzehnten immer leiser und tiefer singen, könnte das doch auch ein Zeichen sein, dass sie sich langsam von der Erde verabschieden.

Bild.de-Autorin Karolina Pajdak, auf TierThemen spezialisiert, kann sich das gut vorstellen und fragt:

Ihre Töne werden immer leiser: Singen die Wale ihr Abschiedslied?

Sie glaubt auch eine Erklärung dafür gefunden zu haben, in einem sogar von ihr verlinkten Artikel in der „New York Times“ (wo sich Bild.de gleich auch bei einigen markanten Wal-Tonaufnahmen bedient hat, nicht ohne sie als ihre eigenen auszugeben und den Hinweis wegzulassen, dass sie dreimal so schnell abgespielt werden). Experten vermuten auf der Grundlage einer Studie, dass männliche Wale mit ihren Gesängen Weibchen anlocken, und Bild.de rätselt mit ihnen, warum diese Gesänge tiefer und leiser geworden sind:

Eine mögliche Deutung: der massive Walfang.

Die Säuger-Gruppen werden kleiner, die Wale drosseln ihre Lautstärke. Schließlich ist es nicht mehr nötig, über große Entfernungen hinweg zu kommunizieren, vermutet [Studienautor] Mark A. McDonald.

Experten-Kommentare zu den Forschungs-Ergebnissen aus Kalifornien: besorgniserregend, dramatisch und bezeichnend für die Umwelt-Sünden unserer Welt.

„Besorgniserregend“ und „dramatisch“ sind vermutlich auch die Worte, die auf Karolina Pajdaks Zeugnis unter „Leseverständnis“ standen. Oder, wie wir hinzufügen würden: „bezeichnend für die Englisch-Kenntnisse bei Bild.de“. Denn die Zahl der Blauwale scheint derzeit nicht ab-, sondern zuzunehmen. Entsprechend wird der tiefere und leisere Gesang in dem Artikel, auf den die Autorin sich bezieht, von Experten genau im Gegenteil mit der Erholung („rebound“) der Wal-Population erklärt. Nach der Hypothese der Experten, die auch Bild.de zitiert, mussten die Wale früher lauter sein, weil es nur wenige gab und die Entfernungen zwischen ihnen größer waren. Heute kämpften häufiger mehrere Männchen um die Zuneigung von Weibchen und täten das durch die (nach mehr Größe klingenden) tieferen Stimmen.

Der Bild.de-Artikel behauptet, dass Bild.de selbst mit einer Autorin der Studie gesprochen habe. Das erscheint unwahrscheinlich, aber schlimmer wäre es eigentlich noch, wenn es stimmte.

Vielen Dank an Christian Z.!

Nachtrag, 18:50 Uhr. Bild.de hat den Artikel geändert, plötzlich nimmt die Zahl der Wale nicht ab, sondern zu — und erstaunlicherweise fand die Autorin sogar ein dazu passendes neues Zitat von der Expertin:

Bild.de, 1. Version Bild.de, 2. Version

Eine mögliche Deutung: der massive Walfang.

Die Säuger-Gruppen werden kleiner, die Wale drosseln ihre Lautstärke. Schließlich ist es nicht mehr nötig, über große Entfernungen hinweg zu kommunizieren, vermutet Mesnicks Kollege Mark A. McDonald .

Experten-Kommentare zu den Forschungs-Ergebnissen aus Kalifornien: besorgniserregend, dramatisch und bezeichnend für die Umwelt-Sünden unserer Welt.

Eine der Haupt-Theorien: „Die Zahl der Wale nimmt zu, damit sind mehr Tiere nahe zusammen“, so Mesnick zu BILD.de. „Wir denken, die Veränderungen in ihren Liedern sind eine Reaktion auf die veränderte Anzahl der Wale, die sie singen hören können.“

Allgemein  

Lufthansa in the sky with essen

Uschi? Bringst du uns nachher was von McDonald’s mit?

Och, Hase, eigentlich wollte ich heute lieber bei Lufthansa Sky essen.

Auch ’ne gute Idee. Lassen wir uns heute mal wieder in der Lufthansa Sky nieder.

Falls Sie erstaunt sind, dass Sie noch nie von der angeblich zweitliebsten Restaurantkette der Deutschen gehört haben: Mit „Lufthansa Sky“ meint die „Bild“-Zeitung die Lufthansa-Tochter „LSG Sky Chefs“ („chef“ ist englisch für „Koch“), die für viele Fluggesellschaften das Catering an Bord macht.

Deshalb ist nicht nur der Name falsch und das mit dem „Niederlassen“ Unsinn — auch die Formulierung, dass die Deutschen die Lufthansa zu einem ihre liebsten Restaurants „gewählt“ haben, trifft es nicht. Oder wie die „Lebensmittelzeitung“ beim Abdruck der gleichen Tabelle über die Umsätze der größten Gastronomie-Ketten in einer Fußnote bei den „Sky Chefs“ vermerkte: „keine gastronomietypische Absatzsituation“.

Mit Dank an Volker B.!

Allgemein  

Der dickste Hund

"222 Kilo: Das dickste Kind der Welt"

Gut möglich, dass Peter Michalski, Großbritannien-Korrespondent der „Bild“-Zeitung, seine Informationen über ein Mädchen namens Jessica (siehe Ausriss) aus der britischen Zeitung „Sunday Sport“ hat. Informationen wie diese hier:

Täglich futtert sie sich mehr als 10 000 Kalorien an. Jessica G. aus Chicago (USA) ist gerade mal sieben Jahre alt. Mit 222 Kilo ist sie das dickste Kind der Welt! (…) Jeden Tag verdrückt sie mindestens 15 „Happy Meals“ von McDonald’s. (…) Jetzt schlagen Ärzte Alarm: „Wenn sie so weitermacht, droht sie zu explodieren. Dann ist sie noch vor ihrem 8. Geburtstag tot.“

Die einzige Quelle, die in der „Bild“-Geschichte auftaucht, ist „Sunday Sport“. Die Zeitung habe, so schreibt Michalski, „jetzt schockierende Fotos von Jessica veröffentlicht“.

Aber der Reihe nach: Jessica machte in den USA bereits vor einiger Zeit Schlagzeilen, als sie im Alter von vier Jahren in der „Maury Show“ auftrat. Damals wog sie 200 Pfund (rund 91 Kilo). Einige Jahre später, als sie sieben war, wog sie dann laut „Maury Show“ 400 Pfund. Und mal abgesehen davon, dass 400 Pfund eigentlich nur rund 182 Kilo sind, Jessica nicht, wie Michalski schreibt, aus Chicago kommt, sondern aus einem Ort in der Nähe von Knoxville, Tennessee, ist „Bild“ mit der gesamten Geschichte ungefähr zwei Jahre zu spät dran.

Inzwischen ist das „Mädchen (7)“ nämlich bereits neun Jahre alt, lebt noch und hat etwa 250 bis 300 Pfund abgenommen. Das wird zwar aus dem auf Bild.de veröffentlichten Video, das ursprünglich aus der Sendung „The Insider“ des Senders ABC stammt, nicht so richtig deutlich, dafür aber aus einer „Maury Show“ vom Anfang des Jahres. Und aus einem Text zu der bei Bild.de verlinkten „Insider“-Sendung. Dort heißt es:

Doch glücklicherweise haben für das fröhliche kleine Mädchen dramatische Veränderungen begonnen. (…) Kurz nach ihrem Krankenhausaufenthalt machte sie erste Fortschritte im Kampf gegen ihr Übergewicht, als sie in ein Kinderkrankenhaus in Virginia kam. Dort nahm sie erfolgreich fast 300 Pfund ab!

Auf derselben Internetseite hätte Michalski oder sonst jemand bei „Bild“ auch ein Standbild finden können, das aus dem „Insider“-Video stammt, aus dem auch zwei der in „Bild“ abgedruckten Standbilder stammen. Darunter steht:

So sah Jessica vor ein paar Jahren aus, als sie 400 Pfund wog.

"This is how Jessica looks now."Und darüber gibt es sogar ein Foto, das zeigt, wie Jessica jetzt aussieht (siehe Ausriss).

Wie gesagt: Gut möglich, dass Peter Michalski seine Informationen allesamt aus der „Sunday Sport“ hat — einer Zeitung, die schon mit Schlagzeilen wie „Hitler war eine Frau“ oder „Aliens haben unseren Sohn in ein Fischstäbchen verwandelt“ von sich reden gemacht hat.

P.S.: RTL hat übrigens heute in der Sendung „Punkt 12“ die „Bild“-Geschichte offenbar zum Anlass für einen eigenen fragwürdigen Beitrag genommen. Der Bericht über „das dickste Kind der Welt“ enthält nicht nur die gleichen Informationen wie der heutige „Bild“-Artikel („222 Kilo“, „5 Liter Cola, 15 Burger mit Pommes, mehrere Kilo Schokolade.“, „Wenn sich nicht sofort konsequent etwas ändert, wird Jessica ihren nächsten Geburtstag nicht erleben, sagen die Ärzte“). RTL tut auch so, als seien die zwei Jahre alten Aufnahmen von „The Insider“ aktuell und mischt sie, ohne das immer kenntlich zu machen, mit vier Jahre alten Aufnahmen von einem eigenen früheren Besuch bei Jessica. Da war das Mädchen also fünf. Bei RTL war sie heute, vier Jahre später, trotzdem, genau wie in „Bild“, erst sieben.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

6 vor 9

McDeutsch: Wie global ist deutsch?
(Deusche Welle, Birgut Adolf)
Ist aus dem vermeintlich deutschen Sprachschatz längst ein internationales Gemeingut geworden? Ein Symposium zur Globalisierung der deutschen Sprache in Berlin sucht nach Antworten.

Zeitungsverlage starten Imagekampagne
(Werben & Verkaufen)
„Die Zeitungen. Wer liest, versteht“ – unter diesem Leitspruch werden vom 15. Dezember bis März 2007 Anzeigen mit insgesamt 40 Motiven in deutschen Zeitungen geschaltet.

Das ZDF zeigt Mut zum Scheitern
(FAZ.net, Peer Schader)
Zwar gibt es zur Zeit im deutschen Fernsehen kaum ein Genre, das die Sender so konsequent bedienen wie das der Auswanderer-Reportage. Die ZDF-Reportage „37 Grad: Nichts wie weg? Von Auswanderern und Rückkehrern“ war erfrischend anders.

Falsch herum verliebt
(Spiegel Online, Peer Schader)
Sat.1 stellt die Telenovela „Schmetterlinge im Bauch“ ein, bei der ARD ist „Zwei Engel für Amor“ gefloppt. Die Sender wissen nicht mehr, was die Zuschauer am Vorabend sehen wollen – und planen ins Blaue hinein.

Wikio: Yigg in Professionell
(e-commerce-blog.de, Daniel Schäfer)
Der neue deutschsprachige Newsaggregator Wikio geht an den Start und scheint um einiges professioneller zu sein als Yigg.

Pendlerblog hört auf
(Pendlerblog, Der unmündige Leser)
Dies ist der letzte Beitrag des Pendlerblogs [*14. Februar 2005; ? 12. Dezember 2006]. Es war eine schöne Zeit.

2,5 Millionen Zeugen

Kürzlich berichtete Bild.de betont wohlwollend über McDonald’s über die Nachwuchsschauspielerin Julia Dietze, und angekündigt wurde die (irgendwie aschenputtelig anmutende) Dietze-Story wie folgt:

Oder auch so:

Und so, wie der Text online angekündigt wurde, steht’s (wie zum Beweis) auch drin:

„In der TV-Werbung für McDonald’s kostet bei ihr alles “n Euro‘ (…). Übernächste Woche ist sie bei PRO 7 in einer Hauptrolle zu sehen.“

Und ja, es stimmt: Am 3. Januar 2005 startete McDonald’s seine „Einmaleins“-Kampagne, und Dietze ist in einem dazugehörigen Werbe-Spot zu sehen. Außerdem spielt das „1-Euro-Mädchen“ die weibliche Hauptrolle im ProSieben-Film „Mädchen Nr. 1“, den der Sender am Donnerstag, dem 9. Juni 2005 ausstrahlen wird.

Nur: Falsch ist die Geschichte trotzdem, wofür es mindestens 2,5 Millionen Zeugen gibt. Soviele Zuschauer nämlich sahen den Film bereits bei seiner Erstausstrahlung am Donnerstag, dem 18. September 2003, weshalb es (in „Bild“-Logik) eigentlich heißen müsste:

Mit Dank an Jörg F. für den sachdienlichen Hinweis.

Der Tod ist nicht genug II

Noch am vergangenen Donnerstag hätte man tatsächlich denken können, dass Christopher Reeve doch an einem Super-Virus starb, wie „Bild“ zwei Tage zuvor berichtet hatte.

Superman aufgeschnitten – Ärzte wollen jetzt den Super-Virus entschlüsseln, der Hollywood-Schauspieler Christopher Reeve getötet hat

Das war auf Seite 8 zu lesen. Und außerdem das:

Wie BILD aus Familienkreisen erfuhr, wurde die Leiche von Christopher Reeve († 52) im Northern Westchester Hospital (New York) aufgeschnitten, sein Körper obduziert – auf der Suche nach dem Supervirus.

Ob die Information über den vermeintlichen Supervirus tatsächlich von der Familie kam, lässt sich anhand der Formulierung nicht mit Sicherheit sagen. Fakt ist, dass wer wollte schon am Dienstag aus allgemein zugänglichen Quellen erfahren konnte, was vermutlich die Ursachen für Reeves Tod waren. So wurde der langjährige Arzt von Reeve, Dr. John McDonald, von der „New York Daily News“ wie folgt zitiert:

We don’t know exactly why he died yet. But we know that it was the accumulation of complications (…). That immobility and lack of movement and then just repeated infections, complications – it takes its toll. (Wir wissen nicht genau, warum er starb. Aber wir wissen, dass es eine Anhäufung von Komplikationen war (…). Die Immobilität und mangelnde Bewegung und dann wiederholte Infektionen, Komplikationen – das fordert seinen Tribut)

Und was schreibt „Bild“ nun, fünf Tage später, ohne den „Super-Virus“ zu erwähnen?

Erst jetzt wurde bekannt, wie schlecht es wirklich um Reeve stand: Immer mehr Infektionen fraßen sich zuletzt in seinen kaputten Körper.

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