Ein Jahr Trump, Springer braucht Schutzkodex, “Wetten, dass..?”

1. Ein Jahr Trump: Chronologie der Angriffe auf die Presse
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des ersten Jahrestages von Donald Trumps zweitem Amtsantritt hat Reporter ohne Grenzen eine detaillierte Chronologie veröffentlicht, die die systematischen Angriffe der US-Regierung auf die Pressefreiheit im vergangenen Jahr dokumentiert. Die Organisation verurteilt darin scharf Maßnahmen wie Finanzkürzungen bei Sendern, den Ausschluss kritischer Medien und insbesondere die jüngste FBI-Durchsuchung bei einer Reporterin der “Washington Post”.
Weiterer Lesetipp: In der “taz” zieht die Autorin Annika Brockschmidt Bilanz: “Ihr könnt uns nicht alle töten!” (taz.de)

2. “Die Rolle der konfrontativen Marktschreierin würde mir niemand abkaufen”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Gespräch mit Jan Freitag zieht Caren Miosga nach zwei Jahren als Gastgeberin des ARD-Sonntagstalks Bilanz. Sie erläutert ihren Umgang mit der AfD als größter Oppositionspartei und betont, dass sie Polarisierung vermeiden wolle, indem sie auf Grautöne setze, statt die Rolle einer “konfrontativen Marktschreierin” einzunehmen. Lesenswert, auch weil Freitag die richtigen, kritischen Rückfragen stellt.

3. Springer braucht Schutzkodex
(verdi.de, Danica Bensmail)
Anlässlich des Rücktritts von “Welt”-Chefredakteur Jan Philipp Burgard, offiziell wegen gesundheitlicher Gründe, bei dem Recherchen allerdings ein mögliches Fehlverhalten nahelegen würden, fordert die dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail einen verbindlichen Schutzkodex für den Axel-Springer-Verlag. Bensmail kritisiert, dass der bloße Funktionsverlust bei weiterbestehender Betriebszugehörigkeit keine transparente Verantwortungsübernahme darstelle. Außerdem fehle es an neutralen Anlaufstellen, um die Unternehmenskultur nachhaltig zu ändern. Erst der Beitritt zu einem externen Schutzkodex mit unabhängigen Verfahren böte echten Schutz für Betroffene.

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4. Übermedien wirkt!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion legt dar, dass ihre Arbeit oft direkte Konsequenzen habe und Medien dazu bringe, Fehler zu korrigieren oder journalistische Standards zu überdenken. Recherchen aus den vergangenen zehn Jahren hätten wiederholt gravierende Fehltritte aufgedeckt, die in mehreren Fällen zu personellen Konsequenzen bis hin zu Entlassungen geführt hätten. Sender wie die ARD oder der Bayerische Rundfunk hätten auf die Kritik reagiert, indem sie fragwürdige Werbepraktiken gestoppt oder die Zusammenarbeit mit umstrittenen Protagonisten beendet hätten.

5. Wie Medienmarken mit Kurzvideos (kein) Geld verdienen
(dwdl.de, Simon Pycha)
Journalistische Unternehmen könnten im Gegensatz zu einzelnen Creatorn ihre Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok kaum direkt monetarisieren, weshalb diese Kanäle oft reine Zuschussgeschäfte bleiben würden. Branchenvertreter würden bessere Schnittstellen zu den eigenen Paid-Content-Angeboten fordern. Aufwendig produzierte, als Werbung gekennzeichnete Reportagen seien laut “DWDL”-Autor Simon Pycha derzeit einer der wenigen funktionierenden Wege zur Refinanzierung.

6. Bill und Tom Kaulitz übernehmen “Wetten, dass …?”: Junge Gesichter für eine alte Idee
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Medienberichten zufolge sollen die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz die Moderation von “Wetten, dass..?” übernehmen. Es handele sich um den strategischen Versuch des ZDF, das überalterte Publikum zu verjüngen. Joachim Huber zieht im “Tagesspiegel” Parallelen zwischen dem einstigen “Paradiesvogel” Thomas Gottschalk und den heute 36-jährigen Brüdern, deren aktueller Erfolg sowie Toms Ehe mit Heidi Klum internationale Prominenz versprächen. Allerdings ist Huber skeptisch, ob die selbstdarstellerischen Entertainer die nötige dienende Rolle einnehmen können, um Gäste und Wettkandidaten glänzen zu lassen.

Weihnachtsfeier mit Folgen?, Propagandaradio, Welt­wissen

1. Eine Firmen-Weihnachtsfeier – und der Abgang eines Chefredakteurs
(correctiv.org, Anette Dowideit)
Der Chefredakteur der “Welt”-Gruppe, Jan Philipp Burgard, sei offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, doch Recherchen würden einen Zusammenhang mit einer internen Untersuchung zu seinem Verhalten auf einer Weihnachtsfeier nahelegen, bei der er einer Mitarbeiterin unangemessen nahegekommen sein soll. Anette Dowideit schreibt: “Bei Burgard gibt es eine Vorgeschichte, CORRECTIV hatte im November 2024 darüber berichtet: Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem WDR, war der Journalist von seinem Posten als stellvertretender Studioleiter in Washington degradiert worden, als herauskam, dass er einer jungen Journalistin gegenüber gegen deren Willen sexuell übergriffig geworden sein soll.” Laut Medienberichten (zum Beispiel Deutschlandfunk) wehre sich Burgard gegen entsprechende Presseberichte, sein Anwalt spreche von einer Verleumdungskampagne.

2. Propagandaradio für Patrioten
(taz.de, Florian Bayer)
Mit dem Start des 24-Stunden-Radiosenders “Austria First” baue die FPÖ ihr Medienuniversum in Österreich weiter aus. So könne die Partei ihre politischen Inhalte “ungefiltert” und unter Umgehung klassischer Medien direkt verbreiten. Florian Bayer kritisiert in seinem Kommentar das Projekt als Propaganda, die sich als Journalismus tarne. Unter der Leitung des umstrittenen Publizisten Werner Reichel werde gegen “Systemmedien” gehetzt, während journalistische Standards wie ein Impressum in der App fehlen würden. Diese Entwicklung füge sich in eine “Renaissance der Parteimedien” in Österreich ein.

3. MDR-Team bei Pro-Palästina-Demo in Leipzig angegriffen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks sei am Samstag am Rande einer propalästinensischen Demonstration in Leipzig körperlich angegriffen worden. Nachdem zwei Personen die Journalisten bedrängt hätten, sei die Situation eskaliert. Die Polizei sei daraufhin eingeschritten, habe die Personalien der Beteiligten aufgenommen und dem Fernsehteam anschließend Begleitschutz gewährt.

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4. Verlegerin Goetz-Weimer wehrt sich: “Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist nicht gefährdet”
(kress.de)
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verteidige den “Ludwig-Erhard-Gipfel” gegen Vorwürfe der Käuflichkeit und sehe die Veranstaltung trotz zahlreicher Absagen prominenter Politiker wie Markus Söder nicht in ihrer Existenz gefährdet. Zudem weise sie Berichte über verkauften Zugang zu Entscheidungsträgern kategorisch zurück. Die Ursache der Kritik sei eine “gezielten Diffamierung” durch die AfD, die sich gegen ihren Mann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, richte.

5. Finger weg von Bildgeneratoren
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck rät Redaktionen dringend von der Nutzung von KI-Bildgeneratoren ab, da deren künstliche Ästhetik oft unseriös wirke und das Vertrauen der Leserschaft beschädigen könne. Er warnt vor einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Tech-Konzernen, die durch die Zentralisierung der KI-Infrastruktur eine enorme Machtposition aufbauen und Urheberrechte missachten würden. Zudem thematisiert Meineck die hohen unsichtbaren Kosten der Technologie, darunter der enorme Energieverbrauch und die Ausbeutung von Arbeitskräften im Globalen Süden.

6. Welt­wissen aus der Gerichts­bi­b­lio­thek
(lto.de, Martin Rath)
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Wikipedia blickt Martin Rath zurück auf eine Zeit, in der Gerichte das Konversationslexikon “Brockhaus” als belastbare Quelle für Definitionen und Allgemeinwissen nutzten. Anhand historischer Urteile zeigt er, wie Richter den Brockhaus konsultierten, um etwa Sonnenaufgangszeiten für Tatort-Rekonstruktionen zu ermitteln oder steuerrechtliche Begriffe wie “Müllabfuhr” und “Schrott” zu klären.

Richter als Hasskommentierer?, Presserat-Rüge, Social-Media-Verbot

1. Anonym verurteilt
(taz.de, Laurenz Schreiner)
Die “taz” berichtet, dass Indizien darauf hindeuten würden, dass ein hochrangiger Richter hinter einem Account stecken könnte, der seit Jahren Frauen und queere Menschen im Internet mit Hasskommentaren überziehe. Laurenz Schreiner ist der Sache in einer lesenswerten Recherche nachgegangen. Er habe dazu auch die betreffende Person angefragt, die davon nichts wissen wolle. Eine Folge habe es dennoch gegeben: “Nach Eingang der taz-Anfrage an Neuhäuser wurden zahlreiche der beanstandeten Kommentare des Accounts gelöscht. Der Anwalt weist darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers gezogen werden dürften.”

2. Presserat-Rüge: Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Nina Katzemich)
Der Deutsche Presserat habe die “Welt” wegen einer irreführenden Artikelserie über Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Die Redaktion habe fälschlicherweise behauptet, dass Umweltverbände durch geheime Verträge von der EU-Kommission für Lobbyarbeit bezahlt würden. LobbyControl begrüßt diese Entscheidung des Presserats als wichtiges Signal gegen gezielte Diffamierungskampagnen und für die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten.

3. Putins tote Soldaten: Reporter enthüllen die Bilanz des Krieges
(ndr.de, Roman Schell, Video: 15:38 Minuten)
“Zapp”-Reporter Roman Schell geht der Frage nach, wie hoch die russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sind, und wie Medienschaffende für Transparenz sorgen. Da der Kreml die offiziellen Zahlen geheim halte, würden Journalistinnen und Journalisten versuchen, die Daten selbst zu rekonstruieren. Sie würden dafür öffentlich zugängliche Quellen wie lokale Todesanzeigen, Nachrufe und Beiträge in Sozialen Medien nutzen. Diese Arbeit sei für sie sehr gefährlich, da sie dadurch in Russland als “Auslandsagenten” gälten und meist aus dem Exil operieren müssten.

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4. Social-Media-Verbot ist nicht die beste Lösung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage unter 875 Eltern und Kindern habe ergeben, dass eine Mehrheit Soziale Medien lieber einschränken als komplett verbieten wolle. Zwar fänden viele Eltern ein gesetzliches Verbot für Personen unter 16-Jahren prinzipiell gut, allerdings lehne der Nachwuchs dies mehrheitlich ab. Die beliebteste Lösung sei für beide Gruppen daher nicht ein Komplettverbot, sondern eine technische Einschränkung von Funktionen. Einig seien sich fast alle Befragten, dass der Staat hier nicht allein entscheiden solle, sondern die Eltern weiterhin die Hauptverantwortung tragen müssten.
Weiterer Lesetipp: Fast fünf Millionen Konten von australischen Jugendlichen im ersten Monat gesperrt: “Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.” (spiegel.de)

5. Algo­rithmen regu­lieren statt Mei­nungen bestrafen
(lto.de, Carl Christian Müller)
Rechtsanwalt Carl Christian Müller argumentiert in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online”, dass die Debatte um Daniel Günthers missverstandenes “Ja” in der Talksendung von Markus Lanz den Blick auf die eigentlich relevanten rechtlichen Instrumente verstelle. Zivilrechtliche Schritte gegen bewusste Falschbehauptungen sogenannter alternativer Medien seien keineswegs Zensur, sondern rechtsstaatliche Normalität und für demokratische Institutionen sogar geboten. Die massenhafte strafrechtliche Verfolgung einzelner Social-Media-Posts sieht Müller hingegen kritisch. Diese wirke oft unverhältnismäßig und verstärke ungewollt Opfernarrative.

6. Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
(spiegel.de)
Die Autorin Ashley St. Clair, Mutter eines Kindes von Elon Musk, verklage dessen Unternehmen xAI, weil das KI-Tool “Grok” ohne Zustimmung sexuelle Deepfakes von ihr erstellt und auf der Plattform X veröffentlicht habe, teilweise auf Basis von Kinderfotos. Nachdem St. Clair diesen Missbrauch öffentlich kritisiert hatte, soll X als Vergeltungsmaßnahme ihren Premium-Status entzogen und ihr Konto demonetarisiert haben.

KW 03/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

1. Wer in den Medien zu Wort kommt
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 34:18 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, welche Personen und Gruppen von Menschen in Medien zu Wort kommen. Deutschlandfunk-Hörer Hans Pfleiderer diskutiert darüber mit Anna Mayr von der “Zeit” und Journalismus-Professorin Annika Sehl.

2. Wieso ist Medienkritik nicht nur was für Nerds, sondern wichtig für alle?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 38:59 Minuten)
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von “Übermedien” blicken Redakteurin Annika Schneider und Gründer Boris Rosenkranz gemeinsam mit Holger Klein auf die Entwicklung des Magazins zurück. Dabei steht das unabhängige Geschäftsmodell im Fokus, das komplett auf Werbung und externe Fördergelder verzichte und stattdessen rein von der Community getragen werde. Die Leserschaft fungiere aber nicht nur als Finanzier, sondern liefere auch essenzielle Hinweise für die redaktionelle Arbeit.

3. Mediale Taktgeber: Die Welt der Nachrichtenagenturen
(youtube.com, Markus Wolsiffer & Tanjev Schultz, Video: 47:18 Minuten)
Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz sprechen in “Die Medienversteher” über die zentrale Rolle von Nachrichtenagenturen, die oft als unsichtbares Fundament des modernen Journalismus fungieren würden. Sie heben besonders die Unabhängigkeit der dpa hervor, die im Gegensatz zu staatlichen Agenturen ausschließlich den beteiligten Medienunternehmen gehöre. Trotz des Wandels durch Künstliche Intelligenz würden Agenturen unverzichtbar bleiben, um in der Informationsflut Verlässlichkeit zu garantieren.

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4. Mehr als nur Technik – Innovation in den Medien
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 32:19 Minuten)
In der mittlerweile 301. Folge seines Podcasts “Satzzeichen” diskutiert Christian Jakubetz mit Anja Noster von der Hamburg Media School über den Innovationsbegriff in der Medienbranche. Am Beispiel des WPK Innovationsfonds und der Arbeitsweise von Content Creatorn erörtern sie, wie “pragmatischer Optimismus” und die Stärkung von Personenmarken zu zukunftsfähigen Entwicklungen beitragen.

5. Wer wann wie sprach und spricht
(deutschlandfunknova.de, Simon Kasper, Audio: 48:12 Minuten)
In seinem Vortrag beschreibt der Sprachwissenschaftler Simon Kasper einen starken Wandel der deutschen Sprache: Früher hätten vor allem regionale Dialekte bestimmt, wie Menschen sprechen. In den vergangenen 60 Jahren habe sich das jedoch grundlegend geändert. Durch mehr Mobilität und neue Medien seien die regionalen Unterschiede immer weiter zurückgegangen. Heute würden vor allem soziale Faktoren über unsere Sprache entscheiden.

6. Sandmännchen forever – Karriere einer Kultfigur
(ardmediathek.de, Sebastian Dehnhardt, Video: 1:09:28 Stunden)
Der Bayerische Rundfunk hat die Karriere einer Kultfigur nachgezeichnet: “Prominente und Wissenschaftler, Ostdeutsche und Westdeutsche, Kinder von einst und Eltern von heute: Sie alle tragen dasselbe Leuchten in den Augen, wenn sie vom Sandmännchen erzählen. Gemeinsam mit ihnen taucht die Dokumentation in das Leben und die Geschichte der Fernsehikone ein.”

Vertrauter als Treuhänder, Ausblick aufs Medienjahr, Keine Abschreckung

1. Wolfram Weimer setzt engen Vertrauten als Treuhänder ein
(handelsblatt.com, Martin Greive & Thomas Sigmund)
Wie das “Handelsblatt” berichtet, habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Anteile an der Weimer Media Group ausgerechnet an einen leitenden Angestellten des eigenen Unternehmens treuhänderisch übertragen. Kritiker wie Lobbycontrol würden diesen Schritt als bloße Augenwischerei werten, da der Treuhänder weisungsgebunden und wirtschaftlich abhängig sei. Weimers Interessenkonflikt zwischen Amt und Geschäft werde damit keineswegs gelöst. Als Reaktion auf die anhaltende Debatte um angeblich käuflichen Regierungszugang hätten mittlerweile sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als auch mehrere Bundesminister ihre Teilnahme am kommenden “Ludwig-Erhard-Gipfel” abgesagt.

2. Keine Abschreckung gegen Donald Trump
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath befasst sich mit dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen sogenannte SLAPP-Klagen. Zwar solle das geplante Gesetz, das eine EU-Richtlinie für grenzüberschreitende Fälle umsetze, Gerichte ermächtigen, missbräuchliche Klagen, schneller zu identifizieren und zu sanktionieren, die tatsächliche abschreckende Wirkung bleibe jedoch zweifelhaft. Sinnvoller als die eher symbolischen gesetzlichen Hürden seien prozessuale Beschleunigungen. Den besten Schutz für betroffene Medien biete aber weiterhin die offensive Mobilisierung der eigenen Öffentlichkeit gegen den Angreifer.

3. X will Chatbot Grok an Erstellen von KI-Nacktbildern hindern
(spiegel.de)
Nach heftiger internationaler Kritik habe Elon Musks Firma xAI neue technologische Hürden für den Chatbot Grok eingezogen, um die Erstellung sexualisierter KI-Bilder zu unterbinden. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe bereits Ermittlungen wegen der Verbreitung nicht einvernehmlicher expliziter Inhalte eingeleitet. Die EU-Kommission habe angekündigt, die Wirksamkeit der Maßnahmen genau zu prüfen und notfalls das volle Arsenal des Digital Services Act einzusetzen.

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4. Reuters Institute: Ausblick auf das Medienjahr 2026
(medientage.de, Petra Schwegler)
Wie eine aktuelle Studie des Reuters Institute zeige, würden viele Medienmanagerinnen und -manager zwar skeptisch auf die Zukunft des Journalismus blicken, aber mehrheitlich zuversichtlich auf ihre eigenen Unternehmen. Um in Zeiten sinkender Suchmaschinen-Reichweiten und mächtiger KI-Plattformen bestehen zu können, würden Verlage verstärkt auf Automatisierung, Videoformate und die Zusammenarbeit mit Influencern setzen. Zudem würden viele Häuser auf Einnahmen durch Lizenzdeals mit KI-Firmen hoffen.

5. Misstrauen abbauen und selbst machen
(verdi.de, Claudia Krieg)
Unter Anleitung der Journalistin Janett Vogelsberg erarbeiten im sächsischen Zwenkau derzeit sieben Bürgerinnen und Bürger eigene journalistische Beiträge, um im Rahmen des Projekts “Bürger machen Journalismus” das journalistische Handwerk praktisch zu erlernen. Projektleiterin Judith Kretzschmar von der Universität Leipzig habe trotz des gelungenen Auftakts eingeräumt, dass die Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern generell schwierig sei. Hintergrund des Vorhabens sei eine Studie über das wachsende Misstrauen gegenüber Medien.

6. Ein anderes Internet ist möglich
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Anlässlich des 25. Geburtstags der Wikipedia würdigt Markus Reuter die Online-Enzyklopädie als unverzichtbaren Gegenentwurf zum kommerziellen Internet. Gerade weil das Projekt auf faktenbasiertem Gemeinwohl fuße, sei es autoritären Akteuren wie Elon Musk heute ein Dorn im Auge. Neben der politischen Relevanz hebt Reuter den spielerischen Wert des “Wikipedia-Tauchens” hervor, bei dem man sich stundenlang in den endlosen Verknüpfungen des Wissens verlieren könne.

Durchsuchung rechtswidrig, Sky-Deal in der Schwebe, Seitenwechsel

1. Durchsuchungsanordnungen wegen des Archivs waren rechtswidrig
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Anna Biselli berichtet, dass das Landgericht Karlsruhe die Hausdurchsuchungen bei den vermeintlichen Betreibern des “linksunten.indymedia”-Archivs nachträglich für rechtswidrig erklärt habe. Das Gericht habe festgestellt, dass für die Maßnahmen im August 2023 weder ein ausreichender Anfangsverdacht noch die nötige Verhältnismäßigkeit bestanden hätten. Ein statisches Web-Archiv lasse nicht automatisch auf das Fortbestehen der verbotenen Vereinigung schließen.

2. Offener Brief: Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen
(gedenkstaettenforum.de)
In einem offenen Brief warnt ein breites Bündnis aus NS-Gedenkstätten, Museen und Bildungseinrichtungen vor der zunehmenden Verbreitung KI-generierter Fälschungen zum Holocaust auf Social-Media-Plattformen. Diese oft als “AI-Slop” bezeichneten Inhalte würden historische Fakten durch emotionalisierte Fiktion ersetzen. Um einer Trivialisierung der Geschichte entgegenzuwirken, fordern die Unterzeichner von den Plattformbetreibern eine strikte Kennzeichnungspflicht, den Ausschluss solcher Accounts von der Monetarisierung sowie ein proaktives Vorgehen.

3. Rechter Jour­na­list wegen Faeser-Post nun doch frei­ge­spro­chen
(lto.de)
Das Landgericht Bamberg habe David Bendels, Chefredakteur des “Deutschland-Kurier”, im Berufungsverfahren vom Vorwurf der Verleumdung gegen die frühere Bundesinnenministerin Nancy Faeser freigesprochen und damit ein anderslautendes Urteil der Vorinstanz aufgehoben. Bendels sei vorgeworfen worden, eine Fotomontage verbreitet zu haben, auf der Faeser ein Schild mit der Aufschrift “Ich hasse die Meinungsfreiheit!” hält. Das Gericht habe den Beitrag jedoch als satirisches Meme und zulässige Meinungsäußerung gewertet.

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4. FBI durchsucht Wohnung von »Washington Post«-Journalistin
(spiegel.de)
US-Medien berichten übereinstimmend, dass das FBI die Wohnung der “Washington-Post”-Journalistin Hannah Natanson durchsucht und mehrere Geräte beschlagnahmt habe. Die Reporterin stehe jedoch nicht selbst im Fokus, sondern ein Systemadministrator des Pentagon, der geheime Dokumente entwendet habe. US-Justizministerin Pam Bondi habe den Einsatz bestätigt und erklärt, dass der mutmaßliche Informant bereits in Haft sitze.

5. ”Tagesthemen”-Chef Helge Fuhst wechselt zur “Welt”
(taz.de)
Helge Fuhst, bislang Leiter der “Tagesthemen”-Redaktion, wechsele zum Springer-Konzern, um dort den Vorsitz der Chefredaktionen der “Premium-Gruppe” sowie die Leitung der “Welt”-Gruppe zu übernehmen. Er trete damit die Nachfolge von Jan Philipp Burgard an, der seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt habe. Springer-Chef Mathias Döpfner habe Fuhst als ausgezeichneten Manager gewürdigt, der die strategische Ausrichtung der Marken “Welt”, “Politico” und “Business Insider” weiter schärfen solle.

6. Das große Warten: Wie steht’s um den Sky-Deal von RTL?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei berichtet, dass die geplante Übernahme von Sky Deutschland durch RTL auch über ein halbes Jahr nach der Ankündigung noch in der Schwebe hänge. Zwar habe die KEK das Vorhaben bereits abgesegnet, allerdings bleibe die Werbevermarktung ein kritischer Punkt. RTL hoffe nun auf eine Freigabe durch die europäischen Kartellbehörden im ersten Halbjahr 2026, um im Streaming-Markt zu Amazon und Netflix aufzuschließen.

7. Will Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wirklich Medien verbieten?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:05 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Streit zwischen dem Portal “Nius” und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Der Vorwurf, Günther habe in der Sendung von Markus Lanz Zensur gefordert, basiere auf der chaotischen Gesprächsführung des Moderators sowie böswilliger Fehlinterpretationen.

Ringen um Spartenkanäle, Heiße Luft aus der Krone, Grok und X

1. Was bleibt, was geht? Wie ARD & ZDF um ihre Spartenkanäle ringen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach dem Inkrafttreten des Reformstaatsvertrags müssten ARD und ZDF die Anzahl ihrer Spartenkanäle in den Bereichen Information und Unterhaltung drastisch reduzieren. Dies führe hinter den Kulissen zu einem komplexen Ringen um die künftige Aufteilung. Der Kinderkanal KiKa sei bestandsgeschützt, aber Angebote wie One, ZDFneo, Phoenix und ZDFinfo könnten künftig gebündelt werden. Der ARD-Vorsitzende Florian Hager habe eine Einigung für das erste Halbjahr 2026 in Aussicht gestellt, damit die Reform fristgerecht zum Januar 2027 umgesetzt werden könne.

2. Heiße Luft aus der Kronen Zeitung: Das Kern-Comeback ist wieder da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Bei “Kobuk” berichtet Andrea Gutschi über eine von der “Kronen Zeitung” initiierte Debatte um ein angebliches Polit-Comeback von Christian Kern als SPÖ-Chef, die auf dünner Faktenlage und einer Umfrage mit fiktiven Szenarien basiere. Kern selbst und wichtige Parteiflügel würden die Gerüchte dementieren oder zurückhaltend reagieren. Medien wie die “Krone”, “Heute” und “Oe24” würden das Thema jedoch durch ständige Spekulationen und Kommentare am Köcheln halten.

3. Übermedien wird 10!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion feiert das zehnjährige Bestehen des Portals und blickt auf die Entwicklung vom Projekt der Gründer Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz zu einer etablierten Marke für unabhängige Medienkritik zurück. Das werbefreie Angebot finanziere sich ausschließlich über seine Abonnentinnen und Abonnenten und habe mittlerweile rund 3.300 Beiträge veröffentlicht. Anlässlich des Geburtstags wirbt die Redaktion mit einem speziellen Jubiläumsangebot, um den Fortbestand des kritischen Journalismus zu sichern.

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4. Regierungswechsel ohne Pressefreiheit
(verdi.de, Knut Henkel)
Nach Einschätzung der Journalistin Ronna Rísquez habe sich die Lage für Journalistinnen und Journalisten in Venezuela auch unter der Interimsregierung nicht verbessert, weshalb sie aus Angst vor Repressionen oft nur noch anonym berichten würden. Experten würden davon ausgehen, dass die neue Führung zwar wirtschaftliche Zugeständnisse an die USA mache, die autoritären Strukturen im Inneren jedoch beibehalte.

5. Wie Regierungen gegen Grok und X vorgehen
(netzpolitik.org, Laura Jaruszewski)
Laura Jaruszewski berichtet über die weltweiten Reaktionen auf die Flut sexualisierter Deepfakes durch den Chatbot Grok auf der Plattform X. Länder wie Indonesien und Malaysia hätten Grok bereits gesperrt, andere Staaten würden noch prüfen. Die EU-Kommission erwäge derweil Maßnahmen auf Grundlage des Digital Services Act. Ein Eilverfahren gelte als wahrscheinlichste Option.

6. Alle reden vom Wetter
(taz,de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg thematisiert in der “taz” die aktuelle Dominanz der Wetterberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Diese beschere den Sendern hohe Einschaltquoten, obwohl die Politik die Programmmenge kritisiere. Grimberg sieht in den Wetterextremen jedoch einen wichtigen Anlass, den Klimawandel stärker in den Fokus der Berichterstattung zu rücken. Er plädiert daher dafür, Formate wie “Klima vor 8” endlich umzusetzen.

Stillstand bei Reform, Shorts sind keine Hosen, “Medieninsider” klagen

1. RSF fordert, Unabhängigkeit der öffentlichen Medien zu garantieren
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert in einem offenen Brief (PDF) die Pläne der neuen tschechischen Regierung, die Rundfunkgebühr abzuschaffen. Dieser Schritt gefährde ohne eine strukturelle Alternative die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien. RSF fordert gemeinsam mit internationalen Partnern verbindliche Finanzierungsgarantien. Zudem warnt die Organisation vor einem Dominoeffekt in Europa und verweist auf den wachsenden politischen und finanziellen Druck auf den Rundfunk in Litauen und der Schweiz.

2. Kommt es bei der Förderreform endlich zu einem Durchbruch?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier beschreibt den anhaltenden Stillstand bei der Reform der deutschen Filmförderung, die trotz Versprechungen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bislang nicht umgesetzt worden sei. Der zentrale Streitpunkt in der Regierung sei die Frage, ob Streamingdienste durch ein Gesetz zu Investitionen gezwungen werden sollen (wie von der SPD gefordert), oder ob eine freiwillige Selbstverpflichtung ausreicht (wie von Weimer favorisiert).

3. Warum Medieninsider die PMG verklagt – und warum das die ganze Branche etwas angeht
(medieninsider.com, Marvin Schade)
Wie die “Medieninsider” berichten, habe man Klage gegen die Presse-Monitor GmbH (PMG) eingereicht, weil der Dienstleister “in Hunderten Fällen” Artikel der Redaktion ohne Erlaubnis und Bezahlung in Pressespiegeln verbreitet haben soll. Das Magazin wertet dies als Angriff auf sein Geschäftsmodell, da Firmen auf diesem Wege billig an Fachinformationen kämen, statt die eigentlich notwendigen “Medieninsider”-Abonnements abzuschließen. Ziel des Verfahrens sei es, die genaue Nutzung offenzulegen, um anschließend Schadensersatz für die entgangenen Umsätze verlangen zu können.

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4. Kommunikationsplattformen müssen Inhalte scannen
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Martin Schwarzbeck berichtet, dass in Großbritannien eine Gesetzesänderung in Kraft getreten sei, die Anbieter von Kommunikationsdiensten dazu verpflichte, private Nachrichten automatisiert auf unerwünschte Bilder von Genitalien zu untersuchen und zu filtern. Den Unternehmen würden bei unzureichenden Maßnahmen empfindliche Geldstrafen oder sogar die Sperrung ihrer Dienste drohen. Kritiker würden vor einem übermäßigen Blockieren von Inhalten (Overblocking) warnen.

5. Shorts sind keine Hosen
(verdi.de, David Bieber)
Zeitungsverlage würden verstärkt auf kurze Videoformate wie Shorts oder Reels setzten, um junge Zielgruppen auf Plattformen wie TikTok und Instagram zu erreichen und diese langfristig an ihre Marken zu binden. Kritiker sähen darin die Gefahr, journalistische Qualität und Tiefe zugunsten schneller Effekte und Oberflächlichkeit zu vernachlässigen. Zudem begebe sich die Branche in eine riskante Abhängigkeit von großen Tech-Plattformen.

6. “Quiz hilft, diese Welt etwas besser zu verstehen”
(taz.de, Valérie Catil)
Der Filmwissenschaftler und “Jeopardy!”-Rekordgewinner Harrison Whitaker erklärt im Interview mit der “taz”, dass Quizzen für ihn nicht nur ein Wettbewerb sei, sondern dass es ihm helfe, die Welt besser zu verstehen. Dabei unterscheidet er zwischen der anspruchsvollen Quizkultur in Großbritannien und den US-Formaten und beschreibt seine akribische Vorbereitung durch das Analysieren alter Folgen sowie das Lesen von Sachbüchern. Whitakers nächstes Ziel sei die Teilnahme an europäischen Shows in fremden Sprachen.

Lage in Venezuela, Christlicher Journalismus, Erich von Däniken

1. Nach US-Intervention: Verfolgung und Festnahmen von Journalist*innen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nach der US-Militärintervention in Venezuela habe sich die Sicherheitslage für Journalistinnen und Journalistin unter der Interimsregierung von Delcy Rodríguez drastisch verschlechtert. Der nationale Journalistenverband berichte von willkürlichen Festnahmen und Durchsuchungen. An der kolumbianischen Grenze würden zudem rund 200 internationale Korrespondentinnen und Korrespondenten an der Einreise gehindert. In der Rangliste der Pressefreiheit stehe Venezuela auf Platz 160 von 180 Ländern.

2. Digital Networks Act: EU verzichtet angeblich auf Milliardenstrafen für Big Tech
(heise.de, Malte Kirchner)
Entgegen den ursprünglichen Erwartungen verzichte die EU im geplanten Digital Networks Act offenbar auf verpflichtende Zahlungen der großen US-Tech-Konzerne zur Finanzierung des Netzausbaus. Statt harter Sanktionen setze der neue Entwurf auf freiwilligen Dialog, um potenzielle Konflikte mit der US-Regierung unter Donald Trump zu vermeiden. Neben dem Umgang mit Big Tech ziele das Gesetzespaket auf eine Harmonisierung der Funkfrequenzen sowie neue Leitlinien für den europäischen Glasfaserausbau ab.

3. Abgeordnete, Ministerien und EU-Kommission bleiben auf Deepfake-Plattform X
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter thematisiert die massive Kritik an der Plattform X (vormals Twitter), die zuletzt durch die ungehinderte Erstellung sexualisierter Deepfakes mittels des Chatbots “Grok” negativ aufgefallen sei. Auf Nachfrage von netzpolitik.org hätten Vertreter von Bundesministerien und Parteien ihren Verbleib auf der Plattform überwiegend mit dem Auftrag zur Bürgerinformation sowie dem Hinweis auf mangelnde Alternativen gerechtfertigt. Auch die EU-Kommission habe betont, dass sie ihre Kanäle zwar diversifiziere, die Präsenz auf X jedoch weiterhin für notwendig erachte.

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4. “Man kann die Bedeutung von Podcasts fast nur unterschätzen”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Das Leipziger “Podcast-Radio” detektor.fm nutze eine jüngst zugesprochene Förderung von 500.000 Euro, um bis zur Landtagswahl 2026 ein regionales Informationsangebot für Sachsen-Anhalt aufzubauen. Geschäftsführer Christian Bollert erläutert im Interview das Geschäftsmodell von detektor.fm, das zur wirtschaftlichen Absicherung auf einen Mix aus Eigenproduktionen, Partnerinhalten und Auftragsarbeiten für große Medienhäuser setze. Zudem betont er die wachsende Bedeutung von Nischen-Podcasts, für die der Sender gezielt mit freien Fachjournalistinnen und -journalisten zusammenarbeite und auf offene technische Standards statt exklusive Plattformen setze.

5. “Die schärfste Kirchen-Kritik kommt oft von innen” – Andrea Rübenacker und Bernward Loheide über katholischen Journalismus und weltliche Werte.
(turi2.de, Markus Trantow)
Andrea Rübenacker und Bernward Loheide, Führungskräfte des neuen Unternehmens PubliKath, sehen im Interview mit “turi2” trotz Kirchenaustritten eine wachsende Nachfrage nach ethischer journalistischer Einordnung, die sie durch eine “christliche Perspektive” bedienen wollen. Durch die Zusammenführung von Marken wie der Katholischen Nachrichten-Agentur, katholisch.de und filmdienst.de unter einem Dach wolle man Synergien erreichen und schneller werden.

6. Buchautor Erich von Däniken ist tot
(tagesschau.de)
Der Schweizer Bestsellerautor Erich von Däniken, der durch seine Theorien über frühere Besuche von Außerirdischen auf der Erde weltweite Bekanntheit erlangte und auch in deutschen Medien häufig präsent war, sei im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in Interlaken gestorben. Mit seinem 1968 erschienenen Debütwerk “Erinnerungen an die Zukunft” habe der ehemalige Hotelier den Grundstein für seine Karriere gelegt. Im Verlauf seines Lebens habe von Däniken rund 70 Millionen Bücher verkauft und Filme produziert (tagesschau.de nennt sie “Dokumentarfilme”).

KW 02/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie wird das Medienjahr 2026?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 40:31 Minuten)
Beim Deutschlandfunk diskutieren Shakuntala Banerjee (ZDF), Carsten Knop (“FAZ”) und Medienforscher Michael Graßl über den Start in das Medienjahr 2026. Die Gäste sind sich einig, dass Redaktionen Künstliche Intelligenz zwar als Hilfsmittel nutzen sollten, aber nur durch menschliche Prüfung, Transparenz und Fehlertoleranz das Vertrauen des Publikums sichern können. Trotz des enormen wirtschaftlichen Drucks und des Niedergangs der gedruckten Zeitung sehen sie Chancen in innovativen digitalen Formaten und tiefgründigen Recherchen.

2. Gefasst, gekidnappt, gefangen? – Wie berichten über die US-Aktion in Venezuela?
(ardaudiothek.de, Stefan Eising & Katrin Aue, Audio: 23:46 Minuten)
Bei “Medien – Cross und Quer” geht es um die Berichterstattung über den umstrittenen US-Militäreinsatz in Venezuela und die Festnahme von Machthaber Nicolás Maduro. Das Moderations-Duo Stefan Eising und Katrin Aue diskutieren mit der ARD-Korrespondentin Jenny Barke und dem WDR-Nachrichtenredakteur Udo Stiehl über die Kritik an verharmlosenden Schlagzeilen. Im Zentrum steht die Suche nach einer angemessenen Wortwahl, die das weltpolitische Geschehen präzise und neutral einordnet.

3. BBC, Litauen & Co.: Warum Europas Rundfunk im Kreuzfeuer steht
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 26:22 Minuten)
Die aktuelle Ausgabe von “BR24 Medien” beschäftigt sich mit dem wachsenden politischen und finanziellen Druck auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Europa, der von staatlicher Einflussnahme in Litauen bis hin zu Klagen gegen die BBC reicht. Fachleute wie Katharina Weiß von der Organisation Reporter ohne Grenzen warnen davor, dass sich im Jahr 2026 entscheide, ob europäische Medienstandards verteidigt werden oder ob sich staatlich gelenkte Modelle weiter ausbreiten.

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4. Put-her-in-a-Bikini-Trend. Warum Grok jede Frau und jedes Kind in Reizwäsche packt
(youtube.com, Chan-jo Jun, Video: 7:13 Minuten)
Von der Künstlichen Intelligenz “Grok” können Nutzer täuschend echte, oft sexualisierende Bilder von realen Personen erstellen lassen, was zu einer Welle von unfreiwilligen Bikini-Deepfakes auf der Plattform X (vormals Twitter) geführt habe. Lauf Anwalt Chan-jo Jun stelle dies rechtlich zwar eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts dar, doch fehle bislang eine klare Strafbarkeit. Jun sieht hier einen Anwendungsfall für den Digital Services Act und fordert, dass Werte wie die Menschenwürde auch gegen den Widerstand von US-Plattformen politisch durchgesetzt werden müssen.

5. 25 Jahre RTL Journalistenschule und Berichten über Venezuela
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 40:28 Minuten)
Das WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” thematisiert anlässlich des Jubiläums der RTL-Journalistenschule die Zukunftsaussichten für den journalistischen Nachwuchs. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der schwierigen Berichterstattung aus Venezuela sowie dem ethischen Umgang mit gefälschten Bildern. Zudem diskutieren Experten über die Gefahren durch den KI-Chatbot “Grok” und den aktuellen Zustand der Netzkultur.

6. Mehr als eine Suchmaschine – was KI wirklich kann
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 41:36 Minuten)
Im “Satzzeichen”-Podcast betont Gregor Schmalzried, Journalist und Co-Host des ARD-KI-Podcasts, dass Künstliche Intelligenz nicht als Suchmaschine, sondern als ergänzendes Werkzeug zum menschlichen Denken verstanden werden müsse. Er erläutert, wie die Technologie kreative Arbeitsprozesse verändere und wo ihre Grenzen in Bezug auf Verlässlichkeit lägen. Außerdem geht es um die Frage, ob der Einsatz von KI gesellschaftliche Gräben vertieft oder neue Möglichkeiten der Teilhabe schafft.

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