Archiv für August 31st, 2026

Der MDR und die AfD, Digitale Drogendealer, Quellen-Blackbox KI

1. Im Sturm: Der MDR, die AfD und die Macht der gefühlten Fakten
(dwdl.de, Peer Schader)
Der MDR warne sein Publikum vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit kurzen TV-Bildausfällen davor, dass die AfD den öffentlich-rechtlichen Sender bei einem Wahlsieg abschaffen wolle. Kolumnist Peer Schader schreibt bei “DWDL”, dass Fakten und Aufklärung bei der Partei kaum Wirkung hätten, da sie Sachargumente ignoriere und mit gefühlten Wahrheiten Stimmung mache. Die AfD nutze jeden Streit und jedes Chaos, um sich weiter als Opfer des Systems darzustellen: “Es ist eine Herausforderung – nicht nur für Journalist:innen und für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als solchen, sondern vielleicht für die ganze Gesellschaft: Wie soll man damit umgehen, dass ein Gegenüber jegliche Debatte verunmöglicht, indem es faktisch belegbare Probleme nicht als solche anerkennt – und stattdessen andere behauptet, die faktisch nicht oder kaum zu belegen sind?”

2. Was Zuckerberg wirklich gekauft hat
(digitalpolitik.de, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl kommentiert den Vergleich in Milliardenhöhe, mit dem der Social-Media-Konzern Meta einen der größten Jugendschutzprozesse gegen einen Tech-Konzern abgewendet hat: “Mark Zuckerberg hat in den USA seinen eigenen Standard mitverhandelt und ihn quasi aus der Portokasse bezahlt. Europa sollte ihn nicht kopieren. Der DSA erlaubt, dort anzusetzen, wo der Vergleich aufhört, bei der Architektur selbst. Die Werkzeuge liegen bereit. Jetzt muss Europa es auch benutzen.”
Mit erfrischender Klarheit kommentiert auch die “Wirtschaftswoche”: “Der Facebook-Konzern räumt mit dem Vergleich inoffiziell ein, dass er soziales Gift produziert und digitale Suchtmittel vertickt hat – und entgeht damit seiner Verurteilung als Drogendealer. Es ist ein historischer Sieg. Für Meta und die US-Digitalkonzerne. Sie reinigen ihre Rauschgifte künftig vom gröbsten Dreck und legalisieren sie, nachträglich und vorsorglich, frei nach Paracelsus: alles eine Frage der Dosis.” (wirtschaftswoche.de, Dieter Schnaas)

3. Guten Abend, hier ist die KI-Schau
(taz.de, Selina Hellfritsch)
Eine Studie (PDF) des Thinktanks “Agora Digitale Transformation” warne davor, dass KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude zu neuen, intransparenten Gatekeepern der öffentlichen Meinungsbildung würden. Die Forscherin Vivien Benert kritisiere, dass die Quellenauswahl oft eine unkontrollierbare “Blackbox” bleibe. Zudem würden KI-Übersichten in Suchmaschinen die ökonomische Basis von Verlagen bedrohen, da seltener auf Originalquellen geklickt werde.

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4. KI-Test: Ein Chatbot fälscht Nachrichten ohne Zögern
(correctiv.org, Hanna Fröhlich & Sven Niederhäuser)
Ein Test von “Correctiv.Schweiz” zeige, dass sich mit ChatGPT in Sekundenschnelle täuschend echte Social-Media-Grafiken und Falschmeldungen im Design etablierter Schweizer und internationaler Medien (wie SRF, “NZZ” oder “New York Times”) erstellen lassen. Während andere Modelle wie Google Gemini oder Meta AI Falschinformationen oder geschützte Markenlogos weitgehend blockieren würden, generiere ChatGPT selbst gravierende “Fake News” zu Themen wie Wahlbetrug, Klimawandel oder Impfschäden. Expertinnen und Experten wie Angela Müller von “AlgorithmWatch CH” und Florian Tramér von der ETH Zürich sähen darin eine massive Gefahr für die demokratische Meinungsbildung.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 260
(netzwerkrecherche.or, Lena Wrba & Christina Brause)
Im aktuellen Newsletter des Netzwerk Recherche (NR) blickt Christina Brause auf das sechsjährige Bestehen der NR-Fachgruppe Datenjournalismus zurück und kündigt neue Austauschformate wie die Wiederbelebung des “Datendienstags” sowie praxisorientierte Abende zu KI und OSINT an. Außerdem gibt es wie immer einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Rechtsstreit um Trumps Visa-Pläne für Journalisten und Studierende
(medien.epd.de)
In den USA würden mehrere Bildungsverbände und Journalistengewerkschaften gegen die Pläne des US-Heimatschutzministeriums, die Gültigkeitsdauer von Visa für ausländische Medienschaffende drastisch von bis zu fünf Jahren auf nur noch 240 Tage zu verkürzen, klagen. Die Kläger würden gravierende Verfahrensfehler nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz rügen und sähen in der Neuregelung einen verfassungswidrigen Angriff auf die Presse- und Redefreiheit.