Archiv für September 9th, 2009

Lady Gagas kleiner Penis kriegt so einen Bart

Vor fünf Wochen diskutierten deutsche und internationale Medien darüber, ob Lady Gaga einen Penis habe oder nicht (BILDblog berichtete).

Vergangene Woche sprachen australische Radiomoderatoren die Sängerin selbst auf das Thema an (nachzuhören hier) und die Antwort (“Ich selbst bin nicht beleidigt. Meine Vagina ist beleidigt.”) schien selbst Bild.de überzeugt zu haben:

Damit ist das Thema dann wohl geklärt. Lady Gaga ist eindeutig eine Frau.

Nicht ganz so überzeugt war offenbar Viva-Moderatorin Collien Fernandes, die Lady Gaga bei einer Pressekonferenz in Berlin noch einmal auf das Thema ansprach und eine ähnliche Antwort erhielt. Anschließend wurde sie aus dem Saal geleitet.

In der Berliner Ausgabe berichtete “Bild” gestern über den “Skandal”. Dabei wiederholten die Zeitung und die Viva-Moderatorin unisono die äußerst unwahrscheinliche Behauptung, Lady Gaga habe den Wirbel um ihr Geschlecht selbst ausgelöst:

Die Sängerin schürte die Spekulationen auch noch selbst (“Ich bin sexy. Ich bin heiß. Ich habe eben beides”). Fernandes: “Wenn man so einen Skandal selber in die Welt setzt, finde ich dieses Verhalten etwas peinlich!”

“Welt Online” hielt den ganzen Vorfall für so bedeutend, dass man ihm gleich zwei fast wortgleiche Artikel widmete.

Auch dort kennt man keinerlei Zweifel an der Authentizität von Lady Gagas angeblichem Coming-Out:

Anlass für diese Frage war das anhaltende Gerücht, das Lady GaGa selbst in die Welt gesetzt hatte. In einem Interview hatte sie vor einiger Zeit gesagt: “Ich bin sexy. Ich bin heiß. Ich habe eben beides.” […]

Im Internet kursiert ihr eigener Blogeintrag, in dem sie sich als Zwitter outete: “Ich habe sowohl männliche als auch weibliche Genitalien – ich sehe mich aber als Frau.”

Nein. Es spricht alles dagegen, dass Lady Gaga sich selbst zu ihrem “Penis” bekannt hat — schon gar nicht in einem “Interview”.

Mit Dank an Twipsy.

Bild  

Gericht verbietet Foto von “U-Bahn-Schläger”

Das Oberlandesgericht Hamburg hat der “Bild”-Zeitung untersagt, einen der beiden Täter zu zeigen, die Ende 2007 als “U-Bahn-Schläger” von München bekannt wurden. Das Blatt hatte in seiner Berichterstattung über den Fall und den Prozess immer wieder, teilweise groß auf der Titelseite, die Täter gezeigt. Einer der beiden, der zum Zeitpunkt der Tat erst 17 Jahre alt war, hat dagegen erfolgreich auf Unterlassung geklagt.

Er müsse zwar die Berichterstattung hinnehmen, nicht aber die Veröffentlichung seines Bildes, weil eine spätere Resozialisierung dadurch fast unmöglich gemacht werde. Die Freiheit der Berichterstattung müsse hier hinter dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Klägers in den Hintergrund treten — das habe “Bild” durch die Veröffentlichung verletzt.

Der besondere gesetzliche Schutz jugendlicher Straftäter entfalle auch nicht, wenn der Betroffene zum Zeitpunkt der Berichterstattung bereits volljährig ist. Daher sei eine Bildberichterstattung über die Straftat eines Jugendlichen unzulässig, urteilten die Richter (7 U 36/09, 7 U 37/09).

Mit Dank an Andreas K.!

(Do You) Remember The Time

Fast hätten die Leser von Bild.de einen Tag ohne Neuigkeiten vom “King Of Pop” verbringen müssen.

Aber nur fast:

Seit Kurzem kursiert ein Video im Internet, das Jackson von einer Seite zeigt, die uns oft verborgen blieb: ganz normal und frei von Zwängen.

Anders als sonst hat Bild.de das Video nicht mit dem eigenen Logo versehen und online gestellt, sondern direkt von YouTube eingebunden.

Und das macht es einem besonders leicht, herauszufinden, was für einen Zeitraum Bild.de mit “seit Kurzem” meint:

06 April 2007
Knapp zweieinhalb Jahre.

Mit Dank an Robert, Andre S. und Can K.

Gaul, Sarkozy, Wash Echte

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. Interview mit Richard Gaul
(zeit.de, Jonas Viering)
Der Vorsitzende des Wächterrats für die PR-Branche, Richard Gaul, hält nichts von Täuschungen und Schummeleien: “Wird der Qualitätsjournalismus als Wächter geschwächt, so ist der Unwahrheit, der Manipulation bis hin zur Lüge, Tür und Tor geöffnet. Kurzfristig könnte da ein Konzern mit seiner geballten Kommunikationsmacht profitieren, aber auf Dauer wäre er verdammt angreifbar.”

2. “Neues vom sehr kleinen Nic”
(faz.net, Jürg Altwegg)
Zur Bilderpolitik des französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy: “Sarkozy werden nur Arbeiter zur Seite gestellt, die ihn an Körpergröße nicht überragen: Tage im voraus hatte man die Statisten ausgewählt. Auch in Zweigstellen der Firma. Sie wurden speziell zum Besuch gefahren. Mit einem naiven ‘Ja’ beantwortet eine leicht verlegene Fabrikarbeiterin die Frage des Korrespondenten, ob sie auf Grund ihrer Körpergröße ausgewählt worden sei.”

3. “Für mehr Harmonie zwischen Print- und Online-Medien”
(nzz.ch, Nico Luchsinger)
Nico Luchsinger kritisiert in einem Blogeintrag, dass das Internet (auch im eigenen Haus) von vielen als Bedrohung für das gedruckte Wort gesehen wird: “So lange das Internet hauptsächlich als Gefahr wahrgenommen wird, dominieren Abwehrstrategien – und die sind selten zukunftsträchtig.”

4. “the internet is for free”
(pudri.blogspot.com, Mary Scherpe)
“Vor einem Jahr hat die mittlerweile schon wieder eingestellte Zeitschrift ‘Young’ des Burda Verlags NEUN meiner Stil in Berlin Bilder für eine siebenseitige Story verwendet. Ohne Erlaubnis. Ohne Credit. Ohne Honorar.”

5. “Keeping up with the news”
(ichwerdeeinberliner.com, Wash Echte, englisch)
Ein lesenswerter Beitrag des in Berlin lebenden Wash Echte (mehr hier) über den Medienkonsum der Deutschen: “Spiegel Online” werde “religiously” besucht, oft mehrmals die Stunde. Zu “Bild” notiert er: “Being caught reading Bild or worse, citing from it in public means irreversible instant social death in Germany.”

6. “Die Angst des Moderators im Erklärraum”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
“Für die ‘heute’-Sendung um 19 Uhr wird um 18 Uhr 30, für das ‘heute-journal’ um 21 Uhr 45 um 21 Uhr aufgezeichnet. Damit der Zuschauer nicht irritiert wird, gehen die Moderatorinnen und Moderatoren perfekt geschminkt und genau so gekleidet zur Aufzeichnung, wie sie dann in der Sendung auftreten werden.”