Suchergebnisse für ‘bild islam’

Bild.de liefert „Terror“-Futter für Islamhasser und rechte Hetzer

+++ Messermann erschossen! Polizei verhindert Terror-Anschlag in Gelsenkirchen! +++

… schreibt der AfD-Bundestagsabgeordnete Johannes Huber.

++ Angreifer erschossen: Islamistischer Terror-Anschlag vereitelt! ++

… schreibt die AfD-Fraktion, die im nordrhein-westfälischen Landtag sitzt.

+++ Islamistischer Terror? Bewaffneter greift Polizeiwache an, ruft „Allahu akbar“ und wird erschossen! +++

… schreibt der AfD-Landesverband Hessen.

Islamisch motivierter Anschlag konnte vereitelt werden!

… schreibt Pierre Jung, Sprecher des AfD-Kreisverbandes Hamm.

Polizei verhindert Terror-Anschlag!

… schreibt Dimitri Schulz, der für die AfD im hessischen Landtag sitzt.

Sie alle beziehen sich in ihren Facebook-Posts auf einen Artikel, der gestern Abend bei Bild.de erschienen ist. Darin geht es um einen Vorfall in Gelsenkirchen: Ein Mann soll sich einer Polizeiwache genähert und dabei mit einem Gegenstand, wohl einem Stock, auf einen Streifenwagen geschlagen haben. Zwei Polizisten, die vor der Wache standen, sollen ihn aufgefordert haben, dies zu unterlassen und stehenzubleiben. Der Mann soll auf sie zugegangen sein und in der anderen Hand ein Messer getragen haben. Daraufhin soll einer der Polizisten den Mann erschossen haben.

Ob es sich dabei um einen „Terror-Anschlag“ handelte, den die Polizisten vereitelten, ob es tatsächlich einen islamistischen Hintergrund gab, und ob der Mann wirklich „Allahu Akbar“ rief — all das war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Bild.de-Beitrags alles andere als klar. Und dennoch titelte die Redaktion auf ihrer Startseite:

Screenshot Bild.de - Messer-Mann (37) erschossen - Polizei verhindert Terror-Anschlag in Gelsenkirchen

Sowas greifen die AfD-Abgeordneten, -Landesverbände und -Fraktionen genauso gern auf wie die Facebook-Gruppen „Unsere Heimat Deutschland“, „Deutschland – quo vadis“, „Frankfurt gegen Salafismus – Das Original“, „Patrioten des Vaterlands 5“ und so weiter. Auch die NPD verbreitet den Bild.de-Artikel, der laut dem Analysetool CrowdTangle allein bei Facebook bisher mehr als 5000 Mal geteilt wurde.

Direkt zu Beginn ihres Textes schreiben die zwei „Bild“-Autoren Celal Çakar und Frank Schneider:

Die Polizei ist sich sicher: Diese feige Attacke war ein versuchter Terror-Anschlag auf Polizisten mitten in Deutschland!

Das ist gleich aus drei Gründen interessant: Erstens hat die Polizei nicht gesagt, dass sie „sicher“ sei, dass es sich um einen „versuchten Terror-Anschlag auf Polizisten“ handele. Der dpa sagte ein Sprecher, dass ein möglicher terroristischer Hintergrund Gegenstand der Ermittlungen sei. Und auch Zeugenaussagen, nach denen der Mann „Allahu Akbar“ gerufen habe, und die erst die zwei „Bild“-Autoren ins Spiel brachten („Zeugen schilderten BILD, der Mann habe stattdessen laut ‚Allahu Akbar‘ (arabisch ‚Gott ist groß‘) gerufen“), seien einem Polizeisprecher zufolge erstmal nur „Gerüchte“, die bislang nicht bestätigt seien.

Zweitens lautete dieser erste Satz des Bild.de-Artikels mal ziemlich anders. In einer früheren Version behaupteten Çakar und Schneider noch selbst, dass es sich um einen „Terroranschlag“ handelt, und schoben nicht die Polizei als vermeintliche Quelle vor:

Die Polizei hat im Ruhrgebiet einen Terroranschlag verhindert!

Und drittens hat die Polizei inzwischen bekanntgegeben, dass sie nicht von einem terroristischen Hintergrund ausgehe.

Das ist inzwischen auch bei Bild.de angekommen. Die Überschrift hat die Redaktion klammheimlich geändert in:

Screenshot Bild.de - Messer-Mann (37) erschossen - Polizisten in Gelsenkirchen angegriffen

Und den ersten Satz genauso klammheimlich in:

Die Polizei ist sich sicher: Diese feige Attacke war ein versuchter Anschlag auf Polizisten mitten in Deutschland!

Einen Korrekturhinweis darauf, dass man mal etwas völlig anderes berichtet hat, gibt es nicht. Nur zur Erinnerung: Bild.de wird von einem Mann geleitet, der über sich selbst gern sagt, dass es ihm „grundsätzlich leicht“ falle, „mich zu entschuldigen, wenn wir Fehler gemacht haben.“

Mit Dank an @MeiersKaettche für den Hinweis!

Wie „Bild“ mit falschen Überschriften den Hass auf den Islam füttert

Das Wörtchen „statt“ kann ein sehr vergiftetes sein. Zum Beispiel wenn man es so falsch einsetzt wie die „Bild“-Redaktion vorgestern in ihrer Bundesausgabe …

Ausriss Bild-Zeitung - An Berliner Grundschule - Nur noch Islam-Kunde statt evangelischer Religion

… und bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - An Berliner Schule - Islam-Kunde statt evangelischer Religion

Das „statt“ ist in diesem Zusammenhang Unsinn. Es lässt die Leserinnen und Leser glauben, dass an einer Berliner Grundschule Islam-Kunde an die Stelle des evangelische Religionsunterrichts gerückt ist. Oder eine Ebene höher: Der Islam verdrängt das Christentum. Doch das stimmt nicht.

Tatsächlich gab es an der Teltow-Grundschule in Berlin-Schöneberg, über die die „Bild“-Medien schreiben, schon länger parallel christlichen Religionsunterricht, Islam-Kunde und Lebenskunde, wo es um Ethik geht. Die Kinder konnten mit ihren Eltern auswählen, worüber sie in zwei Schulstunden pro Woche etwas lernen möchten.

Diese Fächer werden allerdings nicht von Lehrern der Schule unterrichtet, sondern von Vertretern der religiösen oder humanistischen Träger. An der Teltow-Grundschule ist für den christlichen Religionsunterricht die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zuständig. Und die hat seit einiger Zeit nicht mehr genug Personal, um den Unterricht an allen Berliner Schulen anzubieten, so auch an der Teltow-Grundschule.

Das wäre eigentlich auch schon die ganze Geschichte: Die Evangelische Kirche hat Personalmangel, daher können die Kinder aktuell nur zwischen Islam- und Lebenskunde wählen. Wäre da nicht ein Vater, der sich in „Bild“ aufregt, dass etwas schieflaufe „‚im christlichen Abendland'“, „‚wenn in einer normalen Grundschule nur noch Islam-Unterricht, aber kein evangelischer Religionsunterricht mehr angeboten wird'“.

Sein neunjähriger Sohn habe nun „statt Religionsunterricht jeweils eine Freistunde“, schreiben die „Bild“-Medien. Das stimme allerdings nicht, wie uns die Schulleitung auf Nachfrage sagt. Der Junge und seine Eltern könnten derzeit zwischen Lebenskunde und Islam-Unterricht wählen. Auf dem Stundenplan des Kindes, den „Bild“ und Bild.de zeigen, sieht man auch zumindest am Dienstag in der fünften Stunde neben dem Kürzel „Isl“, das wohl für Islam-Kunde stehen soll, auch das Kürzel „Lk“, das für Lebenskunde stehen dürfte:

Screenshot Bild.de - Stundenplan des Jungen, mit den Kürzeln Lk und Isl in der fünften Stunde am Dienstag

So richtig neu sei der Ausfall des christlichen Religionsunterrichts laut Schulleitung übrigens nicht. Das sei auch schon im vergangenen Schuljahr so gewesen, aus demselben Grund. Und die Eltern seien auch bereits früh informiert worden, etwa über die Elternvertretung.

Die Schulleitung bedauert es ebenfalls, dass der christliche Religionsunterricht derzeit nicht wie gewohnt angeboten werden kann. Sie hat schon vor einiger Zeit Maßnahmen ergriffen, damit er nicht für die komplette Schule ausfällt: Mit der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Schöneberg habe man vereinbaren können, dass diese Pfarrer schickt, die den christlichen Religionsunterricht für die Jahrgangsstufen 1 und 2 übernehmen. Für die Klassen 3 bis 6, also auch für den Jungen, dessen Stundenplan „Bild“ abdruckt, werde es Projekttage zum Thema „Kinder begegnen Religionen“ geben, geplant von der Evangelischen Kirche. Außerdem werde wie immer eine Weihnachtsfeier stattfinden, man werde wie immer einen großen Weihnachtsbaum aufstellen. Dass der Islam an der Teltow-Grundschule das Christentum verdrängt, kann man nun wirklich nicht sagen.

Von all diesen Bemühungen liest man in dem „Bild“-Artikel: nichts.

Immerhin schreiben auch die „Bild“-Medien, dass der Grund für den Ausfall der Personalmangel bei der Evangelische Kirche ist. Bloß: Bei Bild.de erfahren das nur die knapp 400.000 Personen, die ein „Bild plus“-Abo haben. Die anderen Millionen, die Bild.de besuchen, sehen lediglich die falsche Schlagzeile und ziehen mehr oder weniger empört weiter.

Dass die „statt“-Überschrift für Wut sorgt, kann man im Kommentarbereich auf der Facebook-Seite von „BILD News“ sehen:

Screenshot eines Facebook-Kommentars - Wir werden noch mal aus dem eigenen Land geschmissen, wenn das so weitergeht.
Screenshot eines Facebook-Kommentars - Die Deutschen schaffen sich und ihre eigenen Identität ab um lieber eine andere zu leben
Screenshot eines Facebook-Kommentars - Traurig aber wahr. Es gibt mehr Islamisten als Evangelisten und Katholiken. Der Islam will Deutschland besetzen! Und wenn es so weitergeht, dann schaffen die das.
Screenshot eines Facebook-Kommentars - Chemnitz war erst der Anfang
Screenshot eines Facebook-Kommentars - Gibt bald Bürgerkrieg
Screenshot eines Facebook-Kommentars - Bald sind wie Deutsche fremd im eigenen Land.
Screenshot eines Facebook-Kommentars - Verabschiedet euch schon mal von Deutschland. Merkel und Co treiben uns in den Abgrund. Fehlt eine bestimmte Person, die Deutschland wieder zu Deutschland macht.

Nach dem falschen Weihnachtsmarktverbot, der vermeintlichen Politiker-Forderung, im Weihnachtsgottesdienst muslimische Lieder zu singen, und der nächsten falschen verbotenen Weihnacht ist „Islam-Kunde statt evangelischer Religion“ das nächste Kapitel in der langen „Bild“-Erzählung vom scheinbaren Einknicken Deutschlands vor dem Islam.

Bild  

„Bild“ liefert falsches Futter für Islamhasser und rechte Hetzer

„Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner hat sich entschieden: „Die schlimmste Nachricht dieser Tage“ ist die „verbotene Weihnacht“ an einer Istanbuler Schule, schlimmer noch als „Aleppo“ und „Attentate“:

Das Weihnachtsverbot ist für mich die Grenze.

Es ist ein Kulturbruch geschehen.

Christen sollen nicht mehr Weihnachtslieder singen. Für mich ist das die schlimmste Nachricht dieser Tage.

Mit riesigem Schrecken dürfte Franz Josef Wagner heute bei der täglichen „Bild“-Lektüre festgestellt haben, wie das Weihnachtsfest und die christliche Tradition angeblich überall in Deutschland geschändet wird. Zu ihrem Arikel über das „WEIHNACHTSVERBOT an türkisch-deutscher Schule“ (das inzwischen wieder aufgehoben ist) …

… haben die Festtagsexperten von „Bild“ für ihre heutige Ausgabe nämlich eine Übersicht zusammengestellt, wo überall in der Republik das Abendland so untergeht:

Was das zeigen soll, ist klar: Die grünlinksversifften Multikultispinner, ob in Hildesheim, Berlin-Kreuzberg, Kassel oder sonst wo, kuschen vor all den zugewanderten Muslimen, werfen vor lauter politischer Korrektheit unsere christlichen Werte über Bord und verleugnen unsere Tradition. Weihnachtsmärkte? Christstollen? Alles futsch! Passt mal besser auf, dass Weihnachten nicht bald ganz verboten wird.

Nur: So gut wie keiner der Punkte, die „Bild“ nennt, stimmt. Der Reihe nach:

  • Christophorusschule

„Bild“ schreibt:

Der Chor der Christophorus-Schule in Hildesheim verzichtete beim Weihnachtskonzert auf Lieder mit „christlichem Bezug“, weil Flüchtlinge dabei waren. Später dementierte die Schule den Zusammenhang.

Erstmal: Die Christophorusschule liegt nicht in Hildesheim, sondern in Elze, westlich von Hildesheim. Das Gerücht, dass die Schule „beim Weihnachtskonzert auf Lieder mit ‚christlichem Bezug'“ verzichtet haben soll, stammt von der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung“. Und tatsächlich dementierte die Schule den Zeitungsbericht (PDF):

Die missverständliche und inhaltlich falsche Berichterstattung der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 09.12.2016 über das CJD Weihnachtskonzert in Sarstedt hat einige Fragen aufgeworfen.

In diesem Zusammenhang möchten wir auf Folgendes hinweisen:

1. Die CJD Christophorusschule Elze hat bei keinem der diesjährigen Weihnachtskonzerte auf Lieder christlichen Inhalts verzichtet.

2. Der Autor des Artikels, Herr Peter Hartmann, war bei keinem unserer Konzerte anwesend.

3. Das Programm des Konzerts am 03.12.2016 in der Kirche der Heilig Geist Gemeinde, Sarstedt, besteht aus 26 Weihnachtsliedern und Werken, die alle einen christlichen Bezug aufweisen.

4. Die Teilnahme von Schülern der Sprachlernklasse hat den christlichen Charakter des gesamten Programms in keiner Weise verändert.

Im Programmheft des Konzerts (PDF) findet man Lieder wie „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ oder „Amen“. Die zwei Songs, die Mitglieder der „Chorklasse I“ und der Sprachlernklasse (das sind vermutlich die Flüchtlinge, von denen „Bild“ schreibt) gesungen haben, sind „Macht euch bereit“ von Rolf Zuckowski:

Macht euch bereit!
Macht euch bereit!
Jetzt kommt die Zeit
auf die ihr euch freut.
Bald schon ist Weihnacht
fröhliche Weihnacht.

Und „Still senkt sich die Nacht hernieder“ von Gerhard Wohlgemuth:

Still senkt sich die Nacht hernieder.
Rings das Land liegt tief verschneit
und es klingen alte Lieder:
O du schöne Weihnachtszeit!
O du schöne Weihnachtszeit!

Klingt nicht gerade so, als hätte die Christophorusschule „die christlichen Wurzeln des Weihnachtsfestes unterschlagen.“

  • Kreuzberger Wintermarkt

In Berlin-Kreuzberg heißt ein Weihnachtsmarkt „Kreuzberger Wintermarkt“, um andere Religionen zu schonen.

Um den „Kreuzberger Wintermarkt“ haben die „Bild“-Medien schon einige Märchen gesponnen. Die „Bild am Sonntag“ fragte vor zwei Jahren beispielsweise:

Und schrieb dazu:

Wird auf dem Altar der politischen Korrektheit die christliche Tradition geopfert?

Sowie:

Natürlich ist die Institution Weihnachtsmarkt an sich nicht wichtig. Aber wo führt es hin, wenn es schon verpönt ist, das Wort Weihnachten nur im Munde zu führen? Sind das christliche Erbe, unsere Kultur, unser Selbstverständnis, unser Wertekanon, auf das Treiben einer „Religionsgemeinschaft“ geschrumpft?

Wir haben damals beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nachgefragt, ob es stimmt, dass sich der Markt „Wintermarkt“ nennen musste, weil die Politik das aus Rücksicht vor Religionen oder Ausländern so wollte. Ein Sprecher sagte uns:

Ich kann alle beruhigen: Das Abendland bleibt weiter bestehen, genauso wie die Weihnachtsmärkte in Friedrichshain-Kreuzberg — in diesem Jahr und auch in den nächsten Jahren. Wie die Märkte sich nennen, ist uns total egal.

Und auch eine Sprecherin des „Kreuzberger Wintermarktes“ bestätigte uns damals, dass ihr Team den Namen und das Konzept aus freien Stücken gewählt habe, ohne politische Einflussnahmen oder Rücksicht auf Vorschriften.

Damit liegt „Bild“ schon mal in zwei Punkten daneben.

  • Wintermarkt Flughafen München

(…) um andere Religionen zu schonen. Ähnlich: „Wintermärkte“ am Münchner Flughafen

Hier können wir es recht kurz machen: Der Markt, der aktuell am Flughafen in München aufgebaut ist, heißt gar nicht „Wintermarkt“, sondern „Weihnachts- und Wintermarkt“:

Eine Sprecherin des Flughafens sagte uns, dass man den Zusatz „Wintermarkt“ mit in den Namen genommen habe, weil der Markt bis zum 30. Dezember geöffnet habe. Und dann sei Weihnachten ja schon lange vorbei. Vorher gibt es allerdings reichlich Aktionen mit christlichem Bezug: Das Christkind schaue vorbei, Besucher könnten Adventskränze binden, an den Ständen gebe es Christbaumschmuck zu kaufen. Kurzum:

Nein, wir verstecken Weihnachten nicht.

  • Wintermarkt Gundelsheim

(…) um andere Religionen zu schonen. Ähnlich: „Wintermärkte“ am Münchner Flughafen, in Gundelsheim

Der eintägige Wintermarkt im bayerischen Gundelsheim fand dieses Jahr am 19. November statt. Und das ist auch der Grund, warum er Wintermarkt und nicht Weihnachts- oder Christkindlmarkt heißt. Eine Sprecherin sagte uns, dass man damit durchaus Rücksicht auf eine Religion nehme — auf die christliche:

Den Namen haben wir wegen der Katholiken gewählt. Unser Markt findet immer am Samstag vor dem 1. Advent statt, also nicht in der Weihnachtszeit. Da können wir ihn doch nicht einfach „Weihnachtsmarkt“ nennen.

Weihnachtliche Elemente gebe es aber trotzdem: Ein Nikolaus überrasche die Kinder, die örtlichen Vereine spielten vorweihnachtliche Musik.

  • Wintermarkt Altmannstein

(…) um andere Religionen zu schonen. Ähnlich: „Wintermärkte“ am Münchner Flughafen, in Gundelsheim und Altmannstein (Bayern).

Der Wintermarkt im bayerischen Altmannstein dauert drei Tage, liegt aber ebenfalls nie in der Adventszeit. Deswegen, so eine Sprecherin, habe man ihn nicht Christkindl-, Advents- oder Weihnachtsmarkt genannt, sondern Wintermarkt: „Der Name würde der Sache sonst nicht gerecht werden.“

Auch in Altmannstein gebe es einen Nikolausauftritt, Chöre sängen Weihnachtslieder. Außerdem könne man an den Ständen Weihnachtskrippen und ähnliches kaufen.

  • Kita in Kassel

Eine städtische Kita in Kassel verzichtete wegen muslimischer Kinder auf ihr Weihnachtsfest.

Grundlage für diese Behauptung dürfte ein Bericht der „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen“ über die Kita im Kasseler Sara-Nussbaum-Haus sein:

Anna Janz, die Jugend-Stadträtin in Kassel, hatte in einem Interview auf der Website der Stadt auf die Vorwürfe geantwortet:

Frau Janz, die HNA titelte „Weihnachten fällt im Kindergarten aus“. Stimmt das?

Anne Janz: Nein, natürlich nicht. In allen städtischen Kindertagesstätten werden die mit dem Weihnachtsfest verbundenen christlichen Traditionen gelebt. Das gilt selbstverständlich auch für die Kita Sara-Nussbaum-Haus. Die Behauptung, dort falle das Weihnachtsfest regelmäßig aus, ist schlicht falsch.

Und:

Die Kritik bezog sich ja konkret auf die Kita Sara-Nussbaum-Haus. Es hieß, die Erzieherinnen dort verzichteten mit Verweis auf die unterschiedlichen Kulturen der Kinder auf christliche Rituale.

Anne Janz: Auch in der Kita Sara-Nussbaum-Haus wird, wie in allen anderen städtischen Einrichtungen, seit Jahren und auch dieses Jahr die Vorweihnachtszeit festlich gestaltet. Die Aussage, dass in den vergangenen Jahren das Weihnachtsfest ausgefallen ist, ist falsch.

In allen Gruppen gibt es einen Adventskalender, aus dem an jedem Tag ein anderes Kind ein „Geschenk“ erhält. In jeder Gruppe steht ein Adventskranz, mit den Kindern wird gebastelt, die Kita wird geschmückt und auch dort werden Weihnachtsplätzchen gebacken. In einer der Gruppen wird seit mehreren Jahren in der Adventszeit ein Märchen-Theaterstück eingeübt und den Eltern bei einer Feier vorgeführt. Und der Nikolaus besuchte in den vergangenen Jahren auch die Kinder im Sara–Nussbaum-Haus.

Die Adventszeit und die Nikolausfeier finden statt und werden traditionell und adventlich begangen.

Das Weihnachtsfest an sich — also die Tage vom 24. bis 26. Dezember — feierten die Kitas in Kassel generell nicht, da sie an den Weihnachtsfeiertagen geschlossen seien, so Janz.

Vor knapp zwei Wochen, am 6. Dezember, gab es in der Kita Sara-Nussbaum-Haus ein Nikolausfest, mit Weihnachtsliedern, Nikolausgeschichte und den muslimischen Kindern, die die „Bild“-Zeitung als falschen Grund für ihre falsche Behauptung anführt.

Sechs der sieben Beispiele, mit denen „Bild“ zeigen will, dass in Deutschland „aus Rücksicht auf Muslime die christlichen Wurzeln des Weihnachtsfestes unterschlagen“ würden, stimmen nicht (das Beispiel mit der österreichischen Botschaft konnten wir nicht überprüfen, da wir dort niemanden erreicht haben, der uns Auskunft geben konnte). 32 Zeilen gesellschaftlicher Zündstoff, schnell mal falsch zusammengegooglet und den rechten Hetzern, den Islamhassern, den AfD- und „Pegida“-Marschierern als Futter hingeworfen.

Bild  

„Bild“ macht friedliche Moslems zu radikalen Islamisten

Alte „Bild“-Grundregel: Menschen, die etwas Schlimmes getan haben, verlieren automatisch ihre Persönlichkeitsrechte.

Egal, wie alt sie sind.


(Unkenntlichmachung von uns.)

Die 15-Jährige soll regelmäßig eine Moschee von radikalen Islamisten besucht haben, wollte angeblich nach Syrien reisen (darum „ISIS-Horror“) und steht nun im Verdacht, in Hannover einen Polizisten niedergestochen zu haben.

Aus dem Pressekodex:
Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. (…) Insbesondere in der Berichterstattung über Straftaten und Unglücksfälle dürfen Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in der Regel nicht identifizierbar sein.

Das Foto des Mädchens hat „Bild“ (noch so eine alte Grundregel) bei Facebook besorgt, ebenso wie die meisten Fotos im Innenteil: das Mädchen im Kinderzimmer, auf einem Pferd, vor dem Eiffelturm …

Ob wenigstens das richtige Kind zu sehen ist, wissen wir nicht. Gut möglich, dass die Fotobeschaffer wieder mal im falschen Profil gewildert haben.

Allzu sorgfältig sind die „Bild“-Leute auf ihrer Fotojagd jedenfalls nicht vorgegangen, wie dieses Beispiel (ebenfalls aus dem Artikel) zeigt:

Das stimmt nicht. Das Foto zeigt keine Moschee, sondern ein Cem-Haus. Und es gehört nicht zum „Deutschsprachigen Islamkreis“, sondern zur „Alevitischen Gemeinde“ Hannovers.

Das mag für „Bild“-Redakteure eh alles dasselbe sein, ist es in der Realität aber nicht.

Im Gegensatz zum salafistischen Islamkreis in Hannover ist die alevitische Gemeinde Mitglied in der Deutschen Islamkonferenz und wird nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Von Salafisten unterscheidet Aleviten ohnehin eine ganze Menge: Männer und Frauen beten bei ihnen gemeinsam, sie deuten den Koran nicht wörtlich und lehnen die fünf Säulen des Islam ab. Mit dem „Islamischen Staat“ verbindet sie allenfalls, dass er ihnen die Köpfe abschneiden will.

Anders gesagt: Das abgebildete Haus und die Gemeinde, zu der es gehört, haben überhaupt nichts mit dem „Terror-Mädchen“ zu tun; „Bild“ bringt sie zu Unrecht mit dem „ISIS-Horror“ in Verbindung.

Ein Mitglied der Gemeinde sagte uns, sie würden oft beleidigt und bedroht, weil viele Leute annähmen, sie hätten was mit Terroristen zu tun. Durch die falsche Bebilderung würden sie jetzt umso mehr zur Zielscheibe.

Bei Facebook schreibt der Vorstand der Gemeinde, er fasse dies „als bewusste Tat gegen uns auf“.

Wir würden eher auf Fahrlässigkeit tippen. Wenn die „Bild“-Zeitung die Wahl hat zwischen Sorgfalt und Schnelligkeit, entscheidet sie sich eben für Letzteres. Auch wenn sie dabei in Kauf nimmt, unbeteiligte Menschen zu Hassobjekten zu machen. Alte Grundregel.

Nachtrag, 23.15 Uhr: Wie wir gerade entdeckt haben, hat „Bild“ heute eine Korrektur veröffentlicht.

Falls Sie auch nicht gleich fündig werden: Ganz oben, zwischen dem toten Wal und Sarah Connor.

Die alevitische Gemeinde schreibt dazu bei Facebook:

In der heutigen ‪#‎BILD‬ Ausgabe (05.03.2016) wurde eine Richtigstellung aufgrund der ‪#‎Fotoverwechslung‬ vom Vortag vorgenommen. Die Redaktion bedaure die Verwechslung. Die Frage ist jedoch wie es zu so einer Verwechslung kommen konnte!?
Unser Dachverband ‪#‎AABF‬ und auch die Alevitische Gemeinde ‪#‎Hannover‬ ist nun seit fast 25 Jahren im Widerstand gegen Extremismus, vor allem gegen radikalen Islamismus. Denn die Alevitische Gesellschaft kennt die Folgen extremistischer Gewalt sehr gut. Dennoch werden wir nach all den Jahren mit den Feinden der Demokratie verwechselt. Kann ein knapp verfasster Artikel das wieder gut machen?

Die „Bild“-Theorie vom „Islam-Rabatt“ (2)

Die Leute von „Bild“ geben sich weiterhin Mühe, ihre QuatschTheorie vom „Islam-Rabatt“ (BILDblog berichtete) aufrechtzuerhalten.

Heute benutzen sie dafür den Fall des verurteilten Mustafa Y., der vor einem Jahr seinen Nachbarn erschossen hatte und nun wegen Mordes für zwölf Jahre ins Gefängnis muss. Bild.de schreibt:

Eigentlich steht auf Mord eine lebenslange Haftstrafe, man sei bei dem Angeklagten aber von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen, sagte der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer.

„Der Ramadan setzte ihm körperlich zu, er war dehydriert, aber es kam zu keiner Bewusstseinseintrübung.“ Er stellte aber klar: „Der Ramadan hatte nicht allein Einfluss auf seine verminderte Schuldfähigkeit. Mustafa Y. war auch psychisch und physisch instabil, litt unter Depression, Angstzuständen und Schlafstörungen.“

Und trotzdem titelt Bild.de:Wieder Islam-Rabatt für einen Mörder - Nachbar erschossen. Aber nur 12 Jahre Haft, weil er wegen Ramadan so hungrig und „körperlich angeschlagen“ war

Der Staatsanwalt hatte übrigens dreizehn Jahre gefordert.

Mit Dank an P. S., Thure und Manfred S.

Die „Bild“-Theorie vom „Islam-Rabatt“

Im Februar 2013 ist in Wiesbaden eine schwangere Frau von ihrem Ex-Freund niedergestochen worden. Die Frau und das ungeborene Kind starben, und der Mann musste sich vor Gericht verantworten. Vergangene Woche wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Eine „besondere Schwere der Schuld“ erkannte das Landgericht aber nicht, damit besteht nach 15 Jahren die Chance auf Haftentlassung. Die Entscheidung begründete der Richter angeblich damit, dass der Täter, ein Deutsch-Afghane, sich „aufgrund seiner kulturellen und religiösen Herkunft in einer Zwangslage befunden“ habe.

Und genau das ist für die Leute von „Bild“ ein Skandal.

„Keine Scharia in Deutschland!“, schrie Bild.de-Chef Julian Reichelt, und seine Print-Kollegen fragten:

Straf-Rabatt wegen religiöser Herkunft?

Drei Tage später war das Fragezeichen plötzlich verschwunden:

Ausriss: "Bild am Sonntag" vom 30. März 2014

Da waren selbst hartgesottene Islamhasser beeindruckt. Das Hetz-Portal „Politically Incorrect“ schrieb:

Ja was ist denn in die BILD am SONNTAG (BamS) gefahren? […] Gleich zwei mal packt das Springer-Blatt das heiße Thema Islam an – und zwar in einer Deutlichkeit, die es in sich hat.

Schon auf dem Titelblatt prangt die unmissverständliche Headline: „Islam-Rabatt für Jolins Mörder“. Ohne Fragezeichen!

(Der andere Islam-Artikel, über den sich „PI“ mindestens genauso doll freut, ist ein „Bams“-Interview mit einem deutsch-türkischen Schriftsteller – Überschrift: „‚Islam gehört zu uns wie die Reeperbahn nach Mekka'“.)

Und ohne Fragezeichen geht es bei Bild.de auch heute weiter:

Der große Report - ISLAM-RABATT - So urteilen deutsche Gerichte

… obwohl es in der Print-Ausgabe noch da war:

Geben unsere Gerichte ISLAM-RABATT? - Jolins Mörder bekam wegen seiner Religion eine mildere Strafe. Kein Einzelfall!

Die Antwort auf die Frage ist für „Bild“ natürlich eindeutig:

tatsächlich bekommen Angklagte immer wieder Islam-Rabatt!

Als Beleg listet „Bild“ zahlreiche einige ein paar genau zwei Fälle auf. Einer davon ist Ayhan S., der 2005 seine Schwester erschossen hatte und „gerade mal zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt“ wurde.

Der Richter: „Eine Mischung aus fest verankerten Vorstellungen von Familien-Ehre und eigenem Islam-Verständnis trieb ihn zur Tat.“

… schreibt „Bild“, lässt aber offen, was das mit welchem Rabatt auch immer zu tun haben soll.

Der zweite Fall besitzt sogar noch weniger Aussagekraft: Dort ist nicht mal das Urteil gesprochen worden.

Daneben führt die „Bild“-Zeitung noch eine Studie des Max-Planck-Instituts an, offenbar zur wissenschaftlichen Untermauerung ihrer „Rabatt“-Theorie. Die Untersuchung habe nämlich ergeben, schreibt „Bild“, dass sich der „kulturelle Hintergrund“ der Täter in „12 Prozent der Fälle […] strafmildernd“ ausgewirkt habe.

Die Macher der Studie selbst kommen jedoch zu einem völlig anderen Schluss, wie im aktuellen „Spiegel“ zu lesen ist:

Deutsche Strafgerichte behandeln sogenannte Ehrenmörder nicht milder als andere Beziehungstäter, sondern sogar strenger. Das ergibt eine Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, die demnächst erscheint. Die Forscherin Julia Kasselt hat 78 Fälle zwischen 1996 und 2005 ausgewertet, bei denen die Täter Partner oder Verwandte wegen kultureller „Ehrencodices“ angegriffen hatten. [..] Das Fazit der Forscherin: „Die Justiz gibt Ehrenmördern keinen ‚kulturellen Rabatt‘.“

Egal. Für die „Bild“-Zeitung ist und bleibt die Sache ein Skandal. Und die ersten empörten Politiker-Zitate hat sie auch schon aufgetrieben, was bedeutet, dass spätestens jetzt auch andere Medien aufspringen:Nach Urteil gegen Isa S. - Politiker empört über "Islambonus" für Täter
(bz-berlin.de)

Politiker gegen «Islam-Rabatt» für Straftäter
(kath.net)

Nach Urteil gegen Deutsch-Afghanen - Keine Milde für „Ehrenmörder“ - Politiker lehnen „Islam-Rabatt“ für Straftäter ab
(„Focus Online“)

Anders gesagt: Politiker und Journalisten empören sich über etwas, das nach neuesten Erkenntnissen überhaupt nicht existiert, das von der „Bild“-Zeitung aber mühsam herbei- und von anderen Medien blindlings abgeschrieben wird. Und als Beleg dient ihnen ausgerechnet die Studie, die eigentlich das genaue Gegenteil aussagt, was sie aber verschweigen.

Über so viel Entgegenkommen kann man sich als Moslemhasser natürlich nur freuen. „Politically Incorrect“ schreibt:

„Zum Regieren brauche ich BILD, BamS und Glotze“, sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zehn Jahren. Wenn die oben erwähnten Artikel eine intensive und schnörkellose Debatte über die Gefahren des Islam in Deutschland auslösen, könnte die BamS vom heutigen 30. März 2014 eine nicht zu unterschätzende Katalysator-Funktion gehabt haben.

Mit Dank an Werner H. und G.K.

Nachtrag, 8. April: Siehe auch hier, hier und hier.

Bild  

Islamhass ist für „Bild“ nicht der Rede wert

Es gibt in Deutschland Menschen, die nennen Moslems öffentlich „Jammertürken“, „Muselaffen“, „Muselgeier“, „Talibanfurzer“, „windelpupsende Mamasöhnchen“, „Arschhochbeter“, „Ziegenschänder“, „Eselficker“ oder schlicht „Gesoxe“ – und verstecken sich selbst dabei hinter Fantasienamen wie „Kreuzritter“, „RadikalDemokrat“ oder „Islamophobius“.*

Und es gibt Menschen, die bieten diesen Leuten ein Forum. Die Betreiber der Internetplattform „politically incorrect“ (kurz PI) sind solche Menschen. Sie nennen sich „Islamkritiker“, sind aber Islam-/Moslemhasser – und Thilo Sarrazin ist ihr Gott einer ihrer Helden.

"lispelnde, stotternde, zuckende Menschen-Karikatur" -  Diese Journalistin muss sich bei Sarrazin entschuldigen ... und einen Leser beschimpft sie als "flachgewichst"Das alles muss man wissen, wenn man diesen Artikel in der „Bild“-Zeitung vom vergangenen Samstag liest. Denn im Artikel selbst, erschienen als Seite-2-Aufmacher, steht davon kein Wort.

Warum auch? Schließlich geht es darin ja scheinbar nur um die kurdischstämmige Journalistin Mely Kiyak, die in einer ihrer häufig sehr streitbaren Kolumnen (erschienen in „Berliner Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“ sowie in den Online-Ausgaben beider Zeitungen) den Buchautor Thilo Sarrazin eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschen-Karikatur“ genannt hatte – was (angesichts der Tatsache, dass Sarrazins rechte Gesichtshälfte seit einer Tumor-OP 2004 teilweise gelähmt ist), nun ja, womöglich nicht die beste Idee der Welt war. Jedenfalls nahmen beide Zeitungen die Kolumne kommentarlos aus ihrem Online-Angebot, und die „Berliner Zeitung“ druckte am Freitag sogar eine „Klarstellung“, in der Kiyak ihre Wortwahl sehr bedauert.

Aus Kiyaks „Klarstellung“:

„[…] Meine Intention war zu keinem Zeitpunkt, ihn persönlich herabzusetzen. Thilo Sarrazin erscheint als Diskutant ungewöhnlich und erfordert aufgrund seiner Sprache, Gestik und Mimik Toleranz und Rücksichtnahme. Selbst verweigert er aber diese Rücksichtnahme und Toleranz hinsichtlich Erscheinungsbild, Lebensformen, Herkunft und Disposition Anderer. Mir ging es darum, auf seine eigenen – nicht körperlich bedingten – Unvollkommenheiten in seinem Auftritt hinzuweisen; wie ich jetzt finde, mit unzulässigen Mitteln. Wenn ich den physiologischen Hintergrund gekannt hätte, hätte ich das Bild nicht gewählt. Ich bedauere das sehr! […]“

So weit, so unschön und, ja, berichtenswert – auch, wenn man bei genauerer Lektüre der „Klarstellung“ erkennt, dass Kiyak sich darin, anders als „Bild“ in Überschrift und Text suggeriert, mit keinem Wort entschuldigt – schon gar nicht bei Sarrazin (siehe Kasten). Aber das nur nebenbei.

Denn Kiyak schrieb weiter:

In den letzten Tagen erreichte mich allerdings auch eine gesteuerte und organisierte Beschwerdewelle, die die Grenzen der Empörung weit überschritt und sich nur noch in blankem Hass äußerte.

Wie solche „Beschwerdewellen“ aussehen, hat Kiyak (aber bei weitem nicht nur sie) bereits häufiger erleben müssen und darüber sogar schon öffentlich berichtet – auch über die Auslöser: Islamhasser-Seiten wie PI nämlich dokumentieren islamhasserkritische Texte gern mit der Nennung von E-Mail-Adressen und weiteren Kontaktmöglichkeiten der Kritiker – und überlassen den Rest der geneigten Leserschaft…

„Bild“ jedenfalls fasst das, was Kiyak in der „Klarstellung“ schildert, dennoch (Hervorhebung von uns) als „eine angeblich ‚gesteuerte und organisierte Beschwerdewelle'“ zusammen – hat dann aber noch eine weitere Kiyak-Geschichte parat:

Kürzlich attackierte sie in einem anderen Zusammenhang sogar einen ihrer Leser. BILD liegt eine E-Mail vor, die Kiyak am 18. Mai an Markus L. (Name geändert) schickte. Der hatte ihr in höflicher Sprache einen Leserbrief auf eine ihrer Kolumnen geschrieben.

Mely Kiyak schrieb L. zurück: „(…) Und auch sonst schreiben Sie so dämliche Grütze, dass man es kaum fassen kann. Als Zeitung schämen wir uns in Grund und Boden, solch einen flachgewichsten Leser wie Sie zu haben!“

Doch der Halbsatz „BILD liegt eine E-Mail vor“ ist lächerlich – und irreführend: Die E-Mail (inhaltlich eher eine Art Manifest islamophober Überfremdungsängste mit persönlichen Anwürfen gegen Kiyak als Reaktion auf eine ihrer islamkritikerkritischen Kolumnen) wurde bereits vor einer Woche ins Internet gestellt – veröffentlicht auf journalistenwatch.com, einer privaten Website des Bundes-Pressesprechers der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit, die auf vielfältige Weise mit der eingangs erwähnten Islamhasser-Seite PI verbandelt ist. Und nicht nur das. Der E-Mail-Wechsel wurde vor dem „Bild“-Artikel auch auf PI (und vielen anderen, ähnlichen Websites) dokumentiert – zusammen mit zahllosen beleidigenden PI-Leserkommentaren und dem redaktionellen Hinweis: „[D]iese abartigen Ausfälle einer Mely Kiyak darf man einfach nicht unkommentiert stehen lassen. Hier der Kontakt zur Frankfurter Rundschau, die dieser moslemischen Furie eine regelmäßige Plattform bietet: (…)“ Außerdem hat journalistenwatch.com sogar eine Pressemitteilung zum Thema verschickt – zufälligerweise unmittelbar vor der „Bild“-Veröffentlichung.

Dafür, dass der „Bild“-Artikel nun, so wie er veröffentlicht wurde, in der Islamhasser-Szene bejubelt wird, kann „Bild“ nichts. Beifall von der falschen Seite ist leider nie völlig ausgeschlossen. Aber: Dass in dem „Bild“-Artikel selbst kein (distanziertes) Wort über das unappetitliche und menschenverachtende Umfeld steht, das Kiyaks Entgleisung hervorgerufen und überhaupt erst öffentlich gemacht hat, ja, dass „Bild“ sogar den Hintergrund der ganzen Auseinandersetzung, also die kritische Berichterstattung über die Islamhasser-Szene, komplett ausblendet, kann kein Zufall sein!

Der „Bild“-Artikel über Kiyak beginnt mit den Worten:

Sie ist schön, sie ist schlau. Aber woher kommt nur diese Wut im Bauch?

Ich hatte das schon fast wieder vergessen, aber ich glaube, ich kenne die Antwort.

*) Hinweis in eigener Sache: Die genannten Beispiele stammen aus dem Buch „Heile Welten – Rechter Alltag in Deutschland“ (Leseprobe hier), das ich mitgeschrieben habe.

Bei „Bild“ sind die Muslime daran schuld, dass die Kirchen zu sind

Die „Bild“-Redaktion versucht heute mal wieder, Religionen und deren Anhänger gegeneinander auszuspielen:

Ausriss Bild-Zeitung - Keine Gottesdienste - Kirchen aus Sorge vor Ramadan-Chaos geschlossen

Die vier „Bild“-Autoren Ralf Schuler, Filipp Piatov, Nikolaus Harbusch und Tomas Kittan schreiben, dass sie aus Quellen rund um die „Schalte von Bundeskanzleramt und Länderchefs“ erfahren hätten, dass die Furcht vor einem möglichen Chaos zum muslimischen Fastenmonat Ramadan dafür sorge, dass auch die christlichen Kirchen und die jüdischen Gemeinden weiter geschlossen bleiben müssen:

Bislang untersagte die Bundesregierung den Bürgern das gemeinsame Beten aus Angst vor Corona — jetzt ist es die Sorge wegen eines möglichen Chaos an Ramadan. (…)

Wahrer Hintergrund der Entscheidung [weiterhin keine Gottesdienste stattfinden zu lassen] nach BILD-Informationen: Anders als bei den großen christlichen Kirchen und jüdischen Gemeinden sieht die Politik bei den Muslimen in Deutschland keine zentralen Ansprechpartner, die verlässlich Regeln (Abstand, Hygiene et cetera) in den Moscheen flächendeckend durchsetzen könnten. Deshalb sollen nun alle Gotteshäuser möglichst mindestens noch bis zum Ende des in der kommenden Woche beginnenden Fastenmonats Ramadan (23. April bis 23. Mai) geschlossen bleiben.

Warum es mit Blick auf die Corona-Pandemie jetzt weniger gefährlich sein soll als noch vor ein paar Tagen, wenn vorwiegend ältere Menschen in einem geschlossenen Raum dicht beieinander sitzen und christliche Lieder schmettern, wobei sicher auch das eine oder andere Speicheltröpfchen durch die Luft fliegen dürfte, erklärt „Bild“ nicht. Stattdessen der Tenor: Die wilden Muslime, die in ihren Schmuddelmoscheen aufeinanderhocken und sich nicht mal richtig die Hände waschen, sind schuld, dass wir Christen nicht zum Gottesdienst in unsere Kirchen dürfen.

So treibt man einen Keil zwischen Menschen, die momentan eigentlich dieselbe für sie schwierige, ärgerliche Situation durchleben.

Bereits gestern Abend erschien der Beitrag auch bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Keine Corona-Lockerungen für Gotteshäuser - Kirchen aus Sorge vor Ramadan-Chaos geschlossen

Natürlich hinter der „Bild plus“-Paywall, wodurch alle die spalterische Überschrift lesen, aber nur wenige die angeblichen Hintergründe erfahren konnten.

Die einschlägig islam- und muslimfeindlichen Kreise hat die „Bild“-Redaktion mit ihrem Artikel jedenfalls zielgenau erreicht:



Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 15:12 Uhr: Mal abgesehen von der Stimmungsmache durch die „Bild“-Redaktion: Es stimmt auch nicht, dass die Kirchen alle „geschlossen“ sind, wie etwa Bild.de teasert. Es gibt eine ganze Reihe von Kirchen, die fürs stille Gebet weiterhin geöffnet sind. Nur Gottesdienste dürfen nicht stattfinden.

Neues falsches Futter für rechte Hetzer und Islamhasser

Wie kann es so weit kommen, dass ein kleiner Verein, der eigentlich nur in Kindergärten Kindern verschiedener Herkunft Märchen erzählen will, in eine Welle aus Wut und Hass und Hetze gerät und am Ende Drohungen von Islamhassern und Rechtsextremen erhält? In diesem Fall spielen falsche und verzerrende Schlagzeilen zweier Medien eine zentrale Rolle. Ein Beispiel für gefährliche Berichterstattung.

Das Unheil begann mit einer Überschrift der „Sächsischen Zeitung“. Am Montag titelte das Onlineportal Sächsische.de:

Screenshot Sächsische.de - Oberlausitzer Kita-Kinder sollen Syrisch lernen

Und das ist schon völlig falsch.

Es geht um das Projekt „Erzählen – Ein Schatz für die Zukunft“ des Dresdner Vereins „Erzählraum“. Auf seiner Website schreibt der Verein dazu:

Ein mehrsprachiges Erzähl-Projekt zur Begegnung mit der Sprache des Nachbarn im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien

3 erfahrene Tandems erzählen entweder auf deutsch und polnisch, deutsch und tschechisch oder deutsch und sorbisch und lassen so die Sprachen der Grenzregion durch das mehrsprachige freie Erzählen von Märchen in Kinderherzen und -köpfen Einzug halten.

Seit 2016 gibt es das Projekt. In diesem Jahr kommt erstmals ein viertes „Tandem“ hinzu:

Neu 2020: Besonders für Kinder mit Migrationshintergrund kann das zweisprachige Erzählen eine tiefgreifende, motivierende Erfahrung sein, die eigene Sprachbarriere zu überwinden. Aus diesem Anlass gibt es ab August ein viertes Tandem, welches auf deutsch und syrisch erzählt. In einer Zeit, in der sich die Zusammensetzung von Schulklassen und Wohngebieten zunehmend internationalisiert, können Märchen vor allem auch als Brücken zwischen den Kulturen erlebt werden.

Daraus machte Sächsische.de also: „Oberlausitzer Kita-Kinder sollen Syrisch lernen“.

Das Projekt „Erzählen – Ein Schatz für die Zukunft“ hat mit Sprachunterricht nichts zu tun. Kein Kindergartenkind „soll“ eine andere Sprache dabei „lernen“, auch nicht „Syrisch“. Die Zweierteams, die in den Kitas vorbeischauen, „erzählen gemeinsam mit den Kindern vor Ort abenteuerliche und phantasievolle Geschichten“ in unterschiedlichen Sprachen. So steht es in der ausführlichen Ausschreibung (PDF) des Vereins:

An 7 Projekttagen, die im Projektzeitraum durchzuführen sind, kommen die Erzählerteams in die Einrichtung und arbeiten mit den Kindern in jeweils zwei Gruppen à 45-60 Minuten. (…)

Die Erzählstunden werden jeweils von zwei Erzählenden (Muttersprachler_innen) zweisprachig gestaltet, wobei es nicht darum geht, dass die Texte in die andere Sprache übersetzt werden; vielmehr wird in beiden Sprachen fortlaufend und abwechselnd erzählt. Die Kinder werden so mit der Sprachmelodie, dem Rhythmus, der Lautbildung und Artikulation der anderen Sprache vertraut, ohne dass die einzelnen Worte bekannt sein und verstanden werden müssen. Durch gezielte Wiederholungen inhaltlicher Passagen oder von Zitaten in beiden Sprachen, durch das Nachsprechen einzelner Wörter (z.B. bei Kettengeschichten), durch die Verwendung von Internationalismen und insbesondere durch Mimik und Gestik sowie plastischer Erzählweise wird das Verstehen der Geschichten gewährleistet. Die Einbeziehung kleinerer Requisiten erleichtert die Wiedererkennung von Gegenständen und Begriffen.

Bei vielen Leserinnen und Lesern der „Sächsischen Zeitung“ kamen diese Details nicht an. Die Görlitz-Redaktion postete den Artikel von Sächsische.de auf ihrer Facebookseite. Und dort gab es vor allem eine Reaktion: Wut.

Die Kinder sollen in Deutschland die Sprache deutsch lernen!!!

Die armen Kinder! Ich fasse es nicht!!!

Ich würde den Erziehern was Husten

Aber sonst gehts den noch gut?

erstmal sollen die flüchtlinge deutsch lernen dann können wir darüber reden

Die sollen lieber Deutsch lernen

Außerdem nutzten verschiedene Gruppen den Beitrag für ihre rassistische Hetze. Nur ein Beispiel von vielen:

Screenshot eines Facebook-Posts der Seite Sachsen stellt sich quer: Asylmissbrauch stoppen - Will man auf einen Massenzuzug von Syrern in die Oberlausitz vorbereitet sein?

Am Dienstag erschien auch in der Dresden-Ausgabe der „Bild“-Zeitung und bei Bild.de ein Artikel zum Thema:

Screenshot Bild.de - Projekt vom Freistaat gefördert - Kita-Kinder sollen arabische Lieder hören

Nach dieser verzerrenden Schlagzeile legte der Hass dann richtig los. Der Bild.de-Artikel wurde tausendfach wutschnaubend kommentiert und tausendfach geteilt. Rechtspopulisten, Rechtsradikale und Neonazis verbreiteten den Text:








Mit Bezug auf den „Bild“-Artikel forderte die sächsische AfD-Fraktion in einer Stellungnahmen den sächsischen Kulturminister auf, „die Indoktrination kleiner Kinder“ durch den „Arabisch-Unterricht“ sofort zu stoppen. Sicherheitshalber noch einmal: Es ist kein „Arabisch-Unterricht“ geplant.

Was die AfD besonders empört: „Wenn allerdings Kita-Kinder zur Teilnahme am Arabisch-Unterricht gezwungen werden, so ist dies ungeheuerlich und zeugt davon, dass sich die Initiatoren eine Islamisierung unserer abendländischen Kultur wünschen.“ Diese abstruse These mit der Aussage zum angeblichen Zwang basiert auf einem Zitat aus dem Artikel der „Bild“-Medien. Laut Autor Karsten Kehr sagte eine Mitarbeiterin des Vereins „Erzählraum“:

„Wir sind fester Programmpunkt, die Teilnahme für die Kinder ist nicht freiwillig.“

Wir haben beim „Erzählraum“ nachgefragt, ob das stimmt. Die schriftliche Antwort:

Die Kinder werden NICHT, wie behauptet wird, gezwungen an den Erzählstunden teilzunehmen.

Es blieb nicht bei Forderungen der AfD-Fraktion und wütenden Kommentaren bei Facebook. Der Verein und einzelne Mitarbeiterinnen persönlich wurden per Mail beschimpft und bedroht:

Die Reaktionen sind zum Teil so heftig, dass wir sie nicht im Detail aufführen möchten, um die Stimmung nicht noch mehr aufzuheizen. Wir behalten uns aber das Recht vor, sie zur Anzeige zu bringen.

Früher, als die arabische Sprache noch nicht Teil des Projekts war und nur deutsch-polnische, deutsch-tschechische und deutsch-sorbische Tandems im Einsatz waren, habe es weder derartige Reaktionen noch eine ähnliche mediale Aufmerksamkeit gegeben, so die „Erzählraum“-Mitarbeiterinnen.

In einer Richtigstellung hat der Verein versucht, der Welle aus Wut, Hass und Hetze etwas entgegenzusetzen. Die Redaktion von Sächsische.de hat ihre Überschrift inzwischen geändert und den Fehler eingeräumt. Bei Bild.de ist alles unverändert online.

Mit Dank an @laurenz_dul für den Hinweis!

„Bild“ auf Zitate-Jagd

Das ist eine ganz schön heftige Aussage, die „Bild“-Reporter Celal Çakar „Verkäufer Johan“ auf der Messe „Jagd & Hund“ entlockt haben soll:

Am Stand von „HHK Safaris“ treffen die BILD-Reporter auf Berater Johan. Er macht ein Angebot für 18 Tage Safari in Simbabwe für 54 700 Dollar (knapp 50 000 Euro). Der Abschuss von Tieren kann dazu gebucht werden: Giraffe rund 2700 Euro, Zebra 1300 Euro, Löwe 36 400 Euro.

Braucht man einen Jagdschein?

Verkäufer Johan: „Du musst halt schießen können und bezahlen. Wir fahren bei Leoparden auf 30 Meter ran, schießen dem Tier erst in die Beine, du kannst es dann erlegen.“

Dieses Zitat passte auch bestens in die Geschichte, die Çakar und dessen Kollegin Christina Drechsler von der Jagdmesse in Dortmund mitgebracht hatten:

Ausriss Bild-Zeitung - Die perverse Preisliste der Tierkiller

Beim Deutschen Jagdverband haben sie sich über die Aussage von „Verkäufer Johan“ ziemlich gewundert: „Als ich das Zitat gesehen habe, ist mir die Kinnlade auf den Tisch gefallen“, sagt uns Stephan Wunderlich, der beim Verband für die Auslandsjagd und den internationalen Artenschutz zuständig ist. Daher hat er bei Johan Bezuidenhout nachgefragt, ob er das, was in „Bild“ und bei Bild.de steht, wirklich gesagt hat. Bezuidenhout antwortete, er habe so etwas nie gesagt. Der Reporter, mit dem er gesprochen hat, habe ihm die Worte im Mund umgedreht: „He put totally wrong information in the newspaper.“

Die Aussage, so wie sie in „Bild“ steht, passe auch schon inhaltlich nicht, sagt Stephan Wunderlich: Niemand werde mit einem Auto an Leoparden herangefahren. „Die 30 Meter sind die Distanz beim Ansitz auf Leoparden.“

Wunderlichs Verband hat zu dem Zitat im „Bild“-Artikel eine Pressemitteilung herausgegeben:

Der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland haben zwischenzeitlich den anerkannten Berufsjäger mit den Vorwürfen konfrontiert. Dieser ist schockiert: „Es stimmt, dass ich mich mit einem Journalisten der BILD unterhalten habe. Aber diese Behauptung ist eine Lüge. Der Journalist hat mich bewusst falsch zitiert. Sonst hätte er keine Story.“ Für den tatsächlichen Wortlaut des geführten Interviews gibt es Zeugen. Demnach habe Johan Bezuidenhout auf Englisch gesagt, dass nach einem schlechten Treffer, etwa auf dem Vorderlauf, immer eine Nachsuche durchgeführt wird und diese erläutert. Dieses Vorgehen ist auch in Deutschland aus Tierschutzgründen Pflicht.

„Nicht mal, wenn jemand nicht so gut Englisch spricht, darf so ein Zitat daraus entstehen“, sagt Stephan Wunderlich: „Das ist rufschädigend.“

Die „Bild“-Geschichte wurde international von anderen Medien aufgegriffen, etwa in der Schweiz vom „Blick“ und in England von der „Sun“.

Wir haben bei „Bild“ nachgefragt, ob die Redaktion dabei bleibt, dass das veröffentlichte Zitat von Johan Bezuidenhout so gefallen ist. Sprecher Christian Senft antwortete: „ja.“

Mit Dank an Robert für den Hinweis!

Blättern: 1 2 3 4 ... 28